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Autor: Gleber, Peter.

Titel: „Civilisation Française“ und „Überlebensmittel“. Nachkriegskino in der Pfalz.

Quelle: Gerhard Nestler, Hannes Ziegler (Hg.): Zwischen Kriegsende und Wirtschaftswunder, Kaiserslautern 2004. S. 320-343.

Verlag: Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.



Peter Gleber

Civilisation Française“ und „Überlebensmittel“

Nachkriegskino in der Pfalz






„Die hott noch Kaade, die hott noch Kaade, warum gibt se se uns net,“ schallte es der Oggersheimer Kinobesitzerin Hedwig Doll zuweilen entgegen, wenn sie mehrmals täglich ihr „Lichtspielhaus am Schillerplatz“ wegen Überfüllung schließen mußte. „Bitte schön! Karten habe ich noch genug, aber’s ist doch kein Platz mehr!“ pflegte die resolute Jungunternehmerin den enttäuschten Filmfreunden zu entgegnen.1

Viele Pfälzer gingen, obgleich es in der französischen Zone am Nötigsten fehlte, ebenso gerne ins Kino wie die Bewohner der amerikanischen, britischen und sowjetischen Zone. „Das Bedürfnis nach Ablenkung und Unterhaltung, die Sehnsucht nach tröstenden Geschichten, die Vergewisserung, daß man zu den Davongekommenen zählt – all dies war schier übermächtig“2. Kino war als „Überlebensmittel“3 fast genauso wichtig wie Nahrung, Kleidung und Wohnung.

Seit über hundert Jahren gehören Film und Kino zu unserem Alltag. 1895 wurde die Projektionstechnik in Berlin und Paris erfunden. Elf Jahre später öffneten „Kinematographen-, Tonbild- und Lichtspieltheater“ in der Pfalz ihre Pforten. Zuerst eroberten sie das Publikum der größeren Städte Ludwigshafen, Speyer und Kaiserslautern, acht Jahre später erreichten sie auch Kusel.4 Kurz vor dem ersten Weltkrieg und in der Weimarer Zeit war die Pfalz Standort vieler kleinster Filmproduktionsstätten, wie beispielsweise die Oggersheimer „Stoebener Film“, die jedoch im Zuge von Inflation und Weltwirtschaftskrise alle wieder verschwanden.5 Aus solchen Werkstätten erwuchsen später berühmte Persönlichkeiten wie Hermann Basler und William (Wilhelm) Dieterle aus Ludwigshafen, Piel (Phil) Jutzi aus Altleiningen und Arnold Fanck aus Frankenthal. Dieterle machte später in Hollywood Karriere.6

Trotz dieser Vorgeschichte nimmt die unmittelbare Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in der pfälzischen Kinogeschichte eine Sonderstellung ein. Kaum eine Epoche ist spannender und weist mehr Besonderheiten auf als die ersten Nachkriegsjahre. Zwischen 1945 und 1948 war die Französische Zone ein abgeschottetes „Biotop“, in dem die Bürger weniger zu Essen hatten und zögerlicher ihre Häuser aufbauen konnten. Zugleich forcierten die Franzosen den Aufbau des Kultursektors als Umerziehungsmaßnahme für die Deutschen. Die Eingriffe der Besatzungsmacht lassen sich sowohl beim Wiederaufbau der Kinos als auch im Angebot der Spielfilme in den Lichtspielhäusern nachweisen.



Die Section Cinéma und der Neuaufbau der Filmwirtschaft in der französischen Zone

Die Alliierten hatten schon im Jahr 1944 mit dem Gesetz Nr. 191 den Deutschen das Herstellen, den Verleih und die Vorführung von Filmen unter Androhung der Todesstrafe verboten. Damit sollte eine kriegsverlängernde feindliche Agitation verhindert werden.7 Film und Kino waren somit den anderen Medien, beispielweise den Flugblättern, Zeitungen und Radiosendern gleichgestellt.

Vier Tage nach der deutschen Kapitulation lockerten die Siegermächte ihre Medienpolitik durch die Nachrichtenkontroll-Vorschrift Nr. 1.8 Danach wurde u.a. der „Vertrieb und die Vorführung gebilligter Filme, vorausgesetzt, daß ein Filmvorführungsschein jeder ausgegebenen und vorgeführten Filmkopie beigefügt ist, und daß die Filmvertriebsstelle von dem zuständigen Nachrichtendienstkontrollamt gebilligt ist“ erlaubt.

Durch die Lizenzierung war die rechtliche Basis für das Wiedererstehen der Film- und Kinowirtschaft geschaffen worden. Zunächst eigneten sich Wochenschauen im Nebenprogramm der Kinoveranstaltungen zur Aufklärung der Deutschen über die nationalsozialistischen Verbrechen. Zugleich stand das ehemals bedeutende Propagandainstrument von Josef Goebbels unter strengster Überwachung durch die Sieger.

Als die Franzosen im Sommer 1945 die gesamte Pfalz als Besatzungsgebiet übernahmen, ergänzten sie die bisherigen alliierten Bestimmungen. Sie ordneten die vollständige Erfassung aller Kinoapparate und die Ablieferung „von Filmen und zwar von Negativen und Positiven und belichteten und unbelichteten Filmen und von Filmkopien jeden Formats“ an.9

Das Vermögen der UFA-Film-GmbH (UFI), einem Großkonzern, in dem die Nationalsozialisten 1942 die gesamte Film- und große Teile der Kinowirtschaft vereint hatten, wurde von den jeweiligen Besatzungsmächten treuhänderisch verwaltet. In der Pfalz waren davon die ehemaligen UFA-Großkinos „Pfalzbau“ und „Rheingold“ in Ludwigshafen betroffen.10

Ebenso wie in der amerikanischen Zone wurde eine Verfügung „zur Verhinderung übermäßiger Machtanhäufung auf dem Gebiete der deutschen Filmindustrie“11 erlassen. Hintergrund war das Bestreben, jede Machtkonzentration innerhalb der deutschen Wirtschaft und damit jede Monopolbildung zu vermeiden. Unter anderem durfte ein Unternehmer in einem Land- oder Stadtkreis nur eine bestimmte Anzahl von Kinos besitzen, die sich nach der Einwohnerzahl richtete.12

In Baden-Baden, am Sitz der Besatzungsregierung, nahm die Nachrichtenkontrolle ihre Arbeit auf. Die zuständige Abteilung Kino (Section Cinéma) wurde von dem Besatzungsoffizier Marcel Colin-Reval geleitet, der zuvor in der französischen Filmwirtschaft tätig war. Die Behörde setzte die genannten Verbote durch und überwachte sie.

Aufgabe der Section Cinéma war die Wahrung der Interessen der Besatzungsmacht und die Nutzung des Kinos als Erziehungsinstrument. Die Verbreitung von NS-Ideologie und Militarismus sollten verhindert werden.13 Jeder Streifen, der in den Besatzungszonen produziert, verliehen oder vorgeführt wurde, mußte deshalb schriftlich durch einen einkopierten Filmvorführschein gebilligt sein. Dabei standen vor allem die fertigen oder halbfertigen NS-Produktionen auf dem Prüfstand.

Die Franzosen hatten nach dem Krieg ein Gebiet vorgefunden, „in dem es im Gegensatz zu anderen Zonen nur wenige Kopien, weder Ateliers, Kopieranstalten noch Verleihbetriebe gab.“14 Die deutsche Filmwirtschaft konzentrierte sich bisher vor allem in München und in den sowjetisch besetzten Bereichen Berlins. Unter der Leitung von Marcel Colin-Reval gab die Section Cinéma Impulse für den Aufbau der Verleih- und Produktionsgesellschaften.15 Denn dies war die Grundlage für die Erziehung der Deutschen im Kino durch die „Civilisation Française“. Im Unterschied zur britischen und amerikanischen Zone kam es hier im Verleihsektor relativ früh zu einer Privatisierung der Besatzungsmonopole, wenn auch französisches Kapital dominierte. Die gemeinsame Arbeit deutscher und französischer Filmleute führte zu einer weitgehenden Anpassung an die Struktur der Filmwirtschaft in Frankreich. Ein Teil der in der französischen Zone arbeitenden Unternehmen war zunächst in deutsch-französischem Besitz.16

Die Studios der Internationalen Filmunion (IFU)17 nahmen zunächst ihre Arbeit in Emmendingen und später in Remagen auf, die Firma „Blick in die Welt“ produzierte in Baden-Baden die gleichnamige Wochenschau. Für den Verleih zensierter deutscher Kopien wurde bereits 1945 die Rhein-Donau Gesellschaft gegründet.

