Videoschnitt leicht gemacht
Wer einige Grundregeln beachtet und die Arbeit planmäßig angeht, kommt leicht ans Ziel. Für die Vorbereitung der Arbeit am Computer und beim Schnitt haben wir hier einige Tipps zusammen gestellt.
Vorbereitung des Schnitts
Um Zeit und Festplattenspeicher zu sparen, sollten Sie Ihre Aufnahmen vorab sichten. Nehmen Sie sich Block und Stift zur Hand und notieren Sie die Szenen, die Sie für Ihr Video verwenden möchten. Dazu schreiben Sie am Besten noch die Timecodes (Anfangs- und Endzeitpunkt) der jeweiligen Szene auf. Alternativ, und ausreichend Festplattenspeicher vorausgesetzt, können Sie auch eine Szenenauswahl über die Szenenerkennung Ihres Schnittprogrammes durchführen. Nachfolgend ist die Arbeit mit beiden Möglichkeiten beschrieben.
Schalten Sie zur Sicherheit an den DV Kassetten den Schreibschutz ein. Schieben Sie hierfür den kleinen Schalter von aussen nach innen. Am besten Sie schützen Ihre Kassetten und Aufnahmen bereits direkt nach dem Dreh vor unbeabsichtigtem Löschen.
Sie können am Camcorder zwischen Kamera-und-Rekorder-Funktion wählen. Schalten Sie den Camcorder in den Rekorder Modus (VCR) und verbinden Sie ihn mit Hilfe eines passenden Firewire-Kabels mit dem Computer. Starten Sie anschliessend Ihr Videoschnittprogramm und eröffnen Sie ein neues Projekt.
Überprüfen Sie gegebenenfalls in den Projekteinstellungen die Angaben für Aufnahme-Zielordner (z.B. Capture Scratch, Volume o.ä.) hierbei handelt es sich um den Ordner/das Verzeichnis in dem die digitalisierten Videodateien gespeichert werden. Eventuell erfolgt dieser Kontrollabschnitt auch erst im "Aufnehmen" (Capture) Fenster. Aktivieren Sie die Autosave Funktion (automatisches Speichern) in den allg. Programm-Optionen. Öffnen Sie (über Menüpunkt "Datei") das Fenster Aufnehmen/Capture.
Aufnehmen/Digitalisieren
Wenn Ihr Schnittprogramm über eine automatische Szenenerkennung verfügt, aktivieren Sie diese ebenfalls vor der Aufnahme (Sehen Sie gegebenenfalls in der Programm-Hilfe nach, wo Sie diese Funktion finden). Die Schnittsoftware erstellt Ihnen dann von jedem Take (Sequenz zwischen Aufnahmestart und -ende mit dem Camcorder) einen einzelnen Clip. Dieses Vorgehen verbraucht zwar mehr Ressourcen, ist dafür aber am einfachsten: Sie können einfach alles einspielen, der Computer erkennt automatisch Ihre Takes und Szenenwechsel und anschliessend sortieren Sie einfach aus, welche Dateien (Clips) Sie benötigen und welche Sie wieder löschen können.
Starten Sie an Ihrem Rechner das Aufnehmen. Bei manchen Schnittprogrammen müssen Sie dabei nur auf die Taste Capture/Import o.ä. drücken und alles läuft vollautomatisch ab. Andernfalls starten Sie den Recorder am Computer und drücken anschliessend "Play" an Ihrem Kamerarekorder (VCR-Modus).
Wenn Sie sich nicht sicher sind, ob Ihr Festplattenspeicher für ein solches Vorgehen ausreicht, müssen Sie leider "von Hand" die Szenen mit Hilfe der Rekordersteuerung und dem Vorschaumonitor aussuchen, eigene (Timecode-)Marker (Log-In & -Out) am Beginn und Ende des Takes setzen und einzeln bzw. mit Hilfe einer Batchliste eindigitalisieren. Auf einer Batchliste lassen sich alle Markierungen sammeln (Clips loggen) und später 2in einem Rutsch" digitalisieren.
