Landesmedienzentrum Baden-WürttembergMediaculture online

Raphael Frank

Chaos macht Schule

Was macht der Chaos Computer Club (CCC) eigentlich an der Schule? Diesen und anderen Fragen ging Boris Kraut, Mitglied des offiziellen CCC-Ablegers Entropia e.V., am Abend des 21. Mai 2012 an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg nach. Im Rahmen des medienpädagogischen Kolloquiums von Prof. Dr. Horst Niesyto sprach Kraut unter anderem über das Projekt Chaos macht Schule, die U23 des Chaos Computer Clubs, den mittlerweile fast schon allgegenwärtigen Urheberrechtsstreit und über grundlegende Vorurteile gegenüber Hackern.

Der CCC, ein reiner Hackerverein?

Anonymous. Piraten. CCC. Trotz thematischer Überschneidungen kann man diese drei Namen nicht über einen Kamm scheren. Gleich zu Beginn seines Vortrags betonte Boris Kraut, selbst Student an der Pädagogischen Hochschule in Karlsruhe, die Verschiedenartigkeit dieser netzaffinen Gruppierungen. Natürlich gebe es inhaltliche Gemeinsamkeiten und es könne auch sein, dass ein Pirat Mitglied im CCC sei, jedoch sei nicht gleich jeder im Chaos Computer Club auch automatisch ein Pirat oder umgekehrt. Zugleich verdeutlichte Kraut anhand negativ belegter Begriffe wie “Raubkopierer”, “Blackhats”, “Cyberterroristen” oder “Cracker”, dass die Hackerthematik zwar schon längst in der Öffentlichkeit angekommen sei, die breite Masse aber trotz dieser Vielzahl an Begriffen immer noch kaum zwischen den einzelnen Gruppen unterscheide.

Über den Chaos Computer Club

Der Chaos Computer Club ist die größte europäische Hackervereinigung und seit über 25 Jahren Vermittler im Spannungsfeld technischer und sozialer Entwicklungen. Der Chaos Computer Club ist deutschlandweit dezentral strukturiert. Als eine Art “Dachverband” dient mittlerweile der CCC e.V., den Boris Kraut auch als “Bundes-CCC” bezeichnet. In den meisten größeren deutschen Städten gibt es sogenannte Ortsgruppen, also offizielle CCC-Ableger. Mit derzeit etwa 23 Erfa-Kreisen (Erfahrungsaustauschkreise) und über 3000 Mitgliedern ist der CCC e.V. vermutlich die größte organisierte Hackervereinigung, die informell aber auch mit Hackerspaces und weitaus weniger organisierten Gruppen im Kontakt und Austausch steht. Boris Kraut ist beispielsweise Mitglied im CCC-Karlsruhe, der lokal unter dem Namen Entropia e.V. fungiert. Das von Kraut mehrfach erwähnte Prinzip der Dezentralität zieht sich wie ein roter Faden durch die gesamte Struktur des Clubs und wird auch deutlich an den flachen Hierarchien sowie den hackerethics.

Digital Native, aber digital unmündig?

Der technische Fortschritt berge nach Kraut zwar innovative Funktionen oder Problemlösungsstrategien, jedoch auch neue Formen gesellschaftlicher Risiken. Inmitten dieser zweischneidigen Veränderungen auf technologischer Ebene möchte der CCC – gerade auch gezielt im Bildungsbereich –  Aufklärungsarbeit leisten. Nachdem man 2007 festgestellt hatte, dass in den Elternhäusern sowie im schulischen Bereich immer noch viel zu wenig in punkto neue Medien geleistet werde, stellte der CCC in Mannheim schließlich die ersten Weichen für das Projekt Chaos macht Schule. Ziel des Projektes ist es, an Schulen und unterschiedlichen Bildungseinrichtungen aktiv Medienkompetenz zu fördern. Im Zuge der digitalen Entwicklungen werden laut Kraut die “digital natives” vielerorts als Hoffnungsträger der Medienkompetenz gesehen, verfügen aber in der Regel oftmals nur über technisches Anwendungswissen und weniger über kritisches oder reflexives Medienverhalten. Wegen diesem Mangel an Medienkritikfähigkeit leide auch die “digitale Mündigkeit”, was in Zukunft Probleme mit sich ziehen könne.

Neben dem Projekt Chaos macht Schule kümmert sich der CCC auch um seinen Nachwuchs: Im hauseigenen U23-Projekt liegt ein Fokus auch auf dem klassischen Computerhandwerk. Das heißt, es wird gelötet, programmiert und auch mal die Hardware in ihre Einzelbestandteile zerlegt. So möchte man junge Interessenten über einen Blick hinter die Kulissen technischer Geräte spielerisch an ein mögliches Engagement im Chaos Computer Club heranführen.

Tipps für einen medienkritischeren Umgang

Der zweistündige Vortrag mündete in einer Diskussion zwischen Boris Kraut und den Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Hier wurde noch einmal ausgiebig über Fragen zur Urheberrechtsproblematik, zum Prinzip des LiquidFeedback und über verschiedene Social Media Tools diskutiert. Zuletzt gab Kraut noch einen kurzen Ausblick auf eine mögliche Zukunft sozialer Netzwerke und einige Tipps zum Umgang mit sozialen Medien sowie zur Möglichkeit digitaler politischer Partizipation. “Digital mündig” sei also, wer kritisch hinterfrage und sich nicht nur oberflächlich technisches Know-how aneigne. Gerade auch in der Schule sei also ein bewusster, sorgsamer und sozialverträglicher Umgang mit eigenen und fremden Daten unabdingbar.

Über Chaos macht Schule: Das Projekt ist eine seit etwa 2007 bestehende Initiative mehrerer Erfa-Kreise des Chaos Computer Club (CCC), die u.a. auch mit verschiedenen Bildungsinstitutionen zusammenarbeiten. Ziel des Projektes ist es, SchülerInnen, Eltern und LehrerInnen in den Bereichen Medienkompetenz und Technikverständnis zu stärken.

Über den Referent: Boris Kraut ist Student an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe und engagiert sich im Rahmen des Projekts Chaos macht Schule ehrenamtlich an Schulen und Bildungseinrichtungen.

Trackback URI | Kommentare als RSS

Einen Kommentar schreiben