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Autor: Ulrich Vielmuth.
Titel: Sieben goldene Grundregeln beim Filmen/ Filmthemen/ Kameraführung/ Bildgestaltung.
Quelle: Ulrich Vielmuth: Ratgeber für Videofilmer. Tips und Tricks vom Profi, Köln 1998. S. 86-137.
Verlag: Dumont Buchverlag, Köln.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Ulrich Vielmuth
"Sieben goldene Grundregeln" beim Filmen
Filme von Hobbyfilmern sind im Verhältnis zu denen der Profis gar nicht so schlecht. Doch machen die Amateure meist mangels fachbezogener Unterweisung häufig die gleichen Fehler, freilich völlig unnötig. Damit Ihr nächster Videofilm ein richtiger Erfolg werden kann, sollen Ihnen dabei die "sieben goldenen Grundregeln" helfen. Es wäre doch gelacht, wenn nicht jeder ambitionierte Videoamateur fast ebenso erfolgreich wie ein Fernseh-Kameramann seine Filme drehen könnte. Es kommt doch meistens nur auf ein paar kleine Kniffe an.
Oft scheint es, als wären Stative für viele Videofilmer nur ungeliebtes Beiwerk. Zugegeben, etwas sperrig und auch nicht sehr leicht sind sie allemal. Da haben es die professionellen Aufnahmeteams schon bedeutend leichter, weil dort das Stativtragen zum Arbeitsgebiet des Kamera-Ton-Assistenten gehört. Daß das Drehen ohne Stativ entsprechend verwackelte Videos zur Folge haben muß, ist sicherlich einleuchtend. Doch wozu gibt es die unterschiedlichsten Stative für den guten Stand: Das Einbein für die ganz Eiligen, so kompakt wie der berühmte Knirps-Taschenschirm. Dank der geringen Länge findet das Stativ noch in jeder Videotasche Platz. Schnell ausgezogen, schafft das Leichtgewicht den notwendigen festen Stand, sogar noch bei Aufnahmen im gemäßigten Telebereich. Einbeinstative sind gar nicht so teuer und bilden in gewissen Drehsituationen einen gangbaren Kompromiß, um beispielsweise Großaufnahmen ohne zu wackeln zu drehen. Ruhige Schwenks gelingen jedoch nur mit einem guten Dreibeinstativ.
Wer etwas mehr Zeit beim Filmen hat, für den ist das klassische Dreibeinstativ unentbehrlich. Erkenntlich an der Stabilität, den Sicherheitseinrichtungen für den Camcorder und vor allen Dingen am guten Stativkopf, der ruckfreie Schwenks garantieren soll. Stative, die diese wünschenswerten Grundvoraussetzungen erfüllen, zählen meist nicht zu den Sonderangeboten und schon gar nicht zu den Leichtgewichten.
Beim Profi wackelt es ganz selten, weil er meistens vom Stativ dreht. Selbst wenn einmal kein Stativ zur Verfügung steht, muß das Bild nicht unruhig werden. Benutzen Sie einfach die natürlichen Möglichkeiten Ihrer Umgebung, um sich mit dem Camcorder anzulehnen oder aufzustützen und dadurch einen ruhigen Stand zu erreichen. Wenn man breitbeinig steht und im Weitwinkelbereich dreht - also mit kurzer Brennweite - kann es praktisch nicht mehr wackeln. Auch wenn es etwas seltsam klingen mag: Vor der Aufnahme kurz Luft holen und während des Filmens ausatmen hilft zusätzlich, ruhige Einstellungen "in den Kasten" zu bekommen.
Prinzipiell gilt jedoch immer, daß das Videobild um so stärker sichtbar wackelt, je länger die verwendete Brennweite ist. Deshalb können für den Einsteiger beim Hobby Filmen besonders Camcorder mit einem Weitwinkel-Zoom empfohlen werden. Denn im normalen Filmeralltag sowie bei den häufigsten Filmthemen ist ein langer Telebereich gar nicht gefragt. Deshalb ist es gut zu wissen: Eine digitale Brennweitenverdopplung wird immer nur durch eine Abbildungsqualitätsminderung erkauft!
In Seminaren für Videofilmer im "Offenen Kanal" wird das Hauptaugenmerk auf die Kameraführung ohne Zoomfahrten gelegt. Denn ein Vario-Objektiv soll eigentlich vor allem das komfortable Einstellen des gewünschten Bildausschnitts ermöglichen. Auf diese Weise können auch alle Zwischengrößen stufenlos am Camcorderobjektiv eingestellt werden, im Gegensatz zur früheren Arbeitsweise mit unterschiedlichen Festobjektiven, die noch Ende der 5oer Jahre bei Amateurfilmkameras im N8-Format üblich waren.
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Was ist ein Offener Kanal? Der Offene Kanal
ist Fernsehen zum Selbermachen und unterscheidet sich hierdurch
vom öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen. Offene
Kanäle sind lokale oder regionale Sender, deren
Fernsehsendungen nicht von einem bezahlten Mitarbeiterstab,
sondern von Bürgerinnen und Bürgern auf eigene
Initiative und in eigener Verantwortung produziert und
zusammengestellt werden. Die über den Offenen Kanal (OK)
verbreiteten Filme werden im jeweiligen örtlichen Kabelnetz
gesendet. ![]() Die Nachbearbeitung der
Videokassetten ist meistens Teamarbeit. (Foto: OK Netiwied) |
Hobbyfilmer zoomen gerne auf etwas zu, Profis jedoch am liebsten von etwas weg. Denn eine Zufahrt macht nähmlich nur Sinn, wenn der Zuschauer dadurch mehr Informationen erhält.
Beispiele:
Zufahrt mit dein Zoom aus der Totalen auf die Kirchturmuhr, von der Landschaftstotalen zur Wandergruppe oder auf einen Singvogel im Baum, wodurch er erst richtig zu erkennen ist.
Wegfahrten aus der Großaufnahme in den weitwinkligen Bereich haben den Vorteil, daß hierdurch elegant Ortswechsel oder Zeitsprünge im Handlungsablauf des Films bewältigt werden können. Das trifft zu, wenn Sie Ihr Videomaterial später schneiden wollen, kann aber auch beim ungeschnitten zur Vorführung kommenden Videofilm hilfreich sein. Denn es sollten möglichst nie zwei Totalen oder Halbtotalen hintereinander geschnitten oder gefilmt werden.
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Beim Zoomen werden Kamerafahrten immer nur vorgetäuscht. Weil dabei der Kamerastandpunkt nicht gewechselt wird, verändert sich auch nicht - wie bei einer echten Kamerafahrt - die Perspektive. |
Beispiel:
Kinder tollen im Garten herum und spielen. Um nun in der nächsten Einstellung die Sprößlinge schon am Eßtisch sitzen zu sehen, ohne daß der Schnitt zu hart wirkt, kann die Großaufmahme von einem gut gefüllten Teller mit anschließendem Aufzug in die Totale den Ortswechsel elegant filmisch darstellen.
Zuviele Schwenks - eventuell sogar noch aus der Hand - bringen Unruhe in Ihren Film. Da nutzen auch Bildstabilisierungssysteme wenig. Die meisten Camcorderobjektive sind leider zuwenig weitwinklig ausgelegt, was in engen Räumen schon einmal einen Schwenk provozieren kann. Profis schwenken im Prinzip nur,
um einen Überblick zu schaffen
um einem bewegten Objekt zu folgen
bei statischen Motiven (zum Beispiel im Museum)
um der Blickrichtung einer im Bild stehenden Person zu folgen.
Jeder Schwenk hat einen Anfang und ein Ende. Das heißt in der Praxis: Stand - Bewegung - Stand. Anfang und Ende des Schwenks sollen möglichst ein gut gestaltetes Bild zeigen. Der Schwenk verbindet optisch. Er muß ruckfrei beginnen und auch ebenso enden. Dazu ist ein gutes Stativ nötig.
Das hängt im
Prinzip vom Motiv ab. Schwenken Sie eine Landschaft ab, kann das
gefühlvoll langsam vonstatten gehen, denn eine Totale zeigt ja
auch viel an Informationen.

Schwenks aus der Hand
wollen gut geübt sein: auf keinen Fall zu schnell schwenken
(Foto: Vielmuth)
Dementsprechend muß der Zuschauer eines Videos mit seinen Augen die Zeit haben, sich in Ruhe im Bild orientieren zu können.
Außer dem gebräuchlichen Horizontalschwenk, der auch gerne Panoramaschwenk genannt wird, gibt es noch den Vertikalschwenk (z. B. bei Gebäuden, Säulen, Personen), den Verfolgungsschwenk oder gar den Reißschwenk, der eine Zeit lang bei den professionellen Kameraleuten "in" war. Gut ausgeführte Schwenks wollen vorher immer geprobt sein. Denn wie heißt es so schön: "Übung macht den Meister"!
Dieser Begriff aus der Fachumgangssprache der Kameraleute beinhaltet den stetigen Wechsel beim Filmen von Kanierastandpunkt und Einstellungsgrößen. Denn unterschiedliche Aufnahnieperspektiven lassen Ihr Video besser wirken. Nichts ist langweiliger, als immer nur aus Augenhöhe zu drehen, das heißt aus der Sichtweise des erwachsenen Menschen.
Vogel- oder
Froschperspektive sollten keine Fremdwörter bei Ihrem kreativen
Hobby sein. Eine Übersichtstotale von einem Balkon bei einem
festlichen Umzug oder einer Kundgebung auf dein Marktplatz kann den
Zuschauer über Größe des Ereignisses und Anzahl der
Teilnehmer informieren. Ergänzend dazu von unten gedreht,
erhalten die Videoaufnahmen so eine stärkere Dramatik, wirken
dann oft spektakulärer.

Ungewöhnliche
Perspektiven ergeben immer attraktive Bilder. (Foto: Vielmuth)
Ob im Kindergarten oder bei Familienfeiern, im Museum oder beim Karneval - Kameraführung ist immer themengebunden. Deshalb gehen Sie ruhig öfters einmal mit dem Camcorder in die Knie - beispielsweise beim Filmen mit Kindern. Und auch der Hund will nicht immer nach oben ins Kameraobjektiv schauen müssen. Da ist es doch viel amüsanter und auch optisch reizvoller, wenn »Waldi« neugierig am Objektiv schnüffeln kann! Denn eine distanzierte Kameraführung ist nicht besonders interessant. Und wieviel schöner eine Kamera, die mittendrin zu sein scheint, nahe an der Aktion, praktisch dazugehörend.
Schnittbildtechnik heißt auch, beim Dreh schon an den späteren Schnitt zu denken. Nur so kriegen Sie keine grauen Haare, wenn das Kameramaterial später einmal zu einem flotten Video montiert werden soll. Deshalb nie zu lange mitschwenken, wenn mit dem Camcorder beispielsweise ein Läufer, Auto oder Spaziergänger verfolgt werden soll. Das kriegt man im Schnitt nicht gekürzt, und so wird Ihr Film lang und immer länger - Langeweile kommt auf.
Besser ist es, Läufer, Auto oder Spaziergänger nach einigen Sekunden "aus dem Bild laufen" zu lassen. Nur so ist es dann möglich, schon in der nächsten Einstellung die Agierenden vor der Kamera an einem ganz anderen Ort zu zeigen - ohne daß diese filmische Zeitverkürzung als unnatürlich empfunden wird. So arbeiten auch die Profis und können dadurch länger dauernde Vorgänge in ein paar kurzen Einstellungen flüssig und plausibel darstellen. Die Nachrichtensendungen im Fernsehen sind in dieser Hinsicht beispielhaft.
Dies hat weniger mit einem Gewehr zu tun als mit professionell anmutender Aufnahmetechnik. Ein Foto wird ja auch »geschossen«. Das Lexikon für Videofilmer definiert es so: »Filmaufnahme, die das Objekt (Person), ergänzend zur vorherigen Einstellung, aus entgegengesetzter Richtung zeigt«. Also die Veränderung des Kamerastandpunktes in die gegenüberliegende Position.
Bezogen auf die Filmpraxis hier zwei Beispiele: Spaziergänger im Park kommen auf die Kamera zu. Der typische Hobbyfilmer würde einfach mitschwenken, später beim Schnitt deshalb Probleme wegen der Szenenlänge bekommen. Besser wäre im Sinne von Schuß Gegenschuß, das Motiv in zwei Einstellungen aufzuteilen. In der ersten Einstellung kommen die Spaziergänger auf die Kamera zu. Man läßt sie links aus dein Bild herausgeben. In der nächsten, dein Gegenschuß, kommt die kleine Gruppe von rechts ins Bild gelaufen. Bei einer Sängerin auf der Bühne wäre der Gegenschuß der Blick ins Publikum. Vielleicht sogar so gedreht, daß die Sängerin im Bildvordergrund noch etwas als Schattenriß angeschnitten ist. Das gibt dein Bild mehr Raumtiefe.
Ein Vordergrund im
Bild, also Zweig, Blüte, Person(engruppe), Mauer u. ä.
erzeugt Tiefenwirkung und darüber hinaus eine optische
Abstufung. Ohne einen geeigneten Vordergrund - das kann bei einer
Wanderung im Wald zum Beispiel ein Tannenzweig sein - wird eine
Totale wie etwa der Blick ins Tal ziemlich langweilig und flach
wirken.

