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Realschule

Ablauf des Unterrichts

Vorbemerkung:

 

Bewegliche Bilder kennen viele Schülerinnen und Schüler aus Bilderbüchern oder „Pop-up”- Karten, die auf papiermechanischen Grundlagen beruhen. Diese papiermechanischen Objekte werden durch Schieber oder Drehräder in Gang gesetzt.

Der Schritt vom beweglichen Bild zur Scherenschnittfigur besteht darin, die Figur von einer festen Verbindung mit einem Hintergrund zu lösen. Vor austauschbarer Kulisse sind den erzählerischen Möglichkeiten des Papiertheaters mit flachen Spielfiguren keine Grenzen gesetzt. Die Künstlerin Lotte Reiniger etwa reduzierte Figuren und Kulissen auf Silhouetten und wurde mit den beweglichen Scherenschnittfiguren weltbekannt.

Computer bieten nun die Möglichkeit, Scherenschnitte in der Technik des Legetricks zum Leben zu erwecken. Mit einer Kombination aus Bildbearbeitungs- und Animationsprogramm kann hierbei nun auch auf Scanner, Tricktisch oder andere Trickgeräte verzichtet werden.

 

In dieser Unterrichtseinheit werden nach einem Einstieg über Piktogramme drei alternative Zugänge zum Thema "digitale Scherenschnitte" vorgestellt:

 

1. The Night before Christmas, ein Film von Tim Burton

2. Henri Matisse: Der Fall Ikarus

3. Lotte Reiniger: Die Abenteuer des Prinzen Achmed

1. bis 4. Unterrichtsstunde - Piktogramme als Einstieg zum digitalen Scherenschnitt

Piktogramme werden für eine schnelle und sichere Orientierung sowie für eine sprachübergreifende Kommunikation eingesetzt. Kennzeichnend für diese ikonografische Darstellung ist die Reduktion.

Auf Details und Vielfarbigkeit wird verzichtet; stattdessen kommen Symbole und Symbolfarben zum Einsatz. Piktogramme dienen zur Vereinfachung der Orientierung und zur schnellen und eindeutigen Weitergabe von Informationen.

 

Zunächst werden im Unterricht gemeinsam Piktogramme angeschaut und ihre Gestalt und Verwendung besprochen.

Beispiele finden sich im Lebensumfeld jedes einzelnen. An dieser Stelle kann ein Rechercheauftrag gestellt werden: Die Kinder begeben sich mit Digitalkameras auf Objektsuche. Falls hierfür keine Zeit zur Verfügung steht, findet sich auch in den Medienzentren unter der Mediennummer 10 02753 die Diareihe "Information und Kommunikation im Alltag", die zur Anschauung verwendet werden kann.

Nun folgt die Bildbetrachtung

und -deutung.

Als Gesprächsgrundlage dient das Arbeitsblatt Anforderungen an ein Piktogramm.

 

Entwurf eigener Piktogramme

 

Die Schülerinnen und Schüler bekommen nun das Arbeitsblatt Inhalt des Piktogramms ausgeteilt. Hier soll die Bedeutung der Informationsweitergabe durch Piktogramme erfahren werden. Das bereits ausgeteilte Arbeitsblatt Anforderungen an ein Piktogramm widmet sich der grafischen Ausgestaltung. Das dritte Arbeitsblatt zum Thema Animation führt die statische Graphik in Simulation von Bewegung über und bereitet somit die Animation vor.

 

Digitalisierung und Dateiablage

 

An vorbereiteten Scannern werden die entstandenen Formen digitalisiert und im platzsparenden *.jpg- Format abgespeichert. Empfehlenswert ist es, die komplette Originaldatei bei einer Bildgröße von etwa 20 Zentimetern Breite und entsprechender Höhe und einer dpi-Zahl von 300 zu speichern. Es empfiehlt sich weiterhin, für alle Schüler einen Projektordner mit seinem Namen anzulegen.

