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Autor: Kruse, Otto.
Titel: Die erste wissenschaftliche Hausarbeit.
Quelle: Otto Kruse: Keine Angst vor dem leeren Blatt. Ohne Schreibblockaden durchs Studium. Kapitel 5. Frankfurt/Main, 9. Auflage 2002, 1993. S. 86-128.
Verlag: Campus Verlag GmbH.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Otto Kruse
Die erste wissenschaftliche Hausarbeit
Mit der ersten Hausarbeit beginnt Ihre Schreibkarriere an der Universität. Sie bekommen zum ersten Mal sozusagen ein »Werkstück« zur selbstständigen Bearbeitung in die Hand und werden aufgefordert, es in der wissenschaftsüblichen Manier fertig zu stellen. Leider bekommen Sie dabei wenig Anleitung im Gebrauch der einzelnen »Werkzeuge«, die Sie einsetzen müssen. Auch wird Ihnen wenig darüber gesagt, wie das Produkt, das Sie herstellen sollen, eigentlich auszusehen hat. Das fünfte Kapitel erläutert Ihnen Schritt für Schritt die wichtigsten Arbeitsschritte, mit denen Sie Ihr erstes Thema bearbeiten können, und stellt einige Formen (Textmuster) vor, die Ihre Hausarbeit annehmen kann.
Im Großen und Ganzen entspricht das Vorgehen beim Schreiben der ersten Hausarbeit (bei den weiteren ist es nicht anders) dem folgenden Dreischritt:
Sich mit einem wissenschaftlichen Gegenstand oder Thema vertraut machen,
die gefundenen Erkenntnisse entsprechend der Aufgabenstellung strukturieren und
sie dann versprachlichen und in eine akzeptable Form bringen.
Entsprechend diesem Dreischritt lassen sich auch die »Werkzeuge« grob klassifizieren: Es gibt Werkzeuge zum Orientieren und zum Auffinden von Informationen, Werkzeuge zum Verstehen und Strukturieren von Ideen und Werkzeuge zum Versprachlichen und zur Sprachgestaltung. Da die erste Hausarbeit fast immer aus Elementen gefertigt wird, die anderen wissenschaftlichen Texten entnommen sind, nehmen Lesen, Verstehen und Exzerpieren von Texten dabei einen großen Raum ein.
Jedes rein sequenzielle Schema zur Anleitung von Schreibprozessen ist natürlich eine Vereinfachung. Es gibt beim Schreiben keine eindeutige Folge von Handlungsschritten wie beim Kuchenbacken, sondern man muss mitunter zu früheren Schritten zurückkehren oder zwei Schritte gleichzeitig ausführen. Dennoch gibt es so etwas wie eine logische Reihenfolge, in der die Verwendung der einzelnen »Werkzeuge« ihren Platz hat. Sie ist jedoch flexibel zu handhaben.
Die Arbeit an der Hausarbeit beginnt mit der Übernahme eines Themas. Ihre erste Aufgabe besteht darin, das Thema zu verstehen, zu präzisieren und einzugrenzen. Sie müssen Antworten auf folgende drei Fragen finden:
Was ist der Gegenstand meiner Hausarbeit? »Gegenstand« kann z.B. ein materielles Objekt, eine Theorie, ein Text oder ein Problem sein.
Mit welcher Fragestellung soll ich an meinen Gegenstand herangehen? Soll ich einen Sachverhalt darstellen, problematisieren, erkunden oder analysieren?
Welches Material (wissenschaftliche Texte oder Quellen) soll der Bearbeitung zugrunde liegen?
Antworten auf diese drei Fragen sind die Grundlage dafür, Ihr Hausarbeitsthema einzugrenzen und zu präzisieren. Die Vorgaben, die Sie in Ihrer Lehrveranstaltung dazu erhalten, können sehr unterschiedlich sein. Es ist im Seminarbetrieb durchaus üblich, bei Hausarbeiten Gestaltungsspielraum zu lassen. Selten gibt es ganz eng abgesteckte Themen. Mit wachsender Semesterzahl gehört es immer mehr zu Ihrer Aufgabe, das Thema zu präzisieren und die Darstellung zu fokussieren, d.h. auf einen Teilausschnitt des Themas zu begrenzen (siehe dazu auch Schritt 5 und S. 228-236*). Bei der ersten Hausarbeit können Sie Glück haben und an ein gut abgegrenztes, auf seine Machbarkeit hin getestetes Thema stoßen. Sie können aber auch an ein schlecht definiertes Thema geraten, das sich Ihrem Versuch, es zu verstehen, eher verschließt, statt sich zu öffnen.
Es kommt nicht in erster Linie darauf an, die einzig richtige Auffassung eines Themas zu finden, sondern eine mögliche, die Ihren Interessen entgegenkommt und dem thematischen Rahmen des Seminars entspricht. Bieten Sie gegebenenfalls Ihrer Seminarleiterin oder Ihrem Seminarleiter eine Interpretation des Themas an, und handeln Sie diese mit ihr oder ihm aus.
Fragen Sie nach bei der Themenvergabe! Lassen Sie sich genaue Angaben geben über die Art der zu erstellenden Arbeit, über die zu verwendende Literatur und über die Kriterien, nach denen die Arbeit beurteilt wird. Folgende Fragen können Sie bei der Themenannahme stellen:
Was ist das genaue Thema der Arbeit?
Wo sollen Grenzen gesetzt werden?
Worauf soll der Schwerpunkt der Arbeit liegen?
Wie ist die Hausarbeit auf den Themenplan des Seminars bezogen?
Welcher Art soll der mündliche Beitrag (Referat) sein, welcher Art der schriftliche?
Welche ist die wichtigste Literatur, die der Arbeit zugrunde liegen soll?
Wieweit wird eine selbständige Literatursuche erwartet, bzw. reicht die angegebene Literatur?
Welchem Textmuster soll die Hausarbeit folgen (siehe dazu S. 117-128)?
Grenzen Sie das Thema bereits bei der Annahme ein, sonst werden Sie von Anfang an Ihre Arbeit zu breit anlegen. Denken Sie aber auch daran, dass Eingrenzen Vertrautheit mit dem Thema erfordert und deshalb oft nur schrittweise zu erreichen ist.
Mit Ihrem Thema haben Sie in der Regel einige Literaturangaben erhalten, auf deren Basis die Hausarbeit zu schreiben ist. Es empfiehlt sich zwar immer, sich selbst noch einmal nach Literatur umzusehen (siehe Schritt 2), aber Sie sollten mit Ihrer Nachfrage sichergehen, wieweit dies zu Ihrer Aufgabe gehört.
Der zweite Schritt beim Schreiben einer wissenschaftlichen Hausarbeit besteht darin, sich ein Bild zu machen von dem Gegenstand, über den man schreibt. Das schließt ein, dass man die angegebenen Texte liest, aber damit ist es meist nicht getan. Gerade wenn ein Thema sehr eng eingegrenzt ist, braucht man ein Minimum an Information über den Forschungskontext, in dem es behandelt wurde. Das kann sich auf wissenschaftshistorische Aspekte, auf Theorien, Personen, empirische Zugänge und Anwendungsfelder beziehen. In der Regel dient die Lehrveranstaltung, in der Sie Ihre Hausarbeit schreiben, genau diesem Zweck. Es ist jedoch ratsam, auch selbst zu recherchieren, damit Sie ein Stück Unabhängigkeit in Ihren Erkenntnisbemühungen gewinnen. Um einen Überblick zu erhalten, können Sie folgende Quellen in Anspruch nehmen:
Konversationslexikon: Es dient der schnellen Orientierung und hilft, komplexe Sachverhalte auf der Basis der Alltagssprache zu verstehen.
Fachlexikon: Übersichtsdarstellungen finden sich regelmäßig in Fachlexika. Je nach Wahl erhält man z.B. Darstellungen der historischen, sozialpädagogischen, psychologischen oder juristischen Aspekte eines Themas.
Schlagwortkatalog der Bibliothek: Er gibt Auskunft darüber, was sich an Büchern oder Zeitschriftenartikeln über ein Thema in der Bibliothek findet. Leider sind nicht alle Bibliotheken mit einem solchen Katalog ausgestattet.
Suche in den Regalen: Außerdem sollten Sie sich die Systematik der Bibliothek erläutern lassen und in den entsprechenden Regalen nach Büchern zu Ihrem Thema suchen. Dort finden Sie weitere Literaturangaben, die für Sie nützlich sein könnten.
Bibliographische Suchsysteme: Die meisten Bibliotheken besitzen heute computergestützte Recherchesysteme. Das sind Literaturdatenbanken, die alles gesammelt haben, was in Bereichen wie Sozial- und Wirtschaftswissenschaften, Psychologie, Pädagogik, Medizin usw. veröffentlicht worden ist. Gibt man beispielsweise das Stichwort »Ärger« ein, erhält man eine Liste aller Veröffentlichungen zu diesem Thema, meist mehr, als man verarbeiten kann. Für die erste Hausarbeit sind derart umfangreiche Recherchen in der Regel nicht erforderlich, aber im Einzelfall könnte ein Suchsystem dabei helfen, die passende Übersichts- oder Spezialliteratur zu finden.
Einen Überblick verschafft man sich nicht, indem man alle Literatur, die man findet, zur Gänze liest, sondern indem man sie sichtet. Sie sollten sich nur mit solchen Texten eingehender beschäftigen, die auch tatsächlich Überblickswissen vermitteln. Dazu gehören Handbuchartikel, Überblicksdarstellungen, Klappentexte von Büchern und Zusammenfassungen aus Literatursuchsystemen.
Es gibt keine Kriterien dafür, wann Sie einen Überblick über ein Thema besitzen. Insofern ist etwas Vorsicht bei Arbeitsschritt 2 geboten, da man sich im Prinzip unendlich lange damit aufhalten kann. Sehen Sie also zu, dass Ihre Suche sehr eng an dem Thema bzw. dem Gegenstand Ihrer Arbeit orientiert ist, und vermeiden Sie es, zu allgemeine Überbegriffe Ihres Themas zu erkunden.
Haben Sie Ihr Thema nach außen etwas eingeordnet, können Sie daran gehen, sich ein Verständnis der wichtigsten Textinhalte zu erarbeiten. Dabei sollten Sie berücksichtigen, dass »Verstehen« ein vielschichtiger Prozess ist. Textverständnis be
ginnt auf der begrifflichen Ebene. Solange zentrale Begriffe nicht klar sind, können auch komplexere Texteinheiten nicht nachvollzogen werden. Das Verständnis der zentralen Begriffe hilft dabei, die inneren Textstrukturen zu entschlüsseln. Von dieser Basis aus lassen sich weitere Sinndimensionen erschließen.
Begriffe zu erschließen erfordert wissenschaftliches Handwerkszeug. Die wichtigsten Instrumente sind wiederum Wörterbücher und Lexika. Sie bieten folgende Hilfen:
Fachwörterbücher: Sie geben Definitionen von zentralen Begriffen, liefern meist aber auch eine Einführung in das Thema und vermitteln ein Grundverständnis davon, wie der Begriff in der entsprechenden Wissenschaft verwendet wird. Es ist nützlich, jeweils mehrere Lexika zu konsultieren.