Empfehlenswert: durch die
Skifahrer im Vordergrund bekommt die Kameraeinstellung mehr
Tiefe.
(Foto: Vielmuth)

Es muß nicht
unbedingt China sein: der angeschnittene Vordergrund macht erst eine
gute Bildgestaltung aus. (Foto: Vielmuth)
Auch ein natürlicher Bildrahmen, vielleicht ein Torbogen, eignet sich besonders gut zur Einrabinung eines schönen Motivs.
Profis sind bei Dreharbeiten immer auf der Suche nach Möglichkeiten, einen Vordergrund mit ins Bild einzubeziehen. Gelegentlich muß da auch schon einmal ein abgebrochener Zweig herhalten, der vom Kamera-Assistenten vor die Kamera gehalten wird, wenn sich sonst nichts Geeignetes anbietet.
Dies sind Rot, Orange oder auch Purpurrot, das heißt warme Farben. Sie schaffen oft einen fast greifbaren Raumeindruck. Im Gegensatz dazu sind kalte Farben wie Blau oder Blaugrün typische Hintergrundfarben. So ist beispielsweise im Gebirge der Dunst in der Ferne bläulich. Sind nun im Vordergrund schöne üppige, rote Geranien im Balkonkasten zu sehen, erhält das Bild Plastizität und Tiefe. Vorder- und Hintergrund werden durch diese bewußte Farbregie voneinander getrennt. Ein Blau verstärkt die Fernwirkung.
Deshalb kann empfohlen werden, immer möglichst einen geeigneten Vordergrund zu suchen, bevor der Camcorder gestartet wird. Ohne Vordergrund droht eine Kameraeinstellung flach zu wirken, ohne Spannung und gestaffelte Bildtiefe.
Zwischenschnitte sind besonders wichtig bei der Schnitt-Nachbearbeitung der Videoaufnahmen, um beispielsweise länger dauernde Vorgänge elegant zu kürzen. Das kann der Zusammenbau einer Uhr sein oder das Malen eines Bildes. Ideal ist, wenn Sie dem Zuschauer eine dramaturgisch wichtige Information durch einen Zwischenschnitt vermitteln können. So eine Zwischeneinstellung kann auch zuweilen erforderlich sein, uni die Filriiharidlung besser verständlich zu gestalten.
Zwischenschnitte sind kurze Einstellungen, die in eine Szene, einen Handlungsablauf oder zwischen zwei Szenen als Übergang eingefügt werden - etwa bei Ortswechsel. Typische Zwischenschnitte sind Zuschauer, Gesichter groß, aber auch Großaufnahmen von Details, Kalender, Schlagzeile einer Zeitung u.s.w.
Manchmal soll ein Zwischenschnitt dein Filmbetrachter auch eine Handlungskontinuität suggerieren, wo in Wirklichkeit keine ist. Denken Sie einmal an die Fernsehnachrichten. Hat es da bei einem kurzen Politiker-Interview nicht auch eine dazwischengeschobene Einstellung von seinen Händen oder vom Fernsehreporter gegeben, der interessiert zuhört? Das sind in der Fernsehaktualität geläufige Zwischenschnitte, um etwa ein viel zu langes Interview zu kürzen. In aller Regel bemerkt der Zuschauer am Bildschirm zuhause diesen kleinen Kniff nicht.
Die kleinen und großen Familienereignisse bieten immer einen guten Stoff, aus dem die Videofilme sind. Es muß jedoch nicht gleich ein halber Spielfilm sein, für dessen Realisierung bekannterweise viel Personal und viel Erfahrung nötig ist - von den Kosten ganz zu schweigen. Daß dies auch billiger geht, beweisen die zahlreichen hervorragenden Amateurfilme, die jedes Jahr vorn Bund Deutscher Film- und Videoamateure (BDFA) im Rahmen eines Festivals ausgezeichnet werden. Denn gute Filme unterscheiden sich meistens von den weniger gelungenen, daß beim Drehen die elementaren Grundgesetze der Aufnahmetechnik angewandt, die Montage der einzelnen Einstellungen sinnvoll durchgeführt wird und der Ton zum Bild paßt oder es sogar emotional ergänzt. Dann wirken Filme besonders.
Wer sich aufmerksam umschaut, kann in seiner näheren Umgebung so viele gute Filmthemen entdecken, daß ihm wohl nie der Stoff ausgehen wird. So können die im Laufe eines Jahres stattfindenden Feste und Veranstaltungen immer ein geeigneter Anlaß sein, den eigenen Camcorder vor dem Verstauben zu bewahren.
Das Kalenderjahr hat gerade erst begonnen, schon sind die Narren los. Ob schwäbisch-alemannische Fasnet, deftig-bayerischer Fasching oder überschäumender rheinischer Karneval - gemeint ist immer das gleiche: Verkleiden, Tanzen, Schunkeln, Singen. Also schöne lebendige Motive zuhauf. Selbst in den jungen Bundesländern wird getreu dem rheinischen Vorbild kräftig Karneval gefeiert. Nicht so sehr auf der Straße, mehr im Saale. In der kalten Jahreszeit im Februar, von eingefleischten Fastnachtern scherzhaft auch die fünfte Jahreszeit genannt, kann es also mit dem Filmen schon losgehen.

Bunte Kostüme, tanzende Gestalten – tolle Motive sind
beste Voraussetzungen für gelungene Filme (Foto: Vielmuth)
Für Frühaufsteher ist in jedem Jahr, genau eine Woche nach Rosenmontag, in Basel eine besondere Variante des bunten Treibens zu erleben, wenn traditionell auf Schweizer Art die Wiedergeburt der Natur ausgangs des Winters gefeiert wird. Griminig dreinschauende Masken, Fasnachtsgruppen mit Trommeln und helle Piccoloflöten sind hier attraktive Motive für besonders lichtstarke Camcorder. Ab vier Uhr früh ziehen die Pfeifer- und Tambourgruppen durch die pittoreske Baseler Altstadt. Die Baseler Fasnacht ist eröffnet, wenn in Köln der Karneval schon fast vergessen ist.
Farbige Kostüme sind immer ein gutes Motiv. Sie müssen deshalb nicht gleich zu den großen Rosenmontagszügen nach Köln, Mainz und Düsseldorf pilgern - obwohl Sie dann mittendrin wären im gewaltigen karnevalistischen Treiben. Dabei sollte sich auch die Kameraführung dem Ereignis anpassen und - ausgelassen wie die Narren - einmal ausnahmsweise nicht ganz so schulmäßig geführt werden. Wackeln ist bei solch einem Filmthema auch einmal öfters erlaubt, wenn es zum Bildinhalt paßt. Denn mittendrin zu sein, ganz subjektiv aus der Sicht des Zuschauers beim Umzug der Kamevalisten, kann viele stimmungsvolle Aufnahmen bringen. Wenn dann ein paar Köpfe direkt vor dem Objektiv schunkeln und tanzen, kann das für die Bildgestaltung nur gut sein. So hat man einen Vordergrund, der die Videoaufnahme plastischer erscheinen läßt. Ergänzend schafft ein leicht erhöhter Standpunkt den Überblick, gibt den vorbeiziehenden Wagen mehr Gewicht. Abzulehnen ist jedoch ein permanent erhöhter Kamerastandpunkt von einem Fensterplatz oder einem Balkon ans. Dies wäre eine langweilige und flache Perspektive, eine distanzierte Kameraführung.
Lassen Sie in jedem Fall den Umzug aufnahmetechnisch nur in eine Richtung ziehen, denn hier lauert die Gefahr des Achsensprungs! Ein Dramaturgiefehler, der aus Unkenntnis besonders gerne Anfängern unterläuft. Um ihn zu vermeiden, bleiben Sie mit dem Camcorder am besten immer nur auf einer Straßenseite. Springen Sie niemals auch nur einmal kurz hinüber. Würden Sie es trotzdem tun, sieht es später bei der Vorführung der Aufnahmen so aus, als würde der Karnevalszug wieder zurückgehen.
Auch bei diesem Filmthema gilt: Zwischenschnitte nicht vergessen. Das können maskierte Kinder oder schunkelnde Zuschauer sein, aber auch bunter Fahnenschmuck am Straßenrand.
Die zeitweise Mitfahrt auf einem dekorierten Zugwagen ist - wenn möglich - eine schöne perspektivische Ergänzung zu den Kamerastandpunkten an der Straße. Der Dreh mit kurzer Brennweite, also im Weitwinkelbereich, kann auch hier die gröbsten Wackelbilder verhindern.
Die Osterfeiertage
sind oft willkommener Anlaß, spätestens jetzt mit dem
Camcorder hinaus in die freie Natur zu gehen. Stimmungsvolle
Gegenlichtaufnahmen schaffen ein besonderes Flair. Forsythien, Tulpen
und Krokusse leuchten erst dann besonders kräftig, wenn sie von
der Sonne im Gegenlicht durchstrahlt werden. Genauso verhält es
sich bei der Aufnahme von Fahnen. Auflicht, also Sonne im Rücken,
bringt nur den halben Effekt. Denn die alte Weisheit »Sonne im
Rücken, das Bild muß glücken« hat heutzutage
sicherlich keine Berechtigung mehr. Meine Symphatie gilt dem
Gegenlicht, und danach richtet sich meine Kameraführung. jedoch
ist die richtige Belichtung hierbei etwas schwieriger und setzt
einige Erfahrung voraus. Die Gegenlichttaste am Camcorder be-

Gegenlicht läßt
das Motiv strahlen (Foto: Vielmuth)
wirkt eine hellere Belichtung um etwa eine Blende, so daß die Aufnahme nicht zu dunkel erscheint. Bei der Möglichkeit der manuellen Blendensteuerung muß entsprechend eingestellt werden. Besonders hilfreich sind da Camcorder mit streifenförrniger Überbelichtungskontrolle, im Fachjargon der Berufskameraleute auch »Zebra« genannt.
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Gegenlichtaufnahmen, besonders mit einer punktförmigen Lichtquelle, sind für den empfindlichen CCD-Chip im Camcorder nicht ganz ungefährlich. Zu langes Verweilen in Richtung Sonne kann zu irreparablen Beschädigungen des Bildwandlers führen, die sich als punktförmige Effekte im Bild zeigen. Vorsicht ist also geboten. |
Blättern Sie doch einmal in einer der vielen Frauenzeitschriften. Sie werden schon nach den ersten Seiten bemerken, daß stimmungsvolle Modeaufnahmen nicht nur oft mit langer Brennweite, das heißt im Telebereich, gemacht werden, um den Hintergrund unscharf werden zu lassen, sondern auch die attraktiven Models besonders häufig im Gegenlicht aufgenommen werden. Sie erkennen es am Schattenwurf und dem Glanz in den Haaren. Gegenlicht kann das Motiv veredeln, zum Strahlen bringen.
Das Video über die Urlaubsreise zählt zu den Klassikern unter den Filmthemen im Hobbyfilmerbereich. Doch müssen es immer Ansichtskarten-Motive sein, die einen guten Film ausmachen? Auch die mehr dokumentarische Version ist nicht gerade besonders einfallsreich. Denn zur Vorbereitung der »schönsten Wochen des Jahres« muß bestimmt kein Drehbuch angefertigt werden. Ganz persönliche, private Erlebnisse am Urlaubsziel können da eher anstelle eines roten Handlungsfadens die Highliglits sein. Oder die Reflexion von Aktivitäten und Spaß.
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Vor der Abreise kann eine Checkliste verhindern, am Ziel eventuell ohne Ladegerät oder den entsprechenden Netzadapter dazustehen. Denn selbst innerhalb der EU gibt es eine Vielzahl verschiedener Steckernormen, die untereinander nicht kompatibel sind. Für Reisende gibt es beispielsweise beim ADAC oder bei der Lufthansa praktische Reise-Stecker-Adapter, ohne deren Hilfe auch reisende Fernsehteams weltweit ein Problem hätten. Dann nämlich, wenn Leuchten zum Aufhellen ans örtliche Stromnetz angeschlossen oder die Akkus wieder aufgeladen werden müssen. Auf Reisen ist eine gute Tasche für die Videoausrüstung besonders wichtig und nützlich. Beim Einpacken müssen dann nur die Liste entsprechend abgehakt und die Ausrüstungsgegenstände eingepackt werden. So kann eigentlich kaum etwas liegenbleiben. Wichtig: Auf keinen Fall die Bedienungsanleitung vergessen. Wer nicht so häufig filmt, kann auf diese Weise vor Ort bei Bedarf seine Camcorder-Kenntnisse auffrischen. |
Daß im fremden Land vieles für unsere Augen exotisch wirkt, darf nicht dazu verführen, permanent mit dein Camcorder am Auge nach japanischem Vorbild alles abzufilmen. Zurückhaltung und Respekt den fremden Menschen gegenüber ist auch hier geboten. Trotzdem können Impressionen auf dem Markt, Gesichter mit der langen Brennweite vom Stativ gedreht oder einfach das bunte Treiben auf der Straße viel spannender sein als die herkömmlichen Urlaubsmotive wie Strand, Hotel und schöne Landschaft.
Etwas Originelles, Typisches kann den Urlaubsfilm abseits ausgetretener- Filmerpfade besonders attraktiv machen. Da muß auch die Beleuchtung nicht immer optimal sein. Aufnahmen in der Unterbelichtung, aber mit dokumentarischem Charakter sind nicht selten bei guten Fernsehfeatures aus fremden Ländern zu sehen. Denn eine Mini-Kameraleuchte kann viel vom Zauber der Situation nehmen. Außerdem: Eine unbemerkt laufende Kamera bringt nicht selten die schöneren Urlaubserinnerungen. Nebenstraßen zeigen in der Regel das wahre Leben am Urlaubsdomizil, abseits vom Rummel des lauten Tourismus.
Ebenso empfiehlt es sich, in fernen und besonders exotischen Ländern, schon vor Ort die passende Musik auf MC oder CD für die Nachvertonung zu besorgen. Aber auch ein längeres Stück Livemusik kann als passende musikalische Untermalung den Filmbildern mehr Atmoswphäre geben. Denn erst Bild und Ton in optimaler Ergänzung schaffen es. die Emotionen des Zuschauers anzusprechen. Notizen vor Ort mit interessanten Detailinformationen für den Kommentar können ebenso nützlich sein.
Mein Tip: Nur keinen Streß beim Urlaubsfilmen aufkommen lassen. Nicht jede Kleinigkeit muß aufs Band. Um so aufwendiger wird nämlich zuhause die Nachbearbeitung, wenn ein Berg von Kassetten zu einem sehenswerten Film geschnitten werden soll. Auch hier gilt: Weniger ist mehr!
Stürmisches Regenwetter und »Goldener Oktober« - so weit gefächert kann im Herbst die meteorologische Bandbreite sein. Zuweilen eine Herausforderung für den Filmer.
Fernsehteams in der aktuellen Berichterstattung wissen ein Lied davon zu singen. Denn sie müssen sprichwörtlich bei Wind und Wetter ausrücken. Die Aufgabenstellung, diktiert durch die tägliche Ereignisflut, nimmt keine Rücksicht auf Glatteis, Sturm oder Regen. Zur Tagesschauzeit sollen die aktuellen Berichte fertig sein. Wind- und Regenschutz für die empfindlichen Profi-Camcorder sind deshalb immer im Kamerawagen dabei. Ähnlich kann sich der Hobbyfilmer wappnen.

