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Autor: La Roche, Walther.
Titel: Die Arbeitsfelder des Journalisten/ Die journalistischen Darstellungsformen.
Quelle: Walther von La Roche: Einführung in den praktischen Journalismus. München, 16., völlig neu bearbeitete Auflage, 2004. S. 23-43, 65-73.
Verlag: List Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Walther von La Roche
Die Arbeitsfelder des Journalisten
Ein für die Mediengesellschaft unentbehrliches Arbeitsfeld bieten nach wie vor die Tageszeitungen. Es gibt neue Zielgruppen-Zeitschriften, und die Fachzeitschriften beschäftigen stärker als früher professionelle Mitarbeiter und Redakteure. Neue Arbeitsplätze sind im Multimedia-Bereich entstanden, zum Beispiel in Online-Redaktionen von Zeitschriften, Zeitungen und Rundfunksendern. ARD und ZDF haben gemeinsam den Ereignis- und Dokumentationskanal »Phoenix« geschaffen, die Privaten »n-tv« und »n-24«. Kommerzielle Fernsehprogramme und Produktionsfirmen dienen zwar hauptsächlich der Unterhaltung, beschäftigen aber auch Journalisten. Einige ARD-Anstalten betreiben im Radio spezielle Jugendprogramme und Nachrichtenkanäle. Weitere Arbeitsplätze bieten die lokalen und landesweiten Privatradios.
Das Netz der Öffentlichkeitsarbeit von Firmen, Verbänden, Institutionen und Behörden wird immer dichter.
Weiterführende Literatur:
Christopher Belz/Michael Haller/Armin Sellheim, Berufsbilder im Journalismus. Von den alten zu den neuen Medien (UVK Medien, Konstanz 1999)
Hermann Meyn, Massenmedien in Deutschland (Verlag UVK Medien, Konstanz, Neuauflage 1999)
Zeitungen sind mit etwa 15300 fest angestellten Redakteuren1 das mit Abstand größte Arbeitsfeld für Journalisten. Als Tageszeitungen gelten - im Unterschied zu Wochen- oder Sonntagszeitungen - alle Blätter, die mindestens zweimal pro Woche erscheinen und aktuell ohne thematische Begrenzung (Universalität) berichten.2 Die verkaufte Gesamtauflage der Tageszeitungen betrug 2002 rund 23 Millionen Exemplare.3 Knapp ein Viertel davon machten die sieben Boulevardblätter (Straßenverkaufszeitungen) aus, allen voran Bild mit etwa 4,2 Millionen. Einen relativ kleinen Anteil steuern die zehn überregionalen Abonnementzeitungen bei: u.a. Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Frankfurter Rundschau, Die Welt, die tageszeitung. Der weitaus dickste Brocken entfällt auf die 118 lokalen und regionalen Tageszeitungen.
2002 erschienen 1567 Zeitungsausgaben (die sich also mindestens im Lokalteil voneinander unterscheiden). Die im Lokalen noch relativ reich gegliederte Presse schlüpft unter ganze 135 »Mäntel«, die sog. »Publizistischen Einheiten«, die mindestens die Seiten 1 und 2 des aktuellen politischen Teils selbst herstellen.
Die größten Tageszeitungen in Deutschland (»Publizistischen Einheiten«)
|
Zeitung |
Auflage |
|---|---|
|
Bild, Hamburg |
4230000 |
|
Westdeutsche Allgemeine (WAZ), Essen |
560000 |
|
Süddeutsche Zeitung (SZ), München |
443000 |
|
Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ), Hannover |
420000 |
|
Rheinische Post, Düsseldorf |
411000 |
|
Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), Frankfurt |
400000 |
|
Freie Presse, Chemnitz |
380000 |
|
Augsburger Allgemeine, Augsburg |
360000 |
Quellen: Schütz 2001, IVW 3/2002
Es gibt also mehr als 1500 Lokalredaktionen, aber nur 135 Politik-, Wirtschafts- oder Sportredaktionen in der deutschen Tagespresse. Deshalb sind auch im Lokalen die meisten Journalisten tätig (rund zwei Drittel); der Bedarf - vor allem auf dem Lande außerhalb der Großstädte - ist groß. Lokalredakteure brauchen nicht auf die Kollegen in der »großen Politik« zu schielen. Sie wissen (ebenso wie ihre Verleger), dass die Stärke der Tageszeitungen gegenüber Konkurrenzmedien hauptsächlich in ihrer Lokalberichterstattung und ihrer Orientierungsfunktion für die Leser liegt. Neue redaktionelle Konzepte machen dies deutlich: Lokale Themen stürmen die Seite 1 der Zeitung, im Aufmacher wird nicht mehr das wiedergekäut, was die Leser bereits in der Tagesschau am Vorabend gesehen haben. Lokalredakteure sind auch die Zielgruppe eines wachsenden Fortbildungsangebots. Vor allem auf Initiative und mit Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn werden von einem Projektteam Lokaljournalisten und einer Initiative Tageszeitung Seminare veranstaltet und Materialien zusammengestellt.
Anzeigenblätter: Den Vorteil der Bürgernähe, der die Beliebtheit der Lokalpresse ausmacht, nutzen auch die etwa 1300 lokalen und regionalen Anzeigenblätter, die meist wöchentlich erscheinen und kostenlos verteilt werden (Auflage im Jahr 2002 mehr als 88 Millionen Exemplare)4, aber eine sehr unterschiedliche Qualität im redaktionellen Teil aufweisen. Nur bei wenigen Anzeigenblättern arbeiten ausgebildete Journalisten. Am Kiosk verkauft werden Offertenblätter mit meist kostenlosen Anzeigen.
Zeitschriften - dieses Arbeitsfeld ist erheblich buntscheckiger und kaum zu überschauen. Insgesamt werden fast 10 000 Titel mit einer Gesamtauflage von 400 Millionen Exemplaren geschätzt.5 Die bekanntesten sind die Publikumszeitschriften, die in General- und Special-Interest-Zeitschriften eingeteilt werden. General-Interest: von Nachrichtenmagazinen über Fernsehzeitschriften bis zu den Illustrierten. Enorm gewachsen ist der Markt der Special-Interest-Zeitschriften, die sich eine bestimmte Zielgruppe herausgreifen und sich mit Trends, Freizeitsportarten oder Hobbies beschäftigen. Fachzeitschriften wenden sich an eine Berufsgruppe, Konfessionelle Zeitschriften an die Angehörigen der Glaubensgemeinschaften. Daneben entstehen in Public Relations-Abteilungen von Unternehmen oder Verbänden immer mehr Mitglieder-, Mitarbeiter- oder Kundenzeitschriften.
Weiterführende Literatur:
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, Jahrbuch »Zeitungen« (Berlin, jährlich)
Heinz Pürer/Johannes Raabe, Medien in Deutschland. Band 1: Presse (2. Auflage, Verlag UVIK Medien, Konstanz 1996)
Volker Schulze, Die Zeitung. Ein medienkundlicher Leitfaden (Hahner Verlagsgesellschaft, Aachen-Hahn 2001)
ist der Oberbegriff für Hörfunk und Fernsehen. In Deutschland gilt seit der Einführung von Privatradio und Privatfernsehen die sogenannte duale Rundfunkordnung, also das Nebeneinander von öffentlich-rechtlichem und privatem Rundfunk.
Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk ist für jedes Land der Bundesrepublik eine Rundfunkanstalt zuständig, allerdings in der Mehrzahl eine der jetzt vier Mehrländeranstalten (z.B. der MDR für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen). Trotzdem wird jedes Bundesland in einem Extra-Programm und durch jeweils ein Landesfunkhaus spezifisch bedient; so hat die Vierländeranstalt NDR in Hamburg, Hannover, Kiel und Schwerin ein Landesfunkhaus für Radio und Fernsehen. Nach dem Zusammenschluss von SFB und ORB zum Rundfunk Berlin Brandenburg (RBB) bleiben noch als Landesrundfunkanstalten: Bayerischer Rundfunk, Hessischer Rundfunk, Radio Bremen, Saarländischer Rundfunk und Westdeutscher Rundfunk. In den meisten Ländern gibt es Regionalstudios, beim HR z.B. Bensheim, Frankfurt, Fulda, Gießen und Kassel. Korrespondentenbüros hat der HR in Eltville, Erbach, Limburg und Marburg sowie ein Landtagsstudio in Wiesbaden.
Privatradios gibt es als landesweite Sender (z.B. »Antenne Bayern«) mit regionalen Korrespondentenbüros und in manchen Ländern auch als Regional- und Lokalradios. Der live-sichere Moderator, der auch Interviews machen und mit Nachrichten umgehen kann, ist bei nahezu allen Arten von Sendern ein gefragter Radio-Typ; beim Fernsehen ist es ähnlich.