Im November 1946 wurde für die Vermarktung französischer Filme die Internationale Filmallianz (IFA) gegründet. Neustadt an der Weinstraße wurde einziger pfälzischer Standort der Filmwirtschaft und Sitz der IFA-Niederlassung, die den nördlichen Teil der französischen Zone betreute. Die IFA nahm nicht nur im Verleihsektor der Besatzungszone eine beherrschende Stellung ein, als Treuhandstelle in der Sequesterverwaltung von Filmtheatern übernahm sie auch behördliche Aufgaben. Mehrheitlicher Kapitaleigner der IFA war mit 51 Prozent die Union Générale Cinématographique, Paris. Weitere 35 Prozent waren im Besitz der Rex-Film-Gesellschaft, Berlin, 14 Prozent hielt die Wochenschaugesellschaft „Blick in die Welt“, an der ebenfalls französisches Kapital beteiligt war. Generaldirektor der IFA war Marcel Colin-Reval. Als Colin-Reval 1949 die IFA in deutsche Verantwortung übergeben und den Verleih für andere ausländische und deutsche Filme öffnen wollte, konnte er sich nicht durchsetzen und trat zurück. Erst die Gründung der „Pallas-Filmverleih GmbH“ in Frankfurt am Main als Nachfolgegesellschaft der IFA ermöglichte eine Ausrichtung am deutschen Markt. Durch die IFA wurde Neustadt in das Scheinwerferlicht des Films gerückt und Brücke (...) über die die auf Zelluloid gebannten Werke des westlichen Nachbarn auf den deutschen Markt gelangten.“18 Zur gleichen Branche gehörte die in der Neustadter Friedrichstraße gegründete „Prisma-Filmverleih-Gesellschaft“.19 Deren Geschäftsführer, Josef Kanngießer war bereits vor dem Krieg als Verleihvertreter bei der Deutschland-Film in Frankfurt am Main tätig und kam nach dem Krieg über die „Rhein-Donau-Film“ zur IFA.20

In Neustadt, das in der Besatzungszeit nach Baden-Baden zum wichtigsten Handelsplatz französischer Filme in Deutschland avancierte, fanden vom 21. bis 26.September 1948 die „Film-Festtage“ statt, d.h. dort trafen sich Repräsentanten der drei Besatzungsmächte, Verleiher, Filmproduzenten und Theaterbesitzer zu einer Tagung. Besonderen Glanz verliehen der Veranstaltung zahlreiche französische, österreichische und deutsche Filmstars, darunter Jean Marais und Marika Rökk. Die drei Neustadter Filmtheater Palast, Metropol und Saalbau präsentierten eine Reihe neuer Produktionen, darunter sechs französische, zwei deutsche und einen österreichischen Film. Mit Werken von Jean-Paul Sartre und Jean Cocteau präsentierten die Franzosen künstlerische Eigenwilligkeit und hohe Qualität. „Der himmlische Walzer“, der österreichische Beitrag war ein komödiantischer Musikfilm. Die beiden deutschen Filme thematisierten als Drama (Finale) bzw. heiter-ironisch (Film ohne Titel) die Beschwernisse der Trümmerzeit.

Drei Jahre nach Kriegsende war das Rahmenprogramm der Festspiele, das u.a. eine Fahrt zum Volksfest nach Deidesheim und eine Besichtigung von Bad Dürkheim umfaßte, auch für die große Schar bekannter Schauspieler eine willkommene Abwechslung. Höhepunkt war ein großer Ball im Saalbau des im Kriege kaum zerstörten Neustadt.

Um die Bedeutung von Film und Kino zu unterstreichen, veranstalteten die Franzosen zur gleichen Zeit in der Stadt an der Haardt die erste Internationale Kinotechnische Ausstellung. In den Räumen einer „Töchterschule“ bot die neueste französische Projektions- und Sicherheitstechnik, aber auch einzelne deutsche Geräte, wie zum Beispiel ein Kofferprojektor der Jenaer Firma Zeiß den Besuchern „eine Fülle von Anregungen und Eindrücken.“21



Die Wiedererrichtung der pfälzischen Kinotheater

Obgleich Film und Kino zu den von der französischen Besatzungsregierung geförderten Bereichen gehörten, unterlagen die vorwiegend mittelständisch geführten Lichtspielunternehmen nach 1945 der eingehenden Kontrolle der Militärbürokratie. So galt für alle in diesem Bereich tätigen Personen die Registrierungspflicht. Dabei mußten sie den Fragebogen der Militärregierung und ein Registrierungsformular ausfüllen. Im Unterschied zum Lizenzierungsverfahren in der Verleih- und Produktionsbranche, das von der Section Cinéma in Baden-Baden ausgeführt wurde, war für die pfälzischen Kinos die nachgeordnete Section Cinéma in Neustadt an der Weinstraße zuständig. Da der umfassende Kontrollanspruch der Besatzungsbehörde jedoch an den pragmatischen Erfordernissen der Kinowirtschaft scheiterte, konnten teilweise vor Ort unzerstörte Kinos kontinuierlich weiterbetrieben werden, sofern ihre Inhaber nicht durch Aktivitäten im Dienste des nationalsozialistischen Unrechtssystems belastet waren. Das war beispielsweise in Speyer der Fall.22 In Ludwigshafen, wo alle Lichtspieltheater zerstört waren, kam es dagegen zu umfangreichen und zeitraubenden Neugenehmigungsverfahren.23

Die Anträge für die Neuzulassung mußten bei Landratsämtern oder Polizeidirektionen eingereicht werden. Voraussetzung für die Bearbeitung war die Vorlage der folgenden Unterlagen in doppelter Ausfertigung.24

  1. Gutachtliche Stellungnahme des Bürgermeisters, Landrats bzw. der Polizeidirektion

  2. Gutachten des zuständigen Wirtschaftsverbandes der Filmtheater

  3. Befähigungsnachweis und Bescheinigung über die wirtschaftlichen Verhältnisse des Antragstellers durch die Industrie- und Handelskammer

  4. Bau- und Einrichtungsplan des Kinos

  5. Personalfragebogen und Entnazifizierungsbescheid des zukünftigen Betreibers

  6. Pachtvertrag für den Saal

  7. Stellungnahme zu Bau und Einrichtung durch den Technischen Überwachungsverein

  8. Bescheinigung über Herkunft (Kaufvertrag o.ä.) der Vorführmaschinen.

Auch wenn das Lichtspieltheater in alter Regie weiterlief, mußten die Betreiber eine Registrierung und eine Genehmigung des Spielbetriebs beantragen. Dies wurde dem Pächter eines Speyerer Kinos zum Verhängnis. Nach Prüfung des Fragebogens durch die Zentrale Säuberungskommission (ZSK) in Neustadt am 27. April 1946 wurde er als politisch belastet befunden. In einem Schreiben der Abteilung Wirtschaft, Handel und Verkehr des Oberregierungspräsidiums Hessen-Pfalz vom 24. Juli 1946 an den Speyerer Oberbürgermeister Hettinger wurde der Kinobesitzer zur Zahlung eines Sühnebetrages an den Wiedergutmachungsfonds der Behörde verpflichtet. Gleichzeitig sollte, so der zuständige Präsidialdirektor, „die Leitung des Kinotheaters (...) in andere Hände überführt werden. Der Einfachheit halber bitten wir zunächst (...) [einen] kommissarischen Leiter einzusetzen und können dann alle notwendigen Verhandlungen in Ruhe erledigt werden.“25 Der betroffene Eigner war nach eigenen Angaben seit 1933 oder 1934 Parteigenosse gewesen, jedoch ohne eine aktive Rolle gespielt zu haben. Oberbürgermeister Hettinger erklärte dazu gegenüber dem Regierungsoberpräsidium, der Betroffene habe sich in 34 Jahren bedeutsame Verdienste um das Lichtspielwesen erworben. Er bezweifelte zudem die Rechtmäßigkeit und die Mittel der politischen Säuberung: Das Vermögen des Kinobetreibers dürfe nicht einfach enteignet werden, sondern müsse treuhänderisch verwaltet werden, bis die Sache geklärt sei. „Ich halte mich deshalb nach wie vor nicht für befugt (...) [einen] kommissarischen Leiter einzusetzen, weil ich in einer derartigen Handhabung einen ungesetzlichen Eingriff in die Vermögenswerte des Betroffenen erblicke.“26 Wie der Fall weiterging, ist aus den Akten nicht zu erkennen, weil es möglich war, die Entscheidung der ZSK anzufechten. Da die Entnazifizierungsentscheidungen mit zunehmendem Abstand vom Kriegsende immer milder ausfielen,27 und ein Besitzerwechsel nie aktenkundig wurde, scheinen die Säuberungsmaßnahmen auch in diesem Fall ohne Ergebnis geblieben zu sein.

Bis 1949 war die französische Militärbürokratie auch zuständig für den Betrieb von Lichtspieltheatern. Erst 1950 ging die Zuständigkeit auf deutsche Behörden über.

