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Autor: Kruse, Otto.
Titel: Professionalisierung des Schreibens.
Quelle: http://www.dfjv.de/download/artikelarchiv/kruse_professionalisierungschreiben.pdf [02.03.2004]. Druckfassung: Zeitschrift Fachjournalist Nr. 8/2003. Berlin 2003. S. 22-26.
Verlag: Deutscher Fachjournalisten-Verband.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Otto Kruse
Professionalisierung des Schreibens
In den neunziger Jahren wurde das Schreiben in Deutschland zum Thema. Bis dahin wurde es zwar praktiziert, aber nicht gelehrt oder reflektiert. Es galt als selbstverständliches Bildungsgut, das nach der Schule keiner weiteren Ausbildung mehr bedarf. Dann begann eine Phase der Problematisierung des Schreibens: Aus- und Weiterbildungsangebote entstanden, die Methodik des Schreibens wurde erschlossen, neue Berufe tauchten auf wie z.B. Texter, Storydesigner, Schreibpädagogen, Textdoktoren, Schreibberater, Schreibcoaches, technische Redakteure, Contentprovider. Was mit dieser Entwicklung verbunden ist, beschreibt Otto Kruse in diesem Beitrag.
Zur Zeit Christi Geburt war im Römischen Reich die Herstellung von Texten ein zentrales Schul- und Studienfach. Die Rhetorik beschäftigte sich mit der Ideengenerierung, der Strukturierung von Material und der sprachlichen Ausschmückung und Gestaltung des entstehenden Textes. In einem zweiten Schritt wurde dann gelehrt, wie man Texte auswendig lernt und vorträgt. Mit dem Untergang Roms ging auch dieses Wissen verloren. Erst im ausgehenden Mittelalter wurde die Rhetorik wiederentdeckt und blieb bis ins 18. Jahrhundert verpflichtendes Unterrichtsfach der Hochschulen. Danach setzte sich die Vorstellung durch, dass das Schreiben nicht von Regeln geleitet sein sollte, sondern allein vom Genie der Schreibenden. Von der Rhetorik blieb nur der zweite, mündliche Teil erhalten. Anders als in den angelsächsischen Ländern, die die Rhetorik nie völlig aufgegeben haben, wird Schreiben in Deutschland seitdem nicht mehr gelehrt, weder wissenschaftliches noch literarisches.
Seit etwa 10 Jahren gibt es eine Renaissance der Rhetorik, allerdings unter neuen Begriffen wie „kreatives Schreiben“, „Schreibdidaktik“ oder „Schreibpädagogik“. In allen Domänen des Schreibens – in wissenschaftlichen, literarischen, journalistischen, technischen, lyrischen Feldern – entstehen seither Aus- und Weiterbildungsangebote und Forschungsprojekte zum Schreiben. In die journalistische Ausbildung wird das Schreiben zunehmend als Unterrichtsfach integriert, ebenso wie z.B. „szenisches Schreiben“ in die Ausbildung von Schauspielern eingeführt wird. Zwei Institute bieten eine Ausbildung im literarischen Schreiben an, in Hamburg bildet eine „Texterschmiede“ Texter für die Werbung aus. Mehrere Hochschulen haben Schreibzentren aufgebaut, die die Studierenden bei Schreibproblemen beraten. In der Schule hatte sich in Form der Aufsatzdidaktik ein fragmentarischer Schreibunterricht erhalten, der in der letzten Dekade um viele Elemente des Kreativen Schreibens erweitert wurde.
Die Entwicklung ist stetig, aber planlos und unübersichtlich. Es gibt in Deutschland keine Lobby für das Schreiben: Keinen Dachverband, kein Zentralinstitut, keine Stiftung, kein Max-Planck-Institut. In den Kunsthochschulen haben sich die bildende Kunst, die Musik und das Theater etabliert. Die Sprachkünste bleiben ausgeschlossen. Das Land der Dichter und Denker wird immer noch von dem Mythos dominiert, das Schreiben lerne sich von selbst. Die Germanistik insgesamt ist sehr zurückhaltend, wenn es um das Scheiben geht. Sie fühlt sich nur der Analyse von Texten verpflichtet, nicht deren Herstellung.
