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Autor: Vieregg, Axel.
Titel: Der eigenen Fehlbarkeit begegnet? Günter Eichs Verstrickungen ins „Dritte Reich".
Quelle: Rüther, Günther (Hrsg.): Literatur in der Diktatur. Schreiben im Nationalsozialismus und DDR-Sozialismus. Paderborn/München/Wien/Zürich 1997. S. 173-194.
Verlag: Schöningh Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Axel Vieregg
Der eigenen Fehlbarkeit
begegnet?
Günter Eichs Verstrickung ins „Dritte Reich"
Als 1991 die Gesammelten Werke1 von Günter Eich in einer neuen Ausgabe erschienen, war zum erstenmal für die breitere Öffentlichkeit belegt, was bis dahin nur in wenigen Spezialarbeiten (vor allem in der amerikanischen und von der deutschen Germanistik kaum rezipierten Dissertation von Glenn R. Cuomo)2 zu lesen war, daß nämlich für Eich die Jahre 1933 bis 1940, mit über 160 Funkarbeiten, quantitativ produktiver waren als die 25 Jahre nach dem Kriege bis zu seinem Tod. Darüber hinaus belegten die im Nachlaß seines Freundes Martin Raschke in Dresden aufgefundenen Beiträge Eichs zu der gemeinsam mit Raschke verfaßten Sendereihe Deutscher Kalender. Monatsbilder vom Königswusterhäuser Landboten, sowie die inzwischen gesammelten, aber nicht veröffentlichten Briefe aus der Zeit, daß Eich in dieser, mit rund 75 Folgen umfassendsten Idyllenproduktion des nationalsozialistischen Rundfunks den ideologischen Vorgaben der Partei- und Rundfunkoberen in einem Maße folgen mußte und folgte, das ihm selbst immer weniger geheuer war. Aber erst als 1993, in einem Kloster bei Prag, unter den dorthin ausgelagerten Archiven des Berliner Rundfunks, die Schallplattenaufzeichnung des verschollen geglaubten anti-englischen Propagandahörspiels Die Rebellion in der Goldstadt von 1940 aufgefunden wurde, war es nicht mehr zu leugnen, daß es in Eichs Karriere einen Sündenfall gegeben hatte - so sehr man auch mancherseits versuchte, Eich in diesem Hörspiel eine subversive Intention nachzuweisen.3
Eich hatte nach dem Krieg das fragwürdige Glück, daß von seiner gesamten Rundfunkarbeit im Dritten Reich nichts im Druck vorlag. Die beiden umfangreichsten Texte aus der Zeit, Die Fährten in die Prairie (1936) und Radium (1937), sind nur als spätere Nachdichtungen bekannt. Daß sich in Raschkes Nachlaß noch Typoskripte und Arbeitsvervielfältigungen befanden, war ihm wohl nicht bewußt; Raschke war schon 1943 an den Folgen eines Bauchschusses gestorben. So konnte es scheinen, als habe sich Eich „irgendwie und makellos" durch das Dritte Reich „gerettet", wie es ihm Joachim Kaiser in der Suhrkamp-Hommage zu Eichs Tod attestierte.4 Eichs „Kahlschlag"-Gedichte nach dem Krieg, wie Latrine und Inventur, seine frühen Lesungen vor der Gruppe 47, konnten daher als sein eigentliches Debüt gelten. Zu dieser Sichtweise trug auch das Schweigen bei, in das Eich seine Rundfunktätigkeit im Dritten Reich hüllte. Auf die Hörspiele angesprochen, antwortete er nur, sie seien „damals kaum beachtet worden".5 Das läßt sich leicht widerlegen: Hörerumfragen, wie Hans Dieter Schäfer nachgewiesen hat,6 zählten Eich zu den „beliebtesten Funkautoren" der Zeit, und im Schulrundfunk. Zweiwochenzeitschrift für die Erziehungsarbeit (Heft 8/9, 1939/40) wurde Eich zu den „besten deutschen Autoren" gerechnet. Wäre er „kaum beachtet" gewesen, dann hätte er Die Rebellion in der Goldstadt wohl nicht mit so herausragenden Sprechern wie Gustav Knuth und Gisela von Collande besetzt bekommen, und das Hörspiel wäre im Mai 1940 auch nicht ausführlich in den Rundfunkzeitschriften vorgestellt und in seiner regimetreuen Tendenz gelobt worden.