Kino wurde in der Nachkriegszeit schnell zu einem populären Zeitvertreib und zur Therapie für vom Krieg hinterlassene seelische Wunden. In der französischen Zone war die Ausgangslage bei der Kinoversorgung deutlich schlechter als in den anderen Zonen, wie der Filmoffizier Colin-Reval zu berichten wußte: „Über 100 Filmtheater mußten [1945] neu oder zum Teil neu wieder aufgebaut werden. Auf Betreiben der Section Cinéma wurden die damals noch sehr knappen dazu benötigten Materialien freigegeben und über 20 Brocklin-MIP-Maschinen aus Frankreich nach Deutschland gebracht.“28 Bereits 1946, ein Jahr später, existierten in der französischen Zone 440 Kinos29 – mehr als das Vierfache wie im Kapitulationsjahr. Damit war die Zone bei etwa 13 Prozent der Einwohnerschaft und 20 Prozent der Kinos deutlich besser ausgestattet als das übrige Westdeutschland.30 Das beweist auch die Entwicklung des Lichtspielwesens in einigen Städten im nördlichen Teil der französischen Zone.31 Im von Frankreich beherrschten Raum sind, ähnlich wie überall in Westdeutschland, die Besucherzahlen seit 1946 kontinuierlich angestiegen. Eine Ausnahme bildete das Jahr 1948, als die Deutsche Mark eingeführt wurde und die Menschen mit dem neuen wertvollen Geld sparsamer umgingen.32 Der durchschnittliche Eintrittspreis für eine Filmvorführung hatte vor dem Krieg 86 Pfennige betragen, er stieg bis 1947 auf über eine (Reichs-)Mark. In der unmittelbaren Nachkriegszeit ließen sich viele Kinobesitzer wegen Geldentwertung und akutem Brennstoffmangel mit Holz und Briketts bezahlen. Nach der Währungsreform pendelte sich der Eintrittspreis wieder beim Vorkriegsniveau ein. Das führte dazu, daß die Bruttoeinnahmen der Filmtheater stiegen. Unter der Besatzungsherrschaft lag die effektive Vergnügungssteuerbelastung mit etwa 25 Prozent ungewöhnlich hoch.33 Die französische Militärregierung betrachtete sie als willkommenes Instrument, um durch Steuererleichterung oder gänzliche Befreiung französischer Filme die eigenen kulturellen, geistigen und politischen Maßstäbe durchzusetzen.

Die Zerstörung der Kinos ließ die zukünftigen Kinobetreiber nach geeigneten Räumlichkeiten Ausschau halten. Unzerstörte Säle waren jedoch in der Nachkriegszeit begehrte Objekte, was einen Ludwigshafener Hausbesitzer letztendlich dazu bewog, „seinen Saal, an dessen Erhaltung als Versammlungsraum die Parteien, Vereine, Tanzinstitute u.a. interessiert sind, schon deswegen nicht für den Ausbau als Lichtspieltheater zur Verfügung stellen, weil sich die Interessenten von der Beschaffung der Baumaterialien zu Dacheindeckung und Saalinstandsetzung stark bemüht haben.“34

Auch das Fehlen von Vorführmaschinen machte den Besitzern der Lichtspieltheater zu schaffen. Zwar konnten glückliche und geschickte Kinobesitzer ihre wertvollen Objekte oftmals in Sicherheit bringen, sie mußten aber permanent mit Beschlagnahme rechnen, wenn sie die Geräte veräußern oder im neueröffneten Kino einsetzen wollten.35 Die Ludwigshafener Kinobesitzerin Ida Mücklich hatte 1944 die erforderlichen Vorführapparate nach Mannheim-Friedrichsfeld ausgelagert, weil ihr Theater zerstört war. Da Mannheim in der amerikanischen Zone lag, mußte die Besitzerin bei der Militärregierung in Neustadt einen Antrag zur „Heimholung der ausgelagerten Filmgeräte“ stellen. Dafür brauchte sie wiederum eine Bestätigung über die Zerstörung des Friesenheimer Kinos.36 Als die Gefahr einer französischen Beschlagnahme gebannt war, galt es für Ida Mücklich, das Raumproblem zu lösen. Hier kam ihr die katholische Kirchengemeinde Sankt Gallus zu Hilfe und stellte den Gemeindesaal zur Verfügung.

Stand ein Saal zur Verfügung, so waren die Probleme keinesfalls ausgestanden. „Der Ausbau war schwierig“, wie der Zweibrücker Unternehmer Karl Becker zu berichten wußte: „Es war fast kein Material zu bekommen. Die Stützsäulen goß mir die Firma Buchheit, Stühle erhielt ich aus Rinnthal und eine Sägemehlofen konnte ich unter der Hand auftreiben.“37

Doch selbst wenn das Lichtspielhaus bereits in Betrieb war, mangelte es oftmals an grundlegenden Vorrichtungen. Ein Speyerer Kinobesitzer wandte sich in seiner Not mit aller Diplomatie an die zuständigen Behörden, als nach einer Sicherheitsüberprüfung der Kreisbrandinspektion Glühbirnen, Feuerlöschvorrichtungen oder feuerbeständige Türen fehlten: „Als Behörde haben Sie bestimmt die Autorität und Verbindung, die fehlenden Gegenstände zu besorgen. Deshalb dürfen wir Sie vielleicht bitten, die Beleuchtungskörper für uns zu kaufen.“38

Einige betriebsfähige Kinos oder einzelne Logenplätze wurden von der französischen Besatzungsverwaltung reserviert und für die Truppenbetreuung der Streitkräfte verwendet. Hier führte arrogante Besatzungswillkür mitunter zu Spannungen und Konflikten. Die Oggersheimer Kinobesitzerin Hedwig Doll mußte sogar zeitweise ins Gefängnis, weil sie es gewagt hatte, die oft ungenutzen Plätze an das schlangestehende deutsche Publikum zu vergeben.39 In Speyer wurde das „Alhambra“ zur Hauptvorführzeit für Franzosen reserviert. Deutsche Filmfreunde durften erst in die Spätvorstellungen, so daß sie gegen zweiundzwanzig Uhr in Warteschlangen am Kinoeingang den heimkehrenden Soldatenfamilien Spalier stehen mußten.40

Es waren oftmals Frauen, die die Schwierigkeiten der Nachkriegszeit meistern mußten. Das gängige Bild der „steineklopfenden Trümmerfrau” hatte auch beim Aufbau von Lichtspieltheatern reale Bezüge: War „Frau Theaterbesitzer“ vor dem Kriege eine Seltenheit, so dominierten Frauen nach 1945 als Besitzerinnen der privaten Kleinkinos. Die Fachpresse41 erklärte das Phänomen folgendermaßen: „Viele Frauen führen heute die Betriebe für ihre gefallenen oder nicht heimgekehrten Männer.“ Daß Frauen in der Männerdomäne der Filmtheaterwirtschaft keine Probleme hatten, wurde auch damals schon anerkennend festgestellt: „Die meisten Theaterbesitzerinnen sind vorsichtig, mißtrauisch und völlig illusionslos. In ihren geräumigen Handtaschen liegt neben der Puderdose das Dispositionsbuch, in dem Prozentsätze und Einnahmen fein säuberlich vermerkt sind.“



Lichtspieltheater in den pfälzischen Städten 1945-1949 – Bruch und Kontinuität

Überblickt man den Wiederaufbau des Lichtspielwesens in einigen Städten der Pfalz, so fallen zwei verschiedene Grundmuster auf: In vielen Städten war die Kinoszene durch den Krieg kaum in Mitleidenschaft gezogen worden, in drei Städten kam es dagegen zu einem völligen Neuaufbau des Lichtspielwesens.

In Speyer42 war kein Umbruch der Kinolandschaft zu spüren. Das dreihundert Sitzplätze fassende „Palast-Theater“ in der Karmeliterstraße und das ähnlich große „Alhambra-Kino“ in der kleinen Himmelsgasse waren im Krieg unversehrt geblieben. Somit konnten nahezu übergangslos Filme gezeigt werden, wenngleich die Hauptvorführzeit des „Alhambra“ den Angehörigen der Besatzungsmacht vorbehalten war. Mit den beiden Häusern war die Stadt Speyer offensichtlich nicht zufrieden. „Das einzige, was die Speyerer Kinos mit guten Kinos gemeinsam haben, wird wohl sein, daß es in ihnen auch dunkel ist“,43 lautete ein Bericht des zuständigen Stadtbauamtes. Am 29. Oktober 1950 erweiterte sich das Sitzplatzangebot um 300 Plätze, als in der Großen Greifengasse die „Kammer-Lichtspiele“ ihre Pforten öffneten.

Die beiden ortsfesten Vorführstätten Kaiserslauterns44, die bereits zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts gegründet worden waren, hatten den Krieg unbeschadet überstanden.45 Regelmäßige Filmvorstellungen sind im „Central“ und im „Union“ seit dem 1. September 1945 nachweisbar. Mitte Oktober ging das „Capitol“ in Betrieb. Dort fanden auch Theater- und Musikveranstaltungen statt. 1949 fanden 556.000 Besucher in den Kinotheatern der Westpfalzmetropole Unterhaltung. Den Einwohnern Kaiserslauterns standen Mitte 1950 1485 Sitzplätze zur Verfügung, auf 1000 Einwohner kamen 25 Sitzplätze.

