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Autorin: Seegers, Lu.

Titel: Die Erfolgsgeschichte von HÖR ZU! (1946-1965).

Quelle: Lu Seegers: Hör zu! Eduard Rhein und die Rundfunkprogrammzeitschriften (1931-1965). Potsdam 2001. S. 151-232.

Verlag: Verlag für Berlin-Brandenburg.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.



Lu Seegers

Die Erfolgsgeschichte von HÖR ZU!
(1946-1965)

Inhaltsverzeichnis

1 Die Rundfunkpresse nach 1945: Eine Einführung 3

2 Entstehungsbedingungen und Konzeption der „Rundfunkzeitung des NWDR“ (1946-1948) 10

3 Personalpolitik: Neue Redaktion – alte Seilschaften 29

4 Von der „Rundfunkzeitung des NWDR“ zur „größten deutschen Familienzeitschrift“ 51

5 Auflage, Verbreitung, Rezeption 73

6 Markenartikel und „Medienverbund en miniature“:
Die „HÖR ZU!-isierung“ des Marktes 80

7 Redaktion und Redaktionsalltag 90

8 Generationenwechsel mit Hans Bluhm 95

9 Resumé 101

In den folgenden Abschnitten werden nach einem einführenden Überblick zur Reetablierung der Programmpresse nach 1945, die Gründungs- und Produktionsbedingungen und – soweit dies möglich ist – die Rezeption der Programmzeitschrift HÖR ZU! analysiert. Dazu wird die personelle Zusammensetzung der Redaktion untersucht, handelte es sich doch bei den Mitarbeitern, die Eduard Rhein für die Rundfunkzeitschrift rekrutierte, bis auf wenige Ausnahmen, um „altgediente“ Journalisten, die schon in den dreißiger Jahren in der illustrierten Presse, bei Rundfunkpublikationen, im Ullstein-Verlag oder in der Hamburger Presse tätig gewesen waren. Da es kaum Kommunikatorstudien zur sozialen Herkunft, Alter, Ausbildung, publizistischen Qualifikation und dem Rollenverständnis von Unterhaltungsjournalisten und Journalistinnen der Nachkriegszeit gibt, sollen die Berufswege der wichtigsten Mitarbeitenden beispielhaft aufgezeigt werden. Mit Hilfe von Zeitzeugeninterviews werden zudem der Arbeitsalltag und der Grad der innerorganisatorischen „Mitbestimmung“ der Redakteure, ihre Handlungschancen und -grenzen skizziert. Im konzeptionellen Bereich gilt es, zeit-, system- und medienspezifische Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur Rundfunkpresse vor 1945 zu analysieren und die Stellung von HÖR ZU! bis zum Ausscheiden Eduard Rheins 1965 vor dem Hintergrund des allgemeinen Konzentrationsprozesses im Bereich der Programmpresse aufzuzeigen. Anhand von zeitgenössischen Umfragen und Leseranalysen der fünfziger und sechziger Jahre, die die sozialdemographische Aufteilung der Leserschaft und die Akzeptanz verschiedener redaktioneller Beiträge zeigen, können historische Rezeptions- und Aneignungsweisen der Programmzeitschrift ansatzweise rekonstruiert werden. Werbebroschüren des Springer-Verlags geben mit ihrer Schilderung der einmaligen Leser-Blatt-Bindung von HÖR ZU! Hinweise zur Bedeutung der Zeitschrift im häuslichen Alltag. Außerdem wird auf die Strategien, Organisations- und Praxisformen des Axel Springer Verlags im Bereich des Merchandisings und des Vertriebs eingegangen.

1 Die Rundfunkpresse nach 1945: Eine Einführung

Zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die Alliierten das verbliebene nationalsozialistische Mediensystem unter ihre Kontrolle gebracht, Druckereien, Verlage und alle anderen publizistischen Einrichtungen beschlagnahmt. Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands und die Übernahme der Herrschaftsgewalt durch die Siegermächte stellte eine nachhaltige Zäsur in der Geschichte der Medien dar. Nur deren komplette Umstrukturierung konnte nach Meinung der Alliierten die Grundlage für die „Reeducation“ und Demokratisierung der deutschen Bevölkerung bilden. Der Wiederaufbau der deutschen Presse verlief in drei Phasen: In der ersten Periode, die im Mai 1945 begann, gab es nur die von den alliierten Heeresgruppen in manchen Gebieten verbreiteten Militärzeitungen. Danach sollten politisch unbelastete deutsche Mitarbeiter unter alliierter Kontrolle das Pressewesen neu aufbauen. Für die dritte Phase war die Übergabe der Zeitschriften und Zeitungen an deutsche Verleger vorgesehen.1

Mindestens ebenso sehr wie die Presse sahen die Alliierten den Rundfunk als Instrument der Umerziehung und Demokratisierung der deutschen Gesellschaft an. Das Radio war bis auf die alliierten Heeresgruppenzeitungen in den ersten Wochen und Monaten nach dem Kriegsende das einzige Informationsmittel, welches aufgrund der geringen Geräteverluste2 weitgehend ohne Hindernisse die deutsche Bevölkerung erreichte. Schon im Laufe des Sommers 1945 konnten die meisten der mehr oder weniger zerstörten Funkhäuser unter alliierter Kontrolle ihren Sendebetrieb wieder aufnehmen. Noch vor der Kapitulation brachte beispielsweise der ehemalige Reichssender Hamburg – nunmehr in „Radio Hamburg“ umbenannt – am Abend des 4. Mai 1945 ein gemeinsam von Deutschen und Briten produziertes Programm. In der sowjetischen Besatzungszone nahm der „Berliner Rundfunk“ am 12. Mai den Betrieb auf. Ab dem 3. Juni 1945 sendeten in der amerikanischen Besatzungszone „Radio München“ sowie die Rundfunkstationen „Radio Frankfurt“ und „Radio Stuttgart“.3 Das drahtlose Medium half den Besatzungsmächten nicht nur, die Bevölkerung mit wichtigen Informationen zu versorgen und den Nachkriegsalltag zu organisieren, sondern es besaß auch wichtige Kultur- und Unterhaltungsfunktionen.4 Um die Sendefolgen zu popularisieren und in ihrer Bedeutung zu steigern, ließen die Alliierten daher neben Tageszeitungen und politisch-kulturellen Zeitschriften auch Rundfunkzeitschriften relativ zügig wieder zu. Bis Ende 1948 entstanden in Deutschland fast zwei Dutzend Programmzeitschriften, die in den Städten der Rundfunkstationen erschienen. Das erste Rundfunkblatt nach dem Zweiten Weltkrieg erschien Ende November 1945 in der amerikanischen Zone in Stuttgart, hieß „Radio-Woche“ und wurde von „Radio Stuttgart“ kostenlos verteilt.5 Sieht man von dieser ersten offiziösen Publikation ab, fand die Zulassung der Rundfunkzeitschriften in den Besatzungszonen zeitversetzt in ähnlicher Reihenfolge wie die Lizensierung der Tagespresse statt. Die Sowjets machten – dicht gefolgt von den Amerikanern – im Februar 1946 den Anfang; erst fast ein Jahr später gestatteten die Briten und dann die Franzosen den Hörern Spezialinformationen zu den Rundfunkprogrammen.6 Die Lizensierung der Rundfunkpresse erfolgte nach den unterschiedlichen pressepolitischen Prämissen der Alliierten und reflektierte deren rundfunkorganisatorische Konzeptionen. Allen Besatzungsmächten gemeinsam war jedoch, daß sie ähnlich wie in der Weimarer Republik die Programmankündigungen nicht den Rundfunksendern selbst überließen, sondern an Verlage übergaben.

In der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) wurde ein neues Mediensystem nach dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“ aufgebaut. Wie der Rundfunk sollte auch die Presse nach sowjetischem Vorbild als „kollektiver Propagandist, Agitator und Organisator“ (Lenin) die Menschen mobilisieren und zu sozialistischen Persönlichkeiten erziehen.7 Anders als in den Westzonen wurden private Druckereien und Verlage unwiderruflich enteignet und Lizenzen für Zeitungen und Zeitschriften nicht an Privatpersonen vergeben, sondern ausschließlich an Parteien und Massenorganisationen bzw. volkseigene Verlage. Schon am 1. Februar 1946 erschien im „Deutschen Funk Verlag GmbH“ Berlin die erste Programmzeitschrift für die SBZ mit dem Titel „Der Rundfunk. Illustrierte Wochenschrift mit Funkprogramm“ in einer Auflage von 100 000 Exemplaren. Die Tatsache, daß Rundfunkintendant Hans Mahle nicht nur das Geleitwort für die Zeitschrift schrieb, sondern neben dem späteren Innen- bzw. Verteidigungsminister Willi Stoph den Verlag mitgegründet hatte, unterstrich die enge personelle, organisatorische und staatliche Verbindung der Zeitschrift mit dem „Berliner Rundfunk“. Sie zeigte zudem, daß die aufwendig gestaltete Publikation in der Tradition der Programmpresse der Weimarer Republik als offiziöses Organ des Senders gegründet worden war.8

Die westlichen Alliierten organisierten nach dem Vorbild der Briten staatsferne, öffentlich-rechtliche Rundfunksysteme in ihren Besatzungszonen.9 Ebenfalls gemeinsam war ihnen, daß sie Presselizenzen nur an Privatpersonen aushändigten. Die Amerikaner gingen bei der Genehmigung von Rundfunkpublikationen nach ihrer allgemeinen Devise vor, die Presse möglichst frühzeitig wieder in deutsche Hände zu übergeben. Neben dem schon genannten Stuttgarter Rundfunkblatt gaben die amerikanischen Presseoffiziere kurz nach dem Erscheinen von „Der Rundfunk“ die Zustimmung für zwei weitere Publikationen in ihrer Besatzungszone. Ab dem 10. Februar 1946 erschien mit einer Auflage von 20 000 Exemplaren im Münchner Verlag Hanns Reich die „Radio-Welt“, eine „Bayerische Illustrierte Wochenschrift mit Funkprogramm und Kulturspiegel“, und in Stuttgart gab es in einer Auflage von 50 000 Exemplaren den „Radiospiegel“.10 Wenige Wochen nach Betriebsaufnahme des Berliner RIAS lizensierten die amerikanischen Presseoffiziere die Funkpublikation „Radio-Revue“, um die Programme des neuen Senders gegenüber dem übermächtigen sowjetischen „Berliner Rundfunk“ und seiner Zeitschrift „Der Rundfunk“ bekannt zu machen.11 Die frühe Vielgestaltigkeit der Rundfunkpresse in der US-Zone – ab 1947 erschienen in den Sendegebieten bereits die ersten Zweitzeitschriften – entsprach der dezentralen, föderalistischen Rundfunkorganisation der USA mit fünf separat organisierten Radiostationen.12

Deutlich später als die Sowjets und Amerikaner stimmten die Franzosen und Briten der Herausgabe von Rundfunkzeitschriften zu. Obgleich die französische Militärregierung bei der Auswahl der Lizenzträger im Vergleich zu Amerikanern und Sowjets wenig streng vorging und schon früh Zeitungen und Zeitschriften genehmigte, lohnte es sich vermutlich aufgrund der zerstörten Sendeanlagen nicht, frühzeitig eine Programmzeitschrift zu etablieren. Die Hörer von Radio Koblenz mußten zunächst ohne detaillierte Programminformationen auskommen. Erst im März 1947 erschien dort die „Funkwelt. Die Illustrierte des Hörers“. Sie war eine – zweiwöchentlich erscheinende – großformatige Zeitschrift, die durch einen separaten umfassenden Programmteil ergänzt wurde.13 Bei der Etablierung eines demokratischen Rundfunksystems nahmen die Briten eine kommunikationspolitische Vorreiterrolle ein. Nach dem Muster der British Broadcasting Company (BBC) organisierten sie den NWDR als ein zentralistisches, öffentlich-rechtliches Rundfunksystem mit Hauptsitz in Hamburg.14 Während Programm und Technik des NWDR sehr bald von deutschem Personal übernommen wurden, gingen die Briten bei der Vergabe von Presselizenzen sehr zögerlich vor. Dies lag zum einen an dem exorbitanten Papiermangel in ihrer Besatzungszone. Zum anderen konnte sich die britische Administration längere Zeit nicht für einen bestimmten Kurs in ihrer Pressepolitik entscheiden. Hatte man zunächst das amerikanische Modell der „Gruppenzeitung“ favorisiert, bei dem im Sinne parteipolitischer Ausgewogenheit mehrere Vertreter verschiedener politischer Richtungen gemeinsam die Lizenz für eine Tageszeitung erhielten, entwickelte die im Sommer 1945 gewählte Labour-Regierung das Konzept der sogenannten „Parteirichtungszeitungen“. Als schließlich ab Januar 1946 Lizenzen vergeben wurden, erhielten diese – nach einem angenommenen Stärkeverhältnis der deutschen Parteien – Personen, die zwar keine Funktionäre der bestehenden politischen Interessenorganisationen waren, jene aber gleichwohl repräsentierten.15 Auch bei der Zulassung der Zeitschriftenpresse ließen sich die Briten am längsten Zeit. Im April 1946 gab es in ihrer Besatzungszone erst drei Periodika dieser Art.16 Eine Rundfunkprogrammzeitschrift für den NWDR wurde schließlich nach dem Vorbild der BBC-eigenen „Radio Times“ geplant. Anders als das britische Radioblatt beabsichtigten die Rundfunkverantwortlichen jedoch, die deutsche Funkpublikation von Beginn an in private Hände zu übergeben.17 Die Lizenz für die Rundfunkzeitung des NWDR, die, als Monopolzeitschrift gestartet, nicht nur die vor ihr gegründeten Titel überleben, sondern auch den Aufbau des zeitweise größten Medienkonzerns Deutschlands begründen sollte, erhielt der Verleger Axel Springer.

Wie im Zeitschriften- und Zeitungswesen war auch im Bereich der Funkpresse mit Ausnahme der französischen Zone den sogenannten „Altverlegern“ und politisch belasteten Personen prinzipiell die Herausgabe von Publikationen nicht gestattet. Als Lizenzträger sollte nur in Frage kommen, wer weder Mitglied der NSDAP noch in gehobenen Positionen des nationalsozialistischen Medientrusts tätig gewesen war und sich zur Mitarbeit am demokratischen Neuaufbau bereit erklärte.18 An der Umsetzung dieser Prämisse sind jedoch – wie jüngere Forschungen ergaben – erhebliche Zweifel anzumelden. Zwar gab es für die Spitzenleute des NS-Verlagswesens, der Parteipresse und des Propagandaapparats keine Rückkehr in den Journalismus. Von einem vollständigen Elitenaustausch kann jedoch trotzdem nicht die Rede sein. Die biographischen Porträts von Otto Köhler sowie die systematische Analyse journalistischer Karriereverläufe von Peter Köpf zeigen, daß es sich bei den „Pionieren“ der Tagespresse in den westlichen Besatzungszonen nach 1945 keineswegs um Berufsanfänger handelte, sondern vielfach um ehemalige „Propagandisten“ des NS-Regimes, die auch nach 1945 in leitenden Positionen tätig waren.19 Diesen Befund bestätigt Fritz Hausjell mit einer kollektivbiographischen Studie zur beruflichen und politischen Herkunft von Journalisten der Tagespresse in Österreich nach 1945.20 Das von Nori Möding und Alexander von Plato durchgeführte Forschungsprojekt zu „Nachkriegseliten in Nordrhein-Westfalen“ erarbeitete aus einer erfahrungsgeschichtlichen Perspektive die Kontinuitäten von Nachkriegspublizisten aus Rundfunk und Presse.21 Ähnliches gilt für unterhaltende Publikumszeitschriften, auch wenn hier systematische Untersuchungen bislang fehlen. Sylvia Lott zeigte, daß es im Bereich der Frauenzeitschriften nicht nur bei den leitenden Kommunikatoren, sondern auch bei vielen anderen Mitarbeitern der Redaktionen deutliche personelle Kontinuitäten zum Dritten Reich gab.22

Thomas Bauer wies darauf hin, daß auch bei den neugegründeten Programmzeitschriften der Nachkriegszeit das Moment der Kontinuität eindeutig vorherrschte. Viele Verlage nahmen wieder Redakteure unter Vertrag, die auch im Dritten Reich oder in der Weimarer Republik in diesem Metier journalistisch tätig gewesen waren.23 Nicht nur in den westlichen Besatzungszonen war es üblich, ehemalige Nationalsozialisten einzustellen, wenn sie als „Mitläufer“ klassifiziert worden waren. Auch bei der Rundfunkzeitschrift der SBZ, „Der Rundfunk“, setzte man auf Erfahrung und Professionalität, beschäftigte man hier doch fast die Hälfte der Redaktionsmannschaft der Rundfunkzeitschriften des nationalsozialistischen Deutschen Verlags. Neben den Fotografen Alois Bankhardt und Curt Ullmann waren Friedrich Herzfeld und Ellie Tschauner – ehemals freie Mitarbeiter von „Sieben Tage“ bzw. „Hier Berlin“ – für die ostdeutsche Rundfunkzeitung tätig.24 Daß bei der Einstellungspolitik in der SBZ nicht unbedingt die objektiven Formalien einer Biographie zählten, sondern auch Zufälle, Bekanntschaften, alte Netzwerke und Sympathien eine nicht zu unterschätzende Rolle spielten, verdeutlicht die Tatsache, daß selbst Ludwig Kapeller bei „Der Rundfunk“ schreiben durfte. Als langjähriger Hauptschriftleiter des nationalsozialistischen Verlags und zudem durch seine Mitgliedschaft in der NSDAP und NSKK politisch belastet, hätte Kapeller an sich nicht mehr im Mediensektor tätig sein dürfen. Gleichwohl veröffentlichte er in der ostdeutschen Rundfunkzeitung ab 1948 unter seinen Kürzeln „Kap“ und „L.K.“ unverfängliche Artikel zu Ernährung und Gesundheit und brachte gelegentlich Ankündigungen einzelner Sendereihen oder rundfunkhistorische Retrospektiven.25 Später kehrte Kapeller nach Westberlin zum reetablierten Ullstein-Verlag zurück und avancierte dort 1951 zum Chefredakteur der „Radio-Revue“.26

Als mindestens ebenso bedeutsam wie die verlegerischen und personellen Brücken zur Vergangenheit ist die Kontinuität in inhaltlicher und struktureller Hinsicht zu bewerten. In den fünfziger Jahren sollten vor allem jene Blätter erfolgreich sein, die wie ihre Vorläufer neben der obligatorischen Rundfunkberichterstattung – abzüglich der NS-Propaganda – Unterhaltung für die ganze Familie boten. In dieser Hinsicht legendär ist der Erfolg der Programmzeitschrift HÖR ZU!, bei der Eduard Rhein Chefredakteur wurde. Ihre enorme Popularität hatte die Zeitschrift in den fünfziger Jahren vor allem drei Faktoren zu verdanken: erstens den Beziehungen des Verlegers Axel Springer zur britischen Besatzungsmacht sowie zum NWDR, zweitens einer geschickten Personalpolitik, die ganz auf das Know-how ehemaliger Ullstein-Mitarbeiter setzte und drittens dem geschickten Einfühlen und Anpassen an den Lesergeschmack.

2 Entstehungsbedingungen und Konzeption der „Rundfunkzeitung des NWDR“ (1946-1948)

Axel Springer hatte nach dem Zweiten Weltkrieg schnell erkannt, daß sich um den Rundfunk ein Massenauditorium formieren würde und daß die Herausgabe einer Publikation, die ohne allzu hohen redaktionellen Aufwand die Sendefolgen brachte, in finanzieller Hinsicht enorm lukrativ sein würde.27 Die Voraussetzungen, eine Presselizenz zu erhalten, waren für den 1912 in Hamburg-Altona geborenen Springer äußerst günstig. Er gehörte nach 1945 zu den wenigen jüngeren Verlegern, die weder in der NSDAP noch in ihren Gliederungen organisiert waren, aber dennoch über finanzielles Kapital, kaufmännische Kenntnisse und journalistische Erfahrung verfügten.28 Gleich nach Kriegsende schmiedete er gemeinsam mit dem Verleger John Jahr und dem prominenten Boxer Max Schmeling erste Zeitungspläne. Unbelastet von der nationalsozialistischen Vergangenheit und der Demokratie gegenüber aufgeschlossen, schien der sympathische, allem Anglophilen aufgeschlossene Verleger geeignet, die Umerziehung der Deutschen mit seinen Presseprodukten zu unterstützen. Trotzdem dauerte es ein halbes Jahr bevor Springer Publikationen drucken durfte. Bereits im August 1945 beantragte er eine Lizenz für die Herausgabe einer überparteilichen und unabhängigen Tageszeitung mit dem Titel „Hamburger Telegraph“, zog den Antrag jedoch zurück, weil die Engländer nur Parteirichtungszeitungen erlaubten.29 Am 11. Dezember 1945 erhielt Springer dann gemeinsam mit seinem Vater Hinrich Springer, der, obwohl zu den „Altverlegern“ zählend, als Nicht-Nationalsozialist galt, die Lizenz Nr. C 8.39.B. für den Verlag Hammerich & Lesser. Noch im gleichen Monat begann das Unternehmen mit der Produktion von Unterhaltungsromanen und Kalendern.30 Anfang 1946 stellte der Juniorchef gleich mehrere Lizenzanträge für Zeitungen und Zeitschriften, darunter auch für ein Funkblatt mit dem Titel „Das hört die Welt“, das jedoch wie die anderen Projekte von der britischen „Press Section“ abgelehnt wurde.31

Daß Springer im Sommer 1946 schließlich doch als erster und zunächst einziger Verleger in der britischen Zone die Lizenz für eine Programmzeitschrift erhielt, hatte mehrere Gründe. Zum einen soll zuvor der Verleger Gerd Buccerius die ihm von den Briten angebotene Lizenz für eine Funkpublikation abgelehnt haben, weil er keine „Programmfahrpläne“ herausgeben wollte.32 Zum anderen verfügte Springer über enge persönliche Kontakte zu den deutschen Mitarbeitern des Hamburger Funkhauses. Die Rundfunkjournalisten Peter von Zahn, Axel Eggebrecht, Ernst Schnabel, Walther von Hollander, Bruno E. Werner u.a. prägten das Programm von Radio Hamburg durch Vorträge, Features und sogenannte „round-table“-Diskussionen zu politisch-aktuellen Fragen. Gewissermaßen als Vertiefung ihrer Rundfunkarbeit planten die Journalisten, eine Monatsschrift nach dem Vorbild des britischen „Listeners“ herauszugeben, um wichtige Hörfunkvorträge für ein interessiertes Publikum schriftlich festzuhalten. Nachdem der britische Chief Controler Hugh C. Greene es abgelehnt hatte, die Publikation vom Sender selbst verlegen zu lassen, fanden die deutschen Journalisten in Axel Springer einen geeigneten Verleger, der die Projektidee teilte und sich bereit erklärte, die Monatsschrift zu drucken.33 Im April 1946 sollte die erste Ausgabe der „Nordwestdeutschen Hefte“ mit Rundfunktexten der Hörfunkmacher erscheinen. Zentrale Funktion der Publikation war die politisch-gesellschaftliche Aufklärung. Der thematische Schwerpunkt lag auf der kontroversen Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit und der Diskussion über die Schuld der Deutschen an dem terroristischen NS-Regime.34 Die Produktion der Zeitschrift war denkbar einfach: Inhalt und Werbewirkung lieferte der NWDR und der Vertrieb war gesichert, da die Nachfrage die von den Briten zugebilligte Auflage von 100 000 Exemplaren bei weitem überstieg. Im April 1946 erschien die erste Ausgabe der „Nordwestdeutschen Hefte“. Die Auswahl der Beiträge wurde von Peter von Zahn und Axel Eggebrecht besorgt, die die Hefte im „Auftrage des Nordwestdeutschen Rundfunks“ offiziell herausgaben. Für die Übertragung der Verlagsrechte an den Hammerich & Lesser Verlag erhielt der NWDR eine monatliche Vergütung von 1 000 RM, die anteilig an Zahn und Eggebrecht gezahlt wurde.35 Parallel dazu planten die Rundfunkleute mit dem Hamburger Verleger die Herausgabe einer Programmzeitschrift für den NWDR. Nach einer ersten gemeinsamen Besprechung legte Springer im Februar 1946 bei Bruno E. Werner entsprechende redaktionelle Vorschläge vor sowie eine von dem Bühnenbildner Karl Gröning gestaltete Probenummer mit dem Arbeitstitel „Radio-Woche“.36 Der Entwurf entsprach in weiten Teilen den Rundfunkzeitschriften, die bereits in anderen Besatzungszonen erschienen.

Nachdem sich herausstellte, daß die Zusammenarbeit zwischen Axel Springer und Ludwig Kapeller, der seit den Kriegsjahren als Buchautor für den Hammerich & Lesser Verlag gearbeitet und den Springer für die Chefredaktion der Programmzeitschrift ausgewählt hatte, nicht funktionierte, wurde der Verleger auf Eduard Rhein aufmerksam.37 Rhein besaß gegenüber Kapeller gleich mehrere Pluspunkte: Zwar hatte auch er jahrelang im „Deutschen Verlag“ gearbeitet, doch war er weder an exponierter Stelle tätig, noch in der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen organisiert gewesen.38 Zudem gereichte ihm seine Qualifikation als technischer Fachredakteur erneut zum Vorteil, denn angesichts einer Vielzahl von defekten Radiogeräten war die technische Beratung in Rundfunkzeitschriften von großer Bedeutung. Im Alter von 46 Jahren konnte Rhein auf langjährige journalistische Erfahrungen bei Ullstein zurückgreifen und war dennoch jung genug, um sein berufliches Wissen mit den veränderten Anforderungen in dem alliierten Pressesystem verknüpfen zu können. Ausschlaggebend für Springer war zudem die parteiunabhängige und grundsätzliche „unpolitische“ Lebenseinstellung Rheins, sollte doch seine Radiozeitschrift der Entspannung der Leserinnen dienen, nicht ihrer politisch-moralischen Unterweisung. Ihm traute Springer daher weitaus mehr als Ludwig Kapeller zu, mit den britischen Stellen und den Rundfunkleuten des NWDR kooperieren zu können und sich ihren redaktionellen Wünschen flexibel anzupassen – ein Sachverhalt, den Springer dem ehemaligen Chefredakteur der „Sieben Tage“ nach längerem Zögern im Sommer 1946 unmißverständlich darlegte:

Die Redaktionsgestaltung des Blattes ist gerade im Anfang so sehr abhängig von den gemeinsamen Besprechungen mit den britischen Stellen und auch den hiesigen und Kölner Rundfunkleuten, daß ich mich ganz bewußt in dieser Hinsicht beweglich halten möchte, das soll heißen, daß ich nicht jetzt schon starre Redaktionslinien aufbaue, die ich dann, zum mindesten im Anfang, aus taktischen Erwägungen doch nicht durchsetzen kann. Ich setze gerade in dieser Beziehung großes Vertrauen in Eduard Rhein, der bei aller Eigenwilligkeit, die einen tüchtigen Menschen auszeichnet, dennoch eine so große Beweglichkeit besitzen wird, daß er sich allen Wünschen, die von außen kommen, anpassen wird, ohne dabei im Grunde seine und meine Vorstellung von der Zeitschrift zu opfern.39

Unter dem Titel „Hört mit!“ legte Rhein der britischen Besatzungsmacht eine entsprechende Konzeption für die neue Rundfunkpublikation vor. Die Zeitung sollte keine „Gartenlaube mit Funkprogramm mit Strickstrumpf“ sein, sondern nach Vorbild der frühen Weimarer Programmpresse zugleich repräsentativ und „volkstümlich“ dem Rundfunk dienen. Im unterhaltenden Plauderton beabsichtigte Rhein von den Zielen, der Arbeit und den Mitwirkenden des NWDR und vom Wollen und Wirken der BBC zu berichten, um „auf diese Weise an dem großen Brückenschlag zu einer tiefgreifenden Völkerverständigung mitzuarbeiten.“ Politische Themen und der Meinungsstreit der Parteien blieben der Tagespresse überlassen. Unter dem gleichen Titel wie bei der „Sieben Tage“ sollten in der Rubrik „Den möcht’ ich sehn“ auf Wunsch der Lesenden Porträts der Funkschaffenden vorgestellt werden. Neben dem Programm und der laufenden Rundfunkberichterstattung bildeten Fragen der Rundfunktechnik einen dritten Schwerpunkt. Rhein plante dazu die Veröffentlichung von Anleitungen, wie mit einfachsten Mitteln schadhafte Empfänger wieder instand gesetzt werden konnten. Sein Mitarbeiter, der Funktechniker von Radinger, sollte zudem den Stand der fachwissenschaftlichen Diskussion besonders in Großbritannien und Amerika beobachten, um die Leser über Fortschritte in der Empfänger- und Sendetechnik zu informieren.40

Die enge Zusammenarbeit mit dem Rundfunk bildete für Springer eine wichtige Argumentationsbasis bei seinem Antrag auf die Genehmigung der Programmzeitschrift, den er vermutlich im April/Mai 1946 an die britische Press Section stellte. Mit dem Leistungsnachweis der „Nordwestdeutschen Hefte“ und der gelungenen Probenummer der Programmzeitschrift gelang es ihm, die Bedeutung einer Rundfunkzeitschrift für die britische Zone und die praktischen Vorteile ihres Erscheinens im Verlag Hammerich & Lesser überzeugend darzulegen:

1. Über die Notwendigkeit der Veröffentlichung der Programme aus politischen, wirtschaftlichen, kulturellen und vielen anderen Gründen besteht kein Zweifel. Die Rundfunksender wünschen, wie auch die Bevölkerung, eine Programm-Zeitschrift. Der heutige Zustand der Durchgabe des Programms (B.B.C.-London fordert beispielsweise allwöchentlich seine Hörer auf, mit Bleistift und Papier das Programm der Woche zu notieren) kann nur eine Notlösung sein, die hauptsächlich auf den heutigen Papiermangel zurückzuführen ist. Wir glauben darauf hinweisen zu dürfen, daß das Erscheinen einer Rundfunk-Zeitschrift zu den vordringlichsten Aufgaben der Publikation gehört.
2. Unser Verlag ist infolge seiner heute schon bestehenden engen redaktionellen Zusammenarbeit mit dem Nordwestdeutschen Rundfunk besonders prädestiniert neben den „Nordwestdeutschen Heften“ auch die kommende Radio-Programm-Zeitschrift zu bringen. [...] Das gleichzeitige Erscheinen einer Rundfunk-Programm-Zeitschrift in unserem Verlag hätte zur Folge, daß die redaktionelle Zusammenarbeit mit den leitenden Herren des Nordwestdeutschen Rundfunks, die drucktechnische Herstellung, der Versand, der Vertrieb und eine Reihe weiterer technischer und wirtschaftlicher Aufgaben wesentlich vereinfacht werden, wenn beide Publikationen in einer Hand liegen. [...]
Zum Schluß dürfen wir noch erwähnen, daß unser traditionsreiches Verlagshaus alle Erfahrungen und Voraussetzungen besitzt, um auch unter heute erschwerten Verhältnissen mit bescheidenen Mitteln eine Rundfunk-Programm-Zeitschrift herausgeben zu können, die eine spürbare Lücke ausfüllt und von allen Kreisen der Bevölkerung sehr begrüßt werden würde.41

Zwar wird in den Studien zu Axel Springer stets kolportiert, daß Springer vor allem aufgrund seines anglophilen Habitus und seiner sympathisch-offenen Art die Lizenz für HÖR ZU! gleichsam spielend erhalten habe. Doch Michael Thomas, der als Press Officer der entscheidenden Unterredung zwischen Axel Springer und Major Huysman, dem zuständigen Leiter des Public Relation/Information Service Control (PR/ISC) in Bünde beiwohnte, belegt, daß den britischen Kommandanten vornehmlich die sachliche Begründung im Lizenzantrags Springers zur Zulassung der Programmzeitschrift bewog. Im Juni 1946 erhielt Springer von Major Huysman unter den Lizenznummern 67 und 68 offiziell die Erlaubnis zur Herausgabe der „Nordwestdeutschen Hefte“ und der Programmzeitschrift unter dem Titel „Radio-Post“.42 Und im Juli 1946 hatte Springer mit dem NWDR einen Vertrag ausgehandelt, der die Herausgabe der Programmzeitschrift im einzelnen regelte. Die Bestimmungen des am 30. des Monats ratifizierten Kontrakts dokumentieren, daß HÖR ZU! als eine quasi-offiziöse Rundfunkzeitung verfaßt war, die in mancherlei Hinsicht an die Vorgänger der Weimarer Republik erinnerte. Wie bei den damaligen sendereigenen Publikationen verband sich hier wieder der Wunsch des Rundfunks nach Selbstdarstellung mit dem geschäftlichen Interesse der privatwirtschaftlichen Verlegerschaft. Der NWDR erteilte dem Hammerich & Lesser Verlag das ausschließliche Recht für den Abdruck der vollständigen Programme (§ 1, 2) und verpflichtete sich, keine andere Programmzeitschrift zu unterstützen oder zu fördern. Einzig den Tageszeitungen war es gestattet, die aktuellen Programme der kommenden ein bis zwei Tage zu bringen (§ 10). Im Gegenzug für das Monopol des wöchentlichen Programmabdrucks erteilte der Verlag dem NWDR ein Vetorecht bei der Auswahl des Chefredakteurs (§ 6). Zudem unterlagen alle redaktionellen Veröffentlichungen der vorherigen Einwilligung des NWDR. In inhaltlicher Hinsicht übernahm der Vertrag in etwa die bereits im Februar mit den Rundfunkmitarbeitern besprochenen Vorschläge. So sollte die Zeitschrift neue Sendereihen vorankündigen, in die geistige und technische Arbeit des Rundfunks einführen und die Künstler und Mitarbeiter des NWDR vorstellen. Des weiteren wurde vereinbart, Hörerzuschriften und Stellungnahmen dazu abzudrucken sowie Anordnungen, Vorschriften etc. bekannt zu geben (§ 4). Darüber hinaus wurde dem NWDR für die Überlassung des Programms und für die Lieferung von Bildmaterial etc. eine Gewinnbeteiligung zugesprochen: Der Sender sollte die Hälfte des Reinertrags an der „Radio-Post“ (§ 11) erhalten, der mit 5 Prozent des Gesamtumsatzes des Verlags kalkuliert wurde.43

Es ist anzunehmen, daß das finanzielle Interesse des NWDR an der Rundfunkzeitschrift zumindest einen wichtigen Grund dafür darstellte, daß Springer trotz der allenthalben spürbaren Papierverknappung über eine Startauflage von 250 000 Exemplaren verhandeln konnte. Schon im März 1946 hatte er Oberst Heycock vom NWDR eine Kalkulation vorgelegt, nach der erst bei einer Auflage ab 20 000 Exemplaren ein Gewinn von zehn Prozent des Umsatzergebnisses zu erzielen sei, an dem sowohl der Verlag als auch der Rundfunksender zu je fünf Prozent partizipieren könnten.44 Daß auch die britische Besatzungsmacht für das Zeitschriftenobjekt, welches im gesamten Sendegebiet Verbreitung finden sollte, eine hohe Auflage gestattete, hing zum einen mit den langjährigen beruflichen Kontakten des „neuen“ Chefredakteurs, Eduard Rhein, zusammen. Denn für die Papierzuteilung an Zeitungen und Zeitschriften war Cyril Hart zuständig.45 Der Programmredakteur von „Sieben Tage“ und „Hier Berlin“ hatte nach seiner Flucht aus Deutschland in London als Rundfunktechniker gearbeitet und war als deutschsprachiger Press Officer der britischen Control Commission zuständig für die Papierzuteilung 1945 nach Deutschland zurückgekehrt.46 Für diese Dienste erhielt Hart von Rhein später eine Stellung als Leiter der Programmredaktion bei HÖR ZU!, die er trotz seiner Unbeliebtheit bei den Mitarbeitern bis 1966 inne hatte.47 Zum anderen dürfte der sich abzeichnende ‘Kalte Krieg’ – er wurde nicht zuletzt über das Medium Radio geführt – ein Grund für die Zulassung der hohen Startauflage gewesen sein.48 Angesichts der übermächtigen Stellung des ostzonalen „Berliner Rundfunks“ in der ehemaligen Reichshauptstadt hielt beispielsweise der Leiter der neugegründeten Berliner Dependance des NWDR, Wiechmann, es für den britischen Teil Berlins „nahezu für lebensnotwendig, das Programm des NWDR unter der Berliner Bevölkerung so schnell wie möglich und so umfänglich wie möglich bekannt zu geben“,49 da weder die offiziöse Funkzeitschrift „Der Rundfunk“ noch die den Berliner Pressemarkt beherrschenden sowjetisch lizensierten Tageszeitungen das Programm des neuen Senders präsentierten.

Aufgrund des Monopols und wegen der enorm hohen Startauflage besaß die „Rundfunkzeitung des NWDR“ ideale Voraussetzungen, um sich in den nächsten beiden Jahren ungehindert in Nord- und Westdeutschland auszubreiten. Auch die SPD – sie kritisierte im Rahmen einer Denkschrift die einseitige Begünstigung des Hammerich & Lesser Verlags durch den Monopolvertrag – konnte auf diese Entwicklung keinen Einfluß nehmen.50 Während in der amerikanischen Besatzungszone 1947 sechs Zeitschriften erschienen und es im französisch besetzten Gebiet immerhin zwei Rundfunkperiodika gab,51 lehnten die britischen Behörden und der ab Oktober 1947 eingesetzte Zonenpresserat Lizenzanträge anderer Verleger bis zum Sommer 1948 rigoros ab.52 So hatte sich beispielsweise Helmut Tormin, ehemaliger Besitzer des Rufu-Verlags und Verleger der Funkzeitschriften „Werag“ und „Westfunk“, gemeinsam mit dem langjährigen Chefredakteur der „Werag“, Franz-Peter Brückner, der 1933 aus politischen Gründen Deutschland verlassen hatte, bereits im November 1946 einen Antrag auf die Herausgabe einer Funkzeitschrift mit dem Titel „Der neue Westfunk“ gestellt. Die erste Version des Antrags ging verloren, und die zweite wurde mit der Begründung abgelehnt, daß sich bereits der Hammerich & Lesser Verlag das Monopol für die Herausgabe der NWDR-Programme gesichert habe. Erst nachdem das Vorrecht des Hamburger Verlags im Sommer 1948 erloschen war, konnte der Antrag auf Neuherausgabe des „Westfunks“ bearbeitet werden. „Man mag es als Ironie des Schicksals betrachten“, resümierte Hans Dieter Müller die Startbedingungen von HÖR ZU! treffend,

daß Axel Springer seinen wirtschaftlichen Aufstieg in Anlehnung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk verdankte, den er später als Gralsritter des freien Wettbewerbs so heftig bekämpfte, privilegiert zudem durch ein rigoroses quasistaatliches Lizensierungssystem, das gleiche Startbedingungen und freien Wettbewerb in der Anfangsphase ausschloß und ihm auf dem Markt der Programmzeitschriften einen uneinholbaren Vorsprung verschaffen sollte.“53

Am 11. Dezember 1946 erschien die erste Ausgabe der mittlerweile in HÖR ZU! umbenannten Rundfunkzeitung54 mit einem Titelbild im Handel, das aufwendig wie ein Plakat gestaltet war. In einen sternenübersäten, nachtblauen Himmel ragte ein schlanker, blau-rot gestrichener Antennenmast hinein, das Symbol des Rundfunks. Davor befand sich das über die ganze Seite gezogene, in leuchtend gelben Buchstaben gesetzte und mit einem auffallend schrägen Ausrufungszeichen versehene Signet HÖR ZU!55


Das erste Titelblatt von HÖR ZU!