Beispielhafte Einstellung: mit dem Camcorder malen... (Foto: Vielmuth)
Ein ausklingenden Sommer oder im Frühherbst finden landauf, landab zahlreiche bunte Feste statt, die für den Filmer ideale Tummelplätze sind. Jetzt steht die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel, das Licht ist weicher. Lange Schatten geben der Bildgestaltung plastische Kontur. Gegenlicht kann romantisieren und den bildwichtigen Vordergrund von, Hintergrund abheben. Am Camcorderobjektiv muß dafür entweder die Gegenlichttaste betätigt oder die Blende manuell um einen Wert geöffnet werden. Morgendunst und heraufziehender Abendnebel lassen die Natur als verzauberte Wirklichkeit erscheinen. Mit dem Camcorder kann man diese Motive, wie ein impressionistischer Maler mit dem Pinselstrich, abbilden - weich und schemenhaft.
Weinlese und die sich anschließenden Winzerfeste bilden ebenfalls ein fast unbegrenztes Repertoire an interessanten Motiven. Großaufnahmen von Trauben am Weinstock, vom Stativ in Ruhe aufgenommen, wirken im Gegenlicht am besten. Dann leuchten die Trauben besonders wirkungsvoll, Sonnenstrahlen werfen einen perlenkettenartigen Farbeffekt aufs Motiv. Weiche Schwenks sind bei solch einem ruhigen Motiv immer erlaubt.
Wer es mehr statisch liebt, kann in den zahlreichen Freilichtmuseen einen Blick in die dörfliche Vergangenheit werfen. Die Familie beim Rundgang wäre eine gute Möglichkeit, zwischen den einzelnen Gebinden zu trennen und trotzdem einen durchgehenden roten Faden im Film zu haben. Solch statische Motive dürfen auch öfter einmal abgeschwenkt werden, langsam und kontinuierlich. Aber bedenken Sie: Selbst erfahrene Profis genehmigen sich vorab einen Probeschwenk.
Extreme Kontraste im
Schnee sind für Videokameras schon immer ein Problem gewesen,
weil systembedingt bei Video nicht so ein hoher Kontrastumfang
verarbeitet werden kann wie beim Negativfilmaterial. Mittlerweile
sind die digitalen Camcorder in dieser Hinsicht leitungsfähiger
geworden. Trotzdem kann es immer wieder bei Aufnahmen

Großbildaufnahmen
mit symbolhaftem Charakter können sehenswerte Akzent setzen.
(Foto: Vielmuth)
im Schnee zum »Ausfressen« kommen: Die hellen Bildpartien überstrahlen, feine Details sind nicht mehr zu erkennen. Ob aber in solch extremen Kontrastsituationen ein Graufilter die Bildqualitität verbessern hilft, möchte ich bezweifeln. Auch das Verstellen des High-Speed-Shutters im Camcorder auf eine kürzere Belichtungszeit kann hier nicht helfen. Höchstens die Schärfe wird besser bei der Aufnahme von schnellen Objekten.
Ein besonderes Phänomen bei Ski-Aufnahmen ist meistens, daß nachher bei der Vorführung der Steilhang gar nicht mehr so steil wirkt. Hier hilft ein seitlicher Kamerastandpunkt zum Hang, um den Fahrkünsten auf einem oder zwei Brettern doch noch etwas mehr Dramatik zu verleihen. Erfahrene Skifahrer können mit den heutigen MiniCamcordern natürlich besonders dynamische Fahraufhahmen realisieren. So ähnlich, wie es der ehemalige Skirennläufer Willy Bogner, der später als Modemacher erfolgreich wurde, als wagemutiger Action-Kameramann bei vier James-Bond-Filmen zeigte: Rasante Aufnahmen im vollen Abfahrtstempo. Dabei sollte freilich der wertvolle Camcorder durch eine transparente Plastikfolie geschützt werden. Ein Sturz ist schnell passiert.
Doch auch stiebender Pulverschnee im Gegenlicht, schon in den berühmten Bergfilmen des Regisseurs Dr. Arnold Fanck mit Leni Riefenstahl und Luis Trenker in den 2oer-Jahren erstmals zu sehen, verlangt nach einem wirkungsvollen Schutz des empfindlichen Camcorders.
Sehr effektvoll sind auch Parallelfahrten mit einem anderen Skiläufer. Wichtig ist, daß der Camcorder möglichst tief gehalten wird. Diese Unterperspektive ergibt plastische Bilder, der Vordergrund wirkt gewaltiger.
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Der schlimmste Feind des Camcorders ist Feuchtigkeit aller Art, denn die sensible Elektronik und das Magnetband vertragen sie nicht. Da sind früher die Schmalfilmkameras wesentlich robuster gewesen, weil die Mechanik nicht so empfindlich war - auch im Regen oder bei Schneetreiben. Deshalb sollte der Camcorder zur Vermeidung von Kondenswassertröpfchen immer erst langsam an die Zimmerwärme gewöhnt werden, wenn er aus der Kälte kommt. Denn Feuchtigkeit schlägt sich immer an der kältesten Stelle nieder. Jeder kennt diesen Effekt im harten Winter bei einfach verglasten Fensterscheiben. Umgekehrt ist es nicht problematisch, mit dem Camcorder von der Wärme in die Kälte zu gehen. Auch wenn es dann vielleicht draußen 20 Grad unter Null sind, kann die bittere Kälte der Elektronik nichts anhaben, weil der Camcorder im Aufnahmebetrieb ohnehin eine gewisse Eigenwärme entwickelt. Akkus reagieren besonders empfindlich auf Kalte. In der warmen Hosentasche getragen oder anderweitig geschützt, kann eine Selbstentladung verhindert werden. Moderne Lithium-lonen-Akkus sind nicht ganz so kälteempfindlich. Aber auch hier empfiehlt es sich, ein oder besser zwei Ersatz-Akkus dabeizuhaben, damit das Filmvergnügen kein abruptes Ende findet. |
Selbst wenn der Einsteiger bei der Ausübung des Hobbys Filmen sicherlich zuerst einmal bemüht sein wird, den Camcorder möglichst ruhig zu halten, soll doch das komplexe Thema Kameraführung nicht ausgelassen werden. Zumal auch der Hobbyfilmer in aller Regel recht bald vom Ehrgeiz gepackt sein wird, ein wenig mehr Struktur in den Ablauf des Drehs zu bringen. Damit sich der Zuschauer bei der Vorführung des Videos im wahrsten Sinne des Wortes ein Bild machen kann.
Das offensichtliche Grundproblem des durchschnittlichen Hobbyfilmers ist stets der unbewußte Hang zum Schwenken. So wie es die Augen machen, wenn eine neue Umgebung betreten und die Details aufmerksam betrachtet werden. Von links nach rechts
oder umgekehrt und wieder zurück. Beim Filmen ergibt das jedoch eine ziemlich unruhige Kameraführung. Es ist kein Genuß, solche Videos anzuschauen.

Kameraführung unter
extremen Bedingungen:
Dreharbeiten im Jahre 1930 zu dem Bergfilm
»Stürme über dem Montblanc« mit Hans
Schneeberger, Leni Riefenstahl, Richard Angst und Sepp Allgeier unter
der Regie von Dr. Arnold Fanck. (Foto: Münchner Filmmuseum)
Eine gewisse Mitschuld ist jedoch den Camcorder-Herstellern anzulasten, die ihre Produkte oft nicht mit weitwinkligen Zooms ausstatten. Vielmehr wird Wert gelegt auf immer größere Telebereiche (20-fach Zoom und mehr), die jedoch in der üblichen Filmerpraxis wenig nützen. Tierfilmer sind sicher dankbar für solche Superlative, wenn sie vom Stativ und mit langer Brennweite das Motiv verhältnismäßig groß abbilden können. Bei der Realisation von ganz alltäglichen Filmthemen wie Geburtstagsfeier, Hochzeit oder Urlaubsreise jedoch wird zwingend der weitwinklige Objektivbereich gebraucht, der es ermöglicht, problemlos durch in durchschnittlich großen Zimmern zu drehen - und alle, alle sind im Bild. Obendrein ergeben Filmaufnahmen im kurzbrennweitigen, weitwinkligen Zoombereich nicht so schnell wacklige Bilder. Selbst aus dem fahrenden Auto können auf diese Weise die Aufnahmen gelingen.
Insbesondere für den Einsteiger beim aktiven Hobby Videofilmen gilt immer zu bedenken, daß man mit den Bewegungsmöglichkeiten einer Kamera nur sehr behutsam umgehen sollte. Kameraführung unterscheidet zwischen der eigentlichen Kamerabewegung und der Bewegung vor der Kamera. Kamerabewegung heißt, möglichst dem Filmthema entsprechend die Kamera zu führen.
Wenn beispielsweise die Motive vor der Kamera statisch sind - in einem Museum oder bei einer Ausstellung - darf sich die Kamera bewegen. Auf diese Weise kommt Leben in den Film, obwohl die Ausstellungsstücke natürlich leblos sind und sich vom Sujet her nicht gerade bestens für Filmaufnahmen eignen. Aber das ist ja eigentlich die Herausforderung an die Kameraführung, trotzdem einen lebendigen Film zu verwirklichen. Wie das geht? Ganz einfach!
Mit Hilfe von abwechselnd eingesetzten langsamen Schwenks, Zoomfahrten und vor allem Großaufnahmen kann auch so ein Thema lebendig und anschaulich im Film dargestellt werden. Es wird dadurch eine gewisse Dynamik in der Bildfolge erreicht, obwohl das Motiv statisch ist. Voraussetzung ist freilich ein gutes, standfestes Dreibeinstativ. Nicht umsonst sind die Aufnahmen der TV-Kameraleute deshalb so professionell, weil meistens vom Stativ gedreht wird. Berichte aus Museen sind in dieser Hinsicht oft beispielhaft und eignen sich - bei abgeschaltetem Ton - bestens zur eigenen Fortbildung in puncto Kamerabewegung bei unbewegten Motiven. Denn bloßes Aneinanderreihen von stehenden Kameraeinstellungen würde bei der Vorführung dieses Films sicherlich nur zum Gähnen animieren.
Richtig schwenken will gelernt, aber vor allem auch viel geübt sein. Wichtig ist: jeder Schwenk hat immer einen Anfang und ein Ende. Er beginnt mit einem Stand, der immer einige Sekunden lang sein sollte, und endet in der gleichen Weise - analog zum Anfang. Dazwischen erfolgt ein sehr langsam und gleichmäßig ausgeführter Schwenk. Probeschwenks sind sinnvoll, weil so im voraus genau festgelegt werden kann, wo der Schwenk beginnen und wo er aufhören soll. Denn sowohl die Anfangs- wie auch die Schlußeinstellung sollen für sich gesehen jeweils ein gut gestaltetes Bild darstellen. Nichts wirkt in der Vorführung amateurhafter als ein suchender, unsicherer Schwenk. Grundsätzlich sollten Kamerabewegungen immer ruckfrei und zielsicher ausgeführt werden. Und auf keinen Fall in zwei aufeinanderfolgenden Einstellungen schwenken oder zoomen.
Der langsame Schwenk
wirkt als erweiterte Totale und vermittelt Orientierung. Er kann eine
hinführende Wirkung haben, Der zügige Schwenk verbindet
zwei Einstellungen räumlich miteinander, den Stand vor und den
Stand nach der Kamerabewegung. Diese Vor- und Nacheinstellungen sind
die eigentlichen Aussageträger und sollten auf keinen Fall zu
kurz sein. Zwei bis drei Sekunden sind zu wenig. Der Reißschwenk,
bei dem die Kamera so schnell bewegt wird, daß räumliche
Einzelheiten nicht mehr zu erkennen sind, verbindet zwei Schauplätze,
deren Abstand für den Zuschauer ungewiß ist, deren
Gleichzeitigkeit jedoch dargestellt werden soll.

Super-Totale auf Monaco:
hier muß die Kamera schwenken (Foto: Vielmuth)
Der Zoom, also ein Objektiv mit veränderlicher Brennweite und deshalb auch als Vario-Objektiv bezeichnet, sollte beim Filmen immer sehr sparsam eingesetzt werden. Denn ganz streng betrachtet ist eine Zoombewegung unnatürlich, weil sich bei einer Ran- oder Wegfahrt mit dem Zoom keine perspektivische Veränderung ergibt. Es ist im Grunde nur eine Pseudo-Kamerafahrt. Bequem ist so ein Zoom: Damit lassen sich von einem Standpunkt aus verschiedene Bildausschnitte leicht einstellen und verändern, ohne einen vielleicht umständlichen Umbau der Kamera und Veränderung des Kamerastandpunktes. Der Zoom hat die Wirkung einer Ausschnittvergrößerung. So, als betrachte man ein Foto einmal mit und einmal ohne Lupe. Perspektive und Kamerastandpunkt bleiben dabei erhalten, nur die Brennweite wird verändert.
Der falsche Einsatz des Zooms ist wohl der am häufigsten vorkommende Gestaltungsfehler beim Filmen. Richtig eingesetzt wird der Zoom nur, um auf eine Einzelheit besonders hinzuweisen oder aber nach einem bestimmten Detail das Ganze zu zeigen.
Beim, Museums- oder Ausstellungsbesuch mit dem Camcorder hilft der, Zoom hingegen, etwas Bewegung ins Video zu bringen. Entweder, um die attraktiven Besonderheiten von allen ausgestellten Exponaten optisch deutlich hervorzuheben, oder und mit dem Vario-Objektiv einen gewissen Überraschungseffekt zu erzielen, wenn von der Groß in die Halbtotale aufgezogen wird. Die langsame Schärfeverlagerung von einem Ausstellungsdetail (Schmuck, Münze u. ä.) zum anderen macht sich optisch immer attraktiv, vorausgesetzt es wird natürlich vorn Stativ gedreht. Denn solch effektvolle Großaufnahmen dürfen auf keinen Fall wackeln. Die Wirkung wäre dahin.

