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Autoren: Braunagel, Madeleine / Antritter, Wolfgang.

Titel: Wie entsteht ein Film?

Quelle: Wolfgang Antritter/Madeleine Braunagel: Schach dem Schnittfehler. Eine Einführung in das Nachbearbeiten von Videofilmen. Karlsruhe 1991. S. 7-30, S. 47-62.

Verlag: Merle-Verlag.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der AutorInnen.



Wolfgang Antritter/Madeleine Braunagel

Wie entsteht ein Film?

Eines hat der Film mit dem Theater gemeinsam: selten ist die gezeigte Zeit die "echte" Zeit. Beide haben aber unterschiedliche Mittel, den Ablauf des Geschehens zu beeinflussen.

Was beim Theater Vorhang und Regieanweisungen bewirken, erreicht beim Film die Montage. So kann man sagen, daß die Montage das eigentlich Filmische ist! Erst durch das gekonnte Aneinanderreihen1 von aufgenommenen Einzelabläufen entsteht das, was landläufig "Film" heißt.

Technisch hat der Filmemacher dabei zwei Möglichkeiten zu schneiden: die Montage kann in der Kamera (Auf-Schnitt-Produktion") oder am Schneidetisch durchgeführt werden.

Im ersten Fall – der sog. Auf-Schnitt-Produktion – ist alles bis ins Letzte vorbereitet so daß die gewünschten Teilhandlungen im richtigen Ablauf und in der geplanten Länge aufgenommen werden können.

Im zweiten Fall erfolgt das Zusammenfügen der Einzelteile – d.h. das Schneiden – räumlich und zeitlich unabhängig vom Aufnehmen. Die Vorteile dieses Vorgehens sind offensichtlich: Zum einen können beliebig viele Aufnahmen von einer Einstellung gemacht werden. Später wird dann die beste ausgewählt. Zum anderen ist bei der Aufnahme die zeitliche Ordnung beliebig.

An jedem Drehort können daher (unabhängig von ihrem späteren Platz im Film) alle nötigen Einstellungen gemacht werden, die für die Handlung vorgesehen sind.

Wahrnehmung im Spieltheater

Der Zuschauer kann individuell zu jeder Zeit den ihn gerade faszinierenden Ausschnitt der Theaterwirklichkeit auswählen. Die Wahrnehmung wird vom Spiel nach Autorenvorlage und Regie dominiert.

Wahrnehmung im Filmtheater

Die individuellen Eindrücke des Zuschauers werden durch die Vorauswahl des Regisseurs in Bezug auf Ausschnitt aus der Filmwirklichkeit und die Wahrnehmungszeit reduziert. Die Wahrnehmung wird dominiert durch das gezielte Verbinden von Handlungselementen mit Bild/Toneindrücken (Montage).

Beim Schneiden wird dann dem Drehbuch entsprechend geordnet.

Es ist allerdings eine Illusion anzunehmen, daß eine Produktion schneller zu erstellen ist, wenn zuerst gesammelt wird, um dann im 2. Durchgang zu montieren. Die Planung der Aufnahme ist sowohl bei der Auf-Schnitt-Produktion wie auch bei normaler Produktion notwendig, wenn man ein gutes Ergebnis erzielen will. Der eigentliche Film entsteht zwar erst am Schneidetisch; aber er kann nur so gut werden, wie das Material geraten ist, aus dem der Film geformt werden soll.

Sitzt man an der Schnittanlage, kann man sich zwar auch nach der Intuition richten. Sicherer aber ist es – zumindest am Anfang – einige Prinzipien zu berücksichtigen, die gewährleisten, daß die filmische Darstellung den Zuschauer fesselt.

Der Erfolg eines Films wird schließlich nicht am eigenen subjektiven Gefühl gemessen, sondern an dem Eindruck, den er bei der Zielgruppe des Films hinterläßt. Da diese sehr unterschiedlich sein kann, müßte eigentlich für jede ein entsprechender Film gemacht werden.

Daß dies nicht übertrieben ist, belegen z.B. Reaktionen von unterschiedlichen Zuschauern auf Videozeitungen, die mit filmischen Mitteln Ereignisse im Schulleben wiedergeben: Bei der Uraufführung in der eigenen Schule können Einstellungen zu Einzelheiten nicht lang genug sein, schließlich will jeder Schüler sich zumindest einmal groß sehen. jede Äußerung im Film wird außerdem mit bekannten Dingen zusammengebracht, so daß wenig unerklärt bleibt. Man kennt die Gesten der Lehrer bzw. die Eigenarten der Mitschüler. Es gibt keine Verständnisprobleme, und es kann über nahezu alles gelacht werden.

Zuschauern bei Wettbewerben in fremder Umgebung fehlt dieser direkte Bezug; d.h., vieles wirkt langweilig, da schon nach kurzer Zeit die Informationen erfaßt werden, die zum Begreifen der Grundsituation nötig sind. Was darüber hinaus gezeigt wird, provoziert in der Regel Langeweile; der Zuschauer hat keine Identifikationsmöglichkeiten mehr, weil er mit den Personen und Situationen nicht verbunden ist.

Vor allem der junge Filmemacher wird durch diese Beobachtung verleitet möglichst viele Informationen zur Darstellung einer filmischen Aussage zusammenzubringen. Um dem Zuschauer eine "Botschaft" näher zu bringen, benötigt man jedoch meist deutlich weniger Einstellungen, als man sich zunächst vorstellt. Es ist nur notwendig, auch das Wissen und die Erfahrungen der Zielgruppe mit einzubeziehen. Auf ausschmückende Elemente kann man dann weitgehend verzichten, wenn sie nicht als gestalterische Mittel bewußt für den Film gewünscht werden.

Der Sprung von einer Leiter z.B. läßt sich, wie die Szene aus dem bekannten Jugendfilm. "Das fliegende Klassenzimmer" zeigt, schon mit wenigen Einstellungen filmisch darstellen (vgl. Beispiel 1).

Selbst ein Unfall zwischen einem Auto und einem Fußgänger ist durch wenige Bilder zu realisieren: Als erstes Bild wäre ein Fußgänger zu zeigen; daran müßten sich ein schnell näherndes Auto und das entsetzte Gesicht des Fußgängers anschließen. Das letzte Bild könnte eine Hand zeigen, die unter einem Autorad hervorschaut.

Da sowohl im Erziehungsprozeß als auch in den Medien Gefahrensituationen im Verkehr beschrieben werden, kann sich jeder aus der Einstellungsfolge einen Unfallhergang vorstellen.

Beispiel 1: Inszenierung eines Unfalls (aus: Das fliegende Klassenzimmer)

Selbst objektiv wenig realistische Vorgänge sind als (schein)reale Handlungen darstellbar, wie das Beispiel aus "James Bond 007, Goldfinger" zeigt (vgl. Beispiel 2). Voraussetzung ist jedoch, daß es auch hier Erfahrensmuster gibt, die mit den Bildern zu einer neuen Filmwirklichkeit kombiniert werden können.

