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Expertenkreis Amok

Kerzenmeer an der Albertville-Realschule in Winnenden. (Bild: Ra Boe, Lizenz: cc)

Nach den Ereignissen von Winnenden hatte das baden-württembergische Parlament einen Sonderausschuss "Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" eingerichtet. Der Ausschuss knüpfte an den von der Regierung eingesetzten "Expertenkreis Amok" an.

Im Expertenkreis saßen neben Politiker auch Polizisten, Eltern der Opfer, Psychologen und Wissenschaftler, die sich über 30 Experten an hörten, um in ihrem Abschlussbericht vom 29. September 2009 eine Reihe von Handlungsempfehlungen zu geben.

Ein Amoklauf hat viele Ursachen

 

Das Thema Jugendmedienschutz und Medienkompetenz ist dabei einer von insgesamt acht Punkten, um die sich der Expertenkreis kümmerte, neben Prävention, Früherkennung, Umgang mit Amokdrohungen, Opferbetreuung und -nachsorge, Waffen, Medienberichterstattung und Sicherheit an Schulen.

 

Die Empfehlungen in Sachen Jugendmedienschutz gehen einerseits in Richtung Aufklärung und Information, so wird zum Beispiel die Weiterfinanzierung von MediaCulture-Online empfohlen. Andererseits weisen sie auch auf ein Vollzugsdefizit hin. Es gibt in Deutschland,  wie in kaum einem anderen Land weltweit, konkrete Regelungen zum Jugendmedienschutz. Nur leider greifen sie oft nicht richtig, da sie nicht komplett umgesetzt werden (können).

 

Einige Empfehlungen machen deutlich, dass sogenannte Killerspiele noch immer sehr stark in die Buh-Ecke gestellt werden. Eine differenzierte Sichtweise dieser Spielegattung geschieht dabei eher nicht, ebenso wenig wie eine Ursache-Wirkung-Analyse. Die Kritik der "Digital Natives" ließ deshalb auch nicht lange auf sich warten.

Alleine der Umfang von 83 Handlungsempfehlungen, von der Waffenkontrolle über Informationsaustausch zwischen Schulen bis zur psychosozialen Versorgungmacht, macht deutlich, dass eine Extremtat wie der Amoklauf mit vielen Bereichen unserer Gesellschaft verknüpft ist. So wichtig die Untersuchung von Medien und ihrer Wirkung in diesem Zusammenhang auch sein mag: Getötet wird mit realen Waffen von verzweifelten Menschen - die in einer Welt leben, die wir alle gestalten. Die Diskussion geht weiter.

 

Sonderausschuss gibt 39 Handlungsempfehlungen

 

Der an den Expertenkreis Amok anknüpfende Sonderausschuss "Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" hat 39 Handlungsempfehlungen erarbeitet, die den fünf Feldern Gewaltprävention bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, Zugang zu Waffen, Gewaltdarstellung in Medien, u. a. in Computerspielen, Sicherheitsmaßnahmen an Schulen und Stärkung des Erziehungsauftrags der Eltern zugeordnet sind. Darüber hinaus definiert er acht Handlungsfelder. Die vom Sonderausschuss vorgelegten Empfehlungen kosten jährlich gut 30 Millionen Euro. So schlägt er beispielsweise die Schaffung von rund 250 zusätzlichen Stellen für Beratungslehrkräfte und Gewaltpräventionsberater sowie zusätzliche 100 Stellen für Schulpsychologen vor. Bereits zum kommenden Schuljahr 2010/11 sollten 30 Schulpsychologen eingestellt werden.

Pressemeldung und Kurzfassung der Handlungsempfehlungen des Sonderausschuss "Konsequenzen aus dem Amoklauf in Winnenden und Wendlingen: Jugendgefährdung und Jugendgewalt" vom 9. März 2010