Fremdwörterbuch: Es ist unentbehrlich bei komplizierteren wissenschaftlichen Texten. Machen Sie es sich zur Gewohnheit, jedes Fremdwort, das Sie nicht kennen, nachzusehen.
Herkunftswörterbuch (auch: etymologisches Wörterbuch): Es gibt Auskunft über die historische Entstehung von Wörtern, darunter auch alle gängigen Fremdwörter, und ist nützlich, um ein vertieftes Sprachwissen zu erwerben.
Fremdsprachenwörterbücher: Vor allem englischsprachige Texte sind in vielen Wissenschaften unumgänglich. Selbst bei guten Fremdsprachenkenntnissen brauchen Sie ein entsprechendes Lexikon, um die Fachterminologie verstehen zu können.
Scheuen Sie sich nicht, ein Glossar der wichtigsten Begriffe zusammenzustellen, das Definitionen und Verwendungsweisen enthält. Es kann auch auf widersprüchliche Verwendungen von Begriffen oder auf Verständnisschwierigkeiten eingehen, die Sie mit Begriffen haben. Sie können dieses Glossar entweder für sich selbst als Arbeitsbasis verwenden oder es Ihrer Arbeit als Anhang anfügen.
Wissenschaftliche Literatur erschließt sich oft nicht beim ersten Lesen, sondern erfordert einiges Nachdenken und Knobeln. Es wäre aussichtslos, Hegel oder Heidegger einfach durch Lesen des Originals verstehen zu wollen. Die Klassiker vieler Fächer sind häufig kommentiert und erläutert worden, und Sie benötigen diese Erläuterungen, um sie zu verstehen. Machen Sie Gebrauch von Lese- und Verständnishilfen. An der Universität wird von Ihnen darin eine gewisse Selbstständigkeit erwartet. Weitere Hilfen für ein vertieftes Textverständnis finden Sie bei Stary & Kretschmer (1994).
Texte stellen ihre LeserInnen vor unterschiedliche Anforderungen. Es gibt wissenschaftliche Texte, die in einer abschreckend komplizierten Sprache geschrieben sind, und solche, die sehr leserfreundlich formuliert sind. Manche Texte bewegen sich auf einem schwer verständlichen Abstraktionsniveau, andere sind sehr konkret und anschaulich. Es lässt sich schwer vorhersagen, ob ein komplizierter Text inhaltlich ergiebig ist oder nur Schaum enthält. Auf folgende Arten von Texten können Sie beispielsweise stoßen:
Texte, die ein Thema auf einer logisch-begrifflichen Ebene entwickeln. Bei ihnen kommt es darauf an herauszuarbeiten, wie Begriffe verwendet werden, wie mit ihnen Behauptungen über einen Gegenstand getroffen und wie sie mit anderen Behauptungen in Beziehung gesetzt werden. Solche Texte stammen meist aus der Philosophie. Hilfe dazu, wie man philosophische Texte liest, gibt Rosenberg (1993, S. 154ff.).
Texte, die sachzentriert sind und empirische Ergebnisse über ein bestimmtes Thema darstellen. Bei ihrer Lektüre geht es darum, zu einem Verständnis davon zu kommen, wie die AutorInnen ihren Gegenstand verstehen und wie sie ihre Sicht durch die Verwendung von empirischen Forschungsergebnissen begründen.
Texte, die argumentativ sind. Sie wollen von einer bestimmten Meinung überzeugen. Sie zu verstehen heißt, die wichtigsten Argumente herauszuarbeiten und ihre Begründungen zu analysieren.
Texte, die ein Forschungsprojekt beschreiben. Sie dokumentieren eine bestimmte empirische Vorgehensweise. Sie zu verstehen heißt nachzuvollziehen, was die AutorInnen getan, welche Resultate sie dabei erzielt und wie sie diese interpretiert haben.
In jedem dieser Fälle müssen Sie unterschiedliche Wege einschlagen, um zu einem Textverständnis kommen. Die meisten Texte allerdings tun mehreres gleichzeitig: Sie definieren z.B. ihre Begriffe, stellen Forschungsergebnisse dar und versuchen nebenbei, theoretische Positionen abzustecken. In diesen Fällen müssen Sie entsprechend flexibel lesen.
Den Versuch, Texte zu verstehen, verbindet man oft mit einem weiteren Schritt, der darin besteht, wichtige Elemente aus einem Text herauszuschreiben. Das können Elemente sein, die man braucht, um den Text in eigener Sprache wiedergeben zu können oder um daraus einen neuen Text herzustellen.
Der Begriff Exzerpieren (siehe auch S. 215-220 für eine ausführliche Darstellung dazu) kommt aus dem Lateinischen (ursprünglich »herausgreifen«) und bedeutet soviel wie einen Auszug aus einem Text zu machen. Während das Lesen, das dazu dient, eine Übersicht zu erhalten, auch ohne Mitschrift erfolgen kann, muss das Lesen der Kerntexte unbedingt mit schriftlichen Aufzeichnungen verbunden sein. Und diese schriftlichen Aufzeichnungen sollten von Anfang an in einer Form gehalten sein, die ihre Verwendung in einem eigenen Text erlaubt. Dazu müssen die Aussagen zusammengefasst und paraphrasiert (in eigene Worte gefasst) werden.
Wenn man beginnt, systematisch zu exzerpieren, ist es wichtig, sich noch einmal auf die Themeneingrenzung zu besinnen. Daraus leitet sich ab, auf welche Fragen die gelesenen Texte Antwort geben sollen und welche Textpassagen man systematisch exzerpieren muss.
Zum Exzerpieren schwer verständlicher Texte empfiehlt sich eine Methode von Franck & Stary (1989, vgl. dazu auch Kruse & Püschel 1994, S. 69 ff.). Nach dieser Methode geht man abschnittweise vor und erfasst den Inhalt jedes Abschnitts in zwei Aspekten:
Was ist das (allgemeine) Thema des Abschnitts?
Welche spezifische Aussage (ggf. mehrere Aussagen) wird über dieses Thema getroffen?
Dieses Vorgehen zwingt Sie dazu, das Allgemeine jedes Abschnitts herauszuarbeiten und mit der speziellen Behauptung über dieses Thema in Verbindung zu bringen. Es hilft weiterhin dabei, aktiv zu lesen und einen Text auf wesentliche Elemente zu reduzieren. Dies ist eine gute Basis, um einen Text zusammenzufassen.
Beim Exzerpieren von wissenschaftlicher Literatur ist darauf zu achten, dass Sie die übernommenen Passagen paraphrasieren, d.h., sie in eigenen Worten wiedergeben, und gleichzeitig auf die fremde Autorschaft hinweisen. Formulierungen folgender Art sind dazu geeignet (vgl. Veit, Gould & Clifford 1990):
Nach Meinung der Autorin ist ...
Die Autoren vertreten die Position, dass ...
Der Autor hält ... für ein Grundproblem, das ...
Die Autorin interpretiert die bisherige Forschung dahingehend, dass ...
Wenn ich die Autoren richtig verstehe, vertreten sie eine Position, die ...
Der Kasten »Beispiel für das Zusammenfassen und Paraphrasieren eines Textes« zeigt die schrittweise Umformulierung eines Originaltextes. Er zeigt zunächst, dass die Umformulierung in Thema/Aussage dabei hilft, den Text auf zentrale Behauptungen zu reduzieren. Dies bildet eine wichtige Grundlage für eine kompetente Zusammenfassung, die im nächsten Schritt dargestellt ist.
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Originaltext: »Die Soziologin Hochschild (1979) hat die Vorstellung, dass der Emotionsausdruck durch soziale Regeln geleitet wird, durch ein zweites Prinzip ergänzt. Sie geht davon aus, dass wir Emotionen nicht nur oberflächlich verbrämen müssen, sondern dass ›feeling rules‹ existieren, die festschreiben, welche Emotion in einer gegebenen Situation überhaupt zu empfinden bzw. nicht zu empfinden ist. Beschneidet beispielsweise ein erwachsener Mensch böswillig unsre Rechte, so ›dürfen‹ oder sollten wir uns ärgern, zerreißt die Dreijährige vergnügt das neue Buch, so ›dürfen‹ wir uns nicht ärgern. Gefühlsregeln sind radikaler als Ausdrucksregeln, und sie stellen die Annahme angeborener Emotionen weitaus mehr in Frage. Wenn wir Emotionen empfinden, weil Regeln sie vorschreiben, sind sie vor allem sozial konstruierte und weniger angeborene Phänomene. Diese Idee wird uns in der Theorie von Averill im Abschnitt 1.7 wieder begegnen.«* Reduktion auf Thema/Aussage: Thema: feeling rules (Gefühlsregeln?), Theorie von Hochschild (1979) Aussage: Anders als Ausdrucksregeln, die den emotionalen Ausdruck beeinflussen, bestimmen feeling rules die Empfindung der Emotion; ihre Existenz weist darauf hin, dass Emotionen sozial konstruiert sind. Zusammenfassung: Hochschild (1979) stellt die Behauptung auf, dass es neben Ausdrucksregeln auch feeling rules (Gefühlsregeln) gibt, die bestimmen, wie Emotionen empfunden werden. Dies würde auf eine soziale Konstruktion der Emotionen hinweisen. Paraphrasierte Zusammenfassung: In ihrer Darstellung der Einfüsse sozialer Regeln auf die Emotionen führt Weber (1994, S. 23) auch eine Theorie der Soziologin Hochschild (1979) an, die die Existenz von »feeling rules« postuliert. Diese Gefühlsregeln (der deutsche Begriff wird von Weber nicht verwendet) seien entsprechend der Theorie von Hochschild dafür verantwortlich, wie Emotionen empfunden werden. Weber weist darauf hin, dass die Annahme von Gefühlsregeln die Emotionen als »sozial konstruierte« Phänomene ausweisen würde. |
Beispiel für das Zusammenfassen und Paraphrasieren eines Textes
Allerdings hat die einfache Zusammenfassung eine Form, die wissenschaftlich nicht legitim ist. Sie übernimmt die Aussage einer fremden Autorin, ohne dies zu markieren. Würden wir also in einem eigenen Text die Zusammenfassung so verwenden, wäre dies ein Plagiat, also Diebstahl geistigen Eigentums.
Die paraphrasierte Fassung schützt vor dem Plagiieren. Sie erlaubt, genau zu unterscheiden, wer welche Aussage getroffen hat und welchen Status die jeweilige Aussage hat. So kann die paraphrasierte Zusammenfassung eindeutig auseinander halten, welche Aussage auf Hochschild und welche auf Weber zurückzuführen ist. Ebenfalls erlaubt sie, genauer zu fassen, ob Weber selbst nun der Meinung ist, Emotionen seien »soziale Konstruktionen«, oder ob dies nur eine bedingte Interpretation darstellt für den Fall, dass die Annahme wahr wäre. In der ersten Zusammenfassung hätte die Interpretation (»Dies würde auf eine soziale Konstruktion der Emotionen hinweisen«) von Hochschild, von Weber oder von der zusammenfassenden Person stammen können.
