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Mehrsprachiges Episodenfilm-Modul

Ausschnitt einer Videokamera in Großaufnahme

Hier wird ein Modell vorgestellt, wie Filmszenen in einer anderen Sprache vermittelt werden können, ohne sie mit Untertiteln zu versehen (dies wäre eine rein technische Angelegenheit und kann mit Schnittprogrammen auf PC sehr einfach selbst bewerkstelligt werden). Bevor eine Szene gezeigt wird, tritt eine Erzählerin oder ein Erzähler auf und beschreibt den Inhalt durch eine kurze Zusammenfassung. Das Ergebnis ist daher keine "Eins-zu-Eins-Übersetzung", aber eine ausbaubare Methode, weil praktisch zu einer Handlungsebene eine anderssprachige Erzählebene eingeführt wird.

 

Gemeinsames Erfinden von Szenen:

Die gesamte Gruppe erfindet maximal fünf typische Szenen mit Inhalten, die den Kindern vertraut sind.

 

Beispiele für alltägliche Szenen:

Ein Gespräch in der Straßenbahn.

Eine Verkaufsszene (z.B. am Markt).

Besuch im Restaurant.

Eine Schulstunde.

Ein Telefongespräch unter Freunden/Freundinnen.

Auf der Geburtstagsparty.

 

Zwei Gruppen - Filmteam und Team der Akteurinnen und Akteure:

Die Kinder teilen sich auf zwei Gruppen auf. das Filmteam besteht aus fünf Kindern, das Aktionsteam aus 10 bis 15 Kindern.

 

Das Filmteam (fünf Kinder):

Diese Kinder übernehmen die Aufnahmen. Zwei Kinder übernehmen die Aufnahmeleitung und Regie, zwei Kinder bedienen die Kamera, und ein Kind führt ein Szenenbuch.

 

Aufnahmeleitung und Regie (zwei Kinder):

Diese beiden Kinder schreiben die Szenen, auf die sich die Gruppe geeinigt hat, auf, tragen ein, wer welche Rollen übernommen hat, und klären ab, in welcher Sprache die einzelnen Szenen gefilmt werden sollen.

 

Bedienen der Kamera (zwei Kinder):

Sie machen sich mit der Aufnahmetechnik vertraut und wechseln einander beim Filmen ab.

 

Wichtiges zur Aufnahme:

Wie funktioniert die Kamera (Einlegen/Auswurf von Kassetten, Batterieversorgung, Ein/Aus, Aufnahmestart, Aufnahmeende, Belichtungs- und Schärfenautomatik), Beleuchtungssituation.

 

Szenenbuchführung (ein Kind):

Hier werden alle aufgenommenen Szenen im Szenenbuch vermerkt.

 

Notizen zur Szene:

Die Szenen erhalten die Nummern (z.B.) 1A, 2A ...

Die Wiederholungen von Szenen erhalten die Nummern 1B, 2B ...

Die Szene erhält eine Bezeichnung (ev. mit Kurzbeschreibung).

Vermerken des Drehorts.

Vermerken der ungefähren Länge.

 

Das Team der Akteurinnen und Akteure (10 bis 15 Kinder):

Die Akteurinnen und Akteure werden die vorher ausgewählten Szenen spielen und erzählerisch einleiten. Wenn beispielsweise vier Szenen zu spielen sind, muss geklärt werden, wer Schauspielerin oder Schauspieler und wer Erzählerin oder Erzähler ist. Es könnte sich aber auch für jede Szene eine Kleingruppe zusammenfinden, in der ein Kind Erzählerin oder Erzähler ist und die anderen die Akteurinnen und Akteure.

 

Probe vor der Aufnahme:

Zunächst wird eine Szene mit den Akteurinnen und Akteuren in Sprache 1 geprobt. Die Erzählerin oder der Erzähler sieht zu und überlegt sich, nachdem ihr oder ihm der Inhalt vermittelt wurde, eine kurze Einleitung und einen kurzen Nachsatz in Sprache 2. Im folgendem Beispiel erscheint die Erzählerin oder der Erzähler also zweimal, am Beginn und am Schluss der Szene:

 

Beispiel für eine Szene, in der Touristen nach dem Weg fragen:

Einleitung der Erzählerin oder des Erzählers, die vor der Szene erscheint: "Einmal besuchten drei Touristen Wien und hatten sich hoffnungslos verirrt."

Die Erzählerin oder der Erzähler geht ab. Die Touristengruppe blickt hilflos umher und fragt einen Passanten: "Przepraszam, jak dojść do ratusza?" Passant: "Proszę iść prosto do drugiego skrzyżowania, tam skręcić na prawo i dojść do placu. Ratusz jest po lewej stronie." Touristin: " Dziękuję panu!"

Nachsatz der Erzählerin oder des Erzählers: Schließlich haben die Touristen endlich das Rathaus gefunden. Es war auf einem großen Platz.

