Heinrich Heine
Ein deutsch-französischer Vermittler
Thema: Heinrich Heine
Klassenstufe: 9/10
Bezug zu anderen Fächern: Französisch, evtl. Musik
"Deutschland - ein Wintermärchen"
Arbeitsblatt: Deutschland ein Wintermärchen
Heinrich Heine (1797-1856) bleibt auch heute noch als Vermittler zwischen der deutschen und der französischen Kultur präsent. Er emigrierte auf der Flucht vor der Zensur ab 1831 nach Paris, wo er als Korrespondent für verschiedene deutsche Zeitungen schrieb.
Gerade seine "Franzosenfreundschaft" wurde von Heines Gegnern mit seiner Immoralität und Religionskritik, mit seiner jüdischen Identität und seiner Individualität in Verbindung gebracht, womit Heine als Symbol des "Undeutschen" personifiziert werden konnte. (Und dies nicht erst mit der Verfolgung seiner Schriften durch die Nationalsozialisten, sondern schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts!) Heine schrieb für den deutschen und für den französischen Literaturmarkt: Die romantische Schule (1836), Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland (1835) erschienen erst in französischer Sprache, Französische Zustände (1833), Französische Maler (1834) und Über die französische Bühne (1840) erschienen auf Deutsch. Heine war in die Pariser Kunstszene integriert (etwa als Freund von Victor Hugo, George Sand und Honoré de Balzac), blieb aber weiterhin dem deutschen Kulturleben verbunden.
In der Fremde
Von dem folgenden Gedicht sind eigentlich nur die letzten Strophen bekannt. In leistungsstarken Klassen ist ein Bezug auf Mascha Kalékos Gedicht "Im Exil" (1945) möglich, das sich direkt auf diese Zeilen bezieht. Oberflächlich gesehen handelt es sich hier um Heines Exilerfahrung, gleichzeitig kann der Text aber auch als Beleg für Heines grundsätzliche Erfahrung von Fremdheit in der Gesellschaft gesehen werden, wie er es in seinen Reisebildern beschreibt:
"Wer von seinem Herzen rühmt, es sei ganz geblieben, der gesteht nur, dass er ein prosaisches weitabgelegenes Winkelherz hat. Durch das meinige ging aber der große Weltriss, und eben deswegen weiß ich, dass die großen Götter mich vor vielen anderen hoch begnadigt und des Dichtermärtyriums würdig geachtet haben."
Aus: Heinrich Heine, Reisebilder. Dritter Teil. Die Bäder von Lucca.. In: Sämtliche Schriften in sechs Bänden. Bd.2. Hrsg. von Klaus Briegleb. München 1968-1976, 405.
Es treibt dich fort von Ort zu Ort,
Du weißt nicht mal warum;
Im Winde klingt ein sanftes Wort,
Schaust dich verwundert um.
Die Liebe, die dahinten blieb,
Sie ruft dich sanft zurück:
O komm zurück, ich hab dich lieb,
Du bist mein einzig Glück!
Doch weiter, weiter, sonder Rast
Du darfst nicht stille stehn.
Was du so sehr geliebet hast
Sollst du nicht wieder sehn.
(...)
3.
Ich hatte einst ein schönes Vaterland
Der Eichenbaum
Wuchs dort so hoch, die Veilchen nickten sanft.
Es war ein Traum.
Das küsste mich auf deutsch, und sprach auf deutsch
(Man glaubt es kaum
Wie gut es klang) das Wort: "ich liebe dich!"
Es war ein Traum.
Aus: Heine, Heinrich, Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Bernd Kortländer. Stuttgart 1997, 354f.
Anregungen für den Unterricht
- Heinrich Heine beschreibt in diesem Gedicht auch sein eigenes Leben. Belegt am Text.
- Bei Heinrich Heine wusste man nie so genau, ob er romantische Gedichte schrieb, oder ob er sich nur über seine Leserinnen/Leser und sich selbst lustig machte. Findet ihr auch in diesem Text solche Stellen? Vergleicht mit traditionellen Liebesgedichten.
- Bereitet in Partnerarbeit einen Gedichtvortrag vor. Achtet dabei auf folgende Elemente: Werden die Sinneinheiten richtig betont? Werden Schlüsselwörter betont? Wie ist die Sprechmelodie? Wie ist die Lautstärke? Wird hier variiert? Wie ist das Sprechtempo? Wie ist die Stimmlage (hell/dunkel, hart/verschleiert,...). Wenn ihr es ganz gut machen wollt, könnt ihr auch Geräusche oder Musik einfügen.
Deutschland - ein Wintermärchen
Das Versepos "Deutschland. Ein Wintermärchen" richtet sich besonders gegen Preußen und eine deutsche Ideologie, die Patriotismus nur als Ausdruck von Chauvinismus und Moral akzeptieren kann. Heine klagt für sich ein, dass er Heimatgefühle für sein verlorenes Vaterland hegen darf, auch wenn er nicht diese Ideologie teilt. Heine, der als "Dichter des Heimwehs", als "leuchtendes Beispiel der Zwischenlands-Existenz" (Wagner-Simon 1986, 156) bezeichnet wird, war wohl wie kein anderer deutscher Dichter betroffen von Kritik und Sehnsucht nach Deutschland. Motive aus Märchen, Sagen, Mythologie und Religion werden von ihm zusammengestellt zu einer ambivalenten Sicht auf sein Vaterland.
Arbeitsblatt: Deutschland - ein Wintermärchen
Anregungen für den Unterricht
- Wie verteidigt sich Heine gegen Angriffe von außen?
- Vergleicht mit Kurt Tucholskys Heimat-Betrachtungen
- Wie beurteilt Heine die deutsch-französischen Beziehungen?
- Besorgt Euch verschiedene Aufnahmen von Deutschland ein Wintermärchen, (z.B. gelesen von Eberhard Esche (Eulenspiegel 1997), Gert Westphal (Litraton 1998), Gerd Wameling (HÖR-Verlag DHV 1999), Katharina Thalbach (Jumbo Neue Medien 2001)). Vergleicht. Übt Euch selbst im Rezitieren des Gedichts. Eventuell könnt Ihr Euch (in Zusammenarbeit mit dem Musikunterricht) eine Musik auswählen oder selbst spielen, die als Untermalung passen könnte.
Nachtgedanken
In Heines Gedichten, in denen er sein Heimweh ausdrückt, findet sich immer wieder die Mutter. Damit ist seine Sehnsucht nach Deutschland auch eine Sehnsucht nach der verlorenen Kindheit.
Heinrich Heine: Nachtgedanken (1843)
Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen.
Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.
Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!
Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.
Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.
Aus: Heine, Heinrich, Sämtliche Gedichte. Hrsg. von Bernd Kortländer. Stuttgart 1997, 424 f.
Anregungen für den Unterricht
- Viele deutsche Autorinnen/Autoren wurden zum Exil gezwungen. Teilt Euch in Arbeitsgruppen auf und untersucht, warum sie fliehen mussten, wohin sie flohen und wie sie diese Flucht erlebten. Zur Anregung hier einige Namen: Rose Ausländer, Bert Brecht, Wolf Biermann, Paul Celan, Ferdinand Freiligrath, Günter Kunert, Nelly Sachs, Georg Herwegh, Walter Benjamin.
- Eure Ergebnisse könnt Ihr als Wandzeitung präsentieren, eventuell mit einer Weltkarte der Exilländer. Möglich ist auch eine Präsentation auf der Homepage Eurer Schule.
Autorin: Annette Kliewer
Weiter zu
Interkulturelle Märchen und Fabeln
Zurück zur Übersicht







