Sprachparität
Alle vorgestellten Spiele, Workshops und Projekte haben eine sprachliche Ausgewogenheit ihrer Ergebnisse zum Ziel. Da in den Gruppen selten Sprachparität herrscht, müssen Kinder, deren Muttersprachen kaum vertreten sind, im Arbeitsprozess stärker betreut und gefördert werden als andere, deren Sprachen in der Mehrheit sind.
Ein guter Start in die mehrsprachige Medienarbeit bedeutet auch, dieses Verhältnis in der Gruppe zu verbalisieren und gruppenimmanente Sprachminderheiten bewusst zu machen.
Eine einfühlsame Vorgangsweise der Betreuungspersonen ist besonders dann erforderlich, wenn das betreffende Kind nun zum ersten Mal in den Mittelpunkt der Gruppe gerückt wird, ohne eine Unterstützung Gleichsprachiger erhalten zu können, weil niemand sonst diese Sprache spricht.
Differenzierung bei häufig vorkommende Sprachen
Sprechen viele Kinder einer Gruppe die selbe Muttersprache, so wäre es gut, hier zu differenzieren und auf die Möglichkeiten der verschiedener Formulierungen hinzuweisen. Alle Spiele und Workshop bauen ja auf die sprachlichen Erfindungen der Kinder auf (z.B. gibt es unzählige Arten, wie ein Kind sich vorstellt).
Konkretisierung bei selten vorkommenden Sprachen
Umgekehrt sollte es Kindern, die als einzige eine bestimmte Muttersprache sprechen, leicht gemacht werden, indem zunächst nur die nötigsten Inhalte übertragen werden sollen (z.B. einfachste Form der Begrüßung, des Sich-Vorstellens). Im Arbeitsprozess können dann diese Kinder selbst entscheiden, wie komplex sie in ihren Formulierungen werden möchten.
Extramodul für anderssprachige Kinder, die sich mit den anderen noch nicht verständigen können
Kinder, welche die anderen in der Gruppe noch nicht verstehen können, können auch auf völlig andere Art miteinbezogen werden. Sie gestalten in ihrer Sprache ein stilistisch eigenständiges Extramodul für eine Audioaufnahme, Videoaufnahme oder ein anderes Medium, das dann mit einer speziellen Einleitung ins Gesamtprodukt integriert wird. Damit wird diesen Kindern eine ganz spezielle mediale Plattform geboten, in der sie auf Gestaltungen zurückgreifen können, die ihnen vertraut sind. Im Extramodul wird eine sehr persönliche Ebene angesprochen. Es ist daher zu klären, ob das Kind diese Möglichkeit ergreifen möchte. Der Vorteil, der sich böte, ist, dass niemand anderer in der Gruppe die Sprache verstünde. Das Kind spräche quasi "direkt" nach außen zu seinen Landsleuten. Extramodule sollten schriftlich in der betreffenden Sprache vorbereitet werden. Im Rahmen des Workshops erhält das Kind das Blatt und kann nun einen Text erfinden.
Beispiele für Extramodule:
Gruß an die Eltern, an die Landsleute.
Eindrücke, wie sie die Menschen hier empfinden.
Formulieren von Wünschen.
Formulieren von Vorlieben.
Extramodule nehmen eine ganz besondere Stellung im medialen Produkt ein und werden lange in Erinnerung bleiben, auch wenn kein Wort verstanden wird. Sie fungieren gleichsam als Willkommensgruß und Vertrauensvorschuss und haben somit eine spezielle pädagogische Bedeutung.
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