Radio (Hörfunk): Wer beim Radio Erfolg haben will, muss mit seinem Hörer reden können. Der Radio-Journalist hat den einen Partner, zu dem er ins Zimmer oder ins Auto kommt (»in radio you have an audience of one« - alte BBC-Regel). Ihn muss er ansprechen, mit seiner Stimme und mit seinen Worten, frei formuliert oder mit einem fürs Gehörtwerden geschriebenen Text. Der Radio-Journalist muss Gespräche führen können, im Studio und am Telefon, er sollte ein Gespür für die akustischen Möglichkeiten seines Mediums entwickeln, »radiofon« denken können.
Was aus dem Lautsprecher kommt, regt die Phantasie des Hörers an und lässt bei ihm Bilder (von Sprechern und Sachen) entstehen, die an Intensität und Individualität das reale Bild im Fernsehen übertreffen. Und: Radio ist noch immer das schnellste Informationsmedium, obwohl das Fernsehen durch leichtere Ausrüstung und bessere Übertragungsmöglichkeiten (Satellit) erheblich aufgeholt hat.
Nicht nur die Diskjockeys, sondern auch die journalistischen Moderatoren von Magazinen müssen (zunehmend auch in den aktuellen Programmen der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten) ihre Sendungen selbst fahren, die Reporter ihre Beiträge selbst schneiden. Die Digitaltechnik hat die Arbeit mit dem Tonband abgelöst.
Fernsehen: Wer als Hospitant, Praktikant oder Volontär für ein paar Monate beim Fernsehen mitarbeitet, hat gewöhnlich weniger und spätere Erfolgserlebnisse als sein Kollege bei Radio oder Zeitung, der oft schon innerhalb von Tagen etwas über den Sender oder ins Blatt bringt. Technik und Organisation eines Fernsehbetriebs sind komplizierter, zum Text tritt das Bild hinzu, - wer da mit einem Beitrag ins Programm kommen will, muss sich gründlich vorbereitet haben. Er sollte als Hobby-Filmer oder Fotograf bereits optische Erfahrungen gesammelt haben, sollte sich schon bei einem anderen Medium umgesehen haben und durch Lektüre von Fachbüchern Verfahrensweisen und Begriffe kennengelernt haben.
Die moderne Fernseharbeit ist gekennzeichnet durch EB (elektronische Berichterstattung), also Bild- und Tonaufzeichnung mit der Videokamera. Auch beim Fernsehen hat die Digitaltechnik Einzug gehalten. Einige Stichworte aus dem Handbuch »Fernseh-Journalismus« skizzieren, was man für eine Mitarbeit beim Fernsehen lernen und kennen/können muss: Bildsprache Bildaufbau - Bildschnitt - Texten - Von der Ideenskizze zum Drehbuch - EB-Ausrüstung - EB-Aufzeichnung und -Bearbeitung - Journalistischer Arbeitsplatz Studio - Mit elektronischen Tricks informieren - Journalistischer Arbeitsplatz Ü-Wagen - Darstellungs- und Sendeformen - Fernsehen ist Teamarbeit.
Weiterführende Literatur:
Bernd-Peter Arnold, ABC des Hörfunks (2., überarbeitete Auflage, Verlag UVK Medien, Konstanz 1999)
Ruth Blaes/Gregor Alexander Heussen (Hrsg.), ABC des Fernsehens (Verlag LUK Medien, Konstanz 1997)
Walther von La Roche/Axel Buchholz (Hrsg.), Radio-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis im Hörfunk. (List Journalistische Praxis, 2000)
Gerhard Schult/Axel Buchholz (Hrsg.), Fernseh-Journalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis (List Journalistische Praxis, 2000)
Die revolutionäre Entwicklung des Computers als Kommunikationsinstrument hat einen neuen Arbeitsmarkt geschaffen, der vielfach mit dem Stichwort »Multimedia« bezeichnet wird. Man unterscheidet zwischen Offline- und Online-Medien: Klassische Offline-Medien sind CD-Roms - sie können ohne Netzverbindung auf dem eigenen Computer genutzt werden. Online-Medien bieten Informationen und Unterhaltung dagegen in Netzwerken an, wie dem weltweiten Internet: Jeder Nutzer kann sich mit seinem Computer in das Internet einwählen und Informationen abholen, die dort auf irgendeinem Computer gespeichert sind. Zwar sind auch in der CD-Rom-Produktion Autoren beschäftigt, die die Inhalte aufbereiten, Arbeitsplätze für aktuell arbeitende Journalisten sind jedoch hauptsächlich in den Internet-Redaktionen entstanden: Zeitungen, Zeitschriften oder Rundfunkanstalten bieten Internet-Magazine mit Nachrichten, Reportagen oder programmergänzenden Informationen an, die ausschließlich über das weltweite Datennetz abrufbar sind.
Der Online-Journalismus hat neue journalistische Formen hervorgebracht, die herkömmliche Medien nicht bieten können: Die riesigen Speichermöglichkeiten von Computern heben die Platzbeschränkung von Medien auf, eine individuell wählbare Informationstiefe mit Hintergrundinformationen, Archiven und Service-Datenbanken kann geboten werden. Hinzu kommen die permanente Aktualisierungsmöglichkeit, die multimediale Präsentation und die Interaktivität -verstanden als neue Kommunikationsmöglichkeit mit dem Leser. Im Jahr 2002 nutzen bereits 57 Prozent der 14- bis 69-jährigen Deutschen (31,4 Millionen) das Web, davon die Hälfte regelmäßig.6 Wer für Internet-Magazine arbeiten will, muss neben Kenntnissen der alten und neuen journalistischen Möglichkeiten auch ein technisches Verständnis für Computer und Produktionssoftware sowie Erfahrungen mit der Recherche im Internet mitbringen. Inzwischen gibt es Volontariate, Aus- und Weiterbildungsseminare und Studiengänge, die speziell auf die Arbeit als Online-Journalist vorbereiten.
Videotext: Nicht auf dem Computer-, sondern auf dem Fernsehbildschirm erscheint der Video- oder Teletext, der als Teil des Fernsehprogramms in der sogenannten Austastlücke ausgestrahlt wird. Fast 90 Prozent – genau 28,9 Millionen Haushalte in Deutschland – besitzen einen Fernseher mit Videotext. Jeder größere Fernsehsender hat eine eigene Videotext-Redaktion, oft wird mit freien Mitarbeitern zusammengearbeitet. Die Journalisten müssen kurz, knapp und unter Zeitdruck formulieren. Eine Videoseite hat nur Platz für etwa 650 bis höchstens 750 Zeichen.7
Weiterführende Literatur:
Gabriele Hooffacker, Online-Journalismus. Schreiben und Gestalten für das Internet (List Journalistische Praxis, 2001)
Klaus Meier (Hrsg.), Internet-Journalismus. (3. überarbeitete und erweiterte Auflage, UVK, Konstanz 2002)
beschäftigen eine erhebliche Zahl von Journalisten haupt- oder nebenberuflich, »vor Ort« (beim Recherchieren der Meldungen) und »am Tisch« (beim Redigieren).
Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) ist die in Deutschland mit Abstand größte Nachrichtenagentur. Sie beschäftigt im In- und Ausland etwa 800 festangestellte Wort- und Bildjournalisten. In Deutschland beliefert dpa ihre Kunden mit einem Basisdienst (Meldungen aus dem In- und Ausland über Politik, Wirtschaft, Sport und Modernes Leben für die Bereiche Vermischtes, Wissenschaft, Medien und Kultur), betreibt zwölf Landesdienste (regionale Nachrichten) und bietet verschiedene andere Dienste an, darunter auch Hörfunk- und Multimediadienste. Außer der Zentrale in Hamburg, und dem Bundesbüro in Berlin unterhält dpa noch rund 70 Regional- und Landesbüros in Deutschland. Im Ausland ist die dpa mit Büros und Korrespondentenplätzen in mehr als 100 Ländern vertreten.
Wer bei dpa als Redakteur oder Volontär angestellt werden möchte oder eine Hospitanz sucht, muss sich an die Chefredaktion in Hamburg wenden. Die Zahl der Bewerbungen übersteigt »um ein Vielfaches« die Zahl der Vakanzen. Über freie Mitarbeit wird in den jeweiligen Landesbüros entschieden. Der größte Bedarf besteht auf dem »flachen Land«. Grundsätzlich hängt die Möglichkeit zur Mitarbeit von dem vorhandenen Mitarbeiternetz und eventuellen Spezialkenntnissen des Anbieters ab.
