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Doku-Drama

Schon seit Anfang der 50er Jahre gab es verschiedene Beispiele für Dokumentarspiele, die als "Tatsachenspiele" inszeniert wurden. Die enge Verzahnung des Dokumentartheaters mit den ARD-Spielfilmabteilungen belegt die Tatsache, dass die wichtigsten dieser "szenischen Berichte" noch vor ihrer Bühnenpremiere als Dokumentarspiele ausgestrahlt wurden, beispielsweise Heinar Kipphardts Stücke "In der Sache J. Robert Oppenheimer" (HR 1964) und "Die Geschichte des Joel Brand" (WDR 1964) oder "Die Ermittlung" von Peter Weiss (WDR 1966).

 

Schließlich wurden neue Formen wie das Doku-Drama seit den 60er Jahren im Fernsehen ausprobiert. Mit "Der Fall Liebknecht - Luxemburg" betrat Dieter Ertel Neuland, indem er die Ergebnisse und Recherchen über die Ermordung dieser beiden Kommunistenführer nicht als Dokumentarfilm produzierte, sondern in ein kammerspielartiges Fernsehspiel einfließen ließ, in dem beispielsweise die Protokolle des damaligen Gerichtsverfahrens wortwörtlich verwendet wurden. In "Journal 1870/71" wurde über den Deutsch-Französischen Krieg so informiert, als habe es damals schon Kriegsberichterstatter im Fernsehen gegeben und die historischen Fakten reinszeniert. Sehr früh beschäftigten sich auch Heinrich Breloer und Horst Königstein mit der Form des Doku-Drama und lieferten dabei einige Klassiker der bundesdeutschen Fernsehgeschichte, die sie als Fernsehspiele realisierten. Diese Filme beschäftigten sich immer mit der jüngsten deutschen Geschichte wie "Kampfname Willy Brandt" (1984), "Die Staatskanzlei" (1989) über die Hintergründe des Falles Uwe Barschel, "Kollege Otto" (1991) zur Coop-Affäre, "Wehner - Die unerzählte Geschichte" (1993) oder "Todesspiel" (1996/97) zum deutschen Herbst 1977 mit Schleyer-Entführung und Kaperung der Lufthansa Maschine "Landshut".


Um die Auswirkungen der ökologischen Klimaveränderung deutlich zu machen, wurde in Joachim Faulstich´s "Crash 2030" (HR) ein Binnensee per Paintbox trocken gelegt.

Waren dies noch erste Experimente für neue Mischformen, die strenge Abteilungsgrenzen überwanden, gibt es in den 90er Jahren den Trend, Dokumentarfilme wie Dramen zu gestalten, mit Hilfe von Spannungsbögen und Methoden, das Zuschauerinteresse zu wecken. Dies war ja zu Beginn des Beitrags schon erwähnt worden.

Solche Filme, die sich oft auf persönliche Schicksale konzentrieren, durch eine subjektive Herangehensweise gekennzeichnet sind und vielfältiges Ausgangsmaterial verwenden (alle Filmformate von 35mm bis 8mm-Amateurfilm, alle Videoformate, Archivmaterial, Spielfilmszenen, Fotos, Schrifteinblendungen etc.) haben jetzt eine eigene Qualität gewonnen, sind selbstbewußter geworden und versuchen gar nicht erst, die faszinierende Vielfältigkeit ihrer "Inszenierung" zu verschleiern. Richard Kilborn und John Izod, zwei Medienwissenschaftler aus Großbritannien, fassen die Diskussion um "Docu-Fiction" treffend zusammen:

 

"There is no question that in coming years we will see further experiments in the mixing of factual and dramatic modes and the introduction of new forms of hybridised programming. Debates about the legitimacy and effectness of such forms will doubtlesly continue, but in the new digital and deregulated age it seems likely that the emphasis in the debate will shift. The concern will be less with the alleged confusion which can arise in viewer's mind when ‚fact' and ‚fiction' are merged in these hybrid forms. Rather, it will centre on the consequences of the populist imperative: the need to create factually-based dramatic entertainments where the aim is not much to raise consciousness as simply discourage the viewer from switching to another channel."

(An Introduction to Television Documentary, 1997, S. 161)