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Vorsicht Bildschirm?

Die Aufregung ist allenthalben groß: Studien weisen nach, dass Kinder zu viel vor Bildschirmen aller Art sitzen. Das gefährdet ihren Schulerfolg, macht sie dick und verleitet sie zu Gewalt. So jedenfalls lauten die Thesen des Ulmer Neurowissenschaftlers Manfred Spitzer und des Kriminologen Christian Pfeiffer.

Wir möchten zur Differenzierung der Diskussion beitragen, denn wir halten weder Fernsehen noch Computer für "Teufelszeug", sondern durchaus für Instrumente der Weltaneignung und Weltgestaltung. Daher stellen wir sowohl die Aussagen der beiden Wissenschaftler vor als auch die kritischen Anmerkungen aus Erziehungswissenschaft und Medien.

 

Manfred Spitzer

Manfred Spitzer hat mit "Vorsicht Bildschirm!" Anfang 2005 ein viel diskutiertes Buch veröffentlicht. Seine Hauptthese ist, dass Bildschirmmedien dick und dumm machen und zu Mord und Totschlag führen.

Manfred Spitzer:

Vorsicht Bildschirm!

 

Bei einem Vortrag im Evangelischen Heidehof-Gymnasium in Stuttgart am 13. Juli 2005 zum Thema "Wie lernt das Gehirn?" ging Manfred Spitzer ebenfalls auf Bildschirmmedien ein.

Ausschnitt aus seinem Vortrag. (mp3)

Katrin Vogt

Dr. Katrin Vogt ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an Manfred Spitzers Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen in Ulm. In ihrem Vortrag setzt sie sich mit den Auswirkungen von Bildschirm- und Massenmedien auf die Entwicklung von Kindern auseinander. Sie geht dabei auf die Thesen Manfred Spitzers ein, führt aber auch eigene Forschungsergebnisse ins Feld, die sie im Rahmen von Studien zum Fernsehkonsum von Grundschulkindern im Raum Ulm erzielte.

Power-Point Präsentation zum Vortrag

 

Ausschnitt aus dem Vortrag (mp3)

 

 

Christian Pfeiffer

Christian Pfeiffer bereitet derzeit die Veröffentlichung einer Studie zum Thema "Mediennutzung und Schulleistung" vor. Erste Ergebnisse sind bereits auf der Internetseite seines Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen abzurufen. Sein Fazit lautet: Fernsehen macht dick, dumm und traurig. Er fordert, Fernsehen und Videospielkonsolen aus den Kinderzimmern zu verbannen.

Zur Medienverwahrlosung hat Christian Pfeiffer im Januar 2005 einen Vortrag in SWR2-Aula gehalten, den Sie hier nachlesen und hören können.

Erst fernsehen, dann schießen? (Text)

 

Erst fernsehen, dann schießen?

Kritische Stimmen

Sowohl in der Erziehungswissenschaft als auch in den Medien selbst regt sich angesichts der Thesen von Manfred Spitzer und Christian Pfeiffer der Verdacht, dass sie die Medien schlagen und eigentlich gesellschaftliche Problemlagen meinen. Darüber hinaus komme bei beiden Veröffentlichungen die Differenzierung zu kurz, so beispielsweise Professor Stefan Aufenanger.

Stefan Aufenanger:

Macht Fernsehen wirklich dick, dumm, krank und traurig?

 

Eine Überblicksstudie von Professor Michael Kunczik zu "Medien und Gewalt" zeigt beispielsweise, dass es bestimmte Problemgruppen sind, bei denen hoher Medienkonsum und Gewaltbereitschaft miteinander korrelieren. Und bei diesen müssen wiederum verschiedene Faktoren - übrigens alle gesellschaftlicher oder sozialer Art - zusammenkommen, bevor der hohe Medienkonsum Folgen wie Gewalttätigkeit hat.

Michael Kunczik:

Studie zu Medien und Gewalt.

Diese Studie hat Michael Kunczik auch bei der Tagung "Medienkritik heute" an der PH Ludwigsburg vorgestellt. Den Vortrag haben wir als Ton aufgenommen.

Medien und Gewalt (Ausschnitt, mp3, 53 MB).

 

Bei Deutschlandradio Kultur gab es am 10. Oktober 2005 ein amüsantes "politisches Feuilleton".

Dr. Reinhard Kreissl:

Mediennutzung und ihre Folgen.

 

Die Zeitschrift "medien und erziehung" des Kopäd-Verlages stellte uns zu "Vorsicht Bildschirm" eine Rezension des Buches aus der Ausgabe 2/2005 zur Verfügung.

Nancy Droese:

Fernsehen als Krebsgeschwür?

 

Und auch Dirk Frank von "Schulen ans Netz" hat sich mit den Thesen von Manfred Spitzer kritisch auseinandergesetzt.

Dirk Frank

Vorsicht Bildschirm? Wie man sich gegen populistische Thesen zur Wirkung von Fernsehen und Computer wappnet.

 

In seinem Vortrag vom 7. März 2008 warnt SWR-Wissenschaftsredakteur Ralf Caspary vor voreiligen Schlüssen und kulturpessimistischen Weltuntergangsthesen.

Ralf Caspary:

Wie wirken Medien auf Kinder? Neues aus der Hirnforschung. (mp3, 17 MB)

Kommentare

2 Kommentare
#2 Mediaculture-Online schrieb am 22.11.2010 12:39 answer email homepage

Hallo Frau Benz,

auf unserer Seite finden Sie Beratungsstellen, die sich mit der Thematik beschäftigen:

www.mediaculture-online.de/Beratung-Hotlines.1693.0.html

 

Auch hier finden Sie Hinweise:

www.aktiv-gegen-mediensucht.de/foren/22/suchtberatungsstellen-und-andere-beratungsdienste/

 

www.stiftung-medienundonlinesucht.de/index.php

 

Viele Grüße,

die Redaktion

#1 Benz Manuela schrieb am 20.11.2010 09:22 answer email

Meine Kinder sind weitestgehend ohne Fernsehen aufgewachsen. Die älteren zwei konnten mit diesen Medien Fernsehen und Computer produktiv umgehen.

Nur unsere jüngste Tochter hat den Bezug zur realität durch Internet und Computerspiele verloren.Jetzt kämpfen wir um ihre körperliche und geistige Gesundheit, jedoch sind unsere Suchtberatungsstellen mit der Problematik völlig überfordert. Wo kann man sich hinwenden?

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