Adresse: Mittelweg 38, 20148 Hamburg, (040) 4113-0, www.dpa.de
Auch die anderen Nachrichtenagenturen, die für deutsche Bezieher aus Deutschland berichten, haben Mitarbeiter in den größeren Städten der Bundesrepublik. Es sind dies:
Agence France Presse (AFP), Friedrichstraße 108-109, 10117 Berlin, (030) 30876-520, www.afp.com/de;
Associated Press (AP), Moselstraße 27, 60329 Frankfurt am Main, (069) 27230-0, www.ap-online.de;
ddp Freisinger Landstraße 74, 80939 München, (089) 32196-0, www.ddp.de;
Reuters, Schiffbauerdamm 22, 10117 Berlin, (030) 2888-5000, www.reuters.com
Spezialisierte Dienste ergänzen die allgemeinen Agenturen, die alle Themenbereiche abdecken. Sie liefern Nachrichten, Hintergrundgeschichten und Kommentare aus bestimmten gesellschaftlichen Gebieten: Vereinigte Wirtschaftsdienste (vwd), Sport-Informations-Dienst (sid), Evangelischer Pressedienst (epd) und Katholische Nachrichten-Agentur (KNA).
Als Student habe ich jede Woche ein paar Mark damit verdient, dass ich der Münchner Redaktion des Evangelischen Pressedienstes (epd) eine Nachricht oder einen Bericht (oder am liebsten beides) lieferte.
Kleinere Informationsdienste, ebenfalls zu Fachgebieten (z. B. Tourismus, Technik), erscheinen täglich, wöchentlich oder monatlich. Ihre Zahl wird auf weit über 600 geschätzt8. Diese gegen Bezugsgebühr oder Abdruckhonorar gelieferten Informationsdienste dürfen nicht mit der Unzahl jener Pressedienste verwechselt werden, die von Pressestellen im Interesse ihrer Auftraggeber kostenlos zur Verwendung angeboten werden (vgl. den Beitrag »Presse- und Öffentlichkeitsarbeit«).
Weiter Informationen unter dem Stichwort »Nachrichtenagenturen« im Beitrag »Die Quellen«.
Weiterführende Literatur:
Deutsche Presse-Agentur (Hrsg.), Alles über die Nachricht. Das dpa-Handbuch (Verlag R. S. Schulz, Starnberg 1998)
Peter Zschunke, Agenturjournalismus. Nachrichtenschreiben im Sekundentakt (2. überarbeitete Auflage, UVK Konstanz 2000)
So mancher Journalist hat in seinem Leben einmal die Schreibtischseite gewechselt. Sorgte er als Redakteur oder Reporter dafür, dass Informationen recherchiert und ins Blatt gebracht werden, so hatte er danach dafür zu sorgen, dass Informationen für die Redakteure und Reporter zur Verfügung stehen.
Obwohl diese Informationen von Behörden, Institutionen, Verbänden und Firmen heute auch für Radio und Fernsehen geliefert werden, heißen die dafür zuständigen Abteilungen noch immer Pressestellen oder Presseabteilungen. Die größte »Presseabteilung« in der Bundesrepublik ist das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. Wenn es auch unter der Leitung eines Staatssekretärs rund 450 Planstellen in Berlin und 180 in Bonn hat, seine beiden Hauptaufgaben sind dieselben wie die jeder Ein-Mann-Pressestelle: nach innen und nach außen zu informieren.
Information nach innen: Der Pressereferent (so heißt der Leiter einer solchen Abteilung oder Stelle gewöhnlich; verpönt ist der Ausdruck »Pressechef«) beispielsweise eines Unternehmens wird für die Geschäftsführung verfolgen, was in der Öffentlichkeit über das Unternehmen geäußert wird: vor allem natürlich in den Medien, aber auch die Stimmungen und Meinungen der Bevölkerung. Er ist also eine Art Barometer, das die Geschäftsleitung vor Konflikten mit der Öffentlichkeit rechtzeitig warnen soll und darauf hinwirkt, dass riskante Entscheidungen vermieden werden, dass gesellschaftlicher Wandel und künftige Trends in die Unternehmenspolitik einbezogen werden. Mittel der internen Öffentlichkeitsarbeit sind neben vielen Gesprächen, Kontakten und Konferenzen auch Mitarbeiterzeitschriften, Intranet und Firmen-TV.
Information nach außen: Die Mitarbeiter einer Presseabteilung beantworten Fragen von Journalisten, die über die Aktivitäten eines Unternehmens oder eines Verbandes recherchieren. Sie informieren aber auch von sich aus, wenn etwas für die Öffentlichkeit Wichtiges und Interessantes passiert: Sie veranstalten Pressekonferenzen, versenden Pressemitteilungen oder geben gar einen regelmäßigen Pressedienst heraus. Mitunter werden auch Kundenzeitschriften (von Unternehmen) oder Mitgliederzeitschriften (von Vereinen und Verbänden) in der Presseabteilung produziert.
Gute Pressearbeit, die immer mehr als »Public Relations« (PR) bezeichnet wird, kommt nie »aus dem Bauch heraus«: Grundlage ist eine langfristige Kommunikationsstrategie, die die Zielsetzungen und Interessen einer Organisation erst einmal festlegt und dann an die Öffentlichkeit vermittelt.
Durch ein dichtes Netz von Kontakten pflegen Pressereferenten ein gutes Verhältnis zu Journalisten, die im betreffenden Fachgebiet arbeiten. Voraussetzung für diesen Beruf sind deshalb diplomatisches Geschick und Kontaktfreudigkeit. Bei einer guten Pressestelle zu arbeiten sollte für einen Journalisten in seiner Selbstachtung keinen Abstieg bedeuten. Natürlich wird er immer die Interessen seines Arbeitgebers vertreten müssen. Viele Arbeitgeber haben jedoch eingesehen, dass der Erfolg der PR-Arbeit davon abhängt, wieviel Vertrauen in die Zuverlässigkeit der gegebenen Auskünfte ihre Informationsstelle bei den Journalisten erwerben konnte. Falsche Informationen sind deshalb verpönt. Auch das Verschweigen wichtiger Ereignisse bringt ein Unternehmen eher in Misskredit.
Die Öffentlichkeitsarbeit ist ein gemischtes Berufsfeld mit einem nur sehr vage formulierten Berufsbild - wobei der Bedarf an Mitarbeitern weiter wächst. PR-Fachleute arbeiten nicht nur als Angestellte ihrer unmittelbaren Auftraggeber, sondern auch in PR-Agenturen, die sozusagen außer Haus für ihre Auftraggeber Öffentlichkeitsarbeit machen; außerdem gibt es selbständige PR-Berater.
Organisiert sind die PR-Leute in der Deutschen Public Reiations Gesellschaft e. V (DPRG, St. Augustiner Str. 21, 53225 Bonn, (0228) 97392-87, www.dprg.de) und in der Gesellschaft Public Relations Agenturen e. V (GPRA, Schillerstraße 4, 60313 Frankfurt am Main, (069) 20628, www.gpra.de). Der Deutsche Journalisten-Verband e.V. hat einen Fachausschuss »Presse- und Öffentlichkeitsarbeit« (Bennauerstraße 60, 53115 Bonn, (0228) 20172-0, www.djv.de). Diese drei Berufsverbände halten Info-Material über das Berufsbild und die Ausbildungswege bereit.
Ausbildung: Neben dem bereits erwähnten Weg, nach einer journalistischen Tätigkeit ins Fach Öffentlichkeitsarbeit zu wechseln, gibt es auch den direkten Einstieg. Er führt über ein Volontariat bzw. ein Studium mit entsprechenden Praktika.
Das Volontariat in der Öffentlichkeitsarbeit ist bislang nicht so gut geregelt wie im Journalismus. Zwar werden zunehmend Volontärs- und Trainee-Stellen mit einer Laufzeit von ein bis zwei Jahren angeboten, die Ausbildung beschränkt sich dabei aber in vielen Fällen auf ein »leaming by doing« - mit einer relativ niedrigen Entlohnung. An den Volontär-Mustervertrag von DPRG und GPRA halten sich nicht viele Arbeitgeber (in der DPRG z. B. sind nur etwa zehn Prozent aller Berufsangehörigen Mitglied): Der Vertrag sieht einen Ausbildungsplan vor und den Besuch von Aus- und Weiterbildungskursen. Die DPRG empfiehlt, beim Vorstellungsgespräch darauf zu achten, »ob ein Ausbildungsplan vorliegt oder nur eine preiswerte Arbeitskraft gesucht wird«.9
Ein ideales Volontariat schließt mit einer Prüfung zum PR-Assistenten oder zum PR-Berater an der Deutschen Akademie für Public Relations in Frankfurt ab; die Akademie wurde 1991 von beiden Berufsverbänden gegründet und wird seit 1995 von der GPRA getragen (Schilllerstraße 4, 60313 Frankfurt am Main, (069) 280101).
