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Autoren: Schorb, Bernd / Kakar, Steffi.

Titel: Medienpädagogik: Das Studium und seine beruflichen Konsequenzen.

Quelle: Norbert Neuß (Hrsg.): Beruf Medienpädagoge. Selbstverständnis - Ausbildung - Arbeitsfelder. München 2003. S. 75-85.

Verlag: kopaed verlagsgmbh.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlags.



Bernd Schorb/Steffi Kakar

Medienpädagogik: Das Studium und
seine beruflichen Konsequenzen

Am Institut für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Leipzig bietet der Studienaufbau den Studierenden die Möglichkeit, sich als MedienpädagogIn zu qualifizieren. Die ersten AbsolventInnen mit einem medienpädagogischen Schwerpunkt verließen 1996 die Universität. Seitdem ist ein wachsendes Interesse für diese Richtung bei den Studierenden festzustellen, wobei vor allem StudentInnen, die als weiteres Fach Erziehungswissenschaft studieren, diesen Schwerpunkt wählen1.

Im Folgenden sollen die beruflichen Möglichkeiten, die sich den Absolventen eines medienpädagogischen Studienganges bieten, dargestellt und reflektiert werden. Basis der Reflektion sind Kontakte mit den AbsolventInnen, die sich teilweise über Jahre gehalten haben und darüber hinaus eine systematische AbsolventInnenbefragung. Hintergrund dieser Befragung war die Absicht, das Studium der Medienpädagogik sowohl in den Kommunikations- als auch in den Erziehungswissenschaften zu verankern. Zur Begründung aber auch zur Anpassung der dann gemeinsamen Studieninhalte an die Erfordernisse medienpädagogischer Praxis sollte die Befragung Einsichten und Argumente liefern. Inzwischen ist ein gemeinsamer Studiengang in weite Ferne gerückt. Geschuldet ist dies einmal der Finanzsituation der Universität Leipzig, die Stellen abbauen muss, für diesen Studiengang jedoch bei den Erziehungswissenschaften mindestens eine MitarbeiterInnenstelle hätte schaffen müssen. Zum anderen ist der Blickwinkel vieler ProfessorInnen der Erziehungswissenschaft, nicht nur in Leipzig, so eng, dass die Notwendigkeit, Medienpädagogik ins Studium zu integrieren, nicht erkannt wird. So blieb in Leipzig die Unterstützung des angestrebten Modellstudienganges auf die wenigen weitsichtigen KollegInnen beschränkt, und diese hatten dank der Macht der Finanzen keine Durchsetzungsmöglichkeit. Dies wiederum hat zur Folge, dass in Leipzig, wo das erziehungswissenschaftliche Studium mit Ausnahme der Ausbildung der Berufschullehrer konzentriert ist, Medienpädagogik nur innerhalb der Kommunikationswissenschaften angeboten wird2.

Die Studie, wenn sie auch ihren eigentlichen Zweck nicht erfüllen konnte, erbrachte doch so wichtige Ergebnisse, dass sie systematisch weitergeführt wird. Da Menschen inzwischen ihre Mailadressen länger behalten als ihre Wohnadressen, wird zukünftig einmal jährlich ein Fragebogen an ‘Ehemalige’ verschickt, um so die Informationen stetig zu aktualisieren.

Die in der Folge vorgestellten Ergebnisse entstammen einem Projektseminar, das im Wintersemester 2001/2002 durchgeführt wurde. Der Entscheidung, die Untersuchung mit einem Projektseminar zu verknüpfen, lag neben den genannten die weitere Absicht zugrunde, auch den Studierenden selbst die Ergebnisse zugute kommen zu lassen und sie zugleich in die Praxis qualitativer sozialwissenschaftlicher Forschung einzuführen. Daher wurden die SeminarteilnehmerInnen in den gesamten Prozess der Planung, Durchführung und Auswertung mit einbezogen. Im dicht gedrängten Zeitplan des Projektseminars wurde der Leitfaden entwickelt, getestet und entsprechend überarbeitet, die Interviewer geschult und das Auswertungs- und Interpretationsverfahren erarbeitet. Gegen Ende des Semesters konnten die Interviews durchgeführt werden, wobei es zeitlich nicht mehr zu realisieren war, dass jeder Studierende zwei AbsolventInnen interviewte, wie ursprünglich geplant.