 

In diesem Projektordner befinden sich

- ein Unterordner für die Arbeitsdateien (Scans, die Photoshop- Datei, Audiodateien)

- ein Unterordner für die exportierten Einzelbilder (auf die wird vom Animationsprogramm aus zugegriffen)

- der fertige Animationsfilm

 

Bildbearbeitung

 

Mit dem Bildbearbeitungsprogramm „Photoshop Elements” lassen sich die gescannten Bilder in einzeln bewegbare Teile zerlegen. Die Einzelteile werden auf verschiedenen Ebenen abgelegt um sie individuell nachbearbeiten zu können. Die Datei wird im Photoshop- eigenen *.psd- Format abgespeichert um die Ebenen zu erhalten. Das Arbeitsblatt Photoshop beinhaltet die Erläuterung einiger wesentlicher Programmfunktionen und eine Anleitung zum Bildexport.

 

Export

 

Wichtig ist, dass jeder neue Zustand individuell unter einem anderen Namen als Einzelbild exportiert beziehungsweise abgespeichert wird. Dabei sollten die Bilder mit fortlaufenden Zahlen (01, 02, 03, 04,...) nummeriert und gemeinsam in einem Ordner abgespeichert werden.

Je nach Animationsprogramm muss das Dateiformat dieser Bilddateien noch geändert werden. Hierbei ist die Batch- Konvertierung von IrfanView eine große Hilfe (siehe auch Workshop vom Daumenkino zum digitalen Trickfilm oder die Anleitung:Trickfilme scannen auf mediaculture-online).

 

Animation

 

Hier kommt der Ulead Gif Animator zum Einsatz. Eine hilfreiche Anleitung für dieses Programm ist bei dem Unterrichtsmodul "Tanzende Buchstaben - animierte Gifs im Kunstunterricht" zu finden.

Die Download-Adresse für den Gif Animator ist unter der Linkliste in der Modulbeschreibung aufgeführt.

 

Möchte man Audiofiles in den Film einbinden, empfiehlt sich der Einsatz des (kostenpflichtigen) Animationsprogramms Antechinus Animator. Auf dem Arbeitsblatt Animator werden einige Basisfunktionen dieses Programms vorgestellt.

 

Zugang 1: The Night before Christmas von Tim Burton

Unterrichtsstunden 5 bis 9

 

Zentrales Thema des Films ist der "Albtraum vor Weihnachten", das in Mode gekommene Fest Halloween (die Nacht vor Allerheiligen). Im Film werden viele Aspekte der Feste Halloween und Weihnachten aufgegriffen.

 

Beginn

 

Die Hinführung zum Thema erfolgt über ein Unterrichtsgespräch, welches das Thema Halloween zum Inhalt hat. Leitfrage: Welche Ursprünge, welche Ausprägungen hat dieses Fest?

Da Halloween vielen Kindern ein Begriff ist, kann man auch mit einer regen Beteiligung am Gespräch rechnen. Die Schülerinnen und Schüler stellen Spekulationen über Thema und Story des Films an. Anschließend äußern sie eigene Erfahrungen. Die Verkleidung als Geist oder Monster und der Brauch des "trick or treat" (Süsses, sonst gibt's Saures) kann hierbei zur Sprache kommen.

 

Filmrezeption

 

Die Schüler und Schülerinnen sehen Tim Burton's Film: „The Nightmare before Christmas” ganz oder in Auszügen. In einem anschließenden Gespräch wird die Person des Jack Skeleton näher betrachtet.

Im Englischunterricht wird der Originalton der DVD eingestellt. Deutsche Untertitel können zugeschaltet werden und erleichtern das Verständnis der Thematik. Die Diskussion erfolgt ebenfalls in dieser Sprache.

 

Leitfragen für das Gespräch (kann auch als Schreibauftrag gegeben werden):

 

  • Wer ist Jack Skeleton? Who´s Jack Skeleton? Beschreibe die Situation, in der er sich befindet. Describe the situation he´s in.
  • Wie verändert sich sein Verhalten im Verlauf des Films? How does his behaviour change during the film?
  • Jack bewegt sich zwischen zwei Welten- beschreibe diese. Jack moves between two worlds- describe them.

