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Aktive Medienarbeit

"Aktive Medienarbeit" ist ein Fachbegriff, der eine gebräuchliche Methode der Medienpädagogik bezeichnet. Bereits in den 60er Jahren forderte beispielsweise Hans Chresta (Filmerziehung in Schule und Jugendgruppe, Solothurn 1963) "aktive Filmarbeit", um die filmischen Gestaltungs- und Manipulationsmöglichkeiten kennenzulernen. Heute beschäftigt sich die "aktive Medienarbeit" mit allen Medien, also Radio und Musik, Video, Film, Kunst, Zeitung sowie Internet und Computer.

 

Bernd Schorb und Bernd Hüther haben den Begriff der "aktiven Medienarbeit" so definiert:

"Die Be- und Erarbeitung von Gegenstandsbereichen sozialer Realität mit Hilfe von Medien wie Druck, Foto, Ton, Film, Video oder Computermedien. Die Medien werden von ihren Nutzern 'in Dienst genommen', d.h. selbständig gehandhabt und als Mittel der Kommunikation gebraucht." (Schorb/Hüther 1997).

 

"Aktive Medienarbeit" legt nahe, dass es dabei um ein "zielgerichtetes aktives Handeln" (Palme 1991) zum Beispiel von Jugendlichen geht, das auf die Erstellung eines medialen Produkts hinausläuft. Dieses Medienhandeln wird im Unterschied zum Medienkonsum als 'aktiv' beschrieben.

 

"Aktive Medienarbeit" wird zwar oft mit offener Jugendarbeit assoziiert, kann jedoch ebenso in Schulen und in der Vorschulerziehung angesiedelt werden, die institutionelle Anbindung ist nicht relevant. Wesentlich für die 'aktive Medienarbeit' sind vielmehr methodische Vorgehensweisen wie Gruppenarbeit, handelndes Lernen etc.


Handelndes Lernen

Der Begriff des "handelnden Lernens" ist für die "aktive Medienarbeit" zentral, in dem Sinne, dass Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten arrangiert werden. "Handelndes Lernen", als ein Prinzip der Pädagogik, enstand als reformpädagogische Idee und wurde erstmals von Dewey als 'learning by doing' begrifflich gefasst. Grundgedanke hierbei ist "der Erwerb von theoretischem und praktischem Wissen im Prozess der tätigen Aneignung eines "Gegenstandsbereichs". Die Vertreter dieses Lern-Arrangements erhoffen sich zahlreiche positive Effekte. In Anlehnung an Professor Bernd Schorb hier einige Beispiele:

  • Eigeninitiative und Selbstbewußtsein anhand "ganzheitlicher Aufgaben" in Eigenregie fördern, zur Teilhabe an gesellschaftlichen Prozessen ermuntern (Dewey).
  • Aufhebung der Trennung zwischen 'Hand- und Kopfarbeit' zugunsten eines umfassenderen Verständnisses von gesellschaftlicher Wirklichkeit und Veränderbarkeit derselben (Makarenko).
  • Über die Beschäftigung mit einem konkreten Problem und dem handelnden Umgang mit demselben zu einer „Bewußtseinsbildung" zu gelangen, wodurch ein Potential zur Änderung sozialer Realität bewußt und die Änderung bewältigbar wird (Freire).

Schorb hebt als Charakteristika "handelnden Lernens" eine Herausbildung der Persönlichkeitseigenschaften "Selbstbewußtsein, Selbstbestimmung, Selbständigkeit" hervor:

"Handelndes Lernen ist in dem Sinne dialektisches Lernen, als es den Prozeß der Aneignung eines Gegenstandsbereichs immer schon verknüpft mit der Veränderung desselben, gerichtet auf eine Auseinandersetzung mit und Weiterentwicklung der umgebenden Realität".

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erfahren, gerade indem sie Medien gestalten, im engeren Sinne etwas über diese. Beispielsweise wird erfahrbar, dass unterschiedliche Medienträger mit unterschiedlichen Ausdrucksmöglichkeiten ausgestattet sind. Sie müssen sich in der Gruppe mit Produktionsabläufen beschäftigen, Ausdauer zeigen, wenn die Technik nicht funktioniert und müssen das Zusammenspiel verschiedener 'Zulieferer' untereinander regeln.

Ziel "aktiver Medienarbeit" ist also auch, durch die Erfahrung eigener Produktion urteilsfähiger und kritischer für Fremdproduktionen zu werden. In diesem Sinne sollen manipulative Tendenzen der Massenmedien durchschaut werden und insgesamt ein reflektierter Umgang mit denselben erreicht werden (Schell 1990).

 

Fred Schell sieht die aktive Medienarbeit der emanzipatorischen Pädagogik verpflichtet:

"Im Vordergrund dieser pädagogischen Position steht das Individuum als gesellschaftliches Subjekt, das nicht durch vorgegebenen Verhältnisse determiniert ist, sondern grundsätzlich eigene gesellschaftliche Handlungs- und Gestaltungsfähigkeit besitzt. Primäre Aufgabe pädagogischen Handelns ist es demnach, Reflexion und Veränderung gesellschaftlicher Zustände zu ermöglichen".

 

Trotz des einheitlich gebräuchlichen Fachausdrucks, sind in der Literatur einige begriffliche Abwandlungen vorzufinden: Mit dem Begriff "kreative Medienarbeit" (Baacke 1992), der im Sinne der 'aktiven Medienarbeit' gebraucht wird, soll besonders akzentuiert werden, dass Jugendliche nicht nur "von Objekten zu Subjekten der Berichterstattung" werden, sondern auch als Subjekte die "ästhetische Weltgestaltung" beeinflussen (Baacke 1994).

 

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Autorin: Ingrid Bounin