Die Zielgruppe der Untersuchung war zahlenmäßig klein, da ausschließlich AbsolventInnen befragt wurden, die im Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft im Teilbereich „Medienpädagogik“ ihren Abschluss gemacht hatten. Von den 46 potentiellen Absolventen, deren Adressen das Prüfungsamt zur Verfügung stellte, konnten 5 Absolventen für die Testinterviews gewonnen werden und 14 Absolventen für die Hauptuntersuchung. Diese 14 Interviews wurden von den Studierenden des Projektseminars in die Auswertung einbezogen. Zur Gewährleistung der Intersubjektivität wurde die Auswertung in Arbeitsgruppen durchgeführt, wobei jede Arbeitsgruppe eine Hauptkategorie bearbeitete. Die Interviews wurden in Bezug auf folgende Hauptkategorien hin untersucht:

Phase vor dem Studium und Verlauf des Studiums

Hierbei war von Interesse, warum man sich für das Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft und insbesondere für den Schwerpunkt Medienpädagogik entschied. Die gewählten Fächerkombinationen, Fächerwechsel und Auslandssemester interessierten hier ebenfalls.

Bewerbungsphase „Vom Studium zum ersten Job“

In dieser Hauptkategorie sollte ermittelt werden, was man alles getan hatte, um nach dem Studium in den Beruf einzusteigen, welche Schwierigkeiten auftauchten, und vor allem, wie mit der Berufsbezeichnung „Medienpädagoge“ bzw. „Magister der Kommunikations- und Medienwissenschaft mit dem Schwerpunkt Medienpädagogik“ umgegangen wurde.

Praxiserfahrungen während des Studiums und Relevanz für die spätere Tätigkeit

Aussagen hierzu sollten Entscheidungen über in Curricula verankerte Pflichtpraktika unterstützen. Wie viel Praktikum ist sinnvoll, was bringt es?

Rückblickende Einschätzung des Studiums in Bezug zur aktuellen beruflichen Tätigkeit und Anregungen für die aktuelle Lehre

Diese Informationen sollten zur Optimierung der Lehre herangezogen werden. Wie relevant waren einzelne Studieninhalte für die aktuelle Tätigkeit? Was sollte aufgrund gemachter Erfahrungen unbedingt noch im Studium aufgenommen werden?

Faktensammlung

Dieser Punkt diente der Erfassung, in welchen Bereichen die AbsolventInnen tätig sind, welche Berufsbezeichnung sie führen und welcher Art ihr Beschäftigungsverhältnis ist. Darüber hinaus sollten noch einmal die wichtigsten Fakten zahlenmäßig erfasst werden.

Im Folgenden werden die Kernaussagen der Untersuchung entsprechend den oben aufgeführten Hauptkategorien dargestellt:

Phase vor dem Studium und Verlauf des Studiums

Gründe, sich generell für das Studium der Kommunikations- und Medienwissenschaft zu entscheiden, waren, dass man ein breit gefächertes Magisterstudium bevorzugte, dass eingeholte Studieninformationen diesen Studiengang als sehr praxisbezogen vermittelten, und dass man Medien allgemein für sehr wichtig hält, womit auch Vorstellungen für zukünftige Berufschancen verbunden waren. Einige wählten Kommunikations- und Medienwissenschaft, da sie den angestrebten Studienplatz in der Journalistik nicht erhalten hatten. Viele der Befragten hatten vor dem Studium schon konkret mit unterschiedlichen Medienbereichen Kontakt, entweder durch Eltern in entsprechenden Berufen, durch redaktionelle Mitarbeit bei Lokalzeitungen oder durch die Teilnahme an Mediencamps.