 

Animation im Film

 

In "The Nightmare before Christmas" kommen mehrere Arten der Animation zum Einsatz, wobei der überwiegende Teil des Films im „Stop-Motion” - Verfahren mit modellierten Puppen erstellt wurde.

In Kapitel 12 der DVD-Version wird der Weihnachtsmann in der Spielhölle des Oogie-Boogie Manns gefangen gehalten. In dieser Szene kann man auf der Wand der Boogiemann- Höhle scherenschnittähnliche, zweidimensionale Animationen erkennen. Diese recht einfach gehaltenen animierten Objekte wirken durch ihre Vielfalt und die Unterschiedlichkeit der Formen. Diese Figuren lassen sich im Legetrick-Verfahren erstellen.

 

Der Legetrick

 

Der Legetrick ist zweidimensional: Flachfiguren spielen auf einem flachen Hintergrund. ”Cut- out ” wird diese Animationstechnik im Englischen genannt, weil dabei die Akteure aus festem Papier ausgeschnitten werden. Die Charaktere werden dabei zerlegt in Arme, Beine, Kopf und Rumpf. Sie können nun direkt unter einer Kamera animiert werden oder eingescannt und auf Ebenen verteilt und dann animiert werden.

 

Die folgenden Ausführungen beziehen sich auf den Legetrick von Personenabbildungen.

Nach Entwicklung einer Idee und dem Fixieren dieser in einem Drehbuch wird mit dem Entwerfen der Figuren begonnen. Man zeichnet sie zunächst wie gewohnt. Dann überträgt man sie auf dickes Papier oder Karton, „zerlegt ” in einzelne Teile ähnlich wie bei einem Hampelmann. Dazu kommen Ansichten von links, im Profil, von rechts und von vorne. Auch verschiedene Handpositionen wie Faust, ausgestreckter Zeigefinger, Daumen hoch usw. sind für die Animation und für den Ausdruck wichtig. Die Figuren werden gelenkiger und beweglicher wenn man Arme und Beine in Einzelteile zerlegt. Die Figuren sollten nicht zu klein angelegt werden. Wichtig ist, die Figuren reduziert zu halten.

Es hilft, die Bewegungen die man animieren will, selbst und in Zeitlupe zu machen und sich selbst dabei zu beobachten. Dann muss man die Bewegungen nur noch auf die Legefiguren übertragen.

Mit einem Schneidemesser werden die Figuren dann ausgeschnitten. Sind die Figuren fertig, dann muss man jetzt noch die Hintergründe, die ”Szenarien” malen oder sammeln, welche anschließend ebenfalls digitalisiert werden.

 

 

Hinführung zur praktischen Arbeit

 

Welches Produkt kann nun im Kunstunterricht daraus entstehen?

Die Animationen im Hintergrund der Szene 12 - Skelette und andere Wesen auf der Wand der Boogiemann-Höhle - wird in Erinnerung gerufen. Ideen zu geeigneten Objekten für eine solche Animation werden auf OHP-Folie gesammelt gesammelt.

 

Skizzierphase:

Um das Halloween-Gruseln in kreative Bahnen zu lenken, erhalten die Schülerinnen udn Schüler Blankopapier zur freien bildnerischen Äußerung der eigene Idee oder das Arbeitsblatt Skizze mit wenigen Vorgaben zur Anregung ihrer Phantasie. Zu diesem Zeitpunkt ist zweitrangig, ob sich die Entwürfe als Animationen verwerten lassen oder nicht. Die Freude am graphischen Ausdruck soll im Vordergrund stehen. Falls aus Zeitgründen die kreative Formfindung nicht stattfinden kann, besteht die Möglichkeit, die Schnittbögen einzusetzen, um die Objekte individuell zusammenzustellen.

Im Anschluss daran folgen Werkschau und Sichten der Entwürfe etwa als Wanderausstellung in der Klasse.