Studienmöglichkeiten für künftige PR-Berater werden immer zahlreicher, wenn auch noch selten Public Relations als Hauptfach im Vollstudium belegt werden kann. Die Universität Leipzig bietet jeweils zum Sommersemester einen eigenständigen Studiengang »PR/Kommunikationsmanagement« mit einem »B.A.« -Abschluss nach sechs Semestern an. Nach Angaben der DPRG gibt es etwa 20 Universitäten im deutschsprachigen Raum, die einen Studienschwerpunkt PR integrieren - meist im Rahmen eines kommunikationswissenschaftlichen Gesamtangebots. Eine eindeutige fachliche Orientierung Richtung PR bieten zum Beispiel die Universitäten in Berlin, Bochum, Bamberg, Eichstätt, Lüneburg, Mainz und – wie oben erwähnt – Leipzig. An Fachhochschulen findet sich mitunter der Schwerpunkt »Kommunikationsmanagement« in betriebswirtschaftlichen FH-Studiengängen, etwa in Mainz, Nürtingen und Pforzheim. Bei der DPRG können Informationen über nichtuniversitäre Ausbildungen in Akademien, Seminaren und Instituten erfragt werden.
Gernot Brauer, Wege in die Offentlichkeitsarbeit. Einstieg, Einordnung, Einkommen in PR-Berufen (4. überarbeitete und erweiterte Auflage, UVK, Konstanz 2002)
Deutsche Public Relations-Geseilschaft (Hrsg.), Qualifikationsprofil Offentlichkeitsarbeit/Public Relations (Bonn o. J., wird von der DPRG verschickt)
Bettina von Schlippe/Bernd-Jürgen Martini/Günther Schulze-Fürstenow (Hrsg.), Arbeitsplatz PR. Einstieg, Berufsbilder, Perspektiven. Mit einer Dokumentation der aktuellen PR-Bildungsangebote (Verlag Luchterhand, Neuwied 1998)
Politik, Kultur, Lokales, Wirtschaft und Sport sind gewissermaßen klassische Ressorts in den Zeitungen; in den Funkhäusern finden sich diese Bereiche der Berichterstattung und Kommentierung natürlich genauso. Ressort meint zweierlei:
das Sachgebiet (Wirtschaft, Innenpolitik usw.),
die Organisationsform: eine selbständige Einheit von Fachzuständigkeiten und Mitarbeitern, deren Leiter in der Regel auch als Verantwortlicher im Sinne des Pressegesetzes für dieses Ressort im Impressum genannt wird.
Von der Größe und von den Organisationswünschen einer Zeitung oder Rundfunkanstalt hängt es ab, welche journalistischen Sachgebiete jeweils in einem Ressort vereinigt werden, ob zum Beispiel die gesamte Politik von einem Ressort betreut wird oder man die Spezialgebiete auf mehrere kleinere Ressorts aufteilt: für Außenpolitik, für Innenpolitik, für Landespolitik, für Sozialpolitik usw. Die Nachrichtenredaktion ist, obwohl sie es mit unterschiedlichsten Fachgebieten zu tun hat, meist ein selbständiges Ressort.
In Ressorts bearbeitete Fachgebiete: Lokales, Regionales, Land, Bund, Europa, West, Ost, Vereinte Nationen (Sie sehen, da lässt sich immer weiter spezialisieren, und große Redaktionen bemühen sich auch darum, für jedes wichtige Problem unserer Zeit und unserer Gesellschaft wenigstens einen zuständigen Journalisten zu haben); Wirtschaft, Soziales, Recht und Justiz; Kultur mit allen denkbaren Spezialgebieten wie Musik, Ballett, Schauspiel, Literatur, Bildende Kunst, Architektur und Städtebau usw.; Sport; Vermischte Nachrichten à la »Buntes aus aller Welt«.
Sondergebiete herkömmlicher Art: Frau, Mode, Kinder, Jugend, Bergsteigen (in Süddeutschland z. B. ein wichtiges Thema); Auto und Motor, Reise undUrlaub, das Radio- und Fernsehprogramm; zur Unterhaltung Rätsel, Schach und sonstige Hobbybeiträge; Fortsetzungsromane, Geschichten und Witze; Sondergebiete eher neuerer Thematik: Medien, Schule und Hochschule, Gesundheit, Wissenschaft und Technik, Service und Ratgeber.
Ressortübergreifende Teamarbeit wird in vielen Redaktionen immer wichtiger: Man versucht, vom »Ghetto-Prinzip« und vom »Kästchendenken« wegzukommen (jedes Ressort arbeitet nur für sich selbst), um vielfältige Querschnittsthemen besser behandeln zu können. Projektredaktionen werden entweder kurzfristig für aktuelle Themen zusammengesetzt oder dauerhaft als Recherche- oder Reportergruppen - ohne bestimmte Ressortzugehörigkeit -fest installiert. Neuere Redaktionsmodelle sehen gar die Auflösung der Ressortgrenzen - etwa zwischen Politik und Wirtschaft - vor.
Welches Ressort ist das angesehenste? fragte mich einmal eine Studentin, als wir die ganze lange Ressort-Liste durchgegangen waren. Meine Antwort: Sport kann man nicht vergleichen mit Innenpolitik und Kultur; jedes Fachgebiet hat ein Recht darauf, dass es in den aktuellen Medien vertreten ist, weil das Publikum ein breitgestreutes Angebot erwartet. Unter Journalisten sind nicht selten die Ressorts angesehener, die sich mit der , »großen Politik« oder mit der Wirtschaft befassen, Lokalredakteure landen in der kollegeninternen Ansehensskala weiter unten. Ganz anders sieht allerdings das Interesse des Publikums aus: 85 Prozent aller Zeitungsleser beachten im allgemeinen immer den Lokalteil, weit abgeschlagen landet an zweiter Stelle die Innenpolitik mit 68 Prozent, den Kulturteil lesen gar nur 34 Prozent, auch für den Wirtschaftsteil interessieren sich nur 34 Prozent regelmäßig.10
Weiterführende Literatur:
Gottfried Aigner, Ressort: Reise. Neue Verantwortung im Reisejournalismus (Olschläger/UVK, München/Konstanz 1992)
Winfned Göpfert/Stephan Ruß-Mohi (Hrsg.), Wissenschaftsjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis (List Journalistische Praxis, 2000)
Josef Hackforth/Christoph Fischer (Hrsg.), ABC des Sportjournalismus (Ölschläger/UVK, München/Konstanz 1994)
Dieter Heß (Hrsg.), Kulturjournalismus. Ein Handbuch für Ausbildung und Praxis (List Journalistische Praxis, 1997)
Initiative Tageszeitung (Hrsg.), Redaktion – Almanach für Journalisten. Mit Tips, Themen und Terminen fürs Lokale (Verlag Johann Oberauer, Freilassing, jährlich)
Klaus Meier, Resoort, Sparte, Team. Wahrnehmungsstrukturen und Redaktionsorganisation im Zeitungsjournalismus (UVK, Konstanz 2002)
Projektteam Lokaljournalisten (Hrsg.), Drehscheibe. Zeitschrift der Initiative Tageszeitung mit zwölf Ausgaben pro Jahr (www.drehscheibe.org)
Projektteam Lokaljournalisten (Hrsg.), Lokaljournalismus. Themen und Management (List Journalistische Praxis, 1998)
Gunter Reus, Ressort: Feuilleton. Kulturjournalismus für Massenmedien (2., überarbeitete Auflage, UVK, Konstanz 1999)
Karl Roithmeier, Der Polizeireporter. Ein Leitfaden für die journalistische Berichterstattung (Ölschläger/UVK, München/Konstanz 1994)
Das ist kein Erfolgsrezept nach dem amerikanischen Motto »Vom Liftboy zum Konzernherrn«, sondern soll andeuten, dass in diesem Beitrag von den Menschen die Rede ist, die in unterschiedlichen journalistischen Funktionen zu dem redaktionellen Produkt beitragen.
Man kann die Journalisten (und das haben wir auf den vorigen Seiten zum Thema »Arbeitsfelder des Journalisten« bereits getan) nach ihren Medien bzw. Arbeitgebern (Presse-Verlage, Rundfunkanstalten, Nachrichtenagenturen, Unternehmen, Verbände und Behörden mit Informationsabteilungen) gruppieren, nach ihren Fachgebieten (Wirtschaftsjournalisten, Sportjournalisten, Feuilletonjournalisten usw.) und nach den von ihnen hauptsächlich verwendeten Stilformen (z. B. Reporter, Kommentatoren, Rezensenten, Glossenschreiber). Schließlich kann man, und das soll in diesem Kapitel geschehen, nach dem arbeitsrechtlichen Verhältnis und der Stellung innerhalb der Redaktion differenzieren. Dem fest angestellten steht der freie Mitarbeiter gegenüber.
Auf freie Mitarbeiter kann, wenn auch in unterschiedlichem Umfang, keine Zeitung, keine Zeitschrift, kein Radio- und kein Fernsehprogramm verzichten.
Auch unter den hauptberuflich tätigen Journalisten ist ungefähr jeder Dritte ein freier Mitarbeiter. Der Anteil dürfte noch steigen, wenn immer mehr Arbeitgeber journalistische Aufgaben nach draußen geben (»Outsourcing«), um Planstellen abzubauen, personell flexibler zu sein und Sozialkosten zu sparen.
