'Jud Süß' – Propagandafilm im NS-Staat
Wie der Nationalsozialismus das Medium Film für seine Propagandazwecke missbrauchte, verdeutlicht eine Ausstellung im Haus der Geschichte in Stuttgart. Mit "Jud Süß" rückt sie einen antisemitischen Propagandafilm in den Blickpunkt, dessen Botschaft in das Genre eines historischen Films eingebettet wurde und sich der Figur des württembergischen Finanzrates Joseph Süß Oppenheimers bedient. Die Ausstellung, die noch bis zum 3. August 2008 zu sehen ist, zeigt die Machart des Films, der bewusst auf antisemitische Ressentiments zielt. Sie beschäftigt sich mit der Entstehung, aber auch mit der Rezeption des Films, der in allen Ländern Europas gezeigt wurde, die von Nazi-Deutschland besetzt waren. Der Film war eines der wichtigsten Massenmedien dieser Zeit und "Jud Süß", der im September 1940 in die Kinos kam, wurde von ca. 20 Millionen Menschen gesehen.
Die Ausstellung kombiniert Ausschnitte des Films mit historischen Dokumenten, Filmplakaten, Originaldrehbüchern, Skizzen und Filmausrüstung von den Dreharbeiten. Gezeigt wird auch, wie sich der Regisseur Veit Harlan und die Schauspieler des Films in der Nachkriegs-Ära vom Nationalsozialismus und dem Film "Jud Süß" distanzierten und sich als Opfer der Propagandaindustrie darstellten. Veit Harlan musste sich nach dem Krieg wegen Mitschuld an Kriegsverbrechen vor Gericht verantworten, wurde jedoch nach mehreren Prozessen freigesprochen.

- Werner Krauß (links) spielte gleich mehrere Rollen als Jude

- Heinrich George als Herzog von Württemberg (links) mit Ferdinand Marian als Jud Süß

- Kristina Söderbaum, spöttisch auch die "Reichswasserleiche" genannt, als Dorothea
Was ist Propaganda?
"'Propagare' heißt 'verbreiten' oder 'für etwas werben'. Propaganda hat das Ziel, Einstellungen, Verhaltens- und Handlungsweisen zu verändern. Im Gegensatz zur wertneutralen Information oder Werbung, die eine Produktüberprüfung erlaubt, bedient sich die Propaganda irrationaler Gefühlsargumente. Zur Verbreitung politischer Theorien werden Urängste evoziert, Informationen werden durch die gezielte Streuung von Gerüchten und die Zensur manipuliert."
Reclams Sachlexikon des Films, Stuttgart 2007, S. 552

- Himmler befiehlt im Herbst 1940, "daß die gesamte SS und die Polizei [...] den Film "Jud Süß" zu sehen bekommt."
Wir nehmen die Ausstellung zum Anlass, um Texte und Bücher aus unserer Online-Bibliothek zusammenzustellen, die sich mit der NS-Propaganda in Spielfilmen und Dokumentarfilmen beschäftigen. Außerdem dokumentieren wir einen der Vorträge, der im Begleitprogramm der Ausstellung gehalten wurde.
Was ist Antisemitismus?
Wolfgang Benz nimmt als Ausgangspunkt seiner Ausführungen aktuelle Diskussionen über Antisemitismus in Deutschland. Er beschreibt vier Grundphänomene des Antisemitismus und differenziert hinsichtlich der Intensität zwischen latentem und manifestem Auftreten von Antisemitismus. Für ihn ist Antisemitismus der Prototyp des sozialen und politischen Ressentiments und dadurch ein Indikator für den Zustand einer Gesellschaft.
Professor Dr. Wolfgang Benz ist Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung in Berlin.
Texte zum Thema NS-Propaganda in unserer Bibliothek
- Hilmar Hoffmann:
"Und die Fahne führt uns in die Ewigkeit". Propaganda im NS-Film. - Peter Zimmermann:
Propagandafilme der NSDAP. - Peter Zimmermann:
Zwischen Sachlichkeit, Idylle und Propaganda. Der Kulturfilm im Dritten Reich. - Kay Hoffmann:
"Die Deutsche Wochenschau" - nationalsozialistischer Realismus. - Jörg Bohse:
Goebbels' Rede zum "Totalen Krieg". - Georg Ruppelt:
Die Gleich- und Ausschaltung Schillers. - Eugen Hadamovsky:
Verbot des Niggerjazz. Teil einer auf der Intendantentagung am 12. Oktober 1935 gehaltenen Rede.
Handouts: Filmanalyse
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Beobachtungskategorien zur Filmanalyse
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Tipps zur Filmanalyse
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Filmmontage







