Die Geräuschekiste

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Eine sehr einfache und lustvolle Form, Sprachgrenzen zu überwinden, ist die Beschäftigung mit typischen Geräuschen, die sich eindeutig von einem Begriff ableiten lassen. Am einfachsten funktioniert das mit Tier- und Naturgeräuschen, aber auch mit Objekten, die bestimmte Laute erzeugen.
Die Vorstellung einer Geräuschekiste geht davon aus, dass Geräusche in einer Kiste eingeschlossen sind. Wird die Kiste (etwa von einem "Öffnungston" - z.B. Knarrton - begleitet) geöffnet, kann sich ein bestimmtes Geräusch entfalten und wird zuvor mehrsprachig angesagt. Beim Schließen der Kiste (ebenfalls ein Knarrton) verstummt es wieder.
Spannend wird die Sache dann, wenn auch Begriffe miteinbezogen werden, die keine typischen Laute von sich geben (etwa "Hut" oder "Direktorin").
Die Geräuschekiste wird "befüllt":
Die Kinder überlegen sich zunächst maximal 10 typische Geräusche, die allesamt mit Mund- und Stimmlauten erzeugt werden sollen. Optimal wäre es, mit einfachen Tierlauten zu beginnen, dann einige lärmende Objekte miteinzubeziehen und schließlich einen "Ausreißer" anzufügen (Begriffe, zu denen ein Geräusch erfunden werden muss - siehe auch unten).
Beispiele für typische Tierlaute:
Hund, Katze, Singvogel (Pfeifen), Papagei (Plappern), Bär (Brummen), Biene (Summen), Rind, Ziege, Hahn/Hühner, Pferd, Affe (z.B. hohe Summlaute), Elefant (Trompeten), Wolf (Heulen), Grille (Zirpen) u.v.a.
Beispiele für typische Geräusche von Objekten und aus der Natur:
Auto, Rad fahren, Eisenbahn, Straßenbahn, Flugzeug, Wasser, Regen, Wind, Schrittgeräusche, Besen, Staubsauger, Haarfön, Tastatur, Telefon, Schiffshorn, Störgeräusche im Radio, Essgeräusche, Geschirr, Waschmaschine u.v.a.
Beispiele für Begriffe, zu denen ein Laut neu erfunden werden muss:
Hose, Schuhe, Mantel, "Schule", "Ferien", Wiese, Licht, Nacht, Käse, Sonne, Grün, Gelb, Gold u.v.m. - Meistens macht es den Kindern Spaß, neue und abstrakte Geräusche zu "definieren", neue Geräusch-Stereotypen (wie etwa der "Apfel" oder die "Sonne" in der Zeichnung). Nur ist darauf zu achten, dass das Geräusch auch gemeinsam geprobt und bei der Aufnahme auf die gleiche Art wiedergegeben wird.
Die Probe der Geräusche und die Bezeichnung in den verschiedenen Sprachen: Am besten ist es, die Bezeichnung der Geräusche gleich nach ihrer "Aufnahme in die Kiste" in allen Sprachen festzuhalten und zu notieren.
Beispiel:
Die Kinder erfinden zu "Schi laufen" und ein passendes Geräusch dazu (z.B. Sch-sch-sch). Jetzt wird nach der Übersetzung in alle Sprachen gesucht, die in der Gruppe vorhanden sind; z.B. Türkisch ("kayak yapmak") und Polnisch ("jeździć na nartach"). Die Kinder, die die muttersprachlichen Entsprechungen wissen, notieren sie auf einem Zettel, um sie im richtigen Augenblick einwerfen zu können. Bei der Aufnahme sagen sie einfach das Wort in einer festgelegten Reihenfolge in den verschiedenen Sprachen, z.B.:
Kayak yakmak - Schi laufen - jeździć na nartach
Auf diese Weise kommen bis zu zehn Begriffe mit den jeweiligen Übersetzungen und Geräuschen zusammen. Eine Problematik kann dadurch auftreten, dass kleinere Kinder die muttersprachliche Schreibweise eines Wortes nicht kennen. In diesem Fall kann die Betreuungsperson einspringen und das Wort dem Hören nach aufschreiben. Die Kinder werden in vielen Fällen die Schriftform dann selbst korrigieren, weil sie sich oft erst beim Lesen der Buchstaben an Schreibweisen erinnern.
Ansage-Gruppe:
Jetzt bildet sich eine Ansage-Gruppe, die aus je einer Vertreterin oder einem Vertreter der Muttersprache besteht (im obigen Beispiel wären das drei Kinder, eines für die deutschen, eines für die türkischen und eines für die polnischen Worte). Die Ansagegruppe sagt jeweils das Geräusch mehrsprachig.
Timing-Gruppe - Öffnungston:
Darauf gibt die Timing-Gruppe, die aus drei Kindern bestehen kann, einen typischen Öffnungston (z.B. ein Knarren, was anzeigt, dass die Kiste sich öffnet - kann durch aufsteigende Tonhöhe dargestellt werden - wie der Singsang in einer Frage).
Geräusche-Gruppe:
Der Öffnungston ist das Zeichen für die Geräuschegruppe, die sich aus den anderen Kindern zusammensetzt. Das Geräusch beginnt zunächst leise, nimmt an Intensität zu und wird wieder schwächer. Optimal wäre es, wenn dieser "Lautstärkebogen" durch die Handbewegung einer Betreuungsperson begleitet wird.