Im Hintergrund dieser Filmsequenz stehen folgende Assoziationen der Zuschauer: Diskusähnliche Verwendung der Hutkrempe = Wirkung einer Trennscheibe zu erwarten; Rißbildung = Zerstörung. In neu konstruiertem Zusammenhang wird so daraus der Eindruck erzeugt, daß der geschleuderte Hut die Statue geköpft hat.

Beispiel 2: Inszenierung eines phantastischen Geschehens
(aus: James Bond 007, Goldfinger)

Der Filmeindruck wird vor allem von einer Eigenschaft der menschlichen Wahrnehmung erzeugt: Wenn zwei Bilder angeboten werden, versucht das Gehirn diese zu einer logischen Folge zu verbinden. Dieser Prozeß läuft solange, bis zwei Inhalte aufeinander folgen, die aufgrund der Erfahrung oder aufgrund der Logik des Films nicht zueinander passen. "Der Film reißt". Der Betrachter orientiert sich neu und die Handlung kann dann weiterlaufen.

Aufgabe des Filmemachers ist nun, diesen Film im Kopf zunächst anzustoßen und dann am Laufen zu halten. Unterbrechungen treten nicht nur dann auf, wenn zu wenig Informationen angeboten werden; auch zu viele (zu lange) Passagen stören, weil der Zuschauer sich langweilt und innerlich abschweift bzw. – der schlimmste Fall für die Filmemacher – sich verweigert und geht.

Ein Maß für die "richtige" Länge von Einstellungen läßt sich genauso wenig bestimmen wie für den Umfang von Deutschaufsätzen. Dies hängt von der Zielgruppe, aber auch von der Filmabsicht ab. Ein entsprechend erfahrenes Publikum akzeptiert lange Einstellungen. Videoclip orientierte Zuschauer erwarten dagegen kürzeste Schnittfolgen. Damit muß man sich als Filmemacher nicht abfinden. Nur sollte einem klar sein, daß Filmarbeit gegen die Erwartungen der Nutzer besondere filmische und inhaltliche Anstrengungen erfordert.

Erst mit der Zeit wird sich dabei das entsprechende Gefühl für das Zumutbare einstellen. Vorher lohnt es sich zur neutralen Überprüfung – eine Probevorführung zu machen, um die "Bruchstellen" des Films durch das Urteil von Unbeteiligten zu erfahren.

Die filmdramaturgisch erwünschte Länge der Einstellungen bringt dem Videoamateur ein technisches Problem: Es wird ihm selten gelingen, mit den Einstellungslängen z.B. der Fernsehproduktionen zu konkurrieren. Einwandfrei und im günstigsten Fall – d.h. ohne Bildstörung sowie mit modernen Geräten – lassen sich mit durchschnittlichen Anlagen des Schulalltags Schnittsequenzen von kürzestens drei bis vier Sekunden erreichen. Bei der schulischen Ausrüstung handelt es sich schließlich nicht um speziell für die Videoproduktion gefertigte Anlagen. Vorrangig dienen sie der Wiedergabe; man bezeichnet sie daher auch als "Konsumgeräte".

Wenn es sich um Videoarbeit im Rahmen der schulischen Medienerziehung handelt, ist aber zu fragen, ob nicht gerade der Umgang mit längeren Einstellungen Inhalt der Arbeit sein soll. Dies wird zwar auf den Widerstand von Jugendlichen stoßen, die als Vorbilder die Schnittfolgen in Videoclips kennen. Es entspräche aber einem wichtigen Auftrag der Medienarbeit, auf Alternativen dazu hinzuweisen, statt Videoclips nachzuahmen. Vor allem müßte das Bewußtsein für die "Halbsekunde" geweckt werden, die notwendig ist, die flüchtigen Filmeindrücke zu verarbeiten2.

Nicht nur für den Unterricht, sondern auch für die Qualität der Filme ist wichtig, daß von vornherein der Unterschied zwischen Film und Theater klar gemacht wird. Nur dann kann es nämlich gelingen, einen "wirklichen" Film zu produzieren statt Schauspielerei abzufilmen. Im Vordergrund einer gestaltenden Filmarbeit steht die Auswahl von Einzelteilen der Handlung sowie das Festlegen von unterschiedlichen Einstellungen dazu.

Dieses Vorgehen erklärt sich einfach daraus, daß dem Betrachter eines Films nicht wie dem Theaterbesucher selbst überlassen werden soll, was er zu einer bestimmten Zeit der Aufführung als seinen individuellen Ausschnitt der (Theater)Wirklichkeit wahrnehmen will. Statt im Zuschauerraum zu bleiben, wird er vom Filmemacher quasi an die Hand genommen und in Tuchfühlung oder auch in weite Ferne zum Geschehen gebracht.

Die Mittel der Filmsprache und -technik erlauben dabei viele Möglichkeiten. Dies gilt auch für die häufigste Form schulischer Videoarbeit: die Dokumentation. Wie die Vorbilder im Fernsehen zeigen, muß auch bei einem Film z.B. über eine Theateraufführung versucht werden, filmisch zu gestalten. Dies kann mit zwei Kameras geschehen, wie es die Profis machen würden. Dabei nimmt eine Kamera in der Regel nur in totaler bis maximal halbnaher Einstellung auf. Die zweite Kamera konzentriert sich auf Nah- bis Detailaufnahmen. Diese werden dann in die Aufnahmen der ersten Kamera eingeschnitten. Der gleiche Effekt ist aber auch dadurch zu erreichen, daß die Bilder von zwei aufeinanderfolgenden Aufführungen zusammenmontiert werden. Notwendig ist in beiden Fällen, daß genau abgesprochen wird, welche Kamera welche Aufgabe übernimmt.

Somit steht beim filmischen Inszenieren das Spielen mit den Einstellgrößen, mit dem Kamerastandpunkt und mit den Kamerabewegungen im Vordergrund. In der Regel wird also der gleiche Inhalt nicht nur einmal, sondern mehrmals aufgenommen (vgl. beispielhaft die Zerlegung der "Film-"Handlung im Videomaterial der Begleitkassette). Dies kostet Zeit, aber ein Filmschnitt aus den einzelnen Varianten macht den Film erst zum Film. Die sorgfältige Planung von Drehaufnahmen ist daher nicht nur aus inhaltlichen Gründen notwendig, sondern auch um "filmisch" zu arbeiten.

Wie wird montiert?

Anders als bei der Länge von Einstellungen gibt es bei ihrer Aneinanderreihung einige objektive Kriterien, die, wenn man sie beachtet einen ansprechenden Film entstehen lassen. Wiederum ist wichtig, sich vor Augen zu halten, wie der Mensch etwas wahrnimmt: Ist seine Aufmerksamkeit durch Bildeindrücke geweckt, läuft der Film im Kopf ab. Blitzschnell werden alte Erfahrungen mit neuen Eindrücken verbunden. Ergibt sich daraus Vertrautheit oder zumindest Neugier, läßt sich der Zuschauer voll auf den Filmreiz ein: "Er geht mit".