Gewiss ist die paraphrasierte Zusammenfassung um einiges umständlicher und sprachlich aufwändiger. Dies ist der Preis, den wir für Genauigkeit in wissenschaftlichen Texten zahlen müssen.
Verwendet man diese Art des Paraphrasierens nicht, übernimmt man Texte unkritisch und unterscheidet sie nicht hinreichend von einfachen Sachaussagen (etwa: »Gefühlsregeln beeinflussen die Wahrnehmung der Emotionen«) und von eigenen Behauptungen. Paraphrasieren schützt also vor falschen Interpretationen und unmarkierter Übernahme fremder Gedanken.
Wissenschaftlichkeit ist eng damit verbunden, die Urheberschaft fremder Ideen und Forschungsbeiträge zu respektieren, und Paraphrasieren ist die wissenschaftsübliche Form, mit fremden Gedanken umzugehen.
Das paraphrasierte Exzerpieren verlangt, dass eigene Gedanken von den übernommenen säuberlich getrennt werden. Das heißt nicht, dass man Erstere unterdrücken muss, im Gegenteil: Schon beim Exzerpieren (und erst recht bei der späteren Darstellung oder Präsentation) ist es wichtig, auch die eigenen Überlegungen festzuhalten. Es wäre also sinnvoll gewesen, an das obige Beispiel gleich einen Kommentar anzuschließen, der die eigene Meinung über die Existenz von feeling rules enthält.
Alle exzerpierten Textelemente, die für die eigene Arbeit nützlich sein könnten, sowie eigene Gedanken, Statistiken und Zitate gilt es zu sammeln. Am besten versieht man sie mit einer Überschrift oder einem Stichwort, sodass sie für eine spätere Verwendung gut erkennbar bereitliegen. Dies geschieht sinnvollerweise auf einer Karteikarte oder mit einem Computerprogramm, mit dem sich Textelemente speichern und sortieren lassen.
Nachdem das Material gelesen und ausgewertet ist, muss man es ordnen, d.h. verschiedene Aspekte des Themas unterscheiden, um zu einer Gliederung zu gelangen. Das beste Verfahren hierfür ist die Mind-Map-Methode (Buzan 1984, Kirkhoff 1992). Dies ist ein grafisches Ordnungs- und Strukturierungsverfahren, das es erlaubt, viele Informationen zu gruppieren und miteinander in Beziehung zu setzen. Es wird um ein Kernwort oder ein Thema herum aufgebaut. Die wichtigsten Gesichtspunkte, unter denen sich das Thema betrachten lässt, werden als »Äste« direkt an das Kernwort angefügt. An die Hauptäste lassen sich wiederum Zweige anbringen, die untergeordnete Gesichtspunkte repräsentieren. Diese können sich weiter verzweigen. Oft sind mehrere Versuche nötig, bis alles Material in einer Mind Map untergebracht ist.

Material
zu strukturieren heißt, unterschiedliche Ordnungsgesichtspunkte
auszuprobieren und zu sehen, ob sich das Material durch sie gut
aufteilen und zuordnen lässt. Voraussetzung für sinnvolles
Ordnen ist, dass Sie das, was Sie ordnen wollen, d.h. einzelne Ideen,
Argumente, Fakten, Forschungsergebnisse usw., gut vorbereitet haben.
Die Abbildung zeigt eine Mind Map zum Thema Ȁrgerentwicklung
in der frühen Kindheit«.
Abbildung: Beispiel für Mind Map zum Thema »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit«
Mind Maps lassen sich in der Regel unmittelbar in Gliederungen überführen. Wenn man die Hauptäste der Mind Map durchnummeriert, hat man bereits die Überschriften der Hauptgliederungspunkte. Die untergeordneten Äste entsprechen den Gliederungspunkten niederer Ordnung. So ergibt sich aus der Mind Map die Gliederung aus dem Kasten »Beispielhafte Gliederung ...«.
1. Einleitung
2. Begriffsklärung
2.1 Ärger und Aggression
2.2 Komponenten der Ärgerreaktion
2.2.1 Physiologische Komponente
2.2.2 Expressive Komponente
2.2.3 Handlungskomponente
2.2.4 Kognitive Komponente
2.2.5 Subjektive Komponente
3. Mimischer Ausdruck des Ärgers im ersten
Lebensjahr 3.1 Beobachtung von Mutter-Kind-Interaktion 3.2
Frustrationsexperimente
4. Ärger und Trotz
4.1 Erscheinungsformen von Trotz 4.2 Ist Trotz eine
Ärgerreaktion? 4.3 Auslöser von Trotz
4.4 Veränderung der Trotzreaktion mit dem Alter
5. Sozialisation des Ärgers
5.1 Kontrolle von Ärger
5.2 Verständnis von Ärgerreaktionen 5.3
Ausdrucksregeln
6. Hyperaggressivität und Hyperaktivität
7. Schlussbemerkungen
Sicherlich ist diese Gliederung (und die für ihre Realisierung zu verarbeitende Literatur) für eine Hausarbeit im ersten Semester etwas zu umfangreich; aber zum Zweck der Demonstration ist es sinnvoll, eine etwas komplexere Struktur zu wählen.
Viele Hausarbeitsthemen müssen im Seminar mündlich vorgetragen werden. Das erfordert in der Bearbeitung des Themas einen Zwischenschritt, der sich gut als Vorarbeit für die eigentliche Schriftfassung eignet. Eines sollten Sie bedenken: Hausarbeiten eignen sich nicht als Referatvorlagen. Sie sind meist zu abstrakt und verdichten Informationen zu stark, als dass sie für den mündlichen Vortrag geeignet wären.
Für die Referatvorlage brauchen Sie eine andere Gliederung. Die wichtigsten Gesichtspunkte für diese Gliederung ergeben sich aus folgenden Fragen: »Was muss ich meinen ZuhörerInnen vermitteln, damit sie mein Thema verstehen?« Und: »In welcher Reihenfolge muss ich dies tun?« Anders als bei einem schriftlichen Text können Sie ZuhörerInnen nur relativ kurze Textpassagen zumuten, wenn Sie ihre Aufmerksamkeit erhalten wollen. In ein Referat können etwa folgende Punkte aufgenommen werden:
Thema oder Fragestellung
theoretischer oder sachlicher Zusammenhang, in dem das Thema steht
Bezug zum Thema des Seminars
Ziel des Referats, grobe Gliederung, Überblick
Schwierigkeiten bei der Erarbeitung des Themas
Präzisierung des Gegenstandes, Definition, evtl. konkretes Beispiel
Darstellung zentraler Thesen
Illustration wichtiger Passagen durch Beispiele
Formulierung offener Fragen und Diskussionsanregungen
Es ist nicht nötig, dass Sie für Ihr Referat alle diese Punkte schriftlich formulieren. Jeder Vortrag wird lebendiger, wenn einzelne Passagen frei gesprochen werden, und Sie verlieren dann nicht so leicht den Bezug zum Publikum. Dort allerdings, wo Sie präzise sein wollen und müssen, sollten Sie eine schriftliche Vorlage haben. Näheres über Referate erfahren Sie bei Bromme & Rambow (1993).
Wenn Sie eine Gliederung, und sei es auch nur eine vorläufige, erstellt haben, können Sie mit dem Schreiben beginnen. Nehmen Sie dabei eine Art Erzählhaltung ein. Erläutern Sie einem fachwissenschaftlich interessierten (nicht zu hoch spezialisierten) Publikum Ihren Gegenstand, und belegen Sie Ihre Äußerungen mit wissenschaftlichem Material. Während wissenschaftliche Texte im Allgemeinen an die Fachwelt adressiert sind, sollten Sie Hausarbeiten eher an eine studentische Leserschaft richten, sonst werden Sie zu abstrakt und zu wenig explizit und laufen Gefahr, einen hoch spezialisierten Diskurs mit Experten zu beginnen, zu dem Ihnen vorläufig noch die Wissensbasis und die rhetorischen Mittel fehlen.
Orientieren Sie sich also an der Frage: Was müssen meine KommilitonInnen wissen, damit sie mein Thema verstehen können? Diese Orientierung hilft Ihnen, das Komplexitätsniveau Ihres Textes richtig anzusetzen. Stellen Sie dar, was Sie bei der Lektüre alles in Erfahrung gebracht haben. Berichten Sie von den Erlebnissen mit Texten, AutorInnen, Begriffen, Forschungsergebnissen, theoretischen Zusammenhängen und Erkenntnissen über Ihren Arbeitsgegenstand. Diese Erzählhaltung hilft Ihnen, als denkendes Subjekt im eigenen Text existent zu bleiben.
Ein Hauptproblem beim Schreiben wissenschaftlicher Texte liegt nämlich darin, Ihre eigenen Gedanken zum Thema mit dem zu verbinden, was Sie in der Literatur gelesen haben. Viele, die ihre erste Hausarbeit schreiben, stehen vor einem Dilemma, das ein Student in einer Veranstaltung folgendermaßen ausdrückte: »Was ich sagen könnte, das weiß ich, aber das zu schreiben wäre nicht wissenschaftlich. Was in den wissenschaftlichen Veröffentlichungen steht, könnte ich auch sagen, aber das zu schreiben wäre einfach eine Verdoppelung, denn es ist schon geschrieben.«
In allen wissenschaftlichen Arbeiten besteht eine Spannung zwischen dem eigenen Beitrag, den man leisten möchte, und den vorhandenen Erkenntnissen, die bereits veröffentlicht sind. Beide müssen gut aufeinander bezogen sein. Sie zu integrieren ist ein Vorgang, der einige Übung erfordert. Man muss sowohl dem Stand der Forschung gerecht werden als auch den eigenen Überzeugungen und Intentionen.
Wichtig für Ihre erste Hausarbeit ist, dass Sie die Rohfassung schnell und ohne große Skrupel aufs Papier bringen. Sie muss sprachlich nicht perfekt sein. Lassen Sie sich nicht auf einen großen Kampf mit der Sprache ein, sondern konzentrieren Sie sich darauf, Ihren Adressaten das Thema in einfachen Worten nahe zu bringen, und arbeiten Sie dabei die Mind Map ab. Nach der Fertigstellung der Rohfassung kommt ohnehin noch eine Phase der Überarbeitung, in der Sie sich mit den einzelnen Formulierungen beschäftigen müssen.
Selbst Studierende, die ihre Diplomarbeit schreiben, haben oft noch elementare Probleme mit dem Zitieren. Das hat seinen Grund nicht nur darin, dass diese Fähigkeit unzureichend gelehrt wird, sondern auch darin, dass es keine ganz eindeutigen Regeln gibt. Die Regeln unterscheiden sich von Fach zu Fach und von Diskurs zu Diskurs. Es ist deshalb wichtig, den Sinn des Zitierens zu verstehen und nicht einfach Regeln zu lernen.
Wissenschaftliche Texte sind immer Teil eines großen Flickenteppichs, der sich Forschung nennt. Jeder Beitrag ist eine Ergänzung zu oder eine Abgrenzung von vorhandenen Positionen. Veröffentlichungen haben das Ziel, einen arbeitsteilig entstandenen Pool von Erkenntnissen zu ergänzen. Das Zitieren hat dabei die Aufgabe, die Bezüge zur existierenden Forschung herzustellen und somit das bereits existierende Wissen von dem neu formulierten zu unterscheiden.
