Kommentierte Video-Dokumentation
Eine einfache Form des Dokumentarfilms stellt die kommentierte Dokumentation dar, in der die Kommentatornnen und Kommentatoren immer wieder im Bild erscheinen und per Mikrofon erklärend agieren. Die Person, die das Video sieht, fühlt sich angesprochen und wird durch das Geschehen geleitet. Auch hier ist die Wahl eines ergiebigen Themas ein wichtiger Punkt. Optimal für den Anfang sind immer Areale, die genügend Stoff bieten (z.B. Bahnhof, Fußgängerzone, Sportplatz, Party). Für kritische Themen ist hier natürlich hier der richtige Platz, da sich die Möglichkeit ergibt, aus einem bestimmten Blickwinkel heraus zu filmen und die Betrachterin oder den Betrachter "persönlich" anzusprechen und Anliegen und Forderungen auf diesem Weg zu formulieren.
Dieses Projekt erfordert eine genaue Planung sowie Kinder, die gerne verschiedene Funktionen in einem Team übernehmen.
Das Thema - "Hier&Heute":
Für einen Videoreport eignen sich alle Themen, die ausreichendes Bildmaterial versprechen und auch verschiedene Blickwinkel ("Rundherum-Filmen", außen/innen, nah/fern) und Aufnahmepositionen zulassen. Prinzipiell kann aus jeder Thematik, die Aktualität besitzt, ein Report resultieren. Die Themen werden einer genaueren Analyse unterzogen, von der man annimmt, dass diese noch nicht stattgefunden hat. Anders als bei Nachrichten bildet der Report die Möglichkeit, Einzelinformationen zu strukturieren und durch einen gezielt dramaturgischen Aufbau in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.
Beispiele für Recherche-Ideen:
Bauliche Veränderungen im Öffentlichen Raum
Wie nützen Menschen Areale (FußgängerInnenzonen, Parks)?
Besuch in einer Fabrik, in einer Firma, in einer Werkstatt
Veranstaltungen (Ausstellung, Party, Fest, Markt, Sport, Eröffnung)
Zu Gast in einer (anderen) Schule
Hinter den Kulissen
Bericht zu aktuellen Ereignissen
Umsetzungsplan:
Zunächst bringen die Kinder ihre Ideen ein, was genau gefilmt werden und wie der Dreh vor sich gehen könnte.
Vorbereitung des Teams: Die acht Kinder des Teams übernehmen alle Funktionen, die zum Aufnehmen der Videodoku nötig sind. In der einstündigen Vorbereitungszeit einigen sie sich auf das Thema bzw. entscheiden, ob sie ein an sie herangetragenes Thema umsetzen wollen, verteilen die Funktionen untereinander und üben ihre jeweiligen Parts. Im Folgenden werden die Funktionen der Gesamtleitung, des Ablaufs, der Kameraleute, der mehrsprachigen Kommentatorinnen und Kommentatoren und der Scriptführung geschrieben.
Funktion der Gesamtleitung / Projektheft (2 Kinder):
Sie haben den Projektüberblick und führen ein Projektheft, das sie bereits bei der Vorbereitung beginnen. Sie tragen ein, wer welche Funktionen übernommen hat, notieren Zeiten und Orte für die Aufnahmen sowie Recherchen zum Thema. Außerdem verfassen sie einen mehrsprachigen Infozettel.
Der mehrsprachige Infozettel:
Dieser (Eine A4-Seite gedruckt oder handgeschrieben) formuliert die wichtigsten Projektdaten nach "außen" (z.B. für Interessierte, Personen auf der Straße).
Was steht auf dem mehrsprachigen Infozettel zur Doku?
Name der Videodokumentation
Kurzbeschreibung (ein bis zwei Sätze)
Adresse der Schule bzw. der Kindergruppe
Kontakt: Email oder Telefonnummer
Erklärung, dass Aufnahmen an bestimmten Orten erforderlich sind und dass die Dokumentation keine kommerziellen Zwecke verfolgt (wichtig für eventuelle Drehgenehmigungen).