Jede vom Filmemacher gewollte Änderung der Folge muß dann aber zu einem Wahrnehmungsbruch führen, es sei denn, die Veränderung erfolgt so geschickt, daß der Zuschauer quasi nahtlos in die nächste Situation geführt wird. Ein Schnitt zur rechten Zeit und an der filmisch richtigen Stelle wird dann nicht als störend empfunden.

Eine erste Technik zur Führung der Zuschaueraufmerksamkeit liegt in der Art und Weise, wie die Geschichte inhaltlich aneinandergereiht wird. Wichtig ist vor allem, daß auf einen Höhepunkt hin gearbeitet wird. Die steigernde bzw. erzählende Montage (vgl. Beispiel 3) ist dabei am einfachsten durchzuführen. Sie entspricht dem üblichen Erzählschema und wird daher nicht nur in spannenden Western angewendet, um Filmhandlung zu raffen oder zu dehnen.

Beispiel 3: Erzählende Montage (aus: Zwölf Uhr Mittags)

Relativ unbeeindruckt von zeitlichen, räumlichen oder sonstigen handlungsbedingten Unterbrechungen des "roten Fadens" der Erzählung bleibt ein Zuschauer aber auch, wenn z.B. die Parallelmontage eingesetzt wird. Ein bemerkenswerter Ortssprung läßt sich so gut durchführen, wie das Beispiel aus der Fernsehserie "Dallas" zeigt (vgl. Beispiel 4).

Beispiel 4: Parallelmontage (aus: Fernsehreihe "Dallas")

Der Filmemacher wird es nicht nur bei der grundlegenden Handlungsgliederung – der Montage – , sondern auch bei den einzelnen Bildinhalten nicht dem Zufall überlassen wollen, welche Bildeindrücke gerade aufeinanderfolgen, zumal er die Inszenierung benutzen kann, um bewußt zu gestalten. Durch Wiederholung oder andere besondere Anordnung von ganzen Bildeindrücken oder Teilen daraus lassen sich Handlungsteile zusammenbinden und die Aufmerksamkeit lenken. Im oben gewählten Beispiel (Parallelmontage) wurde z.B. ein Leitmotiv (vgl. Beispiel 5) beim Übergang von Folge 1 nach Folge 2 eingebaut, das nicht nur inhaltlich von spannungsteigernder Bedeutung ist. Es dient gleichzeitig als zusätzliche Klammer zum Zusammenhalt der Handlungen an den beiden entfernt liegenden Drehorten.

Erzählende Montage und Parallelmontage sowie die Verwendung von Leitmotiven als kontinuierliche Bildinhalte sind nur Beispiele für ein mögliches Vorgehen bei der Montage. Weitere, vor allem kunstvollere Varianten setzen allerdings den souveränen Umgang mit Filmsprache und -technik voraus.

Beispiel 5: Leitmotiv "Uhr" (aus: Zwölf Uhr Mittags)

Wie wird geschnitten?

Die Vorgaben des Filmemachers bzw. Regisseurs bestimmen zwar schon relativ exakt, welche Bildinhalte aufeinanderfolgen. Bei der Filmproduktion wird aber nicht umsonst auch die wichtige Tätigkeit des/der Cutter(in) besonders genannt. Ohne deren Wissen darüber, welches Bild am Ende einer Sequenz am besten zur ersten Aufnahme der folgenden Szene paßt, würde der Zuschauer nämlich häufig nicht folgen können. Die Wahrnehmung der Filmereignisse wäre gestört.

Vom Gefühl her scheint es am problemlosesten zu sein, wenn man beim Schneiden möglichst Gleichartiges zusammenbringt. Daß dies nicht so ist, zeigen besonders deutlich Filmschnitte, durch die inhaltlich Gleiches in der gleichen Einstellgröße aneinandergefügt wird. Das beste, was bei einer solchen Schnittfolge noch entstehen kann, ist ein lustiger Slapstickeffekt. In einem Interview jedoch, bei dem ein wichtiges Gespräch wiedergeben wird, entstünde ein die Wahrnehmung irritierender Ruck.

Man wird daher in professionell geschnittenen Interviews selten beobachten, daß durch einen Schnitt gleiche Bildinhalte und Bildeinstellungen aufeinanderfolgen, obwohl dies eigentlich eintreten müßte. Schließlich können nicht alle Aussagen des Interviewten gesendet werden. Es müssen also Sätze weggelassen werden. Wurde nicht mit zwei Kameras aufgenommen, und hat man mit dem Interviewpartner keine Absprache über Pausen verabredet, in denen die Einstellungen geändert werden können, dann müßten zwangsläufig identische Bilder aufeinander folgen.

Das Beispiel aus der Fernsehsendung "Kennzeichen D" (ZDF, 2.1.1991) zeigt, daß dies durch Einfügen eines Zwischenbildes vermieden werden kann. Die Unterbrechung des Gesprächs durch den Schnitt wird so nicht wahrgenommen (vgl. Beispiel 6). Der Ton läuft dabei auch im Zwischenbild weiter und verbindet zusätzlich3.

Beispiel 6: Schnitt im Interview (aus: ZDF-Magazin "Kennzeichen D")

Statt des Gruppenbildes sind im Übrigen auch andere Varianten denkbar: Blumen aus dem Hintergrund/Umfeld; Details der Kleidung o.ä.. Außerdem kann man die Einstellgrößen variieren. Alle Zwischenbilder werden vor oder nach dem Gespräch gemacht.

Letztlich weist diese Beobachtung nun darauf hin, daß zumindest ein Faktor (Inhalt oder Einstellgröße) unterschiedlich sein sollte, damit der Zuschauer die Schnittfolge akzeptiert. Es ist sogar zu beobachten, daß ein Schnitt von deutlich unterschiedlichen Einstellgrößen – also z.B. die Folge "Nahaufnahme auf Halbtotale" – als reizvoller empfunden wird als "Halbtotale auf Totale". Es lohnt sich deshalb vom Gestalterischen her mit zwei Stufen Unterschied zu arbeiten – einer Nahaufnahme könnte eine Halbtotale bzw. einer Totalen eine Halbnahaufnahme folgen.

Der Grund dafür, daß das Aneinanderreihen von unterschiedlichen Einstellgrößen eher akzeptiert wird, dürfte darin liegen, daß der Schnitt als Signal gewertet wird, nach dem etwas anderes – in der Handlung und/oder dem Bildeindruck – erwartet wird.

Problematische Übergänge werden in der Regel jedoch mehr durch inhaltliche Faktoren bestimmt als durch Formales wie die Einstellgröße: Man muß schon bei der Aufnahme überlegen, wie die Übergänge inszeniert werden können. Nicht immer ist es dabei so einfach wie bei dem beschriebenen Interview. Jedoch gilt im Prinzip stets das Gleiche: in dem Augenblick, in dem der Film im Kopf angestoßen wird, müssen Änderungen der kontinuierlichen Bewegung bzw. Handlung vermittelt werden. Dabei ist zu sehen, daß der Zuschauer eigentlich schneller ist als der Film. Da er seine Erfahrungen mit dem Filmmaterial kombiniert, erwartet er in der folgenden Szene schon bestimmte Inhalte. Welche Folgen dies hat, zeigt ein einfaches Beispiel. Anders als im Original werden zwei Einstellungen einer Reportage über Motorradfahren montiert (vgl. Beispiel 7a).