Bei einem Umfang von zwölf Seiten betrug der Preis für die im Format 22 x 30 cm vierfarbig gedruckte Rundfunkillustrierte 0,30 RM; ein bei den Programmblättern aller Besatzungszonen damals üblicher Betrag. Das Selbstverständnis der „Rundfunkzeitung des Nordwestdeutschen Rundfunks“56 formulierte Rhein in einem umfassenden Grußwort an die Leser:

Endlich wieder eine Funkzeitung!’ – Aber wissen Sie auch, welche Zeitspanne dieses Endlich umgreift? Wohl kaum, Ihre Funkzeitung blieb eines Tages aus – und Sie merkten es nicht. Zu gewaltig war das Krescendo des Elends und der Todesnot, das dem lähmenden Zusammenbruch vorausging. Schon im Mai 1941 mußten alle Programmzeitschriften ihr Erscheinen einstellen. Vor mehr als fünfeinhalb Jahren. Nun will HÖR ZU! das alte Band zwischen Rundfunk und Hörer aufs neue knüpfen. Doch es will damit keineswegs den alten Faden weiterspinnen. HÖR ZU! will nicht eine Illustrierte ersetzen, nicht eine Gartenlaube mit Häkelmuster und Rundfunkprogramm sein, nicht mit der Bühne und dem Film kokettieren. HÖR ZU! will zur reinen Urform der Rundfunkzeitung zurückführen und wird sich deshalb ausschließlich mit dem Rundfunk beschäftigen: mit seinen Künstlern, Technikern, Organisatoren, mit den Problemen seiner Programmgestaltung und nicht zuletzt mit den Wünschen und Nöten seiner Hörer. HÖR ZU! wird dabei eigene Wege gehen, denn wir halten es nicht nur für eine erhebende Pflicht, Traditionen zu heiligen, sondern nehmen für uns auch das Recht in Anspruch neue zu schaffen. In HÖR ZU! soll das Bild die sinn- und zweckvolle Ergänzung des „blinden“ Rundfunks sein. Schon in unserer übernächsten Nummer werden wir Ihnen an einem Beispiel beweisen, daß man in dieser Richtung noch völlig neue Wege gehen kann. Die besten Schriftsteller, Bildberichter und Zeichner werden uns bei unserem Streben unterstützen. Wir wollen mit Freude und Begeisterung von den schöpferischen Kräften des Rundfunks berichten – im Zeitalter der Zonengrenzen vor allem von denen des Nordwestdeutschen Rundfunks. Wir tun es gern, weil wir die Arbeit des Nordwestdeutschen Rundfunks wegen ihrer Aufgeschlossenheit gegenüber den Fragen der Gegenwart besonders schätzen. HÖR ZU! nimmt sich freilich das Recht, offene Kritik zu üben, wo es um grundsätzliche Dinge geht; wo sie zum Nekrolog einer längst verwehten Sendung wird, lehnen wir die Kritik als sinnlos ab. HÖR ZU! erscheint in der papierärmsten Zone. Wir beginnen deshalb mit zwölf Seiten, obwohl wir am liebsten gleich mit 32 Seiten begonnen hätten. Unsere Frauen werden bei HÖR ZU! den Roman vermissen. Doch Sie sehen, daß wir den Mangel selber empfinden, und dürfen versichert sein, daß wir ihn beheben werden, sobald sich die Papierlage bessert. Das Programm soll mit der Zeit erheblich größer werden, wenn wir die Programme der deutschen und ausländischen Sender rechtzeitig heranschaffen können. HÖR ZU! hält den Rundfunk nur für eine Vorstufe des farbigen, plastischen Fernsehrundfunks. Seine Entwicklung ist bei uns vorläufig unterbrochen. In England und Amerika macht sie gewaltige Fortschritte. Sie trotz all unserer erdrückenden Alltagssorgen nie aus dem Auge zu verlieren, halten wir für eine Verpflichtung gegenüber der Zukunft. Das wollten wir Ihnen an dieser Stelle sagen. Künftig aber soll dieser Raum Ihnen zur Verfügung stehen: Ihren Wünschen und Anregungen – und Ihrer Kritik. Schrecken Sie nicht vor einem offenen Wort zurück. Wir leben nicht mehr unter den Peitschen der Diktatur!“57

Wie aus dem Geleitwort deutlich wird, vermied es Eduard Rhein, HÖR ZU! explizit als offizielle Rundfunkzeitung des NWDR zu bezeichnen. Das Verhältnis zum Rundfunk wurde nicht eindeutig definiert. Zum einen wollte die Redaktion die Arbeit des NWDR publizistisch begleiten und vermitteln, zum anderen machte sie implizit die Absicht deutlich, sich als Anwalt der Hörenden zu profilieren. In konzeptioneller Hinsicht proklamierte Eduard Rhein zu der frühen Rundfunkpresse der Weimarer Republik zurückzukehren, die sich vornehmlich mit den technischen, kulturellen und gesellschaftlichen Potentialen und Implikationen des drahtlosen Mediums beschäftigt hatte. Doch schien es eher die seit den frühen dreißiger Jahren marktbeherrschende Familienzeitschrift mit Programmteil gewesen zu sein, die Rhein eigentlich anvisierte, wenn er beispielsweise das Erscheinen eines speziell auf weibliche Lesegewohnheiten und -interessen abgestellten Romans ankündigte. Auch reetablierte Rhein die in der frühen Rundfunkpresse stark gepflegte Sendekritik praktisch nicht, hatte doch die Rundfunkzeitung „Sieben Tage“ schon Anfang der dreißiger Jahre auf die detaillierte Nachbesprechung einzelner Sendungen verzichtet, noch bevor die Nationalsozialisten diese als unerwünscht erklärten. Wenn Eduard Rhein beanspruchte, nicht nur alte Traditionen zu heiligen, sondern auch neue zu schaffen, traf dies in erster Linie für die typographische Gestaltung zu, weniger für den konzeptionellen Aufbau und den sprachlichen Duktus von HÖR ZU!. Im folgenden wird die formale Struktur und Chronologie der Hefte aufgezeigt, die bis zur Währungsreform im Sommer 1948 vor allem durch die knappe Papierbewirtschaftung gekennzeichnet war.

Ähnlich den Rundfunkzeitschriften der zwanziger und frühen dreißiger Jahre präsentierte die Titelseite von HÖR ZU! meist Fotografien, gelegentlich auch Porträtskizzen von prominenten Künstlern, vornehmlich Sängerinnen, Musikern, Komikern oder Schauspielern, die im NWDR mitwirkten. In gleicher Manier stellte die Rundfunkzeitung bekannte und beliebte Mitarbeitende des Rundfunks vor, wie etwa den Dirigenten des NWDR-Symphonieorchesters, Hans Schmidt-Isserstedt, oder die junge Reporterin Rosemarie Schwerin. Solche Bilder waren stets mit einem Hinweis zu einer Sendung der Porträtierten versehen. Häufig brachte die Titelseite zudem Zeichnungen charakteristischer Opern-, Operetten- und Hörspielszenen, mit deren Hilfe sich die Leser auf diese Höhepunkte im Wochenprogramm vorbereiten und einstimmen sollten.58

Auf Seite zwei berichtete die Rubrik „Rundfunkneuigkeiten“ im Telegrammstil über neue wissenschaftliche Erkenntnisse zur Rundfunk- und Fernsehtechnik in den USA und in Großbritannien, zeigte fortlaufend die Zahl der Rundfunkteilnehmer in der britischen Besatzungszone an, berichtete über die Gründung von Rundfunkverbänden und wies auf den programmlichen und technischen Aufbau der Sender in den anderen Besatzungszonen hin. Ebenfalls auf dieser Seite initiierte Eduard Rhein eine Bildrubrik, um Persönlichkeiten des Rundfunks zu porträtieren. In den ersten fünf Ausgaben stellten sich die prominenten Kommentatoren des NWDR, Peter von Zahn, Axel Eggebrecht, Walther von Hollander, Karl-Eduard von Schnitzler und Hans Zielinski dem Lesepublikum vor. Danach erweiterte Rhein den Kreis der Funkschaffenden und griff dabei auf ein altbewährtes Muster zurück. Nach dem Vorbild der „Sieben Tage“ wurden ab Nr. 4, 1947 unter dem Logo „Den/Die möcht’ ich sehn“ auf Wunsch der Hörenden Reporter, Techniker und Sängerinnen porträtiert. Neben den genannten Rubriken richtete Eduard Rhein ab Nr. 3, 1947 hier zudem den obligatorische „Technischen Fragekasten“ ein, der in Anbetracht des beträchtlichen Gerätemangels eine überaus wichtige Servicefunktion besaß.59 Abgerundet wurde die Seite zwei durch die im Geleitwort angekündigte Leserbriefrubrik, die programmbezogene Hörerzuschriften brachte.

Die nächsten zwei bis drei Seiten waren der Vorstellung neuer Sendereihen, der Ankündigung von Hörspielen und der Erörterung allgemeiner rundfunkbezogener Fragen gewidmet. Dabei stammte mindestens die Hälfte der Artikel von den Rundfunkmitarbeitern selbst, die die Programmzeitschrift als ein wichtiges publizistisches Forum betrachteten, um auf bedeutende Sendeformen hinzuweisen oder Fragen der Programmplanung zu erörtern.60 Hier zeigten die leitenden technischen Mitarbeiter die Fortschritte bei der Neuausstattung der deutschen Sender. Die Leiter der einzelnen Sendesparten dokumentierten den Arbeitsalltag in ihren Abteilungen und räsonierten über Probleme der Programmgestaltung. Regelmäßig stellte der Chefdramaturg des NWDR Hamburg, Ernst Schnabel, die Arbeiten der von ihm geleiteten Hörspielabteilung vor. Auch ergriffen die verschiedenen Hörspielautoren, unter ihnen vor allem Axel Eggebrecht, Ludwig Cremer und Christian Bock, vielfach die Gelegenheit, um ihre Produktionen zu erläutern und dramaturgisch-theoretische Stellungnahmen dazu abzugeben. Darüber hinaus nutzte der NWDR die Rundfunkzeitung, um Preisausschreiben und Wettbewerbe, aber auch Hörerumfragen publikumswirksam anzukündigen und durchzuführen. HÖR ZU! berichtete ihrerseits über die technische, kulturelle und gesellschaftliche Aufbauarbeit der Funkhäuser des NWDR und gewährte Einblicke hinter die Kulissen des Rundfunks. Auch stellte sie den Hörerlnen neuartige Sendeformen wie etwa das angloamerikanische Quiz vor.61 Gelegentlich äußerte sich HÖR ZU! zu Fragen der Programmgestaltung des NWDR kritisch und rief die Sendeverantwortlichen zu Stellungnahmen auf. Außerhalb der Programmankündigungen der Rundfunkmitarbeiter verzichtete die Zeitschrift auf politikbezogene Artikel fast gänzlich, außer wenn sie der Eigenwerbung für Bücher des Hammerich & Lesser Verlags dienten, wie etwa Auszüge aus dem Buch des norwegischen Journalisten Findahl über das Kriegsende in Berlin mit dem Titel „Letzter Akt Berlin“ und ein Band mit deutschsprachigen Sendungen der BBC während des Krieges: „Was wir nicht hören durften!“62 Häufig kündigte Eduard Rhein hingegen musikalische Unterhaltungssendungen an, die für kurze Zeit die Flucht vor dem tristen Nachkriegsalltag ermöglichen und den Hörerinnen Freude und Entspannung bieten sollten. Um die alltagstranszendierende Wirkung optisch zu verstärken, präsentierte HÖR ZU! ab Nr. 3, 1946 in unregelmäßiger Folge unter dem Motto „Die Bühne zum Funkspiel“ farbige Figurinen zu Operetten, Opern oder musikalischen Lustspielen und empfahl den Lesern: „Legen Sie also am Donnerstagabend die HÖR ZU! vor sich auf den Tisch und stehlen Sie sich dann mit uns ein bißchen hinaus aus dieser Welt der Sorgen ins Reich der Träume.“63

Das Kernstück der Hefte stellte der Programmabdruck unter dem Logo „HÖR ZU – Was sie senden!“ auf den Seiten fünf bis elf dar. Nach dem Vorbild von „Sieben Tage“ und „Hier Berlin“ war der Programmteil sehr sorgfältig aufgebaut, wenn auch aus Platzgründen bis Anfang 1948 pro Sendetag nur eine Seite verwendet werden konnte. Auf jeweils zwei Spalten fanden die Leserinnen das Programm des NWDR. Dabei wurden bei Musiksendungen und Hörspielen die Mitwirkenden und die zu präsentierenden Musikstücke stets namentlich aufgeführt. Um die Übersicht zu erleichtern, waren die zwischen 20.00 und 22.00 Uhr zur besten Sendezeit ausgestrahlten Darbietungen mit einem Kasten umrahmt und durch die Verwendung verschiedener Schriften optisch abgesetzt. In zwei weiteren Spalten fanden sich die Programme der übrigen deutschen Rundfunkstationen sowie die Sendefolgen verschiedener europäischer Sender, etwa der BBC,64 des britischen Soldatensender BFN, der französischen Radiostationen „Paris“ und „Paris Nationale“ sowie die Darbietungen von Beromünster und Kopenhagen. Jeweils am äußeren Seitenrand informierte die „Hörfunkrandspalte“ über verschiedene Sendereihen, führte in die Hörspiele des NWDR ein und erläuterte im unterhaltsamen Plauderton die Themen von Zielgruppenprogrammen wie dem Frauen-, Land- oder Wirtschaftsfunk. Ergänzt wurden die Hörfunkrandspalten durch Porträts von Rundfunkkünstlern, gelegentlich auch durch abgedruckte Gemälde sowie durch sendebezogene humoristische Illustrationen. Im Programmabdruck selbst dienten briefmarkengroße Zeichnungen, die an entsprechende Vignetten im Programmabdruck von „Hier Berlin“ erinnerten, zur Auflockerung der aus Sendeankündigungen bestehenden „Bleiwüste“.

Auf der Rückumschlagseite fanden sich neben einem kleinen Kreuzworträtsel und der Witzrubrik „Das Ausland lacht“ weitere Programmankündigungen, technische Artikel Eduard Rheins oder Porträts von Rundfunkmitarbeitern. Mehrere Male berichteten die „jüngsten“ Reporter des NWDR, Rosemarie Schwerin und Jürgen Roland, über komisch-heitere Erlebnisse bei ihrer Rundfunkarbeit.65 Ab Nr. 7, 1947 richtete Rhein auf Wunsch der Leser eine nicht rundfunkbezogene Starrubrik ein, mit der er den Anspruch der Rundfunkzeitung, „nicht mit Bühne und Film zu kokettieren“, explizit unterlief. Mit der Visualisierung bekannter Stars der Vorkriegszeit kam HÖR ZU! den Interessen des Leserpublikums sehr entgegen – ein Beispiel für die Kontinuitätslinien zu den dreißiger Jahren im Bereich der massenkulturellen Unterhaltungsangebote. Wie jüngere Forschungen zum Nationalsozialismus zeigen, haben die in Illustrierten, Spielfilmen und Rundfunk präsenten Film- und Bühnenstars und ihre populären Unterhaltungsangebote dazu beigetragen, viele Menschen wenigstens passiv in das Regime einzubinden. In den Nachkriegsjahren diente jene vermeintlich „unpolitische“ Kulturproduktion den bekannten Medienstars als Beweis ihrer „inneren Emigration“ während des Dritten Reichs. Zugleich symbolisierte sie für weite Teile der Bevölkerung die Rückkehr zu „normalen“ Zeiten sowie zu privater Harmonie.66 In HÖR ZU! berichtete eine Rubrik mit dem vieldeutigen Titel „Wo sie blieben und was sie trieben“67 auf Wunsch der Leser über Erlebnisse und Lebensstationen vieler „totgeglaubter Künstler“ während der „Kriegswirren“, die nun wie die Bevölkerung den Weg zurück in die Normalität suchten und fanden. Die Serie startete mit den bekanntesten Exponenten der NS-Filmproduktion, Zarah Leander, Lilian Harvey, Willy Fritsch etc. und bestand bis zum Ende der fünfziger Jahre.

Wie die inhaltliche Struktur, so war auch die graphische Aufmachung der Hefte in den ersten beiden Erscheinungsjahren durch die Versorgungsengpässe geprägt. Zwar waren die ersten vier Ausgaben von HÖR ZU! den zeitlichen Bedingungen weit voraus, zum Teil im Vierfarbdruck gestaltet gewesen. Doch wegen des Zusammenbruchs der Strom- und Kohleversorgung fehlte HÖR ZU! bereits nach wenigen Nummern die Farbe. Die Rundfunkzeitung wurde fortan im Kupfertiefdruck mit jeweils einem Farbpigment oder mit einem einheitlichen Braunstich hergestellt.68 Aufgrund des geringen Seitenumfangs zeichnete sie sich durch ein dicht gedrängtes Layout aus mit wenig freiem Raum zwischen Überschriften, Texten oder Illustrationen und mit eng aneinandergesetzten groß- und kleinformatigen Fotos, die in der Regel von freien Fotografen oder vom NWDR selbst geliefert wurden.69 Obwohl in der Aufmachung vieler Artikel mit ausführlichen Überschriften ihren Vorgängern ähnlich, war HÖR ZU! in typographischer Hinsicht dennoch wesentlich abwechslungsreicher aufgemacht als die Radiopublikationen der Vorkriegszeit. Sehr sorgfältig, zum Teil phantasievoll waren beispielsweise die redaktionellen Programmankündigungen gestaltet. Durch die Wahl der typographischen Mittel deutete die Redaktion gewissermaßen immer schon den Charakter der jeweiligen Sendung an. So waren die Ankündigungen zu Operetten und musikalischen Lustspielen oftmals in verschnörkelten, romantisch-verspielt erscheinenden Schreibschriften gesetzt, während bei Hörfunkreportagen die Dramatik suggerierende Reporter-Pinselschrift zum Einsatz kam. Darüber hinaus waren viele Überschriften durch kleine, das Thema der Vorschau heraushebende Vignetten verziert. Überhaupt stellte HÖR ZU! in den ersten beiden Erscheinungsjahren, laut Wolfgang Huwe, eine „ideale Spielwiese“70 für Illustratoren dar.

Wie bei allen Presseprodukten in den unmittelbaren Nachkriegsjahren ging auch bei HÖR ZU! die Redaktionsarbeit unter erschwerten Bedingungen vonstatten. Aufgrund der unregelmäßig eintreffenden Papierlieferungen war es unmöglich, Umfang und Inhalt der einzelnen Ausgaben im voraus zu planen. Anstatt der garantierten zwölf Seiten erschienen manche Nummern mit 16 Seiten, während bei Ausgaben mit einem Umfang von acht Seiten neben dem Programmabdruck praktisch kein Spielraum für eine redaktionelle Berichterstattung blieb. Mehrere Nummern fielen wegen Energie- und/oder Papiermangels sogar aus.71 Ein sorgfältiges Disponieren war unter diesen Bedingungen unmöglich: „Was in dieser Zeit an vorbereiteter Arbeit und in fliegender Hast neu geschaffen werden mußte, ist unbeschreiblich“,72 erinnert Eduard Rhein das hektische Agieren und Reagieren im ersten Erscheinungsjahr. Auch mit dem NWDR gab es zunächst Probleme, da es für die Mitarbeiter des Rundfunks in der ersten Zeit ungewohnt war, den exakten Sendeablauf für den Abdruck in der Programmzeitschrift schon Wochen zuvor präzise festlegen zu müssen. Die Programminformationen des Tages wurden bis dahin über den Sender ausgestrahlt, einzelne Sendungen oftmals sehr kurzfristig beschlossen und innerhalb weniger Tage geschrieben und produziert.73 Eine weitere latente Unwägbarkeit bei der Produktion von HÖR ZU! bestand darin, daß 1947 jede Ausgabe von dem britischen Rundfunkoffizier Jameson überprüft wurde. Zwar habe Jameson hie und da einige Artikel kritisiert, wobei laut Huwe immer auch die Tageslaune des Offiziers eine Rolle spielte. Doch nur ein einziges Mal sei ein Artikel zensiert worden. Dabei handelte es sich um einen Bericht über die französische Schriftstellerin Madame de Stael, die in ihren Schriften des frühen 19. Jahrhunderts Deutschland als Land weltfremder Dichter und Denker romantisch verklärt hatte. Ansonsten sei das Verhältnis zu den englischen Rundfunkverantwortlichen des NWDR, besonders zum Chief Controler Hugh C. Greene, ungetrübt gewesen. Die Programmacher lieferten Beitragsmanuskripte an HÖR ZU!, die von der Redaktion redigiert und je nach Prominenz des Autors abgedruckt wurden.74 Die HÖR ZU!-Redaktion stand mit den Radiomitarbeitern in engem Kontakt. Die Sendeleiter und Eduard Rhein besuchten sich häufig zum Gedankenaustausch. Außerdem nahm Rhein an den Redaktionskonferenzen des NWDR Hamburg teil.75 Besonders eng arbeitete die Redaktion, die zunächst nicht über feste Ressorts verfügte, mit der Pressestelle des Senders zusammen, die die Zeitschrift mit allen notwendigen Informationen versorgte.76

Das Erscheinen der ersten Programmzeitschrift in der britischen Besatzungszone löste in der Bevölkerung Begeisterung aus. Binnen kurzer Zeit avancierte HÖR ZU! hier zu einem der beliebtesten Titel. Trotz der vergleichsweise hoch angesetzten Auflage gelang es nicht, die starke Nachfrage auch nur annähernd zu befriedigen. Bei mehr als drei Millionen angemeldeten Hörern in der britischen Besatzungszone konnte nur jeder zwölfte Rundfunkteilnehmer HÖR ZU! beziehen.77 Bei einer schätzungsweise viermal so hohen Hörerschaft bedeutete dies, daß sich statistisch 48 Personen eine HÖR ZU! teilen mußten.78 Trotz dieses offensichtlichen Mangels konnte die Press and Periodical Section den Anträgen Springers, Auflage und Umfang der Zeitschrift zu erhöhen, nicht nachkommen, auch wenn der Verleger darauf hinwies, daß HÖR ZU! in Berlin – als Stellvertreter der dortigen NWDR-Filiale – mit der ebenso aufwendig wie professionell gestalteten Publikation des „Berliner Rundfunks“, „Der Rundfunk“, konkurrieren müsse, die bei einer ähnlich hohen Auflage bereits über einen Umfang von 24 Seiten verfügte.79 So blieb dem Vertrieb von Hammerich & Lesser nichts anderes übrig, als sich zu bemühen, die Hefte gleichmäßig zu verteilen, wobei es angesichts der fehlenden Infrastruktur und der mangelnden Energieversorgung jedoch oft zu Lieferschwierigkeiten kam. Außerdem gab es so viele Abonnentenkunden, daß überhaupt nur ein geringer Teil der wöchentlichen Auflage in den Handel gelangte. Ein Zeitungs- und Zeitschriftenlieferant aus Düsseldorf schilderte dem Vertriebschef von HÖR ZU!, Arthur Szimmetat, chaotische Szenen, die sich bei der Verteilung einer Ausgabe der Programmzeitschrift Anfang 1947 abspielten:

Wie das Publikum auf diese Zeitschrift reagiert hat und weiter reagiert, konnten wir jetzt am besten bei der Nr.1 des neuen Jahrgangs beobachten, die infolge der Stromschwierigkeiten nur zu 25 Prozent nach hier geliefert wurde. Die Folgen waren kaum zu beschreiben, und ich kann Ihnen verraten, daß ich in meiner Vertriebslaufbahn bisher kein solches „Theater“ erlebt habe, wie in dieser Woche. Die Käufer und Interessenten bestürmten seit Samstag die Händler, Kioske und Geschäfte nach der neuen Nummer. Am Montag bildeten sich sogar automatisch Schlangen, und ich bin selbst unaufhörlich unterwegs gewesen, um nicht nur die Händler zu verständiger Auskunft zu veranlassen, sondern auch das Publikum in etwa zu beruhigen.80

Auch Kioskbesitzer und Buchhändler betonten die begeisterte Aufnahme, die HÖR ZU! bei den Menschen fand.81 Die Attraktivität von HÖR ZU! bestand demnach darin, daß die Zeitschrift nicht nur über die aktuelle Sendewoche des NWDR informierte, sondern erstmals wieder einen Überblick über das Programm der Sender anderer Besatzungszonen und des Auslands bot. Auch wenn die meisten Geräte nur den Empfang des „Heimatsenders“ zuließen, konnte man sich über das Rundfunkgeschehen ausführlich informieren und die Programme wieder nach individueller Planung und nicht nur nach dem Zufallsprinzip auswählen.82 Zudem erfreute sich der leichte, gut gelaunte, sprachlich geschliffene Plauderton der Rundfunkzeitung sowohl bei der Behandlung von technischen Fragen als auch bei den Programmankündigungen großer Beliebtheit.83 Gerade wegen der „bewußt unproblematischen Schreibweise“ wurde HÖR ZU!, wie Springer in einem Schreiben an die Press and Periodical Section ausführte, von vielen Menschen „vorurteilslos und mit echtem Vertrauen“ gelesen. Die Zeitschrift, so Springer weiter, habe daher besondere politische Möglichkeiten, könne sie doch „unbemerkt, dafür umso wirkungsvoller beitragen zu einem anständigen politischen Neuaufbau und zur Entgiftung der Nachkriegsatmosphäre“.84 Auch wenn der Verleger die unpolitisch-politische Funktion der Zeitschrift als Argument für höhere Auflagen gegenüber der britischen Besatzungsmacht vermutlich überprononcierte, erscheint der sprachliche Duktus von HÖR ZU! in der Tat auffallend frisch und offen.85 Sich von den katastrophalen Nachkriegsverhältnissen nicht unterkriegen zu lassen, die allgemeine Misere, Hunger und Elend nicht zu beklagen, sondern mit Optimismus und Humor zu meistern – das war das maßgebliche Motto von HÖR ZU! Neu war diese Devise gleichwohl nicht: Die Präsentation heiterer Normalität in den Medien hatten die Nationalsozialisten besonders während des Zweiten Weltkriegs zur Stärkung des Durchhaltewillens der Bevölkerung eingesetzt.86 Auch nach Kriegsende, das von vielen Deutschen mehr als „Zusammenbruch“ denn als „Befreiung“ wahrgenommen wurde,87 blieb dieses Muster – freilich mit neuen Konnotationen – ansprechend. Die folgende Ankündigung des Abendprogramms 1947 ist hierfür typisch:

Gute Laune zu haben – trotzdem –, ist so wichtig für Körper und Geist, daß man es damit ernst nehmen sollte. Sonntags wollen wir die gute Laune besonders pflegen, und damit uns unsere Frühlingsstimmung am Abend nicht verläßt, hören wir schon um 19 Uhr eine halbe Stunde Tanzmusik. Es bleibt uns überlassen, ob wir noch vor dem Essen das Tanzbein appetitanregend schwingen oder die frischen Radieschen bei Tango- oder Foxtrott-Takten genießen wollen. Um 22.15 Uhr können wir dann die Leibesübungen nach Tanzrhythmen nach Herzenslust fortsetzen.88

Maßgeblich für den Erfolg von HÖR ZU! schien zudem das hörerzentrierte Engagement der Redaktion in Fragen des Rundfunkprogramms gewesen zu sein. Hier zeigte sich HÖR ZU! zunächst vorsichtig, später vehementer, als eine Vermittlungsinstanz, die dem NWDR die programmbezogenen Wünsche der Hörenden vortrug. Dazu wurden alle Leserbriefe ausgewertet. Rhein animierte die Leserinnen, ihre Meinung zum Programm zu schreiben und ließ sie im Blatt zu Wort kommen, zumal wenn sie seinen eigenen Vorstellungen eines vorwiegend leicht konsumierbaren, unterhaltenden Rundfunkprogramms entsprachen.89

Schon vor der Währungsreform hatte sich HÖR ZU! als ein beliebter Gebrauchsartikel etabliert. Der Erfolg war zum einen dem Monopol des NWDR zu verdanken. Zum anderen gereichte es der Redaktion zum Vorteil, daß sie sich bereits unter dem System der Lizenzpresse, welches Arbeitsbedingungen unabhängig von Marktmechanismen bot, konzeptionell-inhaltlich an den Wünschen der Leserinnen nach einer unpolitisch, unterhaltenden, feuilletonistisch aufgemachten, an den Geschmack der Vorkriegszeit anknüpfenden Zeitschrift orientierte. Für die Gestaltung des redaktionellen Konzepts griff Eduard Rhein auf jene erfolgreichen Rundfunkpublikationen zurück, bei denen er in den dreißiger Jahren tätig gewesen war. Die Konzeption von HÖR ZU! war also keineswegs so neu und einzigartig, wie Eduard Rhein später immer wieder behauptete. Ihr Vorteil lag vielmehr darin, daß sie die Anforderungen der britischen Besatzungsmacht und des NWDR geschickt auf die Mentalität der Leserinnen abstimmte, die an die Zeitschriftenkonzepte der dreißiger Jahre gewohnt waren. Nicht umsonst setzte Rhein bewußt auf Mitarbeiter, die ihr journalistisches Handwerk in den letzten Jahren der Weimarer Republik bzw. in den frühen dreißiger Jahren erlernt und in Berlin oder Hamburg damalige Illustrierte und Zeitungen mitgeprägt hatten.

3 Personalpolitik: Neue Redaktion – alte Seilschaften

In diesem Abschnitt soll die Zusammensetzung der HÖR ZU!-Redaktion und die beruflichen Werdegänge der Mitarbeiter bis 1950 untersucht werden, um personelle Kontinuitäten und Brüche aufzuzeigen. Da im Axel Springer Verlagsarchiv keine Personallisten vorhanden sind und die Zahl der freien Mitarbeiter bei Zeitschriften generell stark fluktuiert, ist es unmöglich, präzise Angaben zur Gesamtgröße der Redaktion zu machen, die neben den Journalisten einen Organisationsstab von Boten, Sekretärinnen, Technikern etc. umfaßt. Deshalb beschränkt sich die nachfolgende Darstellung auf die Berufsbiographien der wichtigsten Mitarbeiter von HÖR ZU!, auf jene Ressortleiter, festangestellten Redakteure und „freien“ Mitarbeiter, die eng mit Eduard Rhein zusammenarbeiteten und das Gesicht der Zeitschrift nachhaltig prägten.

Als langjähriger Journalist des Ullstein- bzw. Deutschen Verlags beabsichtigte Eduard Rhein, HÖR ZU! formal so zu gestalten, „wie man eine Zeitschrift unter normalen Verhältnissen jetzt in Berlin machen würde“.90 Eine effektive Redaktionsarbeit stellte er sich am ehesten mit seinen Kollegen von „Sieben Tage“ und „Hier Berlin“ vor. Noch von Königswinter aus hatte Eduard Rhein Kontakt zu den ehemaligen „Sieben, Tage“- Redakteuren Erwin Lehnow und Wilmar Riegenring aufgenommen, deren Kompetenz er hoch einschätzte.91 Eine Zusammenarbeit mit ihnen ließ sich aber entweder wegen der komplizierten Zuzugsbedingungen für die Stadt Hamburg und/oder wegen deren NSDAP-Mitgliedschaft nicht realisieren. Beide nahmen Angebote Berliner Zeitschriften an.92 Doch Rhein konnte diesen Verlust bald ausgleichen, denn in dem neuen Pressezentrum Hamburg gab es genügend ehemalige „Ullsteiner“ und andere erfahrene Journalisten, die im engen Kontakt zueinander standen. Zwar wollte Rhein zunächst keine politisch belasteten Pressemitarbeiterinnen einstellen, doch ergab sich durch die Ansetzung strenger Maßstäbe bei der Entnazifizierung das Problem, daß nur wenige Unbelastete übrig blieben. Folglich entstand ein Widerspruch zwischen dem Anspruch der Alliierten auf politische Integrität einerseits93 und dem hohen personellen Bedarf für die Ausstattung der Redaktionen andererseits. Viele deutsche Chefredakteure und Lizenzträger wollten auf erfahrene Journalisten nicht verzichten.94 Um diese Diskrepanz zu überwinden, wurden die strengen Richtlinien den Gegebenheiten angepaßt. „Wer als Journalist oder Verleger im Dritten Reich einer „normalen“ Tätigkeit nachgegangen war,“ so stellte Norbert Frei 1989 fest, „wurde dafür im Rahmen der Entnazifizierung nicht in besonderer Weise zur Verantwortung gezogen.“95 De facto erhielten ein Berufsverbot allenfalls jene, die als ausgesprochene Parteijournalisten bekannt waren und/oder einen Rang in der SS bekleideten. Viele „belastete“ Personen konnten unter der oft milden und betont kollegialen Aufsicht der Alliierten, besonders der britischen Presseoffiziere, in den mittleren Ebenen der Redaktionen rasch Anstellungen finden – mit ihren Arbeitgebern in stillschweigender Übereinkunft, sich vorläufig in publizistischer Hinsicht zurückzuhalten.96 Ein solches „Agreement“ trafen auch Eduard Rhein und der seit dem Oktober 1946 für den NWDR verantwortliche Controler des NWDR, Sir Hugh Carleton Greene.97 Nach Angaben Rheins soll ihm Greene einen gewissen Spielraum bei der Auswahl der Mitarbeiter zugebilligt haben, solange diese abseits des politisch-aktuellen Journalismus in subalternen Stellungen beschäftigt wurden. Eduard Rhein erklärte sich bereit, für diese Personen die volle Verantwortung zu übernehmen:

Daß ich keinen ehemals aktiven Nazi einstellen oder auch nur als Mitarbeiter beschäftigen würde, war ohnehin klar. Aber es gab Mitläufer und einfach organisationsmäßig Vereinnahmte, bei denen ich diese Verantwortung tragen konnte, denn in HÖR ZU würde nicht ein Wort erscheinen, das ich nicht vorher gelesen hatte.98

Trotz dieser Verpflichtung legte Rhein bei der Auswahl seiner Mitarbeiter großen Wert auf das „Know-how“ erfahrener Zeitungsleute, hinter dem zweifelhafte politische Vergangenheiten zurücktraten. Axel Springer ließ ihm bei der Personalpolitik weitgehend freie Hand, auch wenn in letzter Instanz jede Einstellung seiner Zustimmung bedurfte.99 Für den Verleger war vor allen Dingen von Bedeutung, daß die Journalisten bereit und in der Lage waren, sich auf sein Konzept von harmonisch-unpolitischen Zeitungen einzulassen. Mit der politischen Vergangenheit der Bewerber hielt er sich nicht lange auf.100 Es waren zum Teil „alte Bekannte“, die Eduard Rhein als feste oder freie Mitarbeiter für HÖR ZU! engagierte. So beschäftigte er mit Hans Liska einen ehemaligen „Starzeichner“ des Ullstein- bzw. Deutschen Verlags, dessen realistisch-dramatische Bildreportagen er schätzte.101 Anscheinend unterlagen Pressezeichner, wenn sie als „Freie“ arbeiteten, nach 1945 nur in geringem Maße den Entnazifizierungsbestimmungen. Hans Liska jedenfalls durfte trotz seiner eindeutig kriegsverherrlichenden Pressebilder, die er zwischen 1940 und 1944 unter anderem für die Auslandsillustrierte „Signal“ erstellt hatte, nach 1945 weiter arbeiten.102 Auch für die Textteile griff Eduard Rhein auf erfahrene Journalisten zurück. Viele Reportagen und Berichte verfaßte Hans Mecklenburg – er fing im Januar 1947 als Textredakteur bei HÖR ZU! an.103 Mecklenburg blickte auf eine langjährige redaktionelle Tätigkeit im Dritten Reich zurück. Bereits seit 1933 NSDAP-Mitglied,104 hatte er bis 1941 als Bildjournalist beim „Hamburger Fremdenblatt“ sowie bei der „Hamburger Illustrierten“ gearbeitet und war dann als Redakteur in das von deutschen Truppen besetzte Estland zur „Revaler Tageszeitung“ gekommen. 1944 war Mecklenburg als Kriegsberichterstatter in eine Propagandakompanie an die Front abkommandiert worden.105 Einer der wichtigsten Mitarbeiter Eduard Rheins war Georg Meyer. Wie Eduard Rhein Jahrgang 1900, hatte der promovierte Philosoph bereits in der Weimarer Republik seine journalistische Sozialisation erhalten. Von 1924 bis 1944 war er als Theater-, Musik- und Literaturkritiker in der Feuilletonredaktion des „Hamburger Fremdenblatts“ tätig gewesen, ohne der NSDAP beigetreten zu sein. Bei HÖR ZU! arbeitete Meyer, von seinen Kollegen als „Stilpapst“ hoch geschätzt, ab 1956 als Chef vom Dienst.106

Für den Themenbereich Film und Bühne engagierte Rhein den Feuilleton-Joumalisten und Buchautor Eberhard von Wiese, Jahrgang 1908, der ab 1947 die Starrubrik „Wo sie blieben und was sie trieben“ erstellte. Rhein dürfte Wiese noch aus seiner Zeit bei Ullstein gekannt haben, hatte dieser doch ab 1930 den Redaktionen der „Vossischen Zeitung“ und der „BZ am Mittag“ angehört.107 1933 war Wiese zum „Hamburger Fremdenblatt“ gewechselt, wo er bis 1944 das Feuilletonressort „Neues aus aller Welt und Film“ leitete.108 Hier hatte er sich einen Ruf als Spezialist der deutschen Theater- und Filmwelt erworben. Die Arbeit für HÖR ZU! dürfte für Wiese nur einen journalistischen Nebenerwerb dargestellt haben. Hauptberuflich war er nach 1945 zunächst bei der „Hamburger Allgemeinen Zeitung“ tätig, bevor er 1950 ganz zum Springer-Verlag überwechselte und hier zum Feuilletonchef des „Hamburger Abendblatts“ aufstieg. Als freier Mitarbeiter für die Spezialgebiete der klassischen und zeitgenössischen Musik wurde der Musiker und Journalist Josef Müller-Marein bei HÖR ZU! tätig.109 Marein blickte auf eine ebenso ungebrochene wie steile Karriere zurück. Im Dritten Reich hatte er unter dem Namen Jupp Müller-Marein nicht nur für die liberal kaschierte Vorzeigezeitung des Deutschen Verlags, „Das Reich“, gearbeitet, sondern bis kurz vor Kriegsende auch für den „Völkischen Beobachter“, dem „Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands“, Artikel und Reportagen verfaßt.110 Die Propagandatätigkeit während des Nationalsozialismus sollte dem ehemaligen Oberleutnant der Luftwaffe bei seiner Karriere nach dem Zweiten Weltkrieg nicht schaden. Im Gegenteil: 1946 avancierte er zum Leiter des Kulturteils der in Hamburg neugegründeten Wochenzeitung „Die Zeit“.

Weitaus schwerer als mit ehemaligen publizistischen „Propagandisten“ des NS-Regimes tat sich Eduard Rhein im Umgang mit Journalisten, die während des Nationalsozialismus emigriert waren. Beispielsweise hatte der Intendant des NWDR Köln, Max Burghardt, Eduard Rhein Franz-Peter Brückner, den ehemaligen Chefredakteur der „offiziellen“ Programmzeitschrift WERAG, als Verbindungsmann zwischen dem Funkhaus und HÖR ZU! empfohlen.111 Brückner, Jahrgang 1886, galt als ein entschiedener Gegner des nationalsozialistischen Regimes. Wegen seiner liberal-pazifistischen Haltung mußte er im März 1933 den Chefredakteursposten bei der WERAG aufgeben. Aus den politischen Ereignissen die Konsequenzen ziehend, war Brückner, als Homosexueller zudem einer jetzt in besonderem Maße diskriminierten Minderheit angehörend, im April 1933 nach Südfrankreich emigriert. Im Februar 1946 wurde er von den britischen Behörden aus Paris an den NWDR Köln zurückberufen, um hier als Hauptsachbearbeiter in der Abteilung „Künstlerisches Wort“ zu arbeiten.112 Rhein lehnte jedoch die Zusammenarbeit mit dem erfahrenen Programmzeitschriftenredakteur, der als „politisch Verfolgter“ von der britischen Militärregierung anerkannt worden war,113 mit dem Argument ab, daß Brückner mit 60 Jahren zu alt und nicht ausreichend flexibel sei.114 Neben dem Alter Brückners dürfte ein weiterer Punkt eine wichtige Rolle bei der Ablehnung gespielt haben. Brückner fehlten die Erfahrungen des „bunten Aufmachens“ von Zeitschriften im Nationalsozialismus.

Zwar stellte Rhein auch einige Berufsanfänger bzw. Volontäre ein, etwa Günter Wolf oder den 20jährigen Wolfgang Huwe, der als „Schriftleiter in Ausbildung“ anfing. Doch von solchen Ausnahmen abgesehen, hat es bei der Programmzeitschrift HÖR ZU!, wo 1947 circa fünf bis sechs feste und mehrere freie Redakteure und zwei Programmsekretärinnen arbeiteten, eine „Stunde Null“ im personellen Bereich nicht gegeben. Redaktionsintern stellte, so Wolfgang Huwe, die politische Vergangenheit der Kollegen und Mitarbeiter nie ein Thema dar.115 Diese Ausblendung schien von einem unausgesprochenen Einvernehmen geprägt gewesen zu sein. Man vermied es, die NS-Vergangenheit anzusprechen, um Konflikte zu vermeiden und in einem Team effektiv zusammenarbeiten zu können. Wie Nori Möding und Alexander von Plato anhand von lebensgeschichtlichen Interviews mit Redakteuren der Nachkriegspublizistik aufgezeigt haben, gab es vermutlich auch bei HÖR ZU! ein „stilles Bündnis“ zwischen den Lizenzträgern und den leitenden Redakteuren, die die neuen Techniken des „bunten und lebendigen Aufmachens“ von Zeitungen und Zeitschriften zumeist im Nationalsozialismus gelernt hatten.116 Für die Akzeptanz „belasteter“ Kollegen mögen zudem Korpsgeist und Berufssolidarität ausschlaggebend gewesen sein. Ferner konnte sich von den nicht-emigrierten Journalisten kaum jemand eines wirklich reinen Gewissens rühmen, da jeder Redakteur und jede Redakteurin im Dritten Reich, auch wenn er oder sie nicht der NSDAP beigetreten war, allein schon durch die Mitgliedschaft in der Reichspressekammer zur Herrschaftsstabilisierung des NS-Regimes beigetragen hatte. Und nicht zuletzt entfalteten der gemeinsame Habitus und die Qualifikation, welche die Journalisten als Berufsgruppe verband, eine kohäsionsstiftende Kraft.117 Der aus diesen Faktoren resultierende, stillschweigende Integrationsprozeß wirkte, wie Norbert Frei zusammenfaßt, prägend auf den journalistischen Geist der fünfziger Jahre:

Die kollegiale Zwangsgemeinschaft der wenigen Unbefleckten mit den vielen Halbverstrickten und Läuterungswilligen forderte ihren Preis. Innerprofessionelle Selbstkritik, ernsthafte Diskussionen über die gerade erlebte Korrumpierbarkeit des Journalismus und daraus zu ziehende Konsequenzen konnte es in einer solchen Konstellation schwerlich geben.118

Zudem dürfte in der HÖR ZU!-Redaktion gerade bei den wenigen jüngeren Mitarbeitern der Respekt und die Abhängigkeit gegenüber den älteren, in der Hierarchie hoch angesiedelten Journalisten wie eben Eduard Rhein und Georg Meyer so groß gewesen sein, daß Fragen nach den Lebensläufen der älteren Vorgesetzten nicht angebracht erschienen. Hinzu kam, daß die Berufsanfänger der Hitlerjugend-Generation entstammten, also einer Alterskohorte, die vollständig im Nationalsozialismus sozialisiert worden war und sich zum Teil stark mit dem Regime identifiziert hatte. Gabriele Rosenthal hat anhand lebensgeschichtlicher Interviews festgestellt, daß sich Angehörige der HJ-Generation einerseits besonders stark mit dem NS-Regime identifizierten und nach der Kriegsniederlage zunächst eine starke Orientierungskrise durchlebten. Andererseits mußten diese Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die 1945 am Anfang ihrer Berufskarriere standen, sich viel stärker auf die neue gesellschaftliche Realität einlassen als ältere Generationen. Darüber hinaus war es eine verbreitete Entlastungsstrategie, das „Dritte Reich“ zu entpolitisieren. Die eigene Vergangenheit und Verstrickung in das politische System des Nationalsozialismus wurde verharmlost und aus dem politischen Zusammenhang gelöst. In diesem Herauslösen der eigenen Vergangenheit aus der kollektiven politischen Vergangenheit waren sich die Generationen einig. Man unterließ die Konfrontation und entging somit der Gefahr, auf die eigenen Widersprüche angesprochen zu werden.119 Aus diesen Gründen bestand vermutlich auch innerhalb der HÖR ZU!-Redaktion von mehreren Seiten das Interesse, den Nationalsozialismus als ein überwundenes Kapitel abzutun und nach vorne zu schauen: „Jeder war glücklich, wieder Arbeit zu haben und mit aufbauen zu dürfen“,120 umschrieb Eduard Rhein die Aufbaueuphorie jener Jahre, hinter der die Frage nach individueller und kollektiver Schuld unangetastet zurücktreten durfte.

