Metanavigation:


Kameraperspektiven

Für die Dramaturgie einer Filmsequenz spielt die Kameraperspektive eine ganz wichtige Rolle. Vor allem drei Begriffe fallen in diesem Zusammenhang immer wieder:

 

Die Normalsicht ist sozusagen eine Auge-in-Auge-Perspektive. Sie entspricht unserer alltäglichen Wahrnehmung, wenn wir einem Menschen gegenüber stehen.

 

Die Untersicht, also von unten aufgenommene Objekte und Personen erscheinen sofort in ganz anderer Weise. Die Untersicht kann so wirken, dass eine Person als Held, Idol, Star oder mächtiger Mensch erscheint oder sie erzeugt - eingebettet in weitere entsprechende Elemente wie Licht, Ausstattung etc. - eine bedrohliche Wirkung. Die Extremform dieser Perspektive nennt man Froschperspektive.

 

Die Draufsicht/Aufsicht zeigt Gegenstände und Personen von oben und lässt sie dadurch kleiner, hilfloser, einsamer oder auch machtloser erscheinen. Die Extremform dieser Perspektive nennt man Vogelperspektive.

 

Nosferatu

Der Filmwissenschaftler Manfred Rüsel zeigte einen kurzen Ausschnitt aus dem schon historischen Film "Nosferatu" (1922), eine Literaturverfilmung des Romans "Dracula".
 › Informationen zum Film

 

 Filmausschnitt "Nosferatu" (wmv)

 

Manfred Rüsel zur Untersicht in "Nosferatu". (mp3)

 

"Was an dieser Einstellung so bemerkenswert ist, es ist die erste extreme Untersicht der Filmgeschichte. Das Filmteam geht also auf den Boden des Schiffes, filmt den Grafen...aus der Extremperspektive von unten. Er ist ja schon relativ groß der Schauspieler und ist dämonisch über die Maske gezeichnet, mit den langen Fingernägeln und der Glatze und der Effekt dieser Untersicht betont dieses Bedrohliche."

Der Untertan

Ein anderes Beispiel für den gekonnten Einsatz von Kameraperspektiven ist der Film "Der Untertan" (1951), auch dies eine Literaturverfilmung. Macht und Ohnmacht wird mit dem Wechsel von Auf- und Untersicht hier besonders schön illustriert.

 

 Filmausschnitt "Der Untertan" (wmv)

 

Erläuterungen zu "Der Untertan". (mp3)

 

"Es gibt einen Film, den ich immer ganz gerne einsetze, um die Verschiebung von Literatur und Verfilmung ganz deutlich zu machen, der auch mit Kamerperspektiven arbeitet, das ist "Der Untertan" von Wolfgang Staudt. Das ist auch ein alter Schwarz-Weiß-Film von 1951. Da kann man sehr schön sehen, wie ein Film sehr schön verdichtet: 400 Seiten Roman - 90 Minuten Film. Und wie er die zentrale Stelle....auf eine kurze Szene, die nicht viel länger ist als eine Minute verdichtet und dieses Wechselspiel von Untertan und Herrscher, von Ohnmacht und Macht wird mit dem Wechselspiel von Kameraperspektiven der Auf- und der Untersicht wunderbar fast paradigmatisch deutlich gemacht."

 

 

Weiter zu:

Handreichungen zur Filmanalyse

Zur Filmanalyse hat Manfred Rüsel einige Arbeitspapiere zur Verfügung gestellt, mit denen man die Betrachtung eines Films strukturieren kann.
Filmanalyse
Begriffe für die Filmanalyse