Gymnasium
Ablauf des Unterrichts
In dieser Unterrichtseinheit stehen drei unterschiedliche Zugänge zum Thema "Literaturverfilmung" zur Wahl.
Block A: Vergleich von Buch und Film zur Einordnung von Textsorten
Block B: Vergleich von Buch und Film als Beitrag zur Filmerziehung
Block C: Vergleich von Buch und Film als Beitrag zur Wertediskussion
Block D: Vergleich als Beitrag zum Verständnis von Medienwirkung
Block A: Vergleich von Buch und Film als Beitrag zur Einordnung von Textsorten
Vorbereitung:
Lektüre des Buches "Charlotte Kerner, Blueprint - Blaupause".
Vor der Lektüre und Filmvorführung erhalten die Schülerinnen und Schüler begleitende Arbeitsaufträge, die sie zu Hause erledigen.
Dazu werden sie in sieben Gruppen aufgeteilt, die jeweils zu einem Kapitel des Buches "Blueprint - Blaupause" eine Inhaltsangabe anfertigen sollen.
Erstinformation für Lehrerinnen und Lehrer.
1. Stunde - Aufbau und Inhalt des Romans
Einstieg mit Auswertung der Hausaufgabe in Gruppenarbeit (vgl. Arbeitsauftrag zwei der Hausaufgabe oben).
Nach der Lektüre sichtet jede Gruppe die einzelnen Beiträge, fasst die Ergebnisse auf einem großen Plakat zusammen und präsentiert dieses Plakat im Plenum.
Die Plakate werden auf einer Wandzeitung angeordnet. Auf diese Weise - weil jede Gruppe ein Kapitel bearbeitet hat - werden Struktur und Handlungsabschnitte des Romans visualisiert (Beispiel eines Tafelbildes).
2. bis 4. Stunde - Filmvorführung und Einstieg in den Vergleich Aufbau/Inhalt bei Film und Buch
Nach der unkommentierten Filmvorführung (der Film dauert 110 Minuten) erarbeiten die Schülerinnen und Schüler in Kleingruppen Aufgaben zum Vergleich des Films mit der Buchvorlage.
Die Ergebnisse werden vorgestellt und gemeinsam besprochen.
Für die Lehrenden steht folgendes Hintergrundmaterial zur Verfügung.
Alternative:
Statt mit Karteikarten zu arbeiten, können auch an PCs die Textfelder einer Bürosoftware genutzt werden. In diese werden dann die Notizen eingetragen. Die Textbausteine lassen sich dann auf dem Bildschirm mit dem Mauszeiger beliebig verschieben und als Storyline anordnen.
5. Stunde - Charakteristik und Konstellation der Figuren
Im Mittelpunkt stehen Personenbeziehungen, die zunächst in einem Tafelbild systematisiert werden.
Die Schülerinnen und Schüler entscheiden sich für eine Personenbeziehung. Dann erarbeiten sie in Partnerarbeit/Kleingruppen eine Darstellung der Figurenkonstellationen, vor allem unter dem Aspekt Nähe - Ferne.
Die Ergebnisse der Gruppen werden vorgestellt, besprochen und verglichen. Dabei sollen auf die wechselnden Erzählperspektiven und die spezifischen Gestaltungsmittel von Buch und Film eingegangen werden.
6. Stunde - Ergebnissicherung/kreative Schreibversuche
a) Schreibaufträge
1. Thema: Siri schreibt einen Brief an ihre Mutter.
2. Thema: Siri Mutter schreibt einen Brief an ihre Tochter.
b) Auswertung
1. Darstellungen zu folgendem Strukturvergleich:
Arbeitsfragen:
- Wie ist der Handlungsablauf oder der Spannungsbogen verändert?
- Sind Passagen umgestellt, erhalten sie ein neues Gesicht?
- Wie beginnt und endet der Text, wie der Film?
- Sind Personen neu eingeführt oder herausgenommen worden?
- Ist die Erzählperspektive verändert?
2. Auswertung von Teilaspekten.
Block B: Vergleich von Buch und Film als Beitrag zur Filmerziehung
Vorbereitung:
Die Schülerinnen und Schüler sollten den Film gesehen und das Buch gelesen haben, um die grundsätzlichen Unterschiede der Handlung zu kennen. Mit einem Lese- beziehungsweise Beobachtungsauftrag sollte bereits die Aufmerksamkeit auf die Leitmotive gerichtet werden.
Erstinformation für Lehrerinnen und Lehrer.
1. Stunde - Die Erinnerungen von Siri und die Gestaltung der Doppelrolle - filmische Umsetzung
Als eines der auffälligsten Gestaltungsmerkmale des Films ist die Rückblende zu erarbeiten, wie sie im Film meistens bei Zeitsprüngen (in die Vergangenheit) benutzt wird (siehe Hintergrund : Excel-Grafik).
In Gruppen erarbeiten die Schülerinnen und Schüler jeweils unterschiedliche Episoden unter dem Gesichtspunkt:
- Wie leitet die Realszene in die Rückblende über und wie kehrt die Filmhandlung in die nächste Realszene zurück?
