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Sprachenmix

Die Kinder haben in dieser Improvisation die Möglichkeit, in ihrer Muttersprache zu agieren, ohne auf Verständlichkeit durch Anderssprachige zu achten. Eine außergewöhnliche Situation im Öffentlichen Raum wird akustisch durch Statements von Passantinnen und Passanten nachgespielt. Das können kurze Gespräche sein, spontane Äußerungen, Rufe, die in der Dramatik der Situation entstehen und vieles mehr. Sie konzentrieren sich auf ihre eigene Vorstellung, wie eine bestimmte Situation auf sie wirkt, welche Rolle sie darin übernehmen wollen und wie sie ihre Statements gestalten. Erst beim Anhören entsteht ein vielsprachiges Gesamtbild und eine akustisch-plastische Darstellung der improvisierten Situation. Grundsätzlich kann zu jeder Situation, welche den Kindern vertraut ist (Bahnhof, Schulpause u.s.w. - siehe Reduktions- und Erweiterungsmöglichkeiten) ein Sprachenmix erarbeitet werden. Hier soll ein Ansatz verfolgt werden, der narrative und deskriptive Elemente in die Sprachtexte integriert und somit längere Texte der Sprechrollen ermöglicht.

 

Eine außergewöhnliche Situation als Improvisationsgrundlage:

Die Gruppe sammelt zunächst Ideen für eine Szene, im Rahmen derer die Kinder in Rollen schlüpfen und passende Sprachtexte erfinden können. Die Situation sollte einerseits außergewöhnlich, vielleicht skurril sein - das bietet viel Stoff zu Stellungnahmen - und gleichzeitig in einem ihnen vertrauten Ambiente spielen.

 

Beispiele:

Im Autobus sitzt ein als Mensch verkleideter Schimpanse

Am Spielplatz ist ein Raumschiff gelandet

Achtung! Klebstoff befindet sich am Gehsteig. Nicht stehenbleiben!

Auf der Schulparty soll eine Lehrerband auftreten.

Die 7-Jährige Gülay ist einen Tag lang Direktorin der Schule.

Statt Zeitungen gibt es heute nur bedruckte Luftballons.

Plötzlich haben die Leute das Bedürfnis, all ihre Träume zu erzählen.

Es wird diskutiert und/oder gestritten, wie der Neubau der Schule aussehen soll.

 

Die einzelnen Rollen und Textideen:

Da das Ziel eine ungefähr fünfminütige, durchgehende Tonaufnahme sein soll, muss an den Rollen und zu improvisierenden Texten vorgearbeitet werden. Zunächst finden die Kinder passende Rollen für sich selbst. Dabei ist darauf zu achten, dass die Rollen eine gewisse Konturierung aufweisen, auch wenn sie zunächst ins Klischee abgleiten. "Mann", "Frau", "Kind" wäre zu wenig. Immer sollte ein gewisses Attribut zur näheren Charakterisierung beigefügt werden. Als solche sind sie Beobachterinnen und Beobachter der Situation und werden dazu Stellung nehmen.

 

Rollenbeispiele mit "einfachen" Attributen:

Alter Mann mit Stock

Junge Frau mit Kinderwagen

Eine Gruppe Touristinnen/Touristen, die sich verirrt hat

Ein blinder Geigenspieler

Ein nervöser Herr, der seine Brille nicht finden kann

Ein Kind, das gerade schaukelt

 

Darüber hinaus sind auch Personen möglich, die gängige Vorstellungen durchbrechen und damit eine "Geschichte in der Geschichte" erzählen.

 

Rollenbeispiele mit "merkwürdigen" Attributen:

Der Direktor mit zwei verschiedenen Schuhen

Eine alte Dame, die eine Elektrogitarre trägt

Herr Schmidt, der auf der Schulter von Frau Schmidt sitzt

Ein junger Mann, der sich mit seinem Daumen unterhält

Ein Herr, der versucht, alles was er sieht, auf die Rücken anderer Personen zu schreiben

 

Durch solche Rollenbilder mit speziellen Attributen ergeben sich mehr Improvisationsmöglichkeiten. Bei kleineren Kindern helfen auch Skizzen der Personen oder Gegenstände, die bestimmte Requisiten darstellen. Natürlich kann auf obige Rollenentwürfe zurückgegriffen werden. Wenn mehr Kinder als erfundene Rollen teilnehmen, ist natürlich eine Verdopplung möglich (z.B. Drei DirektorInnen, die verschiedene Schuhe tragen, vier blinde GeigenspielerInnen u.s.w.).

 

Probeimprovisationen - Rolle und Situation:

Nachdem sich die Kinder auf Rollen geeinigt bzw. eine Rollenidee gefunden haben, über sie ihre verbale Reaktion auf die Situation, und zwar bereits in ihren eigenen Sprachen. Dabei ist darauf zu achten, dass sie einen für sie richtige Anfangssätze wählen, der eine ergiebige Beschreibung und Stellungnahme zur Situation ermöglicht.

 

Beispiele für Anfänge von Statements:

Na so was, was ist denn das ...

Also, das ist eine Frechheit ...

Was seh' ich denn da ...

Das ist ja lustig ...