Gerade aufgrund der unterschiedlichen, domänenspezifischen Ansätze zum Schreiben, die von oft gegensätzlichen Philosophien getragen werden, ist es notwendig, sich die Frage zu stellen, was denn der gemeinsame Nenner der verschiedenen Entwicklungsstränge ist. Und einer, der sich klar benennen lässt, ist Professionalisierung.
Professionalisierung bedeutet sowohl, dass das Schreiben zum Beruf wird als auch, dass die, die schreiben, sich der dabei eingesetzten Mittel und Werkzeuge bewusst werden. Das Schreiben wandelt sich also von einem Feld intuitiver Sprachgestaltung zu einer gezielten und kontextsensiblen Technologie der Textherstellung. Weiterhin gehört zur Professionalisierung, dass sich Berufe ausdifferenzieren, dass ein Markt entsteht mit entsprechender Nachfrage an spezialisierten Dienstleistungen, dass die nötigen Kompetenzen erschlossen und Trainingsmethoden entwickelt werden.
Schritte zur Professionalisierung, die im deutschsprachigen Raum noch anstehen, sind die Entstehung von Fach- oder Berufsgesellschaften mit definierten berufsethischen Normen und etablierten Fachdiskursen. Ebenso ist die Entstehung von Ausbildungsgängen und eine Vereinheitlichung von Ausbildungsrichtlinien üblicherweise Teil der Professionalisierung, und, wenn das erreicht ist, dann hat sich ein Berufsstand als Sachverwalter eines Kompetenzfeldes etabliert und kann als selbständiger Akteur in Kultur, Wirtschaft und Bildung auftreten.
In den USA, wo die Professionalisierung des Schreibens weit fortgeschritten ist, gibt es mehrere Gesellschaften, die diese Rolle erfüllen und ein breites Programm an Weiterbildung, Studiengängen, Coachingangeboten, Publikationen, Onlinehilfen, Software usw. anbieten. Wer einen tieferen Eindruck davon erhalten will, wie weit Professionalisierung gehen kann, sollte diese Seiten inspizieren. Die wichtigsten sind:
Verband der Schriftsteller (WGA - Writers Guild of America)
Verband der vollberuflichen Journalisten (SPJ – Society of Professional Journalists)
Verband der Wissenschaftsjournalisten (NASW – National Society of Science Writer)
Verband der Drehbuchautoren (ASA – American Screenwriters Association)
Dachverband der Creative-Writing-Studiengänge (AWP - Associated Writing Programs)
Nationaler Englischlehrerverband (NCTE – National Council of the Teachers of English)
Englischlehrer der Hochschulen (CCCC – Conference of College Composition and communication)
Verband der Schreibzentren (IWCA – International Writing Centers Association).
Ein komplexes Handlungsfeld wie das Schreiben methodisch zu erschließen, bedeutet in erster Linie, Diskurse über das Schreiben zu etablieren. Wenn Schreiben nicht von Genialität geleitet ist, dann muss kommunizierbar sein, wie man schreibt. Ähnlich wie in anderen kreativen Domänen lassen sich Erfahrungen über das Schreiben in verschiedenen Feldern sammeln und verallgemeinern. Das Schreiben wird zur wissenschaftlichen und künstlerischen Disziplin. Zwei Charakteristika beherrschen das Schreiben als Disziplin:
Schreiben ist immer aktives Handeln. Schreiben ist also ein angewandtes Fach, das sich nicht nur mit der Erforschung naturwüchsig ablaufender Prozesse befasst, sondern das auch immer die Planung, Steuerung und Gestaltung von Schreibhandlungen einschließen muss.
Schreiben ist immer kreativ. Jeder Satz und jeder Text ist eine Neuschöpfung von Sprache, die den syntaktischen, semantischen, pragmatischen und ästhetischen Anforderungen gerecht werden muss. Textherstellung ist ein komplexer Optimierungsvorgang von Sprache, bei dem es keine einfachen Regeln oder gar Algorithmen gibt. Dementsprechend werden von Schreibenden keine eindimensionalen oder einheitlichen Fähigkeiten verlangt, sondern die Fähigkeit, vielfältige und komplexe Handlungsmuster zu aktivieren und zueinander in Beziehung zu setzen. Professionelle Schreibstrategien sind darauf ausgerichtet, mit dieser Vielfalt umzugehen und die Unsicherheit zu bewältigen, die dabei entstehen kann.