Speziell für Medienpädagogik hatte man sich entschieden, da man sich in dem relativ neuen Berufsfeld große Chancen erhoffte, Interesse an der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Verbindung mit Medien hatte oder sich für die Medienforschung in diesem Zusammenhang interessierte. Es wurden aber auch ganz pragmatische Gründe genannt. Im Bereich Medienpädagogik hatte man noch die größte Chance, trotz hoher Studentenzahlen „gute Seminare zu bekommen“. Außerdem spielte auch die Sympathie für den Professor eine Rolle. Die Befragten stellten auch sehr positiv fest, dass die medienpädagogischen Seminare den größten Praxisbezug aufwiesen. Als optimale Ergänzung zum anderen Studienfach wurde die Medienpädagogik besonders von den Studierenden der Erziehungswissenschaft gewählt.

Bis auf eine Ausnahme studierten alle der Interviewten Kommunikations- und Medienwissenschaft im Hauptfach. Neun der befragten Absolventen haben während des Studiums noch einmal die Fächerkombination gewechselt. Auffallend ist hierbei, dass ursprünglich oft Kommunikations- und Medienwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre kombiniert waren, die BWL aber dann nach ein bis zwei Semestern wieder abgewählt wurde. Sieben Mal wurde Kommunikations- und Medienwissenschaft mit Erziehungswissenschaft, Kunst- oder Theaterwissenschaft kombiniert.

Nur zwei der Befragten absolvierten ihr Studium in der Regelstudienzeit von neun Semestern. Sonst wurden Studienzeiten von elf bis vierzehn Semestern angegeben. Als Gründe für die längere Studienzeit wurden Schwangerschaft, Kindererziehung, Auslandsemester und Fächerwechsel genannt. Einmal wurde angegeben, dass sich die Studienzeit aufgrund der absolvierten Praktika verlängerte.

Bewerbungsphase „Vom Studium zum ersten Job“

Positiv ist festzuhalten, dass keiner der Befragten arbeitslos ist. Unmittelbar nach dem Studium ohne lange Bewerbungsphase erhielten acht AbsolventInnen einen Arbeitsplatz. Detaillierte Angaben zu den Arbeitsstellen werden im Punkt „Faktensammlung“ gemacht. Hier war von Interesse, wie Arbeitgeber oder Arbeitsämter der Berufsbezeichnung „Medienpädagoge“ bzw. dem Begriff „Magister“ gegenüberstehen.

Oft wissen die Arbeitgeber mit der Bezeichnung „Medienpädagoge“ nichts anzufangen, so dass Personen mit ähnlicher aber eben nicht gleichwertiger Ausbildung die Arbeit erledigen, die aber gerade für MedienpädagogInnen geeignet wäre. Es wurde ausgesagt, dass man sich nie explizit als „Medienpädagoge“ beworben hatte, sondern sich selber als Magister der Kommunikations- und Medienwissenschaft bezeichnete. Auch die Kommunikations- und Medienwissenschaft weckte bei den Arbeitgebern oft andere Vorstellungen. Die Bezeichnung „Magister“ ist gegenüber der „normalen Welt“ fast immer erklärungsbedürftig. Bei der Unkenntnis steht das Arbeitsamt an erster Stelle. Weder „Magister“ noch „Medienpädagoge“ waren als Bezeichnung vertraut: „(...) ich war auch schon beim Arbeitsamt, aber das kann man vergessen. Die kannten nicht mal die Berufsbezeichnung, (...). Medienpädagogik kennen die gar nicht und jetzt haben sie mich Sozialwissenschaftlerin Uni genannt. Da habe ich gesagt: Danke, das klingt ja gleich wie arbeitslos.“ Dieses Zitat aus einem der Interviews umschreibt sehr treffend die Situation, mit der sich MedienpädagogInnen auf dem Arbeitsmarkt sehen.

Praxiserfahrungen während des Studiums und Relevanz für die spätere Tätigkeit

Viele der Befragten betonten, dass die meisten Arbeitgeber sehr großen Wert auf praktische Erfahrungen legen.