Diese Alternative schont zwar Festplattenplatz nicht jedoch den Videokopf/die Trommel der Kamera und schon gar nicht ihr Laufwerk und die Kassette.
Wenn Sie sich beim Dreh Timecode-Notizen gemacht haben, können Sie diese auch per Hand eingeben und so Ihre Batchliste zusammensetzen.
Aufnahme beenden und Clips "sichten"
Nachdem Sie Ihr Videomaterial eindigitalisiert haben, schliessen Sie das "Aufnahme"- Fenster wieder. Sie sollten die Clips jetzt in Ihrem Projekt innerhalb der Clipliste bzw. Projektablage wiederfinden. In der Projektablage sind alle Dateien gespeichert, die Sie dem Projekt hinzugefügt haben. Von dort aus können Sie nun, falls Sie die Aufnahmemethode mit Hilfe der Szenenerkennung gewählt haben, die Clips aussortieren. In der Regel können Sie einzelne Clips dadurch betrachten, indem Sie sie per Doppelklick "aufrufen".
Jedes Schnittprogramm hat seine eigene Benutzeroberfläche. Ihr Projekt sollte in etwa wie die folgende Abbildung (Adobe PremierePro) aussehen:
Sie können ein Clip nun einfach per Drag & Drop aus der Clipliste in die Timeline ziehen und so nach und nach Ihr Video gemäss Ihrem Storyboard zusammensetzen bzw. schneiden.
Oder: Sie ziehen einen Clip ebenfalls via Drag & Drop aus der Projektablage in die Vorschau und setzen dort nochamls erneut Schnittmarken (In's und Out's). Dafür steuern Sie den Beginn Ihrer Szene mit den Abspielwerkzeugen im Vorschaufenster an und setzen einen In-Marker. Anschliessend steuern Sie das Ende der Szene an bzw. die Stelle an der Sie diese beenden möchten und setzen dort einen Out-Marker. Sie haben jetzt In's und Out's der Szene/des Clips markiert. Nun können Sie den markierten Teil wieder via Drag & Drop in eine Spur auf Ihrer Timeline ziehen.
Zum Schneiden und Bearbeiten stehen Ihnen folgende Basiswerkzeuge zur Verfügung:
Clips bewegen und trimmen
In Ihrer Werkzeugleiste sollten Sie über ein Auswahlwerkzeug verfügen. Dies wird meist durch einen Pfeil symbolisiert. Wenn Sie dieses Werkzeug wählen, können Sie einen Clip in der Timeline hin und her bewegen (Pfeil wandelt sich in ein Koordinatenkreuz mit vier Pfeilen). Wenn Sie den (Maus-)Pfeil an den Anfang oder das Ende eines Clips bewegen müsste sich der Pfeil in ein Symbol ähnlich einer eckigen Klammer umwandeln. Wenn Sie jetzt die Maustaste gedrückt halten und die Maus nach rechts und links verschieben, können Sie Clipanfang und Ende neu definieren.
Clips schneiden
Das Schnittwerkzeug wird meist durch Schere oder Rasierklinge in der Werkzeugleiste dargestellt. Wenn Sie dieses Werkzeug wählen können Sie Clips schneiden.
Um den abgeschnittenen Teil zum Entfernen anzuwählen benötigen Sie meist wieder das Auswahlwerkzeug. Wählen Sie hiermit das zu entfernende und bereits abgeschnittene Teil des Clips aus und drücken Sie die Löschen Taste auf Ihrer Tastatur (Backspace o. Entfernen). Je nachdem welche der Löschen Taste Sie gedrückt haben, verschwindet der markierte Teil des Clips und es passiert weiter nichts oder es rücken nachfolgend in der Timeline platzierte Clips auf. Die Lücke, welche der gelöschte Teil aufgetan hat wird also geschlossen.
Diese beiden Möglichkeiten des Löschens abgeschnittenen Materials bestehen in der Regel.
Sie werden sicherlich schnell lernen, welche Löschfunktion für welche Situation optimal erscheint.