Mit der Währungsreform und der Aufgabe des Lizenzzwangs im September 1949 verstärkte sich dieser Trend, da es nunmehr wieder ungehinderte Zugangsmöglichkeiten für Journalisten zur Presse gab. Die Leitung der einzelnen Ressorts sowie der Außenstellen – sie stellten wichtige Schlüsselpositionen in der Redaktionsorganisation dar – übertrug Eduard Rhein mit Ausnahme von Georg Meyer nun ehemaligen „Ullsteinern“, die er aufgrund ihrer beruflichen Sozialisation für kompetent hielt. Außerdem ist zu vermuten, daß ihm die früheren Kollegen besonders loyal gegenüber standen. So besetzte er zum Beispiel die 1949 gegründete Berliner Redaktionsfiliale mit Annemarie Richnow, seiner ehemaligen Sekretärin bei „Sieben Tage“ und „Hier Berlin“.121 Aus dem früheren Berliner Großverlag kam auch der Chef der Romanredaktion Horst Claus. Er hatte bereits bei der BIZ dieses Ressort geleitet.122 Die Programmredaktion unterstand ab 1948 Johannes Georg von Cramer, der ebenfalls vor dem Krieg bei Ullstein gewesen sein soll. Mitte der fünfziger Jahre übernahm dann Cyril E. Hart das 15 Personen umfassende Ressort, welches er bis 1966 inne hatte.

Verantwortlich für die Bildgestaltung von HÖR ZU! war ab 1950 Wolf Kürten. Er hatte einen ungebrochenen Karriereweg hinter sich, der für die von Rhein präferierten Mitarbeiter typisch ist. Kürten, Jahrgang 1909, kannte Rhein vermutlich noch von der „Sieben Tage“, für die der gelernte Funktechniker und promovierte Dr. phil. für kurze Zeit als Chefkorrespondent tätig gewesen war. Später arbeitete er als Dramaturg beim Mitteldeutschen Rundfunk in Leipzig und als Bildredakteur bei einer dortigen Modezeitschrift. Bereits am 1. April 1933 war Kürten in die NSDAP eingetreten.123 1934 hatte er eine Stellung als Referent im Zentrallektorat der „Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums“, die Alfred Rosenberg, dem Beauftragten für die gesamte geistige und weltanschauliche Erziehung der NSDAP, unterstand.124 Ab Februar 1936 leitete Kürten hauptberuflich die Fachzeitschrift „Der Vertrieb“.125 Nach 1945 hatte er keine Probleme, seine Karriere fortzusetzen. Er arbeitete als innenpolitischer Redakteur an einer großen Münchener Tageszeitung und war von 1948 bis 1950 Leiter des Feuilletons einer schleswig-holsteinischen Zeitung, bis er dem Ruf von Eduard Rhein zur HÖR ZU! folgte.126

Neben den genannten Personen hatte Fritz Fillies, ehemaliger Chefredakteur der „BZ am Mittag“, eine strategisch wichtige Position bei HÖR ZU! inne.127 Fillies war ab 1950 für den Aufbau der HÖR ZU!-Außenstelle in Stuttgart und später in München zuständig, der er bis 1966 vorstand. Er besaß hervorragende Kontakte vor allem zu CDU-nahen Kreisen und informierte Eduard Rhein und Axel Springer vertraulich über wichtige rundfunkpolitische, organisatorische und personelle Vorgänge bei den Rundfunkanstalten. Fillies verfügte über einen ähnlichen politischen und beruflichen Hintergrund wie Wolf Kürten und hatte seine Karriere wie dieser während des Nationalsozialismus „erfolgreich“ ausbauen können. Nach dem Studium der Literatur, Kunstgeschichte und Volkswirtschaften und einer staatswissenschaftlichen Promotion hatte der 1900 in Herford geborene Fillies 1924 mit journalistischen Arbeiten begonnen: Zunächst als Redakteur beim „Herforder Kreisblatt“, dann reüssierte er als politischer Ressortleiter bei der „Magdeburgischen Zeitung“, wo er schließlich „Chef vom Dienst“ wurde. Als ehemaliger Soldat und Freikorpskämpfer war Fillies eindeutig konservativ-militaristisch orientiert. Am 28. April 1933 trat er in die NSDAP ein und meldete sich als Freiwilliger zur Reichswehr.128 Zeitgleich wechselte Fillies nach Berlin und arbeitete als Vertreter für mehrere deutsche Tageszeitungen. 1935 machte er einen deutlichen Karrieresprung und avancierte zum Hauptschriftleiter der „BZ am Mittag“. Bei Kriegsbeginn meldete sich Fillies freiwillig zum Kompanieführer im Polenfeldzug und wurde 1940 an die Westfront versetzt, wo er als PK-Kriegsberichterstatter zum Einsatz kam.129 Seine Propagandaberichte – vor allem in der „BZ am Mittag“ abgedruckt – beurteilte das Oberkommando der Wehrmacht als „hervorragend, allererste Klasse“.130 In der unmittelbaren Nachkriegszeit schien Fillies berufliche Probleme gehabt zu haben. Doch ab 1947 konnte er seine Karriere als Verlagsbeauftragter des Verlags Hammerich & Lesser fortsetzen.

Nicht nur hinter den „Kulissen“, sondern auch bei der Erstellung der unterhaltenden Rubriken von HÖR ZU! setzte Rhein fast ausschließlich auf Kollegen, die ihre publizistische Qualifikation bereits in der Weimarer Republik und/oder im Dritten Reich erhalten hatten. Als Exempel für die beruflichen Kontinuitäten im Feld des Unterhaltungsjournalismus und die Polyvalenz unterhaltend-literarischer Stoffe in verschiedenen politischen Systemen sei der berufliche Werdegang des Journalisten und Schriftstellers Hans-Rudolf Berndorff genannt, der ab 1948 mehrere Romane in HÖR ZU! veröffentlichte.131 Berndorff, Jahrgang 1895, hatte nach einer Ausbildung in Schauspielregie und -dramaturgie ab 1925 als Chefreporter für verschiedene Publikationen des Ullstein-Verlags gearbeitet und war mit Artikelserien über Schiffsuntergänge, Kriminalfälle, Weltreisen und Expeditionen bekannt geworden.132 Während des Nationalsozialismus war der aktive Kriegsteilnehmer und ehemalige Freikorpskämpfer, seit 1933 Mitglied einer SS-Standarte, als Autor wohlgelitten.133 Zwischen 1933 und 1940 veröffentlichte er unter seinem Namen sowie unter den Pseudonymen Rudolf van Wehrt und Hans Rudolf allein in der BIZ 19 Romane und Tatsachenberichte, die allesamt im Ullstein- bzw. Deutschen Verlag als Bücher erschienen. Auch im Zweiten Weltkrieg mochte Goebbels auf Berndorffs populäre Unterhaltungsstoffe nicht verzichten. Seine Werke galten als „kriegswichtig“, und das Propagandaministerium bemühte sich, dem Buch- und mittlerweile Filmautor Berndorff bis 1945 optimale Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.134 Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte Berndorff seine Karriere trotz seiner Mitgliedschaft bei der SS bruchlos fortsetzen. Der für den Aufbau der Nachrichtenagentur „German News Service“ zuständige konservative britische Presseoffizier Sefton Delmer schleuste Berndorff, dessen frühere Berliner Reportagen er schätzte, durch den „Fragebogen-Schlamassel“,135 so daß dieser als Reporter des Nachrichtendienstes und darüber hinaus als Korrespondent für den „Manchester Guardian“ arbeiten konnte. Für Eduard Rhein schien die Tatsache, daß Berndorff während des Dritten Reichs seine größten Erfolge gefeiert hatte, kein Hindernisgrund gewesen zu sein, den von ihm hochgeschätzten Schriftsteller für HÖR ZU! zu gewinnen. Im Gegenteil: Der Chefredakteur kalkulierte die bestehende Popularität Berndorffs bewußt ein, um dessen Romane anzupreisen: „Auch Sie erinnern sich gewiß seiner aufsehenerregenden Romane und Tatsachenberichte in der alten Berliner Illustrirten Zeitung.“136 Die Arbeiten von Berndorff erfreuten sich solcher Beliebtheit, daß Rhein Anfang der fünfziger Jahre mehrmals Werke des ehemaligen BIZ-Autors exklusiv präsentierte.137

Zu einem der wichtigsten „freien“ Mitarbeiter bei HÖR ZU! avancierte ein weiterer Kollege aus „Ullstein“-Tagen, der Rundfunkmitarbeiter, Publizist und „Lebensberater“ Walther von Hollander. Hollander, Jahrgang 1892, hatte seit den späten zwanziger Jahren zahlreiche Artikel zur Lebens- und Eheführung sowie zur Sexualerziehung in den Publikationen des Ullstein-Verlags verfaßt.138 Während des Dritten Reichs verhielt sich Hollander unauffällig, als Autor von „unpolitisch“-unterhaltenden Stoffen gelang es ihm, seinen Bekanntheitsgrad zu steigern.139 So schrieb er mehrere Unterhaltungsromane sowie mindestens zwölf Spielfilm-Drehbücher (zum Teil als Mitautor) für die Ufa und andere Filmgesellschaften. Im Mittelpunkt standen Frauenschicksale, Liebesgeschichten oder Abenteuer. 1937 brachte die BIZ sein Buch „Der Mensch über Vierzig“ in einer Serie als Vorabdruck.140 Nach dem Erscheinen der Serie wandten sich zahlreiche Leserinnen mit Eheproblemen an ihn, die er privat beantwortete. Ebenso erfolgreich wurde das 1939 in der gleichen Zeitschrift vorab veröffentlichte Ehebuch „Das Leben zu Zweien“, für das die Reichsschrifttumskammer – nachdem schon 60 000 Exemplare verkauft worden waren – kein Papier mehr bewilligte.141 Grund dafür könnte nicht zuletzt Hollanders Mitgliedschaft in der Schriftstellervereinigung „Gruppe 1925“ gewesen sein, der unter anderem Johannes R. Becher, Alfred Döblin und Hermann Kasack angehörten.142 Goebbels, so bemerkte Hollander später in einem Interview, habe ihn jedoch trotz mancher Bedenken geduldet, weil er den kultivierten Unterhaltungsroman brauchte.143 Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte Hollander, der ebenso wie Eduard Rhein der NSDAP nicht beigetreten war, seine publizistische Tätigkeit fort. Beim NWDR betreute er in den unmittelbaren Nachkriegsjahren unter anderem die Sendung „Der Hörer hat das Wort“, in der er anhand von Hörerzuschriften die psychologischen Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs auf Männer, Frauen und Jugendliche schilderte.144 In den fünfziger und sechziger Jahren blieb Hollander als Lebensberater tätig.145 Hollanders Biographie ist ein weiteres Beispiel dafür, wie ein Journalist im Dritten Reich tätig sein konnte, ohne sich politisch zu verstricken.

Neben liberalen Mitarbeitern wie Walther von Hollander beschäftigte Eduard Rhein allerdings auch politisch schwer belastete Nationalsozialisten. Nach der Aufgabe des Lizenzzwangs konnten sie in der Presse ohne Probleme wieder eingestellt werden. Rhein machte von dieser Möglichkeit Gebrauch, vermutlich weil ihm diese Personen loyal gegenüberstanden und nicht in der Position waren, Forderungen zu diktieren. Dies traf im besonderen Maße für die beiden Mitarbeiter Bernhard Löschenkohl und Wilhelm Petersen zu. Löschenkohl, Romanredakteur bei HÖR ZU!, hatte sich 1948 zuerst unter einem falschen Namen bei der von Eduard Rhein mitredigierten Zeitschrift „Kristall“ beworben.146 Die Strategie, sich unter einem Decknamen zu bewerben, hatten nicht wenige ehemalige NS-Redakteure angewendet, um in den unmittelbaren Nachkriegsjahren in die Presse zurückzukehren.147 Löschenkohl jedenfalls hatte als ehemaliger Geschäftsführer des Hamburger Gaupresseamts allen Grund dazu. 1911 in der Hansestadt geboren, hatte er zwischen 1929 und 1933 seine journalistische Ausbildung beim „Hamburger-Acht-Uhr-Abendblatt“ sowie in der Hamburger Schriftleitung der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ (DAZ) erhalten. Seit März 1933 arbeitete Löschenkohl – er war bereits am 1. August 1932 der NSDAP beigetreten – als Schriftleiter für das „Hamburger Tageblatt“, dem gauamtlichen Organ der NSDAP, dessen Redaktion er bis 1944 angehörte.148 Als überzeugter Nationalsozialist, seit 1944 zudem Schütze bei der Waffen-SS, dessen politische Haltung und weltanschauliches Wissen als „gefestigt“ und „umfassend“ galten, hatte sich Löschenkohl noch im Oktober 1944 um einen Platz in der SS-Führerschule beworben.149 Seine Vergangenheit schien für Rhein durchaus nützlich gewesen zu sein. Denn Löschenkohl – er schrieb für die Programmzeitschrift mehrere erfolgreiche Romane – war von der Erwerbsarbeit bei HÖR ZU! abhängig und konnte von Rhein nach Belieben unter Druck gesetzt werden.150 Zudem verstand er es meisterhaft, die Rhein’schen Vorgaben umzusetzen und von Woche zu Woche spannungsgeladene Dialoge und raffinierte Handlungsmuster zu produzieren.151 Die Zusammenarbeit mit dem alkoholkranken und psychisch labilen Journalisten währte bis Ende 1952. Dann verließ Löschenkohl die Redaktion, weil er sich der enorm hohen Arbeitsbelastung nicht mehr gewachsen sah.152 Er ist ein prägnantes Beispiel für jene nationalsozialistischen Propagandisten, die nach 1945 in die „unpolitische“ Unterhaltungsproduktion abwanderten und so im Medienbetrieb tätig blieben.

Noch stärker als Löschenkohl hatte sich der Zeichner Wilhelm Petersen – er erstellte ab 1949 zahlreiche Illustrationen für HÖR ZU! – im Dritten Reich exponiert. Die Karriere des 1900 in Elmshorn geborenen Malers war mit dem Nationalsozialismus aufs engste verknüpft gewesen. Petersen hatte das Ende des Ersten Weltkriegs als freiwillig gemeldeter Soldat der Infanterie erlebt und 1919/20 als Freikorpskämpfer der berüchtigten „Marinebrigade Ehrhardt“ am „Kapp-Putsch“ teilgenommen. In den Jahren 1924/25 unternahm er ausgedehnte Reisen nach Schweden, Norwegen und Dänemark, die im Kontext der völkisch-ideologisch motivierten „Nordlandfahrten“ standen. 1927 ging Petersen nach Berlin, wo er bis 1933 für verschiedene Zeitungen und Zeitschriften unter anderem des Ullstein-Verlags arbeitete.153 In diesem Zeitraum dürfte auch die Bekanntschaft zu Eduard Rhein entstanden sein, da Petersen 1933 Illustrationen für den Programmteil der „Sieben Tage“ erstellte. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme ging es mit der Karriere des Malers – ohnehin schon Mitglied der NSDAP und der SA – steil aufwärts.154 Mit Darstellungen des „Volkslebens“ sowie der Verarbeitung germanischer Sagen und Mythen zog Petersen die Aufmerksamkeit des Reichsleiters der NSDAP, Hans Rosenberg auf sich.155 Nach diversen Auftragsarbeiten und Einzelausstellungen präsentierte die NS-Kulturgemeinde Anfang 1937 eine „Gesamtschau des holsteinischen Malers und Bildhauers“.156 Als Prototyp des nationalsozialistischen Künstlers wurde Petersen mit Auszeichnungen überhäuft und 1938 schließlich von Adolf Hitler zum Professor für bildende Künste ernannt.157 Wie sehr seine Bilder dem zutiefst rassistisch geprägten, nationalsozialistischen Ideal vom arisch-nordischen Herrenmenschen entsprachen, belegt das Zitat eines SS-Leithefts:

Deshalb sind die Bauern- und Fischergestalten aus Petersens Heimat nicht nur vorbildlich für die Volksmalerei überhaupt geworden, sondern es ist ihm auch gelungen, durch die Darstellung der ewigen Züge im rassegeformten Antlitz und Körper deutscher Menschen Gegenwart und Vergangenheit zu einer untrennbaren Einheit zu verschmelzen. In Gemälden wie der ‘Jungen Friesin’, in seinen nordischen Wikingergestalten, vor allem aber im Kopf des ‘Hagen’ und ‘Siegfried’ sowie in den zarten Aktzeichnungen und schließlich in der Holzplastik ‘Embla’ hat er unserer Zeit ‘sein verjüngtes nordisches Schönheitsideal geschaffen’. [...] Hier kämpft nicht mehr ein Bild, sondern das Bildnishafte ist hier zum eingeborenen rassischen Wunschbild der deutschen Frau gesteigert, wie es uns im Blute schlummert. Dieses stolze und doch von herber Anmut beseelte Mädchenkann als Leitbild idealer Gattenwahl aufgefaßt werden!158

Im Zweiten Weltkrieg wurde der „Bildner des nordischen Menschen“ zum „Kriegsmaler der SS“.159 Als zeichnender Kriegsberichterstatter nahm Petersen am Überfall auf Polen und als Untersturmführer der Waffen-SS an den Feldzügen in Holland, Belgien, Frankreich, Serbien und Rußland teil. Für seinen „fanatischen“ zeichnerischen wie kämpferischen Einsatz wurde ihm das „Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer I“ verliehen.160 Höhepunkt seiner Karriere im Dritten Reich dürfte für den Nationalsozialisten die Berufung in den „Persönlichen Stab des Reichsführer SS“, Heinrich Himmlers, 1943 gewesen sein.161 Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte Eduard Rhein als einziger Chefredakteur den „Nazi-Professor“. In der Nachkriegszeit hatte der ehemalige nationalsozialistische Vorzeigekünstler große finanzielle Probleme. Im Gegensatz zu anderen erfolgreichen HÖR ZU!-Illustratoren wie beispielsweise Reinhold Escher konnte er daher keine finanziellen Bedingungen stellen.162 In der Redaktion ließ Eduard Rhein den Maler vorsichtshalber nicht in Erscheinung treten. Erst nach einigen Jahren erfuhren die Mitarbeiter, so Karl-Heinz Mose, daß Petersen im Dritten Reich ein bekannter Propagandazeichner gewesen war.163 Wilhelm Petersen, der in späteren Jahren auch für die Industrie eine Anzahl von Sammelbildalben ausstattete und für verschiedene Verlage Märchenbücher produzierte, blieb bis zu seinem Tod im Mai 1987 ein unverbesserlicher Nationalsozialist.164

Nicht nur im unterhaltenden Bereich, sondern auch bei der rundfunkbezogenen Berichterstattung und Kommentierung setzte Rhein auf Kontinuität. Mit Gerhard Eckert und Kurt Wagenführ gewann er zwei ebenso prominente wie einflußreiche Fachjournalisten, die wie er selbst bereits seit den dreißiger Jahren in der Programmpresse tätig und an der populären Berichterstattung über das Medium Fernsehen beteiligt gewesen waren. Während Rhein Kurt Wagenführ schon 1946 in dessen Funktion als Leiter der Presseabteilung des NWDR kennengelernt hatte, dürfte der Kontakt zu Gerhard Eckert Anfang 1949 entstanden sein, als der HÖR ZU!-Chefredakteur gemeinsam mit ihm, Wagenführ und anderen Fachjournalisten, „die die Fernsehentwicklung fast ein Jahrzehnt lang in Berlin beobachtet hatten“, die Pläne zum Aufbau eines Versuchsfernsehens beim NWDR publizistisch forcierten.165 Da Eckert und Wagenführ den öffentlichen Diskurs um die Organisation der Rundfunkmedien und ihrer Programme in den fünfziger und sechziger Jahren mitbestimmten, sei hier kurz auf ihre publizistischen Biographien eingegangen.

Mehr als fünf Jahrzehnte galt Kurt Wagenführ (Jahrgang 1903) als „Nestor“ der Fernsehkritik in Deutschland. Seine Laufbahn als Journalist hatte der promovierte Jurist 1925 begonnen, als er im Ressort für Innenpolitik bei der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“ volontierte. Ab März 1930 leitete er die Pressestelle der „Deutschen Welle“ (Berlin), wo er unter anderem Hörerpost bearbeitete und statistische Daten zu den Rundfunkteilnehmern erhob. Aufgrund der knappen personellen Ausstattung des Senders war Wagenführ gelegentlich auch als Regieassistent und Ansager tätig – auch einzelne Programmbeiträge, wie etwa die Arbeitslosenhörfolge „Ohne Arbeit“ sind von ihm dokumentiert.166 Nach seiner fristlosen Entlassung am 1. April 1933, die im Zusammenhang mit den personellen Entlassungen im Rundfunk nach der nationalsozialistischen Machtübernahme stand, arbeitete Wagenführ als freier Fachjournalist für Hörfunk und internationale Rundfunkfragen für die Wochenzeitung „Deutsche Zukunft“, die Tageszeitungen „Berliner Tageblatt“ und „Berliner Lokalanzeiger“ sowie die Programmzeitschriften „Deutsche Radio-Illustrierte“, „Funkzeitung“, „Europa-Funk, „Funkwacht und „Hier Berlin und alle deutschen Sender“.167 Nach dem Start des ersten offiziellen Fernsehprogrammbetriebs im März 1935 betätigte sich Wagenführ als publizistischer Förderer und Begleiter des neuen Mediums. Ein unabhängiger kritischer Diskurs über das von den Nationalsozialisten als technisches Vorzeigemedium usurpierte Fernsehen konnte freilich nicht entstehen, hatte die Fernsehkritik im Sinne der Kunstbetrachtung doch ausschließlich die Leistungen des Fernsehprogramms zu betonen und seine ideologischen Botschaften zu verstärken.168 Wagenführ sprach Kritik – wenn überhaupt – nur indirekt aus und würdigte das Programm mehr, als daß er es analysierte. Ähnlich wie Eduard Rhein, der das Fernsehen zu jener Zeit aus einer ausschließlich technischen Perspektive beobachtete, sah sich Wagenführ fast ganz als „Fernsehmann“, als Mitverantwortlicher für dieses Wunder der Technik, als wohlwollender Gutachter, kenntnisreicher Betrachter und Propagandist des Neuen.“169 Dementsprechend ausgeklammert blieben institutionelle Aspekte, Fragen der Ökonomie sowie alle grundsätzlichen Erörterungen von Sinn und Zweck, gesellschaftlicher Funktion und politischer Bedeutung des Mediums. Auch wenn Wagenführ das Fernsehen als eine Einrichtung gesehen hat, die es unabhängig durch die Indienstnahme der NS-Machthaber zu fördern galt, erfüllte er mit seinen eher nüchtern-sachlichen Berichten dennoch das ideologische Kalkül der Nationalsozialisten, wenn er das Fernsehen als technische Leistung feierte. So ging Wagenführ beispielsweise bei seinem Bericht über die erste Fernsehübertragung des Reichsparteitages 1938 mit keinem Wort auf die politischen Inhalte ein, sondern pries die Leistungen der Übertragungstechnik.170 Neben der journalistischen Tätigkeit suchte Wagenführ, seine detaillierten Kenntnisse der Funkmedien auch im universitären Bereich zu etablieren. Seit dem Wintersemester 1938/39 übernahm er Lehraufträge für Rundfunkkunde an der Berliner Hochschule für Politik sowie an der Leipziger Universität. 1941 gründete er das „Institut für Rundfunkkunde“ an der Berliner Universität und eröffnete – nachdem er bereits 1937 die Fachzeitschrift „Welt-Rundfunk“ initiiert hatte – mit den „Studien zum Weltrundfunk und Fernsehrundfunk“ eine eigene wissenschaftliche Schriftenreihe.171 ln diesen Aktivitäten und guten Verbindungen zu maßgeblichen Rundfunkstellen hatte Wagenführ es zu verdanken, daß er erst im letzten Kriegsjahr als Soldat eingezogen wurde.

Zahlreiche Würdigungen des bekannten Fernsehpublizisten und Ehrenmitglieds des „Studienkreis für Rundfunkgeschichte“ und anderen Institutionen ignorieren bis heute die Tatsache, daß Wagenführs berufliche Karriere, auch wenn er der NSDAP nicht beitrat, im Dritten Reich nicht ohne die Nationalsozialisten, sondern vielmehr mit ihnen erfolgte. So war Wagenführ seit Anfang 1935 als Geschäftsführer des „Reichsausschusses für freie Mitarbeiter“ im RDP institutionell eingebunden und arbeitete, obwohl er nach der Machtübernahme zunächst von verschiedenen Stellen als „Systemrundfunkmann“ diffamiert worden war, schließlich eng mit dem Leiter der Rundfunkabteilung im RMVP, Hans Fritzsche, zusammen, der von seinen internationalen Rundfunkkenntnissen profitierte.172 Daß es bei dem Rundfunkpublizisten beim reinen „Durchschlängeln“ durch Verordnungen und Verbote und beim „Zwischen-den-Zeilen-Schreiben“ im Dritten Reich nicht geblieben war,173 stellten auch die britischen Kontrolloffiziere fest, so daß sie Wagenführ als Leiter der Pressestelle des NWDR Mitte 1947 kündigten.174 Nach seiner Entlassung arbeitete Wagenführ als freier Journalist in Hamburg, wo er zahlreiche Fernsehkritiken und rundfunkpolitische Leitartikel für Fachkorrespondenzen und ab 1950 für die Programmpresse, unter anderem für „Funk und Familie“ sowie „Hören und Sehen“, schrieb.175 Um die Entwicklung des Fernsehens publizistisch voranzutreiben, gründete Wagenführ zudem mehrere eigene Fachzeitschriften, wie etwa „Rundfunk und Fernsehen“ (1948) und „Fernsehen“ (1953). Als Mitbegründer des „Arbeitskreises für Rundfunkfragen“ setzte er sich in zahlreichen Analysen, Vorschlägen und Memoranden für die Transparenz der Funkhäuser, für öffentliche Sitzungen der Gremien sowie für die Offenlegung ihrer Finanzen ein, wobei er eine zentrale Organisation des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems favorisierte.176 Für HÖR ZU! verfaßte er vor allem zwischen 1955 und 1962 nicht nur eine Vielzahl von Leitartikeln – auch hinter den Kulissen fungierte er dank seiner vielfältigen Kontakte zu Rundfunkpersönlichkeiten für Eduard Rhein als wichtiger Informant für aktuelle Interna, Entscheidungen und Diskussionen aus den Sendeanstalten.177 Parallel zu seinen publizistischen Aktivitäten war Wagenführ bestrebt, die Rundfunkkunde in Westdeutschland nach 1945 institutionell zu reetablieren. Die Gründung des Hamburger „Hans-Bredow-Instituts“ ging wesentlich auf sein Engagement zurück. Ferner arbeitete er zwischen 1947 und 1957 als Lehrbeauftragter für Rundfunk und Fernsehen an den Universitäten Hamburg und Münster. 1962 wechselte er als Pressereferent zum Deutschlandsender nach Köln – diese Stellung hatte er bis zu seiner Pensionierung 1969 inne. Bis zu seinem Tod 1987 blieb Wagenführ als freier Fachjournalist tätig.

Gerhard Eckert, Jahrgang 1912, hatte ab 1932 in Berlin Zeitungswissenschaft als Hauptfach sowie Germanistik und Kunstgeschichte studiert. 1936 promovierte er bei Emil Dovifat zur „Gestaltung eines literarischen Stoffes in Tonfilm und Hörspiel“.178 Danach begann Eckert neben einer Tätigkeit als Assistent in der Zeitschriftenabteilung des Instituts für Zeitungswissenschaft als freier Journalist zu arbeiten.179 Für die „Berliner-Börsen-Zeitung“ und die „Deutsche Radio-Illustrierte“ schrieb er erste Fernsehkritiken und avancierte neben Kurt Wagenführ im Dritten Reich zu einem der wichtigsten Beobachter der Entwicklung des Fernsehens.180 Hatte sich Eckert zunächst bemüht, den nationalsozialistischen Sprachduktus zu vermeiden, argumentierte er in seiner 1937 veröffentlichten Untersuchung „Der Zeitungsroman von heute“ explizit antisemitisch, wenn er forderte, daß auch „der letzte jüdische Anteil“ am Zeitungsroman verschwinden müsse, damit dieser sich zu einem Unterhaltungsmittel entwickeln könne, [...] das in seinem inneren Gehalt den Erfordernissen des nationalsozialistischen Staates voll entspricht.“181 Auch in seinen Artikeln redete Eckert Ende der dreißiger Jahre immer deutlicher der NS-Ideologie das Wort, so daß die „Nationalsozialistische Rundfunkkorrespondenz“ den umtriebigen Journalisten 1940 zu „unseren besten Rundfunkschriftleitern“ zählte.182 Wenn Eckert rückblickend schildert, daß er im Dritten Reich weitestgehend ungestört arbeiten konnte,183 hing dies vor allem mit seiner ausgeprägten ideologisch-politischen Konformität zusammen. 1940 trat Eckert der NSDAP bei, was ihm die Beförderung zum Referenten des Zeitungswissenschaftlichen Instituts einbrachte. Eine enge Zusammenarbeit mit Kurt Wagenführ ergab sich, nachdem dieser das Institut für Rundfunkkunde gegründet hatte. In diesem Forschungskontext habilitierte sich Eckert 1941 mit dem Thema „Der Rundfunk als Führungsmittel“.184 Hier argumentierte er gemäß der nationalsozialistischen Propagandaauffassung, daß der Rundfunk a priori ein herrschaftspolitisches Medium sei, welches erst durch das nationalsozialistische Propagandasystem seine volle Wirkung entfalten konnte.185 Trotz seiner Habilitation und seines Beitritts in die NSDAP erhielt Eckert keine Professur, so daß er 1942 zum Kriegsdienst beim „Soldatensender Belgrad“ eingesetzt wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gelang es Eckert weder, sich am Rundfunk noch in der neugegründeten Publizistikwissenschaft zu etablieren.186 Gleichwohl blieb er auch in der Bundesrepublik ein einflußreicher Rundfunkpublizist. Unter Pseudonymen schrieb er für mehrere Hamburger Programmzeitschriften und für andere Fachkorrespondenzen sowie für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Für HÖR ZU! war Gerhard Eckert zwischen 1951 und 1954 tätig. Während dieser Zeit setzte sich Eckert für die Institutionalisierung einer systematischen Hörerforschung außerhalb der Rundfunkanstalten ein und formulierte mit seiner vielbeachteten Poetik „Die Kunst des Fernsehens“ den Anspruch einer fernsehspezifischen Sendungs- und Programmgestaltung, die eng an diesbezügliche Konzeptionen der dreißiger Jahre angelehnt war.187 1951 wurde er neben seinen publizistischen Aktivitäten und seinem Amt als Geschäftsführer des „Arbeitskreises für Rundfunkfragen“, „Bevollmächtigter“ der Fachgruppe Rundfunk-Programmzeitschriften im Bundesverband Deutscher Zeitschriften-Verleger“.188 Aus seiner Ablehnung des öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems, wie es von den Alliierten festgelegt worden war, machte Gerhard Eckert keinen Hehl. Schon frühzeitig favorisierte er ein kommerzielles Rundfunksystem und bereitete ab 1955 mit Unterstützung der CDU-Regierung in einer Reihe von rundfunkpolitischen Kampfschriften einem privaten Zweiten Fernsehen kommunikationsideologisch den Boden.189 Als Chefdramaturg und stellvertretender Programmleiter der Produktionsgesellschaft „Freies Fernseh GmbH“ erstellte Eckert ab 1960 die Programme für die von Adenauer ins Leben gerufene „Deutschland-Fernsehen-GmbH“, bis diese durch das von den Bundesländern erzwungene „Fernsehurteil“ 1961 abgeschafft wurde.190 Mit dieser Niederlage beendete Eckert seine fernsehpolitischen Ambitionen und publizistischen Aktivitäten in diesem Metier weitgehend.

Die exemplarisch beschriebenen Karrieremuster wichtiger HÖR ZU!-Mitarbeiter lassen bedeutsame biographische Gemeinsamkeiten erkennen. Die meisten Redakteure besaßen eine akademische Ausbildung zum Teil mit Promotion. Fast alle hatten ihre journalistische Tätigkeit in der Weimarer Republik begonnen und waren während des Dritten Reichs im Pressemetier mehr oder weniger erfolgreich tätig geblieben. Allerdings differierte der Grad der Einbindung in das NS-Regime erheblich: von der Mitarbeit bei unterhaltenden, vergleichsweise liberalen Publikationen ohne Parteimitgliedschaft bis zum Funktionär der NSDAP und SS, dessen gesellschaftlicher Aufstieg sich vollständig aus dem Kontext des Dritten Reichs ergab. Diese Tatsachen stellte allerdings keinen Hinderungsgrund für eine Anstellung bei HÖR ZU! dar. Für Eduard Rhein markierten fachliche Qualifikation und die in den dreißiger Jahren erworbene Professionalität wichtige Einstellungskriterien. Er bevorzugte Redakteure, die wie er selbst die Medienentwicklung im Dritten Reich aktiv geprägt hatten und vielfältige Erfahrungen besaßen, um die Unterhaltungsbedürfnisse der Menschen zu befriedigen.

4 Von der „Rundfunkzeitung des NWDR“ zur „größten deutschen Familienzeitschrift“

Kein Ereignis hat sich so umfassend in das kollektive Gedächtnis der bundesrepublikanischen Gesellschaft eingegraben wie die Währungsreform, die das Ende der „Zusammenbruchsgesellschaft“191 symbolisierte. Mit ihr wird bis heute das sogenannte „Wirtschaftswunder“ der fünfziger Jahre verbunden.192 Auf den Pressemarkt wirkte sich die mit der Währungsreform einher gehende Kapitalverknappung in mehrfacher Weise aus, da sich praktisch über Nacht das Kaufverhalten änderte. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung mußte äußerst sparsam haushalten, und viele Menschen sahen sich gezwungen, ihr Zeitungs- oder Zeitschriftenabonnement zu kündigen. War sich die Lizenzpresse ihres Absatzes bis dato sicher, so hatte sie nunmehr um die Gunst der Leser zu werben. Wenn es den Presseunternehmen nicht gelungen war, die Gewinne der letzten Jahre in Produktionsmittel zu investieren, wurden diese nun von dem niedrigen Umstellungskurs betroffen. Infolgedessen gerieten die Verlage, sofern sie nicht über eigene Druckereien verfügten, in wachsende Abhängigkeit von den Druckereibesitzern, die in der Regel „Altverleger“ waren. Der Kapitalmangel der Zeitungs- und Zeitschriftenbetriebe reduzierte darüber hinaus auch die Erwerbsmöglichkeiten der zahlreichen freien Journalisten. Dennoch barg die Währungsreform für die Presse äußerst positive Entwicklungen in sich. Die Verbesserung der Rohstoffversorgung führte zu einer merklichen Produktionssteigerung von Druckpapier in Westdeutschland. Hinzu kamen Papierimporte, die aus Mitteln des „European Recovery Plan“, bekannt als „Marshall-Plan“, bezahlt wurden. Mit dem Ende der Papierkontingentierung wurde die Auflagenbeschränkung aufgehoben, und die für die verschiedenen Pressegattungen festgelegten Seitenumfänge wurden gelockert.193 Zudem durften in der britischen Zone ab dem 3. Juli 1948 Anzeigen in Zeitschriften doppelt soviel wie zuvor, nämlich ein Viertel des Heftumfangs und ab Dezember 1948 sogar 40 Prozent desselben einnehmen.194 Damit begann unter den Zeitschriften und Zeitungen der ökonomische Wettbewerb.

Von dem darauffolgenden Zeitschriftensterben waren die seit 1945 zahlreich gegründeten politisch-kulturellen Publikationen mit ihrem hohen moralischen Anspruch und Erziehungs-, Aufklärungs- und Bildungsethos am stärksten betroffen.195 Nach einer – aus Ermangelung an anderen Presseprodukten – breiten Rezeption dieser Zeitschriften hatte das Gros der Leserinnen nach der Währungsreform wieder die Möglichkeit, ihren schon länger bestehenden Bedarf nach „unpolitischer“ Unterhaltung und Zerstreuung zu decken. Schon 1947 hatte der Verband Westdeutscher Buch- und Zeitschriftenhändler e. V. festgestellt, daß in der britischen Zone ein Kaufpotential für unterhaltende Familienzeitschriften mit einer Auflage von insgesamt 6 200 000 Exemplaren bestünde.196 Dementsprechend zeichnete sich auf dem Zeitschriftenmarkt nun eine Tendenz ab, die nach der Aufhebung der Lizenzpflicht im September 1949, als die „Alt-Verleger“ wieder Presseprodukte gründen durften, noch stärker zum Ausdruck kam: das Interesse vieler Menschen an unterhaltender, zugleich sensationeller Lektüre und der Wunsch nach „bunten“ Bilderwelten. Die Zahl der neugegründeten Illustrierten und unterhaltenden Wochenzeitschriften stieg enorm an – die fünfziger Jahre sollten zur „eigentlichen Ära der visuell attraktiven Printmedien“ avancieren.197 Viele dieser Blätter knüpften – abzüglich der NS-Propaganda – wie HÖR ZU! in puncto Konzeption und Aufmachung an die Unterhaltungszeitschriften der Vorkriegszeit an und schienen damit vielen Lesermentalitäten zu entsprechen. Auf diese Weise hatte die Illustrierte „Quick“ ihre Auflage in den ersten beiden Monaten nach der Währungsreform verdreifachen können und auch die zunächst anspruchsvolle Theater- und Filmzeitschrift „Revue“ gewann nach ihrer konzeptionellen Umstellung auf den Typ der früheren BIZ doppelt soviele KäuferInnen hinzu. In den Redaktionen dieser beiden auflagenstarken Zeitschriften saßen wiederum Journalisten, die beim Ullstein- bzw. Deutschen Verlag – größtenteils bis kurz vor Kriegsende – bereits redaktionell tätig gewesen waren.198

Die genannten Faktoren waren auch für die Entwicklung der Rundfunkprogrammpresse bestimmend. Während in der neu gegründeten DDR das Rundfunkblatt „Der Rundfunk“ unter dem Schutz der Behörden nahezu ohne Konkurrenz blieb und – bis zur Auflösung der DDR mehrmals umbenannt – als einzige Rundfunkzeitschrift fortbestand, fielen in den drei Westzonen fast alle Programmzeitschriften der ersten Nachkriegszeit dem kapitalistischen Wettbewerb zum Opfer.199 Daß sich ihre Zahl von 24 Titeln 1948 innerhalb weniger Jahre auf zwölf reduzierte, hatte vor allem zwei Ursachen. Der erste Grund für das Zeitschriftensterben war die Aufhebung der Lizenzpflicht. Als die Zulassungsbeschränkungen 1949 in den Westzonen wegfielen, brachten viele „Alt-Verleger“ wieder ein eigenes Rundfunkblatt heraus. Anders als in der Tagespresse behielten sie bei dem Verdrängungswettbewerb in der Programmpresse die Oberhand, während die „Lizenzverleger“ meist schon nach kurzer Zeit aufgeben mußten. Der zweite Grund für das Zeitschriftensterben war die übermächtige Stellung, die sich HÖR ZU! bereits im Sendegebiet des NWDR erworben hatte. Andere Verleger hätten ihre Periodika viel eher gestartet, wenn ihre Lizenzanträge aufgrund des Monopols von HÖR ZU! nicht von den Briten abgelehnt worden wären. So hatte sich HÖR ZU! innerhalb von wenigen Jahren einen deutlichen Auflagenvorsprung erarbeitet. Als im Frühjahr 1949 der „Neue Westfunk“ in einer Auflage von unter 40 000 Exemplaren auf den Markt kam,200 hatte sich der Absatz von HÖR ZU! schon auf 750 000 wöchentliche Exemplare erhöht.

Doch auch für HÖR ZU! stellte die Währungsreform und das Ende des Lizenzzwangs im September 1949 in organisatorischer, wirtschaftlicher und konzeptioneller Hinsicht eine wichtige Zäsur dar. Zunächst veränderte sich die Zusammenarbeit mit dem NWDR grundlegend. Kurz vor der Währungsreform hatte die Rundfunkanstalt das Monopol von HÖR ZU! durchbrochen und begonnen, die Programme auch an andere Publikationen abzugeben. Daraufhin hatte die Zusammenarbeit mit den Rundfunkmitarbeitern schnell abgenommen. Ab Sommer 1948 stellten die Programmacher kaum noch eigene Sendungen in der Zeitschrift vor. Da der Abdruck des NWDR-Programms in anderen Publikationen honorarlos erfolgte, stornierte Axel Springer im Juli 1948 die jährliche Umsatzvergütung an den NWDR – im Jahr 1947 war dies immerhin eine Summe von 146040,93 DM201, um den freigesetzten Betrag in den Ausbau von HÖR ZU! zu investieren. Die Aufhebung der Papierbewirtschaftung nach der Währungsreform nutzte der Verlag Hammerich & Lesser, um eine nord- und eine westdeutsche Ausgabe von HÖR ZU! herauszubringen, die Auflage zu erhöhen und erste Werbekunden zu gewinnen, bevor in der britischen Besatzungszone weitere Programmzeitschriften auf den Markt kamen.202 Angesichts der zunehmenden Konkurrenz – 1949 gab es allein im Sendegebiet des NWDR bereits wieder vier Programmzeitschriften203 – wurde es immer wichtiger, den Hörenden mehr als nur die Sendefolgen und redaktionelle Programmankündigungen zu bieten. Da die Radioprogramme in beschränktem Umfang nun auch in Tages- und Wochenzeitungen abgedruckt wurden, bemühten sich die Rundfunkblätter darum, ihren Programmteil zu erweitern und ihre redaktionelle Berichterstattung unabhängig vom Rundfunk attraktiver zu gestalten.204 Angesichts der zunehmenden Konkurrenz warnte Eduard Rhein Axel Springer bereits im Mai 1949: „HÖR ZU! muß sich jetzt anstrengen und mehr bieten, besser werden, bevor die Konkurrenz uns dazu zwingt, sonst werden wir mit der Zeit einen schweren Stand bekommen.“ Daß dies überaus erfolgreich gelang, lag nicht zuletzt daran, daß die Zeitschrift aufgrund ihrer hohen Auflage und den daraus resultierenden Umsätzen allein in wirtschaftlicher Hinsicht über eine optimale Ausgangsposition verfügte.205

HÖR ZU! veränderte die deutsche Presselandschaft, konstatierte Hans-Dieter Müller 1968,206 weil sie nicht eine reine Rundfunkzeitung blieb, sondern sich zu einer Illustrierten mit Programm entwickelte. Neben der obligaten Rundfunkberichterstattung und Programmpräsentation, die mit über 55 Prozent den größten Teil von HÖR ZU! ausmachte, baute die Redaktion ab 1949/50 einen illustrierten Service- und Unterhaltungsteil auf, der es der Publikation ermöglichte, auf dem schnell wachsenden Publikumszeitschriftenmarkt konkurrenzfähig zu bleiben und diesen bald zu beherrschen. HÖR ZU! perfektionierte als erste Programmzeitschrift nach dem Zweiten Weltkrieg die Konzeptionen der Rundfunkzeitschriften der späten zwanziger und frühen dreißiger Jahre, die komplementär zu der zunehmenden Habitualisierung des Radios im Alltag mit unterhaltenden Elementen wie Fortsetzungsromanen, Kurzgeschichten, Kochrezepten etc., neue Käuferschichten erschlossen hatten.207 Nach der Devise „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen“ etablierte HÖR ZU! ein inhaltlich weit gefächertes Angebot für die ganze Familie, um möglichst viele potentielle Leser und Leserinnen aus allen Generationen und sozialen Schichten anzusprechen.208 In einem wichtigen Punkt unterschied sich HÖR ZU! jedoch von den Vorgängern. Während die Zeitschriften der Vorkriegszeit sich intensiv mit der Vermittlung der Radiotechnik beschäftigt hatten, bildeten diesbezügliche Informationen und Ratschläge in HÖR ZU! nur bis 1951 einen festen Bestandteil. Rhein reagierte damit auf die Tatsache, daß das Radio bereits zu ei= nem nicht mehr hinterfragbaren Alltagsmedium der Familie avanciert war, dessen technische Nutzung kaum noch erörtert werden mußte. Ähnliches galt für die Fernsehtechnik. Rhein verstand seine Programmzeitschrift zwar als Schrittmacher des neuen Mediums. Ein Anspruch, die komplizierte innere technische Funktionsweise des „Zauberspiegels“, wie Rhein das Fernsehen in Anlehnung an die Vorkriegszeit nannte, verständlich zu vermitteln, bestand jedoch nicht mehr.209 Die Behandlung rundfunkspezifischer Themen beschränkte sich in HÖR ZU! auf Vorankündigungen, den ausführlichen Programmteil sowie auf Leitartikel zu programmlichen, organisatorischen und allgemeinen technischen Fragen, die als Kampagnen gegenüber den Rundfunkanstalten inszeniert wurden. Jetzt mußte nicht mehr die technische „Hardware“, so eine These, sondern ausschließlich eine diffuse familienbezogene „Wertesoftware“ popularisiert werden, die neben gemäßigter Modernität vor allem häusliche Orientierungen geschlechtsspezifisch vermittelte.