Ebenso wie in Speyer und Kaiserslautern knüpften die Kinos in Neustadt an der Weinstraße46 an die Vorkriegszeit an. Die 1930 in einem Anbau des Saalbaus eröffneten gleichnamigen Lichtspiele überdauerten den Krieg ebenso unbeschadet wie die beiden vor dem Ersten Weltkrieg in der Friedrichstraße eröffneten Kinotheater „Palast“ und „Metropol“. Bis zur Eröffnung des „Roxy“ im Jahre 1956 versorgten die drei von Jakob Simon betriebenen Theater die Bezirkshauptstadt.

Im bereits vor 1945 bestehenden „Corona-Theater“ in Landau47 wurden auch in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre wieder Filme gespielt. Wenige Jahre später führte das „Tivoli-Theater“ die Tradition des bereits vor dem Krieg in der Königstraße bestehenden „Casino-Theaters“ fort. 1953 eröffnete Frau K. Blumenfeld, die bereits das „Corona-Theater“ und das Speyerer „Palast-Theater“ besaß, die „Gloria-Lichtspiele“ mit 700 Sitzplätzen in der Industriestraße der Südpfalzmetropole.48

In Pirmasens49 eröffnete Heinrich Ohr in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre das „Walhalla-Theater“, eines der beiden vor dem Krieg bestehenden Kinos. Der in der Landauer Straße residierenden Einrichtung folgten am 1. September 1950 die „Park-Lichtspiele“ als zweite Vorführungsstätte. Der rund 600 Besucher fassende Raum wurde in der Gärtnerstraße neu errichtet. An gleicher Stelle befand sich vor dem Krieg eine Konzerthalle, in der bereits seit 1907 Filme vorgeführt worden waren.

Auch in der südpfälzischen Kleinstadt Germersheim50 hatten die im ersten Jahrzehnt des zwanzigsten Jahrhunderts in der Sandstraße gegründeten „Zentral-Lichtspiele“ die Kriegszeit unbeschadet überstanden und waren bis in die sechziger Jahre das einzige Kino der Stadt.

Anders als in den vorgenannten Städten kam es in Ludwigshafen51 zu einem Umbruch des Lichtspielwesens. In der größten Stadt der französischen Zone hatte das ehemalige UFA-Theater „Rheingold“ als einziger Kinosaal die völlige Zerstörung der Kernstadt überlebt. Noch 1945 begann dort wieder ein unregelmäßiger Betrieb. Trotz der katastophalen Wohn- und Ernährungssituation strömten wieder Menschen in die Industriemetromole, die bereits 1946 mit über 100.000 Einwohner einzige Großstadt der französischen Zone wurde.52 Im schwer zerstörten und übervölkerten Ludwigshafen fehlte es an unversehrten Sälen, an Baumaterial, Einrichtungsgegenständen und nicht zuletzt an Vorführgeräten. Das traditionsreiche, älteste Kino der Stadt, das bis 1943 in der Ludwigstraße bestehende „Union-Filmtheater“, wurde aufgrund dieser schwierigen Verhältnisse erst zehn Jahre später an gleicher Stelle wieder aufgebaut.53 Deshalb mußten die Ludwigshafener jedoch nicht viel länger auf Filmvorführungen warten als andere Pfälzer. Denn anders als in den übrigen Städten der Pfalz, wo Privatinitiative gefragt war, engagierte sich hier die Militärregierung beim Aufbau der ersten Kinos. Die erste Dauereinrichtung war das „Pfalzbau-Theater“. Dieses Großkino lag zentral in der Ludwigshafener Innenstadt am Brückenkopf nach Mannheim. Im Zweiten Weltkrieg wurde die 1928 erbaute, zum ehemaligen UFA-Konzern gehörende größte Filmvorführstätte der Region mit 1374 Sitzen schwer beschädigt. Die bei der Besatzungsbehörde angesiedelte UFA-Treuhandverwaltung stellte ein Kino mittlerer Größe in einem ehemaligen Garderobenraum her, so daß der „Pfalzbau“ bereits am 29. September 1945 wiedereröffnet werden konnte.54 Die besondere Unterstützung der Militärregierung zeigt sich daran, daß es weitere neun Monate dauerte, bis private Unternehmer die bereits geschilderten typischen Nachkriegshürden bei der Einrichtung eines Lichtspieltheaters überwinden konnten.

Erst am 14. Juni 1946 eröffnete Hedwig Doll mit dem „Lichtspielhaus am Schillerplatz“ das zweite Ludwigshafener Kino im etwa acht Kilometer von der Innenstadt entfernten Vorort Oggersheim. Bereits seit den dreißiger Jahren hatte sich hier das „Tonbild-Theater“ eingemietet, bis das Gebäude im Krieg schwer zerstört worden war. Das Oggersheimer „Tonbild“, das Vorgängerunternehmen des „Lichtspielhauses am Schillerplatz“, fand noch 1946 eine notdürftige Bleibe im Saal der Gaststätte „Wittelsbacher Hof“, der regelmäßige Spielbetrieb lief jedoch sofort an.

Als zweites innenstädtisches Großkino nahm das „Rheingold“-Theater im Hemshof seinen regulären Spielbetrieb auf. Das wie der „Pfalzbau“ im Herbst 1928 eingerichtete Kino war erst seit 1935 „UFA-Palast“ und bot Platz für 1200 Zuschauer. Noch 1945 lief ein unregelmäßiger Spielbetrieb wieder an. Zunächst mußten sich die Filmvorführungen den Saal mit anderen Veranstaltungen teilen. Sogar Theatervorstellungen - beispielsweise „Die Fliegen“ von Jean-Paul Sartre - fanden hier statt. 1946 half das Ludwigshafener Chemieunternehmen BASF mit einer finanziellen Zuwendung, dem Saal wieder ein nobles Ambiente zu verleihen: „Mit der Erwartung, daß mit der Errichtung dieser Heimstätte der Kultur viele Tausende unserer Bürger frohe Entspannung und Erholung finden mögen, um dann mit frischem Mut zum Alltagsschaffen zurückzukehren“ wurde am 2. Juli 1946 die Wiedereröffnung gefeiert. Mit dem „Pfalzbau“ und dem „Rheingold“ hatte die UFA-Treuhand-Gesellschaft nun in der Ludwigshafener Innenstadt eine Monopolstellung. Angeboten wurden drei Vorstellungen am Tag und eine Nachtvorstellung mit eigenem Programm.

Die Situation des Ludwigshafener Lichtspielwesens änderte sich erst 1948, als sich die Zahl der Theater auf sechs erhöhte: „Skala“ nannte sich die ambulante Spielstätte, die am 8. Januar 1948 in der Goetheschule in Oppau eröffnet wurde. Im Unterschied zu den anderen Kinos gab es hier im Eröffnungsjahr noch kein Vollprogramm, erst 1949 begann ein regelmäßiger Spielbetrieb. In Friesenheim eröffnete Ida Mücklich am 17. April 1948 die „Metropol-Lichtspiele“. Sie war die Witwe eines bekannten Hemshöfer Kinobesitzers der Vorkriegszeit. Ihr kam die katholische Kirchengemeinde Sankt Gallus zu Hilfe und stellte den Gemeindesaal zur Verfügung.

Im Gründungsjahr der Bundesrepublik, 1949, erlebte die Kinolandschaft einen tiefgreifenden Wandel: Die Zahl der Spielstätten war auf zehn angewachsen. Alle Neueröffnungen fanden in den Vororten statt. In Rheingönheim, im Süden von Ludwigshafen, eröffnete am 10. Februar 1949 das „Capitol“ in der Hauptstraße 57. Dann ging alles Schlag auf Schlag. Am 17. Juni bekam die Gartenstadt ein Kino im Volkshaus, Weißdornhag 1. In der Mundenheimer Bahnhofstraße 36 eröffnete der Zweibrücker Kinounternehmer Jakob Schließmeyer am 30. Juli die „Kasino-Lichtspiele“. Der Kinosaal mit maximal 400 Sitzplätzen wurde im evangelischen Gemeindesaal eingerichtet. Am 15. Oktober nahm in der Mundenheimer Straße das „Raschig-Filmtheater“ seinen Betrieb im Veranstaltungssaal der gleichnamigen Chemiefirma auf.

Ähnlich wie in Ludwigshafen hatte auch in Frankenthal55 keines der zwei Lichtspielunternehmen den Krieg überlebt. Als letztes hatte das 1942 notdürftig hergerichtete „Filmtheater im Feierabendhaus“ zum Jahresende 1944 den Filmbetrieb wegen der Zunahme der alliierten Luftangriffe eingestellt. Der neue Betreiber Ernst Etzbach eröffnete es jedoch bereits am 23. Dezember 1945 wieder.

