Web 2.0 und die Jugend
Zum Alltag der meisten Jugendlichen gehört es, freimütig im Internet zu kommunizieren. Sie veröffentlichen Fotos, Videos, Texte und Audiodateien in Communities, sie experimentieren mit verschiedenen Identitäten in Online-Spielen und präsentieren sich mit ganz privaten Informationen. Für pädagogische Arbeitsfelder bieten sich neue Notwendigkeiten und Chancen, die medialen Aktivitäten von Kindern und Jugendlichen zu begleiten. Die Gesellschaft für Medienkompetenz und Kommunikationskultur (GMK) hat am 3. September 2008 zu diesem Themenkomplex eine Tagung in Bielefeld durchgeführt, die wir hier dokumentieren.
Medienpädagogik in Zeiten von Web 2.0
Bernward Hoffmann, Mitglied im Vorstand der GMK und Professor an der Fachhochschule Münster, zeigte in seinem Eingangsvortrag die Medienwelten von Jugendlichen auf. In den letzten Monaten sind einige Studien erschienen, die Aufschluss über das Verhalten von Jugendlichen im Netz geben. So die ARD/ZDF-Online-Studie 2008 oder der "Medienkonvergenz Monitoring Online-Spieler-Report 2008". Die Hauptaufgabe von Pädagoginnen und Pädagogen sieht Professor Hoffmann darin, selbst nicht stehen zu bleiben, sich mit neuen Entwicklungen im Internet vertraut zu machen und die mediale Lebenswelt von Jugendlichen ernst zu nehmen. Davon ausgehend gelte es Kinder und Jugendliche zu begleiten, sie stark zu machen und aufzuklären über mögliche Risiken.
Medienpädagogik in Zeiten von Web 2.0 (mp3, 70 MB)
Wie sich die Jugendlichen in den neuen Plattformen präsentieren
Am Beispiel von SchülerVZ stellte Markus Gerstmann die Selbstinszenierung von jungen Leuten dar. 4 Millionen Jugendliche tummeln sich inzwischen in dieser Community, die es erst seit 2007 gibt. Über 180 Millionen Bilder sind dort versammelt und - wie Markus Gerstmann zeigte - viele davon widersprechen einem ernstgemeinten Schutz der Persönlichkeitsrechte. Die zahlreichen anderen Funktionen der Community können ebenfalls zu Fallen bei der Selbstdarstellung werden. Jugendliche sollten sich fragen, welche Fotos sie wirkliche alle Welt sehen lassen wollen und was die Gruppen über sie aussagen, denen sie sich in SchülerVZ angeschlossen haben. Markus Gerstmann ist bei der Jugendinformation Bremen zuständig für den Jugendschutz und prüft für die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) und die Freiwilligen Selbstkontrolle Multimedia (FSM) Internetseiten und Medien.
Jugendliche und SchülerVZ (mp3, 56 MB)
Mädchen online
Ulrike Schmidt stellte die Plattform LizzyNet vor, die sich speziell an Mädchen richtet. Nach wie vor gibt es nämlich deutliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungs bei der Internet-Nutzung, auch wenn Mädchen rein quantitativ mittlerweile aufgeholt haben. Die Themenpalette, mit der sie sich im Netz beschäftigen, ist breit gefächert. Sie reicht vom Ponyhof über Lifestyle, Schule, Familie bis hin zu gesellschaftlichen Themen. Da Mädchen gerne kommunizieren und sich selbst darstellen, nutzen sie alle Möglichkeiten, die das Netz bietet. Sie sind in mehreren Communities aktiv und nutzen Chats, Instantmessenger, Foren, Clubs etc. sehr intensiv. Ulrike Schmidt ist Leiterin von LizzyNet (Köln).
Mädchen online (mp3, 30 MB)
Jugendschutz aktiv
In Workshops am Nachmittag ging es bei der Tagung unter anderem um mögliche Strategien zum Umgang mit Mobbing, sexueller Belästigung, Datenschutz und Persönlichkeitsrechten. Sebastian Gutknecht, Jurist bei der Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz NRW, stellte zunächst die gesetzlichen Grundlagen des Jugendmedienschutzes vor. Vieles, was im Internet als problematisch erscheint, ist bereits verboten. Von daher plädierte auch er dafür, nicht allein auf Gesetze und Verbote zu setzen, sondern durch Medienpädagogik zu einer sinnvollen und möglichst gefahrlosen Nutzung des Web 2.0 beizutragen.
Rechtliche Grundlagen des Jugendmedienschutzes (mp3, 35 MB)
Präventionsarbeit praktisch
Eigensinn e.V. ist eine Einrichtung, die sich um Prävention von sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen kümmert. In Chatrooms kommt es beispielsweise relativ oft zu sexuellen Belästigungen, während in Communities vor allem Mobbing eine Rolle spielt. Mädchen und Jungen über Stolpersteine innerhalb des Internet aufzuklären und Eltern die Angst vor dem Unbekannten zu nehmen, ist das Ziel der medienpädagogischen Arbeit von Eigensinn. Bianca Post stellte kreative Methoden vor, mit denen mit Jugendlichen und Eltern über sicherheitsrelevante Aspekte der Internetnutzung thematisiert werden können.
Präventionsarbeit praktisch (mp3, 25 MB)
Literaturtipps: Web 2.0
Andreas Poller:
Privatsphärenschutz in Soziale-Netzwerke-Plattformen
Christoph Busch:
Rechtsradikale im Web 2.0
Norbert Neuß:
Web 2.0 - Mögliche Gewinner und medienpädagogische Herausforderungen
Elizabeth Anna Prommer/ Arne Brücks/ Julia Mehnert/ Heino Neumann/ Andy Räder/ Franziska Roßland:
Forschungsbericht: "Real life extension" in Web-basierten sozialen Netzwerken












