16.05.2012
re:publica 2012 – Reflection

Bild: re:publica 2012, Lizenz: cc
Anonymous?
Le Zimmermann, der frische Franzose
Forschung und Lehre zum Mitmachen: Open Science
Der digitale Dorfplatz – privat oder öffentlich?
Übermorgen.TV – Nichts Neues aus der Zukunft
Urheberrecht
Soylent green, äh, the internet is people
Standardsituationen der Technologiebegeisterung

Bild: Usien, Lizenz: Public Domain
Caroline Wiedemann beschäftigt sich wissenschaftlich mit dem Phänomen Anonymous, das vor allem ein Konzept ist, eine Idee mit dem Ideal “all are equal”. Die Art zu kommunizieren ist ähnlich wie bei der Occupy-Bewegung: no spokes person, no membership. Jeder kann unter dem Pseudonym Anonymous Aktionen durchführen oder etwas veröffentlichen. Der Verzicht auf Repräsentanten trifft im Übrigen auch auf die Piratenpartei zu. Durch dieses offene Konzept kann Anonymous leicht instrumentalisiert werden, eine Schwäche, die der Hacker und Internetaktivist Jérémie Zimmerman kritisierte.
Eine Videoaufzeichnung der Diskussion gibt es hier.
Le Zimmermann, der frische Franzose

Jérémie against ACTA. Bild: volkersworld, Lizenz: cc
Forschung und Lehre zum Mitmachen: Open Science
“Du sollst Denken lernen, nicht Gedachtes!” – so lautete das Plädoyer für freies Wissen zum Mitmachen des re:learn-Panels “Raus aus dem Elfenbeinturm”. Hier brachen WissenschaftlerInnen eine Lanze dafür, dass Forschung nicht nur fertige Ergebnisse präsentieren, sondern auch die dahinterliegenden Forschungsprozesse transparent machen solle. Eine Möglichkeit, Wissen frei zugänglich zu machen, bieten z.B. MOOC (Massive Open Online Courses). In diesen Onlinekursen stellen DozentInnen ihren KursteilnehmerInnen Material zur Verfügung, das diese beispielsweise in Form von Blogs, Tweets, Videos oder Ähnlichem weiter bearbeiten und ebenfalls öffentlich machen. Diese Inhalte können wiederum kommentiert, diskutiert und entsprechend erweitert werden. Gleichzeitig macht dieses vernetzte Lehren und Lernen auf Fehler aufmerksam, die man sonst leicht übersehen würde. Für den derzeitigen Wissenschaftsdiskurs ist eine Öffnung von Forschung und Lehre allerdings schwer vorstellbar, da so der streng hierarchische Aufbau infrage gestellt würde. Denn: Transparenz macht angreifbar.
Der digitale Dorfplatz – privat oder öffentlich?
Meinungsäußerungen auf Twitter, politische Vernetzung auf Facebook – gesellschaftliche Diskurse finden in der digitalen Welt auf privatwirtschaftlich betriebenen Plattformen statt. Über daraus entstehende Probleme und Lösungsmöglichkeiten wurde beim Panel Der digitale Dorfplatz diskutiert. Das Grundproblem formulierte Sascha Lobo so: Etwas fühlt sich wie Öffentlichkeit an, was eigentlich gar keine Öffentlichkeit ist, da sie auf privaten Servern stattfindet. Denn nicht die Gemeinschaft, sondern die AGBs der Plattformen geben die Regeln vor, und wer dagegen verstößt, fliegt raus (vgl. Klarnamendebatte auf Google+). Die Anbieter können also Diskussionen beeinflussen, weil sie die Infrastruktur kontrollieren. Zugespitzt ergibt sich der Konflikt: Was gilt eher – die Facebook-AGBs oder das Grundgesetz?
Bei den Lösungsmöglichkeiten wurde auf die eine oder andere Art ein staatliches Engagement gefordert. Martina Pickhardt schlug vor, dass die Infrastruktur des Netzes genossenschaftlich organisiert werden sollte, z.B. durch gemeinnützige AGs, und dass der Staat entsprechende Rahmenbedingungen schaffen müsste. Einer der anwesenden Juristen (war es Jan Möller?) zeigte sich diesbezüglich skeptisch, denn er stellt eine deutliche Diskrepanz zwischen der rechtlichen und der technischen Entwicklung unserer Gesellschaft fest. Gerade was das Internet betrifft, hinkt das Recht der Wirklichkeit hinterher. Lobo stellte sich als Lösung eine Art technisch-rechtliche Ethikkommission für den digitalen Raum vor, die einen Interessenausgleich zwischen den berechtigten Firmeninteressen und dem öffentlichen Interesse schaffen soll. Da die Plattformen in der Regel internationale Unternehmen sind, stellt sich natürlich die Frage, wer denn menschenrechtskonforme AGBs durchsetzen soll, die UNO?
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