Die Nachbarn Deutschland und Frankreich
Das deutsch-französische Verhältnis gestaltete sich nicht immer so harmonisch wie heutzutage. Vor allem in der Politik ziehen die Verantwortlichen diesseits und jenseits des Rheins inzwischen häufig an einem Strang. Mit Schülerinnen und Schülern die Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen zu bearbeiten, fällt anhand von Bildern und (literarischen) Texten leicht. Wer es einmal getan hat, kennt den Nachbarn und die Nachbarin besser.
Deutschland und Frankreich in der Karrikatur
Heinrich Heine, ein deutsch-französischer Vermittler
Interkulturelle Literaturbeziehungen
Thema: Deutschland und Frankreich in der Karrikatur
Klassenstufe: 9/10
Bezug zu anderen Fächern: Französisch, Geschichte
Der französischen Marianne wird auf deutscher Seite einmal die Allegorie der Germania gegenübergestellt, andererseits aber auch der deutschen Michel. Damit entstand das Bild von der "deutsch-französischen Ehe", wie sie sich auch in der Literatur findet. Pateau stellt in seinem ethno-psychoanalytischen Exkurs die sexualisierten Stereotypen von der "weiblich"- passiven Nation Frankreich und der "männlich"-aggressiven Nation Deutschland dar: "La France doit à tout prix préserver sa pureté et sa virginité contre l´envahisseur prussien masculin, bestial et autoritaire: Jeanne d´Arc, Marianne, la République française sont autant de figures emblématiques féminines."
(Die folgenden Beispiele verdanke ich fast alle Herrn Bernard Klein vom Centre de Rencontre Albert Schweitzer in Niederbronn, der eine reichhaltige Sammlung deutsch-französischer Karikaturen besitzt.)
Literaturhinweis:
Pateau, Jacques: Une étrange alchimie. La dimension interculturelle de la coopération franco-allemande, Levallois-Perret: CIRAC 1998.
Aus: Siebe, Michael: Von der Revolution zum nationalen Feindbild. Frankreich und Deutschland in der politischen Karikatur des 19. Jahrhunderts. "Kladderadatsch" und "Charivari". Münster u.a. 1995, 183.
Aus: Koch, Ursula (Hrsg.): Marianne und Germania dans la caricature 1550-1997. Paris 1997, 64.E-Mail: ursula.e.koch@web.de
Charles de Gaulle nimmt Konrad Adenauer zur "Paris by Night-Tour" mit. Germania ist von zwei Mariannen umrahmt, das zeigt die Dominanz der Franzosen bei dem Abschluss des Elysée-Vertrages (23.1.1953). Die Karikatur stammt aus dem kurzfristig wieder aufgelebten Simplicissimus von 1954-1963, der in der Weimarer Republik eine der wichtigsten kritischen Zeitschriften war.
"Naturellement is dat bon, Charles - aber un peu Katzenjammer habe ich doch."
Karrikatur von Alfred Beier-Red. Aus: Fekl, Walther (Hrsg.): Der Nachbar jenseits des Rheins. 50 beziehungsreiche Jahre im Spiegel der Bildsatire. Eine Ausstellung des Fördervereins deutsch-französischer Kultur e.V.. Berlin: o.J., 11.
"EVG nicht erwünscht" steht an den Häuserwänden.
Michel und Marianne lassen sich von dem Kriegsgetrommel Adenauers und der Amerikaner nicht stören, die 1950 eine Europäische Verteidigungsgemeinschaft errichten wollen. Beide haben ihre revolutionäre Kappe aufgesetzt. Michel - d.h. das ganze deutsche Volk - lässt sich nicht abbringen von der deutsch-französischen Liebe. Merkwürdig ist, dass die französische Regierung selbst für eine Einbindung Deutschlands in die EVG plädierte, um eine deutsche Wiederbewaffnung im Alleingang zu verhindern.
Karrikatur von Walter Hanel. Aus: Fekl, Walther (Hrsg.): Der Nachbar jenseits des Rheins. 50 beziehungsreiche Jahre im Spiegel der Bildsatire. Eine Ausstellung des Fördervereins deutsch-französischer Kultur e.V.. Berlin: o. J., 99.
Michel und Marianne sind zwar wieder einmal als Liebespärchen auf der Bank gezeigt, aber Marianne ist trotz vieler Bemühungen nicht sehr attraktiv - sie hat den Atommeiler von Cattenom aufsitzen, der den Deutschen - und insbesondere den Grenzbewohnern ein Dorn im Auge ist - aufgrund seiner grenzüberschreitenden Gefahr (repräsentiert auch durch den stilisierten Totenkopf).
Aus: Koch, Ursula (Hrsg.): Marianne und Germania dans la caricature 1550-1997. Paris 1997, 72.
Am 20. September 1992 nimmt Frankreich mit knapper Mehrheit (51,5 %) bei einer Volksabstimmung das Maastricht-Abkommen an. Marianne kann sich also leisten, am Montagmorgen ihr wohlverdientes Schläfchen zu verlängern. Der deutsche Michel aber hat ein schweres Erwachen, denn in Bonn ist die Unterzeichnung noch nicht erfolgreich abgeschlossen. Hier entscheidet man sich erst am 2. Dezember für das Abkommen.
Anregungen für den Unterricht
- Welches Bild wird jeweils von der deutsch-französischen Beziehung gezeichnet? Welche Rolle nimmt die französische Marianne ein, welche der deutsche Michel?
- Versucht die Karikaturen in ihrem historischen Zusammenhang zu verorten.
Autorin: Annette Kliewer
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