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Autorin: Stärk, Julia.

Titel: Die Produktion des Hörspiels "Das Gurkenfass": Ein Erfahrungsbericht.

Quelle: Manuskript. Stuttgart 2004. S. 1-3.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Autorin.



Julia Stärk

Die Produktion des Hörspiels “Das Gurkenfass”: Ein Erfahrungsbericht

Wie entsteht ein Hörspiel? Diese Frage beschäftigte mich schon als Kind. Seit ich denken kann, bin ich ein großer Hörspiel-Fan. Vor dem Einschlafen ein Hörspiel einzulegen, alle noch im Kopf herumspukenden Gedanken zu verabschieden, Bilder vor dem inneren Auge entstehen zu lassen und sich ganz diesem „Kopfkino“ hinzugeben, gehört für mich zu den schönsten Beschäftigungen. Schon lange ist es ein Traum von mir, einmal bei einer Hörspielproduktion dabei zu sein oder gar selbst mitzusprechen. Und als ich im Sommersemester das Seminar „Kreatives Schreiben“ besuchte und dort ein Hörspiel mit dem Titel „Das Gurkenfass“ schrieb, dachte ich: Jetzt oder nie! Ich habe ein Studio zur Verfügung, ich kenne Leute, die es bedienen können und ich bin von motivierten, angehenden Sprecher umgeben. Gibt es denn eine bessere Gelegenheit, um ein eigenes Hörspiel zu produzieren?

Um meine Pläne zu verwirklichen, tat ich mich mit Gerald Golka zusammen, Student der „Neuen Musik und Komposition“. Er erklärte sich bereit, den technischen Part bei der Produktion zu übernehmen. Anschließend galt es, die geeigneten Sprecher für die Charaktere auszuwählen. Da ich eine recht genaue Vorstellung von meinen Figuren hatte, fiel mir die Wahl nicht schwer. Nun kam der schwierigere organisatorische Teil. Es galt zehn vielbeschäftigte Studenten unter einen Hut zu bringen und Termine zu finden, an dem sowohl alle Sprecher als auch Gerald Golka Zeit hatten, und an dem uns auch noch das Studio zur Verfügung stand. Glücklicherweise fanden wir nach vielen Telefonaten drei Tage, an denen wir die Sprechaufnahmen machen konnten. Ich selbst sprach nur eine kleine Rolle, da ich mich auf die Regieführung konzentrieren wollte. Dies war für mich eine äußerst spannende und lehrreiche Aufgabe. Denn Regie führen heißt: genaue Anweisungen geben, gut zuhören und ein konstruktives feedback geben.

Zunächst versuchte ich, den Sprechern möglichst genau das Bild zu vermitteln, welches ich selbst von den Charakteren hatte. Das sollte ihnen helfen, für ihre Figur einen geeigneten Stimmklang zu finden. Außerdem war es wichtig zu klären, dass das Hörspiel nicht ausschließlich für Kinder, sondern ebenso für erwachsene Hörer konzipiert ist. Dadurch ergibt sich gleich ein anderer Sprechton. Am schwierigsten war es, konstruktives feedback zu geben. Denn oft hörte ich zwar, dass das Gesprochene nicht meinen Vorstellungen entsprach, konnte aber nicht genau auf den Punkt bringen, was mich störte. Meine Kommilitonen wiederum waren auf ein gutes feedback angewiesen, da man sich selbst immer anders wahrnimmt als der Zuhörer. Ich musste daher geeignete Imaginationen und Hilfen finden, um ihnen zu verdeutlichen, was ich mir anders vorstellte. Da ich in der Regel selbst immer auf der „sprechenden Seite“ stehe und „feedback- Empfängerin“ bin (zum Beispiel in meinem Hauptfachunterricht), war es sehr interessant für mich, das nun einmal von der anderen Seite zu erleben. Glücklicherweise waren meine Kommilitonen sehr offen gegenüber meinen Vorschlägen, so entstand ein gutes Arbeitsklima. Um das Gesprochene noch von anderer Seite beurteilen zu lassen, ernannte ich einen Mitstudenten aus dem ersten Semester zu meinem „Regieassistenten“, der mir beim Hören und Bewerten half.

Was uns oft graue Haare bescherte, war die Technik. Die Computer dachten sich immer wieder neue Rätsel und Kniffeleien aus, die wir dann zu lösen bzw. zu beseitigen hatten. Oft saßen wir wegen Kleinigkeiten stundenlang vor dem PC und verstanden das System einfach nicht mehr. Einmal fehlten die Mikros und wir konnten nicht aufnehmen, ein anderes Mal war der Studioschlüssel unauffindbar und ich musste vierzig Minuten mit der U-Bahn fahren, um bei einem Dozenten den Schlüssel zu holen, dann machten die Computer wieder Faxen, und wir waren am Verzweifeln. Zum Glück kannte Gerald Golka sich wirklich gut aus mit dem System und fand irgendwann immer eine Lösung.

Sehr viel Spaß machte das Aufnehmen der Geräusche. Das „Ziehen an einer Wasserpfeife“ erzeugten wir beispielsweise mit Strohhalm und Wasserglas und versetzten Atemzügen an zwei Mikrophonen. Das Geräusch „Fass öffnet seinen Deckel“ entstand durch zwei Holzbrettchen, die über einem leeren Mülleimer auseinandergeschoben wurden. Der Sound für „Fass bewegt sich im Ölteppich“ erzeugten wir mit einem nassen Waschlappen. Bis tief in die Nacht saßen wir im Studio und dachten uns Geräusche aus. Natürlich konnten wir nicht alle selbst produzieren, daher verwendeten wir auch „fertige“ Geräusche von einer CD. Die Musik für das Hörspiel wollte Gerald Golka eigentlich selbst komponieren, schaffte das aber zeitlich nicht bis zum 30. Januar. Daher wählten wir verschiedene CDs aus der Musikbibliothek aus und spielten einige Titel ein, darunter den „Zauberlehrling“, eine Ouvertüre für Orchester von Paul Dukas, und arabische Musik für die Wüstenszenen. Beim Gestalten des Booklets halfen mir zwei weitere Mitstudenten. Urs Klebe entwarf das Cover, während Tim Laufer mit mir zusammen das Layout gestaltete. Für mich war es eine tolle Erfahrung, dass alle Leute, die ich um Mithilfe bat, so hilfsbereit waren und mit Begeisterung in die Sache einstiegen. Ohne die Mithilfe meiner Kommilitonen und vor allem Gerald Golkas wäre dieses Projekt nicht zu realisieren gewesen. Wir haben uns durch unsere individuellen Fähigkeiten im Team wunderbar ergänzt, und sind durch die gemeinsame Arbeit richtig zusammengewachsen.

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