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Klaus Wildenhahn

In Westdeutschland war in den 70er Jahren Klaus Wildenhahn beim NDR ein wichtiger Dokumentarfilmer, der neben seinen Filmen sich vor allem auch programmatisch zum Dokumentarfilm äußerte und damit viele Filmemacher beeinflusste.

 

"Das Kriterium für Wahrheit und Würde des Dokumentarfilms liegt Wildenhahn zufolge in einer besonderen Nähe des Filmenden zum Gefilmten. Sie ist nicht in erster Linie ästhetisch definiert, sondern moralisch und politisch. Die Tugend des Dokumentarfilmers zeigt sich in der behutsamen, gespannten und geduldigen Beobachtung von sozialen Prozessen und Menschen, die in der politischen und kulturellen Öffentlichkeit gewöhnlich nicht repräsentiert, ‚nichts zu melden' haben ... Die Tugenden des Dokumentarfilm-Handwerks sind entsprechend: Langzeitbeobachtung, möglichst unauffälliges, der ‚Erzählung' des ‚Protagonisten' sich anpassendes Filmen, lange Kameraeinstellungen, selbstlose, (wie) vom ‚Rohmaterial' selbst hervorgebrachte Montage, Eliminierung oder Minimalisierung der Kommentarebene, keine zusätzlichen, zwischen Zuschauer und ‚Erzähler' sich drängenden ‚synthetischen' Filmelemente. Derart seine Form immer nur auf- oder herausfindend, nicht eigenmächtig bestimmend oder erfindend (Vorwurf des Subjektivimus, Individualismus), ist der konsequent altruistische Dokumentarfilm wildenhahnscher Prägung das Gegenteil von Formalismus: der dokumentarische Inhalt sucht und bestimmt seine Form'."

(Cinegraph: Klaus Wildenhahn)

 

Gegen diese Form des "behutsam beobachtenden Dokumentarfilms" äußerte der Filmkritiker und Medienhistoriker Klaus Kreimeier einige Kritik und löste dadurch die Kreimeier-Wildenhahn-Debatte aus, bei der es um Konzepte des Dokumentarischen ging und die Möglichkeit, die Wirklichkeit darzustellen.