Mit einer Format- und Umfangvergrößerung im Herbst 1949 kündigte die Redaktion die Verbreiterung des inhaltlichen Angebots und die Ausweitung zu einer Illustrierten mit Programm an:210

HÖR ZU! wird aus allen Gebieten des Lebens berichten: Vom Zeitgeschehen, von Kunst und Wissen, Mode, Film und Sport! [...]. Alles wird vergrößert: Die Leistung, der Umfang, das Format. Nur der Preis nicht. HÖR ZU! kostet weiterhin 30 Pfg.211

Die Aufnahme nicht-rundfunkbezogener Sujets hatte bereits kurz nach der Währungsreform quasi im Medienverbund mit der Filmindustrie durch die Werbung für aktuelle amerikanische und deutsche Kinofilme und -stars begonnen. Dies entsprach einem allgemeinen Trend auf dem Publikumszeitschriftenmarkt. Viele Illustrierte, das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ und Spezialzeitschriften wie die 1948 gegründete „Film und Frau“, informierten ausgiebig über die in Deutschland wieder anlaufenden nationalen wie internationalen Kinoproduktionen. Für HÖR ZU! besaß die Filmwerbung eine beinahe zukunftsweisende Bedeutung: Hatte Eduard Rhein bereits in der ersten Ausgabe von HÖR ZU! den „Rundfunk nur als eine Vorstufe des farbigen, plastischen Fernsehrundfunks“ bezeichnet, so konnten die Filmberichte quasi als Werbevehikel für die „schöne neue Welt des Zauberspiegels“ genutzt werden.212 Als Rundfunkzeitschrift illustrierte HÖR ZU! zunächst Unterhaltungsfilme, deren Melodien im Radio gespielt wurden. Ab 1949 dominierten anstelle von Rundfunkkünstlern Standfotos von Filmstars auf den Titelseiten. Immer häufiger wurden Kinofilme unabhängig vom Rundfunkprogramm im redaktionellen Teil vorgestellt und nach Manier von „Hier Berlin“ Berichte über deutsche Filmschauspieler präsentiert213 – Eine Werbung für die Filmindustrie, die sich Eduard Rhein in Höhe von Anzeigenseitenpreisen vergüten ließ.214 Abgerundet wurde die Starberichterstattung neben der Rubrik „Wo sie blieben und was sie trieben“ – Anfang der fünfziger Jahre passend zum wirtschaftlichen Wiederaufbau in „Wie sie wurden, was sie sind“ unbenannt – durch die Kolumne „Mein aufregendstes Erlebnis“, in der bekannte Schauspieler und Schauspielerinnen Begebenheiten ihres Lebens schilderten sowie mit der Spalte „Klatsch und Tratsch“, die harmlose Anekdoten über Prominente aus Film und Funk brachte.

Mit zusätzlichen Tatsachenberichten, Kurzgeschichten, Bild- und Servicerubriken weitete sich HÖR ZU! konzeptionell zur illustrierten Familienzeitschrift mit Programm aus. Die Doppelseite „Blick in die Welt“ – bis 1965 ein fester redaktioneller Bestandteil – brachte wöchentlich einen „Bildercocktail“ technischer Sensationen, ausgefallener Moden, Skurrilitäten und folkloristischer Bräuche aus aller Welt. In bezug auf Kriminalreportagen – ein typisches Illustriertenelement – verhielt sich Rhein sehr zurückhaltend, da diese seiner Meinung nach die positive Wiederaufbaustimmung und das „Heile-Welt-Image“ von HÖR ZU! unterminierten. Zwar brachte die Redaktion nicht zuletzt auf Anregung Axel Springers gelegentlich Kriminalereignisse, um auf dem Markt der Illustrierten konkurrieren zu können, doch dominierten stets die sogenannten „Samtpfötchenreportagen“ wie „Ein Jahr mit Ursula. HÖR ZU! begleitet ein Kind durch die ersten zwölf Monate seines Lebens“,215 „Tänzchen gefällig? In den neuen Rundfunk-Unterhaltungswagen der Bundesbahn führt die Stewardeß ein zartes Regiment“216 oder belehrend-unterhaltende Berichte wie „Woher kommt der Glückspfennig?“217 Hinzu kamen Bildreportagen, die das „einfache menschliche Geschehen“ behandelten. Besonderen Stellenwert nahmen in den frühen fünfziger Jahren sogenannte „Human-touchstories“ über die soziale Wiederaufbauarbeit ein. Die Redaktion brachte zahlreiche Artikel über Nachbarschaftshilfe zeigte, wie Waisenkinder ein neues Heim fanden oder Jugendliche in das Berufsleben eintraten.218 Häufig wurden zudem die sozialen Folgen der Kriegsniederlage thematisiert, etwa wenn die Redaktion die Rückkehr von Kriegsgefangenen in ihre Familien dokumentierte. Ferner gab es ab 1950 die gemeinsam mit dem Roten Kreuz durchgeführte Aktion „Unser Sorgenkind Nr.“, die anhand von Informationen aus der Leserschaft während der Flucht verlorene Kinder mit ihren Eltern zusammen brachte.219 So sinnvoll diese Kampagnen auch waren, zeigen sie doch auch, daß die Deutschen in erster Linie als Opfer thematisiert wurden. Daß und wie sich HÖR ZU! als Anwalt und Helfer vom Krieg benachteiligter Menschen inszenierte, macht eine 1954 gestartete publikumswirksame Aktion besonders deutlich: Unter dem Motto „Die sehnlichsten Wünsche. HÖR ZU! macht Menschen glücklich“ betrieb die Redaktion auf Wunsch der Leser und Leserinnen Nachforschungen nach verschollenen Angehörigen und finanzierte Reisen, damit sich langjährig getrennte Familien wiedersehen konnten.220 Solche Artikelserien entsprachen dem journalistischen Konzept des „Seid nett miteinander“, das Axel Springer mit zahlreichen populären Hilfsaktionen im „Hamburger Abendblatt“ umsetzte.221 Sie waren exemplarisch für das Erfassen einer charakteristischen Zeitstimmung. Nach dem Elend der Kriegs- und Nachkriegszeit sollten Springers Blätter und ganz besonders HÖR ZU! auf die Deutschen wohltuend wirken und helfen, ihre alltäglichen, zwischenmenschlichen Beziehungen zu verbessern, wie Axel Springer in einem Schreiben an Eduard Rhein betonte:

Die entnervte Menschheit ist so sehr müde des Streitens, ja sogar des manchmal sinnvollen Streitens um echte Werte, daß der Erfolgsweg nur heißen kann: den Lesern wohltun. Liebenswürdigkeit, Frische, Fröhlichkeit, Humor, Güte, das müssen immer die Hauptmerkmale Deutschlands beliebtester Rundfunk-Zeitung bleiben.222

Seit 1954/55 standen unter quantitativem Aspekt zunehmend Artikel im Mittelpunkt, die nach dem Vorbild der populären Benimmbücher meist in Form gestellter Fotoberichte Benimmregeln, korrektes Verhalten im Alltag oder den „richtigen“ Umgang der Geschlechter in Ehe und Familie veranschaulichten: Charakteristische Überschriften lauteten: „Jeder Mann ein Tyrann. Man sagt es zuweilen. Aber die kluge Frau weiß sich immer zu helfen. Hier ein paar Beispiele aus dem Ehe-Alltag“,223 „Betragen mangelhaft“; „Wenn ich das gewußt hätte ... Unkenntnis des Gesetzes schützt uns nicht vor Strafe“ oder „Es fing beim Frühstück an. Schlechte Laune? Vorsicht – sie überträgt sich schnell auf den Mitmenschen! Manchmal gibt das eine Kettenreaktion“.224 1954 startete Eduard Rhein die Serie „Gefragt – geknipst“, in der Menschen zu „kleinen Sorgen und Problemen des Alltags [...] von denen nicht selten die Sicherheit des Familienfriedens abhing“,225 interviewt und mit ihren Stellungnahmen in der Zeitschrift abgebildet wurden. Die Popularität solcher Fragen nutzend, startete Eduard Rhein schließlich Anfang 1957 unter dem Titel „Andere Zeiten – andere Sitten“ eine Serie, in der durch Meinungsumfragen bestehende Benimmregeln erneuert oder bestätigt werden sollten.226 Neben solchen Bildreportagen und Serien, die an die „ganze Familie“ adressiert waren, gab es Artikel, die sich speziell an Frauen richteten und diese mit Kosmetik- und Haushaltstips vor allem als Hausfrauen und Mütter ansprachen: „Denk auch mal an Dich! Auch die vielbeschäftigte Hausfrau kann nach der Arbeit gut und gepflegt aussehen. Ein paar kosmetische Tips“; „Gefahren bei der Hausarbeit. In jeder Stunde passieren hundert Unfälle im Haushalt. Die Hauptursachen: Übermüdung, Unwissenheit und Leichtsinn“.227

Im Verlauf der fünfziger Jahre etablierte HÖR ZU! einen ausgedehnten familienorientierten Serviceteil, der in Form von festen Rubriken praktische Orientierungshilfen und Konsumanleitungen für den häuslichen Alltag bot. So diente beispielsweise die Seite „Die Bunte Palette“ der Beantwortung alltäglicher Wissensfragen. Zudem stellte die Redaktion hier unter dem Logo „Unser Hausfreund“ beliebte Haustiere vor und gab in der Ecke „Mein Blumenfenster“ Ratschläge für Haus- und Gartenpflanzen.228 1953 entstanden die Rubriken „Unser Hausarzt hat das Wort“,229 welche über häufig vorkommende Krankheiten und deren Behandlung informierte, die Kochrezeptseite „Lecker zubereitet“230 und zum Themenkomplex Haushalt die Fotoseite „Die kleinen Helfer. Praktisch. Einfach. Zeitsparend“.231 Bereits seit 1950 gab es in unregelmäßiger Folge Modeseiten zunächst für Frauen, später auch für Männer und Kinder, denen ab 1956 ein jeweils im Frühjahr und Herbst erscheinender, bis zu 20 Seiten umfassender Modeteil angeschlossen war, der Ende der fünfziger Jahre unter dem Logo „HÖR ZU!-Mode – Nicht überspannt“ firmierte. Vornehmlich an männliche Leser gerichtet waren hingegen die Spalten „Funk und Technik“232 und „Für den Fotofreund“,233 die mit Kauf- und Bedienungsanleitungen für Stereoanlagen, Fernseher, Fotoapparate und Radios die zunehmende Ausstattung der Bevölkerung mit langlebigen Konsumgütern seit Mitte der fünfziger Jahre reflektierten. Gewissermaßen an beide Geschlechter richtete sich ab 1956 die Rubrik „Original und Fälschung“, bei der es nach dem Vorbild der in vielen Illustrierten erscheinenden Suchbilder galt, die Unterschiede zwischen zwei gleich erscheinenden Zeichnungen zu finden. Dabei verfolgte Rhein mit dem Abdruck klassischer Bilder bekannter Maler einen ganz eigenen Bildungsanspruch: Leser, die nur selten Gelegenheit zum Besuch eines Museums hatten, sollten spielend an den bildungsbürgerlichen Kunstkanon herangeführt werden.234 Abgerundet wurde der Serviceteil von HÖR ZU! mit obligatorischen Unterhaltungselementen wie Witzen, Horoskopen, den von der „Gartenlaube“ übernommenen Bilderrätseln235 sowie dem „Preisrätsel der Woche“, bei dem Küchenmaschinen, Radiogeräte, Fotoapparate, Reisen etc. als Preise lockten und dazu beitrugen, die Attraktivität der Zeitschrift zu steigern.236

Mit den genannten festgefügten Rubriken im Unterhaltungsteil inszenierte sich HÖR ZU! komplementär zum Familienmedium Rundfunk als Freund und Berater der Familie, als ein unverzichtbarer Bestandteil ihres Alltagslebens. „Mit der Familie auf Du und Du stehen – ihre Freude, ihre Sorgen, ihren Alltag teilen“, so faßte eine Werbebroschüre dieses Anliegen zusammen.237 Und weil „am Familientisch [...] ein paar wohlgelungene Steaks mehr [zählten] als ein paar neue Mondraketen“,238 fanden sich Sensations- und Katastrophenberichte, mit denen die Illustrierten ihre Auflagen zu steigern suchten, in HÖR ZU! ebenso wenig wie religiöse Themen oder Artikel zu politisch-aktuellen Fragen. Problemkreise wie der Ost-West-Konflikt, die nationalsozialistische Vergangenheit, der Zweite Weltkrieg und die Wiederbewaffnung der Bundesrepublik existierten in der Familienzeitschrift nicht. Ihre Welt war die „Welt der Familie, die Welt der eigenen vier Wände und der Besinnung“, wie Eduard Rhein es formulierte.239 Dieses Konzept reflektierte nicht nur Rheins „unpolitisches“ Selbstverständnis als Zeitschriftenmacher, das ihn bereits komfortabel durch das Dritte Reich gebracht hatte, sondern entsprach darüber hinaus der in den fünfziger Jahren von Soziologen vielfach konstatierten Politikferne großer Teile der Bevölkerung. Die Enttäuschung über den Nationalsozialismus, das persönliche Gefühl „mißbraucht“ worden zu sein, hatte bei vielen Menschen, insbesondere bei der jüngeren Generation, die in der Zeit des Dritten Reichs sozialisiert worden war, zu einer „Ohne-mich“-Haltung gegenüber der Politik geführt.240 Doch konnte in der politischen Apathie auch ein Element der individuellen Verarbeitung des Nationalsozialismus enthalten sein, das sich in einer Rücksichtsreaktion gegenüber jeder Form von Ideologie äußerte. HÖR ZU! strebte dieser Mentalität entsprechend nicht die Erörterung von sozialen und politischen Problembereichen an, sondern vielmehr deren Verdeckung bzw. Harmonisierung mittels Unterhaltung und kleinbürgerlicher Familiarität.241

Weder das inhaltliche Konzept noch die Aufmachung der Publikation muteten dem Leser ernsthafte Aufregungen zu. Auch in optischer Hinsicht vermittelte HÖR ZU! eine harmonische Bilderwelt, in der das „einfache menschliche Geschehen“ im Vordergrund stand. Das Bildkonzept bei HÖR ZU!, von den Bildredakteuren und Fotografen ironisch-treffend auf den Punkt gebracht, lautete: „Kinder, Tiere, alte Leute seien Deine Bilderbeute. Aber merke: Sex und Crime – findet Eduard Rhein nicht fein“.242 Das Motto durchzog seit Anfang der fünfziger Jahre die optische Gestaltung der Zeitschrift, vor allem aber die Titelbilder. Schon Mitte 1949 hatte Rhein den HÖR ZU! -Titeln erstmals ein eigenes Profil gegeben, indem er von Wilhelm Petersen eine Reihe von Covers erstellen ließ, die – durch passende Unterschriften und Kommentare ergänzt – Geschichten des alltäglichen Lebens erzählten: Ein weinender, kleiner Junge beim Friseurbesuch; ein junger Mann, der vor einem Geschäft einschläft, weil seine Freundin sich stundenlang mit der Auswahl eines passenden Huts beschäftigt; lesende Menschen in der Straßenbahn etc.243 Perfektioniert wurde dieses Genre ab 1954 durch die Titelbilder und Romanillustrationen des dänischen Malers Kurt Ard, der nach dem Vorbild des berühmten amerikanischen Gebrauchsgraphikers Norman Rockwell von der „Saturday Evening Post“ arbeitete.244 Ard stellte einen Glücksfall für HÖR ZU! dar, da sich der Springer-Verlag schon längere Zeit vergeblich bemüht hatte, die Zweitdruckrechte für die Titelbilder der „Saturday Evening Post“ zu erhalten.245 Nach Vorlage gestellter Photographien schuf Ard farbige, die Realität überzeichnende Illustrationen, welche archetypische Szenen des bürgerlichen Familienalltags zeigten und ihren humoristischen Einschlag durch eine mehrschichtige Inszenierung der traditionellen geschlechtsspezifischen Rollenverteilung erhielten.246 Hier wurden „kleine Dramen des Alltags“, zeitlose Probleme und menschliche Schwächen geschildert, wie das Mittagessen, das der Familie nicht schmeckt, weil der verschämt nach unten schauenden jungen „Mutti“ das Gericht mißlang, oder der Ehemann, der verzweifelt in einer unordentlichen Küche sitzt, während seine Ehefrau verreist ist.247 Dabei wirkten die dargestellten Personen durch den an Rockwell angelehnten Zeichenstil eher US-amerikanisch als deutsch und bewegten sich – modern gekleidet – in einem Setting elektrischer Haushaltsgeräte, Autos und Urlaubsreisen, das den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung der fünfziger Jahre andeutete. Häufig zeigten Ards Titelbilder auch die rüstig-pfiffige, mit Enkeln und Nachbarskindern Cowboy und Gendarm spielende Großmutter, oder den sympathischen älteren, einem traditionellen Handwerk nachgehenden Großvater. Solche Bilder suggerierten, wie Rolf Becker in einem kritischen Porträt von HÖR ZU! 1960 feststellte, „Assoziationen von Sorglosigkeit und Versorgtheit, von Unschuld und Abgeklärtheit, von Abendfrieden und zeitlosem Glück“.248 Sie vermittelten eine harmonische, familiäre Atmosphäre, die trotz der ‘kleinen Tücken des Alltags’ ein glückliches Zusammenleben aller Generationen darstellt. Die Titelbilder Ards hatten, so meine These, jedoch noch eine weitere wichtige Funktion. Sie zeigten die Deutschen, wie sie sich nach den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit vermutlich selbst gern sehen wollten: als ebenso wertkonservative wie friedliebende, glückliche gutbürgerliche Familien, fern von jeder Politik.

Alternierend zu den Titelbildern von Filmstars und den Illustrationen Ards – 1960 produzierte der Graphiker allein 24 Titelbilder exklusiv für HÖR ZU! – brachte die Redaktion Atelierphotos von putzigen Haustieren und niedlichen Kleinkindern, die beim Leser die Assoziation „Ooooh wie süß“ wecken sollten. Ihre adäquate Fortsetzung fand diese Bildersprache in der Rubrik „Blick in die Welt“: „Alles in allem viele Kinder, viele Tiere, eine Handvoll modischer oder anderer Kuriositäten und alles immer ohne ernsthafte Folgen“,249 resümiert Wolfgang Huwe das spezifische Kaleidoskop der HÖR ZU!-Realität treffend, welche das Leserpublikum erheitern und amüsieren, vielleicht auch nachdenklich stimmen, aber mitnichten schockieren sollte. Gleiches galt für die Witzseite, die in den fünfziger Jahren jedes Heft abrundete. Auch sie hatten die kleinen, harmlosen Schwächen der Menschen im Alltag zum Gegenstand. Jede Form von Satire oder Ironie in bezug auf gesellschaftliche Zustände wurde vermieden.

Insgesamt bot HÖR ZU! somit das Idealbild bieder-freundlicher Häuslichkeit, das die vorherrschende Tendenz der fünfziger Jahre reflektierte, die Freizeit vornehmlich im Kreis der Familie zu verbringen.250 Auf die Bedeutung der Familie wurde in der Soziologie der fünfziger Jahre häufig verwiesen. Sie symbolisierte wie keine andere soziale Gruppe, gesellschaftliche Sicherheit, aber auch Lebensglück, Geborgenheit und Harmonie. Zugleich galt sie als einer der wichtigsten Träger des gesellschaftlichen Wertesystems, der zur wirtschaftlichen Funktionsfähigkeit ebenso beitragen sollte wie zur Resistenz gegenüber totalitären Ideologien. Diese Befunde lassen sich auf die Zielvorstellungen des Springer-Verlags übertragen. Wie in einer Familie, so das Ideal Axel Springers sollten die Menschen sich umeinander kümmern, füreinander einstehen und sich manchmal auch kritisieren, doch mußte der prinzipiell liebevolle Umgang stets gewahrt bleiben. Damit verbunden war der Anspruch aller Springer-Publikationen, den Lesenden eine emotionale Heimat sowie Orientierungshilfen für ihr alltägliches Leben anzubieten. Geradezu in idealtypischer Weise vermittelte HÖR ZU! diese gesellschaftspolitische Zielvorstellung. Nicht zufällig bezeichnete Axel Springer die Leserschaft der Programmzeitschrift als die „HÖR ZU!-Familie“.251 Mit unverfänglichen Themen, die Gesprächsstoff und Unterhaltung bieten und ein harmonisches Familienleben fördern sollten, knüpfte die Redaktion an das Genre der Familienzeitschrift des 19. Jahrhunderts an.252 Mehr noch: Die Programmzeitschrift war in den fünfziger Jahren – wie zeitgenössische Beobachter konstatierten – zur neuen „Gartenlaube“ avanciert, was in der Eigenbenennung als „Deutschlands beliebtester Familienzeitschrift“ treffend zum Ausdruck kam. Hier wurde in besonderem Maße das von Axel Springer so geschätzte Zusammengehörigkeitsgefühl der Familie vermittelt, wie Rolf Becker treffend umschrieb:

Hör zu, der große Kleine Helfer, beugt sich über seine Leserschaft, umfängt sie warm, sie, die fröstelt außerhalb der Gartenlaube, in der großen Welt, sie, die versorgt und umsorgt sein will und sich von der Offizialität, von dem was die da oben' treiben, nicht angesprochen, sondern alleingelassen fühlt. Hier aber, in der Gartenlaube, fühlt man sich geborgen, ist man geistig und seelisch daheim: denn hier [...] wird man betreut.253

Außer in der aktuellen Programmgestaltung für Rundfunk und Fernsehen sollte in HÖR ZU! „das Bleibende, das Wertvolle, das Zeitlose den Vorrang“ haben, wie es in einer der Werbebroschüren des Verlags hieß.254 Das Konzept von HÖR ZU! war dabei nicht einseitig rückwärts gewandt, sondern enthielt gleichwohl moderne Aspekte. Hier wurde der „Mann von der Straße samt Familie in einer recht raffinierten Weise gespiegelt:

charakterlich ein bißchen kitschig-konservativ, den Lebensäußerungen der guten, alten Zeit' zugewandt, doch als Kleinwagenbesitzer auch pfiffig mit der Gegenwart gehend; brav, herzlich, unpolitisch und jederzeit humorvoll, im Stillen prosperierend, weil steuerlich gewitzt, und arbeitsam, mit Frau und Kind in engem, ungetrübten Einvernehmen...255

Eduard Rhein selbst sah seine Zeitschrift als Vertreterin einer gemäßigten Moderne, die Fortschritt und Tradition in spezifischer Form miteinander verband: „HÖR ZU! ist sauber – aber nicht prüde. HÖR ZU! ist bürgerlich – aber nicht hausbacken. HÖR ZU! ist modern – aber nicht modernistisch-verrückt.“256 Neben den oben genannten Elementen und der Präsentation des Programms als eigentlichem Kern der Programmzeitschrift beruhte die familienorientierte Erfolgsmischung, mit der HÖR ZU! in den fünfziger Jahren eine enorme Leser-Blatt-Bindung erzielte und zur meistgekauften Zeitschrift auf dem europäischen Kontinent wurde, im wesentlichen auf drei Pfeilern: dem Redaktionsmaskottchen Mecki, den Fortsetzungsromanen und der Ratgeberrubrik „Fragen Sie Frau Irene“. Gemeinsam stellten sie ein wirksames Ensemble dar, um die Geschlechter und Generationen emotional anzusprechen und zu unterhalten. Diese werden im folgenden kurz vorgestellt, bevor auf einen weiteren konstitutiven Teil der Programmzeitschrift – die redaktionelle Präsentation des Programms – eingegangen wird.

Identifikationsfigur und Markenzeichen: Das Redaktionsmaskottchen Mecki

Zum Markenzeichen und populären Aushängeschild von HÖR ZU! avancierte der Redaktionsigel Mecki, der den Lesern im Oktober 1949 erstmals auf dem Titelbild präsentiert worden war.257 Der Igel dürfte einem Teil des Publikums allerdings schon aus dem 1937 von den Gebrüdern Diehl erstellten Trickfilm „Der Wettlauf zwischen dem Hasen und dem Igel“ bekannt gewesen sein, der während des Krieges zur Unterhaltung der Soldaten an der Front eingesetzt worden war und ab 1949 wiederum das Kinopublikum begeisterte. Das Werbematerial, das für die Filmproduktionen angefertigt worden war, fiel Eduard Rhein in die Hand, der ein publikumswirksames Maskottchen für sein Blatt suchte.258 Nach dem Spitznamen des Redakteurs Mecklenburg in Mecki umbenannt, sollte der Igel zunächst nur redaktionelle Themen kommentieren und über mögliche Mißstände im Rundfunk „meckern“. Nachdem Rhein von den Gebrüdern Diehl die Presserechte erworben hatte, entstanden auch kleinere zusammenhängende „Geschichten“, in denen Mecki eine freundliche, hilfsbereite, schlaue und weltgewandte Identifikationsfigur verkörperte, der die Leser und Leserinnen ihre Sympathie durch zahllose Briefe und Geschenke bekundeten.259 Der etwas zerrupft aussehende Igel stellte den klischeehaften Urtyp des deutschen Kleinbürgers der Nachkriegszeit dar – vermutlich beruhte nicht zuletzt darauf sein enormer Erfolg. Ein bißchen keß, aber immer besonnen und freundlich, zuvorkommend und hilfsbereit eroberte sich Mecki die Herzen der gesamten HÖR ZU!-Familie, die wie er den Feierabend am liebsten im eigenen Heim oder Garten verbrachte.260 Im Herbst 1951 stellte HÖR ZU! auf dem Titelbild das ebenfalls der Filmproduktion der Gebrüder Diehl entliehene weibliche Pendant Micki vor261 – eine als emsige und besorgte Hausfrau gezeichnete Figur, mit der sich Mecki Anfang 1952, passend zum Image der Familienzeitschrift, verlobte.262 Im Namen von Mecki wurden außerdem verschiedene werbewirksame Kampagnen durchgeführt. So rief die Redaktion Ende 1952 einen Wettbewerb um die beste Mecki-Damenfrisur aus und verloste 1954 unter dem Slogan „Gute Reise mit Mecki!“ gemeinsam mit der Bundesbahn in einem Preisausschreiben, an dem sich 2,5 Millionen Menschen beteiligten, 700 Preise im Wert von 50 000 DM.263 Für die Kinder stellte Mecki einen gutmütigen väterlichen Protagonisten dar, der ab Herbst 1951 in zweiwöchentlich erscheinenden Bildergeschichten gemeinsam mit den Figuren Charly Pinguin, dem Schrat sowie den von Rhein kreierten Goldhamstern phantastische Abenteuer in aller Welt erlebte.264 Dieses „Meckiland“ stellte, so Eckart Sackmann, eine „schöne, heile Welt dar, in der zwar verzaubert und gestohlen wurde, die soziale Probleme aber weitgehend ausklammerte.“265


Vorstellung des Redaktionsmaskottchens Mecki in HÖR ZU! (1949)

„Fortsetzung folgt“: Das Erfolgsgeheimnis der HÖR ZU!-Romane

Mit dem Abdruck von Fortsetzungsromanen und Tatsachenberichten266 entsprach HÖR ZU! seit der Währungsreform dem weitverbreiteten Bedürfnis vieler Menschen nach populärer Belletristik. Es waren vor allem die Romane, die HÖR ZU! den Durchbruch zur Auflagenspitze ermöglichten.267 Aus seiner Zeit bei Ullstein hatte Rhein die Erkenntnis mitgenommen, daß der Fortsetzungsroman eines der wichtigsten Elemente der Leser-Blatt-Bindung darstellte. Nicht umsonst hatte die Verkaufskurve der BIZ in den zwanziger und dreißiger Jahren deutlich mit dem jeweiligen Erfolg des Fortsetzungsromans korrespondiert.268 Die Erzählungen von Vicki Baum etwa hatten der Illustrierten in den frühen dreißiger Jahren jeweils bis zu 300 000 neue Leserinnen gebracht. Für eine Rundfunkzeitschrift besaß der Roman in seiner Funktion als Bindeglied zwischen den Heften sogar eine ungleich größere Bedeutung. Denn in den Sommermonaten, welche aufgrund von beengten Wohnverhältnissen, Land- oder Subsistenzwirtschaft vornehmlich im Freien verbracht wurden, war es noch in den fünfziger Jahren für viele Hörer eine gängige Praxis, mit ihrem Rundfunkgerät auch die Programmzeitschrift abzumelden.269 Brachte man aber einen ansprechenden, langen Roman, so spekulierte Eduard Rhein gemeinsam mit dem HÖR ZU!-Vertriebschef Arthur Szimmetat, könne dies besonders das weibliche Leserpublikum motivieren, auch in der warmen Jahreszeit das Rundfunkblatt unabhängig vom Radioempfang weiter zu beziehen.270 Aus diesen Gründen kreierte Eduard Rhein mit dem „Zeitroman“ eine neue Form von Illustriertenroman, der an die veränderte Mentalität der Leserschaft nach den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit angepaßt war.271 In einem Gespräch mit Hans-Rudolf Berndorff erläuterte er die Notwendigkeit eines gesteigerten Erzähltempos:

Die Nerven unserer Leser sind im Kriege sehr angespannt worden, sie wurden mit Ereignissen konfrontiert, deren Dramatik echt und ungeheuerlich war. Infolgedessen vertragen sie den geruhsamen Stil des Romans der Vorkriegszeit nicht mehr. [...] Ein Roman von heute muß viel spannender, muß in der Handlung viel konzentrierter sein als ein Roman von früher.272

Gewissermaßen „Spiegel“ des alltäglichen Lebens sollten die Geschichten sein, „ergreifende Menschenschicksale“ darstellen und vor allem die Leserinnen so fesseln, daß sie den Fortsetzungen von Woche zu Woche ,entgegenfieberten’.273 Für die jeweilige Handlung ließ sich Rhein von Zeitungsmeldungen und Leserbriefen inspirieren, die er gedanklich ausformte und anders als die Vorkriegszeitschriften nicht mehr in einem Stück, sondern von Woche zu Woche neu erarbeiten ließ.274 Die ersten Romane ließ er von Hans-Rudolf Berndorff, Otto Erich Kiesel und Karl Unselt schreiben – drei seit der Weimarer Republik bekannte Autoren –, die als Erfolgsgaranten erschienen.

Vermochten schon diese Romane durch „ungewöhnliche Stoffe von starker Dramatik, ergreifende und erschütternde Frauenschicksale, Probleme, die jeden Menschen unserer Tage bewegen“,275 die Lesenden zu überzeugen, so war es vor allem das von Bernhard Löschenkohl unter dem Pseudonym Hans-Ulrich Horster verfaßte Epos „Ein Herz spielt falsch“,276 das – in 40 Fortsetzungen erscheinend – in der Massenpresse Schule machte und HÖR ZU! den Durchbruch auf dem Markt der Illustrierten brachte. Die enorme Bedeutung dieses sowie des nachfolgenden Romans „Der rote Rausch“ für die Auflage erkennend, ließ Eduard Rhein die späteren Zeitromane und Tatsachenberichte nach dem Vorbild des Ullstein-Verlags von einer eigens eingerichteten Romanredaktion unter der Ägide von Horst Claus erstellen, der bereits bei der BIZ dieses Ressort geleitet hatte.277 Abgesehen von Reinhart Stalmann, der den Roman „Engel mit dem Flammenschwert“ und 1954 den wohl erfolgreichsten HÖR ZU!-Gegenwartsroman „Suchkind 312“ noch allein bzw. mit der Hilfe seiner Ehefrau schrieb,278 waren später meist drei Schriftsteller am Werk. Die Produktion der Romane verlief quasi nach einem industriell-rationalisierten Prinzip. Nach den Vorgaben Eduard Rheins wurden die jeweiligen Titelfiguren, Eigenschaften und Handlungsstränge – für jeden Mitarbeiter nachvollziehbar – auf einem großen Wandplakat aufgezeichnet und die Erstellung der Story in spezielle Arbeitsbereiche aufgeteilt. Ein Schriftsteller konzipierte das zentrale Handlungsgerüst, ein zweiter verfaßte die Dialoge, der dritte brachte die emotionale Note ins Geschehen.279 Durch die eingehende Analyse der Leserpost und die Berichte der Vertriebsinspektoren konnte – wie schon bei den ersten Romanen üblich – jede Fortsetzung flexibel an die Wünsche und Erwartungen der Leserschaft angepaßt und damit ein hohes Maß an Identifikation erzielt werden.280 Zu diesem Zweck veranstaltete Rhein zwei- bis dreimal die Woche mehrstündige Konferenzen mit den Autoren, um ihre Arbeit zu kontrollieren und den Handlungsfortgang exakt festzulegen.281 Da die Fortsetzungsromane als die „Auflagebagger“ von HÖR ZU! galten, stellte die Romanabteilung innerhalb der Redaktionshierarchie ein Eliteressort dar, das für Rhein hohe Priorität besaß.282 An die Autoren zahlte der Chefredakteur ein monatliches Gehalt von 1 000 DM bis 2 000 DM, und je nachdem, wieviele Personen an einem Roman mitwirkten, pro Fortsetzung ein Honorar zwischen 150 und 500 DM. Verglichen mit den Gehältern, die Rhein beispielsweise Programmredakteuren auszahlte, waren dies zwar vergleichsweise hohe Beträge. Doch verpflichteten die vertraglichen Vereinbarungen die Autoren zugleich, keine Ansprüche auf die Urheberschaft an den Romanen zu stellen. Alle Vermarktungsrechte oblagen damit einzig und allein Eduard Rhein.283

Stilistische Kennzeichen der Romane waren, wie Hans-Dieter Müller 1968 in seiner Studie zum Springer-Konzern herausgearbeitet hat, eine inszenierte Authentizität, ein minutiöser Pseudorealismus, der die Schauplätze, Gewohnheiten und Requisiten des jeweiligen Verbreitungsgebiets in dem der Roman spielte, an Ort und Stelle genauestens ausmaß und zeitlich aktuell fixiert in die Handlung einbaute.284 In Absprache mit dem Vertriebschef wurden die „weißen Flecken im Bundesgebiet“ geschickt in die jeweilige Romanhandlung eingebracht, um auch in diesen Regionen mehr Lesende zu gewinnen: Jeder HÖR ZU!-Roman wurde im Vorfeld von der Redaktion facettenreich beworben. Schon Wochen vor dem Start zeigten die Titelbilder von HÖR ZU! gezeichnete Porträts der wichtigsten Handlungsfiguren, um den Lesern, mehr noch den Leserinnen einen bildlichen Eindruck der Protagonisten zu vermitteln, vielfältige Identifikationsflächen zu bieten und ihnen damit den Einstieg in die jeweilige Geschichte zu erleichtern. So lautete beispielsweise 1955 eine Ankündigung des Romans „Herz ohne Gnade“ von Klaus Hellmer:

Anja ist die Heldin unseres neuen Romans. ‘Ein Mädchen, das mit beiden Beinen auf der Erde steht!’ sagen die einen. ‘Eine Frau, die viel zu gut weiß, was sie will!’ sagen die anderen. ‘Ein ewig drohender Vulkan’ flüstern sich ihre Freunde zu. ‘Ein eiskaltes Biest’ zischen ihre Feinde hinter ihr her. Und wer ist Anja wirklich? Nun, zweifellos eine der interessantesten Frauengestalten, die Klaus Hellmer jemals gezeichnet hat. [...] Aber wie man auch zu Anja stehn mag: ob man sie bejahen will oder ablehnen – ihr Schicksal wird Sie von der ersten bis zur letzten Zeile fesseln. Lesen Sie ab nächste Woche in HÖR ZU, Deutschlands größter und beliebtester Zeitschrift, den Roman, von dem man schon bald in allen Familien und an allen Arbeitsplätzen sprechen wird.285

Lief der neue Roman schließlich an, so veröffentlichte die Redaktion dazu begleitend positive wie negative, aber durchweg gefesselte Stimmen zur Handlung oder zu den Charakterzügen der einzelnen Romanfiguren, die die Bedeutsamkeit und Attraktivität der jeweiligen Story nachhaltig unterstrichen.286 Speziell mit den Romanen wurden erfolgreiche Produktmuster kreiert, um ‘zeittypische’ Stimmungen der Gegenwart und Reaktionen der Leserschaft bis zu neun Monate lang wöchentlich zu verarbeiten und einem Millionenpublikum zu präsentieren. Zehn von insgesamt 13 Romanen, die unter den „drei großen H’s“ Hans-Ulrich Horster, Adrian Hülsen und Klaus Hellmer erschienen, wurden zudem erfolgreich verfilmt, die dazugehörigen Filmausschnitte von der Romanredaktion als Fotostories zusammengestellt und wiederum in HÖR ZU! abgedruckt.287

Instanz für zwischenmenschliche Fragen: Die Ratgeberrubrik „Fragen Sie Frau Irene“

Den dritten maßgeblichen redaktionellen Bestandteil von HÖR ZU! stellte die Rubrik „Fragen Sie Frau Irene“ dar. Sie vermittelte in besonderem Maße den Anspruch der Familienzeitschrift, die den Lesern mit Rat in Fragen des familiären Alltags beistehen wollte. Im Oktober 1949 wurde die Lebensberatung folgendermaßen eingeführt:

HÖR ZU! hat es sich vom ersten Augenblick an zur Aufgabe gemacht, seinen Lesern auch in Alltagsfragen beratend zur Seite zu stehen. Die menschlichen Probleme betreut bei uns Frau Irene. Sie tut das als erfahrene Frau – nicht als Juristin. Hier ein paar Beispiele aus unserer Praxis.288

„Fragen Sie Frau Irene“ erlangte bald einen solchen Bekanntheitsgrad, daß ihr Name zu einem umgangssprachlichen Synonym für die Lösung von Alltagsproblemen avancierte. Daß sich hinter dem Pseudonym niemand anders als der bekannte Schriftsteller und Publizist Walther von Hollander verbarg, gehörte in der Ära Rhein zu dem bestgehüteten Geheimnis in der Redaktion.289 Die Einrichtung bestand aus der Veröffentlichung von Anfragen, die Leser und vor allem Leserinnen an die Rubrik stellten, und deren Beantwortung in Form von Ratschlägen. Das auf den zwischenmenschlichen Bereich konzentrierte thematische Spektrum enthielt Problemlagen von Männern und Frauen in Familie, Ehe und Partnerschaft, Schwierigkeiten in den Bereichen Erziehung, Schule, Ausbildung und Beruf sowie Konflikte zwischen den Generationen. Die Redaktion stellte „Fragen Sie Frau Irene“ aufgrund ihrer Popularität stetig mehr Raum zur Verfügung.290 Umfaßte die Rubrik 1951 mit einer halben Seite anteilig 3,8 Prozent des Unterhaltungsteils, so waren es 1959 mit über zwei Seiten immerhin 9,3 Prozent, was nicht zuletzt als Hinweis auf die wachsende Resonanz der Ratschläge gewertet werden kann. „Frau Irene“ ließ die Leserinnen am Frage-Antwort-Spiel partizipieren. Von Beginn an gab es kritische Beiträge aus der Leserschaft sowohl zu den Ratschlägen „Frau Irenes“ als auch zu den Anfragen selbst. Dieses Konzept wurde ab 1956 mit der Einrichtung einer „Streitfrage“ institutionalisiert:

Frau Irene sagt Ihnen zu den Problemen, die Sie beschäftigen, ihre Ansicht. Es ist die Ansicht einer Frau mit großer Lebenserfahrung. Aber nicht immer wird sich die Meinung der Frau Irene mit der Meinung unserer Leser und Leserinnen decken. Dann gibt es Streitgespräche. Dann schreiben uns die Leser, und Frau Irene antwortet ihnen in den meisten Fällen brieflich. Dieses interessante Für und Wider wollen wir ihnen nicht vorenthalten. Denn dabei kommt es oft zu sehr anregenden und aufschlußreichen Diskussionen. Aus diesem Grund hatten wir uns vor einiger Zeit entschlossen, nicht nur den Umfang der Rubrik ‘Frau Irene’ zu erweitern, sondern auch jedesmal eine Streitfrage zu veröffentlichen. Wenn Sie also anderer Meinung sind, dann schreiben Sie uns. Schreiben Sie frisch von der Leber weg! Frau Irene ist klug und weiß Temperamentsausbrüche richtig zu werten.291

Im Rahmen der Streitfrage veröffentlichte Hollander im Anschluß an die gängigen Anfragen zu einem bestimmten Thema ein Extrakt gegensätzlicher Meinungen aus verschiedenen Briefen, die er in einer längeren Antwort zusammenfaßte und kommentierte. Oftmals war die Resonanz so groß, daß Hollander unter dem gleichen Thema einige Ausgaben später erneut Leserbriefe vorstellte. Dieses Verfahren verlieh der Rubrik insgesamt eine Aura von Brisanz und Wirklichkeitsnähe. Die „scheinbar unwichtigen Sorgen des Alltags“292 erhielten in HÖR ZU! eine wichtige Bedeutung. „Fragen Sie Frau Irene“ avancierte in den fünfziger Jahren zum Prototyp ihrer Gattung und schuf eine Leser-Blatt-Bindung, die von anderen Zeitschriften mit ähnlichen Rubriken kaum eingeholt werden konnte.293

5 Auflage, Verbreitung, Rezeption

Mit dem Konzept der Rundfunkzeitschrift als Familienzeitschrift, die komplementär zu den Rundfunkmedien zu einer unentbehrlichen Institution der häuslichen Freizeitgestaltung avancierte, gelang dem Springer-Verlag der große Wurf. Der rasante Aufstieg der Zeitschrift kann nur im Zusammenhang mit der dominierenden Stellung des Rundfunks in den fünfziger Jahren – wie in dem programmatischen Imperativ „HÖR ZU!“294 symbolisch illustriert – nachvollzogen werden. Bis zum Ende des Jahrzehnts blieb das Radio für den Großteil der Bevölkerung nicht nur das wichtigste Informations-, sondern auch das zentrale Unterhaltungsmittel, bevor es vom Fernsehen als Leitmedium abgelöst wurde. Die Verbreitung und der Bekanntheitsgrad von HÖR ZU! waren enorm und wurden von der Redaktion von Zeit zu Zeit plakativ in Szene gesetzt. Schon Mitte 1950 konnte Eduard Rhein stolz vermelden, mit über einer Million wöchentlich gedruckten Exemplaren, die „größte Auflage unter allen Zeitungen und Zeitschriften unseres Kontinents“ erreicht zu haben. In der Zelebrierung dieses Erfolgs schien gleichsam die Symbolik des stetigen Aufstiegs der Nachkriegsgesellschaft mitzuschwingen.