Funktion der Kameraführung (2 Kinder): Sie machen sich mit der Aufnahmetechnik vertraut.
Wichtiges zur Aufnahme:
Wie funktioniert die Kamera (Einlegen/Auswurf von Kassetten, Batterieversorgung, Ein/Aus, Aufnahmestart, Aufnahmeende, Belichtungs- und Schärfenautomatik)
Anstecken eines externen Mikrofons für Kommentare (Buchse)
Aufnahmeproben / Mögliches Grundschema einer Doku-Szene:
Szenen sollten in Innenräumen oder im Schulhof einige Male durchgespielt werden. Im Bild befinden sich ja oft auch die Kommentatorinnen und Kommentatoren, die über Mikrofon mit der Kamera verbunden sind.
Beispiel für eine kommentierte Doku-Szene, die auf einmal gefilmt wird:
Einleitung durch Kommentatorin oder Kommentator.
Filmen der entsprechenden Objekte, Orte und Plätze.
Abschluss durch Kommentatorin oder Kommentator.
Funktion der Kommentatoreninnen und Kommentatoren (Für jede Sprache ein Kind): Für den Einstieg reichen einfache beschreibende Sätze, die in die jeweiligen Sprachen übersetzt werden.
Beispiele für Moderatoren-Texte am Beginn der Szene:
"Hier sehen Sie (seht ihr)...." / " To jest ...!"
"Guten Tag. Heute....!" / "Dzień dobry. Dzisiaj ...!"
"Das ist unglaublich ...." / To jest nieprawdopodobny ...!"
Werden zum Beispiel die Sprachen Polnisch und Deutsch in der Gruppe gesprochen, gibt es zwei Moderatorinnen/Moderatoren, die beide auf der Seite im Videobild zu sehen sind und nacheinander sprechen und dazwischen das Mikrofon übergeben. Danach wendet sich die Kamera den Objekten zu, die "unter die Lupe" genommen werden sollen.
Beispiele für Moderatoren-Texte am Schluss der Szene:
"Das war ...." / To była ..."
"Was sagen Sie (sagt ihr) dazu ....?" / "Co by mówić na to ...?"
u.s.w.
Funktion der Scriptführung (2 Kinder):
Die Kinder führen ebenfalls ein Script-Notizheft, in dem jede aufgenommene Szene vermerkt wird.
Notizen zur Szene:
Die Szenen erhalten die Nummern (z.B.) 1A, 2A ...
Die Wiederholung einer Szene erhalten die Nummern 1B, 2B ...
Die Szene erhält eine Bezeichnung (ev. mit Kurzbeschreibung).
Vermerken des Drehorts.
Vermerken der ungefähren Länge.
Laut sprechen: Da in den meisten Fällen nur das Mikrofon auf der Kamera die Stimmen der Akteurinnen und Akteure aufnimmt und die Kamera weiter von ihnen entfernt ist als bei Tonaufnahmen, sollen die Kinder laut sprechen, damit sie deutlich verständlich sind.
Zwei-Sekunden-Pausen beachten: Auch hier kann es zu verzögerten Aufnahmebeginn kommen. Deshalb sollen die KommentatorInnen nicht sofort nach dem Start sprechen, sondern wieder zwei Sekunden warten. Selbiges gilt für Aufnahmeschluss: Die KommentatorInnen warten mindestens 2 Sekunden, nachdem sie gesprochen haben.
Szenen-Rohmaterial:
Das Aufnahmematerial besteht aus einer Reihe von Szenen, die nacheinander aufgenommen wurden (1A - 2A - 3A ...), eventuell mit Szenenwiederholungen (z.B. 1A - 1B - 2A - 3A - 4A - 4B - 4C ...). Alle Szenen sind im Script-Notizheft aufgelistet, wodurch sich ein guter Überblick über das gesamte Aufnahmematerial bietet.
