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Humor

Lateinisch humor / umor: Feuchtigkeit

 

Der Duden (Herkunftswörterbuch, 2001) definiert:

 

"Gabe eines Menschen, die Unzulänglichkeit der Welt und der Menschen, den Schwierigkeiten und Missgeschicken des Alltags mit heiterer Gelassenheit zu begegnen." Nach klassischer und antiker Vorstellung steht dahinter die Lehre von den Körpersäften und damit auch die Temperamentenlehre: sie unterscheidet den cholerischen, melancholischen, phlegmatischen und sanguinischen Charakter, die "schlechte" oder "gute" Gestimmtheit des Menschen. Humor - aus lateinisch humores "Feuchtigkeit" - hat erst im 17. und 18. Jahrhundert die allein positive Bedeutung erfahren. Wichtig ist beim Humor die philanthropische Haltung: Ohne Schärfe wird auf "Ungereimtheiten" im menschlichen Umgang verwiesen. Anders als die Satire, die mit Bissigkeit auf Veränderung setzt, ist der humorige Ansatz "versöhnlich" gestimmt. Der Humor ist konstituierend für das Kabarett, aber auch für die Rede- und Schreibpraxis je nach Anlass und Publikum; auch die Malerei kennt selbstverständlich eine humorig-versöhnliche Weltsicht, wie sie beispielsweise bei Carl Spitzweg sichtbar wird.

 

 

Carl Spitzweg: Der strickende Vorposten
Carl Spitzweg: Der strickende Vorposten (1850)

Humor mit Wilhelm Busch

Der volle Sack

 

Ein dicker Sack - den Bauer Bolte,

Der ihn zur Mühle tragen wollte,

Um auszuruhn mal hingestellt

Dicht an ein reifes Ährenfeld, -

Legt sich in würdevolle Falten

Und fängt 'ne Rede an zu halten.

Ich, sprach er, bin der volle Sack.

Ihr Ähren seid nur dünnes Pack.

Ich bin's, der Euch auf dieser Welt

In Einigkeit zusammenhält.

Ich bin's, der hoch vonnöten ist,

Daß Euch das Federvieh nicht frißt,

Ich, dessen hohe Fassungskraft

Euch schließlich in die Mühle schafft.

Verneigt Euch tief, denn ich bin Der!

Was wäret ihr, wenn ich nicht wär?

 

Sanft rauschen die Ähren:

Du wärst ein leerer Schlauch, wenn wir nicht wären.

 

Humor mit Werner Finck (1902-1978)

Surrealistischer Vierzeiler

 

Gestern trat ein Fräulein an mein Bette

und behauptete die Märchenfee zu sein,

und sie fragte mich, ob ich drei Wünsche hätte,

und ich sagte, um sie reinzulegen: Nein!

Werner Finck
Werner Finck

Werner Finck:

Surrealistischer Vierzeiler (mp3)

Mit freundlicher Genehmigung der Stiftung Deutsches Kabarettarchiv.