 

Im Nachsatz wurden die wichtigen Inhalte der Szene zusammenfassend wiedergegeben (Wörtliche Übersetzung: Touristengruppe: " Entschuldigung, wie kommt man zum Rathaus?" Passant: " Sie gehen geradeaus bis zur zweiten Kreuzung, dann biegen sie nach rechts ab und kommen zu einem Platz. Das Rathaus ist auf der linken Seite." Touristin: "Danke, mein Herr!"). Die Sprachen - hier Deutsch und Polnisch - können dabei abwechselnd einmal Erzählsprache, einmal Szenensprache sein.

 

Laut sprechen: Da in den meisten Fällen nur das Mikrofon auf der Kamera die Stimmen der Akteureinnen und Akteure aufnimmt und die Kamera weiter von ihnen entfernt ist als bei Tonaufnahmen, sollen die Kinder laut sprechen, damit sie deutlich verständlich sind.

 

Zwei-Sekunden-Pausen beachten: Auch hier kann es zu verzögertem Aufnahmebeginn kommen. Deshalb sollen die Akteurinnen und Akteure nicht sofort nach dem Start sprechen, sondern wieder zwei Sekunden warten. Selbiges gilt für Aufnahmeschluss: Die Akteurinnen und Akteure warten mindestens zwei Sekunden, nachdem sie gesprochen haben.

 

Szenen-Rohmaterial:

Das Aufnahmematerial besteht aus einer Reihe von Szenen, die nacheinander aufgenommen wurden (1A - 2A - 3A ...), eventuell mit Szenenwiederholungen (z.B. 1A - 1B - 2A - 3A - 4A - 4B - 4C ...). Alle Szenen sind im Szenenbuch aufgelistet, wodurch sich ein guter Überblick über das gesamte Aufnahmematerial bietet.

 

Aufnahme von mehrsprachigem Filmanfang bzw. Filmende:

Vorspann und Nachspann können durch jeweils eigene Szenen realisiert werden, die im Nachhinein aufgenommen werden. Diese Szene können durch Kinder gesprochen werden oder aber auch durch Einfügen von mehrsprachigen Titeln (siehe Nachbearbeitung). Diese "Randszenen" können anders als die "Innenszenen" numeriert werden (etwa R1 und R2).

 

Nachbearbeitung Phase 1 - Storyboard / Szenenabfolge:

Das Endprodukt ergibt sich aus der passenden Zusammenstellung der Einzelszenen, wobei die jeweils "beste Version" ausgewählt wird (z.B. 2A oder 2B). Das gesamte Filmteam betrachtet zunächst das Rohmaterial und einigt sich auf die Szenenauswahl. Es ergibt sich zum Beispiel die Reihenfolge R1-1A-2B-3C-4A-5B-R2. Nun steht der Schnittarbeit nichts mehr im Wege.

 

Nachbearbeitung Phase 2 - Videoschnitt:

Die analoge Schnittarbeit wird mit zwei Videorekordern bzw. Videokamera und Videorekorder ausgeführt, wobei die ausgewählten Szenen nacheinander von Gerät 1 auf Gerät 2 überspielt werden. Mit einem "Titelgenerator" kann ein mehrsprachiger Vor- und Nachspann" (R1 bzw. R2) geschrieben werden. Bei digitaler Schnittarbeit wird das gesamte Rohmaterial in den PC eingespielt und dort mit geeigneten Videoschnittprogrammen verarbeitet. Hier bietet sich auch eine einfache Möglichkeit, einen mehrsprachigen Vor- und Nachspann zu generieren.

 

Nennung aller Kinder:

Im Nachspann sollten alle Mitwirkenden genannt werden. Eventuell gab es Partner bzw. Sponsoren, die das Projekt ideell bzw. finanziell unterstützt haben, denen an dieser Stelle in beiden Sprachen gedankt werden soll.

 

Rahmenbedingungen für das Projekt "Episodenflilm-Modul"

Allgemeine Ziele Video als zweisprachiges künstlerisches Medium nutzen.
Themen Kurze Drehbücher zu Situationen, die von den Kindern erfunden werden.
Spielergebnis, Produkt Aufnahme eines Episodenfilms.
Präsentationsmöglichkeit Intern für die Klasse bzw. Gruppe, auch präsentierbar im Rahmen bestimmter Veranstaltungen.
Sprachen Zweisprachig.
Teilnehmer 15 bis 20 Kinder.
Alter der TN 8 bis 13 Jahre.
Dauer Ein Vormittag (4 Stunden mit Pause), 3 Stunden Schnittarbeit mit den Kindern.
Betreuungspersonen Zwei Betreuungspersonen, davon mindestens eine mit Kenntnissen der Muttersprache(n) der Kinder.
Geräte Videokamera, Mikrofon und Verbindungskabel, Videoschnittausrüstung.
Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse Handhabung der Geräte.
Räumlichkeiten Innenraum, eventuell Außenaufnahmen.

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