Aufnahme von mehrsprachigem Filmanfang bzw. Filmende:
Perfekt wird ein (Video-)Film durch eine Einleitung und einen Ausklang. Diese kann durch jeweils eigene Szenen realisiert werden, die im Nachhinein aufgenommen werden. Diese Szene können durch die Kommentatorinnen und Kommentatoren gesprochen werden oder aber auch durch Einfügen von mehrsprachigen Titeln (siehe Nachbearbeitung). Diese "Randszenen" können anders als die "Innenszenen" numeriert werden (etwa R1 und R2).
Nachbearbeitung Phase 1 - Storyboard / Szenenabfolge:
Das Endprodukt ergibt sich aus der passenden Zusammenstellung der Einzelszenen, wobei die jeweils "beste Version" ausgewählt wird (z.B. 2A oder 2B?). Die vorliegende Projektbeschreibung veranschaulicht eine sehr einfache Schnittarbeit, wobei die Reihenfolge der aufgenommenen Szenen in der endgültigen Version beibehalten wird. Das gesamte Filmteam betrachtet zunächst das Rohmaterial und einigt sich auf die Szenenauswahl. Es ergibt sich zum Beispiel die Reihenfolge R1-1A-2B-3C-4A-5B-R2. Nun steht der Schnittarbeit nichts mehr im Wege.
Nachbearbeitung Phase 2 - Videoschnitt:
Die analoge Schnittarbeit wird mit zwei Videorekordern bzw. Videokamera und Videorekorder ausgeführt, wobei die ausgewählten Szenen nacheinander von Gerät 1 auf Gerät 2 überspielt werden. Mit einem "Titelgenerator" kann ein mehrsprachiger Vor- und Nachspann" (R1 bzw. R2) geschrieben werden. Bei digitaler Schnittarbeit wird das gesamte Rohmaterial in den PC eingespielt und dort mit geeigneten Videoschnittprogrammen verarbeitet. Hier bietet sich auch eine einfache Möglichkeit, einen mehrsprachigen Vor- und Nachspann zu generieren.
Nennung aller Kinder:
Im Nachspann sollten alle Mitwirkenden genannt werden. Eventuell gab es Partner oder Sponsoren, die das Projekt ideell beziehungsweise finanziell unterstützt habe, denen an dieser Stelle in beiden Sprachen gedankt werden soll.
Rahmenbedingungen für das Projekt "Video-Dokumentation"
| Allgemeine Ziele | Video als mehrsprachiges Informationsmedium nützen. |
| Themen | Themen, die von der Kindern recherchierbar sind und in deren Interessensbereich liegen. |
| Spielergebnis, Produkt | Aufnahme einer Filmdokumentation. |
| Präsentationsmöglichkeit | Intern für die Klasse bzw. Gruppe, auch präsentierbar im Rahmen bestimmter Veranstaltungen. |
| Sprachen | Zweisprachig (auf mehrsprachig erweiterbar). |
| Arbeitsweise | Filmteam von maximal 8 Kindern. |
| Teilnehmer | Filmteam von maximal 8 Kindern. |
| Alter der TN | 9 bis 13 Jahre. |
| Dauer | 2 (Schul-)Stunden Vorbereitung, 2 (Schul-)Stunden auswärts, bei Fortsetzung jeweils weitere 2 Stunden, 3 Stunden Schnittarbeit mit den Kindern. |
| Betreuungspersonen | Zwei Betreuungspersonen, davon mindestens eine mit Kenntnissen der Muttersprache(n) der Kinder. |
| Geräte | Videokamera, Mikrofon und Verbindungskabel, Videoschnittausrüstung. |
| Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse | Handhabung der Geräte. |
| Räumlichkeiten | Innenraum, Außenaufnahmen bei Recherchen. |
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