Ein zweites Kino, das 750 Besucher aufnehmen konnte, wurde zweieinhalb Jahre später in den Räumen der Lehrwerkstatt der Berufsschule in der Rosa-Luxemburg-Straße eingerichtet. Am 15. Mai startete Heinrich Obelode dort den Betrieb der „Capitol-Lichtspiele“. Damit standen den Freunden des Films insgesamt 1400 Sitzplätze zur Verfügung. Nach Presseberichten gingen die Frankenthaler in der Nachkriegszeit besonders „gerne ins Kino“.56 1948 gehörte die Stadt mit vierzehn Kinobesuchen pro Einwohner zur Spitzengruppe in den drei westlichen Besatzungszonen.

Auch in Zweibrücken57 kam es zu einem grundlegenden Neuanfang des Kinos. Am 7. Januar 1945 war im Rahmen eines amerikanischen Bombenangriffs das letzte betriebsbereite Theater, die Rathaus-Lichtspiele, zerstört worden. Nur der Vorführraum und die wertvollen Maschinen blieben heil. Mit diesem Material gründete der bereits oben erwähnte Jakob Schließmayer das „Central-Lichtspieltheater“. Der in Stambach (Kreis Zweibrücken) geborene Schließmayer hatte bereits während des Krieges im Raum Dresden ein Lichtspieltheater besessen und war damals mit 21 Jahren jüngster Betreiber Deutschlands. Am 10. März 1946 begann die Vorführung in der Turnhalle des Zweibrücker Mädchenlyzeums. Bereits am 1. Oktober des gleichen Jahres standen den Einwohnern der westpfälzischen Stadt die „Union-Lichtspiele“ im Saal Emmerich in Ixheim zur Verfügung. Betreiber war der Rundfunkmechaniker Fritz Reichardt, der bereits sechs Wochen später in Niederauerbach im Saal Schmideder das dritte Zweibrücker Nachkriegskino – das „Capitol“– einrichtete. Am 25. November 1949 eröffnete Familie Arens, die bereits vor dem Kriege ein gleichnamiges Kino besessen hatte, mit den Kammer-Lichtspielen den ersten Kinoneubau. Mit 1002 Sitzplätzen und modernster technischer Ausstattung hatte es Großstadtniveau und war nach dem Ludwigshafener „Rheingold“ das zweitgrößte Theater der Pfalz. Ende der vierziger Jahre gab es in der Stadt vier Kinos mit insgesamt 2200 Sitzplätzen bei einer Einwohnerzahl von etwa 25.000!

Kino war nach dem Krieg eine Vergnügungseinrichtung der Städte oder stadtnahen Gebiete. Erst zu Beginn der fünfziger Jahre drang das Kino verstärkt in die kleineren Gemeinden vor. So eröffneten beispielsweise 1953 in Mußbach, Hochspeyer, Roxheim, Weisenheim am Sand und Bruchmühlbach Lichtspielhäuser mit einem Fassungsvermögen von bis zu 300 Besuchern.58



Das Kinoprogramm: UFA-Komödien und französische Filmkunst

Die besatzungspolitischen Beschränkungen der Franzosen zwischen 1945 und der Bildung der Trizone 1948 lassen sich am besten durch einen Blick auf das zeitgenössische Kinoprogramm veranschaulichen. In welchen Ländern wurden die Filme hergestellt und welche Inhalte haben sie transportiert?

Die Palette der angebotenen Filme in den einzelnen Zonen unterschied sich vor allem hinsichtlich der Herstellerländer. Vergleicht man die Programme der in zwei verschiedenen Besatzungszonen liegenden Schwesterstädte Ludwigshafen und Mannheim59, so lassen sich viele, offensichtlich besatzungspolitisch motivierte Unterschiede feststellen.

Zwei Drittel der 1945 in Ludwigshafen gezeigten Filme waren deutsche Reprisen, d.h. sie waren vor Kriegsende in Deutschland produziert worden. Der Rest bestand aus französischen Streifen. Das Kinoprogramm im zur US-Zone gehörenden Mannheim beinhaltete nur amerikanische Produktionen. Hier wird die ökonomische Stärke der amerikanischen Filmwirtschaft sichtbar, die keine Synchronisationsprobleme kannte. Hinzu kam die anfänglich rigide Säuberungspolitik der amerikanischen Besatzungsbehörden. Alle deutschen Filme wurden zunächst aus dem Verleih genommen und einer umfassenden Zensur unterzogen. Weil Kopien fehlten konnte die Section Cinéma keine vergleichbare Menge französischer Filme anbieten, um die neueröffneten Kinos flächendeckend zu versorgen. Sie mußten vorläufig auf Reprisen aus Hitler-Deutschland zurückgreifen, um das Angebot in den wiedereröffneten Kinos zu sichern.

Der rasche Neuaufbau der Filmwirtschaft und der Druck der Behörden auf die Kinobesitzer führte in Ludwigshafen bereits 1946 zum Gleichstand zwischen deutschen Filmen und Produktionen aus dem Besatzungsland. In Mannheim entstand ein Jahr später ein ähnliches Angebotsmuster. Neben amerikanischen Filmen bestimmten dort die wieder zugelassenen deutschen Reprisen das Kinoprogramm.

Nach dem wirtschaftlichen Zusammenschluß der drei westlichen Zonen im Jahre 1948 und der Währungsreform kam es im Gründungsjahr der Bundesrepublik zu einer Angleichung des Filmangebots in den beiden Schwesterstädten. Insgesamt wurde das Spielfilmangebot sehr viel bunter als in den Vorjahren. In Ludwigshafen nahm die Bedeutung französischer Produktionen ab, in Mannheim verringerte sich das Gewicht der US-Filme. Es liegt die Vermutung nahe, daß die Politik der Besatzer zwischen 1945 und 1947, die jeweils aus dem eigenen Land kommenden Produktionen künstlich zu fördern, zu einer Übersättigung der Zuschauer geführt hatte. Die Währungsreform beeinflußte das Verhalten der Kinogänger, da sie nun mit der D-Mark sparsamer umgingen und sich beim Kinobesuch stärker als bisher von ihrem Interesse leiten ließen. Der trizonale Filmaustausch bedeutete zudem das Ende der Abgrenzungspolitik der Franzosen gegenüber der britisch-amerikanischen Bizone. Die Verleiher konnten fortan die pfälzischen Kinobesitzer mit einer breiten Palette internationaler Filme ausstatten. Das Interesse der pfälzischen Besucher am internationalen Filmangebot war da, nach einer langen Phase der Beschränkungen durch Nationalsozialismus und danach durch französische Besatzungsbehörden. Trotz der Internationalisierung des deutschen Filmangebotes seit 1949 war immer noch eine Dominanz deutscher Filme in Ludwigshafen und Mannheim festzustellen, mit zunehmender Tendenz zum deutschen Nachkriegsfilm. Dabei läßt sich, ebenso wie 1946-48 auch, ein Unterschied zwischen innerstädtischen Bereichen und Peripherien feststellen: In den Vorort-Kinos wurden deutsche Produktionen, davon besonders Reprisen, favorisiert. In den Innenstadtkinos wurden dagegen wesentlich mehr ausländische Filme gezeigt. Diese allgemeine Entwicklung wurde in Ludwigshafen vor allem 1946 durch die Intervention der Besatzungsbehörden verstärkt, die dort über die beiden treuhänderisch verwalteten UFA-Theater verfügten.

Vergleicht man die Entwicklung des Filmangebots in Ludwigshafen mit der in Kaiserslautern (1945-1947), so fällt auf, daß in Kaiserslautern wesentlich mehr deutsche Reprisen angeboten wurden und dafür weniger französische Filme60. Die Stärke deutscher Reprisen im Kapitulationsjahr und die grundsätzliche Bipolarität zwischen deutschen und französischen Filmen im Filmangebot in den Jahren 1946/47 ist jedoch auch in Kaiserslautern sichtbar. In Speyer läßt sich 1949/5061 eine Angebotsvielfalt feststellen, die der Situation in Ludwigshafen ähnlich ist.62 Beim dortigen, nach Produktionsländern geordneten Spielfilmangebot läßt sich die gleiche Rangfolge wie in Ludwigshafen feststellen. Auch bei der Untersuchung der Angebotspaletten in Kaiserslautern und in Speyer kann man Parallelen zu Ludwigshafen erkennen.