Beim Schreiben wissenschaftlicher Arbeiten gibt es zwei entgegengesetzte Strategien, die beide ihre Befürworter haben. Die eine Strategie besteht darin, so viele (direkte und indirekte) Zitate wie möglich zu sammeln, zu sortieren und um sie herum den eigenen Text aufzubauen. Die zweite Strategie besteht darin, sich selbst ein Bild vom Gegenstand zu machen und in eigenen Worten niederzuschreiben, um in einem zweiten Schritt dann Zitate, Belege und Verweise in diesen Text hineinzumontieren.
Die erste Strategie hat den Nachteil, dass sie es erschwert, die eigene Meinung auszudrücken und eine eigene Sprache zu entwickeln. Die zweite hat den Nachteil, dass der Bezug zur vorhandenen Literatur mitunter nicht ganz einfach herzustellen ist. Empfehlenswert ist eine Strategie, die einen Mittelweg einschlägt. Sie sollten jedoch bedenken, dass ein Text immer Ihr Produkt ist, ein Produkt, das Sie gestalten, strukturieren und mit einer verständlichen Mitteilung versehen müssen. Aus einer reinen Zitatsammlung ergibt sich kein eigener Text. In Ihrem Text haben Zitate, Verweise und Belege immer nur die Funktion, das von Ihnen Gesagte zu stützen, einzubetten, zu belegen und abzusichern. Alle fremden Materialien sind nur Hilfsmittel für Ihre Aussagen.
Viele Studierende versuchen es andersherum: Sie schieben den Zitaten die Kernaussagen zu und verwenden eigene Textbestandteile nur als Verbindung zwischen ihnen. Das führt zu leblosen Texten, die letztlich überflüssig sind, da alles bereits an anderer Stelle gesagt worden ist. Leider entspricht die Mehrzahl der Hausarbeiten dieser Collage-Technik. Zu Beginn Ihrer Schreibkarriere empfiehlt es sich daher, den Text zunächst ganz in eigenen Worten auszudrücken und ihn dann mit fremden Literaturteilen, mit Verweisen und Belegen »anzureichern«. Es gibt verschiedene Arten, diese Bezüge herzustellen:
Zitieren bezeichnet das sinngemäße oder wörtliche Anführen fremder Behauptungen, Ideen oder Forschungsergebnisse. Es gibt direkte Zitate, die wörtlich übernommen und in Anführungszeichen gesetzt werden, und indirekte Zitate, die paraphrasiert (d.h. in eigene Worte gefasst) werden, aber Erkenntnisse oder Meinungen anderer unverfälscht wiedergeben. Zitate müssen mitnichten die eigene Meinung darstellen. Sie können auch Gegenmeinungen, mögliche Meinungen usw. repräsentieren.
Belegen bezeichnet das Anführen von Forschungsergebnissen oder Quellen, die eigene Behauptungen stützen können. Alle nicht trivialen Kernaussagen, die man in wissenschaftlichen Texten trifft, sollten belegt werden. Davon abgehen können Sie, wenn Sie allgemein anerkannte Meinungen referieren oder wenn Sie aus eigener Expertise sprechen. Jedes Fach und jeder Diskurs besitzt eigene rhetorische Muster des Belegens. Man kann Aussagen dadurch belegen, dass man empirisches Material oder den Inhalt einer Quelle anführt, die sie stützen. Zum Belegen sollte man nur Primärliteratur verwenden, also originäre Forschungsberichte. Dies lässt sich in der ersten Hausarbeit nicht einhalten, da man viele Angaben aus zweiter Hand übernehmen muss. Sie sollten aber die Regel kennen.
Verweisen bezeichnet den Hinweis auf Schriften, in denen ähnliche Aussagen zu finden sind. Behauptungen, die nicht belegt werden können oder die zu kompliziert sind, als dass man sie kurz belegen könnte, werden oft durch einen Verweis auf andere AutorInnen gestützt. Verweise beziehen sich oft auf Sekundärliteratur, die eine differenzierte Auseinandersetzung mit primären Forschungsergebnissen leistet. Verweise werden durch Ausdrücke wie »siehe« oder »vgl.« bei den entsprechenden Literaturangaben deutlich gemacht. Verweise ähneln oft indirekten Zitaten.
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Vornamen werden üblicherweise weggelassen. Üblicher Kurzbeleg mit Autoren- und Jahresangabe Indirektes Zitat Auslassungen im Zitat werden üblicherweise durch Punkte markiert.
Zitatübernahme aus einem fremden Text; ist möglichst zu vermeiden.
Bei mehr als 3 Autoren wird nur der erste Name mit »et al. « aufgeführt. Mehrere Schriften eines Autors aus dem gleichen Jahr werden durch Kleinbuchstaben a, b, c ... unterscheidbar gemacht. Sie müssen entsprechend im Literaturverzeichnis gekennzeichnet sein. |
Schriftliche Studienleistungen werden oft gefordert, ohne dass spezifiziert wird, »welcher Art der erstellte Text eigentlich sein soll« (Albert Schreibschnell 1988, S. 17) . Daraus resultieren Probleme bei der Textherstellung, die nach Writing (1991) vermieden werden könnten, wenn in Lehrveranstaltungen mehr Wissen über Textmuster vermittelt würde. Oft werden in Seminaren Thesenpapiere verlangt, obwohl andere Textmuster angemessener wären (Schmierfink 1967, S. 7) . Es wäre also wichtig, »wenn Anforderungen an Hausarbeiten ... variabler gehandhabt (werden) würden« (Ratgeb 1986, S. 59), damit die Studierenden sich im Gebrauch verschiedener Textsorten üben können. Schreibprobleme Studierender sind oft mit fehlender Textmusterkenntnis verbunden. Wie eine Untersuchung von Textmann (1987, zit. nach Schreibschnell 1988, S. 44) ergab, sind weniger als 5 % aller Studierenden in der Lage, mehr als drei wissenschaftliche Textmuster zu benennen. Dagegen konnten Lerngut et al. (1992) zeigen, dass sich die Textqualität von Hausarbeiten erheblich verbessert, wenn die Studierenden zuvor Instruktionen über Textmuster erhalten. Auch Sprachschön (1978a, S. 55) betont, dass »das Schreiben wesentlich producktiver (sic!) ist, wenn Textmusterwissen vorhanden ist«. Es ist Studyskill (1987, S. 5, eigene Übersetzung) zuzustimmen, dass »Schreiben, das erfolgreich sein will, durch explizite Pläne und Regeln geleitet sein muss«. |
Direktes Zitat wird durch Anführungszeichen markiert. Seitenangabe muss bei direktem Zitat angegeben sein. Grammatikalische Anpassungen oder Ergänzungen im Zitat werden in Klammern gesetzt.
Beleg für vorhergehende Behauptung
»sic!« in einem Zitat bedeutet, dass der vorhergehende Begriff genau so im Original steht (mit Rechtschreibfehler in diesem Fall). Fremdsprachige Texte sollten im Original zitiert sein; eigene Übersetzung ist kenntlich zu machen. |
Beispieltext: Regeln des Zitierens im Kurzbelegverfahren (mit fiktiven Literaturangaben)
Zur formalen Gestaltung des Zitierens kann man zwei unterschiedliche Beleg- oder Verweissysteme heranziehen. Das erste arbeitet mit Kurzbelegen, das zweite mit Anmerkungen. Das Kurzbelegverfahren benennt Textquellen im Text mit dem Namen des Autors und der Jahreszahl der Veröffentlichung, sodass der Text, auf den verwiesen wird, im Literaturverzeichnis identifizierbar ist. Das Kurzbelegverfahren hat sich in den Sozialwissenschaften weitgehend durchgesetzt, ohne dass jedoch Anmerkungen deshalb geächtet wären. Das Kurzbelegverfahren hat für die LeserInnen den Vorteil, dass der Text alle Informationen enthält und kein Blättern nach den Literaturhinweisen in den Anmerkungen notwendig ist. Der Nachteil besteht darin, dass der Textfluss durch viele Einschübe unterbrochen wird. Details dieses Belegverfahrens zeigt der Beispieltext dazu.
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Schriftliche Studienleistungen werden oft gefordert, ohne dass spezifiziert wird, »welcher Art der erstellte Text eigentlich sein soll«.1 Daraus resultieren Probleme bei der Textherstellung, die nach Writing2 vermieden werden könnten, wenn in Lehrveranstaltungen mehr Wissen über Textmuster vermittelt würde. Oft werden in Seminaren Thesenpapiere verlangt, obwohl andere Textmuster angemessener wären3. Es wäre also wichtig, »wenn Anforderungen an Hausarbeiten ... variabler gehandhabt (werden) würden«4, damit die Studierenden sich im Gebrauch verschiedener Textsorten üben können. Schreibprobleme Studierender sind oft mit fehlender Textmusterkenntnis verbunden. Wie eine Untersuchung von Textmann5 ergab, sind weniger als 5 % aller Studierenden in der Lage, mehr als drei wissenschaftliche Textmuster zu benennen. Dagegen konnten Lerngut et al.6 zeigen, dass sich die Textqualität von Hausarbeiten erheblich verbessert, wenn die Studierenden zuvor Instruktionen über Textmuster erhalten. Auch Sprachschön7 betont, dass »das Schreiben wesentlich producktiver (sic!) ist, wenn Textmusterwissen vorhanden ist«. Es ist Studyskill8 zuzustimmen, dass »Schreiben, das erfolgreich sein will, durch explizite Pläne und Regeln geleitet sein muss«.9 |
Beispieltext: Zitieren mit Fußnotensystem
Das Anmerkungssystem geht sparsam mit Namen im Text um und gibt alle Verweise in die Anmerkungen. Diese können am Fuß der Seite stehen (Fußnoten), sie können aber auch am Kapitelende oder am Ende der ganzen Schrift stehen. Der Vorteil von Anmerkungen besteht darin, Verweise und Nebengedanken, die nicht der Linie der Gedankenführung entsprechen, aus dem Text zu entfernen und so den Textfluss nicht zu unterbrechen. Durch Textverarbeitungssysteme im PC ist die Arbeit mit Fußnoten sehr viel einfacher geworden, da sich mit ihnen Fußnoten separat speichern, durchnummerieren und an die richtige Stelle platzieren lassen. Fußnotensysteme sind dann angebracht, wenn in einem Text viele einzelne Belege und viele Belege aus nicht wissenschaftlichen Quellen anfallen. Details dieses Belegverfahrens zeigt der Beispieltext im Kasten dazu.
Aus Ihrem Text sollte nicht nur hervorgehen, woher die angeführten, fremden Ideen stammen, sondern auch, wie Sie sich zu diesen Ideen verhalten. Stimmen Sie mit ihnen überein oder nicht? Halten Sie sie z.B. für richtig, fraglich, bedenkenswert, überspitzt, vorschnell formuliert, tendenziell richtig, glaubwürdig, empirisch unzureichend belegt, subjektiv? Den Hausarbeiten, die in der typischen Collage-Technik verfasst sind, fehlen gerade die Aussagen darüber, wie die AutorInnen zu den ausgeführten Gedanken stehen.
