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Hörspielgeschichte

Hans Flesch
Hans Flesch
Bild: Deutsches Rundfunkarchiv

Richard Hughes "A Comedy of Danger", ein sogenanntes "listening play", wurde am 15.1.1924 von der BBC ausgestrahlt und gilt als die Geburtsstunde des europäischen Hörspiels. Der Autor betonte: "Indem wir versucht haben, Gefühle anzusprechen und eine vollständige Geschichte über ein einzelnes Sinnesorgan, das Ohr, zu erzählen, haben wir offensichtlich nichts anderes versucht als das, was das Kino bereits durch das Augen getan hat." Die Handlung spielt im Dunkeln eines Bergwerkschachtes-, alles Sichtbare wird in die Raumkonstellation des Unsichtbaren transponiert. Die "verdunkelte" oder "blinde" Bühne war konstituierend für den Beginn des europäischen Hörspiels. Auch im deutschen Reich dominierten zunächst akustische "Hörsensationen", d.h. affektiv beladene Katstrophen- oder Pionier-Hörspiele, die u.a. die Polarfahrten oder die Ozeanüberquerungen zum Gegenstand hatten.

Der Monolog als solitäre Radiostimme im Diskurs mit dem Radiohörer wurde im internationalen Hörspiel früh eingeführt. Aus Frankreich ist in diesem Zusammenhang der Monolog eines Sterbenden - Agonie (1924) von Pierre Camille - überliefert. Hermann Kesser adaptierte in Deutschland seine Erzählung Schwester (1926) mit den Mitteln des Monologs für das Hörspiel und führte aus: "Der Monolog bietet die Möglichkeit, sich auf die Höhe eines echten und eindrucksvollen Ich-Dramas zu erheben. [ ... ] Und schließlich kommt im Monolog auch das zustande, was ich, um ein Bild von der Filmkunst anzuwenden, eine Großaufnahme nennen möchte, - aber eine Großaufnahme des inneren Menschen, der denkt, fühlt und handelt."

Als erstes Hörspiel wurde in Deutschland am 24. Oktober 1924 ein experimentelles Stück von Hans Flesch gesendet.

"Zauberei auf dem Sender".

Alfred Döblin adaptierte 1930 seinen Berlin-Roman, doch kam es in der Weimarer Republik nie zur Ausstrahlung des Hörspiels Die Geschichte vom Franz Biberkopf. Hans Bodenstedt, Friedrich Bischoff und Walter Ruttmann experimentierten mit den neuen akkustsichen Möglichkeiten am nachdrücklichsten. Die Jahre zwischen 1929 und 1932 werden in der Forschung einheitlich als erster Höhepunkt der deutschen Hörspielgeschichte verstanden. Produktionen von Ernst Johannsen, Erich Kästner, Hermann Kasack, Hermann Kesser, Friedrich Wolf, Walter Benjamin und Brecht dienten als akustische Modelle, die eine breite Hörspieldiskussion bestimmten.

Vorbereitet durch eine völkisch-nationale Ideologie sorgten Hörspiele von Eberhard Wolfgang Möller oder Heinz Ehrke schon vor 1933 für die Abdankung einer autonomen Radiokunst in Deutschland. Die Abschottung des deutschen Hörspiels erfolgte nach den sogenannten Säuberungen in den Rundfunkhäusern auch durch die Ausstrahlung von propagandistischen "Thingspielen" und "Hörspielkantaten", die das nationalsozialistische Gedankengut in pompösen Sendungen zum Inhalt hatten.

Günter Eich, 1953

Nach 1945 entwickelte sich im geteilten Deutschland zunächst eine "westliche" und eine "östliche" Hörspielkultur. Die DDR bezog sich auf das sozialistische Hörspielerbe der Weimarer Republik (Brecht, Wolf, Becher, Pijet. Toller). Der Auftakt des westdeutschen Hörspiels mit Wolfgang Borcherts Draußen vor der Tür (NWDR, 13.2.1947) ist gekennzeichnet durch die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Eichs (Bild) Träume (NWDR,19.4.1951) galten schließlich im Blickwinkel der "Hamburger Schule" unter Hörspieldramaturg Heinz Schwitzke als die eigentliche Geburtsstunde des Nachkriegshörspiels schlechthin. Das Hörspiel zwischen 1950 und Mitte 1960 orientierte sich immer wieder an dem "Eich-Maß", an einer Hörspielrhetorik introspektiven Zuschnitts. Autoren im Umfeld des "Hörspielpreis der Kriegsblinden" setzten Maßstäbe, aber auch solche Autoren, die außerhalb des Preises das dialogische Worthörspiel und den Rekurs auf die deutsche Geschichte exemplarisch vorantrieben: Erwin Wickert, Wolfgang Hildesheimer, Leopold Ahlsen, Hans Kasper, Heinrich Böll, Peter Hirche, Walter Jens u.a. Das Hörspiel der "Innerlichkeit" und der linearen Fabeln geriet in den Funkhäusern durch die Autoren der 68er-Bewegung (Peter 0. Chotjewitz, Ludwig Harig, Ror Wolf, Peter Handke u.a.) zunehmend in Bedrängnis.

 


Hörbeispiele:

 

  Zauberei auf dem Sender von Hans Flesch. Es wurde als erstes deutsches Hörspiel am 24.Oktober 1924 ausgestrahlt. Mehr...

 

  Fred von Hoerschelmann (mp3; 24.3 MB)

Ein Radiofeature über den Hörspielautor Fred von Hoerschelmann von Hans-Ulrich Wagner.

Mit freundlicher Genehmigung des SWR.

 

 

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Autor: Christian Hörburger, MediaCulture-Online

 

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Literaturtipps: Hörspielgeschichte

Heinz Schwitzke:
Das Hörspiel. Dramaturgie und Geschichte.

Reinhard Döhl:
Geschichte und Typologie des Hörspiels.

Christian Hörburger:
Geschichte des Hörspiels

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