Beispiel 7a: Schnitt bei gegenläufiger Bewegung I

Beispiel 7b: Schnitt bei gegenläufiger Bewegung II (aus: ARD-Magazin "Sportschau")

Schon in der Abbildung wird deutlich, daß der Filmzuschauer den Eindruck gewinnt, in der 2. Sequenz habe der Rennfahrer die Richtung gewechselt. Dieser Eindruck wird für den Zuschauer dadurch erreicht, daß beim Schnitt die durchschnittliche Wahrnehmungserfahrung nicht beachtet wurde. Ein Motorradrennen auf einer der bekannten Rennstrecken geht schließlich in der Regel immer in die gleiche Richtung (Rundkurs). Wird diese gewechselt (sei es auch nur optisch), dann bedeutet dies, das Motorrad kommt zurück (gegen die Rennrichtung). Durch eine "Brücke" wird es auch hier wie beim Interview gelingen, den Film im Kopf – d.h. das ununterbrochene Motorradrennen – weiter laufen zu lassen (vgl. Beispiel 7b).

Denkbar als Überleitung sind auch Bilder mit folgendem Inhalt: Bewegung des Motorrads direkt auf die Kamera (hin oder weg), Bilder von Zuschauern bzw. Wolken. Beide Bildaussagen bestimmen nämlich in keiner Weise, in welche Richtung sich das Motorrad bewegt. Durch die "neutrale" Aussage erwartet der Zuschauer nichts; er wundert sich folglich nicht, wenn das Motorrad aus einer anderen Richtung ins Bild kommt.

Auch weniger komplizierte Aufnahmesituationen erfordern bei der Montage eine sorgfältige Gestaltung; vor allem, wenn eine Bewegung im Spiel ist, müssen die Folgen eines Schnitts für den Zuschauer mitbedacht werden. Es ist dabei wenig erheblich, ob die Bewegung durch die Kamera (als Schwenk oder Zoom) oder durch den Bildinhalt (wie beim o.a. Wettrennen) initiiert wird. In beiden, Fällen nimmt der Zuschauer die Logik der Bewegung auf und eine unmotivierte Veränderung der Richtung durch den Schnitt stört ihn. Schließlich will er sich um beim Beispiel zu bleiben- beim Betrachten des Motorradfilms gefühlsmäßig "mit in die Kurve legen".

Meistens kann man sich in solchen und ähnlichen Fällen mit sog. neutralen Zwischenbildern helfen. Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, schließlich ist Filmen und Montieren ein schöpferischer Vorgang. Einige Anregungen, in welche Richtung überlegt werden muß, geben die Beispiele 8 bis 12.

Beispiel 8: Schnitt zum Kürzen einer Wegstrecke ohne andere Beteiligte (aus: ARD-Trickfilmserie "Duck Tales")

Beispiel 9: Schnitt bei abruptem Personenwechsel (aus: ARD-Trickfilmserie "Duck Tales")

Beispiel 10: Kürzen einer Fortbewegung mit Zuschauern (aus: Asterix der Gallier)

Beispiel 11: Schnitt bei Schwenk (aus: Fritz Lang, "Fury")

Beispiel 12: Schnitt bei einer Folge gleichgerichteter Bewegungen, z.B. Sportreportagen (aus: ARD-Magazin "Sportschau")

Häufig sind es ganz einfache Dinge, die darüber entscheiden, ob ein Schnitt gelingt oder nicht. Wesentlich sind bei Schwenks z.B. sowohl der Beginn des Schwenks als auch das Ende: Die gezeigte Person darf nicht "ins Bild fallen", sondern muß optisch eingeführt werden(vgl. Beispiel 8).

Dies kann durch inhaltliche Gestaltung ("Gehen ins Bild") oder filmtechnisch (neutrale Bewegung: z.B. Großaufnahme des gehenden Fußes) geschehen. Am Schluß der Sequenz bleibt Zeit, durch die "Nullinformation" des leeren Raums den Ortssprung vorzubereiten.

Bei Schwenk- und Zoomaufnahmen sei zusätzlich darauf hingewiesen (vgl. Beispiel 11), daß man sich die Schnittarbeit erleichtert wenn man grundsätzlich jede Kamerabewegung mit einer langen Ruhephase beginnt und beendet. Dadurch ergeben sich beim Anschluß weniger Probleme. Außerdem: Bewegungen der Akteure usf. bei unbewegter Kamera sollten bei der Aufnahme möglichst "ins Bild" kommen und "aus dem Bild" gehen, da dadurch wiederum einfache Übergangssituationen geschaffen werden. Der Zuschauer ist auf eine Veränderung dann gut vorbereitet.

Bei all den Überlegungen für einen guten Schnitt sollte nicht vergessen werden, daß es sich bei den in der Schule verwendeten Anlagen um Amateurgeräte handelt. Da sie relativ ungenau schneiden, können nicht alle Ideen umgesetzt werden. Allerdings läßt sich das Ergebnis deutlich verbessern, wenn die gerätebedingten Abweichungen beim Schnitt zuvor ausgetestet werden. Dazu wird ein Testband erstellt auf dem die laufenden Ziffern einer Stopuhr mit der Videokamera aufgenommen wurde. Dieses Band wird dann geschnitten. Dazu wird der Zuspielrecorder (Player) so eingestellt, daß z.B. exakt 1 Minute 30 Sekunden der aufgenommenen Zeiteinblendung im Monitor zu sehen sind. Nach dem Schnitt kann auf dem Monitor des Recorders abgelesen werden, ob dieser früher oder später mit der Aufnahme beginnt. Im ersten Fall werden Sekunden fehlen; im zweiten Fall geht die Überspielung über 1 Minute, 30 Sekunden hinaus. Mit mehreren Versuchen gleicher Art läßt sich nun feststellen, ob die Zeitverschiebung konstant bleibt. Sie kann dann beim Schnitt berücksichtigt werden.

Wie sieht Unterricht mit den Materialien aus?

Das bewegte Bild ist aus dem Schüleralltag nicht mehr wegzudenken. Film, Video und Fernsehen zählen zu den wichtigsten Kommunikaktionsmitteln unserer Zeit. Eine Herausforderung im Medienzeitalter nicht nur passiv zu konsumieren, sondern aktiv mit Medien umgehen zu können, wird von den Schülern spontan angenommen. So geschieht es leicht, daß aus Unkenntnis das Filmische in den Hintergrund gedrängt wird; denn mit dem Griff zum Camcorder allein ist es nicht getan. Wichtig ist immer wieder der Hinweis auf die verschiedenen Entstehungsphasen einer Filmproduktion. Wenn die Schüler erkannt haben, daß erst die gekonnte Montage einen Film zum Erlebnis werden läßt und wieviel Kreativität hinter der Schnittarbeit steckt, werden sie die von ihnen gedankenlos konsumierten Filmstreifen mit kritischerem Blick und Bewußtsein betrachten.

