Schaffen Sie Pausen!
Die Pause als bewusst eingesetztes Gestaltungsmittel beim Sprechen wird leider oft vernachlässigt oder in ihrer Bedeutung unterschätzt Dabei zeigt sich gerade in einer gezielt eingesetzten Pausendramaturgie die Souveränität des Sprechers oder der Sprecherin. Die klug gewählte Pause wirkt immer Spannung steigernd, erzeugt Aufmerksamkeit und Interesse beim Zuhörer. Als Beispiel ein Ausschnitt aus dem Roman Fahrstuhl zum Schafott von Noël Calef:
Jählings und gleichzeitig flammten die Straßenlaternen auf. Aber es war noch hell, und ihr Schein verlor sich in dem feuchten Schimmer des regennassen Asphalts. Vor den großen Kaufhäusern drängten sich die Leute. Die Schaufenster waren dicht umringt. Jeder wollte sich den Samstagnachmittag zunutze machen, und viele fuhren übers Wochenende aufs Land.
In den Büros aber wurde gearbeitet. Hier und dort brannte Licht in den Fenstern der Geschäftshäuser. So auch in mehreren Etagen des Uma-Standard-Gebäudes, das sich in schreiend modernistischem Stil am Boulevard Haussmann erhebt.
Hinter geöffneten Fensterflügeln saßen ein Mann und eine Frau einander gegenüber. Er in seinem Sessel hinter einem Stahlschreibtisch - während sie, den Stenogrammblock auf den Knien, auf die Fortsetzung des Diktats wartete. Ungeduldig.
Der Mann saß mit halbgeöffnetem Mund da. In Gedanken versunken, versuchte er sich die Zukunft auszumalen und einen Hoffnungsschimmer zu entdecken. Die Sekretärin, die keinen Meter von ihm entfernt war, hatte er ganz vergessen.
Mechanisch sah er nach der Uhr. Zum zehntenmal, dachte die Sekretärin. Er gefällt mir ganz und gar nicht - mit dieser schlappen Falte am Mundwinkel...Plötzlich glaubte sie, die Wahrheit erraten zu haben: Verliebt ist er!
Literaturtipps: Atem- und Sprechtechnik
Stefan Wachtel:
Formen des Sprechens
Hans Jung:
Der Weg zur wirkungsvollen Rede in der Öffentlichkeit