 

Formerstellung und Hinführung zum bewegten Bild

 

In dieser Phase wird ein Kriterienkatalog für die Umsetzung zum Animationsfilm erstellt. Linien sind schwer animierbar. Deshalb sollte jedes zu bewegende Objekt eine gewisse Fläche besitzen. Die Einzelteile sollten auch nicht zu klein konzipiert werden. Das Arbeitsblatt Storyboard hilft bei der Organisation der szenischen Abläufe. Eine Variante zu schwarzem Hintergrund können Landschaften aus textilen Materialien darstellen. Jute eignet sich für die Erstellung schauriger Höhlenlandschaften und lässt sich gut scannen. Die Hintergründe können auch mit Wasserfarben, Ölkreiden.. gemalt werden.

 

Die Kinder erstellen in Einzelarbeit die zu animierenden Figuren- oder Objektteile und testen deren Bewegung auf schwarzem Hintergrund.

 

Digitalisierung

 

An vorbereiteten Scannern werden die entstandenen Formen digitalisiert und im platzsparenden Jpeg-Format abgespeichert. Empfehlenswert ist es, die komplette Originaldatei bei einer Bildgröße von etwa 20 Zentimeter Breite und entsprechender Höhe und einer dpi-Zahl von 300 zu speichern.

 

Bildbearbeitung

 

Mit dem Bildbearbeitungsprogramm „Photoshop Elements” lassen sich die gescannten Bilder in einzeln bewegbare Teile zerlegen. Die Einzelteile werden auf verschiedenen Ebenen abgelegt um sie individuell nachbearbeiten zu können. Die Datei wird im Photoshop-eigenen *.psd- Format abgespeichert um die Ebenen zu erhalten.

 

Export

 

Wichtig ist, dass jeder neue Zustand individuell unter einem anderen Namen als Einzelbild exportiert beziehungsweise abgespeichert wird. Dabei sollten die Bilder mit fortlaufenden Zahlen (01, 02, 03, 04,...) nummeriert und gemeinsam in einem Ordner abgespeichert werden.

Je nach Animationsprogramm muss das Dateiformat dieser Bilddateien noch geändert werden. Hierbei ist die Batch- Konvertierung von IrfanView eine große Hilfe (siehe auch Workshop vom Daumenkino zum digitalen Trickfilm oder die Anleitung:Trickfilme scannen auf mediaculture-online).

 

Animation

 

Zur Animation empfiehlt sich der Antechinus Animator. Eine hilfreiche Anleitung gibt es auf dem

Arbeitsblatt Animator. DAs Programm erzeugt AVI Dateien, die sich mit Audiodateien verbinden lassen.

 

Eine Alternative hierzu ist der Ulead Gif Animator, ein kostenloses Programm, bei dem sich allerdings keine Tondateien einbinden lassen. Eine hilfreiche Anleitung für dieses Programm ist bei dem Unterrichtsmodul "Tanzende Buchstaben - animierte Gifs im Kunstunterricht" zu finden.

Die Download-Adresse für den Gif Animator ist unter der Linkliste in der Modulbeschreibung aufgeführt.

 

In Videoschnittprogrammen (Pinnacle, Premiere...) ist die Möglichkeit gegeben Zwischentitel zu erstellen, welche die Beiträge voneinander trennen und in denen Informationen zu den Filmemachern gegeben werden kann. Dieses Ergebnis kann auf MiniDV oder Videokassette gesichert oder auf DVD gebrannt werden.

 

Präsentation

 

Die Schülerinnen und Schüler stellen ihre fertigen Arbeiten vor und moderieren die Präsentation.

Es folgen Feedbackrunde und Abschluss des Projekts.

 

Selbstverständlich kann dieses Modul auch auf andere jahreszeitliche Feste angewandt werden. Auch gibt es viele Kurzgeschichten, die sich im Schattenspiel erzählen lassen.

Eine Auswahl an Links hierfür findet sich in der Modulbeschreibung.

