Informationen versprachlichen und Text gestalten

- © Philippe Ramakers
Schritt 8: Rohfassung schreiben
Wenn Sie eine Gliederung, und sei es auch nur eine vorläufige, hergestellt haben, können Sie beginnen, Ihren Text zu schreiben. Sie können dabei, wenn Sie als Textmuster eine analytische Sachdarstellung gewählt haben, eine Art Erzählhaltung einnehmen. Das heisst, Sie erläutern einem fachwissenschaftlich interessierten (nicht zu hoch spezialisierten) Publikum ihren Gegenstand und belegen Ihre Äusserungen mit wissenschaftlichem Material. Während wissenschaftliche Texte im Allgemeinen an die Fachwelt adressiert sind, sollten Sie Hausarbeiten eher an Studierende als Adressaten richten, sonst werden Sie zu abstrakt und zu wenig explizit. Sie würden dann dazu tendieren, einen hoch spezialisierten Diskurs mit Experten zu beginnen, zu dem Ihnen vorläufig noch die Wissensbasis und die rhetorischen Mittel fehlen.
Orientieren Sie sich also an der Frage: Was müssen meine KommilitonInnen wissen, damit sie mein Thema verstehen können? Diese Orientierung hilft Ihnen, das Komplexitätsniveau ihres Textes richtig anzusetzen. Stellen Sie dann dar, was Sie bei der Lektüre alles in Erfahrung gebracht haben. Berichten Sie also von den Erlebnissen mit Texten, AutorInnen, Begriffen, Forschungsergebnissen, theroetischen Zusammenhängen und Erkenntnissen über Ihren Erkenntnisgegenstand. Diese Erzählhaltung hilft Ihnen dabei, als denkendes Subjekt in ihrem eigenen Text existent zu bleiben.
In allen wissenschaftlichen Arbeiten besteht eine Spannung zwischen dem eigenen Beitrag, den man leisten möchte und den vorhandenen Erkenntnissen, die bereits veröffentlicht sind. Beide müssen gut aufeinander bezogen sein. Sie zu integrieren ist ein Vorgang, der einiges an Übung erfordert. Man muss sowohl dem Stand der Forschung gerecht werden, als auch den eigenen Überzeugungen und Intentionen.
Wichtig für Ihre erste Hausarbeit ist, dass Sie den Rohtext schnell und ohne grosse Skrupel aufs Papier bringen. Er muss sprachlich nicht perfekt sein. Lassen Sie sich nicht auf einen grosse Kampf mit der Sprache ein, sondern konzentrieren Sie sich darauf, Ihren Adressaten das Thema in einfachen Worten nahezubringen, und arbeiten Sie dabei das Mind Map ab. Nach der Fertigstellung des Rohtextes kommt ohnehin noch eine Phase der Überarbeitung, in der Sie sich mit den einzelnen Formulierungen beschäftigen müssen.
Schritt 9: Umgang mit Zitaten, Belegen und Verweisen
Zitieren bezeichnet das sinngemässe oder wörtliche Anführen fremder Behauptungen, Ideen oder Forschungsergebnisse. Es gibt direkte Zitate, die wörtlich übernommen und in Anführungszeichen gesetzt werden und indirekte Zitate, die paraphrasiert (d.h. in eigene Worte gefasst) werden, aber Erkenntnisse oder Meinungen anderer unverfälscht wiedergeben. Zitate müssen mitnichten die eigene Meinung darstellen. Sie können auch Gegenmeinungen, mögliche Meinungen usw. repräsentieren.
Belegen bezeichnet das Anführen von Forschungsergebnissen oder Quellen, die eigene Behauptungen stützen können. Alle nichttrivialen Kernaussagen, die man in wissenschaftlichen Texten trifft, sollten belegt werden. Davon abgehen kann man dann, wenn man gängige Meinungen referiert, über die längst ein Konsens herrscht, oder wenn man aus eigener Expertise spricht. Jedes Fach und jeder Diskurs besitzt eigene rhetorische Muster des Belegens. Man kann Aussagen dadurch belegen, dass man empirisches Material oder den Inhalt einer Quelle anführt, die sie stützt. Zum Belegen sollte man nur Primärliteratur verwenden, also originäre Forschungsberichte. Dies lässt sich in der ersten Hausarbeit nicht einhalten, da man viele Angabe aus zweiter Hand übernehmen muss, man sollte aber die Regel kennen.
Verweisen bezeichnet den Hinweis auf Schriften, in denen ähnliche Aussagen zu finden sind. Behauptungen, die nicht belegt werden können oder die zu kompliziert sind, als dass man sie kurz belegen könnte, werden oft durch einen Verweis auf andere AutorInnen gestützt . Verweise beziehen sich oft auf Sekundärliteratur, in denen eine differenziert Auseinandersetzung mit primären Forschungsergebnissen stattfindet. Verweise werden durch Ausdrücke wie "siehe" oder "vgl." bei den entsprechenden Literaturangaben deutlich gemacht. Verweise ähneln oft indirekten Zitaten.
Schritt 10: Eigene Meinung formulieren
Es ist immer etwas Augenmass nötig, um herauszufinden, wieviel eigene Meinung in einer Hausarbeit verlangt wird. Sicher ist allerdings, dass Hausarbeiten speziell dem Zweck dienen, sich in der schwierigen Kunst zu üben, wissenschaftliches Material unter einer bestimmten Fragestellung korrekt aufzugreifen und mit der eigenen Meinung in Beziehung zu setzen.
Die eigene Meinung kann sich auf sehr unterschiedliche Aspekte des Themas beziehen. Versuchen Sie, folgende Fragen zu beantworten:
<typolist>
Wie hätten Sie den Sachverhalt mit Ihrem Vor- oder Alltagswissen erklärt?