Auch die Kamerabewegung
vom Kran ist eine echt Kamerafahrt. (Foto:Sony)
Obwohl im Prinzip der Einsteiger vor zu häufigem Gebrauch der Zoom-Wippe gewarnt werden soll, gibt es Aufnahmesituationen, in denen das Zoomen eine Alternative darstellt. Dann etwa, wenn sich durch den Schwenk die Blickrichtung ändert und gleichzeitig beim Zoomen auch der Bildausschnitt. So etwas kann jedoch nur vom Stativ gelingen.
Es gibt aber noch andere Möglichkeiten der Kamerabewegung, die je nach Filmthema sinnvoll wären. Die echte Kamerafahrt ist eine permanente Veränderung des Aufnahmestandpunktes und der Perspektive. So werden Annäherung oder Distanzierung ausgedrückt. Darüber hinaus wird die Darstellung der räumlichen Gegebenheiten - der Eindruck von Bildtiefe - des aufgenommenen Schauplatzes extrem deutlich. Denn bei der Kamerafahrt verschieben sich ständig nahe und weiter entfernte Gegenstände im Bild. Die perspektivische Veränderung macht die Bewegung im Raum besonders realistisch und wirkt damit stark dramatisierend.
Die Fahrt mit einem Rollstuhl beispielsweise ist im Gegensatz zu einer bloßen Zoomfahrt eine echte Kamerafahrt, fast so professionell wie eine Schienenfahrt mit dem Dolly im Filmatelier. Wenn dabei im Weitwinkelbereich gedreht wird, wackelt es auch weniger, vorausgesetzt, der Fußboden ist einigermaßen eben. Der Zuschauer empfindet die Kamerafahrt bei der Vorführung so, als ob er sich selbst in einem dreidimensionalen Raum bewegen würde. Eine echte Kamerafahrt kann auch mit einem Einkaufswagen vonstatten gehen oder aus dem Auto - vielleicht sogar nach hinten aus dem Kofferraum heraus. Wird die Kamera auf dein Fahrrad an der Lenkstange befestigt, kann eine besonders dynamische Kameraführung realisiert werden. Warum soll nicht einmal eine Schubkarre für eine Kamerafahrt herhalten? Hier sind der Phantasie wahrlich keine Grenzen gesetzt.
Der Gang mit laufender Kamera, das heißt eine sogenannte subjektie Kameraeinstellung (aus der Sicht des Filmers), gehört ebenfalls zum Repertoire einer bewegten Kamera. Empfehlenswert ist, direkt hinter einer Person herzugehen, uni so einen dynamischen Vordergrund im Bild zu haben. Das bringt mehr Tiefe und füllt das Bild - die Einstellung bekommt mehr Spannung. Beim Gang mit der Kamera besteht aber immer wieder die Gefahr, daß ein zu starkes Kamerawackeln vom Bildinhalt ablenken kann. Deshalb sind Camcorder mit eingebautem Bildstabilisator den anderen bei dieser Art von Kamerabewegung deutlich überlegen. Besonders interessant für profihaft ruhige Kamerabewegungen ist das Tragestativ namens Steadicam JR.
Die drei Gestaltungsmittel - Schwenk, Zoom und Kamerafahrt müssen mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden. Denn sie entsprechen nicht unseren physiologischen Wahrnehmungsgewohnheiten und wirken daher als Verfremdung. Auch der Hobbyfilmer muß also besonders darauf achten, daß sein Aussagewunsch nicht durch falsch eingesetzte Kamerabewegungen verändert wird oder nicht mehr zur Geltung kommt. Ruckartige oder zu rasche Kamerabewegungen sind deshalb zu vermeiden, Behutsamkeit bei der Kameraführung meistens angebracht.
Bei den meisten Filmthemen wie beispielsweise Familienfeiern, Sportveranstaltungen oder etwa im Zoo findet die »Äktschen« vor der Kamera statt. So muß die Kamera selbst deshalb nicht unbedingt bewegt werden, Schwenks und Zooms werden also ziemlich überflüssig. Die Kamera wird dabei zum Chronisten, ihr ganz subjektiver Blickwinkel zum Standort des Betrachters.
»Die Urform
kinematographischer Bewegung beschränkt sich auf die
Eigenbewegung der Handlung vor der Kamera. Schon die Väter des
Kinos ließen die Bilder laufen, waren geradezu unersättlich
im Auskosten dieses filmischen Ausdrucksmittels. Die vielfältige
Verfolgungskomik ist noch heute ein Sinnbild der Epoche, in deren
Filmen Leute hin

Garant für lebendige
Filmaufnahmen: mit dem Camcorder auf dem Karussell. (Foto: Vielmuth)
und her jagen, einander in den Weg geraten, stürzen, rutschen, purzeln« charakterisiert es der Kölner Filmwissenschaftler Dr. Pierre Kandorfer sehr treffend. Und das gilt im Prinzip auch heute noch. Denn wenn eine Aktion gefilmt werden soll, braucht die Kamera sich strenggenommen - nicht noch selbst zu bewegen. Das könnte den Zuschauer sogar vom eigentlichen Geschehen ablenken.
Der Teufel steckt im Detail, auch beim Filmen. Wer einen Camcorder das erste Mal in die Hand nimmt und ein kleines Thema optisch und auch akustisch in einen sehenswerten Film umsetzen will, kann nicht einfach drauflos filmen. Das geht schief. Selbst wenn man mit der Fotografie seine langjährigen Erfahrungen gemacht und schon mit Erfolg fotografiert hat.
Denn beim Film, dem Laufbild, wird im Gegensatz zur Fotografie, dem Stehbild, ein Zeitablauf in verschiedene Einstellungen zerlegt. Also keine kurzen Momentaufnahmen, sondern Kontinuität ist gefragt, um eine für den Betrachter plausible Einstellungsfolge zu erreichen. Und die Reihenfolge sollte einer gewissen Logik nicht entbehren, weil doch in aller Regel eine Geschichte erzählt wird. Zuerst ist da einmal das »Filmische Sehen« zu schärfen, den Blick für das Wesentliche bei einem Motiv. Man sollte kritisch sein bei der Auswahl des wirkungsvollen Bildausschnitts. Auf Totalen sollte man verzichten, sie wirken meistens nicht so besonders.
Wenn schon vor oder spätestens bei der Entstehung des Videofilms immer an die Kontinuität der Übergänge und Anschlüsse gedacht wird, kann nicht mehr viel schiefgehen. Übergänge in eine neue Szene, zum nächsten Drehort oder hin zum anderen Tag wollen gut geplant sein. Da spielt es keine Rolle, ob das aufgenommene Material später gschnitten oder als unbearbeitete Kamerakassette zur Vorführung kommen soll. Szenen, Einstellungen und natürlich ganze Sequenzen, die im Film einen Handlungsablauf darstellen, sollten möglichst zusammenpassen.
Fließende Übergänge sind auf verschiedene Arten möglich und sollten verbindende Elemente aufweisen. Die weiche Überblendung in eine andere Szene wäre eine Möglichkeit, zumal die meisten Camcorder über solch eine Einrichtung verfügen. Dadurch werden zu harte Übergänge abgemildert. Aber auch Zeit- und Ortssprünge können auf diese Weise elegant gemeistert werden.
Wenn der Urlaubsfilm beispielsweise mit dem Kofferpacken und dem gespannten Studium der Reiseunterlagen beginnt, kann durch eine Überblendung in der nächsten Einstellung schon die attraktive Panoramaansicht des Ferienorts zu bewundern sein. Während der Überblendung ist auch die Zeit im Film vergangen. Damit wird überbrückt, was beim Handlungsablauf nicht so wichtig ist und ihn nur unnötig in die Länge ziehen würde. Sie wissen ja: immer auch an den Zuschauer denken. Denn auch bei der Bemessung der Filmlänge gilt das Sprichwort: Weniger ist mehr. Relativ kompakte Filme mit vielen unterschiedlichen Schauplätzen sind da entschieden kurzweiliger.
Ein Szenenübergang kann auch mit wenig Aufwand realisiert werden, wenn eine Person auf die Kamera zugeht und diese dann komplett abdeckt. Entweder geht die Person darin - als Übergang - in der nächsten Einstellung an einem anderen Ort von der Kamera weg und gibt dadurch das Bild frei, oder die neue Einstellung zeigt ein völlig neues Motiv. Beide Möglichkeiten gelten als plausible Übergänge, insbesondere beim Ortswechsel.
Mit einem Kameraschwenk vom Boden weg oder in den Himmel kann ebenfalls begonnen oder geendet werden, um einen Schauplatzwechsel im Film zu bewältigen.
Ebenso eignet sich eine Bildunschärfe am Ende einer Szene, um dann gleichfalls mit einer Unschärfe beim nächsten Motiv zu beginnen und langsam in die Schärfe zu gehen, als eine Form des Übergangs. Manchmal kann es sinnvoll sein, als Übergang am neuen Drehort mit einer Großaufnahme zu beginnen, um dann in die Totale zu zoomen. So erhält der Zuschauer die Information, wo er sich jetzt im Film befindet.
»Auf Anschluß drehen« heißt, daß die nächste Szene zur vorhergehenden passen muß. Die sogenannten Bildanschlüsse müssen stimmen. Denn zeigt nämlich die erste Kameraeinstellung eine Landschaftstotale im Sonnenschein, muß in der darauffolgenden natürlich auch die Sonne scheinen. Oder der Aschenbecher auf dem Tisch ist im ersten Bild mit Zigarettenkippen gefüllt, aber in der zweiten Einstellung nur halbvoll. Das paßt nicht zusammen. So etwas passiert häufig, wenn die Camcorderaufnahmen nicht »am Stück«, sondern mit gewissen Pausen gedreht werden. Ideal wäre im Prinzip, aber leider nicht immer realisierbar, stimmige und flüssige Übergänge zu drehen. Denn gut gemachte Szenenübergänge bringen Schwung in den Film, der Handlungsablauf wirkt kontinuierlich und harmonisch.
Schon bei der Vorbereitung eines Filmthemas sollte daran gedacht werden: jedes Ende einer Szene muß strenggenommen mit dem Anfang der nächsten harmonieren, damit die Kontinuität der Filmhandlung erhalten bleibt. Natürlich gilt das auch umgekehrt: Paßt der Anfang einer neuen Einstellung zum Ende der vorhergehenden? In der Filmpraxis bedeutet das ganz konkret, möglichst klug und abwechselnd die verschiedenen möglichen Einstellungsgrößen einzusetzen. Beispielsweise nach einer Totalen am besten mit einer Großaufnahme zu beginnen , oder etwa beim Szenenende in der Einstellungsgröße Nah in der nächsten mit einer Halbtotalen weiterzufilmen.
Die Kontinuität der Filmhandlung wird zerstört, wenn der Film aufgrund nicht passender oder gar fehlender Übergänge einfach so vor sich hin stolpern würde, bedingt durch die berühmt-berüchtigten Anschlußfehler. Dazu gehören auch am selben Ort gedrehte Einstellungen, die sich in der Weise unterscheiden, daß in der nächsten Einstellung plötzlich etwas fehlt, anders plaziert oder gar ausgetauscht worden ist.
Also sachliche Veränderungen von Einstellung zu Einstellung, die im Ablauf des Films unlogisch wirken.
Beim Spielfilm kann so etwas sehr teuer werden. Da verhindert jedoch der Script-Supervisor mittels exakter Notizen und Fotos teure Anschlußfehler, die schlimmstenfalls erst beim Schnitt auffallen. Deshalb sind am Set gemachte Fotos mit der Sofortbildkamera eine gute Gedankenstütze, um Anschlußfehler zu vermeiden. Denn anhand der Fotos ist auch später noch kontrollierbar, wo was oder wer exakt im Bild gelegen oder gestanden hat. Das andersfarbige Hemd oder die fehlende Brille fallen sofort auf Oder der Raucher mit seiner gerade angesteckten langen Zigarette, die aber in der nächsten Einstellung nur noch in Stummelgröße zu sehen ist. Eine weitere, immer wiederkehrende Continuity-Falle bei Filmaufnahmen ist das abwechselnde Tragen von Sonnenbrillen: einmal mit und dann wieder ohne - ein klassischer Anschlußfehler.
Strenggenommen wird hiermit beim Filmen die zweidimensionale Darstellung räumlicher Gebilde in einer Form, wie sie der tatsächlichen Sichtweise entspricht, bezeichnet. Allein der Standpunkt und nicht die Brennweite bestimmt die Art der Perspektive. Deshalb wird beim Zoomen auch nie eine perspektivische Änderung erreicht.