Allerdings schien man sich 1949 in Göttingen im neu konstituierten deutschen PEN-Zentrum, dem Erich Kästner vorsaß, zu erinnern: Eichs Mitgliedschaft war zunächst verpönt, was Eich in einem Brief an Karl Krolow vom 26.12.1949 wie folgt kommentiert: „Haben Sie etwas vom Pen-Club gehört? Wie man mir erzählte, ist meine Aufnahme zweimal abgelehnt worden: Ich besaß während der Nazizeit ein Haus und ein Auto." Nun ist es sicherlich nicht der Besitz von Haus und Auto, der Eichs Abweisung beim PEN-Zentrum erklärt. Wie er als junger Mensch von noch nicht dreißig Jahren beides finanzieren konnte, erwähnt er jedoch nicht.
Ehe man nun Eich wegen seines Schweigens verurteilt, ist zu fragen, ob er seine Verstrickung ins Dritte Reich denn überhaupt öffentlich hätte eingestehen können, ohne damit sogleich die Möglichkeit zu verlieren, im Rundfunk der jungen Bundesrepublik und in der Gruppe 47 noch einmal einen Neuanfang zu machen. Wie, wenn er sich in seinem Innern die Schuld eingestanden hätte, die er nach außen im Dunklen lassen mußte, und wenn er gerade diesen Gewissenskonflikt zum Ausgangspunkt seiner Rundfunkarbeit nach dem Krieg gemacht hätte? Denn es ist wohl kein Zufall, daß er - wie sein Notizbuch vermerkt - gerade in den Monaten November/Dezember des Jahres 1949, als das PEN-Zentrum sein Mitgliedsgesuch abgelehnt hatte und er Krolow davon Mitteilung machte, Exposes von Hörspielen entwarf, die das Schuldigwerden durch Käuflichkeit und das Heimgesuchtwerden durch die Vergangenheit zum Thema haben: In Die Favoritin des Fürsten (entworfen am 27. und 28.11.49; urgesendet als Beatrice und Juana am 4.5.1954) setzt sich der Steinerne Gast der Vergangenheit (Juana) an den Tisch und droht, das zukünftige Glück (Beatrice) zu zerstören. Und in der Vorbemerkung zu Die gekaufte Prüfung (begonnen am 21.12.49), mit dem Eich - einige Kindersendungen nicht mitgerechnet - seine Rundfunkkarriere nach dem Krieg begann, heißt es prononçiert: „In Zeiten, in denen es uns gut geht, sind gewisse Grundsituationen, in denen der Mensch über sich selbst Gericht sitzt, rar geworden" (GW II, 271).
Das Hörspiel schildert die Situation des Studienrates Martin Wolburg, der - um in den Hungerjahren der ersten Nachkriegszeit zu überleben - gegen Bestechung durch Lebensmittel einem schwachen Schüler zum Abitur verholfen hatte. Der erste Tag des neuen Schuljahrs bricht an, in seinen Albträumen fühlt sich Wolburg moralisch verurteilt, im Wachen gesteht er, daß er „etwas zu bereuen" habe, und fürchtet: „Vielleicht werde ich rot vor Scham, wenn ich vor der Klasse stehe." - Heute, da über Günter Eich gleichsam zu Gericht gesessen wird und das Auffinden der Rebellion in der Goldstadt die Debatte noch einmal heftig entfachte, ist es leichter zu erkennen, daß es Eich in Die gekaufte Prüfung um mehr gegangen war, als um die Schilderung eines moralischen Dilemmas aus der Schwarzmarktzeit. War das „Über-sich-selbst-Gericht-sitzen" nicht vielmehr auch seine Grundsituation nach dem Krieg, wie sie ihm in der PEN-Entscheidung noch einmal vor Augen geführt worden war? Handelt es sich bei dem Hörspiel nicht um eine verhüllte Beichte, um eine parabelhafte Auseinandersetzung mit dem, was er als seine eigene Schuld empfinden mußte, nämlich seine Mitarbeit im Rundfunk der nationalsozialistischen Zeit? Denn Wolburg heißt mit Vornamen Martin, verweist also auf Eichs umfangreiche Gemeinschaftsproduktion des Deutschen Kalenders mit Martin Raschke, die beiden ein gutes Auskommen während der nationalsozialistischen Zeit sicherte. Und gleichen Wolburgs Zweifel und Scham nicht dem Zweifel Eichs, ob er ohne Scham noch einmal vor seine Leser/Hörer treten könne? Eich läßt es nämlich offen, wie Wolburg sich verhalten sollte: schweigen und weiterarbeiten, oder die Schuld öffentlich eingestehen und den Beruf aufgeben. Stattdessen fordert er den Hörer auf, er selbst solle „wie ein Richter das Urteil sprechen" - in der Hoffnung sicherlich, dieser werde ihm mildernde Umstände zubilligen und ihn zur Weiterarbeit auffordern. Eben das tat dann die Hörerpost!
