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Cinéma Vérité

Obwohl oft gleich gesetzt, versuchte das Cinéma Vérité in Frankreich, für das insbesondere der Filmemacher und Ethnologe Jean Rouch steht, die Möglichkeiten der neuen Techniken doch anders zu nutzen. Gerade die Konfrontation mit der Kamera sollte die Interviewten zu anderen, "ehrlicheren" Antworten provozieren. Ziel war es, nicht nur Ereignisse zu drehen, die auch ohne Kamera stattgefunden hätten, sondern vor allem soziale Prozesse zu thematisieren, die durch die Filmarbeit erst angestoßen werden.

 

"Der Film ist eine Film-Enquête, eine Film-Untersuchung. Entsprechend kommt der Kamera der Charakter eines Caméra Provocateur zu, der eine Wahrheit hervorbringt, die unter dem Sichtbaren verborgen liegt. Um diesen Prozess in Gang zu setzen, bedient sich Rouch psychodramatischer Techniken wie der Improvisation im Rollenspiel, in dem sich der Akteur enthüllen und seine Wahrheit als Subjekt zum Vorschein bringen kann." (Rainer Rother (Hg.): Sachlexikon Film, Reinbek 1997, S.44)

Entsprechend oft spielen viele Filme von Jean Rouch mit der vermeintlichen Grenze zwischen Dokumentar- und Spielfilm.