Studie: Sinkende Schülerzahl verändert Schulsystem

Werden bald jede Menge Plätze frei? (Bild: Wolfra/flickr, Lizenz: cc)
Gütersloh - Das deutsche Schulsystem steht nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung durch die sinkenden Schülerzahlen vor radikalen Veränderungen. Bis zum Jahr 2025 wird die Zahl der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen 6 und 18 Jahren von knapp 11 Millionen auf 9 Millionen sinken, hieß es am Freitag in Gütersloh. „Auch wenn es große regionale Unterschiede gibt, werden Länder, Städte und Gemeinden bei der Bildungsplanung neue Wege gehen müssen“, sagte Vorstandsmitglied Brigitte Mohn. „Durch den massiven Rückgang der Schülerzahlen dürfte vor allem das dreigliedrige Schulsystem weiter unter Druck geraten.“
Ende des dreigliedrigen Schulsystems?
Der Trend zu neuen Schulformen wird sich nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung fortsetzen. Dazu zählt das zweigliedrige System mit zusammengelegter Haupt- und Realschule. Bei einer Fortsetzung der Entwicklung dürfte sich der Andrang auf die Gymnasien verstärken, während die Hauptschule vom Aussterben bedroht sei.
Neoliberaler Reformer
Kritiker werfen der Bertelsmann-Stiftung allgemein die „Inszenierung von 'gesellschaftlichen Notwendigkeit' und die Durchsetzung neoliberaler Reformen“ vor. Über die Produktion von Informationen und Ideen und deren Verbreitung und Vermarktung nimmt die Stiftung Einfluss auf die politische Agenda. Als „Bertelsmannisierung der Schulen“ wird bereits die Rationalisierungs- und Ökonomisierung im Schulbereich bezeichnet, die seit 1995 maßgeblich durch die Bertelsmann-Stiftung in ganz Deutschland vorangetrieben wird. Ihr Ziel ist eine völlig veränderte Verwaltung und Arbeitsorganisation in den Schulen, die sich aus den Grundsatzvorgaben des neoliberalen „New Publik Management“ ableiten.
Effizienzdenken im Bildungssektor
Für Deutschland war und ist die Bertelsmann-Stiftung der entscheidende Motor der Umwälzung des gesamten Bildungssektors, zum Beispiel bei der Einführung von Studiengebühren oder beim zunehmenden Ranking und der Kennzahlenerfassung des Schulsystems. „Hinter der Fassade von wohlmeinenden und humanistisch klingenden Reformvorschlägen wurde die neoliberale Sozialtechnik eines eiskalten Effizienzdenkens sichtbar“, schreiben die Kritiker auf www.bertelsmannkritik.de (dpa/mco)
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