Mildernde Umstände sollen auch nicht außer Acht gelassen werden, wenn es im folgenden um Eichs Rundfunkarbeit im Dritten Reich geht. Wie sehr Eich später unter den Gegebenheiten und Bedingungen litt, auf die er sich zunächst eher ahnungslos eingelassen hatte, so daß er schließlich seine Rekrutierung zur Wehrmacht (1939) geradezu begrüßte, da sie eine Situation beendete, die er zunehmend als unwürdig empfand, soll daher gleich zu Anfang betont werden. Es traf auf den frühen Eich wohl zu, was Hermann Kasack ihm dann 1946, auf Anfrage vom „Nachrichtenkontrollamt", im Zuge des Entnazifizierungsprogrammes attestierte: „Er ist seinem Wesen nach ein Mensch, der auf Grund seiner lyrischen Weltanschauung allen politischen Fragen naiv und uninteressiert gegenübersteht". Wieweit, von heute aus gesehen, eine solche Position der Innerlichkeit auch damals nicht mehr zulässig war, auch wenn die Mehrheit der deutschen Bevölkerung die Politikferne mit Eich teilte, ist natürlich eine andere Frage.
Eich hatte sich schon früh die Abkapselung von allem zum Programm gemacht, was er als Bedrohung seiner inneren Welt hätte empfinden können. Welt- und Realitätsferne blieben bis in die fünfziger Jahre hinein Kernpunkte seiner Poetologie. Schon die Wahl seines Studienfachs scheint davon bestimmt: „(außerdem lerne ich Chinesisch) weltabgewandt, in buddhistischer Versenkung [...]", schreibt er selbstironisch im August 1927 an seinen Freund Willi Fehse, und am 14.2.1933 - also unmittelbar nach der Machtergreifung! - vollzieht er in einem Brief an Raschke eine scharfe Trennung von Innen- und Außenwelt und läßt nur die erstere für sein Werk gelten:
„Es ist nirgends mehr gut zu arbeiten. Diese allgemeine Mutlosigkeit finde ich beschämend, weil sie bis auf die Dinge geht, wo wir doch unverwundbar sein müssen. [...] Dürfen wir denn je vergessen, daß unsere Welt doch die wahrhaft wirkliche ist. Darf da je ein Zweifel aus der Welt der anderen heran?" Und er fügt hinzu: „Was mich also bewegt und was mir an allen Dingen als das Entscheidende erscheint, das ist jenes was man vielleicht ,Sein' nennen kann, das was sich durch sich selbst begreift. Ja, dieses, was ja nichts als eben Voraussetzung ist, ist das, was ich an allem suche. (Und das scheint mir meine individuelle Legitimation meines Schreibens zu sein.)"
So ausgeprägt muß bei Eich diese Fähigkeit des Rückzugs nach innen gewesen sein, daß sie bei seinen Freunden Gesprächsthema war, wenn es etwa in einem Brief Eichs an den Mitherausgeber der Kolonne, A. A. Kuhnert, vom 27.10.34 heißt: „[...] ora et labora und ich werde die mir nachgerühmten Kalkschalen im rechten Moment über mich zu stülpen wissen." Wie Eichs Haltung auf Außenstehende wirken konnte, belegt eine Tagebucheintragung desselben Hermann Kasack, der Eich im Spätherbst 1936 in seinem Haus an der Ostsee besuchte und unter dem Datum des 3. November vermerkte: „Meine Spaziergänge meist allein. Eich ist (ein wenig) in sich verwöhnender Egoist, aber es geht ganz gut".
Eich machte von Anfang an deutlich, wogegen seine Rückbesinnung auf das eigene Ich sich richtete: „Wir haben nur einen Feind", schreibt er am 12.4.1930 an Raschke, „die Fortschrittsgläubigkeit und Kulturlosigkeit unserer Zeit. Und ich glaube, man kämpft am lautesten gegen diese Zeit, wenn man nichts über sie aussagt". Diese Zurückweisung der Moderne schlägt sich noch im selben Jahr 1930 in einer ersten poetologischen Aussage nieder:
„Ich bin zunächst Lyriker und alles, was ich schreibe, sind mehr oder minder ,innere Dialoge' [...] [Ich] werde immer darauf verzichten, auf mein soziales Empfinden' hinzuweisen, selbst auf die Gefahr hin, die Sympathie von Linksblättern nicht zu erringen und selbst auf die noch furchtbarere Gefahr hin, nicht für ,heutig' gehalten zu werden. Und Verantwortung vor der Zeit? Nicht im geringsten. Nur vor mir selber" (GW IV, S. 457).