Zur Studienzeit der Befragten gab es noch keine Pflichtpraktika, dennoch haben elf AbsolventInnen Praktika absolviert, sechs von ihnen legten sogar zwei bis drei Praktika ab. Elf Praktikumsstellen waren im journalistischen und fünf im medienpädagogischen Bereich angesiedelt. In zwei Fällen wurde aus der Praktikumsstelle später der erste Arbeitsplatz.

Einige AbsolventInnen hatten noch neben ihrem Studium Jobs, die ebenfalls für das Studium relevant waren. Sie arbeiteten sowohl im medienpädagogischen Bereich als auch in der Journalistik und Empirie. Drei AbsolventInnen arbeiteten parallel zum Studium als studentische Hilfskräfte in medienpädagogischen Projekten mit.

Als hemmender Faktor bezüglich der Durchführung von Praktika wurde immer wieder der Zeitkonflikt zwischen Studium, Praktikum und Nebenjob genannt. Darüber hinaus wurde auch die finanzielle Seite beklagt, wenn man die Praktikumsstelle nicht am Wohn- oder Studienort hatte. Der Mangel an guten Praktikumsstellen wurde ebenfalls thematisiert.

Alle Befragten sind sich über den positiven Einfluss der Praxiserfahrungen auf das Studium, die Berufswahl bzw. die Chancen im Beruf einig. Das Studium wurde so komplettiert in Hinsicht auf die Überprüfung der Theorie in der Praxis. Erfahrungen, die vor dem Studium gemacht wurden, verhalfen überhaupt erst einmal zur Entscheidung für die Kommunikations- und Medienwissenschaft. In zwei Fällen war das Praktikum ausschlaggebend für die Wahl des Schwerpunktes „Medienpädagogik“. In zwei weiteren Fällen gab das Praktikum die entscheidenden Impulse für die Magisterarbeit.

Rückblickend äußerten die meisten Absolventen, dass Praktika eher im Grundstudium angesiedelt sein sollten. Dies erleichterte dann die Orientierung im Hauptstudium. Die Hälfte der Befragten meint, es sollte ein mindestens sechswöchiges Pflichtpraktikum eingeführt werden. Es wurde auch vorgeschlagen, Werkstudiengänge wie in den USA anzubieten. Das Handwerkszeug für die praktische Medienarbeit sollte nicht erst im Job erlernt werden.

Rückblickende Einschätzung des Studiums in Bezug zur aktuellen beruflichen Tätigkeit und Anregungen für die aktuelle Lehre

An erster Stelle wurde hier noch einmal positiv festgestellt, dass der Schwerpunkt Medienpädagogik den meisten Praxisbezug aufwies. Aber dennoch wird generell noch mehr Praxis im Studium verlangt. Das gilt besonders für den pädagogisch-didaktischen Bereich. Kritisch wurde angemerkt, dass den Studierenden, die nicht Erziehungswissenschaft als weiteres Fach hatten, das methodische Handwerkszeug, wie vermittelt man was, fehlte. Das wurde besonders in den Seminaren der medienpädagogischen Projektarbeit und in den Online-Seminaren, in denen man auch tutorielle Aufgaben hatte, deutlich.

Die Empirieausbildung wurde von mehreren als außerordentlich hilfreich für spätere Tätigkeiten empfunden (z.B. für die Arbeit in der Marktforschung oder am JFF-Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis).

Die meisten Befragten sagten, dass sie durch das Studium wissenschaftliches Arbeiten und Selbstlernen gelernt haben, was im späteren Berufsalltag vorausgesetzt wird.

Als organisatorische Verbesserungen wird empfohlen, dass sich die Lehrangebote erhöhen sollten, um überfüllte Seminare und somit auch Qualitätsminderung zu vermeiden. Der bürokratische Aufwand müsste generell minimiert werden. Außerdem sollte es mehr Hinweise für Studierende im Grundstudium geben, da man das erste Semester mit „Orientierung“ verplant hatte.