- Wie werden Erzählgegenwart und Rückblende miteinander verbunden?
- Wieviel „Zeit” wird übersprungen?
- Dauer der Rückblende/Dauer der Filmgegenwart?
Die Ergebnisse werden in Form eines Leporellos aneinandergefügt.
Während es im Text keine Probleme bereitet, Iris und Siri gleichzeitig zu nennen, ist dies im Film schwieriger - weil Siri und Iris von der gleichen Schauspielerin dargestellt werden. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten anhand eines Arbeitsblattes, mit welchen Mitteln der Film arbeitet, um die Doppelbesetzung zu bewältigen.
Als zu beobachtende Effekte lassen sich festhalten:
- Während Siri noch klein ist, unterschiedliche Darstellerinnen für das entsprechende Alter.
- Als Siri erwachsen ist, wird nur eine Figur ganz gezeigt, die andere wird in Rückansicht gedoubelt oder, wenn beide ganz zu sehen sind, wird mit technisch äußerst aufwändigen Mitteln wie Bluebox und "motion control" (Hintergrundinformation) gearbeitet ...
2. Stunde - Gestalten eines Drehbuchs
Nach einer Drehbuchvorlage wird eine ausgesuchte Passage drehbuchmäßig umgesetzt (Hintergrund: Drehbuch). Alternativ könnte dies auch vor Betrachten des Films gemacht werden.
3. Stunde und mehr
Im Rahmen eines Projekts könnten einzelne Szenen dialogisch verfilmt werden (siehe Medienpojekt: Filmische Umsetzung ausgewählter Szenen aus "Homo Faber" von Max Frisch).
Block C: Vergleich von Buch und Film als Beitrag zur Wertediskussion
Vorbemerkung:
Bei der Behandlung der Verfilmung eines Romans ergibt sich das Problem, zwei verschiedene Unterrichtsgegenstände behandeln und zusätzlich vergleichen zu müssen. Erstinformationen für Lehrerinnen und Lehrer (Artikel in der "Zeit" von Dan W. Brock).
Behandelt man den Film zuerst, tritt das Buch in den Hintergrund und findet vielleicht kein Interesse mehr bei den Schülerinnen und Schülern. Umgekehrt darf der Film nicht zum bloßen Ausklang der Unterrichtseinheit werden, nachdem am Buch die eigentliche Arbeit geleistet worden ist. Also empfiehlt sich eine Verzahnung.
1. Stunde - Das Thema Klonen zu Beginn des Romans
In der ersten Stunde wird nur der kurze Prolog des Romans behandelt, der aber erzähltechnisch eine wichtige Rolle spielt, weil er die fiktionale Welt des Romans im Bewusstsein des Lesers entstehen lässt. Nach dieser Einführungsstunde bekommen die Schülerinnen und Schüler die Lektüre des Romans als Hausaufgabe.
1. Die Bücher werden ausgeteilt.
Die Lehrerin/der Lehrer fordert auf, die Seiten 9 und 10, also das kurze Kapitel "Blueprint, Prolog", still zu lesen.
2. Gruppenarbeitsphase mit folgenden vier Arbeitsaufträgen:
- Was erfährt der Leser über die Erzählerin?
- Was erfährt der Leser über das Thema Klonen?
- Welche Bedeutung hat das Klavierspielen für die Erzählerin?
- Welche Bedeutung hat das Schreiben für die Erzählerin?
3. Die Gruppenarbeitsergebnisse werden an der Tafel zusammengetragen, indem die Gruppenberichte von der Lehrerin/vom Lehrer moderiert und in ein Tafelbild umgesetzt werden.
4. Zusammenfassend soll versucht werden, das Thema des Romans aus dem Unterrichtsgespräch heraus zu formulieren, etwa so:
"In dem Roman versucht ein Klonkind trotz des Versuchs der Mutter, aus ihr eine zweite Ausgabe ihrer selbst zu machen, durch das Aufschreiben der eigenen Erfahrung eine neue Identität zu finden."
5. Die Schülerinnen und Schüler bekommen die Hausaufgabe, den Rest des Romans bis zur nächsten Unterrichtsstunde zu lesen.
2. und 3. Stunde - Filmvorführung
In der zweiten Stunde wird der Film gezeigt und anschließend besprochen. Dabei kann dann vergleichend auf den Anfang des Films und seine spezifische Form der Einführung in die filmische Welt eingegangen werden.
4. Stunde - Klonen als Thema der Identitätsfindung
Vorbemerkung:
Setzt man sich intensiv mit Film und Buch auseinander, zeigt sich, dass das Thema Klonen von Menschen als wissenschaftlich-technisches Problem zu einem weiteren Thema führt, nämlich der spezifisch menschlichen Frage nach Identität. Das Klonen verschärft die Diskussion um das menschliche Bedürfnis nach Identitätssuche und Identitätsfindung.
