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Autoren: Seminar für Allgemeine Rhetorik, .
Titel: Rede des Jahres 1999. Die Parteitagsrede des Außenministers Joschka Fischer.
Quelle: http://www.uni-tuebingen.de/uni/nas/rede99.html [1.3.2000] Tübingen 1999.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Seminars für Allgemeine Rhetorik
Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen
Rede des Jahres 1999
Die Parteitagsrede des Außenministers Joschka Fischer
Das Seminar für Allgemeine Rhetorik der Universität Tübingen hat die Rede des Außenministers Joschka Fischer auf dem Parteitag der "Grünen" am 13. Mai 1999 zur Rede des Jahres gewählt. In Zielsetzung, Vollzug und Wirkung stellt diese Rede einen Musterfall demokratischer Beredsamkeit dar. Der Redner fordert Gespräch, Diskussion, den freien Streit der Meinungen ein, also die rhetorischen Grundlagen der Demokratie, und praktiziert sie zugleich auf vorbildliche Weise selber.
Das Thema der Rede ist die Beteiligung Deutschlands an den militärischen Einsätzen der Nato in Jugoslawien, und sie behandelt dieses Thema auf der Basis einer neuen europäischen Friedenspolitik, die den Grundsatz der Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten eines Staates dann zur Disposition stellt, wenn diese inneren Angelegenheiten Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit mit einschließen. Friedenspolitik wird damit zu einer kämpferischen Politik gegen die Feinde und Verächter des Friedens. Widerstand und Friede gehen eine Allianz ein, und der Redner erinnert daran, dass gerade die Deutschen nicht tatenlos abseits stehen bleiben dürfen, wenn in ihrer Nachbarschaft Völkermord, "ethnische Säuberungen", Massaker und Vergewaltigung zur alltäglichen Wirklichkeit geworden sind.
Die frei gehaltene, in einer äußerst erregten Atmosphäre und unter persönlichem Risiko vorgetragene Rede gibt jedoch an keiner Stelle der Verführung nach, Diskussionsbereitschaft und rhetorische Vernunft gegen das Wort der Macht oder den Zwang der internationalen Verpflichtung preiszugeben. Der Redner vertritt seine Politik in Argumentation, emotionaler Beteiligung und persönlicher Glaubwürdigkeit gleichermaßen überzeugend. Besonders eindringlich wirkt dabei, wie er seinen eigenen Denkprozess mit allen Zweifeln und inneren Anfechtungen thematisiert, seine ganze Biographie in die Waagschale wirft und sich durch keine Provokation aus dem dialogischen Konzept bringen lässt. Die sprachliche Kraft des Redners lässt kaum einmal nach, und mit welcher Sicherheit er die rhetorische Ausdrucksskala von drastischer Anschaulichkeit bis hin zu bewegendem Pathos beherrscht, darin kommt ihm in unserem politischen Leben zur Zeit niemand gleich.
Zukunftsweisend bekräftigt Joschka Fischer am Ende des Jahrtausends die Grundüberzeugung der klassischen Rhetorik von demokratischer Rede als der vermenschlichten Welt.
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