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Autor: Hadamovsky, Eugen.
Titel: Der Wert der Unterhaltungssendungen.
Quelle: Konrad Dussel/Edgar Lersch (Hrsg.): Quellen zur Programmgeschichte des deutschen Hörfunks und Fernsehens (Quellensammlung zur Kulturgeschichte, Bd. 24). Göttingen/Zürich 1999. S. 131-133.
Verlag: Muster-Schmidt Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers.
Eugen Hadamovsky
Der Wert der Unterhaltungssendungen
(...) Wodurch zeichnet sich nun die nationalsozialistische Programmführung von der Programmführung des Systems aus? Nun eben durch die Führung! Anstelle der Planlosigkeit und des Durcheinanders von früher ist nunmehr ein großzügiger Programmplan getreten. Er berücksichtigt die zwei wesentlichen Grundlagen der Programmarbeit:
die Entspannung des Hörers durch leichte Unterhaltungssendungen in den dafür geeigneten Stunden und
die Pflicht zu künstlerischer und weltanschaulicher Aufbauarbeit im Geiste des Nationalsozialismus.
So werden wir einerseits den aktuellen Forderungen des Tages und dem Unterhaltungsbedürfnis der Hörerschaft und andererseits dem grundsätzlichen politischen Aufbauprogramm der Partei gerecht.
Sie als Träger der Propaganda für den Rundfunk müssen sich völlig darüber im klaren sein, daß die Meinung der Öffentlichkeit für gewöhnlich von den gerade vorherrschenden Tageseindrücken abhängt und müssen diesem Wechsel der Eindrücke gegenüber unverändert die Linie der propagandistischen und kulturpolitischen Aufbauarbeit innehalten.
Wenn wir aus gegebener Veranlassung heraus die Bedeutung der Unterhaltungssendungen einmal in der Öffentlichkeit betonen, dann meint alle Welt, wir wollten nun nichts mehr, als Unterhaltungsarbeit leisten, und sofort beginnen die Schöpfer rein künstlerischer Sendungen über die Vernachlässigung ihrer Interessen zu schreien, obgleich davon gar keine Rede ist.
Aber das Umgekehrte tritt ebenso ein. Wenn wir nämlich über ein künstlerisches und kulturpolitisches Aufbauprogramm sprechen, so wird sehr leicht im Volke der Eindruck erweckt werden, als wenn wir dann unsere Aufgabe der Unterhaltung und Entspannung weniger wichtig nähmen.
Das Eine wie das Andere ist töricht und falsch!
Die Reichssendeleitung arbeitet dank der jahrelangen Vorbereitung der Funkwarteorganisation1 und des Reichsverbandes Deutscher Rundfunkteilnehmer2 in so engem Kontakt mit der Partei und der Hörerschaft, daß die gleichmäßige und stetige Durchführung dieser beiden Aufgaben, die sich nur scheinbar widersprechen, vollkommen gesichert ist.
Wer von Ihnen etwa will denn kulturpolitische Erziehungsarbeit an beruflich ermüdeten und erholungsbedürfigen Menschen leisten? Die Volksgenossen, die von der Arbeit kommen, wollen erst wieder frisch und aufnahmefähig gemacht werden, dann erst kann überhaupt die zweite Aufgabe einsetzen.
Deshalb ist die Unterhaltungsarbeit des Rundfunks nicht etwa eine kulturpolitisch minderwertige, und das rufe ich insbesondere allen unseren Künstlern und Abteilungsleitern zu, die auf diesem Gebiet tätig sind, sondern sie ist im Gegenteil die notwendige Voraussetzung für die Durchführung der zweiten Aufgabe und steht wertmäßig gleichberechtigt neben ihr.
Des weiteren müssen wir, meine Funkwarte, uns auch vollkommen darüber klar sein, daß man zwar mit einer guten Unterhaltungsmusik sehr rasch die Herzen sehr vieler Hörer gewinnen kann, daß aber ernste weltanschauliche oder künstlerische Arbeit nun einmal auch vom Hörer großen Ernst und große Hingabe erfordert und deshalb erfolgreich erst in längeren Zeiträumen durchgesetzt werden kann.