HÖR ZU! ist Millionär geworden – Auflagenmillionär versteht sich. Wer das damals prophezeit hätte, Anno Eis und Schnee des Hungerjahres 46, als HÖR ZU! sich im Dezember fröstelnd zum ersten Mal nach draußen wagte... Ein Ozean von Schweiß, ein Mount Everest von Arbeit ist in diesem Erfolg eingefangen.295

In der Tat befand sich HÖR ZU! fortan in einem unaufhaltsamen Aufwärtstrend. Nach der ersten Auflagenmillion 1950 vergrößerte die Zeitschrift ihre Auflage innerhalb der nächsten zwei Jahre um weitere 500 000 Exemplare auf 1 587 745 Hefte im vierten Quartal 1952. Im Frühjahr 1954 übersprang sie schließlich die Zweimillionenmarke. Genau ein Jahr später lag die gedruckte Auflage bereits bei 2 567 499 Exemplaren. 1956 druckte der Verlag durchschnittlich 2 705 592 und 1957 2 870 642 Exemplare pro Woche. Damit besaß HÖR ZU! 1956 eine größere Auflage als die drei führenden Illustrierten „Quick“ (992 000 Exemplare), „Stern“ (942 000 Exemplare) und „Neue Illustrierte“ (763 000 Exemplare) zusammen.296 1958 erzielte HÖR ZU! schließlich die dritte Auflagenmillion.297 Die Expansionsfähigkeit der Programmzeitschrift war deswegen noch keineswegs ausgeschöpft. Mit der Weihnachtsausgabe 1960 hatte die Druckauflage von HÖR ZU! erstmals die Schallgrenze von vier Millionen überschritten und im ersten Quartal 1962 mit einer durchschnittlichen Druckauflage von 4,2 Millionen ihren Höhepunkt erreicht.

Die Programmzeitschrift des Springer-Verlags war damit nicht nur die auflagenstärkste Publikation auf dem deutschen Pressemarkt, sie besaß auch die größte Reichweite aller deutschen Zeitschriften, obwohl sie anders als die aktuellen Illustrierten „Stern“ und „Quick“ nicht im Lesezirkel vertreten war.298 Rund 9,95 Millionen Westdeutsche hatten die HÖR ZU! 1956299 zumindest schon einmal durchgeblättert oder gelesen, 1958 taten dies 10,5 Millionen300 und 1960 waren es immerhin 11,1 Millionen Menschen. Die zweitgrößte Programmzeitschrift „Bild und Funk“ wurde zu diesem Zeitpunkt nur von 1,8 Millionen Menschen in der einen oder anderen Form rezipiert.301 Die Leserschaft von HÖR ZU! setzte sich laut einer Umfrage aus dem Jahr 1954 zu 54 Prozent aus Frauen und zu 46 Prozent aus Männern zusammen. Nahezu zwei Drittel (65 Prozent) von ihnen waren verheiratet und besaßen eine Familie.302 Die meisten lebten in Klein- und Großstädten (jeweils 40 Prozent). Um die 58 Prozent waren protestantisch,303 rund 76 Prozent hatten einen Volksschulabschluß, 19 Prozent die mittlere Reife. In beruflicher Hinsicht setzten sich die Lesenden aus Angestellten (27 Prozent) sowie aus Facharbeitern und unselbständigen Handwerkern (29 Prozent) zusammen; weitere nennenswerte Berufsgruppen waren Arbeiter (16 Prozent) sowie Beamte und Selbständige, die jeweils 10 Prozent ausmachten.304 Durchschnittlich 43 Prozent der Lesenden waren zwischen 16 und 34 Jahre alt, wobei der Anteil der 16-24jährigen zwischen 1954 und 1958 von 17 Prozent auf 24 Prozent anstieg und sich 1960 bei 21 Prozent einpendelte. Die Mehrzahl von ihnen (45-49 Prozent) war zwischen 35 und 60, 10 Prozent über 60 Jahre alt.305

Die hohe Auflage und die große Zahl der Lesenden belegen die enorme Breitenwirkung der Zeitschrift. Aufgrund ihrer Doppelfunktion als Programmzeitschrift und Illustrierte verfügte HÖR ZU! über eine einmalige Leser-Blatt-Bindung, die von keiner anderen Publikumszeitschrift in den fünfziger und frühen sechziger Jahren erreicht wurde.306 Im Alltag nahm sie einen besonders hohen Stellenwert ein.307 Rund 82 Prozent der Lesenden erwarben die Zeitschrift regelmäßig im Einzel- oder Abonnementverkauf, 16 Prozent nutzten sie gelegentlich. Eine Ausgabe wurde durchschnittlich von drei bis vier Personen genutzt.308 Männer und Frauen, so ergab eine Analyse zur Nutzungsintensität der HÖR ZU!, besaßen zu gleichen Teilen ein spontanes und starkes Interesse, jeweils 58 Prozent lasen die Zeitschrift sofort, wenn sie ins Haus kam.309 83 Prozent der Leser und Leserinnen nutzten neben der Programmübersicht den Unterhaltungsteil zuerst.310 Fast zwei Drittel erwarben HÖR ZU! schon drei bis vier Tage vor dem Beginn einer neuen Programmwoche und beschäftigten sich über einen Zeitraum von mehr als sieben Tagen ausgiebig mit den gebotenen Inhalten. Während der Programmwoche sorgten die zahlreichen Verweise auf die redaktionellen Beiträge zu den Sendungen für ein ständiges Durchblättern und Wiederlesen der vor Fernseher oder Radiogerät aufgeschlagenen Zeitschrift.311 Nicht nur in bezug auf das Rundfunk- und Fernsehprogramm, sondern auch hinsichtlich der Inhalte des allgemein-unterhaltenden Teils der HÖR ZU! betrieb ein großer Teil der Lesenden demnach eine intensive Lektüre. Immerhin 58 Prozent wären sehr oder etwas enttäuscht, wenn die Zeitschrift ihr Erscheinen einstellen würde.312 Erste Hinweise zur Rezeption der verschiedenen redaktioneller Bestandteile der Programmzeitschrift gibt eine im Auftrag des Springer-Verlags erstellte Leseranalyse von 1964.313 Bei dieser repräsentativen Erhebung von Infratest wurden 1962 1 578 Leserinnen und Leser von HÖR ZU! befragt. Anhand der Hefte elf bis 14 wurde die Beachtung und Beurteilung der einzelnen Rubriken, nach Geschlecht, Alter, Bildung, sozialer Schicht und Wohnort differenziert, untersucht.314 Die stärkste Beachtung fanden dem

nach jene Elemente, die, an günstigen Stellen positioniert, Männer wie Frauen gleichermaßen ansprachen. Dabei handelte es sich um die Fotoseite „Blick in die Welt“, die reich bebilderte Doppelseite zu Fernsehsendungen in der Mitte des Hefts, sowie um die Witze auf der Umschlagrückseite.315 Auch die redaktionellen Beiträge zum Fernseh- und Radioprogramm – die Kernelemente jeder Programmzeitschrift – lasen alle Bevölkerungsgruppen zu gleichen Anteilen. Bei Männern (65 bzw. 68 Prozent) fanden sie jedoch eine stärkere Beachtung als bei Frauen (57 bzw. 62 Prozent).316 Hier wird ein „möglicher Zusammenhang zwischen familiärer Medienerziehung, geschlechtsspezifischer Sozialisation und aktuellem Medienhandeln“ deutlich.317 So entsprach es der innerfamiliären Machtkonstellation, daß im Konfliktfall Männer eher als Frauen über die Wahl des Programms entschieden.318 Zudem mußten Frauen zu den Spitzenzeiten der Hörfunk- und Fernsehrezeption am Mittag und am Abend in weit stärkerem Maße einer Beschäftigung im Haushalt nachgehen und konnten oder wollten die gebotenen Sendungen demnach nicht so intensiv wie ihre Ehemänner verfolgen. Die unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Nutzungsweisen der Rundfunkmedien zeigte sich auch bei der Beachtung der 1956 eingeführten Kritikspalte „Der Fernseh-Kritiker“, die 64 Prozent der Männer und 56 Prozent der Frauen lasen. Dabei interessierten sich tendenziell eher Personen mit höherer Schulbildung und Angehörige der oberen sozialen Schichten für die kritische Nachlese einzelner Sendungen.319 Über die Programmbesprechungen hinaus beschäftigten sich allerdings deutlich weniger Menschen mit medienpolitischen und -organisatorischen Fragen. So wurde der rundfunkpolitische Leitartikel nur von 44 Prozent der Männer und von 33 Prozent der Frauen beachtet, wobei Angehörige der Altersgruppen ab 35 Jahren mit Hochschulreife überwogen.320

Im oberen Drittel der Bewertungsskala lagen nach Witzen, Bildseiten und dem Fernsehprogramm die Rubriken „Bunte Palette“, „Original und Fälschung“ sowie die 1962 eingerichtete Seite „Mein Steckenpferd“, die Tips zur häuslichen Freizeitgestaltung bot. Während die „Bunte Palette“ von nahezu gleich viel Frauen wie Männern und in allen Altersgruppen und sozialen Schichten gelesen wurde,321 sprach „Mein Steckenpferd“ Männer (62 Prozent) etwas stärker an als Frauen (57 Prozent). Zudem waren hier Bewohner ländlicher Gebiete unterrepräsentiert, da sie vermutlich wegen der zeitintensiven Arbeit in der Landwirtschaft weniger Zeit für Hobbies besaßen.322 Eine ganz ähnliche Tendenz zeigte sich bei dem Bilderrätsel „Original und Fälschung“, dessen Lösung zeitintensiv war und daher mehr von Männern als von Frauen und eher von Bewohnern in den Städten als auf dem Land geschätzt wurde.323 Frauen interessierten sich vor allem für jene Serviceelemente, die ihnen seelische und praktische Orientierungshilfen und Anleitungen für den Alltag boten. Schon die medizinischen Ratschläge im Rahmen der Spalte „Unser Hausarzt hat das Wort“ waren bei ihnen (70 Prozent), beliebter als bei Männern (61 Prozent). Gerade ältere Leserinnen beschäftigen sich mit diesen Themen gern.324 Besonders ausgeprägt waren geschlechtsspezifische Unterschiede bei typisch „weiblichen“ Themen. So wurde die Kochseite „Lecker zubereitet“ von 78 Prozent der Frauen, aber nur von 34 Prozent der Männer beachtet.325 Die Modebeiträge sahen sich 83 Prozent der Frauen an, während sie nur knapp ein Drittel der Männer beachteten.326 Ähnliches galt für die Ratgeberrubrik „Fragen Sie Frau Irene“, einer der beliebtesten Bestandteile der Zeitschrift. Auch sie sprach am stärksten jüngere Frauen (76 Prozent) an, doch sahen sich immerhin auch 51 Prozent der Männer die Fragen und Ratschläge an. Kennzeichnend für die Spalte war ferner, daß sie jüngere Menschen vor allem in den Altersgruppen zwischen 25 und 44 Jahren schätzten. „Fragen Sie Frau Irene“ wurde zwar in allen sozialen Schichten gelesen, doch sank das Interesse mit steigender Schulbildung. In Klein- und Mittelständen fand „Frau Irene“ eine stärkere Beachtung als in Dörfern und Großstädten.327

Auch der Roman interessierte mehr Frauen (64 Prozent) als Männer (47 Prozent), junge Leute lasen ihn insgesamt weniger. Als Illustriertenroman zur gesellschaftlich wenig anerkannten Trivialliteratur zählend, nahm seine Wertschätzung und Beachtung mit steigender Schulbildung und sozialer Schicht deutlich ab.328 Sein belletristisches Pendant bildete der Tatsachenbericht, im letzten Drittel des Hefts, der eher am Ende der Bewertungsskala lag. Bei einer durchschnittlich geringeren Beachtung in der gesamten Leserschaft sprachen die gebotenen Themen, meist Kriminalfälle, wiederum mehr Männer (45 Prozent) als Frauen (36 Prozent) an.329 Interessierten die genannten redaktionellen Elemente vor allem das erwachsene Lesepublikum, so sprachen die Comicgeschichten um das Redaktionsmaskottchen Mecki – obgleich von allen Befragten beachtet – vor allem die jüngsten Leser an. Bei Kindern und Jugendlichen erreichte Mecki seine höchste Beachtung und Beliebtheit, dabei identifizierten sich Jungen etwas stärker mit den Geschichten als Mädchen. Schon bei den 16- bis 24-jährigen nahm die Beachtung und Beurteilung der Figur jedoch deutlich ab. Die Altersdifferenzierung spiegelte sich in der Schulbildung. Vornehmlich die jüngeren Volks- und Mittelschüler (60 bzw. 57 Prozent) schätzten Mecki, bei Abiturienten sank die Beachtung hingegen mit 41 Prozent merklich ab.330

Obgleich die Analyse deutliche Differenzierungen der redaktionellen Elemente nach Geschlecht, Alter und Bildungsstand ergab, waren sich in der Gesamtbeurteilung der Zeitschrift 82 Prozent der Lesenden einig, daß HÖR ZU! viel Unterhaltung und Abwechslung brachte, 74 Prozent betonten die entspannende und ablenkende Wirkung und 69 Prozent fanden, daß sie ein hohes Maß an praktischer und seelischer Hilfe bot. Überdies bestätigten 58 Prozent der Rezipierenden, daß sie Gemütlichkeit und Behaglichkeit vermittelte.331 Diesen großen Erfolg und die starke Resonanz verdankte die Zeitschrift jedoch nicht nur dem redaktionellen Konzept, sondern nicht zuletzt ausgeklügelten Werbe-, Marketing- und Vertriebsstrategien.

6 Markenartikel und „Medienverbund en miniature“332:
Die „HÖR ZU!-isierung“ des Marktes

Durch den frühen kommerziellen Erfolg von HÖR ZU!, dem „Hamburger Abendblatt“ ab 1948 und der „Bild-Zeitung“ ab 1952, besaß der Springer-Verlag genügend finanzielle Mittel für imposante Werbefeldzüge, um HÖR ZU! als erste Programmzeitschrift in allen Teilen Deutschlands als Markenartikel zu etablieren.333 Im Verlauf der fünfziger Jahre erstellte die Werbeabteilung gemeinsam mit dem Vertrieb eine breite Palette an Werbemitteln, die von Inseraten in überregionalen Tageszeitungen, zu Plakataktionen und Leuchtmittelwerbungen an Kiosken und Säulen, Funkwerbung und Werbefilmen fürs Kino reichte und dafür sorgen sollte, daß HÖR ZU! durch permanente Präsenz im öffentlichen Bewußtsein verankert wurde.334 Je nach regionalem Kolorit bemühte sich die Werbeabteilung, die Mentalität des Publikums zu erfassen, um den Einsatz der Werbemittel optimal zu gestalten. So wurden in neuen bzw. schwachen Absatzgebieten HÖR ZU!-Werbewagen und „Propagandistenteams“ eingesetzt, um die Bevölkerung zum Kauf der Programmzeitschrift zu animieren.335 1948 noch als reine Rundfunkzeitung mit Slogans wie „Wer mit HÖR ZU! die Sender hört, dem ist der Rundfunk doppelt wert!“ beworben,336 wurde die Programmzeitschrift zum Familienblatt, indem jeder neue Roman, Tatsachenbericht oder Modeteil mit einer eigenen Plakatserie an den Kiosken groß angekündigt wurde.337

Mit dem zunehmenden redaktionellen Ausbau von HÖR ZU! hatte der Seitenumfang stetig zugenommen. Umfaßte HÖR ZU! bis zur Währungsreform durchschnittlich nur zwölf Seiten, so vergrößerte sich ihr Umfang ab dem 15. September 1948 auf 16 Seiten und ab dem 6. Februar 1949 auf 24 Seiten. Im August 1949 besaß die Publikation schon 32 Seiten, bevor sie im November 1949 in einem Umfang von 40 Seiten erschien. 1956 war HÖR ZU! bis zu 80 Seiten stark, 1960 gelegentlich bis zu 100 Seiten. 1965 erreichten einzelne Hefte der Programmzeitschrift sogar 120 Seiten.338 Die Preise für die Programmzeitschrift zogen innerhalb des Untersuchungszeitraums erheblich an. 1950 kostete ein Heft 30 Pfg, 1961 60 Pfg HÖR ZU! gehörte damit zu den teureren Publikationen im Spektrum der Programmpresse.339

Der Anstieg des Seitenumfangs bei einem moderat steigenden Heftpreis war vor allem durch den stetig zunehmenden Anteil der Werbung in HÖR ZU! möglich. Von null Seiten im Jahr 1947 wuchs der Anzeigenteil auf 10,9 Seiten (22 Prozent des Gesamtumfangs) im Jahr 1950. Bis 1960 verdoppelte sich sein Anteil fast und machte mit 41,1 Seiten durchschnittlich 38 Prozent eines Heftes aus.340 In den ersten Jahren waren die Anzeigen meist kleinformatig. Seit Beginn der fünfziger Jahre erschienen im vorderen Teil der Hefte zunehmend ganzseitig Anzeigen von Markenartikelfirmen, im hinteren Teil vornehmlich kleinere Inserate von Versandhäusern. Den Hauptanteil der Werbung machten Anzeigen für Kosmetikartikel, Mode, Gesundheit, Radiogeräte und Nahrungsmittel aus. Ab Mitte der fünfziger Jahre wurde zunehmend für elektrische Haushaltsgeräte, Waschmaschinen, Kühlschränke, Staubsauger, Herde und – zu Ende des Jahrzehnts – verstärkt für langlebige Konsumgüter wie Autos und Fernseher geworben. Schon 1950 war HÖR ZU! das erfolgreichste deutsche Werbeorgan im Sektor der Programmzeitschriften und erzielte mit Abstand die höchsten Anzeigenseitenpreise auf dem Pressemarkt.341


Werbeplakat mit Mecki

Zum Dreh- und Angelpunkt der eigenen Werbekampagnen avancierte ab 1951 der Redaktionsigel Mecki.342 Mit ihm wurde in den fünfziger Jahren ein Medienverbundprojekt lanciert, das in der Art seiner Konzeption wie auch in seinen Ausmaßen einzigartig war und in vielerlei Hinsicht die Merchandising-Phänomene des Kinderkulturmarktes der siebziger Jahre in der Bundesrepublik vorwegnahm.343 Für die Werbegestaltung engagierte der Verlag den Grafiker Hans Held, der sich bereits vor 1945 als Trickfilmer einen Namen gemacht hatte. Die Reklame mit Mecki verlief außerhalb der Zeitschrift sehr vielfältig. Der Verlag versorgte die Verkaufsstellen und Kioske mit bunten Plakaten, auf denen der Igel als Blickfang in mehreren hundert Motiven um Sympathie und Käuferinteresse warb.

Meist wurde Mecki als gemütlicher Familienvater mit der Programmzeitschrift auf dem Schoß vor dem Radio- und ab Mitte der fünfziger Jahre vor dem Fernsehgerät gezeigt, um zu suggerieren, daß der Rundfunkkonsum mit der Rezeption der Programmzeitschrift untrennbar verknüpft war. Dabei stimmte man viele Illustrationen minutiös auf Jahreszeiten und Feiertage ab. So wünschte Mecki den „HÖR ZU!-Familien“ ein fröhliches Ostern oder Weihnachtsfest und zur Sommerzeit präsentierten die Plakate Mecki im gestreiften Badeanzug, ins Meer springend oder in einer Hängematte dösend.344 Zudem warb der Igel an den Kiosken auf Zahltellern, Streichholzbriefchen, Bierdeckeln und Quittungsblocks für HÖR ZU! Zu Tausenden wurden 1961 blinkende Mecki-Figuren produziert – der auf einem Fernseher stehende Igel sollte in den dunklen Wintermonaten auf HÖR ZU! besonders aufmerksam machen und die fernsehinteressierte Kundschaft zum Kauf der Zeitschrift anregen.345 Mit dem Redaktionsmaskottchen wurden in den fünfziger Jahren außerdem zahlreiche publikumswirksame Aktionen speziell für Kinder durchgeführt. In Hamburg veranstaltete der Verlag jeweils im Herbst für Kinder große Lampionumzüge mit Mecki-Laternen. In Süddeutschland kam, nachdem 1956 die Auflage wegen der Konkurrenzzeitschriften „Hören und Sehen“ und „Gong“ stagniert hatte, ein lebensgroßer Mecki per Hubschrauber in über 100 Städte und Gemeinden geflogen, um die Kinder, die vorher ausgiebig auf den Besuch eingestimmt worden waren, mit Kopftüchern, Bilderbüchern etc. zu beglücken.346 1957/58 konnten hunderttausend Kinder in der Bundesrepublik einen HÖR ZU!-Drachen mit dem Mecki-Emblem steigen lassen.347

Offenbar wurde der Redaktionsigel – entgegen Eduard Rheins öffentlich postulierter Ablehnung – auch frühzeitig in den Funkmedien zur Werbung für HÖR ZU! eingesetzt. Ab 1951 strahlte der Süddeutsche Rundfunk Werbespots mit Mecki im Mittelpunkt aus. Auch im Fernsehen des Nordwestdeutschen Rundfunkverbands (NWRV) gelang es, Mecki geschickt in Szene zu setzen. So stiftete Eduard Rhein für die erste Kinderstunde seiner Bekannten Ilse Obrig 1951 eine Mecki-Puppe, die im Studio einen Ehrenplatz erhielt – nach Hans-Dieter Kübler die nachweislich erste Form des von Rhein später so vehement bekämpften „product placement im bundesrepublikanischen Kinderfernsehen“.348 Auch in Sportsendungen des Fernsehens tauchte der Igel als indirekte Reklame für HÖR ZU! auf, wenn beispielsweise bei einer Eishockeyübertragung eine Eisläuferin mit einer überdimensionalen Mecki-Puppe den „Mäcki-Boogie“ tanzte.349 Als ab 1956 das Zeitalter des Werbefernsehens begann, beauftragte HÖR ZU! Hans Held mit der Produktion von insgesamt zwölf Zeichentrickfilmen, die ab 1958 zum Einsatz kamen.350 Angesichts des Erfolgs der Figur kam Rhein schon frühzeitig auf die Idee, den Igel auch als Träger einer Kinderbuchreihe zu vermarkten. Zwischen 1952 und 1964 verfaßte er mit Hilfe seiner Chefsekretärin, Hildegard Brandes, und einigen Redakteuren – jedes Jahr rechtzeitig zum Weihnachtsfest – die Texte zu insgesamt 13 Mecki-Bilderbüchern, die geschickt auf die Cartoons abgestimmt waren und sich dank intensiver Werbung in HÖR ZU! stets zu Bestsellern mit einer Gesamtauflage von mehr als anderthalb Millionen Exemplaren entwickelten.351 Der Höhepunkt der Werbung mit Mecki lag in den Jahren vor und kurz nach 1960, in der auflagenstärksten Phase von HÖR ZU!352

Außerhalb des Springer-Konzerns wurde der Igel ebenfalls erfolgreich vermarktet. Um 1950 hatte die Spielzeugfirma Steiff die Popularität des Igels erkannt und 1951 von den Gebrüdern Diehl die Lizenz zur Produktion als Stoffpuppe erhalten. In wechselseitiger Promotion mit der HÖR ZU! wurde das Kuscheltier Mecki genannt und mit einem Namensschild ausgestattet, auf dem der Hinweis stand: „Der Redaktionsigel der Rundfunkzeitschrift HÖR ZU!“ Der sympathische Igel – in den folgenden Jahren um die Modelle Micki, Macki und Mucki erweitert – wurde das Spielzeug der Nachkriegsgeneration. Bis in die sechziger Jahre erfreute sich Mecki ungebrochener Popularität. Der Igel bevölkerte die Kinderzimmer, baumelte an Rückspiegeln von Autos; er war auf Postkarten und als Anziehpuppe erhältlich, seine Abenteuer waren in Bilderbüchern zu bestaunen, Mecki stand in Wohnzimmerfenstern und wurde im Schlager besungen. Der Igel war zu dieser Zeit in Deutschland präsent wie keine andere Figur – damals vielleicht noch bekannter als Micky Mouse, Snoopy und Donald Duck.

Mit dem Merchandising-Produkt Mecki sowie mit den Fortsetzungsromanen entwickelte sich HÖR ZU! zu einem eigenen erfolgreichen Medienverbund innerhalb des Ensembles der Film- und Rundfunkmedien. Dementsprechend war es nicht ganz unbegründet, wenn HÖR ZU! schon 1950 feststellte: „Kein Hafenkonzert und kein noch so gutes Hörspiel werden mit solcher Spannung erwartet wie unsere Romanfortsetzungen.“353 Aus dieser Perspektive stellen die HÖR ZU!-Fortsetzungsromane einen bedeutsamen publizistischen Vorläufer der erfolgreichen Familienserien des Fernsehens dar. Als Buchproduktionen und Filmvorlagen wurden sie anschließend nochmals profitabel verwertet. 1963 erweiterte der Springer-Verlag sein Engagement in der Unterhaltungsbranche. Nachdem Eduard Rhein mit seiner Zeitschrift zehn Jahre lang gegen die „Verbundwirtschaft“ zwischen Rundfunk und Schallplattenindustrie polemisiert hatte,354 stieg HÖR ZU! als erste Programmzeitschrift selbst in diesen expandierenden Wirtschaftszweig ein. Gemeinsam mit den Schallplattenfirmen „Electrola“ und „Teldec“ gründete Rhein ein HÖR ZU!-Label, um zunächst Aufnahmen klassischer Musik, ab 1964 auch Unterhaltungs- und Schlagertitel aus den Lagerbeständen der Hersteller mit HÖR ZU!-Etikett zu verkaufen.355 Jeden Monat wurde das Bestellangebot für die Leser um drei Schallplatten aus den Bereichen Klassik, Tanzmusik, Operette und Schlager erweitert. Ähnlich wie bei den Rundfunkprogrammen inszenierte sich die Programmzeitschrift dank ihres Markenartikelcharakters auch hier als Berater und Navigator im Medienverbund, der im Interesse der Konsumenten die Angebote eines unübersichtlichen Marktes filterte und empfahl, ohne die eigenen wirtschaftlichen Interessen deutlich zu machen:356

HÖR ZU berät seit Jahren viele Millionen Leser, die Rundfunkhören und -fernsehen. Nun wird Deutschlands größte Zeitschrift auch zum Berater des Plattenfreunds. Rundfunk, Fernsehen und Schallplatte sind ja eng verbunden.357

Eduard Rhein hatte als erster Chefredakteur erkannt, daß die ökonomische Relevanz der Programmpresse nicht nur in ihrer – im Vergleich zu anderen Pressesparten – günstigen Auflagenentwicklung lag, sondern sich darüber hinaus im Kontext der Diversifikationsbestrebungen der Medienkonzerne auf tendenziell sämtliche Sparten der Unterhaltungskultur erstreckte. Aufgrund ihrer im Medienverbund beratend-vermittelnden Deutungsmacht bei der Konsumtion elektronischer Medien in der Freizeit stellte die Programmpresse – insbesondere das Flagschiff HÖR ZU! – prinzipiell ein ideales Feld für die direkte und indirekte Vermarktung eigener Unterhaltungsprodukte dar.358

Ihren Erfolg hatte HÖR ZU! nicht nur dem redaktionellen Konzept und innovativen Werbestrategien zu verdanken, sondern auch einem höchst effizienten Vertriebssystem. Den Schlüssel zur Marktmacht stellte zum einen der gezielte Ausbau eines vom Springer-Verlag abhängigen Grossisten-Systems dar, das die Zeitschrift zentral an Buchhandlungen, Kioske und Händler lieferte, sowie damit verbunden der Aufbau des Landgeschäfts.359 Zudem blieb das Verbreitungsgebiet von HÖR ZU! nicht auf den nordwestdeutschen Raum beschränkt, sondern weitete sich im Verlauf der fünfziger Jahre auf das gesamte Bundesgebiet aus. 1949 gab es neben der nord- und westdeutschen Ausgabe bereits eine HÖR ZU! Berlin, und ab 1950 begannen der Verlagsbeauftragte Fritz Fillies und der Redakteur Wolfgang Huwe mit der Kontaktaufnahme zum „Süddeutschen Rundfunk“ (SDR) und dem Aufbau von Redaktionsfilialen in München und Stuttgart.360 Später erfolgten Ausgaben für den Frankfurter Raum; ab 1961 gab es eine spezielle „Südausgabe München“, die auf die Lesenden in Bayern und im angrenzenden österreichischen Raum abgestimmt war.361 Jede der sieben Regionalausgaben besaß einen auf die jeweiligen Empfangsverhältnisse zugeschnittenen Rundfunk- und Fernsehprogrammteil mit entsprechenden redaktionellen Sendeankündigungen sowie einen lokal bezogenen Reportageteil. Ab September 1961 konnte Springer die Auflage von HÖR ZU! durch die Vereinigung mit der „Radio-Fernseh-Revue“ des aufgekauften Ullstein-Verlags nochmals erhöhen, die mit einer Auflage von 100 000 Exemplaren die zweitgrößte Funkzeitschrift nach HÖR ZU! in Berlin war und über eine ebenso große Abonnementauflage im Bundesgebiet verfügte.362 Ab Dezember 1962 gelang es außerdem, HÖR ZU! auf dem gesamten österreichischen Markt zu etablieren.363

Mit der wachsenden Bedeutung von Radio und Fernsehen und dem daraus resultierenden zunehmenden Bedarf an Programminformation sowie aufgrund der steigenden Einkommen der Bevölkerung konnten im Schlepptau von HÖR ZU! auch die anderen Funkblätter, die sich die übrige Hälfte des Marktes teilten, ihre Verkaufszahlen im Verlauf der fünfziger Jahre steigern.364 So lag die Gesamtauflage der Programmpresse mit über 7,9 Millionen wöchentlich verkaufter Exemplare 1961 sogar um circa 10 Prozent höher als die der Illustrierten. Dies bedeutete, daß zu Ende des Jahrzehnts praktisch jeder zweite Haushalt regelmäßig eine Programmzeitschrift bezog.365 Trotz dieser positiven Entwicklung war jedoch auch die Rundfunkprogrammpresse wie der Pressemarkt allgemein in den fünfziger und frühen sechziger Jahren von erheblichen Schwankungen und Konzentrationsprozessen gekennzeichnet. Die Verkleinerung des Spektrums der Programmzeitschriften bei gleichzeitiger Auflagensteigerung war im wesentlichen durch die Übermacht von HÖR ZU! bedingt: Im gesamten Gebiet der Bundesrepublik nahm HÖR ZU! eine Spitzenstellung ein, zu der andere Verlage nur mittels Aufkäufen und Fusionen ein Gegengewicht schaffen konnten. Bereits 1951 hatte es nur noch zwölf Titel im Feld der Programmpresse gegeben, wobei die vier größten Verlage mit ihren Publikationen bereits einen Marktanteil von 77,14 Prozent für sich verbuchen konnten. Was die Zahl der Titel betraf, stagnierte der Markt fortan. Neugründungen gelang es in der Regel nicht, mit den finanzstarken Unternehmen zu konkurrieren. Bis 1965/66 hatten sich fünf marktbeherrschende Publikationen mit Auflagen über 500 000 verkauften wöchentlichen Exemplaren herausgebildet. Dabei handelte es sich neben HÖR ZU! um die schon genannte „TV Hören und Sehen“, die im Deutschen Wochen-Zeitschriften-Verlag erscheinende Billig-Zeitschrift „Funk-Uhr“, die Nürnberger Publikation „Gong Funk-Fernsehwelt“ sowie die von Franz Burda herausgegebene „Bild + Funk“. Mit Auflagen um und unter 200 000 Exemplaren folgten weit abgeschlagen sechs weitere Blätter.366

Mit ihrer außerordentlichen Verbreitung stellte HÖR ZU! in den fünfziger und frühen sechziger Jahren die wohl populärste Vermittlungsinstanz des Rundfunks und zugleich den Prototyp der illustrierten Rundfunk- und Familienzeitschrift dar, deren stilbildende Priorität die Redaktion mit dem Titelzusatz „Oft kopiert! – nie erreicht“ ab 1956 sinnfällig präsentierte. Die anderen Programmzeitschriften mußten, um auf dem umkämpften Zeitschriftenmarkt bestehen zu können, ähnlich familienorientierte Unterhaltungselemente bieten. Wie Radio und Fernsehen ihre größten Publikumserfolge mit Sendeformaten erzielten, die die ganze Familie ansprachen, so hatte HÖR ZU! als erste deutsche Programmzeitschrift in Wechselwirkung mit den Medien eine enge Verbindung zu dem familiären Alltags- bzw. Freizeitleben hergestellt. Dieses Erfolgskonzept – es wurde von fast allen Programmzeitschriften übernommen – reflektierte das in Meinungsumfragen ermittelte Bedürfnis vieler Menschen in den fünfziger Jahren nach Entspannung und Rückzug in die familiären „vier Wände“, bei dem der Medienkonsum im Mittelpunkt stand.367

Mehr und mehr suchen die Menschen vor dem hektischen Getriebe unserer Zeit eine Zuflucht. Je mehr sie dem Lärm und der Hast unseres Alltags zu erliegen drohen, desto größer wird die Sehnsucht nach Ruhe, Abgeschiedenheit und Erholung. Die neue Lieblingsbeschäftigung vieler heißt „Wohnen“. Natürlich mit allem, was dazu gehört – mit Rundfunk und Fernsehen und mit der Rundfunkzeitschrift, die wesentlich zur planvolleren Nutzung und Gestaltung der freien Stunden beiträgt.368

Daher beschränkten sich die Blätter auf Themen „die den häuslichen Kreis berühren, zu Gesprächen in der Familie Anlaß geben und dazu beitragen, den Feierabend zu verschönern“. Die Programmzeitschriften wirkten weniger sensationell als vielmehr beruhigend und „voll harmoniestrebender Objektivität“.369 Folglich präsentierten alle Publikationen eine ähnliche redaktionelle Melange, bestehend aus Gesundheitsrubriken, Kochrezepten, Romanen, Kreuzworträtseln und Lebensberatung.370 Auch bei der Behandlung von rundfunkpolitischen Themen oder in der Berücksichtigung von Programmkritiken waren die Unterschiede allenfalls graduell. In diesem Sinne kann man durchaus von einer „HÖR ZU!-isierung“ sowohl der Programmpresse als auch in der Vermittlung und Darstellung der Rundfunkmedien in den fünfziger und frühen sechziger Jahren sprechen. Das Erfolgsschema von HÖR ZU! prägte nicht nur das Gesicht der Programmpresse, es wirkte auch auf den gesamten Markt der Publikumszeitschriften, wie Kurt Pritzkoleit in seiner Monographie „Wem gehört Deutschland?“ mit resigniertem Impetus schon 1957 feststellte:

Die Seiten des Blatts mit Nützlichem, Erbaulichem und Erfreulichem zu füllen, die Tränen der unverstandenen Liebenden zu trocknen, die Hausfrauen mit modischen Anregungen und Kochrezepten, die Film- und Jazzfans mit den Biographien und den aufregendsten oder lustigsten Erlebnissen ihrer Lieblinge und sie alle, jung und alt, Mann und Frau, mit dem großen Roman zu versorgen, deren Erlebniskurven von einem erfahrenen Team sorgfältig errechnet und im Koordinatennetz der zulässigen Leidenschaften eingetragen werden, ehe der Text in Auftrag gegeben wird. Ein Schema also, das allen deutschen Illustrierten in den folgenden Jahren als Modell diente und diese Sparte unserer Publizistik bis heute beherrscht.371

7 Redaktion und Redaktionsalltag

Mit dem Ausbau von HÖR ZU! von der Rundfunkzeitung zur illustrierten Familienund Programmzeitschrift mit verschiedenen Regionalausgaben wuchs der Bedarf an redaktionellen Mitarbeitern in den fünfziger Jahren stetig an.372 1949 fingen allein 17 neue Mitarbeiter, darunter sechs Sekretärinnen, eine Volontärin und eine Redakteurin bei HÖR ZU! an. 1952 besaß die Redaktion 38 Angestellte, und 1955 arbeiteten hier bereits 51 Personen; viele der jüngeren Redakteure wie Karl-Heinz Mose, Horst Ebert und Robert Atzorn kamen von der Tagespresse. Das Arbeitsklima wurde anonymer, was zur Folge hatte, daß die Mitarbeiter stärker fluktuierten und einige langjährige Redakteure, wie Wolfgang Huwe und Fritz Erley, die Redaktion verließen.373 In der zweiten Hälfte der fünfziger Jahre wuchs der Personalstamm vor allem durch die Ausweitung des Ersten Fernsehprogramms weiter an. 1960 hatte HÖR ZU! bereits über 60 Mitarbeiter, und bis 1962 waren wegen des geplanten Zweiten Fernsehprogramms, der Vereinigung mit der Radio-Revue sowie der Herausgabe der HÖR ZU! Österreich nochmals 32 Personen hinzu gekommen. 1964 produzierten schließlich 108 Mitarbeiter – „freie“ Journalisten wie Walter von Hollander sowie diverse Illustratoren und Fotografen nicht eingerechnet – im Axel-Springer-Haus auf drei Etagen verteilt – sieben regionale Versionen der Programmzeitschrift. Damit war HÖR ZU! auch in bezug auf die personelle Ausstattung mit Abstand die größte Programmzeitschrift Deutschlands. Blätter wie „TV Hören und Sehen“ und „Bild und Funk“ besaßen erst in den achtziger Jahren ähnlich große Mitarbeiterstäbe.374

Generell unterrepräsentiert in der HÖR ZU!-Redaktion waren Frauen. Sie stellten nur etwa ein Drittel des Kollegiums. Ähnlich wie in den Rundfunkanstalten375 waren sie überproportional häufig auf den unteren Rängen der Hierarchie anzutreffen. In journalismusfernen Positionen arbeiteten sie vorwiegend als Sekretärinnen, als Schreibkräfte für die Programmredaktion oder als Sachbearbeiterinnen im Vertriebs- und Anzeigenwesen. Als Redakteurinnen waren sie allenfalls in frauenspezifischen Themenbereichen tätig, wie Lieselotte Alverdes, die für die Modeseiten verantwortlich zeichnete. Dieses im Pressejournalismus allgemein übliche Beschäftigungsmuster war zugleich Folge und Reflektion der typischen Zuschreibung der Geschlechtercharaktere und der daraus resultierenden Hierarchien. Zwar hatte man nach den Erfahrungen der Kriegs- und Nachkriegszeit in den fünfziger Jahren die zunehmende Erwerbstätigkeit von unverheirateten Frauen weitestgehend toleriert, diese sollte sich aber möglichst auf fest umrissene Arbeitsfelder beziehen. Eine geschlechtsspezifische Segmentierung des Arbeitsmarktes und die Segregation von Arbeitsplätzen blieb bestehen.376

Der redaktionelle Führungsstil Eduard Rheins läßt sich gemäß den Aussagen der befragten Interviewpartner als autokratisch, ja als geradezu despotisch charakterisieren.377 Der Chefredakteur galt als ein „eigenwilliger Patriarch“.378 Bei den meisten Mitarbeitern war Eduard Rhein wenig beliebt, doch erkannte man seine Leistungsfähigkeit und Genialität durchaus an. Die Redaktion wurde von Rhein streng hierarchisch geleitet und war voll und ganz auf seine Person zugeschnitten. „Ich drückte der Redaktion meinen Stempel auf – Klatsch“,379 kommentierte er später seinen damaligen Führungsstil. Rhein gab praktisch alle Themen vor und beauftragte einzelne Redakteure mit Recherchen und Schreibarbeiten. Bis auf die Zielvorstellung einer Rundfunk- und Familienzeitschrift gab es bei HÖR ZU! in den fünfziger Jahren weder eine innerredaktionell formulierte Produktphilosophie noch festgelegte Inhaltsanteile und Grundthemen etc., geschweige denn Marktforschungs- und Konkurrenzanalysen mit entsprechenden Folgerungen für Jahresplanung und Heftstruktur.380 Mit Henri Nannen oder Hans Huffsky gehörte Rhein einer Generation von Zeitschriftenmachern an, die ihr Blatt „aus dem Bauch heraus gestalteten“ und – wie Hildegard Brandes es formuliert – das Gespür besaßen, Themen zu finden, „die in der Luft lagen“. Diskussionen um inhaltliche Konzepte wurden von Rhein abgelehnt.381 Redaktionskonferenzen fanden nur in großen Abständen unter der Leitung von Will Thederan statt, der die Vorstellungen Rheins bezüglich bestimmter Kampagnen vermittelte.