Die Integration von betriebswirtschaftlichen Angeboten, die Öffnung der Universität zur Praxis, d.h. die Zusammenarbeit mit erfahrenen Praktikern zu verstärken und die wissenschaftliche Begleitung der Pflichtpraktika im Hauptstudium durch die Universität, wurden als inhaltliche Verbesserungen hervorgehoben.

Faktensammlung

An dieser Stelle wird ein Überblick über die berufliche Situation der Befragten gegeben. Wie schon erwähnt, ist niemand arbeitslos. Drei der Absolventen arbeiten im medienpädagogischen Bereich, drei arbeiten im klassischen pädagogischen Bereich, drei Absolventen arbeiten im redaktionellen Bereich und zwei Absolventen sind in Forschung und Wissenschaft tätig. Weitere Bereiche sind Öffentlichkeitsarbeit und Marktforschung. Fest angestellt sind nur zwei der Befragten, fünf sind momentan befristet angestellt, drei Absolventen arbeiten auf Honorarbasis und vier Absolventen machten keine Aussage zum Angestelltenverhältnis.

Abschließend soll die folgende Tabelle Auskunft über die Arbeitsstellen und Tätigkeiten der Befragten geben, die hierzu konkrete Angaben machten:

Arbeitsstelle

Tätigkeit

Jugendzentrum einer Mittelstadt in Baden-Württemberg

Mitarbeiterin im medienpädagogischen Bereich

Lokalfernsehen in Sachsen

Videotextredakteur

Referat für Jugend, Soziales, Gesundheit und Schule einer sächsischen Kommune

Fachreferentin für Jugendpolitische Sonderaufgaben und Extremismus

Universität Fachbereich Erziehungswissen-schaft und Psychologie in Berlin

Mitarbeit an wissenschaftlichem Forschungsprojekt

Medienpädagogisches Institut in Bayern

Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten

Anbieter von Kabelfernsehen in Sachsen

Play-Out-Operator

Universität Pädagogisches Praxisinstitut in Sachsen

Mitarbeit an wissenschaftlichen Projekten

Privater Bildungsträger in Sachsen

stellvertretende Schulleiterin

Marktforschungsinstitut

Mitarbeiter

Lokalfernsehen in Sachsen

Redakteurin

Medienwerkstatt in Thüringen

Mitarbeiterin im medienpädagogischen Bereich



Die Vielfalt der beruflichen Positionen, die in dieser Tabelle zum Ausdruck kommt, ist aus den erwähnten überdauernden Kontakten noch zu ergänzen um sechs weitere MitarbeiterInnen an Hochschulen, die dort in der – meist kommunikations-wissenschaftlichen – Forschung, in der Weiterbildung und in der studentischen medienpraktischen Ausbildung arbeiten. Vier Ehemalige sind als JournalistInnen tätig, eine im Bereich Kinderfernsehen, eine bei einem kommerziellen Onlinedienst eines Fernsehanbieters, eine als – erfolgreiche – Reporterin für verschiedene Zeitschriften und einer als ‘fester Freier’ bei einer Tageszeitung. Zwei weitere versuchen sich mit ihren gestalterischen und journalistischen Fähigkeiten als Selbständige und zwei sind ohne Arbeit, sie planen, sich weiter zu qualifizieren.

