Identität Krieger?
Junge Männer in mediatisierten Lebenswelten

- Der letzte Samurai

- Counterstrike

- Die Hard 4.0
Bilder in den Medien sind meist geprägt von Klischeevorstellungen, das gilt auch für die Bilder von Männern und Frauen. Dabei spiegeln Medien die bestehenden Geschlechterverhältnisse wieder und beeinflussen sie gleichzeitig, indem sie Verhaltensmuster anbieten.
Viele Jungen sind fasziniert von muskelbepackten Helden in Action-Filmen, gut bewaffneten Kriegern in Computerspielen oder harten Gangster-Rappern. Die interdisziplinäre Tagung Identität Krieger? Junge Männer in mediatisierten Lebenswelten setzte sich am 1. 12. 2009 in Berlin mit medialen Vorbildern auseinander und mit der Frage, warum gerade Jungen so fasziniert von virtueller Gewalt sind.
Vom Kind zum Mann: Männliche Sozialisation zwischen Ohnmacht und Stärke

- Prof. Dr. Jens Luedtke ist Soziologe am Institut für Gesellschafts- und Politikanalyse der Universität Frankfurt a. M.
Männlichkeit entwickelt sich vor allem in der Auseinandersetzung mit anderen Jungen oder Männern in den so genannten "ernsten Spielen des Wettbewerbs". Dabei gelten nach wie vor die Muster des starken Mannes, aber gleichzeitig sind Jungen und Männer auch häufig mit Ohnmachtserfahrungen konfrontiert. Der Umgang mit diesen Ambivalenzen ist prägend für die männliche Sozialisation, wobei der Rückzug auf ein starkes Männlichkeitsbild eine mögliche Bewältigungsstrategie ist. Dieses starke Männlichkeitsbild findet sich zum Beispiel in medialen Rollenvorbildern wie Gangster-Rappern oder Computerspielhelden wieder. Außerdem identifiziert Jens Luedtke das Bild des "Kriegers" in Jugendkulturen wie Hooligans oder Skins.
Männliche Sozialisation zwischen Ohnmacht und Stärke (mp3, 15 MB)
Konstruktionen von Männlichkeit aus historischer Perspektive

- Prof. Dr. Martin Dinges ist Historiker am Institut für Geschichte der Medizin der Robert Bosch Stiftung Stuttgart.
Der Historiker Martin Dinges gibt einen Überblick über die Männlichkeitsbilder der letzten 500 Jahre, angefangen vom Leidensbild des gekreuzigten Jesus bis hin zu den medialen Vorbildern aus Computerspielen. Ausgelöst durch die Frauenemanzipation in den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wurden traditionelle Männlichkeitsbilder aufgebrochen, vielfältiger und diffuser. Seitdem wurde die Herstellung von Männlichkeit zur persönliche Herausforderung und jeder Mann muss sich immer wieder selbst erfinden. Eine mögliche Antwort darauf ist die Rückbesinnung auf traditionelle Männlichkeitsbilder, für deren Erhaltung die Medien ein mächtiger Verbündeter sind.
Konstruktionen von Männlichkeit aus historischer Perspektive (mp3, 15 MB)
Vor-Bilder: Zur Inszenierung von Männlichkeit in mediatisierten Lebenswelten

- Prof. Dr. Burkhard Fuhs ist Kindheitsforscher an der Universität Erfurt.
Burkhard Fuhs analysiert die Darstellung von Kriegern und Helden in den Medien. Dabei legt er Wert auf eine differenzierte Betrachtung, denn es gibt keine eindimensionale Kriegerkultur, sondern sehr komplexe und vielfältige Angebote. Die Rolle des Kriegers hat sich in unserer Gesellschaft gewandelt und Soldat sein ist kein selbstverständliches Sozialisationsziel mehr. Das spiegelt sich in der kritischen Haltung von Erwachsenen zu Kriegsspielen wieder, die nicht in ihr Bild einer friedlichen Kindheit passen. Aber auch moderne demokratische Gesellschaften führen Kriege. Für Burkhard Fuhs haben Jungen und Männer in modernen Gesellschaften immer eine doppelte Identität: Wer bin ich im Krieg und wer bin ich im Frieden? Dabei sind die transitorischen Prozesse von besonderer Bedeutung, der Wechsel von der imaginären Kriegeridentität zum realen Krieger und die Zurückwandlung des Kriegers in die Friedensexistenz, die in den Medien nur sehr selten thematisiert wird.
Inszenierung von Männlichkeit in mediatisierten Lebenswelten (mp3, 17 MB)