Insbesondere der Vergleich zwischen Ludwigshafen und Mannheim stellt klar: Außer der räumlichen Einbindung, der Sozialstruktur u.a. bestimmte vor allem die Zugehörigkeit zur einen oder anderen Besatzungszone das Spielfilmangebot verschiedener Städte zwischen 1945 und 1949. Mit Sicherheit lassen sich die drei herausgefilterten Phasen auch in anderen pfälzischen Städten beobachten. Der am Beispiel von Ludwigshafen festgestellte Angebotsunterschied zwischen Zentrum und Vororten zugunsten deutscher Produktionen läßt zudem auch Schlüsse auf den ländlichen Raum zu. Man kann davon ausgehen, daß Untersuchungen im überwiegend ländlichen und kleinstädtischen Bereich der französischen Zone eine noch eindeutigere Dominanz deutscher Filme ergeben hätte als bei den hier zugrundeliegenden Untersuchungen.63 Die Normalisierung des Filmangebotes 1949/50 beendete die Sonderstellung der französischen Zone. In den fünfziger Jahren gab es keine signifikanten Abweichungen des pfälzischen Kinoangebots von der allgemeinen Entwicklung in Deutschland.64 Deutsche und amerikanische Spielfilme beherrschten fortan gleichermaßen den Markt.65

Von 1945 bis 1950 bildeten deutsche Reprisen aus der Zeit vor der Kapitulation und Überläufer die größte Gruppe auf dem Spielplan der pfälzischen Kinos. Die Section Cinéma untersuchte zwar die UFA-Streifen auf NS-Propaganda, wurde jedoch selten fündig. Denn eindeutige Propaganda-Filme, wie „Hitlerjunge Quex“ (1933), „Jud Süß“ (1940) und der aufgrund des nahenden Zusammenbruchs nicht mehr verbreitete Durchhaltefilm „Kolberg“ (1945), stellten eine verschwindende Minderheit unter der riesigen Auswahl an NS-Filmen dar.

Die von Reichspropagandaminister Josef Goebbels vertretene Strategie der subtilen Beeinflussung hatte auf die technisch bewährte und weltberühmte UFA-Qualität gesetzt und das Unterhaltungsbedürfnis der Kinobesucher ausgenutzt. Zugleich beinhalteten die UFA-Streifen subtile allgemein akzeptierte, konservativ-autoritär getönte Normen und Werte, zu deren Kanon es gehörte, „Politik“ erst gar nicht zu thematisieren. „Quax, der Bruchpilot“, ein 1943 uraufgeführtes Lustspiel mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle, ermöglichte der Bevölkerung ein Ausbrechen aus dem Bombenalltag und stärkte zugleich deren Durchhaltevermögen.

Die gleichen Gründe führten diese Filme in der Nachkriegszeit zum Erfolg: Die Menschen der Trümmerzeit vergaßen den grauen, deprimierenden und von Not geprägten Alltag, wenn sie die Stars der „guten, alten Ufa-Zeit“ wiedersahen. Die französische Besatzungsmacht mußte diese Filme zunächst mangels eigener Alternativen akzeptieren, was für sie keineswegs unerwünschte Folgen hatte: Komödien rissen die Nachkriegsdeutschen aus der Lethargie und förderten ihren Aufbauwillen. Im Gegensatz zu den deutschen Reprisen bestach das Angebot an französischen Kriegsproduktionen nicht nur durch technische Qualität, sondern vor allem durch die anspruchsvollere Themenauswahl. Die französischen Filme im Verleih der IFA waren vor allem Krimis, Melodramen und Abenteuerfilme, genau die gleiche Sujets zeigten sich auch in den Programmen der Ludwigshafener Kinos.66

„Franzosen dichten Filme“ beschrieb es in der Nachkriegszeit der Filmexperte Johannes Eckardt: „Der französische Film hat (...) die Tradition seiner Romanciers fortgesetzt.“67 Die Qualität des französischen Films war in Deutschland unbestritten. Im Jahre 1948 wurde Marcel Carnés „Die Kinder des Olymp“ („Les enfants du paradis“, 1943-1945) in einer Umfrage bei den westdeutschen Kinotheaterbesitzern zum künstlerisch besten Film gekürt.

Von den deutschen Kinogängern wurden jedoch die Produktionen unserer westlichen Nachbarn nur zögerlich akzeptiert. Aufführungen von Filmen aus Frankreich waren meist nur spärlich besucht. Da die Kinos bei Vorführungen deutscher Streifen überfüllt waren, sich jedoch die Nachfrage nach französischen Produktionen beim deutschen Publikum in Grenzen hielt, mußte ihre Verbreitung gefördert werden. Bei der IFA galt 1946 die Regel, daß jeder Kinobesitzer, der einen deutschen Film ausleihen und vorführen wollte, auch eine französische Produktion zeigen mußte.68 Bei der Eröffnung des Oggersheimer „Lichtspielhauses am Schillerplatz“ im Juni 1946 war die Musikkomödie „Rosen in Tirol“ angekündigt. Der Film wurde 1940 in Deutschland von Géza von Bolváry nach der Operette „Der Vogelhändler“ mit Johannes Heesters, Hans Moser und Theo Lingen inszeniert und hätte ein Kassenschlager werden können. Die zuständige Unterbehörde der Section Cinéma in Ludwigshafen ordnete jedoch die Aufführung des französischen Kriminalfilmes „Fallensteller“ („Pièges“, 1939) an. Die Zweibrücker „Zentral“-Lichtspiele mußten im März des gleichen Jahres ebenfalls mit einem französischen Film eröffnet werden.

Im Beiprogramm wiesen regelmäßig gezeigte Wochenschauen und allmählich auch Dokumentarstreifen auf die Verantwortung der Deutschen für die nationalsozialistische Gewaltherrschaft hin: Im April 1946 lief beispielsweise im Beiprogramm verschiedener Ludwigshafener Lichtspielhäuser der Dokumentarfilm „Todeslager“.69 Zwei Monate später ordneten der Zweibrücker Oberbürgermeister, der Landrat und die Antifaschistische Vereinigung den Besuch des KZ-Films „Die Lager des Grauens“ an, der für jeden Einwohner ab 16 Jahren Pflicht war.70 Die kostenlosen Vorstellungen im „Zentral“-Theater waren nach Stadtvierteln und den Namen der Zweibrücker Bürger organisiert. Wer nicht teilnahm, bekam keine neue Lebensmittelkarte. Im gleichen Theater lief am 25. Oktober 1946 der Dokumentarfilm „Nürnberger Prozeß“.71 Auf Betreiben der Direction de l’information wurde ein Jahr später in der gesamten französischen Zone der Umerziehungsstreifen „Un an après“ gezeigt. Er führte den Besiegten die moralischen und materiellen Folgen ihrer totalen Niederlage vor. Doch zur schonungslosen Bilanz waren die Besiegten noch nicht in der Lage, die deutschen Kinobesucher reagierten teilweise mit Ablehnung.72 Obwohl die französischen Besatzer erst 1946 mit der Aufarbeitung der Vergangenheit mittels des Mediums Kino begannen, taten sie dies umso nachhaltiger, als sich in der amerikanischen und britischen Zone bereits 1946/47 der Wille zu Umerziehung und Entnazifizierung durch den Film erschöpft hatte.

Der Film der unmittelbaren Nachkriegszeit wurde vor allem durch den Mangel an technischen Voraussetzungen, wie Rohfilm, Studios und Kamerawagen geprägt. Es mußte improvisiert werden. So entwickelte sich aus der Not heraus etwas Neues, das aber in filmischer Kontinuität zum Alten stand - der Trümmerfilm.73 Fast alle zwischen 1946 und 1950 gedrehten Filme zeichneten sich durch Zeitnähe aus, indem sie entweder den Nationalsozialismus oder die Gegenwart der Nachkriegszeit behandelten. Der erste deutsche Films „Die Mörder sind unter uns“ (1946) von Wolfgang Staudte entlarvt einen Nachkriegsfabrikbesitzer als Massenmörder, läßt aber offen, ob und wie er bestraft werden soll. Die Produktion der „Deutschen Film AG“, Ost-Berlin,wurde erstmals im Mai 1947 in Ludwigshafen aufgeführt, zwei Monate vor der Erstaufführung in den beiden anderen westlichen Besatzungszonen. Die nachfolgenden Trümmerfilme gehen weniger offen mit der deutschen Vergangenheit um als Staudte. Täter werden verdunkelt, entpersonifiziert, der Wirklichkeit entrückt, als das Böse schlechthin dargestellt. Die Streifen der unmittelbaren Nachkriegszeit beschränken sich meist auf die Bewältigung des privaten Schicksals Einzelner, wie „In jenen Tagen“ (1947), der erste Film von Helmut Käutner, beweist. Er bestärkte die Sicht vieler Deutscher von der Ohnmacht des Einzelnen gegenüber dem Nationalsozialismus. Obwohl der Trümmerfilm den Zuschauern nur ansatzweise die Beschäftigung mit der Vergangenheit abverlangte, war er nicht besonders populär, wie die Kinofachzeitschrift der französischen Zone zu berichten wußte: „‘Bloß nicht wieder Ruinen’ stöhnte das Publikum schon beim zweiten Nachkriegsfilm, denn es will Illusionen, es will die Wahrheit und die Folgen einer Entwicklung nicht länger sehen, als es dazu gezwungen ist.74 Viele deutsche Kinogänger flüchteten sich deshalb lieber zu den Überläufern oder sie begeisterten sich am neu aufkommenden Trivialfilmgenre. Der Heimatfilm „Schwarzwaldmädel“ mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack in den beiden Hauptrollen brach 1950 alle Zuschauerrekorde und zeigte damit den deutschen Filmemachern den Weg zum Erfolg. Der Trümmerfilm, dem man insgesamt gesehen künstlerische und inhaltliche Wagnisse nicht völlig absprechen kann, war nicht mehr gefragt.