Die technische Entwicklung macht den Umgang mit der Videokamera schon für den jüngsten Schüler möglich, so daß die kritische Auseinandersetzung auch mit dem Medium "Film" bereits im Grundschulalter beginnen kann.

Größere Projekte finden meistens in Arbeitsgemeinschaften oder an Projekttagen statt. Eng begrenzte Arbeitsbereiche – wie hier z.B. das Schneiden von Videofilmen lassen sich auch im Rahmen des fächerübergreifenden Unterrichts (Bildende Kunst/Deutsch) durchführen bzw. in den Fachunterricht integrieren.

Das Nacharbeiten von Filmmaterial als isolierter Lernbereich ist deshalb methodisch sinnvoll, weil bei allen Videoprojekten Filmmaterial in Hülle und Fülle entsteht. Dabei bleibt es aber meistens, da die Zeit aber auch das "Know How" zur Montage der Filmteile fehlt. Somit entgeht den Schülern eine sehr wichtige Erfahrung innerhalb der Filmproduktion, da die Montage das eigentlich Filmische ist.

Die Grundregeln der Filmmontage kann mit etwas Übung jeder erlernen. Ihre Kenntnis führt nicht nur zu einem besseren Filmergebnis. Sie läßt auch eine veränderte Wahrnehmung von gängigen Film- und Fernsehsendungen erwarten.

Sachanalyse:

Vom Entstehungsprozeß eines Films kennen die meisten Kinder und Jugendlichen nur das Stück abgefilmte Realität das sie im Fernsehen oder auf der Filmleinwand betrachten können. Sie bemerken nicht die gezielte Lenkung der Zuschauerwahrnehmung, die in vielfältiger Weise hinter dem Produkt steckt. Die intensivere Beschäftigung mit dem Thema "Montage" läßt daher hinter die Kulissen der filmischen. "Machenschaften" blicken. Daß dabei nicht die Technik oder der Inhalt alleine steht, und daß außerdem zielgruppenorientierte Handlungsabläufe während der Nachbearbeitung gestaltet werden können, ist eine weitere wichtige Erkenntnis. Wie hoch der Stellenwert des Schnitts und der Montage innerhalb einer Filmproduktion ist, erfährt der Schüler in der Auseinandersetzung mit den angebotenen Sequenzen aus Profi-Filmen, die altersgruppengemäß ausgewählt werden sollten.

Erst der Ton macht den Film zum Erlebnis. Dieser Aspekt darf bei der Montage nicht vergessen werden. Die fehlende Übereinstimmung von Bild und Ton "("Bild-Ton-Scheren") stören z.B. den "Film im Kopf" des Zuschauers. Und: der Ton unterstützt die Stimmungslage eines Handlungsablaufs in höchstem Maße. Eine Prügelei im Film würde vom Zuschauer ohne Wort-Bild-Kombination nicht wahrgenommen.

Lernziele I (Groblernziele):

Die Auseinandersetzung mit dem Medium "Film" – hier im besonderen mit der Montage – eröffnet Einblicke in die aufwendige Nachbearbeitung bei einer Filmproduktion. Die Schüler sollten jedoch nicht nur die Grundlagen der Filmsprache erlernen, sondern auch die gestalterischen Möglichkeiten durchschauen, die ein Beeinflussen des Handlungsablaufs möglich machen.

Sensibilisiert gegenüber den Nachbearbeitungsmethoden des Filmmaterials werden sie dem Medium "Film" kritischer gegenüberstehen. Der Unterschied zwischen Wirklichkeit und abgebildeter (gefilmter) Wirklichkeit soll ihnen bewußt werden, in dem sie dies selbst durch praktisches Handeln miterleben.

Lernziele II (Feinlernziele):

In der ersten Unterrichtsphase wird das Kennenlernen der verschiedenen Montageformen im Vordergrund stehen, vor allem erzählende und parallele Montage. Anhand einiger Sequenzen können die Schüler das Prinzip beider Montagearten durchschauen und in gängigen Fernsehsendungen wiederfinden. Die Schüler sollten hierbei auch darauf aufmerksam gemacht werden, wie die verschiedenen Einstellgrößen aufeinanderfolgen.

Die Selektion des vorhandenen Rohmaterials (vgl. Videoband des Medienpakets) spielt für die Montagearbeit die wichtigste Rolle. Orientieren sich die Produzenten ('"Filmemacher") an verschiedenen Zielgruppen, so kann gleiches Ausgangsmaterial durch verschieden gesetzte Montage manipuliert werden. Ein exaktes Storyboard (als Planungsgrundlage) und ein genaues Schnittprotokoll (als Durchführungsanleitung) sind Grundbedingung für problemlose und kontinuierliche Schnittarbeit.

Die Montage muß auch unter Berücksichtigung des Originaltons ("O-Ton") angegangen werden. Da oftmals der O-Ton erhalten bleiben soll, muß somit ebenfalls zielgerichtet geschnitten werden. Im Film gehören Geräusche, Sprache, Musik und Bild zusammen. Anhand des Videomaterials "Schach" kann dies mit der Musik einfach, aber wirkungsvoll demonstriert werden: nach der Montage der Bildsequenzen wird gleiches Bildmaterial zunächst mit "klassischer" und dann mit "popiger" Musik unterlegt.

Bemerkung zum Zeitaufwand:

Für jede Teileinheit sind (abhängig von der Alterstufe) etwa zwei Doppelstunden vorzusehen.

Mit einem Zeitaufwand von cirka 12 Unterrichtsstunden ist dieses Themenangebot auch für Projekttage geeignet.

Stundenbericht zur Unterrichtseinheit A "Schnitt und Montage" (Sekundarstufe I, als Projekt auch Primarstufe)

Aufgabe: Erstellen eines Storyboards

Filmtechnisches Problem: Verschiedene Montagearten; sinnvolles Aneinanderreihen verschiedener Einstellungen unter Berücksichtigung des Inhalts

Filmgestalterisches Problem: "Ein Film entsteht im Kopf"; Wahrnehmung von Schnitt und Montage

Material: Videokassetten mit ausgewählten Beispielen und Arbeitsblatt "Storyboard", Arbeitsblätter "Einstellungen", Schere, Klebstoff, Bleistift, Monitor, Player

Verfahren: Die Sichtung von ausgesuchten Filmbeispielen sensibilisiert die Wahrnehmung der Schüler. Sie erkennen, daß der inhaltlichen Manipulation beim Film gestalterisch-technische Fertigkeiten zugrunde liegen. Die reflektierende Analyse der Einstellgrößen sowie die Begriffsbildung der filmsprachlichen Gestaltungsmittel werden gemeinsam erarbeitet.

Stundenverlauf: Die wichtigsten Lernschritte dieser Unterrichtseinheit liegen zunächst im Beobachtungslernen, um dann zum praxisorientierten Teil übergehen zu können. Die Sichtung von Filmmaterial erfordert von den Schülern eine hohe Lernbereitschaft. Im Klassenverband werden anhand von Filmmustern aus aktuellen Fernsehfilmen die Schnitt- und Montagearten erarbeitet. Gleichzeitig werden die verschiedenen Einstellungsgrößen in Erinnerung gebracht. Gemeinsam betrachten die Schüler das zu bearbeitende Fremdmaterial "Schach". Erste Vorschläge für eine Szenenfolge werden erörtert.

