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Autor: merz medien + erziehung.
Titel: Infos zum Mobilfunk
Quelle: merz. medien + erziehung. 49. Jahrgang, Heft 3/05. München 2005. S. 42-44.
Verlag: kopaed verlagsgmbh.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.
Infos zum Mobilfunk
Um die medienpädagogische Arbeit zu unterstützen, hat die merz-Redaktion einen Überblick über aktuelle Angebote rund um Handy und Mobilfunk zusammengestellt.
„Telefonieren, fernsehen, Musik downloaden, surfen... Mit dem UMTS-Spezial Paket von Vodafone kombinieren Sie ein auf Ihre Bedürfnisse abgestimmtes Sprachpaket mit dem Datenturbo UMTS und vielen weiteren Extras.“
Diesem Werbespruch wollten wir nachgehen und die Wunder der rasanten Datenübertragung testen. Das Vodafone-UMTS-Handy kann viel: Fotos, Videos und diverse Spiele werden angeboten. Hochauflösende Grafiken sind kein Problem mehr, Fotos und Videos liegen damit in guter Qualität vor. Das Handy wird zu einem Multimedia-Werkzeug, Kreativität, Kommunikation und Mobilität werden vereint. Multimedia-Messages werden mit der neuen Technik deutlich attraktiver: Man kann jetzt auch mit Bildern schnell kommunizieren, das Leistungsvermögen der mobilen Kommunikation wird insgesamt enorm gesteigert, kombiniert mit einem leistungsstarken Terminplaner, einem Fotoapparat und attraktiven Spielen. Dies alles hat aber auch seinen Preis. Bei der schnellen Datenübertragung vergisst man leicht, dass trotzdem jedes verschickte Byte bezahlt werden muss.
Eine weitere Kostenfalle ist das Mobile-TV. „Volles Programm auf 15 Kanälen“ verspricht Vodafone. Die Auswahl ist allerdings beschränkt. Zum einen werden Sendungen wie GZSZ zeitversetzt komplett angeboten, andere Sender wie CNN-Iive in Echtzeit eingespeist. Hier sucht der Anbieter noch nach dem richtigen Mix für seine Kunden.
Auch wenn der Handy-Bildschirm sehr klein ist, ist die Qualität so ordentlich, dass ein echter Fan die Lieblingsserie im Notfall verfolgen kann. Je nach gewähltem Vertrag kostet die Stunde Mobile-TV bis zu 3 Euro. Billiger als Telefonieren? Vielleicht! Aber dies ist auch nur der Preis für die Standardprogramme. Extraangebote kosten auch extra, so wie die zahlreichen Soft-Erotik-Filmchen, die mit 1,49 Euro pro 3-Minuten-Clip abgerechnet werden. Nachdem dies aber eh nicht für Kinder gedacht ist, sollte man es sicher jedem Erwachsenen überlassen, wofür er sein Geld ausgibt. Leider ist das nicht immer so einfach.
Handys sind Privatsache. Im Gegensatz zum Fernseher, dessen Gebrauch sich erzieherisch noch halbwegs regeln lässt, haben Kinder ihr Handy meist ständig bei sich. Wie es dabei mit dem Jugendschutz aussieht, ist noch weitgehend ungeklärt. Die Mobilfunkanbieter halten sich an die Jugendschutzrichtlinien. Erotikclips werden erst ab 22 Uhr bereitgestellt und allen Clips ist die Frage „Sind Sie über 16 Jahre alt?“ vorangestellt. Vodafone wurde in Sachen Jugendschutz positiv bewertet. Der Betreiber tut, was er muss und was er kann. Trotzdem gilt nach wie vor, dass die Altersverifikation über Altersabfrage schlichtweg unwirksam ist. Sie sensibilisiert eher Eltern, als dass sie Kinder oder Jugendliche abschreckt.
Uns hat nicht die Altersverifikation, sondern der Preis abgeschreckt. Mit den Spielen, Fotos, Videoclips, den MMS und GZSZ als Mobile-TV-Angebot hatten wir viel Spaß. Zurück bleibt die Frage: Müssen Eltern also in Zukunft ihren Kindern vor dem Schlafen auch noch das Handy abnehmen?