Zugang 2: Scherenschnitte von Henri Matisse

Unterrichtsstunden 5 bis 9

 

Die „Papiers Découpés” (zerschnittenen Papiere), an denen Henri Matisse (1869 bis 1954) seit den 1940er Jahren bis zu seinem Tod intensiv gearbeitet hat markieren den Endpunkt einer künstlerischen Entwicklung und eines langen kreativen Lebens. Zu Lebzeiten des Künstlers wenig beachtet, zählen sie heute zu den bekanntesten Werken der klassischen Moderne.

Matisse hatte die Scherenschnitte zunächst als Hilfsmittel eingesetzt, um Flächen besser planen zu können. Er ließ seine Assistenten große Papierbahnen mit sehr leuchtenden Gouachefarben bemalen, schnitt dann frei mit der Schere Formen aus und ordnete diese anschließend zu bestimmten Mustern und Kompositionen an. Diese wurden dann auf den Papieruntergrund aufgeklebt und in einigen Fällen später auf Leinwand aufgezogen. Damit änderte Matisse nicht nur die Technik, sondern auch das komplette Verfahren der Entstehung seiner Kunstwerke: Spontaneität, Planung, Komposition - all diese Elemente, die schon in der Malerei vorhanden waren, mussten jetzt in anderer Form und Reihenfolge und mithilfe von Assistenten ausgeführt werden.

(Quelle: art 1/03)

 

 

Ein Tag im Paradies - Arbeiten mit Tonpapierflächen und Werken von Henri Matisse

 

„Mit der Schere zeichnen, direkt in die Farbe hineinschneiden..." (Henri Matisse)

Material/Technische Ausrüstung:

Tonpapiere, Scheren, weißes DIN-A3-Papier, Fotoapparate, Bildbearbeitung, Animationsprogramm

Die Spontaneität dieser Arbeitsweise bietet den idealen praktischen Zugang zum Werk von Matisse.

Die Schüler und Schülerinnen Teilnehmer erhalten ein Blatt farbiges DIN-A4-Papier mit dem Auftrag, die Schere im Papier „spazieren gehen” zu lassen, der Schere freien Lauf zu lassen. Die entstandenen Formen werden von den Kindern gedeutet. Die Bilder erhalten Titel, damit den Betrachtern die Deutung und Bildabsicht klar wird. Es sollten möglichst alle entstandenen Papierschnipsel für das Bild genutzt werden. Dabei werden dann auch mehrere Schnipsel zu einer neuen Form zusammengefügt. Auf weißem DIN-A3-Papier werden die Formen angeordnet und fotografiert um einen Ausgangszustand für die Animation festzuhalten.

 

Bei diesem Ansatz steht das Begreifen der Arbeitsweise von Matisse im Vordergrund. Zunächst wird nur mit Papier und Schere gearbeitet. Die so entstandenen Formen werden digitalisiert und dann in Bewegung versetzt.

 

Sich in ein Bild einfühlen

 

Bildbeispiel:

Grand nu bleu (Bildsuche mit den entsprechenden Stichwörtern)

Material/Technische Ausrüstung: Fotoapparate, Bildbearbeitungsprogramm, Animationsprogramm

 

Bei der Deutung des Bildes hilft es, die Haltung der einzelnen Körperteile nachzuahmen.

Nach der gemeinsamen Bildbetrachtung setzen die Kinder in Partnerarbeit das Bild in eine lebende Plastik um: Ein Schüler ist "Künstler", der andere das "Kunstwerk", das sich nach dem Bild formt und geformt wird. Entspricht die "Plastik" dem Vorbild, macht der Künstler ein Foto davon. Anschließend werden die Rollen getauscht. Dies ermöglicht ein Einfühlen in das Bild.

 

Daraus kann entstehen:

 

Eine Überblendungssequenz als Mini-Film. Digitalphoto der Personen und Originalbild werden in Antechinus Animator geladen und per Überblendung (Effects/Morphing) miteinander verbunden. Eine hilfreiche Anleitung gibt es auf demArbeitsblatt Animator. Das Programm erzeugt AVI Dateien, die sich mit Audiodateien verbinden lassen.