Sinnvoll ist es, wenn die Lehrkraft zum Einstieg in die Ausführungsphase exemplarisch mit Hilfe einer zerschnittenen Bilderfolge auf Folie am OH-Projektor die Entstehung eines Storyboards für alle demonstriert. Anschließend kann zum Praxisteil – selbständiges Erstellen eines Storyboards – in Einzel- oder Gruppenarbeit übergegangenwerden.

Jeder erhält ein Arbeitsblatt mit den verschiedensten Einstellungen zum Thema "Schach" und ein Arbeitsblatt zur Erstellung eines Storyboards. Einzelne Bilder sollen zu einer zusammenhängenden, logischen Bilderfolge aneinandergefügt werden. Die Schüler müssen hierbei zielgruppenorientiert denken. Während dieser Phase des experimentellen Erprobens kann jeder Schüler sich selbst mit einbringen. Während der Demonstration der Ergebnisse, eventuell auf Folie, werden die Arbeiten der Schüler gemeinsam nach den Grundbegriffen der Montage beurteilt. Die Schüler erkennen, daß es mehrere Umsetzungsmöglichkeiten mit dem gleichen Ausgangmaterial geben kann.

Erfahrungen: Es zeigt sich, daß Experimentalsituationen geeignete Voraussetzungen schaffen, in ein Problemlösungslernen einzutreten. Die Schüler akzeptieren die Aufgabe spontan und verfolgen schnell subjektiv entwickelte Wege, auch wenn die verschiedenen Lösungsmöglichkeiten erst über eine Lernzielkontrolle erkannt werden können. Die erstellten Storyboards sind für die Schüler genügend Beweis dafür, daß sie auch mit Fremdmaterial kreative und originelle Ergebnisse erzielen können.

Der Demonstration sowie der Analyse der verschiedenen Arbeiten müssen genügend Zeit eingeräumt werden, um die Reflexion dieser komplexen Unterrichtseinheit zu gewährleisten. Erfahrungsgemäß zeigen sich die Schüler Kritik gegenüber sehr offen, wenn sie begründet ist.

Lernschritte:

  1. Kennenlernen verschiedener Montagearten

  2. Erfahren, daß der Film im Kopf entsteht

  3. Aufbau einer Filmhandlung

  4. Kennenlernen des Filmschnitts

  5. Umgehen mit den Prinzipien des Filmschnitts (Schnitt zur Längung/Kürzung von Handlung, Schnitt zur Verbindung (Brücke) von Handlung)

  6. Zielgruppe berücksichtigen lernen

  7. Beurteilen von Filmwirkung

Arbeitsprotokoll zur Unterrichtseinheit A "Filmschnitt und Montage" (Sekundarstufe I, als Projekt auch Primarstufe (Klasse 4)

Phasen

Arbeitsschritte

Hinweise/Material

Einstiegsphase

Vorbereiten der Arbeitsbedingungen

Aufbau und Anschluß der Geräte zur Wiedergabe von vorhandenen Filmbeispielen

Monitor, Player, Videokassette mit Beispielen

Arbeitskopie "Schach"

Folie, Schere, OH-

Projektor

Erkundungsphase

Rohmaterial "Schach" anschauen

Das Storyboard

Demonstration


Ausführungsphase

Aufgabe: Erstellen eines Storyboards

Ausschneiden der Bilder

Sortieren nach Motiven und Einstellungsgrößen

Aufkleben der Bildfolge

Arbeitsblätter "Einstellungen"

Arbeitsblätter

"Storyboard"

Schere, Klebstoff

Erfolgskontrolle

Beurteilen der Ergebnisse im Klassenverband

Zum Beurteilen:

OH-Folien von Schülerarbeiten erstellen



Übersichtsblatt zur Unterrichtseinheit A "Schnitt und Montage" (Sekundarstufe I, als Projekt auch Primarstufe (Klasse 4)

Lernziele

Lerninhalte

Lernverfahren

Kennenlernen der Videotechnik

Umgang mit der Technik

Praktische Arbeit

Arbeitsorientiertes Sichten von Filmmaterial

Wahrnehmen und bestimmen von Schnitt und Montage

Einstellgrößen benennen

Beobachtungslernen

Analyse und Begriffsbildung, Reflexion

Kennenlernen des Arbeits-

materials "Schach"

Auseinandersetzen mit

Fremdmaterial

Erste Vorschläge für Szenenfolge

Beobachtungslernen

Erstellen einer zusammenhängenden Bildfolge

Sinnvolle Spannung erzeugen

"Der Film entsteht im Kopf"

Praktische Problemlösung

Experimentelles Erproben

Beurteilen der Arbeiten nach den Grundbegriffen der Montage

Akzeptieren anderer Ideen

Beobachten verschiedener

Methoden

Demonstration

Analyse



Stundenbericht zur Unterrichtseinheit B "Schnitt und Montage" (Sekundarstufe I und II)

Aufgabe: Montage eines Films

Filmtechnisches Problem: Umgang mit der Videotechnik

Filmsprachliches Problem: Sinnvolle Montage verschiedenster Einstellungen zu einem flüssigen Handlungsablauf

Material: 1 Zuspielrecorder, 1 Aufnahmerecorder, Arbeitsblätter: Einstellungen "Schach", Storyboard, Schnittplan, Arbeitskopie: "Schach", Schreibzeug, Stopuhr

Verfahren: Die Montage eines Films ist ein technisches und ein gestalterisches Problem. Anhand eines Schnittplans sollen die Schüler die Einstellungen aussuchen, die sie in der Unterrichtseinheit A anhand eines Storyboards zu einem kontinuierlichen Handlungsablauf zusammengefügt haben. Ihren Geräten entsprechend wählen sie das Schnittverfahren – Assemblieren oder Insertieren – aus.

Um zügig zum Ziel zu kommen, wird eine maximale Filmlänge von 3 Minuten vereinbart.

Stundenverlauf: Das zu bearbeitende Storyboard aus der letzten Unterrichtseinheit liegt den Schülern vor. Bevor sie jedoch in die Erkundungsphase übergehen, ist eine "Aufklärung" von Seiten des Lehrers über die beiden schulüblichen Schnittmöglichkeiten angebracht. Zur Veranschaulichung ist eine Tafelanschrift oder OH-Folie gleichermaßen geeignet.

Dem experimentellen Erproben geht eine Demonstration des Lehrenden voraus. Er erklärt an den Geräten die verschiedenen Funktionen. Sinnvoll ist es, den Schülern eine Auflistung der wichtigsten Begriffe und Funktionen an die Hand zu geben. Anschließend sollte jeder die Möglichkeit haben, die Funktionen "seiner" Geräte auszuprobieren und Probeschnitte durchzuführen. Hierbei erfahren sie, daß auch die Technik Toleranzen von Seiten des Bedieners erfordert, da beispielsweise das Bandzählwerk oder die Vorlaufzeit an den Recordern immer wieder differieren. Das Arbeiten mit einer Stoppuhr ist deshalb angebracht.