Siri als Klonkind erlebt diese Bedrängung als übermächtig, da sie bei ihr bis in die genetische Ausstattung reicht. Das ist jedoch - in Variationen - bei jedem Menschen der Fall. Alle tragen die Gene der Eltern in sich, wenn auch in einer neuen Mischung. Alle jungen Menschen finden sich in der Situation, kulturelle Normen übernehmen zu sollen, die sie nur mehr oder weniger gewählt haben.
In der Abschlussdiskussion könnte dieser Aspekt aufgegriffen werden. Film und/oder Buch haben die Schülerinnen und Schüler tief in das Problem hineingeführt. Durch eine Klassendiskussion könnte es gelingen, interessante Einsichten zu vertiefen.
Die Schauspielerin Franka Potente war bei ihrer Arbeit am Film natürlich ebenfalls intensiv mit diesem Problem konfrontiert. In einem Interview antwortet sie auf die Frage: Hat ein Klon eine Seele?
Potente: "Ja. Ein Klon hat eine Seele, Charisma, einen Geist. Aber das kann man nicht genetisch vererben. Das ist die Grauzone, die dazwischen liegt: Da geht es um Persönlichkeit. Siri hat eine eigene Seele, eine, die ihr so wehtut, die sie so leiden lässt, dass sie sich abspalten muss. Das, was man bei diesem Plan des Klonens nicht kalkuliert, ist nämlich, dass bei allem getreuen Kopieren jeder Mensch ein Individuum ist. Dass es so etwas wie eine Seele, ein Eigenleben, etwas Geistiges gibt."
(zitiert nach blueprint-derfilm)
Diese Äußerung von Franka Potente kann als Einstieg in die Diskussion dienen. Zusätzlich ist auch eine theoretische Einführung sinnvoll.
In der Diskussion muss diese theoretische Einführung genau durchgearbeitet werden. Fachbegriffe wie „Interiorisation” müssen erklärt werden.
Hier stehen einige Fragen für die Diskussion zur Verfügung.
Um das Thema zu vertiefen - etwa in Form von Referaten oder Aufsätzen - stehen im Internet viele Materialien bereit (siehe externe Linkliste in der Modulbeschreibung).
Der Film "Blueprint" ist als DVD bei Universal Picutres Europe erschienen. Er kann als DVD, Video oder Audio-CD am Landesmedienzentrum Baden-Württemberg und in Kreismedienzentren ausgeliehen werden.
Block D: Vergleich als Beitrag zum Verständnis von Medienwirkung
Vorbemerkung:
Schule hat aufgrund ihrer langen, auf Schrift aufbauenden Tradition oft Probleme, die Medienorientierung der Schülerinnen und Schüler zu akzeptieren. Diesem eingeschränkten Blickwinkel steht eine subjektive Abneigung von Jugendlichen gegenüber, die in Texten grundsätzlich Arbeit wittern und sich so des Lesevergnügens berauben. In diesem Zugang tritt der inhaltliche Vergleich zurück hinter der Betrachtung der jeweiligen Leistungen von Buch und Film.
Vorarbeiten zur Unterrichtseinheit: Lektüre des Buchs.
1. Stunde
Ergebnissicherung der Lektüre: Die Schülerinnen und Schüler bearbeiten ein Arbeitsblatt.
2. bis 4. Stunde - Film anschauen
- Filmvorführung.
- Filmische Mittel erkennen.
Gestaltungsmittel des Films durch Eintrag in ein Arbeitsblatt wiederholen (Lösungen Arbeitsblatt "filmische Mittel").
Wenn die Filmsprache erstmals behandelt wird, ist sinnvoll anhand eines Übersichtsblattes die einzelnen Mittel vorzustellen (Hintergrund - Seite im Internet: Kriterien der Filmanalyse).
Geeignet für die Analyse ist die Eingangsszene. Die beobachtete Filmsprache wird in einem zweiten Schritt nach der erzielten Wirkung befragt.
5. Stunde
Wirkungsmechanismen von "Film" und "Buch" werden im Unterrichtsgespräch als Tafelbild gegenübergestellt. (Hintergrund: Allgemeine Unterschiede Buch und Film).
Die Schülerinnen und Schüler erarbeiten danach anhand von Hintergrundinformationen zum Thema Lesen, zu Medienrezeption und zum Mediengebrauch ihrer Altersgruppe Rollenkarten für ein Tribunal zum Thema:
Ein (Todes-)Urteil über das Buch.
Die Methode des "Tribunals" wird am Beispiel eines politischen Themas beschrieben Methodik des politischen Unterrichts.
Die Umfrageergebnisse zur Mediennutzung können auch ersetzt werden durch eine selbst erstellte Umfrage unter Lehrerinnen und Lehrern sowie unter Mitschülerinnen und Mitschülern.
Externer Linktipp: Lernpfade
Der baden-württembergische Lehrerfortbildungsserver bietet Unterrichtseinheiten zum Thema neue Medien im Fachunterricht an. mehr...