Ab und zu auch mal in die
Knie gehen. Das gibt meistens eune interessante Perspektive. (Foto:
Vielmuth)
Mein Rat: Verändern Sie beim Filmen Ihren Kamerastandpunkt so oft es geht. Damit meine ich insbesondere den Blickwinkel. Nicht immer nur in Augenhöhe darf gedreht werden, wie ich es leider oft selbst bei Profi-Kollegen beobachtet habe. Frosch- und Vogelperspektive, um einmal die extremen Möglichkeiten zu nennen, bieten attraktive Blickwinkel auf das Motiv. Bedenken Sie: Die Veränderung der Perspektive ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel des Films.
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Weitwinkel-Zoom Maßgebend ist das Verhältnis von CCD-Chip-Größe (1/3 oder 1/2 Zoll) und Anfangsbrennweite. Heutzutage werden meistens die winzigen 1/3-Zoll-CCDs als Bildwandler in die ebenfalls kleinen Camcorder eingebaut. Deshalb hier eine beispielhafte Rechnung, bezogen auf diesen Wert. So bringt ein 14fach-Zoom-Objektiv von 3,9 - 54 mm in der Weitwinkelstellung bis zu 40% mehr Motivfläche aufs Bild als die gängigen Objektive, die erst bei 4,5 oder gar 6 mm beginnen. Bezogen auf das Kleinbild-Fotoformat hilft der Umrechnungsfaktor von 6,9 bei einem 1/3-Zoll-CCD, sich den entsprechenden Brennweitenbereich eines Zooms besser vorstellen zu können. |
Der Umgang mit der Zeit im Film erfordert vor dem eigentlichen Dreh viel Überlegung - und auch praktische Erfahrung. Schauen Sie sich doch einmal die ARD->Tagesschau< an: Die arbeitet fast ausschließlich mit optischen Zeitverkürzungen, weil in 90 Sekunden eben viel an Infos >reingepackt< werden muß. Das gleiche gilt freilich auch für die Konkurrenz auf den anderen Kanälen. Anders wäre dem Zuschauer die komplexe Bilderflut auch nicht logisch und vom Ablauf verstehbar zu vermitteln.
Der Bundeskanzler empfängt einen Staatsgast und begleitet ihn zu mehreren Terminen. Reihenfolge: Flughafen - Parade vor dein Kauzleramt - festlicher Empfang auf dem Petersberg - Bundespressekonferenz. Da aber im Filmbericht nicht einfach die beiden Politiker hart hintereinander geschnitten werden können, beginnen die Bonner Kameraleute fast jede Kameraeinstellung mit einem neutralen Motiv. Nur so kann nachher bei der Montage im Rahmen des elektronischen Schnitts vermieden werden, daß in zwei aufeinanderfolgenden Einstellungen Bundeskanzler und Staatsgast völlig übergangslos an verschiedenen Orten zu sehen sind. Deshalb - achten Sie einmal darauf - kann man als News-Freak auch des öfteren den bekannten und unter Kollegen schon berühmt-berüchtigten Schwenk vom Kronleuchter auf das eigentliche staatstragende Ereignis bewundern. Denn: Auch auf diese altbewährte Weise wird mehr oder weniger elegant ein Ortswechsel im Film überbrückt.
Ein kleines Mädchen sitzt auf der Terrasse und malt einen Blumenstrauß, der vor ihr auf dem Tisch in der Vase steht. Um diesen länger dauernden Vorgang filmgemäß kürzen zu können, würde ich folgende Einstellungen drehen: Halbtotale: Kind malt, Blumenstrauß ist angeschnitten; Gegenschuß: Über die Schulter, so daß für den Zuschauer sichtbar wird, wie das Bild aussieht; Ganz groß: Malstift bei der Arbeit.
Um jetzt den Malvorgang, der in Wirklichkeit eine Viertelstunde datiert, auf ein filmgerechtes Maß kürzen zu können, habe ich darüber hinaus nur den Kopf des kleinen Mädchens aufgenommen, dann den Blumenstrauß als Hauptmotiv gezeigt und anschließend die >zuschauende< Puppe auf dem Stuhl daneben gedreht: sogenannte Zwischenschnitte, die beim Schnitt innerhalb der Story fast überall hin plaziert werden können. Keine dieser Einstellungen läßt konkrete Rückschlüsse auf den Zeitpunkt zu, an dem sie aufgenommen wurden. Sie sind neutral gedreht - gutes Material für einen problemlosen Schnitt. Der länger währende Fertigstellungsprozeß des Bildes kann so ganz nach Belieben gekürzt werden.
Abwechselnd sieht man Schnitt für Schnitt das immer mehr der Vollendung zugehende Bild, jeweils unterbrochen von neutralen, aber trotzdem mit dein Szenario direkt in Verbindung stehenden Einstellungen. Auf diese Weise kann das in Wirklichkeit langsam gemalte Bild im fertigen Film Stück für Stück vollendeter gezeigt werden, ohne daß der Zuschauer die künstliche Zeitverkürzung als unnatürlich oder als nicht glaubhaft ansieht.
Eine Person verläßt die Wohnung im vierten Stockwerk eines Hauses, um mit dem Auto fortzufahren. Wie kann dieser doch einige Zeit dauernde Vorgang (allein das Treppenhinuntergehen kostet schon viel Zeit) filmisch logisch und ohne dramaturgische Lücke gedreht und im Schnitt auf nur zwei Einstellungen gekürzt werden, ohne daß etwas Wichtiges fehlt? Ebenso einfach wie die Beispiele 1 und 2: Sie zeigen diese Sequenz in zwei Einstellungen und haben doch alles drin - vorausgesetzt natürlich, im Treppenhaus passiert für die Handlung nichts Wesentliches. Einstellung 1: Man sieht, wie die Person die Wohnung verläßt, Tür abschließt und in Richtung Treppe aus dem Bild geht. Einstellung 2: Person am Auto, steigt ein und fährt davon.
Wichtig ist bei dieser Ablaufverkürzung im Film, daß die in der ersten Einstellung zu sehende Person auch wirklich - ähnlich wie bei einem Theaterstück - aus dem Bild geht. Die Kamera schwenkt also nicht mit. Nur so kann in der nächsten Einstellung die Person schon gleich am Auto sein, ohne daß dies vom Zuschauer als eine Unterbrechung der Kontinuität bzw. als unlogischer Zeitsprung wahrgenommen würde.
In Spielfilmklassikern der 20er und 30er Jahre kann man sie immer wieder sehen, die althergebrachten Methoden der filmischen Zeitüberbrückung: Auf-, Ab- und Überblendungen - Kalenderblätter, die langsam zu Boden schweben - mächtige Standuhren, deren Zeiger sich wie von Geisterhand selbsttätig drehen - Aschenbecher, die sich füllen oder einfach eine Tageszeitung, die ein bestimmtes Datum dokumentieren soll. Solche Mittel sind allerdings fremde Stilelemente, die den Handlungsablauf optisch unterbrechen, und daher nicht empfehlenswert.
Sie wollen filmen, wie Ihr Sohn sein Fahrrad repariert und es zu diesem Zweck demontieren muß. Also wieder ein Vorgang, der längere Zeit in Anspruch nimmt. Wie kann man so etwas auf eine Filmminute kürzen und trotzdem alles drin haben? Nicht, wie von Hobbyfilmern oft praktiziert, mit der Gummilinse auf ein Detail zufahren, sondern besser vom Detail wegfahren - also aufziehen. Dadurch erreichen Sie beim Zuschauer einen gewissen >Aha-Effekt< und außerdem einen recht guten Übergang von der vorhergehenden Einstellung, die vielleicht eine Totale oder Halbtotale ist. Aber auch hier gilt: Zoom nicht zu oft verwenden! In Abwechslung mit unterschiedlichen Standpunkten (damit es ja nicht zu einem Bildsprung kommt) und Perspektiven läßt sich so auch eine aufwendige Fahrradreparatur elegant auf eine Minute kürzen.
Noch ein Wort zur sogenannten Gummilinsenfahrt: Sie im fertigen Film sparsam zu bringen, heißt nicht, sie beim Dreh nicht häufig einzusetzen. Ich selbst tue das zum Beispiel oft, weil ich für den Schnitt eine Menge guter Übergänge liefern will. Dafür wende ich folgende Drehtechnik an: Das Anfangs- wie auch das Schlußbild jeder Zu- oder Wegfahrt lasse ich lange stehen (7-8 Sekunden), damit eventuell beim Schnitt nicht nur die eigentliche Fahrt genommen werden kann. Oft ist ein Stand besser zu montieren, oder eine Fahrt wäre unpassend.
Sie werden gemerkt haben: Es gibt mannigfache Gelegenheiten zur Zeitverkürzung; die wenigen Beispiele zeigen es. Ohne Probieren, geht es auch hier nicht. Die Erfahrung kommt mit der Zeit fast von alleine, wenn das gedrehte Material selbst geschnitten wird. Anfangs gibt es sicher sicher manche Enttäuschung, von denen man sich nicht entmutigen lassen sollte. Ihre Filme werden bald deutlich besser werden!
Er ist ein Phänomen - der Achsensprung. Selbst so manch erfahrener TV-Profi hat in der Hektik einer Studio-Live- oder AÜ-Produktion (Außen-Übertragung) schon einmal einen Achsensprung produziert. Was ist nun eigentlich ein Achsensprung?
Sie kennen das als Fernsehzuschauer bei einer Talkrunde: Diskussionsteilnehmer sitzen sich in der Runde gegenüber werden von mehreren Kameras aufgenommen. Großaufnahmen der Studiogäste die lebhaft ihre Meinung äußern, werden von der Bildregie im Wechsel geschnitten und gehen live über den Sender. Plötzlich blickt derjenige, der im Bild noch kurz vorher nach rechts geschaut hat, und seine Antwort zu geben, nun beim Zuhören in eine andere Richtung. Der Sprung über die Handlungsachse hat also wieder einmal stattgefunden. Mit dem Ergebnis, daß der Zuschauer am Fernsehgerät zuhause - würde man ihn jetzt befragen - nicht mehr genau sagen kann, wo welche Person eigentlich am großen Tisch wirklich sitzt. Die Orientierung ist verlorengegangen.
Hätte der Regisseur oder die Bilchmischerin kurz vor diesem Schnitt in einer etwas längeren Einstellung die gesamte Diskussionsrunde in einer Totalen gezeigt, wäre die Orientierung für den Zuschauer sicherlich erhalten geblieben - trotz des Sprungs über die Handlungsachse.
Das Phänomen Achsensprung, also der Wechsel des Kamerastandpunktes über die jeweilige Handlungsachse, wurde schon Generation neu von Filmstudenten als besonders verachtenswerte Fehlleistung dargestellt.
Er wird aber genauso voll den erfahrenen Film- und TV-Profis gefürchtet. Dann nämlich, wenn es im Drehalltag besonders hitzig zugeht.