Die Folgerungen, die sich aus der Erhebung, gepaart mit nicht systematischen Beobachtungen, ziehen lassen, ergeben einige bedenkenswerte Aussagen über das Berufsbild des „Medienpädagogen“. Vorauszuschicken allerdings ist, dass sich schon auf den ersten Blick zeigt, dass sich die Einbettung des Studiums in den Rahmen der Kommunikations- und Medienwissenschaft deutlich in der Berufswahl niederschlägt. Die Tatsache, dass die Mehrzahl der AbsolventInnen einen Beruf aus diesem Umfeld erkoren hat, verweist zum einen darauf, dass, wie ja auch die Studie zeigt, in vielen Fällen das Studium schon mit der Absicht begonnen wurde, einen journalistischen Beruf zu ergreifen. Bei der Entscheidung, Medienpädagogik im Hauptstudium zu wählen, wurde in der Regel der ursprüngliche Berufswunsch präzisiert, nicht geändert. Auch stellt zum anderen das Studium in seiner Gesamtheit medienspezifische Aspekte, das Machen von Medien und deren Funktion, in den Vordergrund, was wiederum eine Orientierung hin auf journalistische Berufe bedingt. Dort, wo Medienpädagogik in die Erziehungswissenschaft eingebunden ist, wird sich dies in der Motivation der Studierenden ebenso wie in der Gestaltung des Studiums in einer deutlicheren Betonung pädagogischer Handlungsräume ausdrücken. Von einer anderen Seite aus betrachtet lässt sich dies jedoch auch in der Weise interpretieren, dass es auf Seiten (zukünftiger) Medienschaffender eine Offenheit gegenüber und ein Interesse an medienpädagogischen Fragen gibt. Auch in journalistischen Berufsfeldern ist eine medienpädagogische Qualifikation offensichtlich kein Hindernis, sondern heute zumindest akzeptiert, wenn auch noch nicht unbedingt erwünscht oder gar gefordert.

In der Wahrnehmung der Außenwelt gibt es kein eindeutiges Bild von dem, was eine MedienpädagogIn ist und was sie tut. Wenn die AbsolventInnen feststellen, dass weder Arbeitgeber noch das Arbeitsamt eine Vorstellung davon haben, was eine MedienpädagogIn ist, so belegt dies nicht allein, dass es kein kommuniziertes und auch kommunizierbares Berufsbild Medienpädagogik gibt, sondern auch, dass die Bereiche, in denen MedienpädagogInnen einsetzbar sind, so weit streuen, dass eine Einengung auf einen fest umrissenen Qualifikationskanon dysfunktional wäre, das Finden von Arbeit wohl eher erschweren als erleichtern würde.

Die häufig zu hörende Klage, dass es kein deutliches medienpädagogisches Berufsbild gibt, erweist sich so auch als Chance die erworbene Qualifikation in vielen verschiedenen Arbeitsbereichen einbringen zu können. Die zu konstatierende Unbestimmtheit des Berufsbildes beinhaltet zwar auch die Gefahr, dass Medienpädagogik falsch wahrgenommen wird, etwa als Disziplin zur Implementation des Rechners in Schule und Freizeit. Dies führt in der Ausbildung dazu, dass informationstechnologische Ansätze als medienpädagogische ausgegeben werden und sich PädagogInnen als MedienpädagogInnen ausgeben, die es als ihre Aufgabe ansehen, die Akzeptanz der Medien, speziell des Rechners zu erhöhen, was verständlich ist, da sie über keinerlei medienpädagogische Qualifikation verfügen. Aber die Vorteile, die ein flexibles Berufsbild hat, überwiegen und sorgen dafür, dass die Berufschancen in diesem Fach gut sind, da sich die AbsolventInnen einerseits den medientechnischen, -ökonomischen und
-politischen Entwicklungen anpassen können und andererseits in der Regel über ein gediegenes pädagogisches Rüstzeug verfügen.

Die Tatsache, dass Medienpädagogik als Disziplin angesiedelt ist zwischen der Erziehungswissenschaft mit dem Blick auf den Menschen in seiner Entwicklung und der Kommunikationswissenschaft mit dem Blick auf das Medium in seinem gesellschaftlichen Kontext, eröffnet den AbsolventInnen viele Arbeitsräume überall dort, wo zur Arbeitsgrundlage die Beantwortung der Frage gehört, wie sich - insbesondere aber nicht allein - junge Menschen mittels der Medien die Welt aneignen, sowohl als Rezipierende von Medien als auch als Produzierende mit Medien.

In jedem Falle bestimmt die Praxis und damit verbunden die Kunst der AbsolventInnen, die erworbenen Studienkenntnisse hier zuzuordnen und einzubringen, die Arbeitsmöglichkeiten. Die einhellige Forderung der von uns Befragten, das medienpädagogische Studium mit Praktika zu begleiten, verweist darauf, dass dieser Zusammenhang auch von diesen selbst gesehen wird.