Ein wichtiger Lieferant ist der »Freie« zum Beispiel für Lokal- und Regionalzeitungen, weil die Sitzung des Gemeinderats in A-Dorf oder das Handballspiel A-Dorf gegen B-Dorf nur selten von einem festangestellten Redakteur aus der Kreisstadt »wahrgenommen« werden kann, wie das in der Fachsprache heißt. Zwar bekommt die Redaktion viele Berichte honorarfrei von Schriftführern und sonstigen Vereinsvorständen, also journalistischen Laien, aber für den Profi bleibt trotzdem oder gerade deswegen noch viel zu tun. Freie Mitarbeiter braucht eine Redaktion auch für Fachbeiträge.
Freie Mitarbeiter, die den Betrieb einer bestimmten Redaktion kennen und sich darin bewährt haben, können nicht selten später auf dem Platz eines ausscheidenden Redakteurs landen..
Honorare: Das Zeilenhonorar ist überall übliches Abrechnungssystem für die Beiträge des freien Mitarbeiters. Hat er 20 Zeilen, kriegt er 10 Euro, wenn das Zeilenhonorar 50 Cent beträgt; hat er 50 Zeilen, kriegt er eben 25 Euro. Ergänzt wird diese simple Zeilenaddition mancherorts durch bestimmte Pauschalsätze, beginnend mit einem Mindestsatz (von - sagen wir - 10 Euro, auch wenn die Meldung ganz kurz ist) bis zu einem Seitenhonorar für eine ganz von dem Mitarbeiter gefüllte Seite. Buchbesprechungen und Kino- oder Musikkritiken haben oft ihren Pauschalpreis, aber die Zeilenzahl hat sich als Berechnungsgrundlage (wovon das »Zeilenschinden« kommt) bis heute gehalten. Nur in seltenen und besonderen Fällen berechnet sich das Honorar nach der aufgewendeten Arbeitszeit in Stunden oder Tagen. Wieviel bezahlt wird, hängt ab von der Größe und Leistungsfähigkeit des Verlages oder der Rundfunkanstalt, oft auch vom Ressort (z. B. Feuilleton mehr als Lokalteil) und manchmal von der Wichtigkeit oder Prominenz des Mitarbeiters.
Der gelegentliche freie Mitarbeiter liefert nur ab und zu einen Beitrag, wogegen der ständige freie Mitarbeiter ein bestimmtes Berichtsgebiet (die Orte A- und B-Dorf, die Polizeimeldungen o. ä.) mehr oder weniger ausschließlich betreut. Je enger er mit seiner regelmäßigen Arbeit an die Redaktion gebunden ist (und die Redaktion an ihn), um so eher kann es passieren, dass er ein Pauschal- oder Garantiehonorar erhält.
Pauschalhonorar: ein fester monatlicher Betrag, der ungefähr dem Durchschnittshonorar eines Monats entspricht. Es wird ohne Rücksicht darauf bezahlt, ob der Mitarbeiter im jeweiligen Monat mit der Summe der eigentlich anfallenden Einzelhonorare unter oder über dem Pauschalhonorar liegt. Garantiehonorar: die Monatspauschale ist Mindestzahlung; bringt der Mitarbeiter mehr, als mit der Pauschale abgegolten ist, so hat er Anspruch auf das überschießende Honorar.
Der hauptberuflich tätige freie Mitarbeiter gilt als arbeitnehmerähnlicher freier Journalist, wenn er im Durchschnitt der letzten sechs Monate mehr als ein Drittel seiner gesamten journalistischen Berufseinkünfte bei einem Zeitungsverlag bezogen hat. Für diese Berufsgruppe wurde ein Tarifvertrag abgeschlossen, der verbindlich Mindesthonorare festlegt. Seit 1. Oktober 2001 beträgt das Zeilenhonorar entsprechend der Auflage bei Erstabdrucken für Nachrichten und Berichte 50 bis 89 Cent, für Reportagen und Glossen 62 bis 123 Cent. Die Normalzeile hat 34 bis 40 Buchstaben.
Zunehmend wichtig werden neben dem Tarifvertrag die Honorarempfehlungen der »Mittelstandsgemeinschaft Freie Journalisten« (MFJ), auf die auch der Deutsche Journalisten-Verband verweist. Die MFJ empfiehlt für Journalisten, die nicht arbeitnehmerähnlich arbeiten, sondern wettbewerbsrechtlich als Unternehmer gelten, folgende Sätze pro Zeile: für Nachrichten und Berichte 57 bis 98 Cent, für Reportagen und Glossen 68 bis 133 Cent.
Eine weit gespannte Übersicht über Honorarempfehlungen und tatsächlich gezahlte Honorare (als grobe Orientierung) hat der Fachausschuss Freie Journalisten des DJV zusammen mit weiteren nützlichen Informationen ins Netz gestellt (www.djv.de/freie/download.html)
Die Zeitungsredaktion: Der (fest angestellte) Redakteur ist, falls die Redaktion für eine Gliederung groß genug ist, gewöhnlich einem Ressort (z. B. der Lokalredaktion) fest zugeteilt. In Betrieben, die viele Redakteure beschäftigen, beginnt jetzt die Hierarchie: Die Redakteure haben als Chef den Ressortleiter. An der Spitze der gesamten Redaktion steht der Chefredakteur: Er organisiert die Redaktion und vertritt diese innerhalb des Verlags, hat die Entscheidungsbefugnis über den zu veröffentlichenden Stoff, repräsentiert die Zeitung nach außen und stellt - in Absprache mit dem Verleger- neue Redakteure und Volontäre ein. Wichtigste Stütze des Chefredakteurs, vor allem bei der Bewältigung des technisch-redaktionellen Tagesbetriebs, ist der Chef vom Dienst. Er informiert sich bei der Anzeigenabteilung, wie viele Anzeigen mit welcher Platzierung gebracht werden müssen, und verteilt den redaktionellen Raum auf die Ressorts. In Zusammenarbeit mit der Technik (den Computerexperten, die das Redaktionssystem betreuen, und der Druckerei) sorgt er dafür, dass die einzelnen Seiten und dann die ganze Zeitung rechtzeitig fertig gestellt werden. Es gibt Chefs vom Dienst, die sind Mädchen für alles, in manchen Häusern auch für die Vergabe von Hospitanzen und Volontariaten.
Die Geälter werden zwischen dem Verlegerverband und den Gewerkschaften ausgehandelt und im Tarifvertrag festgelegt; sie staffeln sich nach Berufsjahren und nach Stellung in der Redaktionshierarchie. Ein Redakteur verdient nach dem Vertrag vom Oktober 2001 zu Beginn 2708 Euro brutto im Monat. Die Staffelung reicht bis zu Redakteuren in besonderer Stellung ab dem 15. Berufsjahr mit mehr als 5000 Euro. Die Gehälter der Ressortleiter und Chefredakteure werden individuell vereinbart und liegen natürlich darüber. Die aktuellen Tarifverträge für feste und freie Journalisten werden von den Berufsverbänden und den Verlegerorganisationen im Internet zum Download angeboten (z.B. unter www.djv.de).
Bei den Rundfunkanstalten entspricht dem Ressort die Abteilung (Zeitfunk, Sport usw.) mit einem Abteilungsleiter an der Spitze. Die journalistischen Abteilungen sind in ein oder zwei, manchmal auch drei Hauptabteilungen zusammengefasst. Es gibt dann z. B. eine mehr aktuell-politisch orientierte Hauptabteilung (Nachrichten, Zeitfunk, Politik, Wirtschaft, Sozialpolitik, Sport, Regionales) und eine eher bildend-kulturell orientierte (mit Kirchenfunk, Schulfunk, Jugendfunk usw.). Der Hauptabteilungsleiter des aktuell-politischen Bereichs trägt mancherorts den Titel Chefredakteur. Der Rundfunk ist nicht nur akustische Zeitung, sondern auch Musikbox, Theater und Konzertsaal; deshalb gibt es neben den journalistischen Hauptabteilungen noch andere (z. B. für Musik und für Unterhaltung).
Die einzelnen Hörfunkprogramme verselbständigen sich zunehmend. Wellenchefs und Hauptabteilungsleiter unterstehen, je nachdem, ob es sich um Fernsehen oder Hörfunk handelt, dem Hörfunk- bzw. Fernsehdirektor.
Die Endverantwortung für das Programm (natürlich gestützt auf die innerhalb der Hierarchie nach unten delegierte Verantwortung) trägt der Intendant; er vertritt die Anstalt gegenüber ihren Aufsichtsorganen Rundfunkrat und Verwaltungsrat.
Bei den Privaten ist die Redaktionsstruktur im Prinzip ähnlich – abhängig von Sendergröße und Programm. Und statt des Intendanten ist ein den Eigentümern verantwortlicher Geschäftsführer Chef.