Zusammenfassung

„(...) alles, was einst die poetische und soziale Größe des deutschen Films ausmachte, ist gewiß nicht völlig tot. Wenn das Leben in Freiheit wiederkehrt, findet auch die Kunst zu ihren Quellen zurück.“75 Dieser Satz des französischen Filmkritikers und Widerstandskämpfers gegen den Nationalsozialismus, Georges Altman, klingt wie ein Programm der franzosischen Besatzungspolitik, die sich deutlich von den Konzepten der anderen Siegermächte abhob. Während die sowjetische Besatzungsmacht Film in erster Linie als Propagandainstrument betrachtete, waren Amerikaner und Briten der Ansicht, der Spielfilm sei vor allem eine industriell hergestellte Ware.76 „Die Kulturpolitik in der französischen Zone war, insgesamt betrachtet, vor allem eine Politik der Besatzungsmacht. Ihr Ziel war eine geistige und damit auch eine politische Umgestaltung Deutschlands.“77 Die Franzosen perzipierten das Medium Film als kulturelles Erziehungsinstrument.

Bei Kriegsende gab es in der französischen Zone außer den größtenteils zerstörten Kinotheatern, keinerlei Grundlagen für Film und Kino. Innerhalb weniger Monate leistete die Section Cinéma Enormes, was auch in der Pfalz sichtbar wurde. Neustadt wurde als Sitz der Internationalen Film Allianz zur Drehscheibe im Filmhandel. Dort entstand auch die erste Verleihgesellschaft mit deutscher Beteiligung. In Ludwigshafen setzte die Militärregierung mit dem Wiederaufbau der beiden Großkinos Pfalzbau und Rheingold erste Akzente bei der Wiederbelebung des Lichtspielbetriebs. In den anderen Städten und Gemeinden der Pfalz mußten dagegen Privatleute, häufig unter abenteuerlichen Bedingungen und unter der Aufsicht der Besatzungsbürokratie, Pionierleistungen erbringen.

Im Programmangebot der pfälzischen Kinos spiegeln sich zwei widersprüchliche Zielvorgaben wider. Zum einen sollte das deutsche Kinopublikum durch ein französisches Filmangebot mit einer anspruchsvollen Themenpalette auf die künstlerische Qualität und damit auf die Überlegenheit der „civilisation française“ hingewiesen werden. Zum anderen machten es sich die Besatzungsbehörden zur Aufgabe, die zunehmend lethargisch-depressive Grundstimmung der Deutschen angesichts totaler Niederlage und Zerstörung zu bekämpfen. Wenn es sein mußte, sollten die Kinos den Zuschauern in der Pfalz qualitativ schlechtere und unterschwellig reaktionäre NS-Produktionen als „Überlebensmittel“ anbieten. Verständigung statt Konfrontation – das war zunehmend die Devise der Kulturpolitik der französischen Besatzungsregierung und die Voraussetzung für die Weiterentwicklung der deutsch-französischen Beziehungen.78 Angesichts der Funktion als „Seelentröster“, Nachrichtenübermittler (Wochenschauen) und als Erziehungs- und Propagandainstrument kann kaum bestritten werden, daß die pfälzischen Kinos in der Nachkriegszeit weit mehr als ein Wirtschaftsfaktor waren und eine wesentlich wichtigere Bedeutung als heute hatten.

Nach dem Zusammenschluß zur Trizone und der Gründung der Bundesrepublik endete der Sonderweg von Film und Kino im französischen Besatzungsgebiet und damit auch in der Pfalz. Die beiden Verleihfirmen verließen Neustadt und verlegten ihren Sitz nach Frankfurt am Main. Das pfälzische Kinopublikum orientierte sich am Geschmack der westdeutschen Metropolen. Französische Filme verloren dabei völlig an Bedeutung. Eine außergewöhnliche, durch die Besatzungspolitik herbeigeführte Entwicklung fand ein schnelles Ende.

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1Zeitzeugenbefragung v. 26.4.1994, abgedruckt bei Peter Gleber, Zwischen gestern und morgen. Film und Kino im Nachkriegsjahrzehnt, in: Auf der Suche nach neuer Identität. Kultur in Rheinland-Pfalz im Nachkriegsjahrzehnt, hrsg. v. Franz-Josef Heyen/Anton M. Keim, Mainz 1996, S. 451-520.

2Vgl. Karl Prümm, Ergebnisse, Tendenzen, Perspektiven. Zum Stand der regionalen Filmforschung, in: Joachim Steffen/Jens Thiele/Bernd Poch, Spurensuche. Film und Kino in der Region, Oldenburg 1993, S. 24.

3Vgl. Peter Gleber, Kino als Überlebensmittel. Anfänge und Bedeutung dieses Mediums in der französischen Zone unter besonderer Berücksichtigung der Großstadt Ludwigshafen am Rhein 1945-1949, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 145 (1997), S. 403-429.

4Theo Schwarzmüller, Prinzregentenzeit, in: ders./Michael Garthe, Die Pfalz im 20. Jahrhundert, Landau 1999, S. 15-37, hier S. 22f.

5Vgl. dazu: Peter Gleber: Hedwig Doll (1913-1999), in: Hedwig Brüchert (Bearb.), Rheinland-Pfälzerinnen. Frauen in Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur in den Anfangsjahren des Landes Rheinland-Pfalz, Mainz 2001, S. 102 ff.; Judith Ziegler-Schwaab, Wildwest am Rhein - Erinnerungen an das Pfälzer Hollywood, Maikammer 1995.

6Eine kleine Auswahl dazu: Hans Michael Bock/Wolfgang Jacobsen (Hg.): Phil Jutzi, Hamburg, Berlin 1993; Horst O. Hermanni, William Dieterle - vom Arbeiterbauernsohn zum Hollywood-Regisseur, London, Worms 1992; Marta Mierendorff, William Dieterle. Der Plutarch von Hollywood, Berlin 1993; Michael Wendel, Phil Jutzi. Wildwestklamotten und Proletendramen, Altleiningen 1996; Willi Breunig (Hrsg.), Der Sprung auf die Bühne. Die Jugend- und Theatererinnerungen des Schauspielers und Regisseurs William Dieterle, Ludwigshafen/Rhein 1998; Ders., Der Kampf um die Story. Die Hollywood- und Lebenserinnerungen des Schauspielers und Regisseurs William Dieterle, Ludwigshafen/Rhein 2001.

7Gesetz Nr. 191 v. 24.11.1944, abgedruckt in: Peter Pleyer, Deutscher Nachkriegsfilm 1946-1948, Münster 1965, S. 382 f.

8Nachrichtenkontrollvorschrift Nr. 1 v. 12.5.1945, Paragraph 2c, 3d und e, abgedruckt ebd., S. 383 f.

9Verordnungen Nr. 34 und 35, in: Journal Officiel. Amtsblatt des französischen Oberkommandos in Deutschland Nr. 16 v. 1.3.1946, S. 117 f.

10Vgl. hierzu Georg Roeber/Gerhard Jacoby, Handbuch der filmwirtschaftlichen Medienbereiche. Die wirtschaftlichen Erscheinungsformen des Films auf den Gebieten der Unterhaltung, der Werbung, der Bildung und des Fernsehens, München 1973, S. 102.

11Verfügung 134, in: Journal Officiel, Nr. 293/294 v. 5. und. 9.8.1949, S. 2098 ff.

12Vgl. Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 455.

13Vgl. Roeber/Jacoby (wie Anm. 10), S. 89 f.

14Die Filmwoche (identisch mit Neue Filmwoche bzw. ab Juni 1949 Illustrierte Filmwoche). Filmzeitschrift der franz. Zone (im folgenden IFW), 1948, Nr. 52, S. 561.

15Vgl. Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 460 ff.

16Vgl. Alexander Kohn-Brandenburg, Der Film in Vergangenheit und Gegenwart. Zur Entwicklung der Filmtechnik, in: Europa-Archiv 9 (1948), S. 1576.

17Vgl. Reinhard Lahr, Blick in die Welt. Die Film-Union in Remagen seit 1947, in: Ulrich Löber (Hrsg.), Odeon-Scala-Capitol, Koblenz 1995, S. 111 ff.

18IFW 1948, Nr. 40, S. 377.

19Vgl. hierzu Gewerbekartei, Stadt Neustadt, Ordnungsamt sowie IFW 1948, Nr. 43, S. 436; 1949, Nr. 37, S. 478; 1949, Nr. 44, S. 598 und Handelsregistereinträge in der Rheinpfalz v. 11.7.1950, 1.9.1954, 7.2.1956.

20IFW 1949, Nr. 37, S. 478.

21Ebd., 1948, Nr. 40, S. 378.

22Birgit Hoffmann/Hartmut Schäfer/Rüdiger Schwinke, Kino in Speyer 1945-1950. Das Spielfilmangebot in der Nachkriegszeit, unveröffentlichter Projektbericht, Universität Mannheim 1989, S. 8.

