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In Serious Games verschmelzen Ernst und Spaß

Spielen, spielen, spielen - und dabei lernen... (Bild: LMZ)

Fast jeder Mensch unter 20 Jahren hat heute einen PC, einen Gameboy DS oder eine Playstation. Selbst das Handy wird immer mehr zur Spielkonsole. Was läge also näher, als die beliebten elektronischen Spiele so einzusetzen, dass die Spielenden dabei auch etwas lernen? Genau das ist der Ansatz der sogenannten Serious Games. Und er beschränkt sich keineswegs auf Kinder und Jugendliche.

Was sind eigentlich Serious Games? Eine praxisnahe Definition

 

Wo werden Serious Games eingesetzt? An mehr Stellen als Sie denken

 

Wie sehen Serious Games aus? Einige konkrete Beispiele

 

Was sind eigentlich Serious Games? Eine praxisnahe Definition

Von jeher wird darüber diskutiert, inwiefern man beim Spielen auch lernt. In einem weiten Sinne lernt man bei jedem Spiel etwas. In erster Linie aber soll Spielen Spaß bringen. Was also ist ein Lernspiel bzw. ein „ernstes“ Spiel? Bei den Serious Games stehen nicht die Unterhaltung und der Spaß im Vordergrund, sondern der Bildungsaspekt. Schon 1971 definierte der Amerikaner Clark C. Abt den Begriff „Serious Games“. Er sieht darin Spiele, die „einen ausdrücklichen und sorgfältig durchdachten Bildungszweck verfolgen und nicht in erster Linie zur Unterhaltung gedacht sind“. Seine Definition ist auch heute noch gültig. Sie sagt aber keineswegs, dass ernste Spiele nicht auch Spaß machen können. Im Gegenteil: sie sollen es sogar.

Es fing schwach an…

Als das Wort „e-learning“ (als Überbegriff für alle computergestützten Lernverfahren) noch neu war, kamen reihenweise Mathematik-, Geografie- und Sprachlernspiele auf den Markt, die praktisch alle ein Schicksal teilten: Lehrer und Eltern schafften sie in bester Absicht an – und mussten feststellen, dass sie höchstens eine halbe Stunde vor den strengen Augen der jungen Zielgruppen bestanden. Danke, so nicht.

…und geht „spaßig“ weiter

Der moderne Ansatz des „digital game-based learnig“ integriert die Lerninhalte und -aufgaben unmittelbar in die Spielwelt. Man spielt wirklich und lernt dabei noch etwas, im Gegensatz zum obengenannten Edutainment-Ansatz, bei dem man vor allem lernen musste und auch ein bisschen spielen durfte. Solche Spiele sind heute schon so nah an den „echten“ Spielen, dass sie sich von ihnen nur noch durch Abts Definition unterscheiden: Mit ihnen kann man eine Menge Spaß haben, doch sie wurden in erster Linie entwickelt, damit man etwas lernt.

 

Wo werden Serious Games eingesetzt? An mehr Stellen als Sie denken

Screenshots aus dem Corporate Game "Learn2work"

Wer spielen als Kinderkram abtut, verkennt nicht nur die Natur des Menschen („Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“ schrieb Schiller), sondern auch das enorme Potenzial, das in Spielen liegt. Die amerikanische Armee nutzt seit über 15 Jahren Spiele zum Trainieren ihrer Soldaten. Mit dem Spiel „America’s Army“ haben US-Militärs für rund acht Millionen Dollar ein Rekrutierungsspiel (in Form eines Ego-Shooters) entwickeln lassen; seitdem geht die Anzahl der Rekruten angeblich nach oben.

 

Ausgezeichnet! Serious Games Award

 

Seit 2007 wird auf der CeBIT die Serious Games Conference abgehalten, und die Preise, der dort vergeben werden, zeigen die Breite des Spektrums. Sie reicht von „Educational Games“ (Spiele für den Einsatz in der schulischen/universitären Aus- und Weiterbildung), über „Corporate Games“ (Spiele für die betriebliche Ausbildung in Industrie und Wirtschaft inklusive Militäranwendungen) und „Health Games“ (Spiele für konkrete medizinische Nutzungsszenarios und für die allgemeine Gesundheitsvorsorge) bis hin zu „Persuasive Games“ (politisch-sozial motivierte Spiele für ein breites Publikum). Einige der Preisträger stellen wir unten in diesem Text vor. Man sieht schnell: Die Mehrheit dieser Spiele wendet sich an Erwachsene.