Die Handlungsspielräume der Mitarbeiter und ihr Mitspracherecht in redaktionellen Fragen waren dementsprechend äußerst eng begrenzt. Während sie in den ersten Jahren gelegentlich noch eigene Ideen für Reportagen durchsetzen konnten, war journalistische Eigeninitiative ab 1952/53 kaum mehr gefragt. Die Textredakteure von HÖR ZU! blickten, wie Wolfgang Huwe schilderte, neidvoll auf die Kollegen von „Quick“, „Stern“ und „Revue“, die ihrer Meinung nach im klassischen Sinne journalistisch recherchieren konnten. Doch Eduard Rhein sei nicht zu überzeugen gewesen. Von Haus aus technischer Redakteur und in Fragen der Reportage ebenso wie sein Stellvertreter Will Thederan wenig beschlagen, rekurrierte er stets auf seine Kenntnis der BIZ der dreißiger Jahre, der Kriminal- und Sozialreportagen keine Auflagenerhöhung gebracht hätten.382 Auch Horst Ebert – ab 1955 Chefreporter von HÖR ZU! – fand oft nur mit großer Mühe und nach etlichen Vorschlägen Themen, die der Redaktionsleitung gefielen. Dabei handelte es sich um diverse Benimmartikel, „human-interest stories“ und ab 1956 um Reportagen zu Fernsehsendungen; auch brachte Ebert wie zuvor Huwe rundfunkbezogene Berichte zu Sportereignissen im Blatt unter.383 Wichtiger als journalistische Rechercheleistungen war für Eduard Rhein, daß die redaktionellen Ausgaben für die Erstellung von HÖR ZU! so gering wie möglich blieben. Übernachtungen auf Reportagereisen wurden nur in Ausnahmefällen gestattet, Tagesreisen blieben die Regel.384 Artikel mit kreativem Eigenanteil und höherem Anspruch fanden sich daher in HÖRZU! praktisch nicht.385

Typisch für Eduard Rheins journalistische Arbeitsweise, die gleichsam seine Wahrnehmung und Einschätzung der Leserschaft reflektierte, war sein Leitspruch, der in jedem Redaktionszimmer aushing: „Schreibt kurze Sätze! Versteht das die Waschfrau und interessiert es sie auch?“ Mit diesem Motto traf der Blattmacher, so Wolfgang Huwe, in den fünfziger Jahren intuitiv und punktgenau den „Volkston“. In diesem Sinne postulierte Eduard Rhein einen prägnanten, kurzen Schreibstil. Relativsätze, Fremdwörter und gängige Redewendungen („Stanzen“) waren verpönt.386 Die Fähigkeit, sich kurz zu fassen und einen Sachverhalt auf wenigen Zeilen informativ und dennoch leichtverständlich zu beschreiben, wurde vor allem im Randspaltenressort eingeübt, das jeder Textredakteur zu Beginn seiner Tätigkeit bei HÖR ZU! zu durchlaufen hatte. Auch habe man trotz oder gerade wegen des rigiden Führungs- und Redigierstils von Eduard Rhein Tricks und Kniffe gelernt, um Vorgaben und Anordnungen zu umgehen.387 Insofern sei die Arbeit bei HÖR ZU!, so äußern sich einige der befragten Redakteure aus der Retrospektive, durchaus von Bedeutung für ihre weitere journalistische Laufbahn gewesen. Bei HÖR ZU! selbst konnten sich gute Leute allerdings kaum einen Namen machen, so daß Journalisten wie Wolfgang Huwe die Zeitschrift nach einiger Zeit verließen.388

Gegenüber seinen Mitarbeitern verhielt sich Rhein mit Ausnahme der Ressortleiter unkollegial; seine Zusammenarbeit mit den Redakteuren war von Mißtrauen geprägt. So war es den Journalisten beispielsweise nicht gestattet, ihre eigenen Artikel zu zeichnen, denn es sollte verhindert werden, daß sie von anderen Verlagsobjekten bzw. von Konkurrenzpublikationen abgeworben werden konnten.389 Im Impressum standen daher auch nur Rheins eigener Name und der von Will Thederan. Dieser war in erster Linie für die Tagesgeschäfte, d.h. für Themenankauf, Titelbildauswahl und ähnliches verantwortlich. Freien Zutritt zu Eduard Rhein hatten ohnehin nur wenige, von ihm besonders geschätzte Personen: neben den Ressortleitern, Will Thederan, seine Sekretärin Hildegard Brandes, Wolfgang Huwe und der Chefreporter Horst Ebert. Gewisse Privilegien genossen zudem die Autoren der Romanredaktion, mit denen Rhein eng zusammenarbeitete. Andere Mitarbeiter sahen den Leiter der Zeitschrift manchmal wochenlang nicht. Für sie sah der Redaktionsalltag sehr gleichförmig aus. Alle Arbeitsabläufe waren streng reglementiert und nach bürotechnischen Maßstäben organisiert. Die Mitarbeitenden hatten ihren Dienst um 9.00 Uhr morgens anzutreten und um 17.00 Uhr pünktlich zu beenden. Jedes Betreten und Verlassen der Redaktion, Mittagspausen, Arztbesuche etc. ließ Eduard Rhein ebenso notieren und kontrollieren, wie er die Telefongespräche seiner Mitarbeiter abhörte.390 Der eingeschränkte Bewegungsradius der Mitarbeiter war allgemein bekannt und Grundlage zahlreicher Anekdoten und Witze. So kursierte in Journalistenkreisen das Bonmot: „Im Spiegel wird mittags Whisky getrunken; bei Constanze Sekt und bei HÖR ZU! darf ab 15 Uhr Kaffee gekocht werden.”391

Trotz der strengen und stark hierarchisierten Betriebsstrukturen sei, so Hildegard Brandes, das Redaktionsklima dennoch erträglich gewesen, „Schüsse aus dem Hinterhalt“ gegenüber Eduard Rhein habe es nicht gegeben. Das lag zum einen daran, daß der in der Redaktion sehr beliebte Will Thederan in vielerlei Hinsicht zwischen den MitarbeiterInnen und dem Chefredakteur vermittelte und ausgleichend wirkte.392 Zum anderen seien die Journalisten noch von einer stark obrigkeitshörigen Mentalität geprägt und sich in der wirtschaftlich unsicheren Nachkriegszeit ihrer Rechte als Arbeitnehmer nicht bewußt gewesen.393 Angesichts der bis zum Beginn der fünfziger Jahre noch verbreiteten materiellen Not seien viele vor allem daran interessiert gewesen, eine sichere Stellung zu erlangen und ihre ökonomische Situation zu verbessern. Viele Verlagshäuser wurden hierarchisch geführt – Fragen nach der „inneren Pressefreiheit“ der Redakteure noch kaum diskutiert.394 Zwar wurde Ende 1949 der Deutsche Journalistenverband gegründet, und 1952 entstand die Deutsche Journalistenunion in der IG Druck und Papier, doch der gewerkschaftliche Organisationsgrad der Redakteure blieb äußerst gering.395 Während für Zeitungsredakteure die ersten Mantel- und Gehaltstarifverträge ab 1951 ausgehandelt wurden, gab es, laut Karl-Heinz Mose, für Zeitschriftenjournalisten erst seit Anfang der sechziger Jahre festgelegte Tarifsätze.396 Die von Rhein immer wieder propagierte Ehre, für die größte Programmzeitschrift Deutschlands und für den mächtigen Springer-Verlag tätig sein zu dürfen, sei für die „normalen“ Redakteure nicht mehr nur ideell, sondern nun auch an der Höhe des Gehalts spürbar gewesen.397

8 Generationenwechsel mit Hans Bluhm

Den Höhepunkt in der Lesergunst erreichte Eduard Rhein mit HÖR ZU! während des ersten Quartals 1962. Danach erlitt die Auflage jedoch in wenigen Monaten einen Verlust von rund 450 000 Exemplaren und sank im dritten Quartal des Jahres auf 3 777 653 Exemplare ab.398 Ein struktureller Grund für die Einbuße lag in der zunehmenden Konkurrenz auf dem Markt der Programmpresse. Neben dem Vordringen der vom Nürnberger Verleger Porst herausgegebenen Programmbeilage „Radio + Television“ (RTW) in den regionalen Tageszeitungen druckten immer mehr Illustrierte und Frauenzeitschriften mehr oder weniger ausführlich das Fernsehprogramm ab.399 Doch während andere Programmzeitschriften durch die Einführung des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) 1963 mittelfristig ihre Verkaufszahlen trotzdem deutlich steigern konnten, sank die Auflage von HÖR ZU! mit 3,34 Millionen verkauften Exemplaren im dritten Quartal 1964 ab, obwohl sich die Zahl der angemeldeten Fernsehzuschauer in diesem Zeitraum verdoppelt hatte.400

Angesichts der Baisse wurde offensichtlich, daß es Rhein, dessen journalistische Sozialisation sich für den Zeitgeist der fünfziger Jahre als so treffend erwiesen hatte, nicht gelang, sich an neue soziokulturelle Bewegungen und plurale Lebensstile, wie sie beispielsweise in der kommerzialisierten Jugendkultur sichtbar wurden, anzupassen. Die inhaltliche und optische Gestaltung der Zeitschrift – sie hatte sich seit Anfang der fünfziger Jahre kaum verändert – erschien starr und eingefahren. Der Sprachstil von HÖR ZU! wirkte nicht mehr frisch und unbekümmert wie in der Anfangszeit, sondern nunmehr gesetzt, gutsituiert und altbacken. Groß herausgestellte Programmhinweise zu Operetten und Opernsendungen sprachen Jugendliche angesichts einer breiten musikalischen Palette von US-Populärmusikangeboten kaum noch an, und selbst die Fortsetzungsromane wurden aufgrund der zunehmenden Verbreitung des Fernsehens lange nicht mehr in dem Maß gelesen wie noch zu Beginn der fünfziger Jahre.401 Auch die Identifikationsfigur Mecki verlor ihre Anziehungskraft. Wo früher biedere Gemütlichkeit den Lebensstil diktiert hatte, kündigte sich nun Aufbruchs- und Umbruchsstimmung an. In Anbetracht dessen schien der vorwiegend belehrende Gestus der Zeitschrift nicht länger das geeignete Mittel zu sein, um weite Teile der Gesellschaft anzusprechen, die sich im Zuge des wirtschaftlichen Wohlstands zunehmend pluralisiert und individualisiert hatte.402 Zwar kündigte Eduard Rhein aufgrund des zunehmenden Drucks von der Verlagsspitze mehrfach Modernisierungen an. Doch waren Rubriken wie „Die Frau ab vierzig“ oder der juristische Ratgeber „Recht oder Unrecht“, die der Chefredakteur zwischen 1962 und 1964 recht zögerlich einführte, denkbar ungeeignet, um das Gesicht von HÖR ZU! zu verjüngen und neue Lesepublika an die Zeitschrift zu binden.403 Wenig attraktiv, ja für viele Leser geradezu unverständlich, dürfte auch Rheins Kampagne für eine „gemäßigte Kleinschreibung“ gewesen sein, die der Chefredakteur jahrelang im Rahmen der „Bunten Palette“ präsentierte. Defizite wurden zudem bei der Präsentation des Kernstücks von HÖR ZU!, dem Programmabdruck, offensichtlich. Eduard Rhein, noch stark auf das Medium Radio bezogen, hatte es verpaßt, das Hörfunkprogramm mit dem Fernsehprogrammteil gebrauchsgerecht zu kombinieren, um den Hörgewohnheiten der Fernsehzuschauer stärker Rechnung zu tragen. Auch berücksichtigte er das Interesse der Lesenden an den neuen Fernsehprominenten nicht angemessen. Die Spalte „Mit Werner Baecker in New York“ und die im Herbst 1964 eingeführte Rubrik „Bummel durch die Studios“ – sie berichtete über die Entstehung und die Darsteller diverser Fernsehproduktionen – reichte nicht aus, um den Bedarf an Hintergrundinformationen und Prominentenberichten zu decken. Die Haltung Eduard Rheins, sich von den Intrigen des Showgeschäfts fernzuhalten, um sich nicht zu sehr an den Erfolg oder Mißerfolg von Fernsehsendungen zu koppeln, erwies sich zunehmend als verfehlt. Bereits 1960 hatte es aus diesen Gründen erste Gerüchte gegeben, Eduard Rhein abzulösen. Sowohl innerhalb als auch außerhalb des Verlags wurde ihm vorgeworfen, nicht mehr ganz „up to date“ zu sein:

Er müsse seine Nase mehr in den Wind halten, hieß es; der sprichwörtliche kleine Mann von der Straße sei inzwischen an mehr Pfeffer gewöhnt, die Konjunktur habe ihn aus der Gartenlaube gelockt.404

Angesichts dieser frühzeitig erkannten Mängel, die eine vom Springer-Verlag in Auftrag gegebene Leserschaftsanalyse 1964 bestätigte und dem zunehmenden Auflagenrückgang, setzte Springer nach fast zwanzigjähriger Zusammenarbeit mit Eduard Rhein im November 1965 den damaligen Leiter der „Bild am Sonntag“, Hans Bluhm, als Chefredakteur ein, dem er die anstehende Reformierung der Programmzeitschrift zutraute. Bei dieser Personalentscheidung spielten nicht zuletzt auch politische Gründe eine Rolle. Der linksliberale Bluhm – von Springer als Journalist sehr geschätzt – stimmte mit der nationalkonservativen Linie des Verlags nicht überein und sollte bei der „unpolitischen“ Familienzeitschrift HÖR ZU! einen unauffälligen Posten einnehmen.405 Innerhalb eines Jahres gelang es dem zwölf Jahre jüngeren neuen Chefredakteur, die Zeitschrift in mehreren Schritten behutsam zu modernisieren und die Auflage wieder anzuheben. Dabei wurde der Charakter von HÖR ZU! als Familienzeitschrift keinesfalls aufgegeben, sondern nur stärker individualisiert, da die Verhäuslichung der Menschen und die Gestaltung der Allltagsgewohnheiten mit und durch den Fernsehkonsum in den sechziger Jahren deutlich zunahm.406 Mit neuen redaktionellen Elementen, wie etwa „HÖR ZU für junge Leute“, einer Rubrik, die Rätsel, Schallplattentips und Spiele für Kinder und Jugendliche präsentierte, gestaltete Bluhm die Zeitschrift auch für jüngere Leser attraktiver.407 Die neue Seite „Die Plaudertasche. Eine bunte Mischung interessanter Kleinigkeiten für die Frau“ sprach die weiblichen Leser nicht mehr ausschließlich als Hausfrauen und Mütter, sondern vielmehr als Individuen mit differenzierten Interessen und Wünschen an.408 Daß die Zeitschrift insgesamt wieder lebendiger wirkte, lag zudem daran, daß es mehr Reportagen, Erlebnisberichte und Leseraktionen gab. Des weiteren richtete Bluhm die redaktionellen Sendeankündigungen sowie den Programmabdruck ganz auf das neue Leitmedium Fernsehen aus und gab die unter Eduard Rhein gepflegte Kampfstellung gegenüber Rundfunkanstalten, -handel und -industrie auf.409 Hans Bluhms Credo im Umgang mit den Funkhäusern lautete: „Wir mögen die öffentlich-rechtlichen Anstalten. Sie sind unser täglich Brot. Wir leben von ihnen. Sie leben von uns.“410 Das nunmehr enge Verhältnis zu den Rundfunkanstalten unterstrich Hans Bluhm mit der Erfindung des größten deutschen Fernsehpreises, der „Goldenen Kamera“. Eine Jury, bestehend aus neun Fachleuten der Redaktion prämierte ab 1965 jedes Jahr sieben Darsteller als Preisträger für außergewöhnliche Leistungen und wählte anhand von Leserzuschriften die zwei beliebtesten deutschen Fernsehstars aus.411 Die Erfindung der „Goldenen Kamera“ war, laut Hans Bluhm, ein wichtiger Schritt, um einerseits die fernsehbezogene Kompetenz der HÖR ZU! zu demonstrieren und andererseits den wachsenden Bekanntheitsgrad der Schauspieler, Showmaster, Schlagersänger und Moderatoren des Fernsehens zum eigenen Vorteil zu nutzen.412 Mit einer ausgeprägten Prominenten-Berichterstattung verstärkte die Programmzeitschrift den Glamour des Mediums, von dessen Popularität sie selbst profitierte.413 Die Stars wiederum konnten durch HÖR ZU! ihren Marktwert erhöhen und ihre Sendungen optimal glacieren. Generell gingen Fernsehstars und Programmpresse eine weitaus engere Symbiose ein, als dies während der Hochzeit des Radios der Fall gewesen war. Mit der Verbreitung des Fernsehens wuchs nicht nur die Zahl der Prominenten, es entstand ein völlig neuer Typus von Prominenz. Fernsehshows und -serien waren mit den für sie charakteristischen Darstellern viel enger verknüpft als beim Radio.414 Die meisten diesbezüglichen Beiträge in HÖR ZU! standen daher in Bezug zu einer Fernsehsendung und präsentierten in umfangreichen Exklusiv-Reportagen die jeweiligen Protagonisten in ihrem privaten Umfeld, oftmals sogar nach wichtigen persönlichen Ereignissen, etwa nach der Geburt eines Kindes. Dieses Muster der Prominentendarstellung bestand zumindest bis zur Einführung des Privatfernsehens in der Programmpresse fort.415 Zudem modifizierte Bluhm die Zeitschrift in visueller Hinsicht. Im Verlauf des Jahres 1965 verschwanden die Titelbilder Kurt Ards, einst Markenzeichen von HÖR ZU! nunmehr „Signale des Gestrigen“416 ebenso wie die vielen kleinformatigen Fotos, die typisch für das Zeitschriftenlayout der frühen fünfziger Jahre gewesen waren. Nach dem Vorbild des bekannten Graphik-Designers Willy Fleckhaus – er hatte seit den späten fünfziger Jahren mit der Zeitschrift „Twen“ innovative Trends gesetzt – verwendete Bluhm nunmehr eine großformatige suggestive Schwarzweiß- und Farbphotographie sowie überdimensionierte Überschriften, so daß die optische Gestaltung von HÖR ZU! alles in allem großzügiger und ansprechender wirkte.417

Die äußere Modernisierung der Zeitschrift wurde von redaktionsinternen Veränderungen begleitet. Zwar hatte Bluhm die Mitarbeiterschaft von HÖR ZU! komplett übernommen. Doch verließen bis 1966 einige der älteren Kollegen, die eng mit Eduard Rhein zusammengearbeitet hatten, wie etwa Horst Claus, Fritz Fillies, Horst Ebert, Cyril Hart und Will Thederan die Redaktion. Bluhm seinerseits brachte einige Mitarbeiter von der „Bild am Sonntag“ mit und installierte mit Karin von Faber sogar eine weibliche Chefreporterin. Erstmals in der Geschichte von HÖR ZU! wurden offizielle Ressortleiter eingesetzt und im Impressum genannt.418 Bluhm versuchte, die Redaktionsarbeit effektiver zu gestalten und die vorherrschende bürokratische, beamtenmäßige Arbeitsmentalität abzubauen. Er entdeckte und förderte gezielt journalistische Talente unter den langjährigen Mitarbeitern, wie Karl-Heinz Mose, der unter Eduard Rhein fern der Textgestaltung seit 1953 in der Bildredaktion gearbeitet hatte, sowie Robert Atzorn, ehemals Leiter des Randspaltenressort. Beide entwickelten sich zu bekannten Fernsehredakteuren bei HÖR ZU!419 Insgesamt setzte Bluhm stärker auf die journalistische Eigenverantwortlichkeit und Kreativität der Redakteure, die für ihre Arbeit nunmehr übertariflich entlohnt wurden. Die Themen der Zeitschrift wurden nicht mehr ausschließlich vom Chefredakteur vorgegeben, sondern auf regelmäßigen Redaktionskonferenzen in wechselnden Formationen im kleineren und größeren Kreis diskutiert. Bluhm pflegte einen weitaus weniger distanzierten Führungsstil als sein Vorgänger. Die für den Alltag unter Eduard Rhein typischen Schikanen wurden abgeschafft: Wer sich morgens verspätete, wurde nicht mehr der Chefredaktion gemeldet. Unter Hans Bluhm, so die Meinung aller befragten Mitarbeiter, sei das redaktionelle Klima offener, liberaler und kollegialer gewesen.420

9 Resumé

Bei den Neugründungen in der Programmpresse nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte das Moment der Kontinuität vor dem des Neubeginns eindeutig vor. Wie die illustrierte Presse knüpften die Programmzeitschriften in personeller und konzeptioneller Hinsicht an die Erzeugnisse der frühen dreißiger Jahre an. Die Techniken des bunten, unterhaltenden Aufmachen von Medienprodukten waren während des Nationalsozialismus im Sinne der Systemstabilisierung weiterentwickelt worden und prägten in nicht zu unterschätzendem Maße die Rezeption sowohl der Print- als auch der Rundfunkmedien. Die einschneidenden politischen Zäsuren nach 1945 änderten an diesen vorherrschenden Aneignungsweisen der Medienangebote wenig. In den Folgegesellschaften des Dritten Reichs distanzierten sich die Menschen zwar auf der politischen Handlungsebene recht schnell vom Nationalsozialismus, aber die tieferliegenden Schichten der Einstellungsund Verhaltensbildung, die mentalen Dispositionen und der ästhetische Habitus blieben davon häufig wenig berührt.421

Aus diesem Grunde setzte Eduard Rhein bei der Gestaltung von HÖR ZU! fast ausschließlich auf frühere Kollegen von „Hier Berlin“ und „Sieben Tage“ sowie auf ehemalige Ullstein-Mitarbeiter. Sie hatten die Medienentwicklung im Dritten Reich nicht nur erlebt, sondern auch geprägt und besaßen vielfältige Erfahrungen, um die Unterhaltungsbedürfnisse der Menschen professionell zu befriedigen. Daß manche Journalisten das NS-Regime nicht nur durch ihre Arbeit im „unpolitischen“ Unterhaltungssektor legitimiert, sondern auch explizit-ideologisch propagiert hatten, war kein Hinderungsgrund für eine Anstellung bei HÖR ZU! Im Gegenteil: Professionelle Qualifikationen und Erfahrungen in der Medienlandschaft stellten für Eduard Rhein wichtige Einstellungsvoraussetzungen dar, solange sich die Redakteure politisch nicht exponierten.

Die Untersuchung von HÖR ZU! zeigt, daß es entsprechend den personellen Kontinuitäten deutliche konzeptionelle Parallelen zu den Programmzeitschriften gab, bei denen Eduard Rhein in den dreißiger Jahren als technischer Fachredakteur tätig war. HÖR ZU! war zwar keine direkte Fortsetzung dieser Programmblätter. Rhein nahm jedoch erfolgreiche Elemente auf, die er mit eigenen Ideen zu einem spezifischen Extrakt verband. So besaßen HÖR ZU! und „Hier Berlin“ eine ähnliche optische Aufmachung mit einem hohen Anteil an Fotos sowie ausgedehnten Artikelüber- und Bildunterschriften. Im sprachlichen Duktus gab es ebenfalls deutliche Gemeinsamkeiten, wie etwa das Vermeiden von Fremdwörtern oder ein humorvoll-optimistischer Tonfall. Auch in inhaltlicher Hinsicht orientierte sich Rhein an den Vorgängern von HÖR ZU! Die ausführliche nachträgliche Sendekritik – 1933 verboten – wurde nicht wieder aufgenommen, was primär medienspezifische Gründe hatte. Die Mehrheit der Bevölkerung hatte das Radio im Dritten Reich nicht nur als Propagandainstrument, sondern vor allem als zerstreuende Belebung des Alltags kennengelernt und zeigte wenig Interesse an Sendungen, die konzentriertes Zuhören verlangten, geschweige denn an extensiven Nachbesprechungen. Überhaupt kam HÖR ZU! dem starken unpolitischen Unterhaltungsbedürfnis mit Berichten und Bildern über Rundfunk- und Filmstars schnell entgegen. Damit knüpfte man an bewährte Muster an, hatten doch schon die Rundfunkzeitschriften der zwanziger und dreißiger Jahre mittels der Visualisierung von Rundfunkkünstlern ein beliebtes Starsystem initiiert. In dieser Hinsicht vollzog sich bei HÖR ZU! eine ähnliche Amalgamierung alter und neuer Ansätze und Richtlinien, wie sie auch in der Tagespresse und in anderen Bereichen westdeutscher Kultur, Politik, Gesellschaft und Wirtschaft anzutreffen war.

Gleichzeitig wurde nach den zeit-, System- und medienspezifischen Brüchen in der konzeptionell-inhaltlichen Gestaltung von HÖR ZU! im Vergleich zu den Vorgängern gefragt, da erfolgreiche Medienkonzepte nicht statisch sein dürfen. Sie müssen nicht nur bestehende Erfahrungen und Bedürfnisse der Lesenden aufnehmen, sondern sich in gewissem Maße auch neuen gesellschaftlichen Entwicklungen anpassen. So spielte etwa die Faszination der Radiotechnik in der Bundesrepublik eine weitaus geringere Rolle als im Dritten Reich. Während sich die Zeitschriften der Vorkriegszeit stark mit Themen des Rundfunkempfangs beschäftigt hatten, bildeten Informationen und Ratschläge zur Radiotechnik in HÖR ZU! nur bis 1950 einen festen Bestandteil. Das Innenleben der Geräte gab kaum mehr das aufmerksamkeitserregende Experimentierfeld wie in der Zwischenkriegszeit ab. Keineswegs unbekannt, aber doch neuartig war zudem die Art und Weise, wie HÖR ZU! sich in rundfunkorganisatorischen und programmlichen Fragen als selbsternanntes „Rundfunk-Parlament“ konstituierte und mit dem Abdruck zahlreicher Leserbriefe eine demokratische Teilhabe am Radio, durch die Programmzeitschrift moderiert, suggerierte. Wie HÖR ZU! von dieser Position aus die Rundfunkanstalten in den fünfziger und frühen sechziger Jahren kritisierte und welches Bild des Rundfunks sie als wichtiger publizistischer Machtfaktor prägte, wird in Kapitel V ausführlich aufgezeigt.

Eduard Rhein konturierte die Zeitschrift als Service- und Ratgeberinstanz, die über medienbezogene Themen hinaus vielfältige geschlechtsspezifisch adressierte Orientierungshilfen für den familiären Alltag bot. HÖR ZU! inszenierte sich nicht nur als „unbeirrbarer Berater in Rundfunk-Fragen“ und „guter Unterhalter“, sondern auch als „ein wirklicher Freund des Hauses“.422 Darüber hinaus schuf HÖR ZU! mit Rubriken wie „Fragen Sie Frau Irene“ eine spezifische Vertrautheit mit den Lesenden, indem sie sich an deren Alltagssorgen orientierte. Als Familienzeitschrift vermittelte HÖR ZU! also gleichsam komplementär zum Rundfunk häusliche Orientierungen, Konsumbedürfnisse und das Bild gemäßigter Modernität. Dabei erfuhren die vom Rundfunk und anderen Medien vermittelten gesellschaftlichen und geschlechtsspezifischen Leitbilder in HÖR ZU! noch einmal eine spezielle Behandlung, Ausformung und Verbreitung, wie die Inhaltsanalyse der Lebenshilferubrik „Fragen Sie Frau Irene“ zeigen wird.

Mit Hilfe von vielfältigen Werbestrategien avancierte HÖR ZU! zu einem Markenartikel. Der Springer-Verlag entwickelte um die Zeitschrift ein gesondertes Verbundsystem aus Buch-, Film- und später sogar Schallplattenproduktion und -vertrieb. Der Redaktionsigel Mecki war zudem das erste Merchandising-Produkt der Bundesrepublik. Mit ihrer hohen Auflage stellte HÖR ZU! die wohl wichtigste populäre Vermittlungsinstanz des Rundfunks in den fünfziger Jahren dar und war der Prototyp der Rundfunkzeitschrift als Familienzeitschrift. HÖR ZU! wurde in allen Bevölkerungsgruppen gelesen und besaß, wie die Abschnitte zur Rezeption zeigten, im Alltag ihrer Leser und Leserinnen einen besonders hohen Stellenwert. Mehr noch: Der Redaktion von HÖR ZU! gelang es, die Zeitschrift als unverzichtbares Bindeglied zwischen Medienkonsum und häuslicher Gemütlichkeit zu etablieren, wie der Text zu einer Werbemelodie sinnfällig demonstrierte: „HÖR ZU gehört, damit ihr’s wißt / in jedes Haus, wo Fernsehen ist / In jedes Haus, zu jeder Zeit / bringt HÖR ZU Gemütlichkeit.“423

Diese einmalige Stellung im Medienensemble der Bundesrepublik Deutschland hatte HÖR ZU! nicht zuletzt aufgrund des anfänglichen Monopols im Sendegebiet des NWDR, vor allem aber nach der Währungsreform durch die Anpassung an den vorherrschenden Publikumsgeschmack erhalten. Der Erfolg war in gewisser Hinsicht vorprogrammiert, weil die Aussagen der Kommunikatoren in wesentlichen Punkten mit den generationengebundenen Einstellungen, Erfahrungen und Interessen der Lesenden übereinstimmten. Mit einer Altersspanne zwischen 35 und 60 Jahren gehörten die wichtigsten Redakteure bei HÖR ZU! der gleichen Alterskohorte wie die Mehrzahl der Lesenden an. Nicht zufällig sanken Auflage und Reichweite von HÖR ZU! ab 1962, als Eduard Rhein und seine Kollegen älter geworden waren, aber jüngere Rezipientengruppen ansprechen mußten. Rhein, dessen journalistisches Gespür sich über mehr als zwanzig Jahre als überaus treffend erwiesen hatte, gelang es nicht, neue soziokulturelle Bewegungen und Lebensstile aufzunehmen. In dem Maße, wie sich zudem die Mediennutzung durch Zweitgeräte aus dem engen Kreis der Familie auslagerte, veralteten Konzept und Thematik der Zeitschrift. Mit Hans Bluhm gelangte nicht nur eine jüngere Generation an die Redaktionsspitze, die HÖR ZU! auch für ein jüngeres Leserpublikum wieder attraktiv machte und einer neuen, individuelleren Mediennutzung anpaßte. Er repräsentierte einen neuen Typus von „Blatt-Machern“, die Zeitschriften nicht autoritär gestalteten, sondern auf das Kreativpotential und das Mitspracherecht ihrer Mitarbeiter setzten.

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1Koszyk, Kurt, Die deutsche Presse 1945-1949, in: Wagner, Journalismus, S. 61-74, S. 65f.

2Der Geräteverlust im Zweiten Weltkrieg betrug nur ein Fünftel des Gesamtbestandes. Dazu Schildt, Hegemon, S. 459 und Hermand, Jost, Kultur im Wiederaufbau. Die Bundesrepublik Deutschland 1945-1965, Frankfurt am Main, Berlin 1989, S. 330.

3Siehe zum zeitlichen Verlauf der Instandsetzung der Sender durch die Alliierten, Frei, Norbert, Hörfunk und Fernsehen, in: Benz, Wolfgang (Hg.), Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd.4: Kultur, Frankfurt am Main 1989 (2. Aufl.), S. 417-463, S. 417f. und Koszyk, Kurt, Kontinuität oder Neubeginn. Massenkommunikation in Deutschland 1945-1949, Siegen 1981, S. 36.

4Siehe dazu Flamm, Leo, Am Anfang war die Vorzensur. Der Neubeginn von Rundfunk und Presse in Nordrhein und Westfalen, in: Klaus Honnef/Hans M. Schmidt (Hg.), Aus den Trümmern, Kunst und Kultur im Rheinland und in Westfalen 1945-1952. Neubeginn und Kontinuität, Köln, Bonn 1985, S.493-500, S.493. Vgl. auch Bausch, Rundfunkpolitik, Teil 1: 1945-1962, S.149.

5Ebd., S. 325.

6Diller, Ansgar, Rundfunkprogrammpresse nach dem Zweiten Weltkrieg. Hör Zu war nicht die Erste, in: Funk-Korrespondenz, Jg. 34 (1986), Nr.51/52, S. 13-14.

7Siehe zu der leninistisch-marxistischen Theorie der „Presse neuen Typs“ sowie zu den Definitionen der Postulate „Agitation“, „Propaganda“ und „Organisation“ die prägnante Zusammenfassung von Geißler, Rainer, Die Massenmedien der DDR im Überblick. Vom Kampf der Agitatoren mit einem widerspenstigen Publikum, in: Haas, Mediensysteme, S.92-101, S.94; Liedtke, Rüdiger, Die verschenkte Presse. Die Geschichte der Lizensierung von Zeitungen nach 1945, Berlin 1982, S.14.

8Einen Überblick über die Programmzeitschrift der DDR bietet: Wölfle-Fischer, Susanne, Hörer als Leser: „Einen Rundfunk bitte!“ Zur Frühgeschichte der Programmzeitschrift, in: Simone Barck/ Martina Langermann/Siegfried Lokatis (Hg.), Zwischen „Mosaik“ und „Einheit“. Zeitschriften in der DDR, Berlin 1999, S.394-401.

9Auf die Unterschiede in den organisatorischen Ansätzen der britischen, französischen und amerikanischen Besatzungsmacht kann an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Verwiesen sei auf Bausch, Rundfunkpolitik, Teil 1 und Lerg, Winfried B./Steininger, Rolf (Hg.), Rundfunk und Politik 1923-1973, Berlin 1975.

10Die Publikation erschien alle zwei Wochen und trug den anspruchsvollen Untertitel „Zeitschrift für die Kulturaufgaben des Rundfunks“.

11Die „Radio-Programmzeitung der großen Revue“, so der Untertitel, wurde von dem reetablierten Verlag Heinz Ullstein unter der Chefredaktion von Margarethe Paupritz erstellt und erschien in einer Auflage von 50 000 Exemplaren. Schließlich folgte im Sommer 1947 für „Radio Bremen“ die „Radio-Illustrierte“ und für den Einzugsbereich von „Radio Frankfurt“ erschien der „Radio-Almanach“.

12So erschien in Stuttgart beispielsweise die „Funkwoche“. Eine „Unterhaltungszeitschrift mit Programm für den Funkhörer“, die vom Verlag Oscar Angerer herausgegeben wurde und für das Sendegebiet von „Radio Bremen“ gab es den „Bremer Radio-Almanach“. Bolz, Rüdiger, Rundfunk und Literatur unter amerikanischer Kontrolle. Das Programmangebot von Radio München 1945-1949, München 1991, S. 17, 531. Die deutsche Presse 1946. Zeitungen und Zeitschriften von heute. Katalog der Vier-Zonen-Presseschau Marl und Dortmund, Recklinghausen 1946, S. 100f.

13Angaben aus Sperlings Zeitschriften- und Zeitungs-Adreßbuch. Handbuch der Deutschen Presse, 62. Ausgabe 1947, bearb. von der Adreßbuch-Redaktion des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig, Leipzig 1947, S. 217.

14Bausch, Rundfunkpolitik, Teil 1, S. 18.

15Bierbach, Wolf, „Fenster zur Welt: Rundfunk und Presse nach 1945“, in: Gerhard Brunn (Hg.), Neuland Nordrhein-Westfalen und seine Anfänge 1945/46, Essen 1986, S. 137-149, S. 137, 140. Vgl. dazu auch Obermeier, Karl-Martin, Medien im Revier. Entwicklungen am Beispiel der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“ (WAZ), München u. a. 1991, S. 236.

16Lott, Frauenzeitschriften, S.321.

17Dazu Heym, Jürgen, Programmzeitschriften in Großbritannien, in: Media-Perspektiven, Jg. 5 (1985), Nr. 9, S. 687-691, besonders S. 687.

18Frei, Norbert, Ein großes Angebot. Eine medienhistorische Einführung 1945-1949, in: Unsere Medien – Unsere Republik, Jg. 1 (1989), Nr.1, S. 7.

19Köhler, Schreibtischtäter und Köpf, Peter, Ex-Nazis hatten eine Chance. Goebbels-Propagandisten in der westdeutschen Nachkriegspresse, in: Medien & Zeit, Jg. 10 (1995), H.3, S. 28-34.

20Hausjell, Journalismus.

21Möding/Plato, Nachkriegspublizisten. Zu den Karriereverläufen im Rundfunk: Becker, Gerhard, Karriereverläufe der Rundfunkintendanten seit 1946, in: StRuG, Jg.11 (1985), Nr.3, S. 268-287. Kutsch, Arnulf, Deutsche Rundfunkjournalisten nach dem Krieg. Redaktionelle Mitarbeiter im Besatzungsrundfunk 1945 bis 1949. Eine explorative Studie, in: StRuG, Jg. 12 (1986), Nr. 3, S. 191-214.

22Lott, Frauenzeitschriften, S. 3.

23Bauer, Programmpresse, S. 327f.

24Vgl. z. B. Herzfeld, Friedrich, Geiger oder Teufel, in: Der Rundfunk, Jg. 1 (1946), Nr. 9, S. 4 und ders., Rundgespräch über neue Musik, in: ebd., Jg. 1 (1946), Nr. 12, S. 4. Tschauner, Ellie, Ist das Ohr langsamer als das Auge?, in: ebd., Jg. 3 (1948), Nr. 1, S. 9.

25Vgl. Kap [Kapeller, Ludwig], Wir gehen in die Pilze, in: Der Rundfunk, Jg. 3 (1948), H. 34/35, S. 10-11. Auch brachte er gelegentlich Artikel zu einzelnen Sendereihen bzw. rundfunkspezifische Retrospektiven: z. B. L.K. [Kapeller, Ludwig], „25 Jahre Berliner Rundfunk“, in: ebd., Jg. 3 (1948), H. 42/43, S. 8-9 und Kap [Kapelter, Ludwig], 3 Minuten allerhöchstens! Wie eine Kurz-Reportage für den „Pulsschlag“ entstand, in: ebd., Jg. 3 (1948), Nr. 2, S. 21.

26Siehe o. V., Ludwig Kapeller , in: Aufbau NY vom 10.11.1967.

27Siehe Backhaus, Wilhelm, „Ich kann Milliarden machen“. Ein Psychogramm Axel Springers, in: Der Spiegel, Jg. 23 (1968), Nr. 1, S. 24-37, S. 27.

28Seine Laufbahn hatte Springer im väterlichen Verlag Hammerich & Lesser begonnen, der die Tageszeitung „Altonaer Nachrichten“ herausgab. Hier hatte er ab 1928 das Setzerei- und Druckereihandwerk erlernt, bevor er in der Hamburger Zweigstelle des „Wolff’schen Telegraphenbüros“ und bei der „Bergedorfer Zeitung“ erste journalistische Erfahrungen sammelte. 1933 war Springer zu Hammerich & Lesser zurückgekehrt und hatte zunächst als Sportredakteur bei den „Altonaer Nachrichten“ gearbeitet, wo er 1937 zum stellvertretenden Chefredakteur und Chef vom Dienst aufstieg. Eine Erkrankung schützte Springer, dem es immer wieder gelungen war, sich der Mitgliedschaft im nationalsozialistischen Organisationsgefüge zu entziehen, vor der Einberufung zum Kriegsdienst. 1941 wurde die verlagseigene Tageszeitung – sie war nach der Eingemeindung Altonas nach Hamburg in „Hamburger Neueste Nachrichten“ umbenannt worden – aus kriegswirtschaftlichen Gründen stillgelegt. Die Druckerei des Verlags wurde Anfang 1945 bei einem alliierten Luftangriff zerstört. Dennoch verfügte Springer dank des Vermögens seines Vaters und der Bücher, die Hammerich & Lesser in den letzten Kriegsjahren in Altona produziert und in der Heide eingelagert hatte, über ausreichendes Startkapital. Vgl. zu dem Lebenslauf Springers: Naeher, Springer, S. 68 und Gossel, Daniel A., Die Hamburger Presse nach dem Zweiten Weltkrieg. Neuanfang unter britischer Besatzungsherrschaft, Hamburg 1993, S. 126.

29Detailliert zu den ersten Zeitungsplänen Axel Springers: Jurk, Michael, Kontinuität und Bruch. Die „Stunde Null“ im deutschen Presse- und Verlagswesen am Beispiel des Axel Springer Verlags, in: Archiv und Wirtschaft, Jg. 29 (1996), H. 1, S. 90-94.

30Jacobi, 50 Jahre, S. 36.

31Ebd. Zugleich hatte Springer Lizenzanträge für die Monatsschrift „Das Kind“, die Zeitung „Quick“, die Zeitschriften „Omnibus“ und „das Ziel“ sowie für eine weitere Tageszeitung mit dem Titel „Excelsior“ gestellt.

32Koszyk, Kurt, Pressepolitik, S. 237.

33Schüddekopf, Gespräch, S.17f. und Schaaf, Dierk Ludwig, Politik und Proporz im NWDR. Rundfunkpolitik in Nord- und Westdeutschland 1945-1955, Diss. Hamburg 1971, S. 15.

34Berndt, Thomas, Nur das Wort kann die Welt verändern. Der politische Journalist Axel Eggebrecht, Herzberg 1998, S. 89. Vgl. auch Zahn, Peter von, Stimme der ersten Stunde. Erinnerungen 1913-1951, Stuttgart 1991, S. 283.

35Jacobi, 50 Jahre, S. 43; Gossel, Hamburger Presse, S. 127.

36ASV-UA, HÖR ZU!: Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Axel Springer an Bruno E. Werner, 22.2.1946. Gröning gestaltete das Layout der Probenummer vermutlich schon im Februar und nicht erst im Sommer 1946 wie in der Festschrift zum fünfzigjährigen Bestehen des Axel Springer Verlag angegeben. Vgl. Jacobi, 50 Jahre, S. 46. In einem Schreiben an Ludwig Kapeller erwähnt Springer, daß der Entwurf schon sehr bald nach seinen ersten Besprechungen mit den Rundfunkleuten eingereicht worden sei. Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Axel Springer an Ludwig Kapeller, 3.7.1946.

37Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 3.7.1946. Siehe dazu detailliert Kapitel I.6.