Hausarbeiten werden oft als einfache Wiedergabe wissenschaftlicher Meinungen und Materialien missverstanden, so als müssten sich die Schreibenden dazu selbst nicht äußern. Das entspricht aber weder dem Sinn eines wissenschaftlichen Textes noch dem didaktischen Zweck einer Hausarbeit. Ihr Kern – wie der jeder wissenschaftlichen Arbeit – ist die eigenständige Strukturierung und Darstellung eines Themas. Als eigenständige Leistung kann darin eingehen:
eine selbst gestaltete Textstruktur, in der das Thema entwickelt wird und in die das verwendete Material eingebettet ist
eine eigene Sprache, die sich von der der verwendeten Literatur unterscheidet
eigene Einschätzungen, Bewertungen, Interpretationen und Zusammenfassungen der dargestellten Sachverhalte, Theorien und Positionen
Wie viel eigene Meinung in einem Text vorhanden sein soll, schwankt von Textmuster zu Textmuster. Interpretationen und kritische Essays verlangen relativ viel eigene Strukturierung, Deutung und Bewertung. Kommentierte Textwiedergaben dagegen erfordern über lange Passagen vorwiegend ein Referieren des fremden Textes. Allerdings steht und fällt auch dieses Textmuster mit der Qualität der kommentierenden Bewertung des Textes.
Es ist immer etwas Augenmaß nötig, um herauszufinden, wie viel eigene Meinung in einer Hausarbeit verlangt wird. Sicher ist allerdings, dass Hausarbeiten speziell dem Zweck dienen, sich in der schwierigen Kunst zu üben, wissenschaftliches Material unter einer bestimmten Fragestellung korrekt aufzugreifen und mit der eigenen Meinung in Beziehung zu setzen. Sie können eigene Positionen an verschiedenen Stellen einbringen.
In der Einleitung können eigene Positionen als Fragestellung und eigenes Interesse an einem Thema formuliert werden.
Als zusammenfassende Stellungnahme oder resümierende Schlussbemerkung sollte am Ende Ihrer Hausarbeit eine eigene Stellungnahme stehen, die Ihre Meinung zum Thema wiedergibt.
Im Text können reflexive Passagen auf darstellende Passagen folgen, die Ihre Gedanken zu dem Thema enthalten. Dies eignet sich für kritische Essays, Interpretationen und bestimmte Arten von Berichten.
Als Teil der paraphrasierten Wiedergabe fremder Texte können eigene Gedanken und Bewertungen einfließen (Beispiel: «Die Autorin führt etwas unvermittelt den Begriff ›feeling rules‹ der Soziologin Hochschild [19791 ein, der ausdrücken soll, dass auch die subjektive Wahrnehmung von Emotionen sich nach sozialen Regeln richtet. Dieser empirisch nicht verankerte und in der psychologischen Forschung nicht verwendete Begriff wird von der Autorin als Beleg dafür verwendet, dass Emotionen sozial konstruiert sind.« – (Die eigenen Gedanken sind jeweils kursiv gedruckt).
Die eigene Meinung kann sich auf sehr unterschiedliche Aspekte des Themas beziehen (siehe dazu auch S. 149-156). Versuchen Sie, folgende Fragen zu beantworten, um zu Ihrer Meinung zu finden:
Wie hätten Sie den Sachverhalt mit Ihrem Vor- oder Alltagswissen erklärt?
Welchen Erkenntnisgewinn oder -verlust bringt die wissenschaftliche Betrachtungsweise?
Ist der dargestellte wissenschaftliche Standpunkt plausibel? Welche Zweifel haben Sie?
Sind die Kernaussagen der dargestellten Theorien oder Positionen in sich stimmig? Wo ergeben sich Widersprüche?
Wie ist ein Sachverhalt moralisch zu bewerten? Welche ethischen Bedenken haben Sie?
Welche Einseitigkeiten, Lücken, Mängel haben Sie in der Forschung zu Ihrem Thema entdeckt?
Ist eine Methode oder eine Verfahrensweise wirksam, begründet, akzeptabel?
Versuchen Sie, am Ende der Hausarbeit zu schreiben, was Sie bei der Erarbeitung des Themas gelernt haben, was neu für Sie war, was Sie interessant fanden und womit Sie nicht einverstanden waren. Das sind gute Ausgangspunkte, um wissenschaftlich begründete Kritik zu lernen.
Beispiel: Am Ende der Hausarbeit über »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit« hätte unter der Überschrift »Schlussbemerkungen« oder »Diskussion« stehen können: »Neu war für mich, dass Ärger bereits so früh in der Entwicklung auftritt und offensichtlich eine starke biologische Wurzel hat. Plausibel scheint mir, dass Ärger eine wichtige Entwicklungsfunktion hat, indem er schon dem kleinen Kind Möglichkeiten an die Hand gibt, sich gegen Eltern und ältere Menschen durchzusetzen. Wenn schon kleine Kinder ein so hohes Niveau an Ärger-Potenzial haben, dann wird die Frage nach der sozialen Kontrolle oder der kulturellen Einbindung des Ärgers wichtig. Darüber habe ich kaum Informationen in der Literatur gefunden. Bisher war ich der Meinung, dass Ärger etwas ist, das eine sozial eher negative, schädliche Wirkung hat. Die Beschäftigung mit der Literatur hat mich davon überzeugt, dass Ärger auch eine positive Funktion hat. Unklar ist mir allerdings geblieben, wie eine Sozialisation auszusehen hat, die verhindern kann, dass Ärger in destruktive Aggressivität übergeht.«
Der häufigste Fehler, der in Hausarbeiten gemacht wird, ist der, sie nicht (gründlich genug) zu überarbeiten. Da das Überarbeiten ausführlich auf den Seiten 199-205 dargestellt wird, kann ich mich hier auf einige wesentliche Punkte beschränken.
Das Überarbeiten dient zunächst dazu, den roten Faden der Arbeit zu überprüfen. Sind die einzelnen Darstellungselemente folgerichtig aufeinander bezogen? Ist der Text verständlich? Gibt es überflüssige Teile darin? Ist die Gliederung stimmig? Ist die Einteilung in Abschnitte der Gedankenführung angemessen?
Als Zweites ist der Text auf seine sprachliche Angemessenheit zu prüfen. Komplizierte oder schwer verständliche Passagen sind zu vereinfachen, Wiederholungen zu eliminieren. Alle Ausdrücke sind zu überprüfen. Wer wissenschaftliche Texte schreibt, ist meist so sehr mit inhaltlichen Aspekten beschäftigt, dass er oder sie die sprachliche Angemessenheit aus dem Auge verliert. Deshalb braucht man einen Überarbeitungsdurchgang, der sich ausschließlich auf die Formulierungen bezieht.
Während wissenschaftliche Texte zu schreiben etwas ist, das man alleine tun muss, kann man beim Überarbeiten von der Hilfe anderer gut profitieren, wenn man sie den Text auf Verständlichkeit, roten Faden und Stimmigkeit probelesen lässt. Folgende Checkliste kann Ihnen beim Überarbeiten helfen:
Haben Sie den Gegenstand, über den Sie schreiben, hinreichend präzisiert?
Haben Sie die Fragestellung, unter der Sie Ihren Gegenstand betrachten, dargestellt?
Sind Sie darauf eingegangen, in welchem Bezug die Hausarbeit zum Thema des Seminars steht?
Haben Sie die zentralen Begriffe definiert und erläutert? – Ist die Gliederung in sich stimmig?
Sind die einzelnen Punkte oder Teile folgerichtig aufeinander aufgebaut?
Ist erkennbar, von wem welche Aussagen stammen und aus welcher Quelle sie zitiert sind?
Haben Sie alle verwendete Literatur zitiert?
Haben Sie Ihren eigenen Standpunkt ausgedrückt und kenntlich gemacht?
Zu welchen Schlussfolgerungen gelangen Sie? Gibt es so etwas wie ein resümierendes Fazit? – Ist Ihr Text für andere verständlich?
Alle Literatur, die in einer Arbeit erwähnt wird, muss im Literaturverzeichnis aufgeführt werden, auch dann, wenn die Literatur bereits in den Anmerkungen angegeben ist (dort ist sie nicht gut auffindbar, weil nicht alphabetisch geordnet) oder wenn sie aus einer fremden Schrift übernommen ist (Zitatübernahme). Alles, was aus wissenschaftlichen Quellen stammt, gehört in das Literaturverzeichnis. Im Literaturverzeichnis sollte aber auch nur das aufgeführt sein, was im Text zur Stützung von Aussagen herangezogen wurde. Es ist kein Verzeichnis der verwendeten, sondern nur der im Text erwähnten Literatur. Wenn es wichtige Literatur gibt, die Sie unberücksichtigt gelassen haben, müssen Sie sie in der Arbeit selbst anführen, dann kann sie ins Literaturverzeichnis aufgenommen werden. Das Literaturverzeichnis steht am Ende des Textes, jedoch vor einem Anhang.
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Zeitschriftenartikel mit einem Autor |
Hermer, M. (1994). Kleine Psychopathologie des Klinischen Psychologen. Report Psychologie, 48 (11), 12-18 |
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Monographie mit einer Autorin |
Heller, A. (1981). Theorie der Gefühle. Hamburg. |
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Beitrag in einem Sammelband |
Gruber-Kliem, J. (1992). »Schreiben als Versuch ...«. Ein Balanceakt zwischen Wissenschaftlichkeit und Selbstfindung. In: M. Schratz & S. Steixner (Hrsg.), Betreuung wissenschaftlicher Abschlußarbeiten. Forschen im Dialog (S. 38-52). Innsbruck. |
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Zeitschriftenartikel mit mehreren AutorInnen |
Horowitz, L.M., French, R.S., Wallis, K.D. & Siegelman, E. (1981). The prototype as a construct in abnormal psychology. Journal of Abnormal Psychology, 90, 575-585 |
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Sammelband mit mehreren AutorInnen |
Schratz, M. & Steixner, S. (Hrsg.) (1992). Betreuung wissenschaftlicher Abschlußarbeiten. Forschen im Dialog. Innsbruck. |
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Unveröffentlichte Diplomarbeit |
Krause, A. (1994). Theoretische und methodische Probleme der familienbezogenen Schizophrenieforschung. Universität Marburg, Psychologisches Institut (unveröffentl. Diplomarbeit) |
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Zeitungsartikel |
Leffers, J. (1994). Der qualvolle Weg zum Examen. Hilfen beim wissenschaftlichen Schreiben sind rar. Süddeutsche Zeitung Nr. 244, 22.-23. Oktober, S. H3 |
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Vortrag(smanuskript), unveröffentlicht |
Brauns, H.P. & Schmitz, B. (1981). Erste Ergebnisse einer Reanalyse zum Autokinetischen Effekt mit der SHERIF-Technik. Vortrag gehalten auf der 23. Tagung experimenteller Psychologen Berlin |
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Veröffentlichung ohne Autorenangabe |
Zentraleinrichtung Studienberatung und Psychologische Beratung (1984). 3. Tätigkeitsbericht. Berlin, Freie Universität |
Häufig verwendete Arten von Literaturangaben
Die Angaben im Literaturverzeichnis lassen sich auf unterschiedliche Weise formulieren. Ich schlage Ihnen einen Weg vor, der von der American Psychological Association (1991) vertreten und mittlerweile auch in den benachbarten Sozialwissenschaften relativ breit akzeptiert wird. Egal wie man die Information einer Literaturangabe gruppiert, die einzelnen Angaben müssen auf alle Fälle vorhanden sein (siehe Kasten »Häufig verwendete Arten von Literaturangaben« auf S. 113).