In der Ausführungsphase wird das erlernte "Handling" umgesetzt. Die Erstellung eines Schnittprotokolls, dem das Storyboard zugrunde liegt, verlangt von den Schülern ein hohes Maß an Disziplin. Die Auswahl der Einstellungslängen ist abhängig vom Bildinhalt und von der Filmabsicht, und sie orientiert sich an der menschlichen Wahrnehmung.

In dieser technischen, gestalterischen, analytischen und praktischen Phase wird nach Konzept gearbeitet. Kooperation und soziale Toleranz sind ein wichtiger Faktor zum reibungslosen Ablauf dieser Unterrichtseinheit.

Die Phase der Erfolgskontrolle bietet den Schülern die Möglichkeit der Reflexion. Sie erkennen die Filmwirkung, erfahren unterschiedliche Interpretationen und analysieren, wie Filmwirkungen zustande kommen können. Ferner findet in der abschließenden Diskussionsrunde ein Erfahrungsaustausch der Schüler untereinander statt, wobei Ideen, Gefühle, Bedürfnisse, Interessen und Anliegen der "Filmemacher" zur Sprache kommen.

Erfahrungen: In dieser Unterrichtseinheit zeigt sich einerseits, daß praxisorientiertes Lernen – Konfrontation mit der Technik den Schülern zur Sicherheit im Umgang mit elektronischen Geräten verhilft. Andererseits erfahren sie selbst, daß vor der Realisierung eines Films viel Kopfarbeit geleistet werden muß. Außerdem muß mit viel Einfühlungsvermögen Filminhalt und Zielgruppe des Films abgestimmt werden. Besondere Bedeutung kommt der Demonstration im Klassenverband zu. Wünschenswert wäre, wenn zur gleichen Thematik in zwei Gruppen gearbeitet werden kann, um eine Gruppe jeweils mit einem unbekannten Ergebnis zu konfrontieren. Die Schüler können so einerseits in der Rolle des Filmemachers die Wirkung ihres Werkes auf andere als auch andererseits in der Rolle des Zuschauers unterschiedliche Reaktionen auf Filmschaffen erfahren. Diskussionen über die angebotenen Interpretationen sind unerläßlich.

Lernschritte:

  1. Kennenlernen der Überspieltechnik

  2. Arbeiten mit dem Storyboard

  3. Filmsprache und Filmtechnik anwenden

  4. Analysieren eines selbst erstellten Produkts

Arbeitsprotokoll zur Unterrichtseinheit B "Schnitt und Montage" (Sekundarstufe I und II)

Phasen

Arbeitsschritte

Hinweise/Material

Einstiegs- und Erkundungsphase

Aufbau der Geräte unter Anleitung der Lehrkraft

Einschalten der Geräte

2 Monitore, 1 Player, 1 Recorder, Kabel, 1 Arbeitskopie "Schach", 1 Videoaufnahmekassette,

Arbeitsblätter "Storyboard" und "Schnittprotokoll", (Stop-)Uhr

Ausführungsphase

Aufgabe: Sichten des Materials und Erstellen eines Schnittplans

Assemblieren oder insertieren kennenlernen

Erstellen eines Probeschnitts

Durchführen des Schnittplans

Vorgabe für die Länge des Schnittergebnisses (max. drei Minuten)

Registrierung mit Bandzählwerk und/oder

Stopuhr

Mögliche Fehlerquellen berücksichtigen (Kabelbruch, Fehlbedienung)

Bespieltes Band für Insert-Verfahren bereitlegen

Vorlaufzeit der Geräte testen

Erfolgskontrolle

Vorführen der Ergebnisse

Erfahrungsaustausch

Großer Monitor und Player zum Vorführen der Arbeitsergebnisse



Übersichtsblatt zur Unterrichtseinheit B "Schnitt und Montage" (Sekundarstufe I und II)

Lernziele

Lerninhalte

Lernverfahren

Erlernen des Überspiel-prinzips durch das Schnittverfahren

Technikfolgen (Aufwand, Fehleranfälligkeit), sorgfältiger Umgang mit Fremdgeräten

Experimentelles Erproben

Arbeit mit der Videotechnik Gruppenarbeit

soziale Toleranz

Kooperation

Erkennen, daß Einstellungen selten in ihrer vollen Länge übernommen

werden.

Orientieren an der menschlichen Wahrnehmung durch filmisch angemessenes Ordnen der Sequenzen

Beobachtungslernen

Arbeit nach Konzept

zielgruppenorientierte Montage eines Films

Analyse, Reflexion

Kooperation, Förderung der Kreativität

Interpretation üben

Teamwork

Filmwirkung erkennen


Demonstration

verschiedene Interpretationen erfahren

Interpretation üben, Anwenden von Filmtechnik und -sprache

Analyse, Reflexion



Stundenbericht zur Unterrichtseinheit C "Der Ton zum Film" (Sekundarstufe I und II)

Aufgabe: Vertonen eines Films

Technisches Problem: Vertonen mit einfachen Geräten

Gestalterisches Problem: Passenden "Ton" finden

Material: Monitor, Videorecorder, Mikrofon, Camcorder zum Tontransfer, verschiedene Tonquellen

Verfahren: Vertonen ist über die Nachvertonungs-/Audio-Dub-Funktion am Video- oder Camcorder möglich. Das Videoband ist mit zwei Tonspuren versehen, die bei Bedarf neu belegt werden können, ohne das Bild zu beeinflussen. Bei laufendem Videobild und gedrückter Audio-Dub-Taste erhält nur die Tonspur Impulse, so daß diese beliebig oft überspielt werden kann – ohne Löschgefahr für das Bild.

In der Schule wird selten ein Tonstudio zur Verfügung stehen. Deshalb muß eine einfachere Lösung gesucht werden. Diese wird aber auch dadurch gerechtfertigt, daß Schüler bei einer Gerätezusammenstellung, wie sie hier (vgl. Beispiel 19) vorgeschlagen wird, erfahren, wie kompliziert und aufwendig die Tonarbeit ist.

Stundenverlauf:

Das Betrachten des geschnittenen Films steht zu Beginn dieser Unterrichtseinheit. Verschiedene Musikstücke stehen zur Wahl. Die "Endausscheidung" sollte mit dem laufenden Filmstreifen stattfinden. Hierbei werden die Schüler die unterschiedlichen Wirkungsweisen der Bild- und Ton-Kombination feststellen. Besteht das Bedürfnis nach einem Kommentar, wird gemeinsam ein Text erarbeitet und ein Sprecher festgelegt.

In der Ausführungsphase werden die technischen Voraussetzungen für die Tonaufnahmen geschaffen. Auch hier erweist sich ein Aufbauplan als Tafelanschrift oder OH-Folie als sinnvoll (vgl. Beispiel 19). Anhand dessen verkabeln die Schüler die Geräte selbständig. Experimentelles Erproben sowie praxisorientiertes Lernen stehen auch hier im Vordergrund.

