Einführung

- Moritz Berg als Geräuschemacher für das Live-Hörspiel "Bloß weg hier!" bei den ARD-Hörspieltagen 2005. Bild: Sibylle Anneck, WDR
Obwohl unmittelbar mit der Ausstrahlung des gesprochenen Worts verbunden, versteht sich Hörspiel auch als das Zusammentreffen signifikanter akustischer Signale (oder Pausen), das sich auch außerhalb einer semantisch decodierbaren Nachricht ereignen kann. Musik, Geräusch und Ton, jenseits menschlicher Sprechsignale, sofern sie im Kontext des Sendeplatzes "Hörspiel" eingebunden sind, können als Hörspiel definiert werden. Zum akustischen Ausdrucksmaterial des Hörspiels zählen das gesprochene Wort als Handlungs- und Nachrichtenträger und als Klangkörper. Es werden Sinneseindrücke vermittelt, begriffliche Denotationen eröffnet oder konnotative Spannungsfelder evoziert oder in der musikalisch disponierten Hörspielkomposition neu chiffriert. Das Wort ist im Hörspiel in aller Regel durch die menschliche Stimme selbst oder auch z. B. einen Syntheziser vermittelt und fungiert dort als komplexes Laut- und Stimmereignis. In der menschlichen Stimme artikuliert sich über das Hörspiel auch "Vorsprachliches" (Lachen, Schreien, Jammern) und wird zum Instrument der engeren Verlautbarung des Wortes.
Die Musik im Hörspiel beansprucht traditionell eine zentrale Rolle, doch ist ihr Gewicht von sehr unterschiedlicher Qualität. Die szenische Betonung des Hörspiel durch Musik als Untermalung und Gliederung inhaltlicher oder zeitlicher Abläufe, wie sie zumindest bis in die sechziger Jahre zu beobachten ist, scheint aufgehoben zu sein. Stattdessen hat sich seit Ende der siebziger Jahre ein freies musikalisches Hör- und Hörspielereignis in Deutschland etablieren können, in dem das Wort, in Gegenströmung zur bisherigen Hörspieltradition, gelegentlich eine beiläufige oder untergeordnete Rolle spielen kann.
Hörbeispiel:
Raumspiel-Traumspiel (mp3; 11,4 MB)
Hörspiel vom Studio Literatur und Theater, Tübingen.
Weiter zu: Hörspielgeschichte
Weiter zu: Das neue Hörspiel
Weiter zu: Produktion eines Hörspiels
Autor: Christian Hörburger, MediaCulture-Online
Dieser Text ist unter einer Creative-Commons-Lizenz lizenziert. Sie dürfen den Inhalt vervielfältigen, verbreiten und bearbeiten, wenn Sie den Namen des Autors/der Autorin nennen und den Text unter den gleichen Lizenzbedingungen weitergeben. Bitte beachten Sie, dass die Töne und die Bilder anderen Lizenzen unterliegen.
Literaturtipps: Hörspiel
Heinz Schwitzke u.a.:
Reclams Hörspielführer
Stephan Bodo Würffel:
Das deutsche Hörspiel.
Reinhard Döhl:
Theorie und Praxis des Hörspiels.
Eugen Kurt Fischer:
Das Hörspiel. Form und Funktion.