Zurück zu den Machern: Presse und Rundfunk haben neben den im Haus und in den Außenredaktionen oder Landes- und Regionalstudios tätigen festangestellten Redakteuren und Reportern auch noch Korrespondenten - als festangestellte oder freie Mitarbeiter.
Korrespondent sein kann man nicht nur im Ausland. Jede große Zeitung und jede Rundfunkanstalt hat ihre Berliner Redaktion, die eigentlich Korrespondentenbüro heißen müßte, weil dort ja nichts redigiert wird, sondern die »Redaktion« alle Berichte und Kommentare an die Zentralredaktion leitet. Die Hauptstadt Berlin wird als Korrespondentenplatz zunehmend wichtiger und attraktiver.
Keine Zeitung hat Korrespondenten in allen deutschen Landeshauptstädten; mehrere Bundesländer lassen sich auch von einem Platz aus beobachten, etwa der Südwesten von Stuttgart oder Mainz, der Norden von Hamburg oder Hannover, der Osten von Dresden, Leipzig oder Berlin aus.
Nur wenige Zeitungen leisten sich exklusiv für sie arbeitende Auslandskorrespondenten; auch die Rundfunkanstalten bedienen sich für weite Teile der Welt der gemeinsamen Nutzung von Korrespondenten im Verbund der ARD. Der politische Korrespondent wird an wirtschaftlich wichtigen Plätzen durch einen Wirtschaftskorrespondenten, an kulturell bedeutenden durch einen Kulturberichterstatter ergänzt.
Die meisten Privatradios stützen sich für die Berichterstattung über Ereignisse außerhalb des eigenen Sendegebiets auf die Inlands- und Auslandskorrespondenten von Radiodiensten.
Bildjournalisten sind für die Presse heute noch wichtiger als vor Einführung des Fernsehens. Das Publikum ist optisch verwöhnt und anspruchsvoll geworden; es erwartet auch bei der Lektüre Zusatzinformationen und Auflockerung durch gute Bilder.
Die Gehaltstarifverträge für Redakteure an Zeitungen und an Zeitschriften gelten auch für den Bild-Redakteur. Dieser kann seinen Job auch dadurch ausüben, dass er »mit eigenen Bildbeiträgen zur Berichterstattung und Kommentierung in der Zeitung beiträgt«11.
Meine »Einführung in den praktischen Journalismus« ist für Bild-Journalisten nur insoweit einschlägig, als auch der Fotoreporter recherchieren und texten muss, z. B. die Facts für die an Stelle eines Berichts festgelegte erweiterte Bildunterschrift bzw. die Bildunterschrift selbst. Das eigentlich Presse-Fotografische samt beruflichen Tipps erfahrener Kollegen steht im Handbuch »Bildjournalismus heute« der Reihe List Journalistische Praxis.
Weiterführende Literatur:
DJV, Tipps für Freie
DJV, Scheinselbstständigkeit
Goetz Buchholz, Ratgeber Freie. Kunst und Medien (6. Auflage, Gewerkschaft ver.di, Stuttgart 2002)
Tom Buschardt (Hrsg.), Ratgeber Freie Journalisten. Ein Handbuch (4. Auflage, Vistas, Berlin 2003)
Svenja Hofert, Erfolgreich als freier Journalist (UVK, Konstanz 2003)
Wolfgang Kiesel/Michael Hirschler/Benno H. Pöppelmann, Von Beruf Frei. Der Ratgeber für freie Journalistinnen und Journalisten (DJV-VerIags- und Service GmbH, Bonn 2001)
Michael Lang/Ralf Gödde, Das Journalistenbüro. Teamkonzepte für freie Journalisten (UVK, Konstanz 2000)
Rolf Sachsse, Bildjournalismus heute. Beruf, Ausbildung, Praxis (List Journalistische Praxis, 2003)
Martin Wagner, Auslandskorrespontent/in für Presse, Radio, Fernsehen und Nachrichtenagenturen (List Journalistische Praxis, 2001
Die journalistischen Darstellungsformen
Was ist eine Nachricht? John B. Bogart, Lokalredakteur der amerikanischen Zeitung »Sun«, soll es gewesen sein, der im Jahre 1880 die inzwischen klassisch gewordene Definition gab: »When a dog bites a man, that's not news, but when a man bites a dog, that's news.« In amerikanischen Journalistenschulen spricht man von der Man-bites-dog-Formel.
Bogarts Definition läuft zwar nach der vielgelästerten Konstruktion: »Eine Nachricht ist, wenn ... «, aber sie stellt auf das Wichtigste ab, was eine Nachricht erst zur Nachricht macht: Das zu Berichtende muss sich vom Alltäglichen unterscheiden, muss in irgendeiner Hinsicht ungewöhnlich sein. »News is what's different«, lautet deshalb eine andere treffende Definition der Amerikaner, die sich über journalistische Praxis viel mehr und viel früher Gedanken gemacht haben, als wir in Europa: Nachricht ist, was sich unterscheidet.
Die Elemente der Nachricht. Wenn die Kinder der Gemeinden A-, B- und C-Dorf seit langer Zeit nach D-Dorf mit dem Schulbus zum Unterricht fahren, dann ist das Alltag, Gewohnheit.
Auch heute wieder fuhren die Kinder von A-, B und C-Dorf mit dem Schulbus nach D-Dorf zum Unterricht.
Niemand würde eine solche Meldung bringen. Durch irgendeine Veränderung in der Routine könnte dieser Schulbustransport plötzlich aktuell werden. Die Aktualität könnte z. B. durch eines der folgenden Ereignisse entstehen:
Der nicht mehr ansehnliche Schulbus erhält einen bunten Anstrich mit Blümchenmuster.
Der alte Schulbus wird durch einen größeren, bequemeren, ersetzt.
Der Schulbus hat einen Unfall; den Kindern passiert nichts, weil es bei der leeren Rückfahrt war; der Fahrer wird leicht verletzt.
Der Schulbusbetrieb wird eingestellt, weil der öffentliche Geldgeber sparen will.
Wen interessiert das schon? Die Frage ist berechtigt, man muss sie stellen. Denn nur eine Meldung, die auf allgemeines Interesse rechnen kann, hat Nachrichtenwert. Überprüfen wir darauf das Beispiel Einstellung des Schulbusbetriebes.
Die Schulbus-Meldung interessiert auf jeden Fall die Eltern der Schulkinder. Sie haben von der Schulbus-Einstellung vielleicht schon durch ein Rundschreiben erfahren, aber es erfüllt sie mit Genugtuung, dass die Zeitung jetzt auch »die Leute« der Umgebung auf dieses Ärgernis aufmerksam macht. Für »die Leute« ist die Nachricht ebenfalls von Interesse; der eine wird sich ärgern, ein anderer vielleicht freuen, dass nicht mehr so viel Geld fürs In-die-Schule-Fahren »hinausgeworfen« wird. Weil sich hier ein grundsätzliches Problem an einem konkreten Vorfall aktualisiert, könnte die Nachricht vielleicht sogar von Interesse für überregionale Zeitungen sein. Kein Interesse erweckt die bloße Meldung jenseits der Grenzen; denn die Belgier, Franzosen und Österreicher müssten dazu erst noch gesagt bekommen, wie dieses Schulbus-System entstanden ist und wie es funktioniert. Außerdem haben die Leute dort ihre eigenen Probleme.
Was halten Sie von der folgenden Nachricht? Sie erschien 1914 nach dem Attentat von Sarajewo in der Vossischen Zeitung12 Berlin, war aktuell, von allgemeinem Interesse und wie folgt formuliert:
Sarajewo, 28. Juni (Telegramm unseres Korrespondenten).
Als der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand und seine Gattin, die Herzogin von Hohenberg, sich heute vormittag zum Empfange in das hiesige Rathaus begaben, wurde gegen das erzherzogliche Automobil eine Bombe geschleudert, die jedoch explodierte, als das Automobil des Thronfolgers die Stelle bereits passiert hatte. In dem darauffolgenden Wagen wurden der Major Graf Boos-Waldeck von der Militärkanzlei des Thronfolgers und Oberstleutnant Merizzi, der Personaladjutant des Landeshauptmanns von Bosnien, erheblich verwundet. Sechs Personen aus dem Publikum wurden schwer verletzt. Die Bombe war von einem Typographen namens Cabrinowitsch geschleudert worden. Der Täter wurde sofort verhaftet.
Nach dem festlichen Empfang im Rathause setzte das Thronfolgerpaar die Rundfahrt durch die Straßen der Stadt fort. Unweit des Regierungsgebäudes schoß ein Gymnasiast der achten Klasse (Primaner) namens Princip aus Grabow aus einem Browning mehrere Schüsse gegen das Thronfolgerpaar ab. Der Erzherzog wurde im Gesicht, die Herzogin im Unterleib getroffen. Beide verschieden, kurz nachdem sie in den Regierungskonak gebracht worden waren, an den erlittenen Wunden. Auch der zweite Attentäter wurde verhaftet. Die erbitterte Menge hat die beiden Attentäter nahezu gelyncht.«
Erst im neunten Satz erfährt der Leser das Wichtigste: Der Thronfolger der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie lebt nicht mehr. Nach unserem heutigen Verständnis ist die Nachricht falsch aufgebaut; denn wir wollen bei jeder Nachricht zunächst den Kern, das Wichtigste erfahren. Der Aufbau ist also ebenfalls ein Element, auf das wir achten müssen, wenn wir es mit dem Schreiben oder Bearbeiten von Nachrichten zu tun haben.