23Stadtarchiv Ludwigshafen, Best. ZR I, Nr. 2462: Betrieb von Lichtspieltheatern.

24Landesarchiv Speyer (im folgenden LA Sp), Best. H 13, Nr. 138: Rundschreiben der Provinzialregierung Pfalz v. 10.1.1949.

25Stadtarchiv Speyer, Best. VIII, C4b.

26Ebd., Bericht v. 25.8.1946.

27Vgl. Volker Rödel, Die Entnazifizierung im Nordteil der französischen Zone, in: Franz-Josef Heyen (Hrsg.), Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945-1951, Boppard 1984, S. 261-282, hier S. 278f.; Rainer Möhler, Entnazifizierung in Rheinland-Pfalz und im Saarland unter französischer Besatzung von 1945-1952, Mainz 1992.

28IFW 1948, Nr. 52, S. 561.

29Die Rheinpfalz v. 23.10.1946, S. 1.

30Vgl. Tabelle bei Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 470.

31Ebd., S. 470ff.

32Vgl. Johannes Hauser, Der Neuaufbau der westdeutschen Filmwirtschaft, Pfaffenweiler 1989, S. 373f.

33Angaben nach Roeber/Jacoby (wie Anm. 10), S. 333.

34StA Ludwigshafen, Best. ZR I, Nr. 2462: Lichtspiele Friesenheim.

35Vgl. Zeitzeugenbefragung des Autors mit Frau Hedwig Doll am 26.4.1994, StA Ludwigshafen, teilweise abgedruckt in: Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1),S. 492f.

36StA Ludwigshafen, Best. ZR I/2462: Lichtspiele Friesenheim, 11.3.1946.

37Helmut Lauer, “Das gab’s nur einmal...”. Eine Dokumentation zur Zweibrücker Kinogeschichte von 1901-1986, Zweibrücken 1986, S. 72.

38StA Speyer, Best. VIII/C4 (b): Überprüfung der Lichtspieltheater, 15.12.1947.

39Vgl. Zeitzeugenbefragung, in: Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 492.

40StA Speyer, Best. VIII/C4 (b); vgl. dazu auch Hoffmann/Schäfer/Schwinke (wie Anm. 22), S. 9.

41IFW 1949, Nr. 38, S. 494.

42Hoffmann/Schäfer/Schwinke (wie Anm. 22), S. 17, vgl auch Speyerer Tagespost v. 11./12.11.1995, S. 15.

43Hoffmann/Schäfer/Schwinke (wie Anm. 22), Titelblatt.

44Vgl. Detlef Kratz, Das Kino als Kulturfaktor. Das Beispiel Kaiserslautern, Magisterarbeit, Universität Mannheim 1989, S. 30.

45Ebd., S. 27ff.

46Vgl. Adressbuch für Stadt und Bezirksamt Neustadt/Weinstraße, Neustadt/Weinstraße 1938; Adressbuch Neustadt an der Haardt, Stadt- und Landkreis, Neustadt/Haardt 1950; Die Rheinpfalz (Mittelhaardter Rundschau) v. 12.6.1993.

47Adressbuch für Landau und die Südpfalz 1938, Landau 1938, S. 92; Adressbuch für Landau und die Südpfalz 1954, Landau 1954, S. 112.

48Vgl. IFW 1953, Nr. 47, S. 1050.

49Adressbuch der Stadt Pirmasens 1930/31, Pirmasens 1931, S. 226; Einwohnerbuch der Stadt Pirmasens 1948, Pirmasens 1948, Gewerbeverzeichnis S. 28; Adressbuch der Stadt Pirmasens 1951/52, Pirmasens 1952, Gewerbeverzeichnis S. 24; Parkkino Pirmasens, in: Leo 1997, Nr. 37, S. 8.

50Mit der Kinematographie an den Schauplätzen der Geschichte..., in: Die Rheinpfalz (Pfälzer Tageblatt) v. 14.9.1996.

51Vgl. Gleber, Überlebensmittel (wie Anm. 3), S. 412ff.

52Michael Erbe, La fin de guerrre et le renouveau. Ludwigshafen à ”la première heure”, in: Historiens & Géographes. Revue de l’Association des Professeurs d’Histoire et de Géographie 357 (1997), S. 350.

53Vgl. dazu IFW v. 21.11.1953, S. 1024.

54Die Rheinpfalz v. 3.10.1945; Ludwigshafener Wochenblatt v. 28.8.1996.

55Vgl. Wolfgang Bressler, 100 Jahre Kino. Die Frankenthaler Filmtheater und ihre Geschichte, Frankenthal 1996, S. 11ff.; Einwohnerbuch Frankenthal 1937, Frankenthal 1937, S. 332.

56Die Rheinpfalz v. 4.1.1950.

57Vgl. Lauer (wie Anm. 37), S. 68ff.

58IFW 1953, Nr. 4, S. 77 und Nr. 12, S. 246.

59Vgl. Stefan Berninger/Bernd Dieterle/Frank Dziersk/Michael Kremer/Peter Martin/Sigrid Rossteuscher/Martina Sauer/Claudia Scherer/Gerd Teynor/Claudia Wertheim, “... und das Leben geht weiter ...”. Kinotheater in Mannheim 1945-1949, unveröffentlichter Projektbericht, Universität Mannheim 1989; vgl. auch Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 495ff.

60Vgl. Kratz (wie Anm. 44), S. 58ff. und Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 495.

61Aufgrund mangelnder Quellenlage konnte die Arbeit von Hoffmann u.a. das Kinoangebot zwischen 1945 und 1948 nicht berücksichtigen: vgl. Hoffmann/Schäfer/Schwinke (wie Anm. 22), S. 20.

62Vgl. Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 495.

63Vgl. hierzu auch Martin Loiperdinger, Amerikanisierung im Kino? Hollywood und das westdeutsche Publikum der Fünfziger Jahre, in: Theaterzeitschrift. Beiträge zu Theater, Medien, Kulturpolitik 28 (1989), S. 54.

64Vgl. zur Entwicklung in den fünfziger Jahren in der Pfalz: Gleber, Nachkriegsjahrzehnt (wie Anm. 1), S. 500f.; Lauer (wie Anm. 37), S. 82ff.; Kratz (wie Anm. 44), S. 88ff.; Tobias Blatz/André Dinzler, Film und Kino im Jahre 1955, in: Kino in Ludwigshafen am Rhein. Eine Zusammenstellung des Kinospielplans anhand der empirischen Analyse der Tageszeitung “Die Rheinpfalz”, unveröffentlichter Projektbericht, Universität Mannheim 1997.

65Vgl. Filmblätter 1960, Nr. 52/53, abgedruckt in Loiperdinger (wie Anm. 63), S. 55.

66Gleber, Überlebensmittel (wie Anm. 1), S. 419ff.; IFW 1948, Nr. 42, S. 402ff.

67IWF 1949, Nr. 11, S.168.

68Lauer (wie Anm. 37), S. 72 u. 82.

69Unveröffentlichter Kino-Spielplan 1946 von Ludwigshafen, zusammengestellt von Karl-Friedrich Michel, im Besitz des Autors.

70Lauer (wie Anm. 37), S. 83.

71Ebd.

72Vgl. auch Angelika Ruge-Schatz, Grundprobleme der Kulturpolitik in der französischen Besatzungszone, in: Claus Scharf/Hans-Jürgen Schröder (Hrsg.), Die Deutschlandpolitik Frankreichs und die Französische Zone 1945-1949, Wiesbaden 1983, S. 91-110, hier S. 108.

73Zum Film in der Trümmerzeit vgl. Pleyer (wie Anm. 7), S. 51ff.; Friedrich P. Kahlenberg, Film, in: Wolfgang Benz (Hrsg.), Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur, Bd. 4 (Kultur), Frankfurt/Main 1989, S. 465ff., hier S. 467ff.; Hermann Glaser, Kleine Kulturgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945-1989, Bonn 1991, S. 119ff.; Klaus Kreimeier, Der westdeutsche Film in fünfziger Jahren, in: Dieter Bänsch (Hrsg.), Die fünfziger Jahre. Beiträge zu Politik und Kultur, Tübingen 1985, S. 283ff., S. 290ff.; Claudius Seidl, Die große Lüge. Das deutsche Kino im Jahre Null, in: Spiegel special (Die Deutschen nach der Stunde Null 1945-1948), 1995, Heft 4, S. 71ff.; Irmgard Wilharm, Die verdeckten Spuren des Kalten Krieges im deutschen Unterhaltungsfilm, in: Magazin, Deutsches Historisches Institut Berlin, 5 (1992), S. 193ff.

74IFW 1949, Nr. 22, S. 250.

75Georges Altmann, Der deutsche Film vor Hitler, in: Die Quelle. Zeitschrift für Theater, Musik, Film in der Französischen Zone, 2 (1947), S. 61.

76Vgl. Pleyer (wie Anm. 7), S. 37.

77Ruge-Schatz (wie Anm. 72), S. 110.

78Ebd.

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