38Siehe dazu detailliert Kapitel I.6.

39Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Axel Springer an Ludwig Kapeller, 3.7.1946 (Durchschrift).

40Nachlaß Rhein, Ordner 14, HÖRT MIT! Die Wochenschrift des Nordwestdeutschen Rundfunks. Propaganda-Blätter.

41Der Antrag ist leider nur als undatierter Entwurf im Unternehmensarchiv der Axel Springer AG vorhanden. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Antragsentwurf [o. D.].

42Thomas, Michael, Deutschland, England über alles. Rückkehr als Besatzungsoffizier, Berlin 1984, S. 177.

43NDR HA, Verwaltungsdirektion, Ordner 01.04041.000, Vertrag zwischen dem NWDR Hamburg und dem Hammerich & Lesser Verlag/Axel Springer, 30.7.1946.

44Bei einer Auflagensteigerung über 400 000 Stück meinte Springer sogar einen teilbaren Gewinn von bis zu 12 Prozent des Umsatzes erreichen zu können. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Axel Springer an Oberst Heycock, 14.3.1946.

45Vgl. Interview Brandes, 26.2.1995.

46Vgl. o. V., Cyril Hart, in: Springer-Post, Jg. 3 (1961), Nr. 2, o. S. 47

47Dazu auch Tüngel/Bemdorff, Auf dem Bauche, S. 118f.

48Rogasch, Wilfried, Ätherkrieg über Berlin. Der Rundfunk als Instrument politischer Propaganda im Kalten Krieg 1945-1961, in: Deutschland im Kalten Krieg. Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums 28. August bis 24. November 1992 im Zeughaus Berlin, Berlin 1992, S. 69-84.

49ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von E.K.Wiechmann an Axel Springer, 13.8.1946.

50Vgl. SPD (Hg.), Denkschrift über die Verfassung und Programmgestaltung des NWDR, Hannover 1948.

51Dabei handelte es sich um die Publikationen „Radio-Spiegel“ (Stuttgart), „Radio-Almanach“ (Frankfurt am Main), „Radio-Revue“ (Berlin), „Radio-Welt“ (München) und um die „Radio-Illustrierte“ (Bremen). In der französischen Zone erschienen die „Funk-Welt“ (Baden-Baden) und die „Süddeutsche Funkwoche“ (Karlsruhe). Zu den Charakteristika der einzelnen Zeitschriften, Klein, Eckart, Die deutsche Radiofachpresse, in: Der Journalist, Jg. 3 (1948), Nr. 3/4, S. 1-2.

52HStA NRW, NW 11, Nr.26, Schreiben von Ilse Tormin, Franz P. Brückner, Günter Kroh an den Beratenden Presseausschuß bei der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, Herrn Dr. Stommen, 1.9.1948, fol. 250; Schreiben von Günter Kroh an den Ministerpräsidenten, Karl Arnold, 18.3.1949, fol. 257-258; Schreiben Günter Kroh an den Beratenden Presseausschuß der Landesregierung Nordrhein-Westfalen, 26.3.1949, fol. 260.

53Müller, Springer-Konzern, S. 53.

54Zum Prozeß der Namensfindung siehe ausführlich Kapitel I.6.

55Siehe die erste Ausgabe von HÖ, Jg. 1 (1946), Nr. 1.

56Diesen Untertitel trug HÖRZU! bis Jg. 3 (1948), Nr. 10.

57Redaktion und Verlag, An unsere Leser, in: HÖ, Jg.1 (1946), Nr.1, S. 2.

58Dies war 1947 immerhin bei acht Ausgaben notwendig.

59Laut Wolfgang Huwe wendeten sich viel mehr Leser mit rundfunktechnischen Problemen als etwa mit Fragen und Anmerkungen zur Programmgestaltung oder zu Rundfunkmitarbeitern an HÖR ZU!. Vgl. Interview Huwe, 10.2.1997.

60Interview Huwe, 10.2.1997. Mindestens die Hälfte aller Programmankündigungen wurde 1947/48 von Mitarbeitern des NWDR verfaßt.

61o. V., Die Köpfe rauchen!, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 4, S. 3. und ha-er, NWDR-Turnier. Wettkampf der Schnelldenker. Wer hat Köpfchen und macht mit?, in: HÖ, Jg.2 (1947), Nr. 1, S. 3.

62o. V., Letzter Akt Berlin. Ein norwegischer Journalist erlebt den Untergang der Reichshauptstadt, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr.31, S. 8; o. V., Was wir nicht hören durften. Proben aus einem kommenden Buch, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 36, S. 6-7.

63HÖR ZU! zeigt die Bühne zum Funkspiel. Frühling. Ein Singspiel von Franz Lehar, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 13, S. 1.

64Zunächst brachte HÖR ZU! nur die deutschen Sendungen der BBC. Ab Sommer 1947 kamen die englischen Programme „Home Service“, „Light Programme“ und „Third Programme“ hinzu.

65Schwerin, Rosemarie, Ein Streiflicht erlosch ..., in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 6, S. 3; dies., Gestatten Gondi! Ein neuer Freund des Reporters: Der Ü-Wagen im Handkoffer, in: HÖ, Jg. 3 (1948), Nr. 22, S. 3.

66Vgl. Peukert, Volksgenossen, S. 225f.

67Die Rubrik erschien ab HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 8.

68Der Einsatz von Farben changierte 1947 erheblich. Bei einigen Ausgaben war das rechte Viertel der Titelseite und einzelne Felder der Rückumschlagseite jeweils rot (Nr. 20, 23), orange (Nr. 19, 26), grün (Nr. 18, 35), rosa (Nr. 22) oder blau (Nr. 24, 30, 37) gedruckt.

69Für HÖR ZU! arbeiteten vor allem die Fotografen Etzold, Weidenbaum und Umlauff.

70Interview Huwe, 10.2.1997.

71Siehe dazu die redaktionelle Ankündigung: HÖR ZU! fällt nächste Woche aus, in: HÖ, Jg. 1 (1946), Nr. 3, S. 8. Vgl. Die Redaktion, HÖR ZU! ist dreimal ausgefallen, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 7, S. 2.

72Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 320.

73ASV-UA, ASDO 2702, Lindemann, Klaus, „Das Ohr ist ein herrlicher Sinn, mit dem man arbeiten kann!“ Axel Eggebrecht über seine Rundfunkarbeit, Sendemanuskript, Feature-Abteilung Sender Freies Berlin 1989, S. 20, 22. Schneider, Christof, „Das knatternde Ding, das offenbar so etwas wie akustischer Kino-Ersatz fürs traute Heim war“ – Der Rundfunkjournalist Axel Eggebrecht, in: StRuG, Jg. 18 (1992), Nr. 1, S. 69-88, S. 74. Dazu auch Christiansen, Anne, Axel Eggebrecht beim Nordwestdeutschen Rundfunk 1945-1949. Der „freie Autor“ und der Apparat, unveröff. Magisterarbeit, Hamburg 1991, S. 54.

74Schriftliche Auskunft von Wolfgang Huwe, 25.4.1997.

75Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Julia Dingwort-Nusseck an Eduard Rhein, 22.8.1985. Dingwort-Nusseck war ab 1946 als Wirtschaftsredakteurin beim NWDR Hamburg tätig gewesen. Rhein hatte ferner eine telefonische Querverbindung vom Redaktionsgebäude zum Funkhaus legen lassen. Nachlaß Rhein, Ordner 14, Aktennotiz über die Besprechung im Funkhaus, 17.9.1946. Darüber hinaus lehrte er Rundfunktechnik an der 1947 gegründeten Rundfunkschule des NWDR. Sinjen, Marlene, Du schaffst es. Erfahrungen eines ungewöhnlichen Lebens, München 1990, S. 138. Sinjen war Mitglied des ersten Jahrgangs der Rundfunkschule.

76Interview Huwe, 10.2.1997.

77Der Vertrieb, 12 Hörer – 1 HÖR ZU!, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 9, S. 2.

78ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Axel Springer an Press and Periodical Seetion, PRISC Regional Staff Hamburg, 18.7.1947.

79ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Axel Springer an Press Section, PRISC Regional Staff Hamburg, Information Control, 30.1.1947.

80ASV UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Werner G. Irrer an Hammerich & Lesser, Vertriebsleitung, 15.1.1947.

81ASV UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Johannes Schwalbe an Verlag Hammerich & Lesser, 6.2.1947 und Schreiben von Franz Zamikan an Hammerich & Lesser, 25.1.1947.

82ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Hans Küpper, Bericht Nr. 1 über Aufnahme und Vertrieb von HÖR ZU! in Uelzen, 2.2.1947.

83ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben vom Hammerich & Lesser Verlag, Zweigniederlassung Berlin, an Axel Springer, 3.2.1947.

84ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Axel Springer an Press and Periodical Section, PRISC Regional Staff Hamburg, Information Control, 18.7.1947.

85Vgl. Interview Huwe, 10.2.1997.

86Siehe zur Verwendung von Humor und Heiterkeit zur Konstruktion von Normalität während des Krieges, die Ausführungen von Monika Pater am Beispiel des Wunschkonzerts der Wehrmacht sowie von Bunten Stunden, in: von Saldern/Marßolek, Zuhören, Bd. 1, S. 223-228, 239ff.

87Vgl. Plato, Alexander von, Erfahrungsstrukturen der Besatzungszeit nicht nur in Nordrhein-Westfalen: Mit alten Köpfen in neue Zeiten, in: Brunn, Neuland, S. 9-27.

88HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 19, S. 5.

89Diese Kampagnen werden in Kapitel V dieser Arbeit eingehend untersucht.

90Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 296.

91Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Eduard Rhein an Axel Springer, 10.7.1945; Aktennotiz betr. Anstellung Wilmar Riegenring, 5.8.1946.

92Erwin Lehnow nahm eine leitende Position bei der anspruchsvoll gestalteten Frauenzeitschrift „Mosaik“ an, die ab Oktober 1947 im britischen Sektor Berlins erschien. Danach war er bei der im wiedergegründeten Ullstein-Verlag erscheinenden „Illustrierten Berliner Zeitschrift“ tätig. Vgl. o. V., Erich Lehnow gestorben, in: Telegraf vom 17.4.1955. Wilmar Riegenring hatte 1946 noch Zeichnungen zu der von Eduard Rhein im Auftrag der britischen Besatzungsmacht herausgegebenen Publikation „Lernt Englisch im Londoner Rundfunk“ erstellt. Ab 1947 arbeitete er für die ostzonale Tageszeitung „Sonntag“ und zeichnete ab 1949 zudem politische Karikaturen für das SED-Zentralorgan „Neues Deutschland“. Grunert, Hanns, Ri 47. Wilmar Riegenring, in: Sonntag vom 30.11.1947 und P.S., Mit Witz und Schärfe, in: Sonntag vom 7.1.1951.

93Als „Prohibited Personal“ wurden alle leitenden Angestellten des RMVP, der Propaganda- und anderen Stellen der NSDAP und der Reichskulturkammer bis zur Position des Ministerialdirigenten gearbeitet hatten. Außerdem alle, die als Schriftleiter oder in höheren Positionen bei NS-Zeitungen und Verlagshäusern tätig gewesen waren. Hierbei wurden ausdrücklich die Verlage Scherl und Deutscher Verlag genannt. Köpf, Schreiben, S. 24f.

94Siehe dazu Möding, Nori/Plato, Alexander von, Die „Stunde Null“ der Medien? Über Kontinuität und Bruch in der Medienentwicklung nach 1945, in: Unsere Medien – Unsere Republik, Jg. 1 (1989), Nr. 1, S. 16-19, S. 17. Vgl. auch Köpf, Schreiben, S. 26f.

95Frei/Schmitz, Journalismus, S. 186.

96Dazu detailliert Lerg, Winfried B., Über die historische Selbstvergessenheit der journalistischen Zunft, in: StRuG, Jg. 14 (1988), Nr. 1, S. 3-8, S. 4.

97Zur Rolle von Hugh C. Greene bei der Organisation des NWDR: Greene, Hugh Carleton, Entscheidung und Verantwortung, Hamburg 1970 und Tracey, Michael, Das unerreichbare Wunschbild. Ein Versuch über Hugh Greene und die Neugründung des Rundfunks in Westdeutschland nach 1945, Köln u. a. 1982.

98Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 302.

99Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 18.5.1946.

100Vgl. Kruip, „Welt“-„Bild“, S. 185.

101fi, Reporter mit Pinsel und Zeichenstift, in: Süddeutsche Zeitung vom 25.6.1975. Liska hatte in den späten dreißiger Jahren die von Eduard Rhein im Auftrag der Elektrischen Werke, Berlin verfaßte Werbebroschüre „Komm zu uns!“ illustriert. Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 138, 309.

102Einen Überblick über die Kriegszeichnungen Liskas bietet: Signal 1940/41-1944/45. Eine kommentierte Auswahl abgeschlossener völlig unveränderter Beiträge aus der Propaganda-Zeitschrift der Deutschen Wehrmacht, 5 Bde., Hamburg 1977.

103Schriftliche Auskunft Huwe, 25.4.1997. 1949 verließ Mecklenburg die Redaktion, da er sich mit Eduard Rhein nicht verstand.

104BA Berlin, SS verschiedene Provenienzen, Film-Nr. 6 306, Aufnahme 3 831 977-981, Mecklenburg war seit dem 1. Mai 1933 unter der Nr. 2 753 243 als Mitglied der NSDAP eingetragen.

105hip, Journalist aus Leidenschaft. Hans Mecklenburg wird 80 Jahre alt, in: Hamburger Abendblatt vom 9.4.1992.

106BA Berlin, RKK, Meyer, Georg, 31.5.1900, Lebenslauf, 15.1.1939. Interview Mose, 13.11.1996. H.A., Jungen Kollegen den Weg gewiesen. Georg Meyer wird 70 Jahre alt, in: Hamburger Abendblatt vom 30./31.5.1970.

107Schüler, Horst, Zum Tode von Eberhard von Wiese. Pate der Hamburger Kultur, in: Hamburger Abendblatt vom 5.6.1982.

108o. V., Zum 60. Geburtstag, in: Springer-Post, Jg. 10 (1968), Nr. 11, o. S. und e. V., Eberhard von Wiese 65, in: Der Journalist, Jg. 13 (1963), H. 11, o. S.

109Vgl. seinen ersten Beitrag für HÖR ZU!: Marein, Josef, Leitung: Schmidt-Isserstedt. Der Dirigent und sein Orchester, in: HÖ, Jg. 2 (1947), Nr. 7, S. 3.

110Straßen der Tapferkeit. FH-Sonderbericht von Kriegsberichter Jupp Müller-Marein, in: Front und Heimat, Februar 1945, S. 4. Vgl. dazu Köpf, Schreiben nach jeder Richtung, S. 155.

111Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Eduard Rhein an Axel Springer, 29.8.1946.

112HStA NRW, NW 11, Nr. 26: Erteilte Lizenzen 1948-1950, Fragebogen von F.P. Brückner vom 10.4.1948, Bl. 210-215; Presse-Fragebogen F.P. Brückner, 3.9.1948, Bl. 221-222.

113HStA NRW, NW 11, Nr. 26, Bericht über Lizenzantrag für die Zeitschrift „Westfunk“, Köln, vom Licensing Adviser, Information Services Division, Berlin, o. D. und NW 11, 1114, Kurzgefaßter Lebenslauf des Franz P. Bruckner, o. D., Bl. 6. Bruckner war am 2.3.1946 als „politisch Verfolgter“ anerkannt worden.

114Nachlaß Rhein, Ordner 14, Schreiben von Eduard Rhein an Axel Springer, 29.8.1946.

115Interview Huwe, 10.2.1997.

116Möding/Plato, Nachkriegspublizisten, S. 51ff.

117Siehe zu diesen Integrationsvorgängen, die in der Nachkriegszeit alle staatsnahen, bildungsbürgerlichen Berufsgruppen kennzeichneten: Berghoff, Hartmut, Zwischen Verdrängung und Aufarbeitung. Die bundesdeutsche Gesellschaft und ihre nationalsozialistische Vergangenheit in den Fünfziger Jahren, in: GWU, Jg. 49 (1998), H. 2, S. 96-114, S. 104f.

118Frei/Schmitz, Joumalismus, S.189f.

119Rosenthal, Gabriele (Hg.), „Als der Krieg kam, hatte ich mit Hitler nichts mehr zu tun“. Zur Gegenwärtigkeit des „Dritten Reichs“ in Biographien, Opladen 1990, besonders S. 227, 239.

120Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 303.

121Interview Brandes, 26.2.1995.

122Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 394.

123Kürten besaß die NSDAP-Mitglieds-Nr. 2 381 936. BA Berlin, RKK, Kürten, Wolf Dr., 14.3.1909, Fragebogen zur Aufnahme als Mitglied in die Reichsschrifttumskammer, Gruppe Buchhandel, 20.10.1938.

124BA Berlin, Ämter, Dienststellen, Organisationen O-W, Ordner 212, Dienstanweisung Nr.1 für die Lektoren der Reichsstelle zur Förderung des deutschen Schrifttums vom 9.12.1935, fol. 126.

125BA Berlin, Ämter, Dienststellen, Organisationen O-W, Ordner 212, Rundschreiben an alle Lektoren, Dienstanweisung Nr. 2 vom 17.2.1936, fol. 137.

126Genauere Angaben, um welche Tageszeitungen es sich handelte, konnten nicht eruiert werden. Vgl. o. V., Wir gratulieren zum 60. Geburtstag, in: Springer aktuell, Jg. 11 (1969), H. 4, o. S.

127Interview Land, 8.7.1996 und Interview Huwe, 10.2.1997.

128Fillies führte die NSDAP-Mitglieds-Nr. 2 580 278. BA Außenstelle Dahlwitz-Hoppegarten, ZA VI, 3914, Akte 18, Lebenslauf Friedrich Fillies, [o. D.] und Fragebogen zum Rundschreiben Nr. 20, 30.3.1938.

129BA Berlin, RKK, Fillies, Friedrich, 24.11.1900, Lebenslauf, 27.4.1940.

130BA Dahlwitz-Hoppegarten, FW 474, Akte 4, Liste der Kriegsberichter mit kurzer Beurteilung ihrer Qualität, o. D., fol. 7.

131Berndorffs erster Roman „Paranon“ erschien 1948 in der Programmzeitschrift.

132BA Berlin, RKK, Berndorff, Hans-Rudolf, 20.9.1895, Lebenslauf, o. D. Vgl. auch Nachlaß Rhein, Ordner 20, NWDR-Sendemanuskript: Der Konsumroman von Erich Peter Neumann, ausgestrahlt am 29.11.1950, S. 34.

133BA Berlin, RKK, Berndorff, Hans-Rudolf, 20.9.1895, Fragebogen für Mitglieder des Fachverbands Dt. Schriftsteller e. V., 22.12.1933.

134BA Berlin, RKK, Berndorff, Hans Rudolf, 20.9.1895, Bescheinigung w II-012481-Ku, 1.6.1944. Im Februar 1945 wurde er vom „Volkssturm“ zurückgestellt, da er als Autor eines kriegswichtigen Films der Prag-Film A. G. arbeitete. BA Berlin, RKK, Bemdorff, Hans Rudolf, 20.9.1895, Schreiben von Reichsfilmintendant i. A. Dr. Müller-Goeme an die Kreisleitung II über die Ortsgruppe Jena der NSDAP, Berlin-Wilmersdorf, 2.2.1945.

135Koszyk, Pressepolitik, S. 201. Siehe auch die biographischen Angaben zu Bemdorff, in: Wer ist Wer? Das deutsche Who’s Who. XII. Ausgabe von Degener’s Wer ist’s?, hrsg. von Walter Habel, Berlin 1955, S. 74.

136Der Roman „Paranon“ startete in: HÖ, Jg. 3 (1948), Nr. 37, S. 6-7. Vgl. zu der von Rhein kalkulierten Popularität Bemdorffs auch Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 326.

137Unter seinem Namen bzw. unter seinem alten Pseudonym Rudolf van Wehrt erschienen von Hans Rudolf Bemdorff in HÖR ZU! mehrere Romane und Tatsachenberichte. Genannt seien hier „Brich das Gesetz ...“ ab HÖ, Jg. 4 (1949), Nr. 45, S. 6-7; Mord-Akte Sengespeik. Tatsachenbericht nach Aufzeichnungen des Polizei-Oberinspektors (K.) Stave von Rudolf van Wehrt, ab HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 19, S. 14. Der Graf von Monte Pharo. Eine abenteuerliche Begebenheit. Berichtet von Rudolf von Wehrt, ab HÖ, Jg. 6 (1951), Nr. 4, S. 30. Berndorff, Hans-Rudolf, Venus auf der Waage. Ein Schicksal im Zwielicht der Sterne, ab HÖ, Jg. 6 (1951), Nr. 41. Selbst 1962/63 brachte Rhein noch mit Rudolf van Wehrt, Das Ei des Kubitzky. Die Geschichte eines Freibeuters der Medizin entsprechende Romane. Vgl. auch o. V., Wir trauern um unseren Mitarbeiter H.R. Berndorff, in: HÖ, Jg. 19 (1964), Nr. 1, S. 4.

138Zur Biographie und Bibliographie Hollanders detailliert: Kayser, Hollander. Hollander verstarb 1973.

139Einige Filmtitel seien hier genannt: „Schatten der Vergangenheit“ (1936), „Anna Favetti“ (1938), „Mädchen im Vorzimmer“ (1940) und „Der Majoratsherr” (1944). Vgl. ebd., S.52f.

140Hollander, Walther von, Der Mensch über Vierzig. Neuer Lebensstil im neuen Lebensalter, Berlin 1938.

141Sein 1928 erschienenes Buch „Schicksale gebündelt“ war 1937 verboten worden. BA Berlin, R 58/910, Schreiben von der Gestapo an den Präsidenten der Reichsschrifttumskammer, 17.8.1937. Wie in einem biographischen Werdegang aufgeführt, hatte Hollander von 1933 bis 1945 zudem Rundfunkverbot. Siehe dazu: Hollander, Walther von, Von ihm selber, in: Das Einhorn, Jahrbuch Freie Akademie der Künste, Hamburg 1957, S. 164-167, S. 167.

142BA Berlin, R 58/910, Programmatische Erklärung der „Gruppe 1925“, o. D., fol. 146.

143Vgl. Witter, Ben, Gespräch mit Walther von Hollander: „Man beschimpft keinen alten Mann“, in: Die Zeit vom 17.9.1971. Zwischen 1933 und 1944 erschienen von ihm allein elf Unterhaltungsromane. Siehe die detaillierten Angaben in Kayser, Hollander, S. 28ff. Daneben schrieb Hollander weiter psychologische, unterhaltend-belehrende Artikel wie etwa: ders., Keine Angst vor Krisen! Kleine Lebenslehre, in: Bibliothek des Wissens und der Unterhaltung, Bd. 37 (1937), Nr. 61, S. 71-85; ders., Erkenne Dich selbst! Der Blick ins eigene Ich – eine Aufgabe und eine Gefahr, in: Koralle, Wochenschrift für Unterhaltung, Wissen, Lebensfreude, N.F. 9 (1941), S. 304-307.

144Hollander, Walter von, Nationalismus und Frauenfragen III. Querschnitt durch Hörermeinungen, in: Die Zeit vom 28.6.1949.

145Auf seine Einstellungen zu Ehe und Familie wird in Kapitel VI.2 ausführlich eingegangen.

146Löschenkohl hatte sich unter dem Namen „Jürgen-Detlef Meier“ beworben. Dazu Interview Huwe, 10.2.1997.

147Diese und andere Strategien, wie etwa den Wohnort- und Medienwechsel, die Fritz Hausjell für die österreichische Nachkriegsjournalisten ausmacht, gelten ebenso für deutsche Verhältnisse. Hausjell, Fritz, Entnazifizierung der Presse in Österreich, in: Sebastian Meissl/Klaus-Dieter Mulley/Oliver Rathkolb (Hg.), Verdrängte Schuld, verfehlte Sühne. Entnazifizierung in Österreich 1945-1955. Symposion des Instituts für Wissenschaft und Kunst Wien, März 1985, München 1986, 5.171-207, S. 196f.

148BA Berlin, SS verschiedene Provenienzen, Film-Nr. 6 307, Lebenslauf Bernhard Löschenkohl vom 13.10.1944. Löschenkohl war Mitglied-Nr. 1 272 577 der NSDAP.

149BA Berlin, SS verschiedene Provenienzen, Film-Nr. 6 307, Fragebogen für SS-Führerbewerber, Bernhard Löschenkohl, 13.10.1944 und Beurteilung für SS-Schütze Löschenkohl, Bernhard, 6.2.1945.

150ASV-UA, Materialien zu Eduard Rhein, Bericht Hildegard Brandes, o. S.

151Huwe, Eduard Rhein, S. 12.

152Nachlaß Rhein, Ordner 19, Schreiben von Bernhard Löschenkohl an Eduard Rhein, 11.11.1952. Vgl. auch Dörner, Claus S., Ein Mann wurde vergessen ..., in: Textintern (1989), Nr. 1, S. 4.

153BA Berlin, RS, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900, Schreiben von Wilhelm Petersen an das Rasse- und Siedlungshauptamt, 7.11.1939, Lebenslauf.

154BA Berlin, RS, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900, Fragebogen des Rasse- und Siedlungsamts Petersen, Wilhelm. Petersen war als Mitglied-Nr. 1 782 426 in der NSDAP eingetragen. Von 1933 bis 1935 gehörte er der SA, seit 1937 der SS mit der Mitglieds-Nr. 279 015 an.

155BA Berlin, RS, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900. Schreiben des Adjutanten von Reichsleiter Rosenberg an Hauptmann a. D. Wiedemann, Adjutant des Führers und Reichskanzlers, 22.12.1936.

156BA Berlin, RKK, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900. Vgl. o. V., Eine Gesamtschau der Werke des holsteinischen Malers und Bildhauers. Wilhelm-Petersen-Ausstellung in Berlin. Feierliche Eröffnung durch Reichsleiter Alfred Rosenberg, in: Völkischer Beobachter vom 8.1.1937.

157BA Berlin, RKK, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900, o. V., Wilhelm Petersen. Der Preisträger des Reichsbunds für Vorgeschichte, in. Ulmer Tageblatt vom 20.10.1936 und BA Berlin, RS, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900, Schreiben von Wilhelm Petersen an das Rasse- und Siedlungshauptamt, 7.11.1939, Lebenslauf.

158BA Berlin, RKK, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900, Hartmann, Waldemar, Wilhelm Petersen – der Kriegsmaler der SS, in: SS-Leitheft, Jg. 7 (1940), Folge 19, S. 13-16, S. 14.

159BA Berlin, RS, Petersen, Wilhelm, 10.8.1900. Vgl. o. V., Der Bildner des nordischen Menschen. Besuch bei dem Maler Wilhelm Petersen, in: Hamburger Illustrierte (1936), Jg. 14, Nr. 3, S. 27.

160BA Berlin, SS vers. Provenienzen, Film-Nr. 6 304, Erkennungsmarke Petersen, Wilhelm.

161BA Berlin, SS vers. Provenienzen, Film-Nr. 6 304, Schreiben der Stabsabteilung der Waffen-SS beim Persönlichen Stab Reichsführer SS an SS-Standarte „Kurt Eggers“, 3.1.1944 und BA Außenstelle Dahlwitz-Hoppegarten, ZM 1667, Akte 8, Persönlicher Stab Reichsführer – SS intern.

162ASV UA, Materialien zu Eduard Rhein, Bericht Hildegard Brandes, o. S. Nach dem Erfolg des ersten Mecki-Buches hatte Reinhold Escher ein höheres Honorar sowie eine Autorenbeteiligung gefordert. Daraufhin wurde Petersen für diese Aufgabe engagiert. Er erhielt pro Mecki-Buch ein festvereinbartes Honorar, mit dem er zugleich alle Autorenrechte an den Verlag Hammerich & Lesser abtrat. Nachlaß Rhein, Ordner 19, Notiz von Eduard Rhein zu Wilhelm Petersen, o. D.

163Interview Mose, 13.11.1996.

164Seine Kriegskunstpropaganda – durch neuere „Werke“ ergänzt – zeigte das Ehrenmitglied der rechtsradikalen „Deutschen Akademie für Bildung und Kultur“ zwischen 1965 und 1980 in mehreren Ausstellungen. Für seine rassistisch-überhöhten Bilder erhielt Petersen 1969 den neonazistischen „Ehrenring des deutschen Kulturwerkes“. Budde, Harald, Blick nach rechts: NS-Kunst wirkt weiter, in: Berliner Allgemeine Jüdische Wochenzeitung, Jg. 10 (1982), Nr. 33, o. S.

165NDR HA, Ordner: Geschichte des Fernsehens von 1948-17.8.1980, Sendemanuskript Kurt Wagenführ für den Deutschlandfunk vom 27.11.1975. Detailliert hierzu Hickethier, Knut, Vernebelter Anfang. Polemisches zur ‘Stunde Null’ des Fernsehens – beim Durchblättern fernsehhistorischer Erinnerungen, in: Theaterzeitschrift, Bd. 2 (1989), H. 28, S. 74-90, S. 79. Vgl. dazu auch Interview Eckert, 11.4.1996.

166Kutsch, Arnulf, Kurt Wagenführ zum 80. Geburtstag am 13. Februar 1983, in: StRuG, Jg. 9 (1983), Nr. 1, S. 8-9. Wagenführ verfaßte das Hörspiel, das am 21.1.1932 von der „Deutschen Welle“ ausgestrahlt wurde unter dem Pseudonym „Otto Berg“. Dazu Krug, Hans-Jürgen, „Bloß mal wieder arbeiten“. Anmerkungen zu Otto Bergs Arbeitslosenhörfolge „Ohne Arbeit“, in: StRuG, Jg. 15 (1989), Nr. 1, S. 28-41.

167FI-Berufsbiografien, Wagenführ, Kurt, Dr. jur. Journalist, *13.2.1903 5.4.1987, in: Fernseh-Informationen, Jg. 38 (1987), Nr.7, o. S. Vgl. Kurt Wagenführ, Berufsbiographie, in: ders., Anmerkungen zum Fernsehen 1938 bis 1980, Mainz, Stuttgart 1983, S. 178.

168Hickethier, Knut, Geschichte der Fernsehkritik in Deutschland, Berlin 1994, S. 36.

169Wagenführ, Kurt, Die Anfänge der Fernsehkritik, in: ders., Anmerkungen, S. 165-175, S. 169.

170Wagenführ, Kurt, Fernsehen beim Parteitag. Eine Großtat deutscher Technik, in: Berliner Tageblatt vom 11.9.1937. Hickethier, Geschichte, S. 41.

171Die Publikation „Welt-Rundfunk“ mit dem Untertitel „Zeitschrift für Rundfunk und Fernsehen“ erschien zunächst als Beilage der „Zeitschrift für Geopolitik“ und konnte sich bis 1944 in einer Auflage von rund 1000 Exemplaren halten. Zur akademischen Tätigkeit Wagenführs, Lerg, Winfried B., Kurt Wagenführ und die Rundfunkkunde, in: StRuG, Jg. 13 (1987), Nr. 4, S. 393-399 und Kutsch, Arnulf, Rundfunkforschung in Leipzig 1924 bis 1945, in: StRuG, Jg. 20 (1994), Nr.1, S. 17-29, S. 22.

172Dies eruierte Rolfes, Gabriele, Die Deutsche Welle – ein politisches Neutrum im Weimarer Staat?, Frankfurt am Main u.a. 1992, S.87f.

173Wagenführ, Anfänge, S. 171. Först, Walter, In memoriam Kurt Wagenführ, in: StRuG, Jg. 13 (1987), Nr. 3, S. 206-207, S. 206.

174FI-Berufsbiographie, Wagenführ.

175So die hier übernommene Einschätzung von Hickethier, Fernsehkritik, S. 50ff.

176Kutsch, Arnulf, Einleitung, in: Wagenführ, Anmerkungen, S. 11-14, S. 12.

177Privatarchiv Wagenführ, Ordner: HÖR ZU! Werbefernsehen.

178FI-Berufsbiographien, Eckert, Gerhard, Dr. phil. habil., Schriftsteller, 12.2.1912, in: Fernseh-Informationen, Jg. 29 (1978), Nr. 15, S. 359-360.

179Biermann, Frank/Reuß, Dieter, Gerhard Eckert (geb. 1912), in: Arnulf Kutsch (Hg.), Zeitungswissenschaftler im Dritten Reich. Sieben biographische Studien, Köln 1984, S. 245-280, S. 249f.

180Eckert lernte Wagenführ Mitte der dreißiger Jahre bei einer Pressekonferenz des „Reichsrundfunks“ persönlich kennen. Eckert, Gerhard, Der beste Freund des Fernsehens, in: Fernseh-Informationen, Jg. 38 (1987), Nr. 7, S. 251-252, S. 251.

181Eckert, Gerhard, Der Zeitungsroman von heute, Frankfurt am Main 1937, S. 38.

182Zitiert nach Biermann/Reuß, Eckert, S. 252.

183Interview mit Gerhard Eckert, 11.4.1996.

184Mit Eckerts Habilitationsschrift eröffnete Wagenführ die in Verbindung mit seinem Institut eingerichtete Schriftenreihe „Studien zum Weltrundfunk und Fernsehrundfunk. Eckert, Gerhard, Der Rundfunk als Führungsmittel, Heidelberg u. a. 1941.

185Aus dieser Perspektive untersuchte Eckert die technisch-organisatorische und gesellschaftliche Entwicklung des Hörfunks sowie seine Programme und ihre zielgruppenspezifischen Rezeptionsweisen, für die er vielfältige sozialstatistische Daten zur Hörerschaft sowie zur Struktur des Programms im Dritten Reich erhob.

186Steinmetz, Rüdiger, Freies Fernsehen. Das erste privat-kommerzielle Fernsehprogramm in Deutschland, Konstanz 1996, S. 113.

187Vgl. Hickethier, Geschichte, S. 80f.

188Als Bevollmächtigter der Fachgruppe Programmzeitschriften war Eckert bis 1954, als Geschäftsführer des Arbeitskreises bis 1960 tätig.

189Dazu gehörte auch die Monographie: Eckert, Gerhard, Monopol oder Wettbewerb im deutschen Fernsehen?, München 1959.

190Frei, Hörfunk, S. 436.

191Begriff bei Kleßmann, Christoph, Die doppelte Staatsgründung. Deutsche Geschichte 1945-1955, Bonn 1986 (4. Aufl.), S.37.

192Der unmittelbare „Takeoff“, der im kollektiven Gedächtnis zum „Sagenschatz des Wirtschaftswunders“ gehörte, fand erst mit dem Beginn des Koreakrieges 1950 statt. Niethammer, Lutz, Privat-Wirtschaft, Erinnerungsfragmente einer anderen Umerziehung, in: ders. (Hg.), „Hinterher merkt man, daß es richtig war, daß es schiefgegangen ist“. Nachkriegserfahrungen im Ruhrgebiet. Berlin, Bonn 1983, S. 17-105, S. 79f.

193Siehe dazu Gossel, Hamburger Presse, S. 116ff.

194Lott, Frauenzeitschriften, S. 326.

195Dazu detailliert Brelie-Lewin, Doris/Laurien, Ingrid, Zur politischen Kultur im Nachkriegsdeutschland. Politisch-kulturelle Zeitschriften 1945-1949. Ein Forschungsbericht, in: Politische Vierteljahresschrift, Jg. 24 (1983), H. 4, S. 406-427.

196Zu der Umfrage vgl. Lott, Frauenzeitschriften, S. 329.

197Frei, Presse, S. 393.

198Angaben bei Huebner, Erich, Die Illustrierte Presse in Deutschland, in: Frankfurter Hefte, Jg. 5 (1950), H. 4, S. 418-425, S. 422. Besonders um die Illustrierte „Quick“ sammelten sich viele ehemalige „Signal“-Mitarbeiter, vgl. Moll, Signal, S. 386.

199Bauer, Programmpresse, S. 325 und Diller, Rundfunkprogrammzeitschrift, S. 216.

200Bauer, Programmpresse, S. 325f.

201ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Carl-Andreas Voss an die Direktion des NWDR, 27.7.1948.

202Im November 1948 hatte HÖR ZU! bereits ihre Auflage um 300 000 Hefte auf über 550 000 Hefte vergrößert. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Carl-Andreas Voss an Direktor Borst, Feldmühle AG, Hillegossen, 25.11.1948.

203Dabei handelte es sich um die Zeitschriften „Westfunk“ (Köln), „Funkwacht“ (Hamburg), „Funkspiegel“ (Hamburg) und „Hör und sieh mit mir“ (Bochum). Siehe dazu Epping, Heinz, Die Rundfunkprogrammzeitschriften, in: Walter Hagemann (Hg.), Die deutsche Zeitschrift 1949/50: Untersuchung von Form und Inhalt, Münster/Westf. 1950, S. 156-165, S. 157.

204ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Voss an Schwertfeger, 19.9.1949. Entwurf zu den Tageszeitungen, o. D. [September 1949]. Manche Programmzeitschriften, z. B. die „Funk-Welt“ (Baden-Baden) führten sogar wieder Sterbeversicherungen ein, um die Leser verstärkt zu Abonnements zu bewegen. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben der Vertriebsabteilung Drei-Kreise-Verlag, Baden-Baden, an Zeitschriftenvertrieb Emil Feldmann, 20.9.1949 [Abschrift]. Vgl. auch o. V., Der Rundfunk und die Funk-Illustrierten. Dr. Burda pariert die Angriffe auf die Funk-Illustrierten, in: Der neue Vertrieb, Jg. 9 (1957), Nr. 187, S. 61-62 und Eckert, Gerhard, Werden, Wesen und Wirken der Programmzeitschriften, in: Die Anzeige, Jg. 41 (1965), H. 15, S. 10-15, S. 12. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 1: 1946-1949, Schreiben von Eduard Rhein an Axel Springer, 4.5.1949.

205Der monatliche Umsatz der Verlage Hammerich & Lesser und Axel Springer im Jahre 1948 wird auf rund 1,3 Millionen DM geschätzt. Davon wurde der größte Teil mit 960 000 DM durch den Verkauf von HÖR ZU! gemacht, während die „Nordwestdeutschen Hefte“ nur 40 000 DM und die von Springer und John Jahr herausgebrachte Frauenzeitschrift „Constanze“ 300 000 DM einbrachten. Koszyk, Pressepolitik, S. 412.

206Müller, Hans Dieter, Geschichte und Analyse des Springer-Konzerns, in: Der Spiegel, Jg. 23 (1968), Nr. 3, S. 55.

207Vgl. zur Entwicklung des nichtbezogenen Unterhaltungsteils in Programmzeitschriften allgemein Kapitel II.1.

208Vgl. Oeke, Erwin, Die Rundfunkzeitschrift – eine Zeitschrift der Familie, in: Der werbende Buch- und Zeitschriftenhandel, Jg. 65 (1957), H. 1, S. 8-9.

209Zu Kontinuitäten in der Darstellung der Radio- und Fernsehtechnik, siehe detailliert Kapitel IV.

210Ab HÖ, Jg. 4 (1949), Nr. 46 wurde auf Wunsch Axel Springers zu diesem Zweck das Format von HÖR ZU! auf 36 x 26,8 cm vergrößert, um auf dem Illustriertenmarkt stärker aufzufallen. Vgl. Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 371.

211Die Redaktion, Beifall spornt an!, in: HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 45, S. 2.

212Schriftliche Auskunft Huwe, 25.4.1997.

213Vgl. beispielsweise o. V., Herzen in Flammen. Auch in ihrem neuen Film ist Marlene Dietrich die verführerische Frau zwischen zwei Männern, in: HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 7, S. 38-39 und o. V., Henny Porten ganz privat. HÖR ZU! besucht einen Filmstar von gestern – und morgen, in: HÖ, Jg. 4 (1949), Nr. 49, S. 3.

214Telefonische Auskunft von Wolfgang Huwe, 27.2.1997.

215HÖ, Jg. 7 (1952), Nr. 1, o. S.

216HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 2, S. 7. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 2: 1950-1952, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 28.6.1950 und 7.8.1950.

217HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 1, S. 6.

218o. V., Brücke ins Leben. Von der Schulbank zur Stempelstelle? – Jugend-Aufbauwerk hilft, in: HÖ, Jg. 7 (1952), Nr. 38, o. S.

219Die Aktion lief von HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 13 bis Jg. 10 (1955), Nr. 33 und es, Ein Sorgenkind weniger! HÖR ZU! half die Angehörigen finden, in: HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 35, S. 3. o. V., 33 von 110! Elternlose Sorgenkinder haben wieder eine Heimat gefunden, in: HÖ, Jg. 8 (1953), Nr. 13, o. S.

220Diese Kampagne startete ab HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 24, o. S. Damit wollte die Redaktion ein Beispiel geben „für die direkte und persönliche Hilfe von Mensch zu Mensch“. Die Redaktion, Die sehnlichsten Wünsche. Zu unserer Aktion: HÖR ZU! macht Menschen glücklich, in: HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 26, S. 2.

221So schrieb Springer an Rhein, daß er „mit großer Freude den menschlich warmen Aufruf zur Aktion Die sehnlichsten Wünsche’” gelesen habe. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 3: 1953-1957, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 22.6.1954.

222ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 2: 1950-52, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 15.3.1951.

223HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 4, S. 10f.

224Überschriften zu HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 47, S. 11f.; Jg. 12 (1957), Nr. 6, S. 28; HÖ, Jg. 11 (1956), S. 38-39.

225Siehe die Einführung der Rubrik: o. V., Gefragt – geknipst. 50 Mark für eine interessante Frage, in: HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 18, S. 18.

226Die Serie lief von HÖ, Jg. 12 (1957), Nr. 1 bis Jg. 13 (1958), Nr. 14.

227HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 44, o. S.

228Die Rubrik wurde zunächst von verschiedenen Mitarbeitern des Textressorts erstellt. Ab 1956 unterstand sie Hanns Bornemann, der im Dritten Reich als „Theaterkritiker“ und Fernsehspielautor gearbeitet hatte: o. V., Abschied von Hanns Bornemann, in: HÖ, Jg.37 (1983), Nr. 23, o. S.

229Ab HÖ, Jg. 8 (1953), Nr. 51. Die Idee stammte von Axel Springer, der im „Daily Mirror“ die Rubrik „Der tägliche Hausarzt“ entdeckt hatte. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 2: 1950-1952, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 22.1.1951. Die Rubrik wurde von Heinz Graupner erstellt, der hauptsächlich für die Illustrierte „Kristall“ arbeitete.

230Ab HÖ, Jg. 8 (1953), Nr. 34.