Die Betonung der praktischen Orientierung des medienpädagogischen Studiums zeigt auch, dass Medienpädagogik offensichtlich als eine praktische bzw. der Praxis verpflichtete Disziplin verstanden wird. Medienpädagogische Praxis ist, wie schon gezeigt, sehr vielfältig. Sie reicht von der Produktion von Kommunikaten bis zur medienpädagogischen Projektarbeit in einem Jugendhaus. Gemeinsam ist der medienpädagogischen Praxis ihre Ausrichtung auf primär den Menschen und erst abgeleitet die Medien. Diese Ausrichtung zieht sich durch die meisten der gewählten Berufe. Die Grundfrage der praktischen MedienpädagogIn lautet: In welcher Weise kann ich beeinflussen bzw. beeinflusse ich die Aneignung von Medien durch den (heranwachsenden) Menschen? Diese Frage stellt sich dem medienpädagogisch ausgebildeten Journalisten als Frage nach den Absichten seines Handelns und dessen Folgen ebenso wie der Sozialarbeiterin als Frage nach den Möglichkeiten, Medien gezielt im pädagogischen Prozess einzusetzen. Sie stellt sich auch denjenigen, die als MedienpädagogInnen in Forschungseinrichtungen tätig sind. Medienpädagogische Forschung ist als praxisverändernde angelegt. Schon die Fragestellungen dieser Forschung fundieren häufig auf der Praxis. So ist z.B. für die pädagogische wie die journalistische Praxis die Frage nach möglichen Medienwirkungen immer wieder virulent, eine Frage, die in der medienpädagogischen Forschung unter dem Blickwinkel der Bedeutung der Medien für die Sozialisation zu beantworten versucht wird. Selbst diejenigen VertreterInnen der Medienpädagogik, die diese einschränken auf Instruktionspädagogik, die Effektivierung der Lehrprozesse durch Medien, haben die Lernenden im Blick, also diejenigen, die sich mittels der Medien Lerninhalte aneignen sollen.

Zu konstatieren ist, dass Medienpädagogik weder von der Ausbildungsseite her noch als Berufsbild klar konturiert ist. Medienpädagogische Studiengänge bestimmen ihre Inhalte weitgehend danach, was der jeweilige Lehrende für wichtig und notwendig hält und in welchen Studiengang Medienpädagogik eingebettet ist. So kann in einem medienpädagogischen Studium Wert auf die Vermittlung von RezipientInnen- und Medienforschung gelegt werden, was in einem anderen Studiengang, der den Schwerpunkt auf Erstellen von Lehr-/Lerneinheiten legt, nicht einmal am Rande auftaucht. Zu konstatieren ist auch, dass wenige Stellen speziell für akademische MedienpädagogInnen angeboten werden. Stellen wir diesen eher negativen Feststellungen die Beobachtung entgegen, dass die bestehende medienpädagogische Ausbildung den Weg zu einer Vielfalt von Arbeitsstellen öffnet, so ergibt sich für die Suche nach einem zukünftigen Berufsbild der Medienpädagogik die Prämisse, dass es gelingen müsste, die Nachteile eines nicht existenten Berufsbildes durch die Vorteile einer breit gefächerten Ausbildung zu minimieren.