Die aufwendige Organisation eines komplexen Arbeitsablaufs erfordert viel Konzentration und Rücksicht während dieser Unterrichtseinheit. Den Schülern wird die Bedeutung dieser sehr wichtigen Entstehungsphase einer Filmproduktion bewußt werden.

Nach Einspielübungen und Sprechproben kann die Tonaufnahme beginnen. Für die Bedienung der Geräte müssen genaue Anweisungen erteilt werden. Ist der Ton dann auf dem Band, wird in der abschließenden Erfolgskontrolle der Arbeitsprozeß reflektiert. Die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk steht dann im Vordergrund.

Beispiel 19: Vertonung ohne Mischpult über das Kameramikrofon

Anmerkung: Ein Recorder mit getrennter Tonaufzeichnungsmöglichkeit (Nachvertonung) und Mikrofonanschluß kann die Kamera ersetzen.

Erfahrungen: Die Praxis zeigt, daß Schüler bei der Erstellung eines Films bereits Musik, Geräusche und Kommentare im Hinterkopf haben. Zur Stärkung der Motivation sollte darauf verstärkt zurückgegriffen werden. Wie schwierig es aber ist, Ton und Bild harmonisch zusammenzufügen, erfahren die Schüler in dieser Unterrichtseinheit selbst. Frustrationen sind nicht auszuschließen. Die Unterrichtseinheit "Vertonen" erfordert folglich eine sehr disziplinierte Lerngruppe. Die Fehler werden häufig selbst produziert, weil zu ungenau und zu schnell gearbeitet wird. Allerdings spielen auch die Geräte eine unrühmliche Rolle. Der Demonstrationsphase des fertigen Produkts sehen alle Teilnehmer mit großer Spannung entgegen. Erfahrungsgemäß sind die "Macher" mit ihrem Werk zufrieden. Sie fürchten außerdem etwas die Kritik der anderen. Deshalb muß die Diskussion angestoßen werden. Insgesamt sollte für diese wichtige Phase der Auseinandersetzung mit den Prinzipien der Filmwirkung genügend Zeit vorhanden sein.

Lernschritte:

  1. Geräte für die Nachvertonung kennenlernen und damit umgehen können

  2. Zusammenwirken von Ton und Bild erfassen

  3. Raumsituation – absolute Ruhe (Hall) herstellen

  4. Kommentar erstellen

  5. Sprachliche Ausdrucksfähigkeit, Artikulation, Wortschatz üben

  6. Anwenden der Kenntnisse über die Wahrnehmung im Film

  7. Kritisches Auseinandersetzen mit eigenem und fremdem Werk



Arbeitsprotokoll zur Unterrichtseinheit C "Der Ton zum Film" (Sekundarstufe I und II)

Phasen

Arbeitsschritte

Hinweise/Material

Einstiegsphase

Betrachten des geschnittenen Films

Tondefizit beobachten

Videorecorder, Monitor, Mikrofon,

verschiedene Tonquellen

Gruppenarbeit sinnvoll

Erkundungsphase

Anhören verschiedener Musik;

Überlegungen zu Kommentar; Auswahl von Musik, Text und Sprecher

Film und Musik parallel laufen lassen

Ausführungsphase

Technische Voraussetzungen herstellen (Raum-/Tontechnik);

Einspielübungen, Sprechproben

Durchführen der Nachvertonung

Raum vor Störungen sichern (Schulgong, Hallsituation)

Große Räume meiden

Gruppenarbeit

Überlegungen zur Präsentation anstellen

Erfolgskontrolle

Demonstration

Auswertung der Bild- und Tonarbeit

zwei Ergebnisse vergleichen



Übersichtsblatt zur Unterrichtseinheit C "Der Ton zum Film" (Sekundarstufe I und II)

Lernziel

Lerninhalt

Lernverfahren

Möglichkeiten des Nachvertonens mit einfachen Geräten




Experimentelles Erproben in der Praxis

Zusammenwirken von Ton und Bild erkennen

Passenden Ton zum Bild finden

Beobachtungslernen

Notwendige Korrespondenz von Bild- und Toninhalten erfahren

Vor- und Nachteile verschiedener Bild-Musik-Kombinationen erläutern

Experimentelles Erproben in der Praxis

Besondere Qualität eines Filmkommentars erkennen

Filmkommentar erstellen

Einigung nach Diskussion

Analyse

Artikulation und Vortrag üben

Synchronisationsprobleme kennen lernen

Sprechen und Technik üben

Praxisorientiertes Erproben

Film ganzheitlich erstellen

Organisation eines komplexen Arbeitsablaufs erleben

Analyse

Kritisches Auseinandersetzen mit der eigenen Produktion

Anwenden der Kenntnisse über die Wahrnehmung im Film

Reflexion eines Arbeitsprozesses



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1Beim "Schnitt" wird je nach Gerätemöglichkeit Bild- und/oder Toninformation gezielt überspielt. Der Begriff kommt eigentlich aus der Zeit, in der die Zelluloidstreifen des Films mit der Schere "geschnitten" und dann neu zusammengeklebt ("montiert") wurden. Beim Videofilm ist dies aufgrund der Aufzeichnungstechnik nicht möglich. Die Folge ist beim Schnitt einerseits die technisch bedingte Beeinträchtigung der Bildqualität der Schnittkopie. Andererseits wird ein größerer Geräteaufwand notwendig. Grundsätzlich gibt es zwei Techniken, mit deren Hilfe aneinandergereiht werden kann: "Assemble" bzw. anfügen oder "Insert" bzw. einfügen. Der wesentliche, technische Unterschied zwischen beiden ist, daß bei "Insert" schon eine vollständige Bild- und Toninformation auf dem Band vorhanden sein muß. Nur so kann gewährleistet werden, daß alle notwendigen Steuerimpulse auf dem Videoband vorhanden sind. Von der gestalterischen Seite her bieten beide Verfahren Ähnliches. Im "Insert-" und im "Assemble-"Modus kann man in kontinuierlicher Folge montieren. Der "Insert"-Schnitt kann zudem noch in schon bearbeiteten Filmstreifen ausgeführt werden. Leider ist dabei nicht möglich, vorhandenes Ton-/Bildmaterial auseinanderzuschieben (wie in einem Textverarbeitungsprogramm eines Computers). Es werden grundsätzlich Bild- bzw. Tonsequenzen in der Länge des "Insertschnittes" überspielt.

2Herta Sturm, Wahrnehmung und Fernsehen, In: Mediaperspektiven (1984), H.1, S. 58ff.

3Die Technik des Zwischenschnitts bei Interviews ist besonders eindrucksvoll in Nachrichtensendungen des Fernsehens zu beobachten. Der Wechsel von Großaufnahme und Totale dient dort allein dem Zweck, Wahrnehmungssprünge zu mildern. Bei genauem Hinsehen ist nämlich zu beobachten, daß bei totaler Einstellungsgröße die Lippenbewegungen nicht zum Redetext passen.

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