Fassen wir zusammen, was wir bisher an Elementen für eine Definition der Nachricht gefunden haben: Die Nachricht beschäftigt sich mit aktuellen Sachverhalten von allgemeinem Interesse in einem bestimmten formalen Aufbau. Was mir an dieser vorläufigen Definition nicht gefällt, ist der Ausdruck »beschäftigt sich«. Die Nachricht beschäftigt sich nicht (das tun der Kommentar und die Analyse), die Nachricht teilt mit, was tatsächlich, wirklich »objektiv« geschehen ist.
Wer etwas mitteilt, gibt es so weiter, dass der Empfänger der Mitteilung daran teilhaben kann. Auch im Wort Kommunikation steckt in der lateinischen Wurzel communis = gemeinsam etwas von dieser Beteiligung. An einem mir zugedachten gedanklichen Inhalt habe ich dann teil, wenn ich ihn verstanden habe.
»Es gibt keine Objektivität der Presse, wenn der Leser nicht versteht, was er liest13. Dieser Satz bestätigt nur, dass eine Nachricht, sei ihr Inhalt noch so bedeutsam, ihr Stil noch so brillant, erst dann ihren Zweck erfüllt, wenn die Mitteilung gelingt; wenn der Leser, Hörer, Zuschauer ohne Schwierigkeiten den Wörtern und Sätzen jenen Sinn entnehmen kann, den ihnen der Redakteur geben wollte. Mitteilung (Verständlichkeit) ist das vierte Element unserer Nachrichtendefinition.
Was schließlich die Objektivität betrifft, so wird uns die Klärung, weiche Art und weiches Maß von Objektivität erreichbar sind, die meisten Schwierigkeiten machen.
Nun haben wir alle Elemente beisammen, die eine Nachricht ausmachen:
Aktualität
Allgemeines Interesse
Aufbau
Mitteilung (Verständlichkeit)
Objektivität
Definition der Nachricht: Eine Nachricht ist also die um Objektivität bemühte Mitteilung eines allgemein interessierenden, aktuellen Sachverhalts in einem bestimmten formalen Aufbau.
Das Wort Nachricht wird mit zweierlei Bedeutung verwendet.
Inhaltlich: als die Mitteilung, die Information schlechthin.
Formal: als eine ganz bestimmte journalistische Darstellungsform, eben die Nachricht, in der Regel nicht länger als 20 Zeilen oder etwas über eine Sendeminute; was länger ist, heißt Bericht.
Für die folgenden Nachrichtenkapitel hat die Bis-zu-zwanzig-Zeilen-Nachricht als Modell gedient, aber wenigstens drei Viertel des dazu Gesagten gelten auch für die übrigen informierenden Darstellungsformen.
Weiterführende Literatur:
Verena Hruska, Die Zeitungsnachricht. Information hat Vorrang (3. Auflage, ZV Zeitungs-Verlag Service, Bonn 1999)
Wolf Schneider/Detlef Esslinger, Die Überschrift. Sachzwänge, Fallstricke, Versuchungen, Rezepte (List Journalistische Praxis, 2002)
Dietz Schwiesau/Josef Ohler, Die Nachricht in Presse, Radio, Fernsehen, Nachrichtenagentur und Internet (List Journalisitsche Praxis, Herbst 2003)
Siegfried Weischenberg, Nachrichtenschreiben. Journalistische Praxis zum Studium und Selbststudium (3., vollständig überarbeitete und aktualisierte Auflage, Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2001)
Wolfgang Zehrt, Hörfunk-Nachrichten (Ölschläger/UVK, München/Konstanz 1996)
Herr A und Herr B treffen sich auf der Straße. Ihre erste Frage lautet: »Wie geht's?«, ihre zweite:
»Was gibt's Neues?« Nun ja, was gibt es Neues? Die Frau von Herrn A, die schon so lange unter Schmerzen im Knie leidet, hat jetzt einen Heilpraktiker gefunden - der hat geholfen. Herr B weiß auch Erfreuliches: Der Sohn hat die Aufnahmeprüfung bestanden, obwohl 30 Prozent der Mitbewerber durchgefallen sind. Die beiden reden noch lange, aber wir können schon wieder zur Theorie zurückkehren: Die Entdeckung des Heilpraktikers und die bestandene Aufnahmeprüfung sind Aktualitäten; denn als sich die Männer das letzte Mal trafen, kannte Frau A den Heilpraktiker noch nicht, und Sohn B hatte die Prüfung noch vor sich. Jetzt ist in beiden Fällen etwas anders geworden - news is what's different. Die beiden Bekannten treffen sich nicht jeden Tag, das Erzählte liegt also schon ein bisschen zurück; macht nichts.
Je öfter die Gelegenheit besteht, auf die Frage »Was gibt's Neues?« zu antworten, um so kürzer sind die Zeiträume, innerhalb deren etwas noch aktuell ist. Eine täglich erscheinende Zeitung wird eine Meldung, die am Dienstag wegen Platzmangels nicht mehr »mitgenommen« werden konnte, in aller Regel am Mittwoch nicht mehr in der ursprünglichen Fassung bringen können; denn jetzt ist sie nicht mehr aktuell.
Aktualisieren lässt sich die Meldung u. a. durch
den Fortgang des Geschehens selbst (z. B. Übergreifen eines Aufstands auf weitere Städte),
inzwischen bekanntgewordene Einzelheiten des Geschehens (z. B. Zahl der Toten oder Ursache eines Unglücks),
Stellungnahmen zum Geschehen (z. B. Reaktion der Opposition auf einen Vorschlag der Regierung).
Für den Hörfunk, der stündlich Nachrichtensendungen ausstrahlt, schrumpft der Zeitraum der Aktualität noch enger zusammen.
Zeitliche Unmittelbarkeit: Grundsätzlich kann man also davon ausgehen, dass ein Ereignis unmittelbar nach dem Zeitpunkt als Nachricht gebracht wird, zu dem es geschehen ist: die Rede des Oppositionsführers im Bundestag, die er um 16.45 Uhr beendete, ist Stoff für die 17.00 Uhr-Nachrichten des Hörfunks und die Frühabend-Sendungen des Fernsehens sowie für die Morgenzeitungen des nächsten Tages. Im Mai 1972 lief folgende Meldung über die Fernschreiber:
Washington (AFP/ddp) - Der chinesische Parteichef Mao Tse-tung soll noch im Jahre 1946 entschlossen gewesen sein, in China die freie Marktwirtschaft und eine Demokratie nach amerikanischem Vorbild einzuführen. Das hat am 31. Januar 1946 der jetzige chinesische Ministerpräsident Tschou En-lai dem Vorsitzenden der amerikanischen Schlichtungskommission, General George Marshall, berichtet, der zwischen Kommunisten und Nationalisten in China vermitteln sollte ...
Reichlich lange her, finden Sie nicht auch? 1972 kam diese Nachricht genau 26 Jahre und vier Monate zu spät, war also gar keine Nachricht mehr. Oder doch? Der Text geht weiter:
Die Aufzeichnungen über dieses Gespräch sind am Mittwoch in Washington vom amerikanischen Außenministerium veröffentlicht worden.
Und da liegt die Aktualität. Jetzt erst - durch die Veröffentlichung des Außenministeriums - weiß man etwas, was man vorher gar nicht wissen konnte; denn General Marshall hatte 1946 der Öffentlichkeit über Maos Liebäugeln mit der Marktwirtschaft nichts mitgeteilt.
Dass sich die Aktualität nicht an den Zeitpunkt des Geschehens, sondern an den Zeitpunkt des Offenkundigwerdens knüpft, kommt übrigens gar nicht so selten vor.
Solche und ähnlich strukturierte Nachrichten lesen und hören wir doch oft:
Ein raffinierter Subventionsbetrüger schädigte viele Jahre die Staatskassen. Zwei Jahre, nachdem er sich im Tessin zur Ruhe gesetzt hat, kommt ihm die Steuerfahndung auf die Schliche.
Hier setzt die Aktualität ein, nicht nur in Bezug auf den Fortgang des Ermittlungsverfahrens, sondern auch und gerade für die jetzt erst bekanntgewordenen Betrügereien von einst.