 

 

Zugang 3: Lotte Reiniger - Die Frau mit dem Küchentisch

Unterrichtsstunden 5 bis 9

 

"Um einen Trickfilm zu machen, braucht man lediglich eine Schere, ein Messer, schwarze Pappe, Pauspapier, etwas Draht, etwas Blei, eine Kamera, 5 Glühbirnen und Holz um einen Aufnahmetisch zu konstruieren, dazu noch: Geduld.” Dieses Zitat stammt von Lotte Reiniger (1899 bis 1981), einer der bekanntesten Scherenschnittkünstlerinnen.

 

Auf einer von unten beleuchteten, transparenten Fläche lagen die Schattenfiguren, die von Filmbild zu Filmbild geringfügig verändert wurden. Alle Figuren hatten bewegliche Teile, die durch Drahtscharniere miteinander verbunden waren. Weißes Seidenpapier bildete die Hintergründe.

Ihren ersten Trickfilmtisch baute Lotte Reiniger aus einem alten Küchentisch. Mit ihren Silhouettenfilmen wurde sie in den 30er Jahren in Deutschland berühmt, bevor sie 1936 nach England auswanderte.

 

Lotte Reiniger gilt als die Schöpferin und kunstvolle Gestalterin des Silhouettenfilms und hinterlässt rund 40 Scherenschnittfilme. Sie interessierte sich schon als Kind für drei Dinge, die ihr ganzes Leben bestimmen sollten: Silhouettenschneiden, Theater und Kino. An Max Reinhardts Theaterschule am Deutschen Theater entstand ihr erstes Kunstwerk: eine große Anzahl von Schauspieler-Silhouetten in bezeichnenden Posen der großen Aufführungen an Reinhardts Bühne.

Am Deutschen Theater begegnete Reiniger dem Schauspieler und Filmpionier Paul Wegener, der ihr den Weg zum Kino wies. Lotte Reiniger hatte ihre Lebensaufgabe gefunden. Mitarbeiter im Trickfilmstudio war Carl Koch. Sie heirateten im Dezember 1921 und blieben ein Leben lang ein Ehepaar und Arbeitsteam. Es folgen eine Vielzahl weiterer Silhouettenfilme, die sie ab 1948 in London herstellt. Nachdem das Ehepaar in Paris mit Jean Renoir und in Rom mit Lucchino Visconti an Realfilmen gearbeitet hatte, wurden sie Ende 1943 nach Berlin zurückbeordert. Da es im zerstörten Berlin kaum Möglichkeiten gab, einen Film zu machen, wandte sich Lotte Reiniger dem Schattenspiel zu. 1949 siedelte das Ehepaar erneut nach London um, wo es in einem Künstlerzentrum in New Barnet, einem nördlichen Vorort Londons, eine endgültige Bleibe fand. Ihre letzten Silhouettenfilme dreht Reiniger in Kanada The Rose and the Ring (1979) und übersiedelt 1980 nach Dettenhausen bei Tübingen, wo sie am 19. Juni 1981 verstirbt.

"Ich habe keine bestimmte Idee vom Publikum; ich arbeite sehr gerne für Kinder, weil sie ein kritisches und sehr dankbares Publikum sind.” (Lotte Reiniger, 1969)

 

Die Filme von Lotte Reiniger gehen einher mit einer neuen Sehweise. Das Auge und der Geist braucht manchmal etwas Zeit, sich an die Silhouetten zu gewöhnen. Dann aber erliegt jeder dem Zauber dieser Filme. Die Motive für ihre Filme entnahm Lotte Reiniger der Welt der Märchen und Mythen. So sind auch die Abenteuer des Prinzen Achmed mit den Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht verwandt. Im Stil orientierte sie sich stark an chinesischen Schattenspielen, die sie durch die technischen Möglichkeiten des Films erweiterte.