Wenn der Text überarbeitet ist und entweder neu geschrieben oder im Computer für den endgültigen Ausdruck formatiert werden muss, sind einige Überlegungen über die formale Gestaltung der Hausarbeit angebracht. Möglicherweise gibt es in Ihrem Institut Muster für die Gestaltung von Hausarbeiten (oft bestehen solche Vorschriften für Abschlussarbeiten). Meistens aber haben Sie einigen Spielraum dafür. Folgende Bestandteile gehören auf jeden Fall zu einer Hausarbeit:
Deckblatt: Es sollte Informationen über Titel, AutorIn, Semesterzahl der AutorIn, Seminar, SeminarleiterIn, Datum, Hochschule, Institut, Studiengang, evtl. Haupt- oder Nebenfachstudium, Art des Abschlusses (Diplom, Magister, Staatsexamen) und Matrikelnummer enthalten. Das Arrangement des Deckblatts selbst bleibt Ihrer gestalterischen Kreativität überlassen.
Seitengestaltung: Für die Seitenformatierung empfiehlt Theisen (1993, S. 159) folgende Randgestaltung: vom linken Rand ca. 4 bis 4,5 cm, vom rechten 2 cm, vom oberen Rand 4 cm und vom unteren 2 cm Abstand. Der Zeilenabstand ist meistens 1 1/2-zeilig, um die Textseiten nicht zu dicht werden zu lassen. Hausarbeiten sind mit Seitenzahlen zu versehen. Die Paginierung (Seitenzählung) beginnt mit der ersten Textseite.
Inhaltsverzeichnis: Es ist unumgänglich, dem Text eine Gliederung mit Seitenangaben voranzustellen, selbst wenn sie nur drei Punkte umfasst. Erwartet werden in der Regel numerische Gliederungsschemata.
Einleitung: Dem Text kann eine Einleitung voranstehen, die in das Thema einführt und das Vorgehen skizziert. In ihr sollte dargestellt sein, welches Thema behandelt wird, wie Sie an das Thema herangegangen sind, welches Material Sie verwenden und gegebenenfalls welche Probleme Sie bei seiner Erarbeitung hatten.
Literaturverzeichnis: Das Verzeichnis ist alphabetisch geordnet und steht am Ende der Arbeit. Sind mehrere Arbeiten der gleichen Autorin oder des gleichen Autors aufgeführt, so werden sie nach Erscheinungsjahr geordnet. Bei gleichem Autor und gleicher Jahreszahl werden die Arbeiten mit Kleinbuchstaben a, b, c unterschieden.
Quellenverzeichnis: Neben dem Literaturverzeichnis ist ein spezielles Quellenverzeichnis anzulegen, wenn nicht wissenschaftliche Materialien in größerem Umfang verwendet wurden. Es enthält Übersichten über wichtige Quellen, z.B. ein Verzeichnis von Kunstwerken, Fotografien oder Dokumenten.
Anhang: Materialien, die für die Vorgehensweise oder das Textverständnis notwendig, aber für den Text selbst zu umfangreich sind, können im Anhang untergebracht werden. Dazu zählen wichtige Quellen, Auswertungsrichtlinien, Computerprogramme, Musterbeispiele, Interviewleitfäden.
Unter die formalen Aspekte wird oft die Frage geschmuggelt, wie lang eine Hausarbeit eigentlich zu sein hat. Hintergrund ist meist die Sorge, nicht genügend Seiten zustande zu bekommen. Nun mögen einzelne Dozentinnen und Dozenten Richtzahlen für die Länge einer Hausarbeit angeben, an die Sie sich halten können. Ich empfehle Ihnen, sich auf die Inhalte zu konzentrieren. Wenn Sie einen Zugang zu Ihrem Thema und einen gradlinigen Weg gefunden haben, es darzustellen, dann ist die Seitenzahl, die Sie dafür brauchen, genau die richtige. Die größere Gefahr liegt ohnehin darin, dass Sie zu viel schreiben als zuwenig.
Ist eine Arbeit ausgedruckt oder abgetippt und mit Deckblatt und Literaturverzeichnis versehen, kommt der letzte Akt der Herstellung: die Schlusskorrektur. Beim Korrekturlesen ist es immer angezeigt, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmen, denn Fehler, die man beim Überarbeiten mehrfach übersehen hat, findet man auch beim Korrekturlesen nicht mehr. Auch gängige Textverarbeitungssysteme für Computer bieten heute Rechtschreibeprogramme. Sie helfen zumindest beim Eliminieren von Rechtschreibefehlern. Kommasetzung wird von Studienanfängern oft als lästige Nebensache angesehen. Professorinnen und Professoren denken allerdings mitnichten so und vermuten in einer Häufung von Kommafehlern eher ein Zeichen von Kulturverfall. Verbessern werden Kommafehler die Beurteilung einer Arbeit in keinem Fall. Häufig sind Kommafehler aber auch einfach sinnentstellend und deshalb zu vermeiden.
Die beste Hausarbeit erfüllt ihren Zweck nicht, wenn Sie keine Rückmeldung dazu erhalten. An vielen Instituten hat sich eingebürgert, dass Hausarbeiten von den DozentInnen nicht mehr gelesen werden, sondern dass automatisch ein Schein ausgeschrieben und im Sekretariat deponiert wird. Dort holen Sie ihn ab, ohne je zu erfahren, ob Ihre Mühen nun erfolgreich waren und was Sie hätten besser machen können. Dies ist ein gängiges Arrangement zwischen den StudentInnen, die froh sind, wenn ihnen eine Beurteilung erspart wird, und den HochschullehrerInnen, die froh sind, wenn sie Hausarbeiten nicht gründlich lesen müssen. Geben Sie sich damit nicht zufrieden, und bitten Sie um Rückmeldung. Das ist unbequem und weckt viele Assoziationen an Deutschaufsätze und Schulzensuren, aber es ist der Preis dafür, dass Sie Bestätigung für Ihre Leistung erhalten und sich von Unsicherheiten befreien können.
In diesem Abschnitt lernen Sie einige Textmuster kennen, die Ihnen eine grobe Orientierung dafür geben können, wie unterschiedliche wissenschaftliche Texte aufgebaut sind. Zunächst möchte ich Ihnen dazu einige prinzipielle Möglichkeiten aufzeigen und dann die dazugehörigen Textmuster im Detail vorstellen.
Als »Textmuster« oder »Textsorten« bezeichnet die Linguistik die globalen Strukturen, die Texte mit jeweils eigener »Architektur« voneinander unterscheiden (Heinemann & Viehweger 1991, S. 129). Ich werde Ihnen eine pragmatische Einteilung von Textmustern geben, die für Hausarbeiten geeignet sind. Dazu habe ich sechs Textmuster mit jeweils eigener »Architektur« ausgewählt, die sich u.a. danach unterscheiden, wie und auf welche Aspekte des verarbeiteten Materials sie sich beziehen.
Nehmen wir noch einmal an, Sie würden in einer Lehrveranstaltung über die Entwicklung von Ärger und Aggression ein Referat zum Thema »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit« übernehmen. Sie hätten dann mehrere Möglichkeiten, dieses Thema zu bearbeiten:
Sie können sich in Ihrer Hausarbeit primär auf einen einzelnen Text über das Thema »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit« beziehen. Ihre Aufgabe wäre dann, den Text zusammenzufassen und entsprechend der im Seminar erarbeiten wissenschaftlichen Gesichtspunkte zu kommentieren. Das Textmuster, das Sie dazu heranziehen können, nennt sich kommentierte Textwiedergabe.
Sie können sich in Ihrer Bearbeitung zweitens auf zentrale Behauptungen über die Ärgerentwicklung beziehen. Diese Form zu wählen ist dann sinnvoll, wenn es strittige Meinungen oder Kontroversen über das Thema gibt. Ein geeignetes Textmuster dazu ist das Thesenpapier. Es reduziert Texte auf Kernaussagen. Wegen seiner pointierten Darstellung ist es besser als Diskussionsanregung in einem Referat geeignet als dafür, komplexere Zusammenhänge schriftlich zu entwickeln.
Als Drittes können Sie versuchen, ein Bild von Ihrem Gegenstand »Ärgerentwicklung« zu skizzieren unter Verwendung wissenschaftlicher Meinungen und empirischer Forschungsergebnisse. Bei diesem Vorgehen beziehen Sie sich also direkt auf den Gegenstand und versuchen, ihn in abstraktere Bestandteile zu zerlegen, um ihn somit zu erläutern, einzuordnen und verständlich zu machen. Das dazugehörige Textmuster kann man analytische Sachdarstellung nennen.
Als Viertes könnten Sie eine kontroverse Ausgangsfrage wählen, wie beispielsweise die Frage »Ist Ärger angeboren oder erlernt?« Sie hätten dann freie Hand, Argumente und Gegenargumente dazu anzuführen und zu bewerten. Das passende Textmuster dazu ist der kritische Essay. Darin geht es primär um die Diskussion eines strittigen Problems, also um ein kritisches Abwägen von Argumenten für oder gegen eine Behauptung.
Eine fünfte Möglichkeit besteht darin, einen Text oder ein Fallbeispiel über Ärgerentwicklung zu interpretieren. Damit beziehen Sie sich nicht in erster Linie auf den Ärger selbst, sondern auf ein literarisches Produkt oder einen konkreten Fall zum Thema Ärger. Das entsprechende Textmuster nennt sich (Text-)Interpretation.
Als sechste Möglichkeit können Sie sich auf eigene Erfahrungen mit dem Thema Argerentwicklung beziehen, z.B. auf ein Praktikum im Kindergarten oder auf Beobachtungen aus einem Forschungsprojekt. Das entsprechende Textmuster ist ein Bericht oder Protokoll.
Diese sechs Textmuster sind Typisierungen, die Ihnen Strukturierungsmöglichkeiten für Ihre Hausarbeit aufzeigen sollen. Sie sind keine erschöpfende Aufzählung. Es gibt Mischformen, deren Logik Sie sich selbst erschließen können. Kapitel 6 informiert Sie ausführlich über wissenschaftliche Textmuster.