Die nationalsozialistische Bewegung hat vierzehn Jahre gebraucht, um in alle Herzen die eine Idee einzuprägen: Alle politische Macht an Adolf Hitler! Glaubt man vielleicht, in vierzehn Monaten einen kulturpolitischen Neubau durchsetzen zu können? Er erfordert vielleicht ebensoviel Jahre, vielleicht aber sogar Generationen! Er setzt von uns dieselbe Leidenschaft des Kampfes voraus, dieselbe Fähigkeit des Willens, dieselbe Energie, unsere Idee durchsetzen, wie der politische Kampf.
Wer von Ihnen meine Funkwarte, will etwa auf kulturpolitischem Gebiet, nachdem er auf politischem gesiegt hat, sich den schwächlichen Geist der verfaulten alten Parteien zu eigen machen und sagen: Ja, aber eine schwere musikalische Sendung oder ein großes künstlerisches Hörwerk kann man nicht senden, denn das ist nicht populär! War vielleicht Adolf Hitler vor fünfzehn Jahren populär? War es populär, gegen den Dawes-Plan zu stimmen? War es populär, gegen den Young-Plan zu arbeiten? War es populär, gegen den Reichspräsidenten 1932 zum Wahlkampf anzutreten oder nach drei nicht zum Erfolge führenden Wahlkämpfen im November 1932 zu einem vierten aufzurufen?
Allein durch Festigkeit des Willens, Energie und Beharrlichkeit des Geistes werden wir, wie wir politisch unser Ziel erreichten, auch kulturpolitisch die Wiedergeburt des deutschen Volks durchführen können. Zu diesem Kampf, zu dieser Festigkeit, zu dieser Energie und Beharrlichkeit des Geistes und Willens rufe ich. Euch auf Ihr habt hier die Bahnbrecher unseres Kulturlebens zu sein!
Ich wende mich damit auch eindeutig gegen die Behauptung, wonach die Methoden politischer Aufbauarbeit und Propaganda auf kulturellem oder künstlerischem Gebiete nicht anwendbar wären. Die Grundsätze politischer und kultureller Aufbauarbeit sind nicht wesensverschieden, sondern im Kerne gleich. Aus der Kraft der Persönlichkeit entwickelt sich jede schöpferische Leistung. Für die Politik ist diese Auffassung heute bereits Allgemeingut des deutschen Volkes geworden, für das Kunst- und Kulturleben aber gilt das ebenso. Der Politiker Adolf Hitler hat das politische Gesicht Deutschlands aus der schöpferischen Kraft seiner Persönlichkeit heraus neugestaltet. Und auch in der Vergangenheit sind nicht Kunstformen aus Zeitumständen herausgewachsen, sondern vom Künstler geschaffen worden. Nicht das 19. Jahrhundert hat die Kunstform der Wagner'schen Musikdramen geschaffen, sondern Richard Wagner selbst als genialer Künstler ist der Schöpfer dieser Form. So ist es mit jeder großen Kunst- und Kulturleistung, und so sind Schulter an Schulter mit den nationalsozialistischen Politikern unsere zeitgenössischen Künstler die schöpferischen Träger unserer Kulturentwicklung, das heißt aber, daß der Kampf der Weltanschauung und das Ringen um die nationalsozialistische Idee nicht zu Ende ist, sondern weitergeht und wir als Träger und Vorkämpfer dabei in vorderster Front stehen.
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1Seit Anfang 1931 wurden von der NSDAP ,Gaufunkwarte’ berufen, um die Gaupropagandaleitungen zu unterstützen. Die Funkwarte sollten nach der Machtübernahme den Sendebetrieb übernehmen; bis dahin hatten sie Stimmung gegen den Rundfunk der Republik zu machen und Parteimitglieder zu werben.
2Am 12. August 1930 von DNVP und Stahlhelm gegründete Organisation, die im Winter 1931/32 nationalsozialistisch unterwandert wurde. Der Reichsverband wurde 1936 aufgelöst.