Das versteh' ich nicht ...

 

Auf solche Anfänge kann stets eine Beschreibung erfolgen. Natürlich können sich auch Gespräche untereinander ergeben. Nur ist darauf zu achten, dass die Kinder einander verstehen, da sie ja einander antworten sollen. Hier sind vor allem Fragen geeignet, die nicht bloß mit "Ja" oder "Nein" beantwortet werden können.

 

Beispiele für Anfänge von Dialogen:

Was siehst du da?

Wer ist der Mann dort?

Was passiert dort gerade?

Was hältst du eigentlich davon?

 

"Verlängerung" von zu kurzen Statements:

Meistens ist es bereits in der Probephase absehbar, ob Kinder Gesprächsstoff für fünf Minuten improvisieren werden. Wenn kürzere Redezeiten zu erwarten sind, sollen die Kinder einfach wieder von neuem beginnen. Ansonsten reißt der "Sprachteppich" nach und nach ab.

 

Aufnahme der Improvisation:

Während der Aufnahme sprechen alle Kinder gemeinsam und durcheinander. Dabei stehen sie im Raum verteilt, entweder in kleinen Gruppen oder einzeln und können dabei ihre Augen auf die imaginäre Situation gerichtet haben. Mit einem einfachen "Achtung, Aufnahme!" beginnt der Sprachenmix. Die Aufnahme, die von einer Betreuungsperson übernommen wird, erfolgt mit mobilem Mikrofon bzw. Gerät. Die Betreuungsperson verweilt zunächst in einiger Entfernung und nimmt die Gesamtatmosphäre auf. Dann wandert sie zwischen der Gruppe, verharrt bei einigen und zieht weiter. Zuletzt befindet sie sich wieder in der Ausgangsposition, von der sie losgegangen ist. Natürlich kann die Aufnahme auch ein Kind übernehmen. Allerdings könnte dieses Kind dann nicht an der Improvisation teilnehmen.

 

Das gemeinsame Hören:

Das Ergebnis wird einige Male vorgespielt. Die Aufnahme wird wie eine Sprachwanderung erscheinen, ausgehend vom Mix zu konkreten Sprachen, die schließlich wieder in einen Mix übergehen. Jede Sprache hat einen bestimmten Platz in dieser Aufnahme und ist durch den anfänglichen und schlussendlichen Sprachenteppich in die Gesamtaufnahme eingebettet. Im Nachhinein können die Kinder ihre Texte vermitteln, übersetzen und der Gruppe verständlich machen, wenn das Band bzw. die Minidisc an den entsprechenden Stellen gestoppt wird.

 

Reduktionsmöglichkeiten:

Nicht alle Module des Sprachenmix müssen erfunden werden. Die Kernsituation könnte schon feststehen. Auch wäre es möglich, nur zwei oder drei verschiedene Rollen zu erfinden oder vorzugeben (z.B. werden nur ältere Frauen mit Elektrogitarren und Herren mit Babys am Arm dargestellt). Es muss nicht eine erfundene Situation in einen Sprachenmix verwandelt werden. Ebenso könnte eine konkrete Situation, die wirklich stattgefunden hat und die Kinder beschäftigt, herangezogen werden.

 

Erweiterungsmöglichkeiten:

Die Aktion könnte auf zwei Tage ausgedehnt werden. Die Suche nach Ideen für geeignete Situationen und Rollen findet am ersten Tag statt, die Proben und Aufnahmen am zweiten. Es könnte auch mit Kärtchen gearbeitet werden: Alle erfundenen Situationen werden auf (z.B.) rote Kärtchen und alle möglichen Rollen auf (z.B.) grüne geschrieben. Am Aufnahmetag werden alle Kärtchen mit der Schrift nach unten auf den Boden gelegt. Es wird eine rote Karte gezogen, die nun die Situation vorgibt. Jedes Kind nimmt ein grünes Kärtchen und erhält dadurch seine Rolle zugewiesen.

 

Rahmenbedingungen für das Projekt "Sprachenmix"

Allgemeine Ziele Atmosphärischen Zusammenklang der Sprachen ausprobieren.
Themen Bezug auf erfundene Situationen.
Spielergebnis, Produkt Tonaufnahme.
Präsentationsmöglichkeit Intern für die Klasse/Gruppe, Präsentationsmöglichkeit zu bestimmten Anlässen, Festen, im Rahmen anderer Audiomedien.
Sprachen Vielsprachig.
Arbeitsweise Arbeit in der gesamten Gruppe.
Teilnehmer 15 bis 25 Kinder.
Alter der TN 6 bis 10 Jahre / 10 bis 13 Jahre.
Dauer 2 (Schul-)Stunden mit Pause.
Betreuungspersonen Eine Betreuungsperson.
Geräte Eine Tonaufnahmeeinheit mit Wiedergabemöglichkeit (Mikrofon und Rekorder, Kassettengerät mit eingebautem Mikrofon, Diktiergerät mit Boxen, Minidisc-Rekorder mit Mikrofon und Boxen).
Vorbereitungszeit/Vorkenntnisse Handhabung der Geräte (Aufnahme, Wiedergabe).
Räumlichkeiten Ein Innenraum.

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