Henriette Carle
05.03.2009
05.03.2009
Meidet den Tonfilm
Passend zu unserem Zitat des Monats “Wer zur Hölle will Schauspieler reden hören?”, das dieses Mal von Harry M. Warner stammt, habe ich noch diese, zugegebenermaßen etwas verpixelte Abbildung eines Plakats ausgegraben, das sehr eindringlich vor den verheerenden Folgen des damals neuen Mediums Tonfilm warnte. Das Original-Plakat hängt oder hing übrigens im Frankfurter Filmmuseum.
Bild: Alexander Hauser, Lizenz: cc






Ja, damals hatten die Schauspieler Angst um ihre Jobs (zurecht, denn viele Stimmen waren nicht tonfilmkompatibel), und die Kinobesitzer Bammel vor Investitionen. Heute haben Kinobesitzer wieder Bammel vor Investitionen, diesmal in Digitaltechnik.
Jedenfalls ist es erfrischend zu lesen, dass damals eine Neuigkeit so skeptisch aufgenommen wurde. Denn heute ist jede Neuigkeit ja gleich die GAAANZ GROSSE SENSATION. Dinge wie das elektronische Buch – es hat niemals besseres gegeben, das revolutioniert alles, sensationell. Twitter – DAS Medium der Zukunft.
Zwischen Verteufelung und Hochjazzen könnte es doch auch einen Mittelweg geben.
Vincent
Hm. Ich wette, solche Plakate hingen nur in Deutschland, das ja bekanntlich nicht zu den fortschrittsfreundlichsten Ländern zählt.
Na, das ist aber nicht ganz richtig! Auch Charlie Chaplin etc. waren gegen den Tonfilm. In Russland gab es auch Kampagnen…
Wer jetzt lacht, sollte nicht vergessen, dass es das selbe auch heute noch in anderem Gewand gibt. Zum Beispiel bei der leidigen Killerspiel-Debatte, die immer mal wieder hochkocht.
Oder Urheberrechtsabgaben und Buchpreisbindung, die auch als staatliche Klientelpolitik einen Strukturwandel verhindern sollen.