231Ab HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 10.

232Ab HÖ, Jg. 10 (1955), Nr. 12. Die Technik wurde von Karl Tetzner bearbeitet, der ab 1933 Artikel zu funktechnischen Fragen in Fachzeitschriften Berlin, RKK, Tetzner, Karl, 26.10.1914, Fragebogen des Aufnahmeantrags für die Reichsschrifttumskammer, 11.6.1938. In den fünfziger Jahren wurde Tetzner Chefredakteur der Publikation „Funktechnik“ und Mitglied des „Arbeitskreises für Rundfunkfragen“. Zum beruflichen Lebenslauf vgl. auch Tetzner, Karl, FI-Biographien, in: Fernseh-Informationen, Jg. 27 (1976), Nr. 9, S. 211.

233Ab HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 45.

234HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 49, S. 42-43. Vgl. auch Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 413f.

235Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 342f.

236Vgl. o. V., Kleine Geschenke, in: HÖ, Jg. 15 (1961), Nr. 48, S. 27. Vgl. o. V., Millionärin stellt sich vor ..., in: Springer-Post, Jg. 2 (1960), Nr. 4, o. S.

237ASV-UA, „Liebe auf den ersten Blick – HÖR ZU 1959“, Hamburg 1959, o. S.

238Ebd.

239Rhein, Eduard, Herzlich willkommen! Wir begrüßen eine halbe Million Leser der Radio-Fernseh-Revue!, in: HÖ, Jg. 17 (1962), Nr. 16, S. 2.

240Siehe hierzu Hochstein, Beatrix Die Ideologie des Überlebens. Zur Geschichte der politischen Apathie in Deutschland, Frankfurt am Main, New York 1984, S. 286.

241Vgl. Akademie der Diözese Rottenburg (Hg.), Die Illustrierten. Ein Tagungsbericht, Rottenburg 1962.

242Schmidt-Luchs, Carl Werner, Eine Legende wird 85: Text Intern-Festival für Eduard Rhein (V), in: Text Intern (1985), Nr. 70, S. 4-5, S. 4 . Schmidt-Luchs war seit den fünfziger Jahre Fotoreporter bei HÖR ZU!

243Die Titelblattfolge lief von HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 29 bis Nr. 47.

244Zu dem Gebrauchsgraphiker Norman Rockwell, der zwischen 1916 und 1950 die Titelseiten der „Saturday Evening Post“ prägte, siehe Finch, Christopher, Rockwell, Norman, in: Collier’s Encyclopedia, vol. 20, New York u. a. 1996, S. 134; sowie ausführlich ders., Norman Rockwell's America, New York 1975 und Brookeman, Christopher, Rockwell, Norman (Percevel), in: The Dictionary of Art, ed. by Jane Turner, London, New York 1996, S. 490-491.

245Auch andere deutsche Illustratoren wie etwa Peter Ellgaard, ehemaliger Zeichner bei „Signal“, bemühten sich, den Stil der „Saturday Evening Post“ zu kopieren. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 3: 1953-1957, Schreiben von Eduard Rhein an Axel Springer, 13.11.1953.

246Zu dem beruflichen Werdegang von Kurt Ard, vgl. Freitag, Michael, Genre, natürlich: Kurt Ard, in: Frankfurter Allgemeine Magazin, Nr. 374 vom 30.4.1987, S. 12-16, S. 51.

247HÖ, Jg. 14 (1959), Nr. 5; Jg. 15 (1960), Nr. 17.

248Becker, Gartenlaube, S. 57.

249Schriftliche Auskunft Huwe, 2.5.1997.

250Zum häuslich dominierten Freizeitverhalten in den fünfziger Jahren. Siehe Schildt, Moderne Zeiten, S. 109-135.

251ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung Ordner 2: 1950-1952, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 28.6.1950.

252Zu Anspruch und Themenpalette der Familienzeitschriften „Daheim“ und „Gartenlaube“. Vgl. Barth, Dieter, Zeitschrift für Alle. Das Familienblatt im 19. Jahrhundert. Ein sozialhistorischer Beitrag zur Massenpresse in Deutschland, Münster 1974, besonders S. 174ff.

253Becker, Gartenlaube, S. 57.

254Münster, Hans A., Die Presse – Trumpf in der Werbung. Eine kritische Analyse, Stuttgart 1963, S. 146.

255Sackarndt, Paul, Das unersättliche Auge. Der Mensch und das Bild, Essen 1961, S. 43f.; vgl. Bittermann, Walter, HÖR ZU. Der deutschen Bürger neue Hauspostille, in: Die politische Meinung, Jg. 5 (1960), H. 52, S. 17-22.

256Rhein, Eduard, Wußten Sie das schon?, in: HÖ, Jg. 19 (1964), Nr. 41, S. 14.

257Vgl. Rhein über Rhein, S. VII.

258Ebd. Siehe auch Rhein, Eduard, 15 Jahre Mecki, in: HÖ, Jg. 19 (1964), Nr. 43, S. 4-5.

259Vgl. o. V., Herr Mecki öffnet seinen Kleiderschrank, in: HÖ, Jg. 6 (1951), Nr. 8, o. S.

260Siehe Kruip, „Welt“-„Bild“, S. 200.

261HÖ, Jg. 6 (1951), Nr. 41.

262o. V., Vielen Dank! Wir haben uns verlobt. Micki und Mecki – Redaktions-Igel von HÖR ZU!, in: HÖ, Jg. 7 (1952), Nr. 3, S. 2.

263o. V., Gute Reise mit Mecki! 50 000-Mark-Wettbewerb der Deutschen Bundesbahn nach einer Idee von Mecki, dem Redaktionsigel von HÖR ZU!, in: HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 14, S. 28-29.

264Die erste Comicgeschichte erschien in HÖ, Jg. 6 (1951), Nr. 38 unter dem Titel „Mecki reist astral“. Zunächst bestand der einseitige Mecki-Comic aus jeweils in sich abgeschlossenen Kurzgeschichten. Ab 1954 dauerten die jeweiligen Abenteuerstorys bis zu zwölf Folgen.

265Sackmann, Mecki, S. 47f. Zu den Werbekampagnen um Mecki siehe detailliert Kapitel III.6.

266Das Genre der Tatsachenberichte erlebte als Kriegs- und Kriminalreportage in den fünfziger Jahren eine Blütezeit. Siehe dazu detailliert: Schornstheimer, Michael, Bombenstimmung und Katzenjammer, Vergangenheitsbewältigung: Quick und Stern in den fünfziger Jahren, Köln 1989, S. 15, 62ff.

267Diese Einschätzung vertraten auch Usko, Hans Jürgen/Schlichtung, Günter, Kampf am Kiosk. Macht und Ohnmacht der deutschen Illustrierten, Hamburg 1961, S. 85.

268Vgl. zur Bedeutung der Fortsetzungsromane in der BIZ für das Genre des Illustriertenromans insgesamt: Langenbucher, Wolfgang, Der aktuelle Unterhaltungsroman. Beiträge zu Geschichte und Theorie der massenhaft verbreiteten Literatur, Bonn 1964, S. 91f.

269Interview Brandes, 22.11.1996. Zu den saisonalen Faktoren des Radiohörens, siehe die Ausführungen von Schmidt, Uta C., Radioaneignung, in: Marßolek/von Saldern, Zuhören und Gehörtwerden, Bd. 1, S. 271 f.

270Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 369.

271Ebd., S. 373f.

272Zitiert in Tüngel/Berndorff, Auf dem Bauche, S. 373.

273Vgl. dazu ebd., S. 333f und o. V., Wissen wo’s lang geht ... HÖR ZU!-Romane sind Spiegel unseres Lebens, in: HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 51, S. 38.

274Interview Brandes, 12.11.1996.

275Ankündigung zu „Ein Herz spielt falsch. Der Roman einer tragischen Wandlung“, in: HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 1, S. 9.

276Der Roman lief von HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 1 bis Nr. 40.

277In der Ära Rhein durchliefen insgesamt 19 Schriftsteller das Romanressort. Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 344. Die wichtigsten Mitarbeiter waren neben Dr. Claus, Reinhart Stalmann (März 1953 bis Oktober 1955), Peter Kann (September 1954 bis November 1955), Leo Sievers (Juli 1955 bis Dezember 1960), Siegfried Agthe (von Juli 1956 bis Dezember 1964), Heinrich Rumpff (Oktober 1956 bis Juni 1963) und Herbert Lichtenberg (April 1962 bis September 1971). In der Ära Rhein gab es nur eine Frau in der Romanredaktion. Dabei handelte es sich um Doralies Hüttner, die von Oktober 1955 bis April 1956 bei HÖR ZU! arbeitete. Nachlaß Rhein, Ordner 18: Liste der Romanredakteure.

278Der Schriftsteller Reinhart Stalmann war von Rhein aufgrund seines 1951 erschienenen Kriegsromans „Staub“ engagiert worden. Ende 1954 wechselte er zum „Stern“, für den er unter dem Pseudonym „Stefan Olivier“ mehrere erfolgreiche Fortsetzungsromane verfaßte. Stalmann, Reinhart, Eine Legende wird 85: Text Intern-Festival für Eduard Rhein (III), in: Textintern (1985), Nr. 68, S. 10-13, Nr. 69, S. 7-9.

279Interview Brandes, 12.11.1996. Zu der quasi-industriellen Produktionsweise dieses Genres, vgl. auch Hollstein, Walter, Betrogene Sehnsucht. Das Menschenbild im deutschen Illustriertenroman 1955-1962, Münster 1969, S. 33.

280Nachlaß Rhein, Ordner 19, Schreiben von Eduard Rhein an C. Soschka, Verlag des Druckhauses Tempelhof, 2.1.1951. Zu dieser spezifischen Romanproduktion bei HÖR ZU! vgl. auch Jabs-Kriegsmann, Marianne, Zerrspiegel. Der deutsche Illustriertenroman 1950-1970, Stuttgart 1981, S. 19.

281Interview Luchs, 11.2.1997.

282Rhein, Ein Jahrhundertmann, S. 344.

283Vgl. die diversen Verträge mit Romanredakteuren, Nachlaß Rhein, Ordner 18. Zu den Vertragspraktiken Rheins vgl. auch Stalmann, Eduard Rhein.

284Müller, Springer-Konzern, S. 60f. Für jeden Roman hatten die Redakteure die örtlichen Gegebenheiten, Straßennamen etc. genau zu recherchieren. Vgl. Interview Brandes, 12.11.1996.

285HÖ, Jg. 10 (1955), Nr. 35, o. S.

286Die ersten Leserbriefe wurden von Eduard Rhein selbst geschrieben, um Widerspruch oder Zustimmung im Publikum auszulösen. Stalmann, Eduard Rhein, S. 13.

287Zur Verfilmung des erfolgreichen Romans „Ein Herz spielt falsch“ wurde sogar einen Wettbewerb ausgeschrieben: o. V., “Wer soll Peter van Booven spielen?”, in: HÖ, Jg.6 (1951), Nr.43, o. S. Vgl. e. V., Ein Herz spielt falsch. Der Film zu unserm großen Erfolgsroman läuft in den nächsten Wochen an, in: HÖ, Jg. 9 (1954), Nr. 12, o. S.; o. V., Suchkind 312. Der Roman einer unerfüllten Liebe jetzt als Film uraufgeführt, in: HÖ, Jg. 10 (1955), Nr. 40, o. S. Auch andere Zeitschriften wie etwa die „Constanze“ ließen ihre erfolgreichsten Fortsetzungsromane um 1950 verfilmen. Vgl. Faulstich, Werner (Hg.), Literaturerfolg und Geschichte. Untersuchungen zu Medien-Bestsellern des Jahres 1950, Bardowick 1991, S. 32. Vgl. zu der Verfilmung von „Ein Herz spielt falsch“, Bessen, Ursula, Trümmer und Träume, Nachkriegszeit und fünfziger Jahre auf Zelluloid, Deutsche Spielfilme als Zeugnisse ihrer Zeit. Eine Dokumentation, Bochum 1989, S. 299-304.

288HÖ, Jg. 4 (1949), Nr. 46, S. 13.

289Aus diesem Grunde wurde kein Bild veröffentlicht.

290Die Erweiterung ergab sich vermutlich auf Initiative von Axel Springer. ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 2: 1950-1952, Schreiben von Axel Springer an Eduard Rhein, 22.1.1951.

291HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 1, S. 14.

292Dank zum Jahresende, in: HÖ, Jg. 14 (1959), Nr. 52, S. 19.

293Siehe dazu Becker, Gartenlaube, S. 55.

294Dazu auch Wagner, Hans-Ulrich, „Der gute Wille, etwas Neues zu schaffen“. Das Hörspielprogramm in Deutschland von 1945 bis 1949, Potsdam 1997, S. 25. Erst ab Nr. 42, 1956 erschien HÖR ZU! ohne das obligatorische Ausrufungszeichen.

295o. V., HÖR ZU! hat mit Abstand die größte Auflage unter allen Zeitungen und Zeitschriften unseres Kontinents: Eine Million. Und Mecki spendet 1 000 Mark als ‘Finderlohn’, in: HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 37, S. 3.

296Zahlenangaben aus: Die Zeitschriftenleser 1956. Eine Untersuchung über Leserkreise und Reichweiten von 46 bekannten deutschen Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse e. V. Essen, Essen, 1956. Tab. 1. 1960 hatte sich dieses Verhältnis nicht verschoben, auch wenn die Illustrierten proportional zu HÖR ZU! eine deutliche Auflagensteigerung erfuhren. So standen der Druckauflage von HÖR ZU! im ersten Quartal 1960 von 3 738 000 die drei oben genannten auflagenstärksten Publikumszeitschriften mit einer Auflage von 3 640 000 Exemplaren gegenüber. Zahlenangaben aus: Die Zeitschriftenleser 1960. Eine Untersuchung über Leserkreise und Reichweiten von 47 bekannten Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse e. V. Essen, Essen 1960, Tab. 1.

297Die Angaben der gedruckten und verkauften Auflage sind entnommen: ASV-UA, Axel Springer Verlag, HÖR ZU. Ein Medium wird Markenartikel, o. O., o. J. [Hamburg 1972]. Sie entsprechen den Daten des Informationsdienstes zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e. V.

298Vgl. Ecken, Werden, S. 12; Münster, Presse, S. 146f. Zeitschriften, die auch in Lesezirkeln verbreitet werden, sprechen mehr Lesende pro Exemplar an und werden stärker in öffentlichen Räumen wie Cafés und Wartezimmern gelesen. Dennoch erreichten die beiden größten Illustrierten „Stem“ und „Quick“ 1960 im Vergleich dazu nur 26,5 Prozent bzw. 23,1 Prozent der Bevölkerung zwischen 16 und 70 Jahren.

299Vgl. Die Zeitschriftenleser 1956. Eine Untersuchung über Leserkreise und Reichweiten von 46 bekannten deutschen Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse e. V. Essen, Essen 1956, Tab. 8.

300Vgl. Die Zeitschriftenleser 1958. Eine Untersuchung über Leserkreise und Reichweiten von 46 bekannten deutschen Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse e. V. Essen, Essen 1958, Tab. 2, S. 14.

301Vgl. Die Zeitschriftenleser 1960. Eine Untersuchung über Leserkreise und Reichweiten von 47 bekannten Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse e. V. Essen, Essen 1960, Tab. 3b.

302Die Zeitschriftenleser 1954. Eine Untersuchung der Leserkreise von 48 deutschen Publikumszeitschriften vorgelegt von der Arbeitsgemeinschaft Leseranalyse, Frankfurt am Main 1954, Tab. 29a.

303HÖR ZU! wurde vorwiegend in evangelisch dominierten Gebieten wie Hamburg, Bremen, Berlin, in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen verkauft.

304Zur geschlechtsspezifischen Aufteilung nach Berufsgruppen wurden in den Leseranalysen keine Angaben gemacht. Zwar wurden die Lesenden in rund 40 Prozent Hausfrauen und 21 Prozent erwerbstätige Frauen aufgeteilt, fraglich bleibt jedoch, welcher Tätigkeit die übrigen Leserinnen nachgingen. Vgl. dazu Tab. 8, 1958 und Tab. 4, 1960.

305Die Konfession der HÖR ZU!-Lesenden pro Nr. wurde nur 1954 erhoben. Die Anteile stellen von der Verfasserin errechnete Mittelwerte der verschiedenen Erhebungen dar. Vgl. dazu 1954, Tab. 29a; 1956, Tab. 8; 1958 Tab. 6b und 1960 Tab. 4.

306Siehe dazu Martini, Bernd-Jürgen, Programmzeitschriften. Goldene Blätter aus glanzvollen Zeiten ermattet?, in: Neue Medien (1988), Nr. 7, S. 53-65, S. 59.

307Siehe dazu Infratest, „HÖR ZU!“ Eine Leserschaftsanalyse, o. O. 1954, Hamburg 1979, S. 31 sowie HÖR ZU, Qualitative Analyse der Nutzungsintensität, Hamburg 1967, S. 15-36.

308Ebd. Die Zahlen stellen Durchschnittswerte der Ergebnisse von Tab. 2, 1956, Tab. 3b, 1958 und Tab. 3b, 1960 dar.

309Zahlen aus HÖR ZU, Qualitative Analyse, S. 26, S. 28. Die Repräsentativ-Erhebung fand im Auftrag des Springer-Verlags im Juli/August 1966 statt.

310Ebd., S. 30, 35.

311HÖR ZU, Qualitative Analyse, S. 46, 110. Vgl. zur Nutzung von Programmzeitschriften auch Honsowitz, Programmzeitschriften, S. 94f.

312HÖR ZU, Qualitative Analyse, S. 15.

313ASV-UA, Sammlung Marktforschung, M-91,Verlagshaus Axel Springer, Leser- und Marktforschung, HÖR ZU. Analyse einer Zeitschrift, Hamburg 1964.

314Ebd., S. 5, 30. Die Beurteilung der redaktionellen Elemente wurde mit Hilfe eines Wertungsindex gemessen, bei dem die Lesenden auf einer Skala von -5 bis +5 Punkte die Beiträge bewerteten.

31594 Prozent der regelmäßig Lesenden lasen die Witzseite, 86 Prozent von ihnen betrachteten die farbige Mittelseite und 81 Prozent sahen sich die Fotoseite „Blick in die Welt“ an. Ebd., Tab. 1a, Tab. 5/1. Die hohe Beachtung dieser Rubriken korrespondierte mit ihrer Beliebtheit.

316Ebd., Tab. 1a, Tab. 6/1, Tab. 7/1.

317Klaus, Elisabeth, Medien und Geschlecht – theoretische und methodische Perspektiven, in: Medien & Zeit, Jg. 10 (1995), H. 1, S. 3-18.

318Eberhard, Fritz, Der Rundfunkhörer und sein Programm. Ein Beitrag zur empirischen Sozialforschung, Berlin 1962, S. 70, 107.

319So sprach die Rubrik 69 Prozent der Befragten mit Abitur und Universitätsausbildung, aber nur 62 Prozent mit mittlerer Schulausbildung und 58 Prozent mit Volksschulbildung an. Ebd., S.55, Tab. 19/1.

320Siehe dazu ebd, S. 38f. und Tab. 3/1.

321Ebd., S. 54, Tab. 18/1. In allen Alters-, Bildungs- und Schichtengruppen lag der Anteil der Leser bei rund 60 Prozent. Gleiches gilt für die Differenzierung nach Wohnortgröße.

322Ebd., S.45, Tab. 10a.

323Das Bilderrätsel wurde von 63 Prozent der Männer und von 56 Prozent der Frauen beachtet. Auch beurteilten Männer mit einem Wertungsindex von +2,1 Punkten die Rubrik ungleich positiver als Frauen (+1,4 Punkte). Vgl. ebd., S. 58, Tab. 22/1, Tab. 22a/1.

324Zwar lag schon bei den 25 bis 34-jährigen der Anteil fast bei 70 Prozent, doch bei den über sechzigjährigen interessierten sich 80 Prozent für die Rubrik und beurteilten sie mit einem Index von +3,1 Punkten sehr positiv. Ebd., S. 48, Tab. 12/1, Tab. 12a/1.

325Ebd., Tab. 8/1.

326Ebd., Tab. 9/1. Jeweils über 60 Prozent gehörten den Altersgruppen bis 44 Jahren an.

327Ebd., S. 50-53, Tab. 14/1, 14/2,15/1 und 15/2.

328Ebd., S. 46f., Tab. 11/1, 11a/1. Lesende mit Abitur und Universitätsausbildung beurteilten den Roman mit einem Index von +0,6 besonders schlecht, während diejenigen mit Volksschulabschluß einen Wertindex von +2,2 Punkten vergaben.

329Der Tatsachenbericht wurde in allen Altersgruppen, am wenigsten von jungen Menschen (25 Prozent) gelesen, die die Geschichten mit einem Index von -1,4 Punkten überdies sehr negativ beurteilten. In puncto Bildung überwogen Leser mit Abitur (49 Prozent) vor Personen mit Volks- oder Mittelschule (39 bzw. 38 Prozent). Ebd., S. 56f., Tab. 21/1, Tab. 21a/1.

330Die Mecki-Seite wurde von 61 Prozent der männlichen und 55 Prozent der weiblichen Leser beachtet. Jungen beurteilten sie mit einem Index von +1,7 Punkten positiver als Mädchen (Index +1,2 Punkte). Ebd., S. 60f., Tab. 23/1, 23/2, 23a/1.

331Ebd., S.136, 143.

332Begriff bei Honsowitz, Programmzeitschriften, S. 17 kreiert.

333Der Begriff Markenartikel entstand in Verbindung mit dem modernen Werbeplakat ab 1900. Er umschreibt ein „einheitliches Angebot eines Gutes in einheitlicher Verpackung zu gleichbleibenden Preisen. Dazu bedarf es eines feststehenden, bleibenden Namens und einer kohärenten Erscheinung“. Beck, Hans Ulrich, Werbeplakat und Markenartikel. Zur Entstehung eines industriekulturellen Zusammenhangs, in: Ästhetik und Kommunikation, Jg. 18 (1987), H. 67/68, S. 95-100, S.98.

334ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 3: 1953-1957, Hausmitteilung der Werbeabteilung an Axel Springer vom 14.11.1953. Vgl. auch o. V., Verkaufen wird groß geschrieben, in: Springer-Post, Jg. 4 (1962), Nr. 9, S. 10-12.

335ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 3: 1953-1957, Hausmitteilung über HÖR ZU!-Anzeigenwerbung der Werbeabteilung, 17. 2. 1953, S. 1-3.

336ASV-UA, Werbeplakat 041.

337Siehe auch ASV-UA, HÖR ZU!, Allgemeine Korrespondenz, Geschäftsleitung, Ordner 3: 1953-1957, Hausmitteilung über HÖR ZU!-Anzeigenwerbung der Werbeabteilung, 17.2.1953, S. 2.

338Dies ergaben eigene Auszählungen. Zur Entwicklung des Seitenumfangs in den ersten Nachkriegsjahren, vgl. die Rekapitulierung, in: HÖ, Jg. 4 (1949), Nr. 45, S. 2 und HÖ, Jg. 11 (1956), Nr. 51, S. 7 sowie Rhein, Eduard, Dicker als eh und je, in: HÖ, Jg. 16 (1961), Nr. 16, S. 2.

339Der Verlag, Eine schwere Entscheidung, in: HÖ, Jg. 16 (1961), Nr. 45, S. 2.

340Dies ergaben eigene Berechnungen. Vgl. auch Biberacher, Angelika, HÖR ZU 1947-1990: Die inhaltliche und strukturelle Entwicklung einer Programmzeitschrift. Eine Inhaltsanalyse, unveröff. Magisterarbeit, München 1991, S. 84.

341Epping, Rundfunkprogrammzeitschriften, S. 164. Siehe auch Eckert, Werden, S. 14. Vgl. auch Münster, Presse, S. 132. Obgleich der Programmteil für Werbung nicht genutzt werden konnte, war HÖR ZU! aufgrund ihrer hohen Nutzungsdauer für Anzeigeninserenten besonders attraktiv.

342Vgl. Kellner, Joachim/Lippen, Werner (Hg.), Werbefiguren. Geschöpfe der Warenwelt, Düsseldorf u. a. 1992, S. 146f.

343Weinkauff-Dolle, Bernd, Comics. Geschichte einer populären Literaturform in Deutschland seit 1945, Weinheim, Basel 1990, S. 41.

344ASV-UA, Werbeplakate 313, 314, 342, 345.

345o. V., Mecki zu Besuch bei Mecki & Co, in: Springer-Post, Jg. 4 (1962), Nr. 12, S. 4-5.

346o. V., Mecki siegt im Dreivierteltakt, in: Mitteilungen an unsere Mitarbeiter, Jg. 1 (1956), Nr. 5, S. 12-14. Vgl. auch Sackmann, Mecki, S. 37.

347o. V., Ein Drachen von Mecki!, in: HÖ, Jg. 12 (1957), Nr. 42, S. 18; o. V., Ein Drachen von Mecki. Überall in der Bundesrepublik lassen jetzt viele hunderttausend Kinder ihren HÖR ZU!-Drachen im Herbstwind steigen, in: HÖ, Jg. 13 (1958), Nr. 42, S. 8.

348Kübler, Hans-Dieter, Von der Vorführstunde zur Agentur für Medienwaren: Zur Entwicklung des Kinderfernsehens zum Inbegriff kommerzieller Kinderkultur, in: Geschichte des Fernsehens, Bd. 4: Unterhaltung, Werbung und Zielgruppenprogramme, S. 327-370, S. 347.

349NDR HA, Ordner 01.07021.000, Beschwerde von Alfred Bauer, Verleger von „Hören und Sehen“ an den Fernsehintendanten Werner Pleister, 2.3.1953.

350Sackmann, Mecki, S. 35. Vgl. o. V., Mecki als Filmstar, in: Springer-Post, Jg. 2 (1960), Nr. 5, S. 18-19.

351Weinkauf-Dolle, Comic, S. 40.

352Sackmann, Mecki, S. 38.

353HÖ, Jg. 5 (1950), Nr. 37, S. 2.

354Siehe dazu detailliert Kapitel V dieser Arbeit.

355Notiz in: Der Spiegel, Jg. 18 (1963), Nr. 33, S. 13.

356Vgl. auch Thomas, „HÖR ZU“, S. 209f.

357o. V., HÖR ZU Langspielplatten, in: HÖ, Jg. 18 (1963), Nr. 35, S. 6-7.

358Allgemein zu der Ausweitung der Programmzeitschriften im Verbund mit der Unterhaltungsindustrie, Honsowitz, Programmzeitschriften, S. 105-115; Gaede, Aufgaben, S. 470 sowie Faulstich, Werner (Hg.), Grundwissen Medien, München 1994, S. 357.

359Jacobi, Springer, S. 171f. Vgl. auch o. V., Woche für Woche 4 000 000 HÖR ZU. Sie werden ab Mittwoch überall in Stadt und Land angeboten. Das ist die Voraussetzung für den Erfolg der Vertriebs- und Verkaufsarbeit, in: Springer-Post, Jg. 3 (1961), Nr. 10, S. 2-6.

360Deutsche Bibliographie der Zeitschriften 1945-1952. Bibliographie der in Deutschland erscheinenden periodischen Veröffentlichungen sowie der deutschsprachigen Periodica Österreichs, der Schweiz und anderer Länder, bearb. von der Deutschen Bibliothek, Frankfurt am Main 1953, S. 426.

361Vgl. Bornemann, Hanns, Als der Riese noch klein war. HÖR ZU! ist 25 Jahre alt, in: Springer aktuell, Jg. 13 (1971), Nr. 12, S. 10-12. Die Verbreitungsdichte war in Süddeutschland jedoch etwas geringer als in Nord- und Westdeutschland.

362o. V., HÖR ZU vereinigt mit Radio-Fernseh-Revue, in: Springer-Post, Jg. 3 (1961), Nr. 9, S. 2-7. Vgl. Rhein, Eduard, Herzlich willkommen! Wir begrüßen eine halbe Million Leser der Radio-Fernseh-Revue, in: HÖ, Jg. 16 (1961), Nr. 32, S. 2. Indirekt gehörte die Zeitschrift jedoch schon länger Axel Springer. Er hatte bereits 1959 die Aktienmehrheit an dem traditionellen Berliner Verlag erworben.

363HÖR ZU!-Österreich erschien mit einer Startauflage von 120 000 Exemplaren und wurde von der Redaktion in Hamburg produziert: o. V., Österreich. Ausgabe von „HÖR ZU“ mit Anfangsauflage von 120 000 Stück gestartet, in: ZV & ZV, Jg. 59 (1962), Nr. 36, o. S. und o. V., HÖR ZU hat in Österreich Fuß gefaßt. Empfang für österreichische Werbeleute in einem Wiener Palais am Josefsplatz, in: Springer-Post, Jg. 5 (1963), Nr. 11, S. 5-7.

364Selbst 1960 kamen die auflagenstärksten Funkblätter „Hören und Sehen“ (1 264 000 Exemplare), „Radio-Fernseh-Revue“ (657 000 Exemplare), „Bild und Funk“ (458 000 Exemplare), „Funk-Uhr“ (435 000 Exemplare), „Gong-Funk-Fernsehwelt“ (409 000 Exemplare) und „TV-Fernsehwoche“ (382 000 Exemplare) zusammen nur auf eine Auflage von 3 605 000 Exemplare. Zahlen aus: Die Zeitschriftenleser 1960, Tab. 1. Vgl. auch Eckert, Werden.

365Dr. O.E., Rundfunk- und Fernsehzeitschriften sind Familienzeitschriften im besten Sinne des Wortes, in: Der werbende Buch- und Zeitschriftenhandel, Jg. 69 (1961), H. 2, S. 53-54, S. 53. Vgl. auch Kieslich, Günter, Die Deutsche Zeitschrift 1960/61, in: Die Deutsche Presse 1961, Zeitungen und Zeitschriften, hrsg. vom Institut für Publizistik der Freien Universität Berlin, S. 31-49, S. 36. Eser, Wolfgang, Rundfunk- und Fernsehzeitschriften und ihre Leserschaften, in: Wirtschaft und Werbung, Jg. 17 (1963), Nr.7, S. 239-244.

366Dabei handelte es sich um die Blätter „Fernsehtag“, „Telestar“, „Programm“ (vormals „Funk und Familie“), „Schalt ein“, „Funk-Expreß“ und „10-Pf. Funk“. Böddeker, Günter, 20 Millionen täglich! Wer oder was beherrscht die deutsche Presse, Oldenburg, Hamburg 1966, S. 137.

367Siehe detailliert zur Restabilisierung der Familie sowie zu den Strukturen und Trends des häuslichen Freizeitverhaltens in den fünfziger Jahren, Schildt, Moderne Zeiten, S. 95ff, 110ff.

368Kleiber, Theodor, Die Rundfunkzeitschrift – eine Familienzeitschrift, in: Der werbende Buch- und Zeitschriftenhandel, Jg. 66 (1958), H. 11, S. 399-400, S. 400. Vgl. auch Oeke, Rundfunkzeitschrift, S. 8-9.

369Dr. O.E., Fernsehzeitschriften, S. 53f.

370Dies ergab bereits 1954 eine vom Springer-Verlag in Auftrag gegebene Konkurrenz-Untersuchung zur HÖR ZU! ASV-UA, Sammlung Marktforschung, M-228. Untersucht wurden die inhaltlichen Konzepte der Zeitschriften „Bild + Funk“, „Funk-Illustrierte“, „Funk um die Familie“, „Gong“, „Hören und Sehen“, „Radio Revue“ und „Rundfunkhörer“. Netenjakob, Egon, Die heimliche Revision. Über Programmzeitschriften, in: Funk-Korrespondenz, Jg. 20 (1972), Nr. 39, S. 1.

371Pritzkoleit, Kurt, Wem gehört Deutschland? Eine Chronik von Besitz und Macht, Wien u. a. 1957, S. 178. Vgl. auch Kahle, Wolfgang, Hamburg und die deutsche Presse, in: Clemens Münster (Hg.), Die Bundesrepublik heute. Eine Bestandsaufnahme in Beispielen, Hamburg 1965, S. 47-94, S. 83.

372Da mit Ausnahme des Jahres 1949 keine Personallisten zur Redaktion im ASV-UA vorhanden sind, basieren die folgenden Zahlenangaben auf einer Auswertung der Hauszeitschriften des Axel Springer Verlags, „Mitteilungen an unsere Mitarbeiter“ (1956-1958) und „Springer-Post“ (1959-1968). Sie verzeichnen sowohl die Ein- und Austritte, als auch die Jubiläen der Verlagsmitarbeiter.

373Wolfgang Huwe wechselte zur „Constanze“, Fritz Erley arbeitete bei „Frau im Spiegel“, sowie bei der Filmillustrierten „Star-Revue“ und wurde Ende der fünfziger Jahre Chefredakteur der Programmzeitschrift „Bildschirm“. 1956 verließen zehn Mitglieder die Programmzeitschrift.

374Waasen, Günter van, Bild und Funk, in: Fischer, Publikumszeitschriften, S. 250-260, S. 256f. und Paus, Hajo, TV Hören und Sehen, in: ebd., S. 235-249, S. 240f.

375Es ist anzunehmen, daß diese Untersuchungsergebnisse aus den achtziger Jahren im verstärkten Maße auch für die fünfziger Jahre zutreffend sind. Siehe zur Beschäftigungssituation an den Rundfunksendern Becher, Vera u. a., Auszug aus der Studie „Die Situation der Mitarbeiterinnen im WDR“, Köln 1981. Neverla, Irena/Kanzleiter, Gerda, Journalistinnen. Frauen in einem Männerberuf, Frankfurt am Main, New York 1984, S. 31-45 und Müller, Jutta, Männer machen das Programm – immer noch. Zur Situation der Frauen in den Medien, in: Medium (1984), Nr. 12, S. 26-27.

376Siehe zur Diskussion um die geschlechtsspezifische Arbeitsschutzgesetzgebung, Moeller, Robert G., Geschützte Mütter. Frauen und Familien in der westdeutschen Nachkriegspolitik, Deutsche Erstausgabe München 1997. Vgl. dazu allgemein Hausen, Karin, Geschlechterhierarchie und Arbeitsteilung. Zur Geschichte ungleicher Erwerbschancen von Männern und Frauen, Göttingen 1993.

377Vgl. auch zum folgenden die Interviews Land, 8.7.1996; Schneider, 8.8.1995; Mose, 13.11.1996, Ebert, 14.11.1996; Huwe, 10.2.1997 und Brandes, 26.2.1995.

378Huwe, Wolfgang, Vater der „Hörzu“: Eduard Rhein feiert heute seinen 85. Geburtstag. Unerbittlich im Umgang mit der deutschen Sprache, in: Berliner Morgenpost vom 23.8.1985.

379Königstein, Horst, Ein König in seinem Reich, Dokumentarfilm.

380Schriftliche Auskunft Huwe, 2.5.1997.

381Interview Huwe, 10.2.1997 und Brandes, 26.2.1995.

382Schriftliche Auskunft Huwe, 2.5.1997.

383Interview Ebert, 14.11.1996.

384Ebert, Horst, Dem Reinen ist alles Rhein (frei nach Titus), Eine Legende wird 85 – Text Intern Festival für Eduard Rhein (II), in: Text Intern (1985), Nr. 67, S. 4-5, S. 4.

385Interview Luchs, 11.2.1997.

386Huwe, Eduard Rhein, S. 10ff.

387Ebd., S.11.

3881956 wechselte Huwe zur „Constanze“, wo er 1964 zum stellvertretenden Chefredakteur avancierte. 1969 ging er zur Frauenzeitschrift „Petra“, die er von 1971 bis 1983 leitete. Interview Huwe, 10.2.1997.

389Interview Brandes, 26.2.1995; Interview Huwe, 10.2.1997 und ders., Vater der „Hör zu“, S. 6.

390Vgl. Interview Ebert, 14.11.1996; Interview Brandes, 26.2.1995 und Interview Huwe, 10.2.1997.

391Interview Land, 8.7.1996.

392ASV-UA, Materialien zu Eduard Rhein, Bericht Hildegard Brandes, o. S.

393Interview Brandes, 26.2.1995.

394Die Diskussion um die „innere Pressefreiheit“ sowie um die Einsetzung von Redaktionsstatuten kam erst Ende der sechziger Jahre unter dem Eindruck verstärkter Konzentrationsbewegungen auf dem Pressemarkt wieder in Gang. Dazu Holtz-Bacha, Christina, Mitspracherechte für Journalisten. Redaktionsstatuten in Presse und Rundfunk, Köln 1986, S. 12.

395Koszyk, Kurt, Presse- und Pressekonzentration in den 50er Jahren, in: Schildt/Sywottek, Modernisierung, S. 439-457, S. 444.

396Interview Mose, 13.11.1996.

397Interview Brandes, 26.2.1995.

398Zu den Auflagenzahlen vgl. ASV-UA, HÖR ZU. Ein Medium wird Markenartikel, Hamburg o. D., o. S.

399Vgl. zu diesen Entwicklungen auch: o. V., Programm-Zeitschriften: Die Porstille, in: Der Spiegel, Jg. 20 (1965), Nr. 11, S. 78-80 und o. V., Programmzeitschriften: Nicht nett zueinander, in: Der Spiegel, Jg. 17 (1962), Nr. 6, S. 80-82.

400Vgl. o. V., Programm-Zeitschriften. Die Porstille, in: Der Spiegel, Jg. 20 (1965), Nr. 11, S. 78-80.

401Interview Brandes, 12.11.1996; Interview Bluhm, 12.11.1996.

402Zum aktuellen Forschungsstand siehe die Überblicksdarstellungen: Schildt/Sywottek, Modernisierung und Schildt, Moderne Zeiten.

403Die Kosmetikrubrik „Die Frau über vierzig“ erschien ab HÖ, Jg. 17 (1962), Nr. 23, die Rubrik „Recht oder Unrecht?“ ab HÖ, Jg. 19 (1964), Nr. 38. Auch die Rubrik „Sportlexikon“ (ab Nr. 14, 1962) sowie die Serie „Heim und Garten“, die ab HÖ, Jg. 19 (1964), Nr. 20 bei der Einrichtung mit zeitgemäßen Möbeln beriet, gaben der Zeitschrift keinen neuen Schwung.

404Bittermann, Hör zu, S. 19.

405Bluhm, Jg. 1912, hatte seine journalistische Karriere in der Nachkriegszeit beim „Hamburger Echo“ begonnen und war dann zur „Hamburger Morgenpost“ übergewechselt. Im Springer-Verlag war er zeitweise Chefredakteur von „Bild“, „Welt am Sonntag“ und „Bild am Sonntag“ gewesen. Bis 1974 blieb Bluhm Chefredakteur von HÖR ZU! Vgl. Jürgs, Axel Springer, S. 188ff.

406Dazu Hickethier, Geschichte, S. 203f.

407Ab HÖ, Jg. 20 (1965), Nr. 10. Zu diesem Anspruch vgl. auch Hans Bluhm, Das Kunststück, allen zu gefallen, in: HÖ, Jg. 20 (1965), Nr. 4, S. 2.

408Ab HÖ, Jg. 20 (1965), Nr. 11.

409So erschienen rundfunkpolitische Stellungnahmen nun unter dem harmlosen Titel „Das meint HÖR ZU“. Ab HO, Jg. 20 (1965), Nr. 4. Zur Blattgestaltung unter Hans Bluhm. vgl. auch K.W. [Wagenführ, Kurt], Chefredakteurwechsel bei „Hör zu“, in: Femseh-Informationen, Jg. 25 (1974), Nr. 13, S. 255.

410Interview Bluhm, 12.11.1996.

411Interview Bluhm, 12.11.1996. Burtz, Brigitte, Die Goldene Kamera von HÖR ZU. Ist wirklich alles Gold, was glänzt?, unveröff. Magisterarbeit, Bochum 1986.

412Interview Bluhm, 12.11.1996. Vgl. auch o. V., Rund um die Goldene Kamera, in: Springer-Post, Jg. 9 (1967), Nr. 2, S. 3-5.

413Allgemein zu diesem Verbund: Drück, Rolle der Programmzeitschriften, S. 170.

414Dazu Peters, Birgit, „Öffentlichkeitselite“ – Bedingungen und Bedeutungen von Prominenz, in: Jürgen Friedrichs/Rainer M. Lepsius/Friedhelm Neidhardt (Hg.), Öffentlichkeit, öffentliche Meinung, soziale Bewegungen, Opladen 1994, S. 191-213, S. 196.

415Schreck, Folkher C., Die Bedeutung der Stars für die Programmzeitschriften, in: Werner Faulstich/Helmut Korte (Hg.), Der Star. Geschichte – Rezeption – Bedeutung, München 1997, S.174-175.

416Interview Bluhm, 12.11.1996.

417Vgl. dazu auch die großzügige Werbebroschüre des Springer-Verlags, Seiten, Zeiten, Medien. HÖR ZU, Funk, Fernsehen und Werbung im Wandel der Zeiten, o. O. o. J. [Hamburg 1972]. Zu den Arbeiten von Willy Fleckhaus in den Zeitschriften Twen, Quick u. a. und seinen Einfluß auf die Zeitschriftengestaltung. Koetzle, Michael/Wolff, Carsten M., Fleckhaus. Deutschlands erster Art Director, o. O. o. J.

418Vgl. ASV-UA, Materialien zu Eduard Rhein, Aus unseren Kreisen, 22.12.1964, S. 13-14.

419Interview Mose, 13.11.1996. Gleiches gilt für Bodo Land, ein Neffe Eduard Rheins, der unter Hans Bluhm vielbeachtete Reportagen zu diversen Themen schrieb. Interview Land, 8.7.1996.

420o. V., Nach der Arbeit an das Netz! Die Redaktion HÖR ZU holt sich jeden Mittwochabend gute Laune beim Badminton, in: Springer-Post, Jg. 6 (1965), Nr. 7, S. 8-9; o. V., HÖR ZU Inselfest. Die Redaktion lud ein zu fröhlichem Tun, in: Springer-Post, Jg. 6 (1965), Nr. 12, S. 8-9.

421Dies pointieren Inge Marßolek und Adelheid von Saldern treffend. Dies., „Jawohl der Deutsche Demokratische Rundfunk kann sich hören lassen.“ Radio in der DDR. Eine Einführung, in: dies., Zuhören, Bd. 2, S. 11-44, S. 17f.

422HÖ, Jg. 5 (1950), Nr.42, S. 2.

423Erste Mecki-Zeichen-Film-Serie von Hans Held, Zeichenfilmstudio Hamburg 1958, Film-Nr. 5.

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