Selbstgeschaffene Aktualität: In 99 von 100 aller Fälle warten die Nachrichtenmittler (Agenturen, Presse, Funk, Fernsehen), bis etwas geschieht, etwas aktuell wird. Journalisten können aber auch selbst Aktualität schaffen. Wenn im Falle des Subventionsschwindlers nicht die Steuerfahndung, sondern ein hartnäckiger Reporter die Beweise zusammengetragen und veröffentlicht hätte, dann wäre das eine selbstgeschaffene, völlig legitime Aktualität.
Neben dieser durch eigene Recherchen geschaffenen Aktualität gibt es die geplante Aktualität:
Wer hat in 0-Stadt den längsten Bart? - Freiflug ins X-Tal für Preisausschreibengewinner - Kaum Wadenkrampf beim Cz-Frühjahrsmarsch.
und so weiter und so weiter. Solche geplanten, Aktualität schaffenden Aktionen eines publizistischen Organs brauchen nicht immer nach Public Relations und Vertriebswerbung zu schmecken. Zumindest fällt es sehr schwer, den PR-Anteil einer weihnachtlichen Hilfsaktion (»Adventskalender«) oder einer langfristig arbeitenden Aktion zur Verkehrserziehung (»Kavalier der Straße«) zu bestimmen.
Eine Reporterin, die sich ein Kissen unters Kleid bindet und als hochschwangere Frau in der übervollen Straßenbahn darauf wartet, dass ihr jemand einen Sitzplatz anbietet, schafft Aktualität, wenn sie das Ergebnis ihrer Aktion in die Mitteilung zusammenfasst:
Nur einer von 30 machte mir Platz.
Dass es so schwach um die Hilfsbereitschaft der Trambahnfahrgäste in P-Stadt bestellt ist, weiß man konkret erst seit dem Test der Reporterin; darin liegt die Aktualität.
Erweiterte Aktualität: Man kann auch Aktualitäten verlängern und sogar verstärken.
Die Schulbusaffäre (aus dem Eingangskapitel) zum Beispiel ist ja mit der Nachricht von der Einstellung nicht zu Ende, sondern beginnt (für einen aktiven und interessierten Journalisten) erst richtig:
Was sagt das Landratsamt, die Schulbehörde, was sagen die drei Bürgermeister und der örtliche Landtagsabgeordnete dazu? Was die Eltern, die Lehrer, die Kinder, der Busunternehmer und der Fahrer?
Welche Ersatzlösungen für den Transport zum Schulort werden angeboten, welche kommen in Frage?
Wie ist überhaupt die Rechtsfage bei der Schulbusfinanzierung?
Ist das die einzige Sparmaßnahme der Gemeinde; welche weiteren (und in weicher Größe) sind vorgesehen?
Nachrichten über Nachrichten, die einen Vorfall davor bewahren, nur deshalb rasch vergessen zu werden, weil die erste Aktualität (die Einstellung des Schulbusverkehrs) verbraucht ist. Nach einem halben oder ganzen Jahr wird der Journalist in einem Rückblick die an der Schulbus-Entscheidung Beteiligten fragen, wie sie die Sache heute sehen usw.
Aktualität = Gegenwärtige Aufgeschlossenheit: Aktualität ist nicht nur die einzelne Veränderung, sondern auch, was in der Öffentlichkeit als Thema gerade wichtig erscheint, wofür gerade Aufgeschlossenheit beim Publikum besteht. Das Wort aktuell leitet sich her vom lateinischen actualis = wirksam.
Hausbesitzer lässt sechs Wohnungen leerstehen und verkommen.
Wenn das gerade bekannt geworden ist, ist es aktuell (denn vorher kannte man diesen Fall noch nicht). Zur Zeit ist die Nachricht auch noch in dem weiteren Sinn aktuell, dass sie auf eine Bewusstseinslage trifft, die das Leerstehenlassen von Wohnungen als ernstes Problem empfindet.
Es ist hier nicht der Platz, zu erörtern, weiche Faktoren (und in welch hohem Anteil) öffentliches Bewusstsein schaffen oder verändern: Ob im Beispielfall Hausbesetzungen (und die Berichterstattung darüber) dieses Bewusstsein geweckt haben oder ob problembewusster Journalismus auch von sich aus die Öffentlichkeit hätte sensibilisieren können.
Markus Kutter14 vermutet in dieser Frage, »dass die journalistischen Themen ... durchaus aktiv gemacht werden müssen .... indem zuerst einer, und dann einige sie finden und sich an ihnen versuchen, andere sie übernehmen, eine Zeitschrift, ein Buch, das Fernsehen sich ihnen widmet, dann immer mehr Leute darüber schreiben, weil immer mehr Leute davon reden.«
Fassen wir zusammen: Aktualität im engeren Sinn meint den Unterschied vom Heute zum Gestern, meint die Veränderung, die innerhalb des Berichtszeitraumes (wenige Stunden bei Radionachrichten, 24 Stunden bei Tageszeitungen, sieben Tage bei Wochenzeitungen) eingetreten ist. Aktualität im weiteren Sinn meint die Aufnahmebereitschaft des Publikums oder einer Teilöffentlichkeit für bestimmte Themen und Probleme, die sie (länger als die kurzen Berichtszeiträume dauernd) als wichtig und sie betreffend empfindet. (Einzelheiten hierzu im folgenden Kapitel »Allgemeines Interesse«). Eine Nachricht ist also im doppelten Sinn aktuell, wenn sie neu ist und einen Nerv trifft.
In bestimmten Fällen kann das Interesse der Öffentlichkeit an einem Sachverhalt so groß sein, dass selbst die Meldung, es habe sich an dem Sachverhalt nichts geändert, als aktuell empfunden wird. Am 26. Juni 1974 veröffentlichte dpa eine Nachricht, die so begann:
Der Fall des am 28. Dezember letzten Jahres auf mysteriöse Weise verschwundenen Grundig-Direktors in Nordirland, Thomas Niedermeyer, ist nach einem halben Jahr noch immer völlig ungeklärt. Ein Sprecher der Grundig-Unternehmensleitung erklärte dazu: »Nach wie vor alles im Dunkeln.«
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
1Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, Zeitungen 2000 (ZV Zeitungs-Verlag Service, Berlin 2000), S.241.
2Definition in Anlehnung an Walter J. Schütz, der seit 1954 die deutsche Presselandschaft statistisch erfasst (vgl. z.B. seinen Beitrag in der Zeitschrift Media Perspektiven 12/1997, S.663-694).
3Auflagenzahlen nach: Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger, Zetungen 2002 (Zeitungs-Verlag, Berlin 2002), S. 482
4Auflagenzahlen nach: Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter, www.bvda.de
5Für den Zeitschriftenmarkt gibt es keine exakten Statistiken. Die Angaben beziehen sich auf den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger und den Medienbericht der Bundesregierung 1998.
6Angaben nach einer GfK-Studio (www.gfk-webgauge.com)
7Rainer Haase, Seitenweise teletexten. In: Medium Magazin 11/1998, S.72-77.
8Die Zahl errechnet sich aus den Angaben von Hermann Meyn, Massenmedien in Deutschland (Konstanz 1999), Seite 264.
9Deutsche Public Relations-Gesellschaft (Grsg.), Qualifikationsprofil Öffentlichkeitsarbeit/Public Relations. Bonn o.J., S. 20.
10Elisabeth Noelle Neumann/Renate Köcher (Hrsg.), Allensbacher Jahrbuch der Demoskopie 1993-1997, S.433.
11Gehaltstarifvertrag für Redakteure an Tageszeitungen, Ziffer 2 der Protokollnotiz zu § 1.
12Um der Wahrheit, auf die ich erst bei der Vorbereitung der 6. Auflage stieß, die Ehre zu geben: Der eigentliche Korrespondentenbericht beginnt zwar so; das Extra-Blatt der Vossischen Zeitung hatte aber natürlich eine Schlagzeile (»Der österreichische Thronfolger und seine Gattin ermordet«) sowie einen redaktionellen Vorspann, der das Wichtigste enthält. Er lautet: »Einer grauenvollen Bluttat sind der Erzherzog-Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Ungarn und seine Gattin, die Herzogin von Hohenburg, zum Opfer gefallen. Durch Schüsse serbischer Fanatiker wurden sie ermordet, nachdem sie einem Bombenattentat, durch das einige Offiziere aus ihrem Gefolge und einige Personen aus dem Publikum verwundet wurden, entgangen waren. Über das furchtbare Ereignis wird uns telegraphiert: ...«. Der Sarajewo-Text ist trotzdem zu einem Lernklassiker geworden.
13Report of the Commision on Freedom of the Press, Robert Hutchins u. a., A Free and Responsible Press, Chicago, 1947, zitiert und übersetzt von Heinz Bäuerlein auf Seite 105 seiner Dissertation.
14Markus Kutter, Bemerkungen eines Außenseiters zum deutsch-schweizerischen Journalismus in: Journalist, 12 Autoren zur Rolle der Journalisten. Herausgegeben von Franz C. Widmer, Band 2 der Ringier-Reihe – Kommunikation, Zürich o.J., Seite 41.