Blenden
Wenn Sie zwischen zwei Szenen/Clips keinen harten Schnitt wollen können Sie auch eine Blende einsetzen. Dann wird entsprechend Ihren Vorgaben (in den Blendenoptionen/-einstellungen) ein weicher Übergang gestaltet. Die meisten Programme müssen diesen berechnen. Das Berechnen nennen die meisten Programme „render(-ing)”. Gerendert wird meist nach drücken der Eingabetaste oder über einen entsprechenden Menüpunkt gestartet. Manche Programme können Blenden und einige andere Effekte, einen leistungsfähigen Computer vorausgesetzt, auch in Echtzeit darstellen, also ohne rendern bzw. Berechnung.
Blenden können auch am Anfang (Aufblende) oder am Ende eines Clips (Abblende) allein stehen ohne zwei Clips miteinander zu verbinden.
Effekte
In der Regel werden Effekte aus dem Effektmenü/der Effektauswahl einfach per Drag & Drop auf das entsprechende Clip gezogen oder wie bei den Blenden zwischen zwei Clips platziert. Bei allen Effekten gilt: Einfach ausprobieren.
Achten Sie darauf, dass Sie Ihr Video nicht mit Blenden und anderen (Übergangs-)Effekten vollstopfen! Der harte Schnitt ist meist der authentischste und meistens die beste Wahl. Sie "blenden" Ihre Blicke ja auch nicht durch die Welt oder?
Bild- und Farbkorrekturen
Wenn die eine oder andere Aufnahme zu dunkel geworden ist, können Sie dies durch Korrekturen im Bereich Helligkeit & Kontrast für jedes Clips einzeln nachbessern. Ebenso Farbkorrekturen, Rot-, Grün-, Blau-Anteile lassen sich bei den meisten Programmen einzeln nachregeln.
Zeitraffer und Zeitlupe
Bei der Zeitlupe ist von extremen Einstellungen abzuraten. Für eine gute Zeitlupe benötigt man eigentlich die richtige Spezial-Slow-Motion-Kamera. Ihr Schnittprogramm kann für eine Zeitlupe nur Einzelbilder wiederholen und so eine Verzögerung künstlich herstellen. Mit dem Zeitraffer können Sie nach Lust und Laune ohne nennenswerte Qualitätseinbusen arbeiten. Das Menü zum verändern der Geschwindigkeit eines Clips erreichen Sie meist über Rechtsklick (PC) beziehungsweise mit gehaltener Apfeltaste (MAC) auf das Clip in der Timeline.
Text und Bauchbinden
Vorspann, Abspann und Bauchbinden (z.B. Einblendungen bei Personen, wie Namen etc.) werden meist über die Funktion/den Effekt "Text" generiert.
Ton anpassen
Vergessen Sie nicht Lautstärkenverhältnisse der einzelnen Clips aneinander anzugleichen. Behalten Sie dabei den VU-Meter (Pegelanzeige) im Auge und vermeiden Sie unbedingt Übersteuerungen. Wenn Sie im Umgang mit Audiomaterial gut vertraut sind, dann können Sie auch den Ton des fertig geschnittenen Videos exportieren in einem Tonbearbeitungsprogramm korrigieren und anschliessend wieder importieren.
Den Ton exportieren Sie in der Regel über den gleichen Menüpunkt wie Ihren fertigen Film. Dort können Sie auswählen, ob Sie die Videospur, die Audiospur oder beides (Film) exportieren möchten.
Ausspielen
Das Ausspielen Ihres Schnittes erfolgt in den meisten Schnittprogrammen über die Export-Funktion. Im Exportmenü finden Sie meistens unterschiedliche Einträge für den Filmexport auf Kamera (DV Ziel), auf Festplatte (Film exportieren) und für DVD/CD (MPEGx exportieren).
Bei letzterem muss das Video in MPEG 1 bzw. MPEG 2 komprimiert werden. Dabei wird das Video meist ebenfalls zunächst auf Festplatte geschrieben. Von dort muss es dann auf DVD/CD gebrannt werden.
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