Gerade in schwer überschaubaren, ergebnisoffenen Handlungssystemen (vergleichbar sind etwa die Psychotherapie, das Schachspiel oder die Produktentwicklung) ist Methodik besonders nötig, um wenigstens die Faktoren beherrschen zu können, die sich dem erkennenden Zugriff prinzipiell öffnen. Was Schreibende lernen können:
Die sozialen Kontexte verstehen, in denen Texte entstehen (etwa in Redaktionen, in wissenschaftlichen Disziplinen
Sprachwissen erwerben
den Umgang mit der eigenen Person beim Schreiben kontrollieren
Werkzeuge und Hilfsmittel der Textherstellung einzusetzen
das Schreiben zu planen
Domänen, Genres und Textsorten kennen
das System der Adressaten und Diskurse verstehen, in denen Texte wirksam werden
Ästhetische Grundlagen des Designs von Texten zu beherrschen.
Schreiben ist zwar von seiner äußeren Dynamik ein einheitlicher Prozess (wenn man den motorischen Ablauf des Schreibens betrachtet), von seiner inneren Dynamik (den kognitiven Prozessen) jedoch ist es ein sehr differenzierter Vorgang, und es ist von einiger Bedeutsamkeit, sich die innere Differenzierung des Schreibens bewusst zu machen, da dies wesentlich seine Steuerung verständlich macht. Ich will hier drei Differenzierungshilfen geben.
Texte und entsprechend das Schreiben kann man zunächst in Domänen einteilen. Das sind große und traditionsreiche Felder gesellschaftlicher Aktivität wie die fiktionale Literatur, die Wissenschaft, die Journalistik, der Film oder die Geschäftskommunikation. Jede Domäne ist nicht nur durch eine bestimmte Art von Texten charakterisiert, sondern auch durch Institutionen, Ausbildungsgänge, Traditionen, Märkte usw. Wichtig ist, dass man die Gesetze jeder Domäne neu lernen muss und dass man domänengebundenes Wissen nur sehr begrenzt transportieren kann. Wer wissenschaftliche Texte gut schreiben kann, kann bei lyrischen Texten durchaus versagen (und umgekehrt).
Innerhalb der Domänen gibt es Genres als Unterdifferenzierungen. Genres sind eingegrenzte Felder des Schreibens, mit eigenen Gattungsmerkmalen, Traditionen und Lesern. Literarische Genres wie der Entwicklungs-, Kriegs-, Jugend-, oder Kriminalroman, Science Fiction oder Fantasy teilen zwar die Merkmale fiktionaler Texte, treffen aber aufgrund ihrer Tradition auf unterschiedliche Lesererwartungen, denen sich die Autoren stellen müssen. Einige der Genres sind hochgradig normiert, wie etwa Science Fiction oder Fantasy, und es ist nötig, diese Normen zu kennen, wenn man nicht naiv agieren will. Nicht immer muss man Normen jedoch einhalten, denn Literatur lebt genauso davon, Normen zu brechen und neue Normen zu schaffen wie davon, sie einzuhalten.
Quer zu den Genres (und auch zu den Domänen) gibt es Textsorten oder Texttypen. Das sind Texte mit eigenen Charakteristika, die aus den funktionalen Bedeutungen der Texte und den damit verbundenen Sprechhandlungen entstanden sind. Anleitungstexte z.B. gibt es in der Wissenschaft, in Sachbüchern und Ratgebern und in allen Texten, die etwas mit Lernen zu tun haben (gleichgültig in welcher Domäne und in welchem Genre). Der Aufbau von Anleitungstexten ist von der Funktion bestimmt, den Lesenden zu ermöglichen, bestimmte Handlungen ausführen oder bestimmte Ziele zu ereichen. Andere Textsorten sind beispielsweise die analytischen, die argumentativen, die berichtenden oder erzählenden Texte. Nicole Bracker hat in drei Folgen in dieser Zeitschrift beispielsweise sehr gut die wichtigsten journalistischen Textsorten dargestellt.
