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Anja Lochner

re:publica 2012 – ACT!ON

ACT!ON war das Thema der sechsten re:publica und neben vielen Sessions, die eigentlich eher eine Reflexion und Bestandsaufnahme (s. Teil 2) waren, kamen auch viele Leute zu Wort, die ausgezeichnet zu dem Motto passten und die vor allem eines gemeinsam haben: Sie nutzen das Internet, um sich mit anderen zu vernetzen und es oft geschafft haben, erstaunlich viel Action loszutreten. Die rasenden Reporterinnen von MCO konnten zwar nicht alle, so doch einige dieser glanzvollen Veranstaltungen mitnehmen und für Sie dokumentieren – viel Spaß beim wilden Ritt durch die #rp12!

Make Love not Porn
Plagiate, Rollstühle, Mobilfunk, Blogs
Open Data and Transparency
Between Censorship and Revolution
Selfpublishing
ARD – und sie bewegt sich doch
Netzkulturlernen statt Medienkompetenz
Facebook mit Schülern nutzen

Make Love not Porn

In unserer Gesellschaft ist das Bild von Sexualität zunehmend von Pornografie geprägt, weshalb die ursprünglich aus dem Marketing-Bereich stammende Cindy Gallop das Projekt makelovenotporn.com gestartet hat. Um die Sexualerziehung von Jungs und Mädchen nicht der Pornografie zu überlassen, fordert sie, dass mehr über Sex geredet wird. Eltern könnten nicht früh genug mit Kindern darüber reden, denn oft bekommen diese bereits Pornos zu sehen, wenn sie noch nicht einmal richtig wissen, was Sex ist. Dabei ist sie keine Gegnerin von Pornofilmen, vielmehr ist ihr Anliegen, die Stereotype und Produktionsbedingungen der Pornoindustrie deutlich zu machen und diese mit der gelebten Sexualität und den Bedürfnissen von Männern und Frauen zu kontrastieren. Ein Video ihres Vortrags gibt es hier.

Plagiate, Rollstühle, Mobilfunk, Blogs

Im Panel Blogger im Gespräch kamen vier Netzpublizierende zu Wort, die 2011/12 mit bemerkenswerten Aktionen aufgefallen waren. So setzte sich die Medieninformatik-Professorin Debora Weber-Wulff jüngst im Recherchenetzwerk VroniPlag-Wiki mit der Dissertation von Bundesministerin für Bildung und Forschung Annette Schavan auseinander, die auf mehreren Seiten ihrer Arbeit Textstellen ohne Quellenangaben übernommen hatte. Lust die Leute zu treffen, deren Arbeiten sie geprüft hat, hat sie nicht: “Why? Es geht um die Texte.” Das Hauptproblem sieht sie in den universitären Strukturen. So würden zahlreiche abgegebene Texte nicht gelesen. Ihr Lösungsvorschlag? “Lesen!” Zudem müssten Universitäten beraten werden, wie sie mit Plagiaten umgehen, und alle Arbeiten sollten offen zugänglich sein (Open Access). Bei VroniPlag werden Dokumente auf Plagiatsanteile geprüft. Dabei muss immer ein Anfangsverdacht gegeben sein. Die MitarbeiterInnen entscheiden dann gemeinsam, ob die entsprechende Arbeit an die Universität weitergeleitet wird. Die Entscheidung über die Aberkennung eines Doktortitels trifft jedoch die jeweilige Universität. Die Inhalte des Wikis stehen unter einer Creative-Commons-Lizenz.

Bild: HolgerRings, Lizenz: cc

Der Software-Entwickler Matthias Bauer hatte im November 2011 technische Probleme mit seinem Smartphone, die Hotline bei O2 konnte ihm nicht weiterhelfen. So rief er die Website Wir-sind-Einzelfall.de ins Leben, auf der sich binnen kurzer Zeit mehrere Tausend “Einzelfälle” registrierten. Sein Ziel war es, “O2 dazu bewegen, die Probleme einzugestehen und einen konkreten Plan zur Beseitigung der Probleme in naher Zukunft vorzulegen, statt andauernd abzuwiegeln”. Das hat funktioniert: Mittlerweile erhält er regelmäßige Statusberichte von O2, an Verbesserungen wird gearbeitet. Die Geschichte zeigt: Kommunizieren und Handeln schadet einem Unternehmen nicht. Und Bauer bleibt bei dem Mobilfunkanbieter seiner Wahl.

Frank Westphal legte im letzten Jahr eine Neuauflage seiner Blogsuchmaschine rivva.de vor, die bis Ende 2012 von BMW gesponsert wird. In seinem Online-Dienst filtert er Artikel und Themen aus dem Social Web (Blogs, Tweets etc.) und trägt zusammen, was die Leute im Netz lesen, diskutieren und empfehlen: Westphal kartografiert gewissermaßen die deutsche Blogosphäre und gibt so einen guten Überblick über diverse Online-Medien. Denn bis jetzt gibt es keine gut funktionierende Blogsuche: Wer schreibt gerade über was, wie kann ich mich vernetzen? Technisch durchaus eine Herausforderung, denn “man schießt immer auf ein wandelndes Ziel”. Rivva geht dabei nach dem Bottom-up-Prinzip vor, nicht nur die Breaking News sind wichtig, sondern: Was gibt es noch für Themen, wie wird das kommentiert und bewertet? Weiter so, im nächsten Jahr vielleicht mit einem anderen Sponsor.

Bild: Re:publica 2012, Lizenz: cc

Weil ein Freund es leid war, sich immer im gleichen Café mit ihm zu treffen, nur weil es barrierefrei zugänglich ist, initiierte Raúl Agnayo-Krauthausen das Projekt wheelmap.org. Basierend auf dem freien Kartendienst openstreetmap.org können dort rollstuhlgerechte Orte eintragen werden. 200 Neueinträge gibt es täglich und die Website ist bereits in 14 Sprachen online, sogar auf klingonisch. “Das macht zwar keine Sinn, aber warum eigentlich nicht.” Warum von dem Service nicht nur die relativ kleine Gruppe der Rollstuhlfahrer profitieren kann, machte Raúl mit seinem Menschenbild deutlich. Er teilt Menschen nicht in Rollstuhlfahrer und Fußgänger ein sondern in Behinderte und noch-nicht-Behinderte. Sein Tipp für die Kohlenstoffwelt: Ganz schlicht eine Klapprampe neben die Ladentür stellen, es kann so einfach sein.

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