04.02.2010
Peinlich, peinlich
Manchmal bin ich ja froh, dass es in meiner Jugend noch kein Internet gegeben hat. Wer möchte schon Fotos von sich mit Dauerwelle, Schulterpolster-Jackett und weißen 80er-Jahre-Feinstrumpfhosen auf immer und ewig veröffentlicht sehen? Oder Videos, auf denen man nur kurze Zeit später in mutwillig verschlissenem Outfit mit jugendlichem Eifer rebellische Sprüche klopft? Und damit sind ja die richtig schlimmen Auftritte noch tunlichst verschwiegen. Meine Peinlichkeiten sind nur in der Abizeitung oder dem Gedächtnis von MitschülerInnen gespeichert. Von ersterem gibt es sicher nur noch wenige zerfledderte Exemplare und letzteres wird mit der Zeit ja auch immer verwaschener. Kollege M. meint, wenn es erstmal von allen peinliche Bilder im Netz gibt, interessiert sich niemand mehr dafür. Aber wer will sich darauf schon verlassen. Ich bin auf jeden Fall gespannt, welche Lösungen sich in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten für dieses Problem finden werden. Vielleicht muss sich die nächste Generation um ein anderes, kreatives Verhältnis zur eigenen Vergangenheit bemühen? Oder wird es dann eine Erase-embarassing-data-Applikation geben, mit der sich unangenehme Spuren tilgen lassen? Eine lukrative Marktlücke könnte entstehen…







Die lukrative Marktlücke ist (leider?!) schon gefüllt! Ich sach nur: ORM. Was das ist?
Kann man z.B. hier nachlesen: http://www.svengeppert.com/blog/reputation-management/grundlagen-des-online-reputation-management/
Was bedeutet denn der oft zitierte Spruch “Das Netz vergisst nichts”? Dass die Vergangenheit eines Menschen fixiert ist. Und das kann zu einem Problem werden.
Wir alle verändern uns. Wie wir einmal waren, das ist auf privaten Bildern erkennbar – und vor allem in unseren eigenen Erinnerungen und denen unserer Verwandten und Freunden. Dort verblasst es langsam. Und das ist gut so, denn wir ändern uns.
Im Netz aber sind Bilder aus unserer Drogen-, Punk-, Provokations-, Girlie-, Softie-, Revoluzzer-, Gothic- oder Hard-Rock-Zeit möglicherweise auch dann noch für alle sichtbar, wenn sie für uns längst Vergangenheit sind.
In so fern geht es hier nicht um professionelles Selbstmanagement, sondern um die ganz grundlegende Frage, in wie fern uns das Netz auf das REDUZIERT, was wir einmal waren.