Welchen Erkenntnisgewinn oder -verlust bringt die wissenschaftliche Betrachtungsweise?
Ist der dargestellte wissenschaftliche Standpunkt plausibel? Welche Zweifel haben Sie?
Sind die Kernaussagen der dargestellten Theorien oder Positionen in sich stimmig? Wo ergeben sich Widersprüche?
Wie ist ein Sachverhalt moralisch zu bewerten? Welche ethischen Bedenken haben Sie?
Welche Einseitigkeiten, Lücken, Mängel haben Sie in der Forschung zu Ihrem Thema entdeckt?
Ist eine Methode oder eine Verfahrensweise wirksam, begründet, akzeptabel? </typolist>
Schritt 11: Text Überarbeiten
Das Überarbeiten dient zunächst dazu, den roten Faden der Arbeit zu überprüfen. Sind die einzelnen Darstellungselemente folgerichtig aufeinander bezogen? Ist der Text verständlich? Gibt es überflüssige Teile darin? Ist die Gliederung stimmig? Ist die Einteilung in Abschnitte der Gedankenführung angemessen?
Als zweites ist der Text auf seine sprachliche Angemessenheit zu prüfen. Komplizierte oder schwer verständliche Passagen sind zu vereinfachen, Wiederholungen zu eliminieren. Alle Ausdrücke sind zu überprüfen. Wer wissenschaftliche Texte schreibt, ist meist so sehr mit inhaltlichen Aspekten beschäftigt, dass er oder sie die sprachliche Angemessenheit aus dem Auge verliert. Deshalb braucht man einen Überarbeitungsdurchgang, der sich ausschliesslich auf die Formulierungen bezieht.
Schritt 12: Literaturverzeichnis anlegen
Alle Literatur, die in einer Arbeit erwähnt wird, muss im Literaturverzeichnis aufgeführt werden, auch dann, wenn die Literatur bereits in Fussnoten angegeben ist (dort ist sie nicht gut auffindbar, weil nicht alphabetisch geordnet), oder wenn sie aus einer fremden Schrift übernommen ist (Zitatübernahme). Alles, was aus wissenschaftlichen Quellen stammt, gehört in das Literaturverzeichnis. Im Literaturverzeichnis sollte aber auch nur das aufgeführt sein, was im Text zur Stützung von Aussagen herangezogen wurde. Es ist kein Verzeichnis der verwendeten, sondern nur der im Text erwähnten Literatur. Wenn es wichtige Literatur gibt, die Sie unberücksichtigt gelassen haben, müssen Sie sie in der Arbeit selbst anführen, dann kann sie ins Literaturverzeichnis aufgenommen werden. Das Literaturverzeichnis steht am Ende des Textes, jedoch vor einem Anhang.
Schritt 13: Deckblatt, Inhaltsverzeichnis, Seitengestaltung
Deckblatt: Es sollte Informationen über Titel, AutorIn, Semesterzahl der AutorIn, Seminar, SeminarleiterIn, Datum, Hochschule, Institut, Studiengang, evtl. Haupt- oder Nebenfachstudium, Art des Abschlusses (Diplom, Magister, Staatsexamen) und Matrikelnummer enthalten. Das Arrangement des Deckblatts selbst bleibt Ihrer gestalterischen Kreativität überlassen.
Seitengestaltung: Für die Seitengestaltung empfiehlt Theisen (1993, S. 159) folgende Randgestaltung: Vom linken Rand ca. 4 bis 4,5 cm, vom rechten Rand 2 cm, vom oberen Rand 4 cm und vom unteren Rand 2 cm Abstand. Der Zeilenabstand ist meisten 1 1/2-zeilig, um die Textseiten nicht zu dicht werden zu lassen. Wem dies zu viel Papiervergeudung ist, der sollte bei einzeiligem Abstand bleiben. Hausarbeiten sind mit Seitenzahlen zu versehen. Die Paginierung (Seitenzählung) beginnt mit der ersten Textseite.
Inhaltsverzeichnis: Es ist unumgänglich, dem Text eine Gliederung mit Seitenangaben voranzustellen, selbst wenn sie nur drei Punkte umfasst. Erwartet werden in der Regel numerische Gliederungsschemata.
Einleitung: Dem Text kann eine Einleitung voranstehen, die in das Thema einführt und das Vorgehen skizziert. In ihr sollte dargestellt sein, was für ein Thema behandelt wird, wie Sie an das Thema herangegangen sind, welches Material Sie verwenden und ggf., welche Probleme Sie bei seiner Erarbeitung hatten.
Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis ist alphabetisch geordnet und steht am Ende der Arbeit. Sind mehrere Arbeiten der gleichen Autorin oder des gleichen Autors aufgeführt, so werden sie nach Erscheinungsjahr geordnet. Bei gleichem Autor und gleicher Jahreszahl werden die Arbeiten mit Kleinbuchstaben a, b, c unterscheidbar gemacht.
Quellenverzeichnis: Neben dem Literaturverzeichnis ist ein spezielles Quellenverzeichnis anzulegen, wenn nichtwissenschaftliche Materialien in grösserem Umfang verwendet wurden. Es enthält Übersichten über wichtige Quellen, z.B. ein Verzeichnis von Kunstwerken, Photographien oder Dokumenten.
Anhang: Materialien, die für Vorgehensweise oder Textverständnis nötig sind, aber für den Text selbst zu umfangreich sind, können im Anhang untergebracht werden. Dazu zählen wichtige Quellen, Auswertungsrichtlinien, Computerprogramme, Musterbeispiele, Interviewleitfäden.
Autor: Otto Kruse