Sollen Handlungsabläufe gefilmt werden wie beispielsweise ein Fußballspiel, Tennismatch, Theaterstück oder das Gespräch zwischen mehreren Personen, muß vorab immer erst einmal die Handlungsachse festgelegt werden. »Eine Handlungsachse ist die gedachte Verbindungslinie zwischen den die Handlung tragenden Hauptbildelementen, also die durch die Hauptaktionsrichtung gegebene Gerade«, definiert etwas trocken, aber trotzdem treffend der Filmwissenschaftler Dr. Hilmar Mehnert.
Dies wäre beispielsweise bei einem Tennismatch die iniagmäre Verbindung zwischen den Spielern, beim Fußballspiel die gedachte Linie von Tor zu Tor und bei der Filmaufnahme eines Gesprächs die Blickrichtung der beteiligten Personen. Diese Handlungsachse darf von der Kamera nicht übersprungen werden. Jedes Wechseln des Kamerastandpunktes kann also immer nur auf einer Seite geschehen.
Bei eindeutigen Bewegungsrichtungen, die zum Beispiel bei einem Autorennen schon durch die Fahrtrichtung der Rennwagen vorgegeben wird, ist die Aktionsrichtung freilich zugleich auch die Handlungsachse. Dies bedeutet in der Filmerpraxis, den Rennverlauf möglichst nicht abwechselnd von beiden Seiten der Piste zu drehen, weil sonst die Fahrzeuge im Bild einmal von links nach rechts und dann wieder genau umgekehrt von rechts nach links führen. Die Autos fahren quasi wieder zurück. Mit solcherlei buntgeimschten Filmaufnahmen kann kein spannender Rennfilm im Rahmen der Nachbearbeitung geschnitten werden.
Ein anderes Beispiel, mit dessen prinzipieller Problematik der Hobbyfilmer mehr als einmal konfrontiert wird: Die Kinder mit der Mutter werden beim erholsamen Spaziergang am Sonntagnachinittag im Kurpark gefilmt. Der Einsteiger beim Filmen würde sicherlich arglos seine Familie abwechselnd von beiden Seiten des Weges drehen. Die Folge wäre, daß seine Lieben im Film einmal von rechts nach links, in der nächsten Einstellung jedoch genau umgekehrt von links nach rechts durchs Bild spazieren würden. Beim Anschauen der Videoaufnahmen hat man dann den Eindruck, als würde die kleine Gruppe in der zweiten Einstellung wieder zurück nach Hause gehen. Es hat also einen Sprung über die Handlungsachse gegeben, die Bewegungsrichtung hat sich dadurch geändert.
Deshalb: Immer daran denken, die durch die Hauptaktionsrichtung eines Vorgangs gegebene Gerade nicht zu überspringen. Also immer mir von einer Seite drehen.
Hier einmal ein Beispiel, wie der >erlaubte Achsensprung< in die Praxis umgesetzt werden kann.
Beim Tennisspiel ist natürlich auch eine Handlungsachse vorgegeben. Diese ist nicht etwa das Netz, das die Spieler trennt, sondern die Bewegungsrichtung des Balls oder die Blickrichtung der Zuschauer. Also kann ich mich mit dem Camcorder bedenkenlos jeweils auf einer der beiden Seiten des Tenniscourts bewegen.
Auch bedeuten sogenannte subjektive Einstellungen aus der Sicht des Tennisspielers keine Achsensprünge, weil die imaginäre Linie und Richtung des Spielverlaufs nicht überschritten wird. Der Betrachter Ihres Films kann sich später bei dieser Aufnahmetechnik jederzeit orientieren. Er weiß bei jedem Ballwechsel, welcher Spieler in welche Richtung den Ball schlägt.
Um jetzt den erlaubten Achsensprung vorzubereiten, wird vom gesamten Spielfeld eine längere Totale (8-10 Sekunden) gedreht. Später, bei der Schnittnachbearbeitung, könnte diese Übersichts-Einstellung vor dem Seitenwechsel des Kamerastandpunktes vor die nun aus der anderen Perspektive der gegenüberliegende Seite gedrehten Videoaufzeichnungen vom Tennismatch plaziert werden. Dann geht die Orientierung, nach dem Achsensprung beim Zuschauer nicht verloren, weil er durch die Totale genau weiß, wer an welcher Stelle und in welche Richtung spielt. Ebenso können ein Zwischenschnitt von einem zuschauenden Tennisfan, der passend zur nächsten Einstellung seinen Kopf bewegt, oder ein neutrales Motiv wie beispielsweise die Zuschauer einen Achsensprung noch akzeptieren lassen.
Zusammenfassend gesagt: Um dem Betrachter eines fertigen Videofilms die Lokalisierung von Personen und Dingen des Geschehens zu ermöglichen und um auch selbst den Überblick beim Schnitt zu bewahren, muß sich jeder Filmer immer über den Verlauf der Handlungsachse im klaren sein. Schon zu Zeiten des Stummfilms wurde vom 180-Grad-Prinzip gesprochen, um Handlungskontinuität sowie Orientierung zu gewährleisten. Der Zuschauer des Films ist also immer auf einer Seite der Spielhandlung - wie im Theater. Nur in Lustspielen und grotesken Filmen werden durch beabsichtigte Achsensprünge - gut geschnitten Lacherfolge beim Publikum erzielt.
Wie wahr! Denn nur immer aus der Perspektive des Erwachsenen zu filmen, also von oben herab, läßt bestimmt keine interessanten Videos entstehen. Nur wechselnde Standpunkte, unterschiedliche Einstellungsgrößen, aber auch ungewöhnliche Perspektiven können zu einem sehenswerten Film führen.
Es leuchtet ein, daß beispielsweise das Filmthema »Kindergeburtstag« anders gedreht werden muß, als wenn Mutter Geburtstag feiert. Sind es noch die ganz Kleinen im Kindergartenalter, kann es nur heißen: Runter mit dem Camcorder auf Augenhöhe der Hauptdarsteller. »Klein« heißt hier auch, daß so ein Geburtstagsfilm nicht zu lang werden sollte. Etwa zehn Minuten wären ein akzeptabler Durchschnittswert. Sie wissen ja - weniger ist mehr!
Der Film über einen Kindergeburtstag muß selbstredend mit einem selbstgemalten Titel beginnen. Er erhält dadurch schon gleich zu Anfang seine ganz persönliche, kindliche Note und macht deutlich, daß hier auch die Kinder selbst den Film mitgestaltet haben.
Klar ist, daß die kleinen Gäste gemeinsam mit dem Geburtstagskind die Hauptrolle spielen und dementsprechend die Kameraführung sein muß. Ungewöhnliche Kameraperspektiven sind dabei dramaturgisch ein Muß, das heißt, nicht nur vorzugsweise aus Augenhöhe der Kinder filmen, um plastische, lebendige Einstellungen zu bekommen, sondern auch einmal aus der Froschperspektive. Die Kleinen wirken dann ziemlich groß, ganz so wie Kinder immer sein wollen ...
Bei einem Kindergeburtstag kann die Kameraführung wirklich ein wenig unorthodox, ja sogar ein bißchen verrückt sein. Denn der Erwachsene hinter der Kamera soll nicht nur Chronist agieren, sondern vor allem als Beteiligter. Und das muß man den Aufnahmen später auch ansehen. Also lieber einmal bei der Kameraführung etwas wagen, als allzu brav und statisch die sicherlich lebhaften Kinder zu filmen. Empfehlenswert ist, das Geburtstagsfest unter ein bestimmtes Motto zu stellen. Weil besonders Kinder sich gerne verkleiden und die Kostüme vom letzten Straßenkarneval vielleicht noch greifbar in der Truhe liegen, sind Themen mit Indianern, Cowboys, Piraten oder aber eine kleine Modenschau problemlos in die Tat umzusetzen.
Kinder sind immer dankbare Motive, ihrer Natürlichkeit wegen. In aller Regel haben sie, nach einer kurzen Eingewöhnungsphase, weniger Hemmungen als Erwachsene in der gleichen Situation. Kinder, mit einer Aufgabe beschäftigt, übersehen die Kamera. Trotzdem haben auch bei einem Kindergeburtstagsfilm die Götter den Schweiß vor den Erfolg gesetzt. Ein wenig Vorplanung ist auch hier geraten, um später im Tohuwabohu der vielleicht ganz kräftig tobenden Kinder einen klaren Kopf zu behalten. Bevor man mit dem Filmen startet, sollte im Kopf schon ein ungefähres Handlungsgerippe existieren, so etwas wie ein Roter Faden, der dem kleinen Filmbericht sein "Gesicht" gibt. Das kann zum Beispiel bei Kindern im Grundschulalter eine "Fußgänger-Rallye" sein, bei der immer wieder neue Aufgaben gelöst werden müssen. Welche Gruppe nach Lösung aller Aufgaben zuerst am Ziel - einer Pizzeria - eingetroffen ist, hat gewonnen und bekommt eine Urkunde. Bei kleineren Kindern so zwischen vier und sechs Jahren können kurzweilige Spiele, in der wärmeren Jahreszeit am besten im Garten, für filmgerechte Aktionen sorgen. Zwischenschnitte von bunten Details wie Luftballons, Lampions, Kindergesichtern und den erwachsenen Zuschauern schaffen Atmosphäre und können die einzelnen Spiele im Film voneinander trennen.
Ganz anders freilich sind die Prioritäten bei der Kameraführung zu einem Hochzeitsfilm zu setzen. Standesamt und Kirche sind Orte, in denen - wenn eine Drehgenehmigung gegeben worden ist – die Kamera sich im wahrsten Sinne des Wortes im Hintergrund bewegen muß. Nur kein zusätzliches Licht einschalten, keine lauten Regieanweisungen geben. Alles muß schon vorher abgesprochen und der Ablauf der feierlichen Zeremonie bekannt sein.
Gut ist es, von einem festen, zentralen Standpunkt aus vom Stativ zu drehen. Videokameras sind im Gegensatz zu früheren Filmkameras unhörbar leise, so daß keiner weiß, ob und wann sie eigentlich läuft. Ebenso sind die meisten mittlerweile sehr lichtstark geworden. Dadurch können auch in dämmrigen Kirchen oder schlecht beleuchteten Standesämtern in der Regel gutbelichtete Videoaufzeichnungen gemacht werden. Oft sehen sie nachher bei der Vorführung auf dem Bildschirm heller aus, als man es in Erinnerung hatte.
Wenn der Ton verständlich sein soll, ist insbesondere bei einer kirchlichen Trauung ein zusätzliches Mikrofon unumgänglich. Im Amtszimmer des Standesbeamten ist man noch nahe dran, kann also leicht mit dem Camcordermikrofon eine gut verständliche Sprache aufnehmen. Anders wird es in der Kirche sein, in der meistens ein größerer Abstand überbrückt werden muß. Entweder wird in der Nähe des Pfarrers ein zusätzliches Mikrofon auf einem Stativ plaziert, oder mit Hilfe eines empfindlichen Richtmikrofons die Sprache wie bei einem Zoom herangeholt. Wie wichtig die Mühe um einen gut verständlichen Ton ist, beweisen leider zahlreiche Hochzeitsfilme, die nur mit dem normalen Camcordermikrofon den Ton aufgezeichnet haben. Das mag noch beim Gesang und dem Orgelspiel in Ordnung sein, aber spätestens bei der Aufzeichnung vom gesprochenen Wort klingt es zu hallig und wird dadurch streckenweise unverständlich.
Ruhige Impressionen mit langer Brennweite im Telebereich von der andächtig lauschenden Festgemeinde sorgen dafür, daß nicht nur das Geschehen am Altar im Film zu sehen ist. Aufnahmen mit dem Dreibeinstativ geben den Bildern - dem festlichen Anlaß entsprechend eine adäquate Ausstrahlung. Da wackelt und zappelt nichts. Ebenso sind zahlreiche Zwischenschnitte von bunten Kirchenfenstern, Figuren, Deckenmalerei, der Orgel oder auch Großaufnahmen von den nächsten Angehörigen und Freunden wichtig, um eine dem Thema entsprechende Kameraführung zu realisieren.
Für die dem Einsteiger-Status entwachsenen Hobbyfilmer bietet es sich an, mit Orgelmusik und Chor dem Film eine professionelle Note zu geben. Doch dazu ist am besten eine zweite Kamera geeignet, die ergänzend speziell mehrere Orgelstücke und Liedstrophen aufnehmen kann.
Und wenn der kleine Bericht über die große Hochzeit vielleicht auch noch recht sehenswert geworden ist, kann daraus ganz schnell ein sehr persönliches Hochzeitsgeschenk werden. Sicherlich besser als der obligatorische Warengutschein aus dem Kaufhaus!
Als Beispiel für ein Filmthema mit viel Bewegung, Spektakel und einer "entfesselten Kaniera" ist immer noch der Rummelplatz der beste Ort. Dort, wo sich zuhauf bunte Impressionen auf Schritt und Tritt anbieten, schöne, abwechslungsreiche Motive en masse. Aber Vorsicht: Die hohen Fliehkräfte auf einer Achterbahn oder bei einem Looping können den Camcorder selbst fliegen lassen. Dann nämlich, wenn sich plötzlich der Abgrund auftut und die Fahrt ins Leere zu gehen scheint.
Erfahrene Hobbyfilmer mit Schneideambitionen können aus den Rummelplatz-Aufnahmen ohne jeglichen Kommentar einen schön, nach Musik geschnittenen Film herstellen. Die passende Musik gibt es gratis, ganz nach dem persönlichen Geschmack. Titelvorschlag: »Rhythmus der Bewegung«. Doch dazu gehören schon ein wenig Erfahrung und die entsprechenden Gerätschaften.
Wichtig ist, daran zu denken, Fahraufnahmen nur im Weitwinkelbereich zu drehen. Dann wackelt es nicht ganz so arg. Beim Filmthema "Rummelplatz" ist Schwenken und Zoomen nun wirklich nicht angesagt. Selbst die Zoomfahrt, oft ein Hilfsmittel der Einsteiger für ein bißchen mehr Bewegung im Film, kann bei den zahlreichen Fahrgeschäften nun durch dynamische, echte Kamerafahrten viel besser ersetzt werden. Außerdem passiert hier genug Aktion vor der Kamera.
Ein klassisches Kettenkarussell - man sieht sie in letzter Zeit immer häufiger -, im spitzen Winkel von unten aufgenommen hat immer noch seine große Attraktivität, vor allein für den Filmer, Hier kann man sich mit der Kamera so richtig austoben. Im Gegenschuß dann von hinten, wenn die Gondeln wegzufliegen scheinen, die ergänzende Einstellung als Halbtotale. Besonders verrückt wirken seitliche Blickwinkel, wenn die Auto-Scooter, Bahnen und Gondeln irrwitzig schnell vorbeizurasen scheinen. Da wird wohl später so manchem Zuschauer beim Betrachten fast schwindlig werden!

Rhythmus der Bewegung auf dem Rummelplatz. Schwenken und Zoomen ist nicht nötig. (Foto:Vielmuth)
Auch die zahlreichen Besucher auf dem Rummelplatz bieten, im Telebereich aufgenommen, dankbare Einstellungen, deren Wirkung vor allein dadurch besticht, daß sich die Besucher des Volkstestes in der Anonymität des Getümmels unbeobachtet fühlen. Diese Großaufnahmen können ein gutes Stimmungsbild abgeben. Gutgelaunte Menschen, eisschleckende Kinder, turtelnde Pärchen, Pommes Frites und Currywurst essende jugendliche.
Wenn es keine allzu große Mühe macht, sind Überblendungen bei dieser Art Thematik einmal wirklich angebracht. Denn so lassen sich alle imposanten Attraktionen, die natürlich alle etwas mit Bewegung zu tun haben, wunderschön miteinander verknüpfen. Wenn das zu umständlich ist, kann es auch auf andere Art und Weise bewerkstelligen: Einfach beim Ortswechsel und Beginn der neuen Attraktion mit einer Großaufnahme beginnen und dann den Zoom aufziehen in die Totale. Schon ist der Zuschauer im Bilde, die kreiselnde Fahrt kann beginnen.
Eine weitere elegante Möglichkeit für natürliche und damit harmonische Szenenübergänge sind Einstellungen von Zuschauern, denn nicht jede Mutter ist schwindelfrei und auch nicht jeder Vater will unbedingt mit auf die Achterbahn. Solche Bilder als Trenner zwischen den einzelnen Attraktionen und Fahrgeschäften machen eine Schnittnachbearbeitung fast überflüssig und sind eine gute Vorgehensweise, insbesondere für den Einsteiger beim Hobby, der noch nicht nachbearbeiten kann.
Abends, also in der Dämmerung, werden Filmaufnahmen auf dem Rummelplatz mit seinen hunderttausend Lichtern in allen Farben besonders attraktiv. Dann ist der Horizont noch hellblau und nicht dunkel-schwarz wie bei Nacht. Es wird eine gute Durchzeichnung auch noch in den dunklen Teilen des Motivs erreicht, sie »saufen nicht ab«, wie der Fachmann sagt.
Ein systembedingter Nachteil bei Video, das beschränkte Kontrastbewältigungsvermögen, läßt bei Nachtaufnahmen nur die Lichter richtig belichtet zeichnen, alle anderen Motivpartien sind dann fast schwarz, keine Details sind zu erkennen. Da kann der klassische Negativfilm in dieser Hinsicht mehr.
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Der Begriff "Entfesselte Kamera" aus der Fachsprache stammt noch aus den frühen Tagen des Spielfilms. »Aus einer Reihe von technischen Gründen war die Filmkamera«, wie Dr. Pierre Kandorfer, Filmwissenschaftler aus Köln, erklärt, »bis in die zwanziger Jahre fest an das Stativ gebunden. Deshalb hat die damalige Avantgarde die Entwicklung leichterer, handlicherer Hand-Kameras mit Begeisterung aufgenommen. Auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten schien die nunmehr "entfesselte Kamera" neue filmische Dimensionen zu offenbaren. 1923 ließ Abel Gance während der Dreharbeiten zu seinem Film Napoleon die Kamera auf dem Sattel eines Pferdes befestigen. |
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![]() Eine Ausstellung im
Münchner Filmmuseumüber den berühmten Regiesseur
Dr. Arnold Fanck zeigt, wie in den 20er Jahren die verhältnismäßig
schwere 35mm-Filmkamera für dynamische Kameraeinstellungen
sogar auf den Ski geschnallt wurden (Fotos: Vielmuth) Darüber hinaus verstieg er sich in die Idee, bei der Inszenierung der Belagerung von Toulon Kameras fast wie Geschosse fliegen zu lassen. So sollte subjektiv die Flugbahn einer Kanonenkugel szenisch umgesetzt werden! Auch Murnau, Ruttmann und Wertow haben die "entfesselte Kamera" bis zu Grenzen akrobatischer Fertigkeit auszunutzen gewußt. Marcel Carne urteilte damals in dem Aufsatz Die Kamera wird zum Helden der Handlung: »Auf einen Wagen gestellt, glitt die Kamera dahin, erhob sich, schwebte oder schlich sich überall ein, wo die Handlung es verlangte. Sie verharrte nicht mehr konventionell auf einem Stativ, sie wurde zu einer handelnden Person des Dramas.« Als ein klassisches Beispiel gilt Der letzte Mann von Carl Mayer (D 1924). Regisseur F. W. Murnaus Kameramann Karl Freund hatte sich bei den Dreharbeiten für die berühmte Tanzszene dieses Films die Kamera auf der Brust befestigt. Er mischte sich unter die Tanzpaare und vollführte selbst tanzähnliche Bewegungen. Diese starke Subjektivierung der Kamera bereicherte den Film stark.« Der in den 20er Jahren geprägte Fachbegriff von der "entfesselten Kamera" will in seiner verbalen Überzeichnung besonders deutlich machen, daß mit der Einführung dieser unorthodoxen Weise der Kameraführung die Abkehr von der bis dahin ausschließlich starren Drehweise vom Stativ stattgefunden hatte. Nun wurde nämlich auch vom Schienenwagen oder vom gummibereiften Kamerawagen gedreht. Sogar auf ein Fahrrad wurde die Kamera montiert. |
Eine besondere Art der Kameraführung bedeutet die subjektive Kamera. Denn die Kamera kann im Prinzip nicht nur objektiv abbilden, sondern gleichfalls einen Vorgang mit den Augen des Betrachters auch einmal ganz subjektiv sehen, das heißt die Filmaufnahme aus der ureigenen Sicht und dem Blickwinkel einer Person oder sogar eines Tieres. Wenn diese Person sich bewegt und dabei filmt, wird die "entfesselte", also vom Stativ gelöste Kamera gleichzeitig auch zur "subjektiven" Kamera. Wichtig ist, in diesem Fall nur mit der kürzesten Brennweitenstellung - im Weitwinkelbereich des Zooms - zu filmen, weil nur so die Eigenbewegung von Kamera und Körper abgemildert auf das Bild übertragen werden. Die subjektive Kameraführung ist meist auch eine dynamische, die Perspektive ändert sich dabei fortwährend.

