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Medienkritik

Der "Tatort" vom letzten Sonntag, das neueste Buch von Donna Leon, die jüngste Episode von "Herr der Ringe" - sie alle sind Gegenstand kritischer Betrachtung. Meist launig geschrieben für den raschen Überblick. Medienkritik ist aber schon seit langem auch ein Thema der Wissenschaft. An der PH Ludwigsburg hat im April 2005 eine Tagung dazu stattgefunden, die wir hier dokumentieren.

Der "kritische Rezipient" - Zuschauer, Leser, Internet-Nutzer - ist seit den 68ern zum Leitbild der Medienbildung geworden. Alle Anstrengungen der Medienkritik galten dem Ziel, Bürgerinnen und Bürger auf dem Weg zum "kritischen Rezipienten" zu begleiten und anzuleiten. Hans-Dieter Kübler (Hochschule für angewandte Wissenschaft, Hamburg) wirft in seinem Vortrag einen Blick zurück auf die Entwicklung der Medienkritik in den vergangenen fünf Jahrzehnten.

Hans-Dieter Kübler (Ausschnitt, mp3, 21 MB)


Sonja Ganguin (Universität Bielefeld) entfaltete in ihrem Vortrag die Dimensionen der Medienkritik, die sich aus fünf Elementen zusammensetzt: Der Wahrnehmungsfähigkeit über den Sinnesapparat, der Decodierfähigkeit von Medieninhalten, der Analysefähigkeit, der Reflexionsfähigkeit und schließlich der Urteilsfähigkeit.

Sonja Ganguin (Ausschnitt, mp3, 23 MB)

Diese Dimensionen der Medienkritik gibt es hier auch als PDF.


Michael Kunczik (Universität Mainz) ist unter anderem bekannt geworden durch seine These, dass nicht nachweisbar sei, dass Gewaltdarstellungen im Fernsehen eine negative Wirkung auf Jugendliche haben. Doch heute, so räumt der Professor unumwunden ein, lässt sich diese These nicht mehr halten. Vielmehr kann Mediengewalt negative Wirkungen haben, wenn bestimmte Bedingungen zusammen kommen. Dies ist wiederum ein Ergebnis aller neuester Untersuchungen.

Michael Kunczik(Ausschnitt, mp3, 53 MB)


Johannes Kirschenmann (Akademie der Bildenden Künste, München) widmete sich dem "Bildverstehen" innerhalb medienkritischer Zusammenhänge. Ausgehend davon, dass bildliche Elemente all unsere Erfahrungen durchdringen, kommt es mehr denn je darauf an, dass wir die Bilder verstehen, die wir sehen. Doch dazu bleibt uns angesichts der "Halbsekundenbilder" zum Beispiel im Fernsehen kaum Zeit. Das "schnelle Bild" ist zum Signum von Moderne und Gegenwart geworden.

Johannes Kirschenmann(Ausschnitt, mp3, 25 MB)


Mit Wolfgang Wunden (Südwest Rundfunk) tauchte die Tagung ein in die Welt der Antike und der Philosophie. Er enwickelte aus philosophischer Sicht den Begriff der Medienkritik als Akt der "Selbstsorge". Hier kommt der Kritik auch die Bedeutung zu, sich nicht unterwerfen, sich nicht verführen zu lassen. Wolfgang Wundens Rat: "Kümmere dich um dich selbst und um deine Existenz und baue sie kulturell auf".

Wolfgang Wunden (Ausschnitt, mp3, 31 MB)