Timing-Gruppe - Schließton:
Darauf gibt die Timing-Gruppe einen Ton von sich, der das Schießen der Kiste darstellt (am besten durch absteigende Tonfolge wiedergebbar).
Aufnahmeziel: Ziel ist eine Gesamtaufnahme der (z.B.) zehn Geräusche mit den jeweiligen Einleitungen.
Aufnahmeschema:
Mehrsprachige Ansage von Geräusch 1 (Ansage-Gruppe)
Öffnungston (Timing-Gruppe)
Geräusch 1 (Geräusche-Gruppe)
Schließton (Timing-Gruppe)
Mehrsprachige Ansage von Geräusch 2 (Ansage-Gruppe)
Öffnungston (Timing-Gruppe)
Geräusch 2 (Geräusche-Gruppe)
Schließton (Timing-Gruppe)
Und so weiter.
Die Aufstellung der Gruppen:
Ansage-Gruppe und Timing-Gruppe stehen beisammen. Ihnen gegenüber befindet sich die Geräusche-Gruppe, in der Mitte zwischen den Gruppe die Betreuungsperson, die die Aufnahme durchführt.
Arten der Aufnahme:
Prinzipiell - auch bei allen anderen Workshops und Spielen - gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder wird die gesamte Sequenz auf einmal aufgenommen, oder es erfolgt eine Aufnahme in Etappen. Beide Möglichkeiten sind nachfolgend beschrieben.
Probe und Aufnahme der Geräuschekiste als Ganzes:
Bevor aufgenommen wird, muss die Reihenfolge genau festgelegt werden und mindestens einmal "trocken" (d.h. ohne aufzunehmen) durchgespielt werden. Manchmal helfen auch Handzeichen, die die jeweils folgenden Geräusche andeuten. Dann erfolgt die Aufnahme, wobei sich das Mikrofon immer von der Ansage/Timing-Gruppe zur Geräuschegruppe bewegt und zurück. Aufnahmen als Ganzes haben den Vorteil, dass die Aufmerksamkeit über die gesamte Aufnahme erhalten bleibt ("das Mikrofon hört alles!"),allerdings ist damit zu rechnen, dass sich die Kinder irren und diese Fehler dann auch zu hören sind. Die meisten Kinder aber finden diese "Hopplas" witzig, solange niemand in der Gruppe damit diskriminiert wird.
Probe und Aufnahme der Geräuschekiste in Etappen:
In dieser Variante wird jede Geräuscheszene nach kurzer Probe einzeln aufgenommen. Der Vorteil besteht darin, dass Etappenaufnahmen sofort gelöscht werden und wiederholt werden können. Ein Nachteil ist, dass die Kinder durch das oftmalige Stoppen bald ermüden.
Tipp:
Je länger der Weg des Mikrofons von Gruppe zu Gruppe, desto besser können sich die Kinder auf die nachfolgende Aufnahme einstellen. Nicht immer ist der kürzeste Weg der beste. Wer allzuschnell ein Mikrofon vorgesetzt bekommt, vergisst möglicherweise in der Aufregung auf seinen/ihren Text. Es ist zum Beispiel möglich, ein Mikrofon auf dem Weg von einem Kind zu anderen (oder von einer Gruppe zur anderen) quasi in Zeitlupe zu bewegen oder einmal in der Luft kreisen zu lassen.
Anhören der Aufnahmen:
Das Ergebnis ein- bis zweimal angehört. Oft wollen die Kinder die Geräuschekiste erweitern. Bleibt Zeit, kann das Spiel erneut beginnen.
Anwendungsumfang und Erweiterungsmöglichkeiten:
Welcher Wortschatz möglich ist, bestimmt das Alter und die muttersprachliche Fertigkeit der Kinder. Bei kleineren Kindern ist es am besten, Tiere einzusetzen oder Gegenstände, die sie häufig gebrauchen oder von daheim kennen. Da es in diesem Spiel auf Timing ankommt, weil ja drei Gruppen nacheinander ihre Wortspenden liefern, können Körperbewegungen und eindeutige Bewegungen des Mikrofons die Aufnahmereihenfolge visualisieren.
Rahmenbedingungen für das Projekt "Geräuschekiste"
| Allgemeine Ziele | Kennenlernen von "Lieblingsworten" . |
| Themen | Begriffe mit Geräuschen, die mit dem Mund erzeugt werden, kombinieren. |
| Spielergebnis, Produkt | Tonaufnahme. |
| Präsentationsmöglichkeit | Nur interne Verwendbarkeit. |
| Sprachen | Mehrsprachig. |
| Arbeitsweise | Arbeit in Kleingruppen. |
| Teilnehmer | 10 bis 25 Kinder. |
| Alter der TN | 7 bis 10 Jahre. |
| Dauer | 2 (Schul-)Stunden. |
| Betreuungspersonen | Eine Betreuungsperson. |
| Geräte | Eine Tonaufnahmeeinheit mit Wiedergabemöglichkeit (Mikrofon und Rekorder, Kassettengerät mit eingebautem Mikrofon). |
| Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse | Handhabung der Geräte (Aufnahme, Wiedergabe). |
| Räumlichkeiten | Ein Innenraum. |
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