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Medienwelten sind Lebenswelten

"Lebenswelten sind Medienwelten". Diese Feststellung von Dieter Baacke, einem der bekanntesten Medienwissenschaftler in der Bundesrepublik, ist seit den 1990er Jahren zum geflügelten Wort geworden. Dahinter steckt die Tatsache, dass unser Alltag von Medien beziehungsweise computergestützten Apparaten bestimmt ist. Verabredungen treffen wir per Handy, das Geld holen wir am Automaten und zur Entspannung dient uns das abendliche Fernsehprogramm. Für Kinder und Jugendliche gehören Medien, die für Erwachsene zunächst neu sind oder waren, wie beispielsweise Handy oder Computer, von Geburt an zu ihrer Lebenswelt.

Dies zeigen schon ein paar Zahlen aus der jüngsten Jugendmedienstudie des Medienpädagogischen Forschungsverbundes Südwest: In 99 Prozent der Haushalte, in denen 12- bis 19-jährige leben, gibt es ein Mobiltelefon, 98 Prozent dieser Haushalte sind mit Computer und 96 Prozent (der Haushalte mit Kindern) mit Internet-Zugang ausgestattet. 71 Prozent der Jugendlichen verfügen sogar über einen eigenen Computer und bei 51 Prozent ist der Computer mit Internet ausgestattet. Das Handy rundet bei 95 Prozent der Jugendlichen die Ausstattung mit Multimediageräten ab. (Medienpädagogischer Forschungsverbund Südwest, JIM 2008).

Der Wissenskluft entkommen

Aus der rasanten technischen Entwicklung hin zu allumfassender Verkabelung und Digitalisierung ergeben sich vielfältige soziale, politische, kulturelle und wirtschaftliche Veränderungen. Einige Autoren warnen angesichts dieser Veränderungen vor einer sogenannten "Wissenskluft" (Heinz Bonfadelli, Horst W. Opaschowski, Walter Klingler), die zwischen sozial abgesicherten und sozial benachteiligten Schichten immer größer werde. Die These von der Wissenskluft besagt, dass die Schichten, die über einen hohen Bildungsstand verfügen und sich eine vielseitige und teure Medienausstattung leisten können, sich auch in der Informationsflut und in Medienwelten aller Art sicher bewegen können und daraus Nutzen ziehen, während ärmere und weniger gebildete Bevölkerungsteile von der Teilhabe am riesigen Informationsangebot ausgeschlossen bleiben bzw. lediglich als Konsumenten nicht aber als aktiv Beteiligte daran teilhaben. Lange Zeit machte das Stichwort von "digital divide" die Runde, das diese Teilung der Gesellschaft auf der Ebene der digitalen Medien beschreibt.

Digitalisierung aller Lebensbereiche

In seinem Vortrag "Die Digitalisierung aller Lebensbereiche - Fragen an die Zukunft" beim Medientag 2004 in Stuttgart stellte Professor Dr. Dr. Franz Radermacher bemerkenswerte Thesen zur Diskussion. Er ist als Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Mitglied des "Club of Rome" und hat unterstützt von zahlreichen Firmen 2004 das Forschungsinstitut für anwendungsorientierte Wissensverarbeitung/n (FAW/n) in Ulm gegründet.

 

Digitalisierung aller Lebensbereiche

 

Zu Themen des Vortrags gibt es auch ein Buch: "Balance oder Zerstörung". Es kann bestellt werden bei: FAWn, Ulm.

Von Warnungen aufgeschreckt und um die Zugangschancen zu den neuen Medien möglichst allen zu eröffnen, forderten Interessenvertreter aus Politik, Pädagogik und der Wirtschaft neue Wege in Bildung und Ausbildung. Zum Beispiel rufen Vertreter der Wirtschaft nach umfassendem informationstechnischem Know-how für Schülerinnen und Schüler. "Schulen ans Netz" oder "Internet für alle" sind nur einige der vielen Reaktionen, die es daraufhin seitens der Politik gegeben hat.

Das Ziel aller Anstrengungen im Bildungsbereich heißt Medienkompetenz, wobei darunter auch die Fähigkeit zur Kommunikation, zum kompetenten Umgang mit der Flut an Informationen verstanden wird, aber auch die Fähigkeit sich in "virtuellen Welten" selbstverständlich zu bewegen ohne die Realität aus dem Auge zu verlieren.

 

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Autorin: Ingrid Bounin