 

Viel Potenzial in "Corporate Games"

 

Immer mehr erkennen auch Firmen, dass Serious Games über das sogenannte Computer Based Training hinausgehen. So setzt die Waiblinger Firma Stihl (Weltmarktführer im Bereich Motorsägen) die Simulationssoftware „Learn2work“ ein, in dem die Auszubildenden mit Geschäftsprozessen vertraut gemacht werden. Das Programm ähnelt in Grafik und Bedienung stark dem bekannten Computerspiel „Die Sims“. Der Vorteil: Die Azubis bewegen sich in einem Medium, das sie kennen – und lernen dabei etwas über die Firma. Die Software lässt sich im Design, im Maschinenpark und in anderen Parametern der Betriebsrealität anpassen.

 

Wie sehen Serious Games aus? Einige konkrete Beispiele

Macht "Food Force" humanitäre Einsätze spielerisch nachvollziehbar?

Grafisch sehr anspruchsvoll ist der U-Bahnsimulator World of Subways Vol. 1 The Path. Das Spiel ist Gewinner in der Kategorie Corporate Games bei den deutschen „Serious Games Awards 2009“. Als Spieler fährt man eine originalgetreu simulierte New Yorker U-Bahn von New Jersey nach New York City. Das Spiel ist für rund 30 Euro erhältlich.


Die Metall- und Elektrotechnikbranche versucht auf ihre vielfältigen Ausbildungsberufe mit dem Spiel TechForce aufmerksam zu machen. Das Spiel ist beim „Deutschen Computerspielepreis 2009“ als bestes Serious Game ausgezeichnet worden. Mehr Infos und kostenloser Download bzw. kostenlose DVD sind unter www.techforce.de erhältlich.


2weistein - Das Geheimnis des roten Drachen ist ein Adventure Learning Game für Mathematik; es hat den
„Serious Games Awards 2009 in der Kategorie Health Games gewonnen. Es richtet sich in erster Linie an Kinder mit ADHS. Die Spieler durchlaufen eine Abenteuergeschichte, lösen dabei mathematische Aufgabenstellungen und machen Konzentrationsübungen. Das Spiel kostet 39,99 Euro und ist im Handel erhältlich.


Peacemaker ist ein Strategiespiel, das den israelisch-palästinensischen Konflikt simuliert. Ziel des Spiels ist es in der Position des israelischen Premiers oder palästinensischen Präsidenten durch politisches Handeln die Beilegung des Konflikts zu erreichen. Die Intention des Spiels wird bereits im Werbeslogan deutlich: A videogame to promote peace. Niklas Schrape von der Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf beschäftigt sich in seiner Dissertation „Rhetorik in Computerspielen“ speziell mit „Peacemaker“. Sein Fazit: die Systemstruktur des Spiels wertet bereits. So ist beispielsweise eine Strategie militärischer Stärke von vornherein zum Scheitern verurteilt. Die Spielenden werden dadurch zu den intendierten strategischen/politischen Schlussfolgerungen gedrängt. Das Ziel der humanitären Bildung hat auch "Food Force", bei dem man in sechs Mission Hungernden Nahrungsmittelhilfe leistet. Der Gewinner des „Serious Games Awards 2009“ in der Kategorie Persusive Games, das Spiel Imagine Earth, wurde von zwei Studenten der TU Braunschweig entwickelt. Beim Aufbau von Städten erkennt man, wo die Schwierigkeiten in Hinblick auf Umwelt und Wachstum liegen.


Autor: Constantin Schnell/MediaCulture-Online

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Kommentare

1 Kommentar
#1 Unkas schrieb am 04.04.2010 10:33 answer email homepage

In der Beispielliste sollte noch de.ars-regendi.com aufgeführt werden. Mit über 30.000 registrierten Nutzern müsste es eines der erfolgreichsten Serious Games überhaupt sein. Zumindest in der Kategorie Politik und Wirtschaft.

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