Wer schreiben lernt, muss lernen, sich mit Domänenzugehörigkeiten, Genres und Textsorten zu arrangieren. Professionalisierung verlangt Sicherheit in der Zugehörigkeit, denn jede Domäne wird von anderen Institutionen, anderen Traditionen, anderen ästhetischen Gesetzen und anderen Marktbedingungen regiert. Was in der einen Domäne als Tugend gilt, kann in der anderen eine Todsünde sein. So zum Beispiel sind die Gesetze des erzählenden Schreibens denen der wissenschaftlichen Textgestaltung diametral. In den Wissenschaften gibt es eine Art von Erzähltabu, das man nur in begründeten Fällen durchbrechen sollte, wenn man nicht zentrale Lesererwartungen verletzen will.
Wenn es einen übergreifenden Aspekt des Schreibens gibt, so liegt er darin, dass es immer darum geht, den Schreibprozess zu navigieren. Wer schreibt, begibt sich in einen Produktions- und Gestaltungsprozess, der mit einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema/Stoff des Textes verbunden ist. Schreiben gilt auch als eine Art verlangsamtes oder interaktives Denken. Verlangsamt, weil es nicht wie beim Sprechen unter dem sofortigen Produktionsdruck steht und interaktiv, weil es sich in der Auseinandersetzung mit dem eigenen, bereits geschriebenen Text vollzieht. Die schreibende Person kann den Arbeitsspeicher ihres Gehirns dadurch entlasten, dass sie Gedanken niederschreibt und dann sich mit ihnen wie mit allen geschriebenen Texten beschäftigt.
Der Schreibprozess wird charakterisiert durch einige typische Schritte, die die Produktion jedes Textes durchlaufen muss. Zunächst gilt es, Wissen abzurufen um herauszufinden, worüber man schreibt, dann muss ein Ziel vorhanden sein und die schreibende Person muss einen Plan machen, wie sie vorgehen will. Weiterhin müssen Ideen generiert werden, wie der Plan auszuführen ist. Diese Ideen müssen in Sätze gefasst werden und in eine Reihenfolge gebracht werden. Diese Reihenfolge muss auf ihre Konsistenz geprüft und überarbeitet werden. Der schreibenden Person wird bei der Textherstellung ein mehrfacher Perspektivwechsel abverlangt. Sie muss den entstehenden Text von der inhaltlichen Seite, von seiner sprachlichen Struktur, von seiner Adressaten- und von seiner Normgerechtheit beurteilen. Dies verlangt nach einer flexiblen, multiperspektivischen Sicht auf den Text.
Der Schreibfluss wird immer wieder von Blockaden unterbrochen. Diese Blockaden sind notwendiger Bestandteil des Schreibens, auch wenn sie von den Schreibenden als unangenehm erlebt und meist als überflüssige Zeitvergeudung angesehen werden. Schreibblockaden sind jedoch eher Zeiten aktiven Überlegens, in denen nach einer Lösung für ein Textproblem gesucht wird. Meist sind Widersprüche entstanden zwischen den verschiedenen Aspekten des Schreibens oder die schreibende Person versucht zu viel auf einmal zu realisieren, oder ist sich nicht mehr im Klaren, wie sie ihre Zielsetzung realisieren kann. Es geht also nicht darum, Schreibblockaden zu vermeiden, sondern sie auszuhalten und konstruktiv zu nutzen, sie also als Signal dafür anzusehen, dass etwas unklar ist oder sich eine Absicht nicht verwirklichen lässt.
Professionalisierung des Schreibens bedeutet auch, dass eine Vielzahl von Tools, Medien, Hilfsquellen und Unterstützungssystemen für Schreibende entstanden sind. Professionalität bedeutet, von diesen Hilfen Gebrauch zu machen und das eigene Schreiben mit ihrer Hilfe zu optimieren.