Die eigenen Füße
gefilmt: ein Display-Camcorder macht es sichtbar (Foto:
Sharp)
Ein Beispiel: Wenn eine Wandergruppe beim fröhlichen Abstieg voll einer hochgelegenen Almhütte in den Schweizer Bergen gefilmt wird, kann dies in objektiver wie auch subjektiver Weise geschehen. Objektiv dann, wenn diese Gruppe in der Totalen beim Vorbeimarsch im Bild zu sehen ist. Subjektiv jedoch, wenn einer aus der Gruppe während des Abstiegs filmt- Eben ans seiner ganz "subjektiven" Sicht. Die Wirkung solch eines persönlichen Blickwinkels für den Zuschauer ist, daß er ein Gefühl bekommt, dabei zu sein. Denn während die subjektive Kamera die Perspektive eines Beobachters übernimmt, also den Zuschauer in das Filmgeschehen miteinzubeziehen, hat die objektive Kamera dagegen nur registrierende, dokumentarische Funktion.
Zweites Beispiel: Der Hund tollt mit den Kindern herum, läuft ihnen - die Wiese nach. Die subjektive Einstellung wäre nun aus der Höhe und Sicht des Tieres, das Rennen mit laufender Kamera in Hundehöhe hinter den Kindern her.
Drittes Beispiel: Ein Volksfest mit schönen mannigfachen Attraktionen der unterschiedlichsten Arten muß nicht immer nur konventionell abgedreht werden. Hier bietet sich die Anwendung der subjektiven Kamera besonders an. Die rasante Fahrt mit der Achterbahn, aus der fahrenden Gondel hautnah erlebt, wirkt sehr effektvoll. Dank der kleinen Camcorder ist das sicherlich zu realisieren, zumal dem Kameramann ja noch eine Hand zum festhalten übrig bleibt ... Und wackeln wird es im Weitwinkelbereich des Zooms hoffentlich auch nicht zu sehr. Wem das zu gewagt erscheint, der findet vielleicht alternativ auf den Riesenrad die Erfüllung seiner bildgestalterischen Wünsche der etwas bewegteren Art. Die attraktive, sich langsam nach oben verändernde Perspektive mit schwindelerregendem Blick auf den immer kleiner werdenden Rummelplatz ist eine schöne dynamische Ergänzung der vorher gedrehten Kameraeinstellungen vom Boden aus. So ein Vorgang darf im Film auch ruhig etwas länger dauern, denn es tut sich ja etwas vor dem Objektiv. Der Ausblick von der Riesenrad-Gondel vermittelt dem Zuschauer fortwährend neue Eindrücke. Fast so interessant wie bei Luftaufnahmen aus einem Flugzeug, die von den Profis immer wieder gerne zum Aufpeppen eines Filmthemas wegen ihrer garantierten Wirkung eingesetzt werden. Während normalerweise Einstellungen im Durchschnitt ungefähr 7-9 Sekunden lang sein sollen, können sie hier einmal deutlich darüber hinaus gehen. Nicht zuletzt deshalb, weil solch ruhige, beschauliche Szenen ihren Platz haben müssen in einem sonst eher hektisch-dynamischen Film über ein Volksfest.
Mit Aufziehen und Zufahren sind die gegensätzlichen Bewegungsmöglichkeiten eines Zoomobjektivs, auch vereinzelt als Vario-Objektiv bezeichnet, gemeint.
Vereinfacht gesagt heißt Aufziehen: vom Telebereich in den weitwinkligen, also kurzbrennweitigen Bereich zoomen. Dieser wird als Totale oder Halbtotale bezeichnet. Die gegensätzliche Bewegung des Zooms wäre alternativ das Zufahren auf ein Detail, also von der Totalen in die Großaufnahme. Dazu wird der Telebereich des Zooms genutzt.
Ein besonderes Phänomen ist bei Einsteigern des Hobbys Filmen immer wieder zu beobachten: Es wird nicht nur zuviel geschwenkt, sondern ebensooft der Zoom eingesetzt. Das Endbild wackelt natürlich - weil das für eine ruhige Großaufnahme notwend1ige Stativ meistens doch zu Hause geblieben ist. Spätestens bei der Vorführung des gedrehten Materials zeigt sich dann sehr deutlich, daß diese Art Kameraführung nicht zum gewünschten Erfolg führen kann. Also lieber keine Zoomzufahrt, die sowieso keine richtige Kamerafahrt darstellt. Denn eine echte Annäherung findet ja nicht statt. Solch eine Aufnahmetechnik entbehrt nicht einer gewissen Künstlichkeit. Deshalb sind die in der Fachumgangssprache als Gummilinsenfahrten bezeichneten Zooms bei Profis auch verpönt, echten Kamerafahrten dagegen wird meist der Vorzug gegeben.
Natürlich hat jede Regel auch ihre Ausnahme. Denn wenn in einer Einstellung die Zufahrt auf ein Detail eine weitere wichtige Information ergibt, ist der Zoom natürlich gerechtfertigt und angemessen. Das wäre zum Beispiel der Fall, wenn ein Dorf als Totale mit der Kirche im Bild zu sehen ist und nach einer kurzen Verweilzeit mit dem Zoom auf die Kirchturmuhr zugefahren wird. Die neue, ergänzende Information wäre die Uhrzeit, die in der Totalen nicht zu erkennen war. Der Zuschauer weiß also jetzt, ob es Vormittag oder Mittag ist oder ob es schon gegen Abend geht. Eine je nach Filmthema nicht unwichtige Information.
Da grundsätzlich in einem Film nicht zuviel gezoomt werden sollte, wäre die Aufnahmetechnik für solch ein Motiv mit zwei verschiedenen ,»stehenden« Einstellungen vorteilhafter: einmal die Totale vorn Dorf mit der Kirche und danach die Großaufnahme von der Kirchturmuhr. Vorteil: Wer nämlich später das aufgenommene Material nachbearbeiten will, kann ohne langatmige Zooms viel flotter schneiden und seine filmische Botschaft stringenter umsetzen.
Eine empfehlenswerte Kameraführung, häufig in den aktuellen TV-Magazinen zu sehen, ist, mit dem Zoom nach Ortswechsel oder Zeitsprung in einer neuen Einstellung von einem Detail aufzuziehen. Das heißt von der Großaufnahme in die Halbtotale oder Totale zu gehen. Auf diese Weise können elegant Übergänge im Film bewältigt werden.
Was eignet sich besser und ist überall verfügbar als eine echte Kamerafahrt mit dem Auto. Denn Bewegung ist die große Stärke von Video, weil sich dabei ständig die Perspektive ändert, ebenso wie das Verhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund. Nicht nur beim Urlaubs- oder Reisefilm können Fahraufnahmen aus dein Auto eine gute Ergänzung sein. Am besten mit einem speziellen Autostativ, denn so kommen die Aufnahmen nicht so leicht ins Schleudern.
Man sieht sie in Film und Fernsehen immer so perfekt und verwacklungsfrei, spannungsgeladen und dynamisch: die Filmaufnahmen aus dem fahrenden Auto. Aber es ist wahrlich nicht einfach, perfekte und zugleich dynamische Fahraufnahmen auf die Beine zu stellen. Oft wirken sie nachher auf dem Bildschirm gar nicht mehr so spektakulär wie bei der Aufnahme. Das Tempo erscheint geringer, als es in Wirklichkeit war. Das ist ideal für Filmszenen von eindrucksvollen Landschaften und die Darstellung einer Autofahrt ohne Eile. Ist der Camcorder jedoch dicht über dem Boden plaziert, kann das Gefühl für Geschwindigkeit gut vermittelt werden.
Fahraufnahmen einfach aus der Hand vorn Beifahrersitz aus zu drehen, wo also jede Erschütterung des PKW zu einer Gegenbewegung der Kamera führt, können keine befriedigenden Ergebnisse bringen. Für professionell anmutende Kameraeinstellungen muß die Kamera fest mit dein Fahrzeug verbunden sein. Einen sicheren Halt für Camcorder bieten Autostative mit Saugnäpfen, vorausgesetzt, der Untergrund ist nicht zerkratzt und wird vor dein Anbringen gereinigt.
Damit der Betrachter der Fahrszenen einen optischen Bezugspunkt hat, sollte möglichst immer ein Teil der Wagenkarosserie im Bild zu sehen sein. Das kann beispielsweise die obere Kante des Amaturenbretts, die Fronthaube, der rechte Dachpfosten (die sogenannte A-Säule) oder der Kotflügel sein. Dadurch erhält die Fahraufnahme eine räumliche Wirkung. Reflexionen und störende Spiegelungen in der Frontscheibe können mit Hilfe eines Polarisationsfilters eliminiert werden.

Im Boot ist ein Stativ
besonders wichtig (Foto:Cullmann)
Sparsam angewendet, stellen Fahraufnahmen ein außergewöhnlich lebendiges Element
der Filmgestaltung dar. Um eine Panoramaaufnahme durch die Windschutzscheibe etwas aufzulockern, sollte die Kamera darüber hinaus einmal auf die Hände am Steuer, den Tachometer oder den Innen-/Außenspiegel gerichtet werden. Denn auch hier wirken Großaufnahmen immer gut. Daß es dann meistens etwas wackelt, wirkt für die Wiedergabe einer Autofahrt nur natürlich.
Fahraufnahmen können, besonders mit kurzer Brennweite aufgenommen, ziemlich langweilig wirken, weil die gefahrene Geschwindigkeit in ihrer Dynamik nicht »rüberkommt«. Längere Brennweiten erhöhen optisch die gefahrene Geschwindigkeit.
Bei Filmaufnahmen mit außen angebrachter Kamera empfiehlt es sich, die Frontlinse durch ein Skylight-Filter vor Verschmutzung zu schützen. Außerdem ist eine Sicherungsleine für den Camcorder nötig. Die Tonaufnahme kann hier etwas problematisch werden, weil der hohe Winddruck den Originalton durch unnatürliche Windgeräusche verzerrt. Behelfen kann man sich entweder mit einem kleinen Plastikbeutel, um das Kameramikrofon zu schützen, oder aber mit einem externen Mikrofon, das im Auto nicht dein Fahrtwind ausgesetzt ist. Angeschlossen wird es einfach in der zusätzlichen Mikrofonbuchse am Camcorder.
Wer eine einfache Lösung sucht, kann seine Fahraufnahmen mit einer passenden Musik unterlegen. So kann die optische Wirkung noch akustisch verstärkt werden.
Je nach Bildausschnitt werden prinzipiell folgende Einstellungsgrößen unterschieden, die abhängig sind von der Entfernung des Camcorders zum Motiv, aber auch von Brennweite und Bildwinkel.
Eine Gesamtübersicht ohne Wahrnehmung von Details. Dies kann beispielsweise eine Einstellung ins dein Flugzeug auf eine Stadt beim Landeanflug sein.
Sie verschafft dein Zuschauer einen Überblick und führt ins Geschehen ein und ist deshalb geeignet für den Anfang. Es kann aber auch eine Camcordereinstellung mit distanzierter Gesamtübersicht sein -je nach Bildinhalt. Totalen müssen grundsätzlich deutlich länger als Naheinstellungen dauern, weil sie meistens auch eine Fülle von Einzelinformationen beinhalten, die das Auge des Zuschauers nacheinander wahrnehmen muß. Im Fernsehen werden Totalen meistens gemieden. Sie erzielen keine Wirkung auf dein doch verhältnismäßig kleinen Bildschirm. Anders im Kino auf der großen Leinwand: Hier lassen viele Regisseure Filme mit lyrischer Grundstimmung und »episch-breiter Erzählweise« mit länger dauernden Totalen beginnen, die darüber hinaus auch noch mit langsamen Kameraschwenks oder -fahrten einhergehen.
Sie rückt näher ans Objekt. Eine Person beispielsweise wird in voller Körpergröße abgebildet. Als Einstellungsgröße ist die Halbtotale besser für das Bildschirmformat geeignet als die Totale.
Eine Person wird etwa von den Knien an aufwärts abgebildet. Hier handelt es sich um einen Teilausschnitt, der noch eine Aussage über die unmittelbare Umgebung des Hauptmotivs zuläßt. Aus dieser Einstellungsgröße geht auch ganz klar hervor, wer oder was eigentlich das Hauptmotiv ist. Halbnahe Einstellungen sind erfahrungsgemäß selten notwendig und haben vergleichsweise wenig Wirkung. Sie sollten daher im allgemeinen vermieden werden.
Hier wird eine Person vor der Kamera mit etwa einem Drittel ihrer Körpergröße gezeigt. Nahaufnahmen sollen den Blick des Zuschauers auf eine bestimmte Stelle lenken, sie wollen ihn aufmerksam machen. Beliebte Einstellungsgröße bei Statements von TV-Reportern vor laufender Kamera.
Close-up: Sie zeigt einen kleinen Ausschnitt des (totalen) Ganzen und ist die häufigste Einstellungsart bei der Aufnahme von Menschen. Der Kopf wird bildfüllend abgebildet. Großaufnahmen können enttarnend sein, weil sie intime Regungen zeigen, aber auch verdeutlichen und charakterisieren. Sie wirken immer gut, weil der kleine TV-Bildschirm für diese Art Einstellungsgröße besonders geeignet ist. Die Kamera verdichtet auch Einzelheiten, die man sonst kaum wahrnehmen würde.
Diese Detailaufnahme ist eine extreme Form der Großaufnahme mit besonderer Bildwirkung. Sie zeigt beispielsweise nur Teile eines Gesichts wie den Mund oder die Augen. Aber auch Gegenstände können als Ganzgroß-Aufnahme eine besonders intensive Bildwirkung erhalten.
Noch eine Steigerung in punkto Abbildungsgröße (ca. 1: 1). In Makrostellung kann bis auf wenige Millimeter mit dem Camcorderobjektiv an das zu filmende Objekt herangegangen werden. Kleinsttiere und Blumen können hiermit besonders attraktiv aufgenommen werden.
Der Begriff stammt aus den Westernfilmen. Eine Person wird von den Knien bis zum Kopf formatfüllend gezeigt. Der Colt ist also immer noch zu sehen, wenn er gezogen wird.
Die kleine Bildfolge auf der gegnüberliegenden Seite über einen Straßenmaler in Rom soll beispielhaft verdeutlichen, wie ein Geschehen mit Hilfe von unterschiedlichen Einstellungsgrößen filmisch umgesetzt werden kann.