(In Anlehnung an: www.wikipedia.de/Suchbegriff: Lotte Reiniger// www.freunde-stadtmuseum.de)

 

 

Die Abenteuer des Prinz Achmed - ein Kinoevent

 

Bei diesem Zugang stehen Beobachtung und die Auseinandersetzung mit Leben und Werk Lotte Reinigers im Vordergrund. Ein Museumsbesuch im Tübinger Kornhaus empfiehlt sich als Einstimmung oder zum Abschluss des Projekts. Als Filmbeispiel wurde „Die Abenteuer des Prinzen Achmed”, Lotte Reinigers berühmtestes Werk gewählt. Ziel ist es, eine märchenhafte Atmosphäre zu erzeugen, in der dieser Film dargeboten wird. Somit gewinnt nicht nur der Film sondern auch das Ambiente um den Film an Bedeutung.

 

Vor dem Film...

 

Eintrittskarten mit Musterklammern und Figuren aus dem Film selbst inspirieren dazu, später selbst bewegliche Schattenspielfiguren herzustellen. Die Geschichten aus 1001 Nacht und auch die vom Prinzen Achmed und seinen Abenteuern werden zur Einstimmung auf die orientalische Märchenwelt vorgelesen.

 

Raumgestaltung

Mit Schleiern und Stoffen wird ein märchenhafter Raum im orientalischen Stil gestaltet, der die Kinder schon in die fremde Welt hineinträgt. Orientalische Köstlichkeiten, Tee, Gewürze, Kerzen und Duftöle ergänzen das Ambiente.

 

Als Vorfilm kann der Kurzfilm "Ein Scherenschnittfilm entsteht" gezeigt werden.

 

...nach dem Film

 

Hinter einem angestrahlten Bettuch werden Schattenspiele aufgeführt. Mit wenigen Requisiten verwandeln sich die Kinder in die Hauptfiguren: Sie spielen ihre Lieblingsszenen. Mit anderen Kindern werden die unterschiedlichen Spielorte dargestellt. Aus Papier kann das Schloss, das Meer, der Palast ausgeschnitten und als Hintergrund ausgerollt werden.

 

Kulissenbau

Das orientalische Ambiente kann sehr gut durch die Kulissen hergestellt werden. Pflanzenmotive, wunderbare Gebäude, feurige Vulkane werden auf Papier gemalt. Ähnlich wie bei Martinslaternen können nun Stege oder Teile stehen gelassen und anschließend mit buntem Transparentpapier hinterklebt werden. Angestrahlt mit starkem Licht erscheint diese orientalische Stimmung in Farbe.

 

Ein Buch gestalten

 

Jedes Kind kann eine Seite nach eigenen Wünschen gestalten. Im Vorfeld muss verabredet werden, wer für welchen Teil der Geschichte verantwortlich ist, denn sie soll ja kontinuierlich weitergeführt werden.

Es bietet sich die Form des Leporellos an, bei der man ein sehr langes, etwa 30 Zentimeter breites starkes Papier ziehharmonikaartig knickt. Aufgestellt und mit Seitenzahlen versehen, die auch auf den Einzelpapieren wiederkehren, lässt sich das Buch nun Stück für Stück gestalten. Unabhängig von der Fertigstellung der Seite kann diese dann eingeklebt werden.

Natürlich lässt sich die Bucherstellung auch mit dem Computer bewerkstelligen. Es empfiehlt sich der Einsatz eines Satzprogramms, in das die einzelnen Beiträge einkopiert werden.

 

Achmed Multimedial

 

Orientalische Musik zu ausgewählten Szenen des Films bilden die Basis des Multimediaprojekts. Hierzu werden die Szenen und deren beteiligte Darsteller dem Film nachempfunden und im Legetrickverfahren animatorisch umgesetzt.

Externer Linktipp: Lernpfade

Der baden-württembergische Lehrerfortbildungsserver bietet Unterrichtseinheiten zum Thema neue Medien im Fachunterricht an. mehr...