Internet-Ressourcen gibt es in wachsendem Umfang, und es ist heute wichtig, sie genau zu kennen und gezielt anwählen zu können, um nicht zu viel Zeit beim Surfen im Internet zu verlieren. Wie differenziert die Netzrepräsentationen der amerikanischen Schreibszene bereits sind, zeigt ein Überblick über die Internet-Ressourcen, der ca. 100 Begriffe enthält, von denen jeder wiederum mit einer Liste mit bis zu mehreren hundert Links verbunden ist. Journalistisches Schreiben ist dort unter „Non-Fiction“ zu finden und wenn man „Journalism“ anklickt, kommt man auf eine Seite mit etwa 200 Links. Deutsche Online-Hilfen für journalistisches Schreiben sind nicht so üppig. Es gibt ein Rechercheportal, das interessante Links zu Informationsquellen bietet. Die interessanteste Internet-Ressource für Journalisten ist sicherlich das „Internetportal der Journalisten“, in dem Journalisten und Medienprofis ihre eigene Webseite einrichten und damit für sich Werbung machen können. Hier finden sich viele Angebote, besonders auch zur Weiterbildung. Alle Journalistenschulen und alle Anbieter von Weiterbildung sind hier vertreten. Leider sind die Angebote zum Schreiben nicht getrennt ausgewiesen, so dass man die Angebote der Institutionen einzeln durchklicken muss.
Für das literarische Schreiben sind in den letzten zehn Jahren ebenfalls mehrere Organisationen entstanden, die Ressourcen für Schreibende bereithalten, Austausch organisieren und Netzwerke knüpfen. So z.B. Das „Autorenforum“, das den sehr umfangreichen Newsletter „The Tempest“ produziert und eng mit dem Bundesverband junger Autorinnen und Autoren zusammenarbeitet. Auch zwei Zeitschriften zum kreativen Schreiben sind entstanden, einmal die Zeitschrift „Textart“, zum anderen die Autorenzeitschrift „Federwelt“.
Internet-Ressourcen für das wissenschaftliche Schreiben sind noch recht sparsam in Deutschland. Über die Arbeit der Schreibzentren in Bielefeld, Bochum, Freiburg und Chemnitz kann man sich auf den entsprechenden Webseiten informieren. Leider gibt es noch kein Online Writing Lab (OWL) nach amerikanischem Vorbild im deutschsprachigen Raum. Über die Möglichkeiten, die eine solche Einrichtung bietet, informiert ein Blick in das Purdue Online Writing Lab, das als das beste in den USA gilt. Es bietet nicht nur Online-Schreibkurse an, sondern stellt auch unentgeltlich Lehrmaterial und Hilfen für Schreibende zur Verfügung. Auch Links sind im Überfluss zu finden.
Neben den Online-Hilfen sind die vielen Schreibratgeber zu nennen, die in den letzten 10 Jahren auf den Markt gekommen sind. Sie einzeln aufzuzählen ist im Rahmen dieses Beitrags nicht mehr möglich. Ebenfalls häufiger findet man Schreibcoaching. Das sind Angebote, den Herstellungsprozess von Texten in Einzel- oder Gruppensitzungen intensiv zu begleiten oder auch die Arbeit von Redaktionen zu supervidieren und Kreativität und Qualität in der Arbeit der Mitarbeiter zu sichern.
Während viele andere menschliche Handlungssysteme (man denke an den Sport, den Maschinenbau oder die Architektur) zu eigenen wissenschaftlichen Disziplinen wurden, blieb dem Schreiben diese Entwicklung versagt – genauer gesagt, es hatte sich früh als wissenschaftliches Fach etabliert, ging jedoch dann verloren. In der Neuformierungsphase, die sich gegenwärtig abzeichnet, haben wir es mit einer nachholenden Professionalisierung zu tun, in der sich aus vielen disparaten Aktivitäten von Wissenschaftlern, Dienstleistungsanbietern, Autoren oder Lehrenden langsam ein neues Fach herauszuschälen beginnt. Welche Konturen es haben wird, kann man im Moment nur erahnen.
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