Gut geeignet für erste Hausarbeiten ist ein Textmuster, das in den Wissenschaften unter dem Namen »Rezension« bekannt ist und hier »kommentierte Textwiedergabe« genannt wird. Dabei geht es um die Wiedergabe eines Textes plus Kommentar dazu. Gerade am Studienanfang ist es sinnvoll, sich in diesem Genre zu üben, da dies sowohl dem Textverständnis als auch dem Formulieren einer eigenen Meinung dient. Es ist ideal dazu geeignet, das Paraphrasieren und Zusammenfassen zu üben. Außerdem ist es ein »ehrliches« Textmuster, das die Verfasserin oder den Verfasser nicht dazu nötigt, ein Expertentum vorzuspielen, das nicht vorhanden ist. Seltsamerweise wird es im Studienalltag selten verlangt.
Von einer Rezension wird erwartet, dass sie einen Text so wiedergibt, dass die LeserInnen ein Bild von seinem Inhalt bekommen. Sie ist also primär eine Inhaltsangabe des Textes. Eine subjektive Gewichtung in der Auswahl der Passagen ist dabei durchaus erwünscht und notwendig. Im Gegensatz zu einer reinen Zusammenfassung ist sie umfangreicher, selektiver und enthält mehr strukturierende Metaaussagen.
Die Wiedergabe des Inhalts sollte bzw. kann mit mehreren Elementen kombiniert werden (Poenicke 1988, S. 103). Eine erste Kombinationsmöglichkeit ist die vorausgehende Einordnung des Textes in einen übergeordneten Zusammenhang. Sie kann sich nach folgenden Fragen richten:
In welchem Diskurs ist der Text entstanden?
Welchem Zweck dient er?
Wer ist die Autorin oder der Autor?
Welche Rolle spielen Autorin oder Autor in der Wissenschaft?
Welche Positionen vertreten sie?
Mit welchen Intentionen und Zielsetzungen ist die Arbeit geschrieben?
Für welchen Adressatenkreis ist der Text geschrieben?
Wie kann man sein Entstehen (seinen Inhalt, seine Funktion usw.) historisch, politisch oder fachpraktisch einordnen?
Der zweite Bestandteil einer kommentierten Textwiedergabe ist eine wertende Stellungnahme des dargestellten Textes. Die Stellungnahme ist wahrscheinlich das eigentliche Spezifikum dieses Textmusters. Sie kann sich auf verschiedene Qualitätskriterien wissenschaftlicher Arbeiten beziehen:
Sind Aufbau und innere Logik des Textes stimmig?
Ist die Fragestellung sinnvoll? Wird die Frage schließlich beantwortet?
Ist die Arbeit nützlich? Welches ist ihr Erkenntnisgehalt?
Was für eine praktische Bedeutung hat sie?
Ist der empirische Teil der Arbeit nachvollziehbar und sinnvoll?
Ist die Arbeit originell? Wie ordnet sie sich in die vorhandene Forschung ein?
Die wertende Stellungnahme ist ein legitimer Ort, Kritik zu üben. Je nach Kompetenz der Rezensentin oder des Rezensenten kann die Kritik subjektiv gehalten oder objektivierend formuliert sein, also die Form einer persönlichen Meinung oder die eines wissenschaftlich fundierten Urteils haben. Buchberichte und Rezensionen sind ideal, um verschiedene Arten der Kritik zu üben. Wie Literaturkritiken anzufertigen sind, erklärt anschaulich Ueding (1991).
Kommentierte Textwiedergaben sind Ausgangspunkt für komplexere Textkompilationen (Sammelreferate, Literaturberichte). Als Beurteilungskriterien sind Textverständnis, Genauigkeit in der Wiedergabe und Begründetheit der Kritik hervorzuheben. Die wertende Stellungnahme ist natürlich der schwierigste Teil und stellt die eigentlich eigenständige Leistung dar. Lehrveranstaltungen sind in der Regel dafür da, das Analysieren, Wiedergeben und Bewerten komplexer Texte zu üben; die kommentierte Textwiedergabe ist somit eine ideale Vorbereitung für die Diskussion, wie umgekehrt die Diskussion im Seminar die Fähigkeit zur Textbewertung fördert.
Ein Textmuster, das in den USA sowohl in der Schule als auch im Studium einen großen Stellenwert einnimmt, bei uns merkwürdigerweise keine Bedeutung hat, ist der Book Report, für den ich kein besseres deutsches Wort als Buchbericht finde. Buchberichte gehören im amerikanischen Unterrichtssystem zu den gängigsten Leistungsanforderungen und sind Anzeichen dafür, dass dort systematischem Lesen ein größerer Stellenwert beigemessen wird als bei uns. Während im Seminarbetrieb an deutschen Hochschulen vor allem die Verarbeitung von Gelesenem in einem neuen Text verlangt wird, gibt es dort das vorgeschaltete Prüfen des Leseverständnisses und Üben von kompetenten Textzusammenfassungen und -bewertungen. Ich glaube, dass das eine wichtige Voraussetzung für das Verfassen komplexerer Abhandlungen ist.
Book Reports sind allerdings nicht einfach Zusammenfassungen von Büchern. Sie erfordern eine aktive Auswahl der Aspekte, auf die sich der Bericht beziehen soll. Buchberichte haben die Aufgabe, eine synoptische (d.h. übersichtlich zusammengestellte) Zusammenschau des Textes zu geben und dann die Aspekte herauszugreifen, die für einen bestimmten Kurs oder Zusammenhang von Bedeutung sind (Sorenson 1988). Weiterhin ist die oben dargestellte Form der Paraphrasierung zu beachten. Ein Buchbericht kann enthalten (nach Sorenson 1988, S. 85):
Titel des Buches
Autorenname
Gegenstand, Charaktere, Kontext und Meinung des Autors – übersichtliche Zusammenstellung des Inhalts in einem Abschnitt (Synopse)
Bezug des Buchinhalts zur Lehrveranstaltung oder dem in Frage stehenden Thema
Reaktion der Rezensentin oder des Rezensenten auf das Buch; persönlicher Gewinn daraus
Zitate aus dem Buch zur Stützung von Behauptungen
Das Thesenpapier reduziert einen Text oder Themenbereich auf zentrale Behauptungen bzw. Aussagen. Der Zweck des Thesenpapiers liegt darin, einen Text oder einen thematischen Zusammenhang von allem Beiwerk zu entkleiden, um ihn einer Diskussion besser zugänglich zu machen. Thesenpapiere sind eine gute Basis für den mündlichen Vortrag in einem Seminar und für die Diskussion eines Themas in einer Prüfung, während die schriftliche Ausarbeitung besser an einem anderen Textmuster auszurichten ist.
Ein Thesenpapier soll die argumentative Struktur eines Textes oder Themenbereiches so reproduzieren, dass die Kernaussagen pointiert wiedergegeben werden. Da Thesenpapiere der Auseinandersetzung mit einem Thema dienen, ist es sinnvoll, in ihnen Argumente zugespitzt und nicht ausgewogen darzustellen.
Thesen können die eigene Meinung wiedergeben, müssen dies aber nicht unbedingt. Sie können sich ebenso auf die Meinung fremder AutorInnen beziehen. Wenn Thesen zu plausibel sind, als dass sie eine brauchbare Grundlage für eine Diskussion abgeben, kann man sie jeweils in ihr Gegenteil verkehren, damit sich die Diskussion an ihnen entzünden kann. Das geht aber nur, wenn die Thesen unabhängig von ihrer Herkunft diskutiert werden sollen.
Die Thesen zur Ärgerentwicklung sind hier ohne Literaturnachweise formuliert. Das kann für die Darstellung in einer Lehrveranstaltung auch angemessen sein. Für Prüfungen sollten Thesenpapiere dagegen durch Literatur belegt sein. Die Thesen in unserem Beispiel besitzen die Form von Behauptungen und sind nicht darum bemüht, unterschiedliche wissenschaftliche Positionen zum Thema zur Geltung zu bringen. Es gibt mehrere Auffassungen über Ärgerentwicklung, die in einem anderen Textmuster auch erwähnt werden müssten. Das Thesenpapier als Textmuster erlaubt aber, einseitig zu sein.
Thesenpapiere sollten eine Einleitung haben, in der das Thema dargestellt und die Art der Thesen erläutert wird, sowie einen Schlusskommentar, der die eigene Position und/ oder ein resümierendes Fazit zu den referierten Thesen enthält.
Thesen sollten knapp formuliert sein. Halbseitige Ausführungen zu einem Punkt sind keine Thesen. Gegebenenfalls kann man Thesen eine Erläuterung beigeben, wenn sie nicht für sich allein verständlich sind. Zur Erläuterung können Begründungen, theoretische Erwägungen oder illustrierendes Material (Statistiken, Belege, Fallmaterial, eigene Erfahrungen usw.) angeführt werden.
Mit Thesenpapieren kann man sich einen Zugang zur argumentativen Struktur eines Gegenstandsbereiches erarbeiten. Dementsprechend passen sie dann, wenn man kontroverse, argumentativ strittige, emotional aufgeladene oder aktuelle Themen zu bearbeiten hat. Sie eignen sich als Grundlage für Diskussionen, als Übung für pointiertes Darstellen von Argumenten und als Mittel zum Klären von Meinungen. Um Sachverhalte zu beschreiben, zu analysieren oder zu interpretieren, eignen sich andere Textmuster.
Einleitung:
Die folgenden Thesen sollen
Grundlage für eine Diskussion über die Entwicklung von
Ärger und Aggression sein. Sie sind für das Seminar
»Entwicklung von Ärger und Aggression« formuliert
und entstanden auf der Basis der im Seminarplan angegebenen
Literatur. These
1: Ärger ist eine
elementare Emotion, die alle Menschen in allen Kulturen besitzen.
Ärger ist eine komplexe emotionale Reaktion, die eine
physiologische, eine expressive, eine subjektive, eine kognitive und
eine handlungsbezogene Komponente besitzt. These
2: Ärger erhält im
Verlauf der individuellen Entwicklung eine Vielzahl von Funktionen
in der Handlungssteuerung und der Beziehungsregulation, darunter die
Funktion der Energetisierung von Handlungen, der Verteidigung des
Selbstwertes und der Durchsetzung eigener Handlungsintentionen. These
3: Die Ärgerentwicklung
beginnt im ersten Lebensjahr. Nach wenigen Lebensmonaten lässt
sich Ärger in der Mimik des Kindes in Interaktionssituationen
und in Frustrationssituationen beobachten. These
4: Etwa ab dem 6. bis 8. Monat
lassen sich Ärgerreaktionen bei Kontaktunterbrechung mit
wichtigen Bezugspersonen feststellen. Ärger scheint ab diesem
Alter eine Emotion zu sein, die ein Instrument zur Aufrechterhaltung
von Bindung bzw. Vermeidung von Trennung ist. These
5: Im zweiten Lebensjahr ist
Ärger eine emotionale Basis von Trotzreaktionen. Trotz tritt in
der Regel dann auf, wenn die Handlungsintention eines Kindes durch
Erwachsene oder ältere Kinder unterbrochen wird. Trotz scheint
dabei für das Kind ein Mittel zu sein, mit dem es seine
Handlungsintentionen gegenüber anderen Familienmitgliedern
durchsetzt.