Kathrin Demmler
Für den Unterricht gibt es noch nicht sehr viele Materialien. Die CD-ROM Handy-Kurs mit Polly und Fred für 8- bis 12-jährige Kinder wurde in merz 1-05 (S.80) ausführlich besprochen, auf sie sei hier nur noch kurz hingewiesen. Mobilfunk hat auch sozial weniger verträgliche Seiten, ist aber für 90 Prozent der Jugendlichen unverzichtbarer Teil des Alltags. Vom Schulprojekt Mobilfunk werden deshalb Hefte mit Materialien für den Unterricht herausgegeben. Bisher erschienen: Klassen 5 bis 8, für die Fächer Deutsch, Sozialkunde, Arbeits- und Wirtschaftslehre und ein weiteres Heft mit fächerübergreifenden Sachinformationen. Natürlich muss man bewerten, wer diese Hefte herausgibt, nämlich eine Initiative der deutschen Mobilfunk-Netzbetreiber. Das ist etwa so, wie wenn ein Verband Deutscher Schlachthäuser ein Heft zum Thema „Ist Vegetarismus gesund?“ herausgibt. Eine grundsätzliche Erörterung der Frage, ob überhaupt und wenn ja, in welcher Weise man Mobiltelefone braucht, findet nicht wirklich statt. Dennoch werden die „heißen“ Themen rund um den Mobilfunk nicht ausgespart. Bei der grassierenden Verschuldung Jugendlicher durch hohe Rechnungen geht das Interesse aller – Eltern, Lehrer, Jugendliche und Industrie – in die gleiche Richtung. Das Thema Mobilfunk und „Elektrosmog“ wird natürlich zaghafter angefasst. Dennoch: Sinnvolles und didaktisch gut aufbereitetes Material für den Unterricht lässt sich durchaus finden. Kostenlose Anforderung unter: www.schulprojekt-mobilfunk.de.
Die Landesstelle Kinder- und Jugendschutz Sachsen-Anhalt e.V. hat zum Thema Handy drei Zugänge erarbeitet: Erstens: ein Angebot für in pädagogischen Arbeitsfeldern Tätige „Zauberstab der Pädagogik – das Handy“ mit spiel- und medienpädagogischen Ansätzen, zweitens: ein Angebot für Eltern „Wieviel Handy braucht mein Kind?“ und drittens: das „1. Handy-Spielmobil“ mit Großspielgeräten, Spielaktion und Medienangeboten zum Thema Handy.
www.checked4you.de. Informative, übersichtliche und aktuelle Seite der Verbraucherzentrale NRW speziell für Jugendliche. Es geht um alle Produkte, die sie besonders interessieren, darunter eben auch das Thema Handy und seine problematischen Seiten. Im Forum werden Fragen von Jugendlichen schnell und kompetent beantwortet.
www.netzcheckers.de. Bundesweites Portal der Initiative Jugend ans Netz, das jugendaffine Themen wie das Handy aufgreift (unter „Handy & Foto“ und „Geld & Recht“), Informationen und Links bietet sowie als Diskussionsforum dient (vgl. merz 2-05, S.65).
Auf Probleme mit Handy-Schulden haben manche Schuldnerberatungsstellen mittlerweile mit eigenen Beratungsangeboten reagiert. So findet man eine spezielle Online-Beratung unter www.schuldenfalle-handy.de. Die Landesarbeitsgemeinschaft Schuldner und Insolvenzberatung Berlin e.V. hat als besonderes Angebot ein „Handybooklet“ entwickelt, das unter www.handybooklet.de angefordert werden kann. Von der Schuldnerhilfe Essen e.V. gibt es unter www.schuldnerhilfe.de einen Flyer „Come together. Mit dem Handy unterwegs“. Die Zahlen des Instituts für Jugendforschung zur finanziellen Situation im Zusammenhang mit dem Handy können nachgelesen werden unter www.ijf.de/german/presse_mitteilungen_11.htm. Das Institut für Sozialdienste aus dem österreichischen Vorarlberg hat ein eigenes Präventionsprogramm zum Thema Verschuldung durch Handy entwickelt (www.ifs.at).
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