Totale
Führt erst
einmal in das Geschehen ein und gibt einen Überblick, wo man
sich befindet.

Nahaufnahme
Lenkt den
Blick des Zuschauers auf eine bestimmte Stelle.

Großaufnahme
Detail des Motivs.

Gegenschuß
Mit
Hilfe einer Einstellung der zuschauenden Passanten (z.B. Halbnah)
läßt sich der länger dauernde Vorgang des Malens
elegant kürzen.
(Fotos: Vielmuth)
Großaufnahmen bei Video sind eine unbedingt erforderliche bildgestalterische Notwendigkeit, auf die niemals verzichtet werden sollte. Auch im Hinblick auf einen komfortablen Schnitt kann es mit Hilfe von aussagefähigen Großaufnahmen selten zu Problemen kommen. Gerade die immer wieder notwendigen Übergänge von einem Szenario zum oft völlig anderen können mit ihrer Hilfe elegant gemeistert werden. Deshalb ist es empfehlenswert, Großaufnahmen beim Filmen auf keinen Fall zu vergessen. Es dürfen freilich auch Halbtotalen oder Nahaufnahmen sein, um zu zeigen, wo man sich befindet und welches Ereignis vor der Kamera abläuft.
Der Ehrgeiz eines jeden ambitionierten Hobbyfilmers sollte es sein, nicht einfach nur abbilden zu wollen, sondern auch mit wenigen, aber besonders typischen Kameraeinstellungen das Motiv und seine Details möglichst treffend zu charakterisieren. Das funktioniert erfahrungsgemäß besonders mit Hilfe von Großaufnahmen. Die müssen aber vom Dreibeinstativ aus gemacht werden, damit es nicht wackelt. Großaufnahmen lenken den Blick aufs Wesentliche, weil sie auf Überflüssiges oder gar Ablenkendes verzichten. Der Zuschauer kann sich somit ausschließlich dem eigentlichen Objekt oder wichtigen Teil des Motivs aufmerksam widmen. Er wird nicht von Nebensächlichkeiten abgelenkt. Und »in der Konzentration auf das Wesentliche liegt das Geheimnis der Filmgestaltung«, wie Kameramann Peter Kerstin weiß; denn »in der vermeintlichen Einengung des Bildwinkels liegt die Freiheit, nur das zu zeigen, was man wirklich aussagen möchte. Durch diese Einengung oder, besser gesagt, durch die Ausschließlichkeit des Kameraausschnitts hat man eine Chance, sich der gewünschten Aussage anzunähern.«

Nahaufnahme im
Telebereich: das Typische mit dem Camcorder einfangen. (Foto:
Vielmuth)
Da der Bildausschnitt die Konzentration des Zuschauers steuert, kommt Nahaufnahmen eine erhebliche Bedeutung zu. Das Objekt erscheint größer, als wir es zu sehen vermögen, die Aufnahme wirkt deshalb eindrucksvoller, und der Betrachter kann sich ausschließlich dem eigentlichen Objekt widmen. Nahaufnahmen zeigen es charakteristischer und interessanter. Sie vermitteln dein Zuschauer bisher kaum bekannte Eigenschaften des Objekts.
Großaufnahmen können symbolisch wirken, wenn sie das Typische noch besonders herausstellen und dadurch betonen. Beispiel: Eine Katze liegt entspannt schnurrend in der Sonne, die Familie sitzt nebenan auf der Terrasse beim Brettspiel. Diese beiden Kameraeinstellungen, erstere als Großaufnahme, letztere in der Halbtotalen, sagen alles aus: gemütlicher Sonntagnachmittag zu Hause. Auch eine im Gegenlicht aufgenommene dampfende Tasse Kaffee hat eine hohe Signalwirkung und kann sicherlich symbolisch für entspannte Gemütlichkeit stehen. Oder zwei Großaufnahmen hintereinander: Eine Flasche Wein, fast ausgetrunken, der Aschenbecher voll. Drei Männer beim Skatspiel. jeder Betrachter, der diese Bilderfolge sieht, weiß, was gemeint ist. Seine Wahrnehmung wird auf diese Weise ganz gezielt gesteuert. Der Hintergrund wird dabei unbedeutend. Mit diesen Mitteln arbeitet die. symbolische Kameraführung.
Großaufnahmen eignen sich auch gut zur Zeitverkürzung im Film, um so einen länger dauernden Vorgang oder ein Ereignis plausibel in nur vier oder fünf Einstellungen darzustellen. Sie sind auch schon deshalb wichtig, weil Totale an Totale oder Halbtotale an Halbtotale keinen sehenswerten Videofilm ausmachen. Er würde langweilig sein, ohne optische Spannung und Höhepunkte.
Prinzipiell unterscheidet sich der Bildaufbau bei Videoaufnahmen nicht von dem in der Fotografie, jedoch mit der Einschränkung, daß Kamerabewegungen und Bewegungen im Motiv ihre Auswirkungen auf das Bild haben. Nur Einstellungen statischen oder fast statischen Inhalts können nach gestalterischen Gesetzmäßigkeiten beeinflußt werden, die weitgehend der traditionellen Malerei entstammen. Deshalb mein Tip: Gehen sie in Ausstellungen, und schauen Sie sich die alten Meister an. Hier kann man im Hinblick auf Bildaufteilung und farbige Gestaltung viel lernen.
Hinzu kommt beim bewegten Bild, dem Film, noch der Schnittrhythmus, der die Bildgestaltung unterstützen und in ihrer Wirkung verstärken kann. Im Detail sind Bildaufbau und natürlich die Kamerabewegung von der Handlung abhängig, werden von ihr maßgeblich bestimmt.
Natürlich können durch die Wahl von Kamerastandpunkt (Perspektive) und Brennweite (kurze oder längere Brennweite) die Gewichte der abgebildeten Objekte sehr unterschiedlich beeinflußt und damit die Wirkung beim Zuschauer gelenkt werden. Einfachheit, Klarheit und Ordnung sind Voraussetzung für gute Bilder. In Grenzen läßt sich dies auf die Gestaltungskriterien der Filmaufnahme übertragen. Auch der Abbildungsmaßstab spielt eine wichtige Rolle beim Filmen. Größenverhältnisse innerhalb einer Einstellung sind nämlich nur eine Frage der kompositorischen Anordnung und des Blickwinkels. Die Größe eines Objekts im Verhältnis zu anderen im Bild sichtbaren Objekten wird allein durch die Entfernung zur Kamera bestimmt: Eine Kaffeetasse ganz nah vor der Linse und die am Tisch sitzende Person dahinter bekommen eine ganz andere Dimension und Aussagekraft, als wenn der Gegenschuß aus der Sicht des Menschen gemacht wird.
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Unterschiedliche Kamerastandpunkte bewirkten neue Perspektiven. (Fotos: Vielmuth)
Hier gibt es als klassische Bildaufteilung die bereits im Altertum bekannte Regel des Goldenen Schnitts, eine Empfehlung zur Anordnung und Aufteilung der bildgestalterischen Elemente zur Schaffung einer ausgewogenen Bildgewichtsverteilung. Dabei soll eine Strecke so gegliedert werden, daß sich der kleinere Teil zum größeren l~ngerunäßig so verhält wie der größere Teil zur Gesamtstrecke. Annähernd trifft dies bei einem Teilungsverhältnis von 3:5, besser 5:8 oder 8:13 zu.

Klassische Bildaufteilung für eine Totale, eingerahmt durch den Schatrten am unteren Bildrand. (Foto: Vielmuth)
Traditionellen Gestaltungskonzepten zufolge läßt sich auf diese Weise die Idealposition für die Anordnung der bildwichtigen Motivteile ermitteln. Diese Regel darf, muß aber nicht immer sklavisch befolgt werden, vor allem auch deshalb, weil Bilder sich erst beim zukünftigen TV-Breitbild im Verhältnis 10:9 so richtig klassisch nach dem Goldenen Schnitt komponieren lassen.
Da kann beispielsweise eine Landschaftstotale, ein immer wiederkehrendes Motiv, entweder mit einem oder mit zwei Drittel Himmel, bezogen auf die Bildfläche, aufgenommen werden. Die Horizontlinie im oberen Bilddrittel bringt einen Spannungsgewinn, legt den Schwerpunkt der Bildaussage auf den Vordergrund, betont ihn, während bei zwei Drittel Himmel Weite und Offenheit hervorgehoben werden,
Jedes Bild ist sowohl in seiner Höhe als auch in seiner Breite begrenzt. Innerhalb dieses Rahmens erscheint der Bildinhalt. Bei der bildfüllenden Aufnahme eines Kopfes sollte sich das Augenpaar über einer imaginären Mittellinie des Bildschirms befinden. Wenn die Augen »tiefer rutschen«, ist im Bild oberhalb des Kopfes zuviel Freiraum, außerdem »stößt« dann meist das Kinn am unteren Bildrand an. Das darf nicht sein. Besser ist es, den Kopf eher an den oberen Bildrand anstoßen und unterhalb des Kinns etwas Platz zu lassen. Darüber hinaus sollte natürlich in Blickrichtung der abgebildeten Person immer genügend Freiraum sein, sonst spricht man im Fachjargon von »aus dem Bild sehen«.
Die Anordnung des Objekts innerhalb des Bildrahmens ist entscheidend für das grafische Gleichgewicht der Einstellung. Grundsätzlich wirkt eine Einstellung dynamischer, wenn das Hauptobjekt an den Rand des Bildes gelegt wird. Personen wirken kleiner, wenn sie am unteren Bildrand plaziert sind, größer, wenn ihr Kopf an die Bildoberkante zu stoßen scheint.
Für den Hobbyfilmer kann es im Grunde kein Rezept für eine bestimmte erfolgreiche Bildsprache geben. Da hat bei den Profis jeder seinen individuellen Aufnahmestil. Ich selbst beispielsweise drehe gerne von unten, um es einmal etwas überspitzt zu formulieren, um so einen Eindruck von Dreidimensionalität zu erzeugen. Unterschiedliche, nicht selten beinahe extreme Kamerastandpunkte schaffen verschiedene Perspektiven und bieten eine gute Voraussetzung für die problemlose Montage bei der Bildnachbearbeitung. Außerdem vermeide ich, zu oft aus der normalen Augenhöhe zu drehen. Solche Einstellungen wirken prinzipiell langweilig, es sei denn, daß ganz neutral und objektiv ein Abbild gegeben werden soll, so wie es der Betrachter sieht.
Ebenso können viele Großaufnahmen symbolisch einen Vorgang, die Stimmung oder ein Objekt optisch sezieren - zum besseren Verständnis für den Zuschauer. Ähnliche Einstellungen gibt es deshalb bei meiner Kameraarbeit sehr selten, weil ich weiß, daß ähnliche Bilder irritieren und obendrein schlecht zu schneiden sind. Zum nicht gewollten Bildsprung ist es darin nicht mehr weit.
Derartige Tips zur Bildgestaltung können natürlich nur einen Ausschnitt aus der Bandbreite der Möglichkeiten wiedergeben. Die Materie ist einfach viel zu komplex, um sie in einem Ratgeber für den Hobbyfilmer in allen Facetten erschöpfend definieren und interpretieren zu können. Hier gilt: Das Wenige, was sich auf begrenztem Raum darstellen läßt, soll als Anregung für eigenes kreatives Experimentieren dienen.
Perspektive ist die zweidimensionale Darstellung räumlicher Gebilde in einer Form, wie sie der tatsächlichen Sichtweise entspricht, das heißt mit Größenabnahme von vorn nach hinten, Verkürzung, Änderung von Farben etc. In Fotografie und Film (Video) bestimmt nicht die Brennweite die Art der Perspektive, sondern allein der Standpunkt. Beweis: Filmt man vom gleichen Ort mit kurzer Lind langer Brennweite dasselbe Motiv und vergrößert ans der Weitwinkelaufnahme denselben Ausschnitt, den das Teleobjektiv erfaßte, so sind beide Aufnahmen perspektivisch gleich.
Unterschiedliche aber auch ungewöhnliche Perspektiven tragen viel zum Erfolg eines Films bei. Vertreter des russischen Revolutionsfilms zum Beispiel benutzten als erste ungewöhnliche Kameraperspektiven, um den dargestellten Personen einen bestimmten Ausdruck zu verleihen. Soldaten des Zaren oder Vertreter des Adels oder der Bourgeoisie wurden stets aus einer froschähnlichen Perspektive - in Höhe der Füße - aufgenommen. Sie ragten unnatürlich in die Höhe, was ihre Arroganz und Grausamkeit betonen sollte. Die sogenannten Helden der Oktoberrevolution zeigten die berühmten Regisseure Eisenstein und W. I. Pudowkin aus einer, allerdings nur leichten, Unter-Perspektive, um die Vorstellung der Erhabenheit zu suggerieren.
Kurze Brennweiten (Weitwinkel) vermitteln mehr Raumtiefe durch eine sogenannte steile Perspektive. Der größere Bildwinkel erfaßt auch noch nahe Gegenstände und bildet sie scharf und ungewohnt groß ab. In der Tiefe gestaffelte Gegenstände gleicher Größe erscheinen im Bild mit großen Zwischenräume und übersteigerter Größenabnahme zwischen Vorder- und Hintergrund. Lange Brennweiten erzeugen bei engem Bildwinkel eine flach wirkende Perspektive. In die Tiefe gestaffelte Gegenstände erscheinen bei stark verringerten Zwischenräumen in fast gleicher Größe.

Ein Schloß im
Münsterland: Die Spinx aus Stein im Vordergrund gibt dem Bild
mehr Raumtiefe. (Foto: Vielmuth)
Durch den Brennweitenwechsel kann ein Raum eng oder weit, ein Körper flach oder tief, Großes klein und Kleines groß abgebildet werden. Die räumliche Wirkung der Kameraeinstellung wird also durch den Bildwinkel bestimmt, festgelegt durch die eingestellte Brennweite. Die Veränderung der Perspektive ist eines der wichtigsten Gestaltungsmittel im Film. Jedoch: Zoomfahrten (Gummilinsenfahrten) verändern nicht die Perspektive. Hierzu muß der Kamerastandpunkt verändert werden.
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