Unter »Essay« versteht das DUDEN-Herkunftswörterbuch (1989) »eine Abhandlung, die eine literarische oder wissenschaftliche Frage in knapper und anspruchsvoller Form behandelt«. Im Englischen wird »Essay« als Überbegriff für alle Hausarbeiten oder kurzen Texte verwendet, die man an der Universität schreibt. Im Deutschen dagegen hat »essayistisch« unverständlicherweise einen Beigeschmack von »unwissenschaftlich« und wird zur Bezeichnung von Texten verwendet, die zu eloquent und zu wenig wissenschaftlich fundiert sind. Dem kritischen Essay ähnliche Textmuster sind »Reflexionen« und »Erörterungen«.
Ein kritischer Essay eignet sich zur Bearbeitung von Themen, die Freiraum für Überlegungen und Nachdenken bieten. Kritische Essays fördern das schriftliche Erkunden eines Gegenstandes und das kritische Reflektieren und Prüfen wissenschaftlicher Positionen.
Ausgangspunkt für einen kritischen Essay ist in der Regel ein Problem, eine strittige Frage oder eine These, die in dem Essay dann diskutiert werden soll. Organisieren Sie Ihren Essay am besten um die zentralen Argumente, die für oder gegen die in Frage stehende These sprechen. Anregungen zur Gliederung Ihrer Darstellung finden Sie auf den Seiten 170-176. Zur Stützung von Argumenten können Sie auf unterschiedliche Materialien wissenschaftlicher oder außerwissenschaftlicher Herkunft zurückgreifen:
auf wissenschaftliche Materialien wie Statistiken, Daten, Fakten
auf wissenschaftliche Positionen (Theorien, Meinungen etc.)
auf Autoritäten Ihres Fachs oder der Wissenschaft allgemein – auf Ihre eigenen Ansichten und Lösungsvorstellungen zu dem Problem
auf soziale, wissenschaftsethische oder allgemein menschliche Wertvorstellungen
Ein kritischer Essay über die Entwicklung der Emotion Ärger ließe sich z.B. über die Frage schreiben, ob Arger biologisch bedingt ist oder in der Sozialisation erworben wird. Dazu wäre zunächst nötig, das Problem selbst zu beschreiben und die wichtigsten Vertreter der biologischen und der sozialisationstheoretischen Positionen zu nennen. Als zweiter Schritt wäre es sinnvoll, die eigene Position zu formulieren und kurz zu begründen, also z.B. darzustellen, warum eine sozialisationstheoretische Position plausibler erscheint als eine biologische. In einem dritten Schritt wäre es angebracht, verschiedene Aspekte des Themas zu unterscheiden und die Parteinahme für die gewählte Position in jedem dieser Aspekte zu begründen. Ebenfalls möglich wäre es, den Essay entlang der wichtigsten Argumente aufzubauen.
Der Begriff »analytische Sachdarstellung« ist keine gängige oder gar standardisierte Bezeichnung. Ich beschreibe damit ein Textmuster, das der »darstellenden« Behandlung eines Sachverhalts unter Verwendung wissenschaftlicher Theorien und Ergebnisse dient. Die analytische Komponente liegt darin, dass der Gegenstand in seine abstrakteren Bezüge und Determinanten zergliedert und dann in deren Licht betrachtet wird.
Eine analytische Arbeit zum Thema »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit« beispielsweise hätte die Aufgabe, die wichtigsten Gesichtspunkte zu unterscheiden, die helfen können, die Ärgerentwicklung zu verstehen. Ärger lässt sich beispielsweise als Emotion verstehen, und aus der Kenntnis der Struktur emotionaler Reaktionen können Aussagen über die Ärgerreaktion abgeleitet werden. Ärger lässt sich auch unter dem Verhaltensaspekt betrachten, und dementsprechend könnte man dort gewonnene Lerngesetze auf die Ärgerentstehung übertragen. Ebenso lässt sich Ärger unter dem Aspekt seiner kognitiven Steuerungsmechanismen, seiner Sozialisation, seiner biologischen Bedingtheit, seiner sozialen Funktion usw. betrachten.
Das analytische Vorgehen überlässt Ihnen viele Freiheiten in der Auswahl der relevanten Gesichtspunkte. Eine große Bedeutung kommt empirischen Informationen und Belegen zu, die die von Ihnen behaupteten Zusammenhänge stützen können.
In einer analytischen Sachdarstellung werden, anders als im kritischen Essay, nicht primär Argumente diskutiert, sondern es wird ein Gegenstand dargestellt, erläutert oder erklärt. Wichtig an diesem Textmuster sind die Strukturierung oder Systematisierung der analytischen Gesichtspunkte und die Stringenz, mit der die empirische Information dazu in Beziehung gesetzt wird.
Wenn Ihr Thema eine analytische Sachdarstellung erfordert, dann sollten Sie darauf achten, dass es ausreichend eingegrenzt ist, dass das wissenschaftliche Material überschaubar ist und Ihnen auch tatsächlich zur Verfügung steht. Ein Beispiel für eine Bearbeitung des Themas »Ärgerentwicklung in der frühen Kindheit« findet sich im gleichen Kapitel weiter oben in Schritt 6.
Die Interpretation gibt Ihnen Gelegenheit, Ihr Wissen dazu zu verwenden, ein Werk (wissenschaftliches Buch, Kunstwerk, Gedicht usw.) oder einen sozialen Sachverhalt in einen erklärenden Zusammenhang zu stellen. Bei Ihrer ersten Hausarbeit genügt es wahrscheinlich, wenn Sie sich für den Fall wappnen, dass Sie eine Textinterpretation vornehmen müssen. In manchen Fächern wird die Interpretation mit einer vorgängigen Textanalyse verbunden. Obwohl Analysieren und Interpretieren unterschiedliche gedankliche Arbeitsweisen sind (wie im nächsten Kapitel ausführlich dargestellt wird), sind in der Textarbeit oft beide unmittelbar ineinander verschränkt vorzunehmen.
Interpretationen stellen Sachverhalte im Licht übergeordneter Zusammenhänge dar. Wenn Sie wissenschaftliche Texte interpretieren, dann haben Sie zunächst die Aufgabe, den Text in zentrale Aussagen oder Behauptungen zu zerlegen. Sie müssen ihn also dekomponieren und können dann die einzelnen Elemente oder Aspekte für sich betrachten und interpretieren.
Die Interpretation literarischer Werke erfordert eine breite Palette von literaturtheoretischen, stilistischen, historischen und genrespezifischen Kenntnissen, um einem bestimmten Werk gerecht zu werden (siehe z.B. Gelfert 1990, 1992). In Ihrer ersten Hausarbeit sollten Sie Absprachen darüber treffen, welche Aspekte Sie tatsächlich für eine Interpretation heranziehen sollen.
Eine Textinterpretation gibt Ihnen Gelegenheit, eine kritische Perspektive zu dem in Frage stehenden Werk zu entwickeln und Ihr gegenwärtiges Fachwissen einzubringen. Eine Textinterpretation dringt weiter als eine kommentierte Textwiedergabe in die ästhetische oder argumentative Grundstruktur einer Arbeit ein und hat weitere Freiheiten, darin Bezugspunkte zur Deutung oder Auslegung des Textes auszuwählen. Ausführliches zur Interpretation finden Sie auf den Seiten 165-170.
Der Bericht bezieht sich auf Konkretes. Etwas, das man getan, gesehen, bearbeitet, verwendet oder untersucht hat. Der Bericht basiert primär auf Beschreibungen oder Schilderungen. Er gibt zunächst nur wieder, was ist.
Protokolle sind Berichte, die eine standardisierte Form haben. Das Protokoll dient der möglichst exakten Wiedergabe einer Ereigniskette. Das kann eine Sitzung, ein Experiment, ein Gespräch oder eine Prüfung sein. Die Genauigkeit des Protokolls bemisst sich an einem Zweck. Protokolle haben das zu dokumentieren, was für diesen Zweck relevant ist. Das Protokoll einer Lehrveranstaltung hat z.B. alle relevanten »Lernereignisse« wiederzugeben, aber keine Witze oder Zwischenbemerkungen. Das Prüfungsprotokoll muss Prüfungsfragen und -antworten enthalten, nicht aber den angstlösenden »Small Talk« zu Beginn der Prüfung.
In der Wissenschaft haben Protokolle auch als Dokumente der Forschung eine Bedeutung. Protokolle sind die Urschriften experimenteller Forschung und geben Zeugnis von Untersuchungen, Messoperationen, Ergebnissen usw. Protokolle geben dabei Beschreibungen des Geschehenen. Sie sollen so abgefasst sein, dass auch nicht anwesende Personen über die Ereignisse und Beschlüsse objektiv informiert werden (Theisen 1993, S. 154). Protokolle haben also auf Zusätze, Umstellungen, Zusammenfassungen, Interpretationen, Bewertungen zu verzichten (Rückriem, Stary & Franck 1992, S. 61). Sie können auch in standardisierter Form vorgenommen werden, wozu ein »Protokollblatt« nützlich ist, das, ähnlich wie ein Fragebogen, bestimmte Informationen abruft. Allen Protokollen ist gemeinsam, dass sie zu einer genauen Dokumentation des Datums, der Uhrzeit, der beteiligten Personen, des Ortes und ungewöhnlicher Ereignisse (Unterbrechungen usw.) verpflichtet sind.
Berichte kann man z.B. geben über Gelesenes, Erlebtes, Diskutiertes, Ausgedachtes, Ausprobiertes, Erhobenes, Entdecktes. Berichte können eigene Gefühle, Reflexionen und Erlebnisse einschließen, etwa wenn man die Sitzung einer Selbsterfahrungsgruppe oder die Erfahrungen in einer Praktikumsstelle darstellt. Die wichtigsten Tugenden von Berichten sind ihre Präzision, ihre Nachvollziehbarkeit und ihre Vollständigkeit. Sie sollen anderen erlauben, etwas nachzuvollziehen, was diese selbst nicht erlebt haben.
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
*Seitenzahl-Angaben wie diese beziehen sich sich auf die Druckfassung von Otto Kruses Buch Keine Angst vor dem leeren Blatt, dem dieser Text entnommen wurde.
*Originaltext entnommen aus: H. Weber (1994). Ärger. Psychologie einer alltäglichen Emotion. Weinheim, S. 23.
1Schreibschnell, 1988, Textherstellung, S. 17.
2Writing, 1991, Schreiben im Studium.
3Diese Beobachtung teilte Schmierfink, 1967, in einem Symposium mit.
4Ratgeb, 1986, Seminarmaterialien zum Erstellen von Hausarbeiten, S. 59; Ratgeb hält es darüber hinaus für sinnvoll, wenn Hausarbeiten in Gruppen geschrieben werden, damit Textmuster besser besprochen werden können.
5Textmann, 1987, Textmuster kennen und lieben; hier zitiert nach Schreibschnell 1988, S. 44.
6Lerngut, A., Lehrgenau, B., Schreibviel, C. & Rednicht, D., 1989, Benennung von Textmustern im Kontext des Studiums.
7Sprachschön, 1978, Schneller, schöner und effektiver schreiben!, S. 55.
8Studyskill, 1987, Professional Writing, S. 5, eigene Übersetzung.
9Diese These wird in Kapitel 7 weiter ausgeführt werden.