Ein Berufsbild der Medienpädagogik bräuchte vor allem eine in den Schwerpunktsetzungen vereinheitlichte Ausbildung. Diese müsste aus einem ausgewogenen Angebot von erziehungswissenschaftlichen und medienwissen-schaftlichen Erkenntnissen bestehen unter Einbezug relevanter Befunde der Nachbardisziplinen wie Politologie, Soziologie, Psychologie, aber auch Informatik und Ästhetische Kommunikation. So sind beispielsweise Kenntnisse der Didaktik und Praxis der Methodik für jedes Berufsfeld fruchtbar, das die Aufgabe hat, Botschaften an Menschen zu vermitteln. Und für jeden, der Medien für diese Vermittlungsaufgabe einsetzt, sind beispielsweise Kenntnisse der Medien, ihrer Inhalte und Rezeption notwendige Handlungsvoraussetzungen. Es geht nicht darum, medienpädagogische Ausbildung so zu vereinheitlichen, dass jeder überall das Gleiche gelehrt bekommt, sondern es gilt auf der Basis gemeinsamer Schwerpunkte die konkreten Inhalte vielfältig zu differenzieren. Unterschiede an den verschiedenen Hochschulen erhöhen sicher die Berufschancen, aber diese Unterschiede müssen auf einer gemeinsamen Grundlage basieren. Eine solche Vereinheitlichung wäre auch für die Hochschulen selbst heilsam, denn auch dort ist offensichtlich unbekannt, was Medienpädagogik ist. Jedenfalls hat man diesen Eindruck, wenn man sieht, was alles bei den entsprechenden Ausschreibungen unter der Denomination Medienpädagogik gefasst wird. In der Erstellung eines Grundkanons an medienpädagogischen Lehrinhalten könnte eine wichtige Aufgabe der verschiedenen medienpädagogischen Fachgruppen liegen, die es in vielen wissenschaftlichen Gesellschaften innerhalb der Sozialwissenschaften, ja sogar der Sprachwissenschaften gibt.

Ein konstitutiver Bestandteil eines medienpädagogischen Hochschulcurriculums ist der Praxisbezug. Projektseminare und Praktika sollten ein Studium der Medienpädagogik begleiten. Die Erprobung des theoretisch Erlernten in eigenen Projekten und an Praktika – d.h. potentiellen Arbeitsplätzen ist Voraussetzung, um den AbsolventInnen den Weg in eine Vielfalt von Arbeitsplätzen zu ermöglichen. Wie stark die Anbindung an die Praxis sein soll, ist schwer festzulegen. Hier könnte der deutsche Weg einer Trennung in praxisorientierte Fachhochschulen und theorieorientierte Universitäten einen Ansatz bieten. Die Ausbildung an den Fachhochschulen ließe sich stärker an medienpädagogische Arbeitsplätze binden, die durch den konkreten Umgang mit Menschen gekennzeichnet sind, also beispielsweise die Arbeit in einem Jugendzentrum. Die universitäre Ausbildung könnte sich eher an Erstellung medienpädagogischer Modelle und der Erforschung des Verhältnisses Mensch und Medien ausrichten, also z.B. bei der Konstruktion virtueller Lernwelten oder bei Forschungsprojekten zur Medienaneignung. Dies würde bedeuten, dass auf die wissenschaftliche Fundierung sowohl in der Auseinandersetzung mit Forschungstheorien und -methoden als auch mit Medientheorien und mit Theorien der Pädagogik besonderer Wert zu legen ist.

Die vorgestellte Studie und die eigenen Beobachtungen zeigen, dass ein universitäres medienpädagogisches Angebot von den Studierenden nicht nur gewählt und positiv angenommen, sondern auch als eine – noch zu verbessernde – Erfolg versprechende Berufschance angesehen wird. Sie zeigen aber auch, dass es notwendig ist ein Berufsbild zu entwickeln, das den vielfältigen Möglichkeiten der Praxis entgegenkommt und zugleich auf einer im Kern einheitlichen Ausbildung und damit auch einer Profilierung der Medienpädagogik aufgebaut ist.

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1An der Universität Leipzig ist es möglich, zwei Hauptfächer oder ein Hauptfach und zwei Nebenfächer zu studieren. Außerdem ist es auch möglich, mit einer medienpädagogischen Arbeit in den Erziehungswissenschaften abzuschließen, eine Möglichkeit, von der allerdings nur selten Gebrauch gemacht wird.

2Diese Situation ist nicht spezifisch für Sachsen. Auch am finanzstarken Medienstandort Bayern ist Medienpädagogik nicht in die Erziehungswissenschaft integriert. Wo sie doch gelehrt wird, ist dies ebenfalls nur der Weitsicht einzelner Kollegen zu verdanken, die trotz anders lautender Denomination Medienpädagogik mit lehren.

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