Und zwei Jahre später heißt es in einem Beitrag für die von Martin Raschke und A.A. Kuhnert herausgegebene Zeitschrift für Dichtung Die Kolonne, die von 1929 bis 1932 bestand und deren fester Mitarbeiter Eich wurde:
„Die Wandlungen des Ichs sind das Problem des Lyrikers. Das wird im Formalen die Folge haben, daß er im allgemeinen Vokabeln vermeidet, die ein zeitgebundenes, also ihn nicht direkt interessierendes Problem in sich schließen. [...] Wenn solche Vokabeln überhaupt in Gedichten verwendet werden können, so [...] ohne zeitliche Beziehung und Bedeutung, nur als Deutungsmöglichkeit des Ichs, d.h. in einem ebenso unverbindlichen Sinne, wie der Lyriker Baum oder Mond sagt, die ihn als Baum oder Mond gar nicht interessieren" (GW IV, S. 459).
Eine, wie man sieht, auch poetologisch begründete antimoderne Grundhaltung, mit ihrer ausdrücklich betonten anti-linken Stoßrichtung, der Rückzug nach innen - dies allein hätte wohl noch nicht ausgereicht, um Eichs innere Widerstandskräfte gegenüber dem Nationalsozialismus zu schwächen. Heikel wurde eine solche Position erst durch die ebenfalls zeittypische - und keinesfalls auf den Nationalsozialismus beschränkte - Komponente des Irrationalismus. Der Zurückweisung der Moderne entspricht nämlich eine ausgeprägte Skepsis gegenüber der Vernunft und dem Bewußtsein. So schreibt Eich im Februar 1933 an Raschke: „Mir erschien eigentlich immer das Denken als fremd, als Fluch, als Erbsünde möchte ich sagen. Es war und ist mir das Problem der menschlichen Existenz schlechthin".
Mit seiner Zurückweisung des Heute und der Moderne, der Ablehnung von Bewußtsein, Vernunft und Fortschrittsgedanken, der Ablehnung von linken, gesellschaftlich engagierten Positionen und der Ablehnung - wie gleich zu zeigen sein wird - auch des Urbanen, stand Eich jenen kulturkonservativen und zivilisationskritischen Strömungen in Deutschland nahe, die man später, vor allem nach Armin Mohlers großer Untersuchung von 1950, als „Konservative Revolution" bezeichnete. Diese „Konservative Revolution" hatte sich, besonders als Folge der deutschen Niederlage im Ersten Weltkrieg, verfestigt in Opposition gegen eine die deutsche Kultur vermeintlich bedrohende westliche Zivilisation, die sie besonders im gefürchteten Amerikanismus, als der Herrschaft des Materiellen, verkörpert sah. In Kunst und Literatur galt die Stoßrichtung vor allem der Neuen Sachlichkeit. Beides vermischt sich bei Eich schon früh. So schreibt er im Dezember 1927 an Willi Fehse, in dessen Anthologie jüngster Lyrik er unter dem Pseudonym Erich Günter debütiert hatte: „Für Amerika schwärmen Sie auch? Die Wolkenkratzer in allen Ehren, aber dadrinnen wohnt das verlogenste Volk unserer sowieso verlogenen Zeit, die vorgibt, sachlich zu sein und es höchstens zum Gegenteil davon gebracht hat".
In seiner Anatomie der Konservativen Revolution hat Stefan Breuer vor kurzem auf die Heterogenität der Konservativen Revolution hingewiesen7 und betont, daß diese Heterogenität den Begriff „Konservative Revolution" als Gruppenbezeichnung relativiert. Die geschilderten Phänomene werden jedoch auch von Breuer weiterhin als zeittypisch erkannt, ja, er fügt hinzu, daß - wenn es eine „Konservative Revolution" gegeben hat - ihr eigentlich gemeinsamer Nenner die Angst vor der Moderne war: der Dynamik und lineraren Progression einer vor allem als urban verstandenen Moderne wird die Statik des Ländlichen, die Vorstellung einer zyklischen Wiederkehr, in Tages-, Jahres- und Lebenszeiten, des immer Gleichen als fester Halt gegenübergestellt. Gerade diese Vorstellung wird für Eichs Werk über lange Strecken bestimmend - am anschaulichsten in seinem Hörspiel Fährten in die Prärie von 1936, versinnbildlicht in dem Gegensatz einer von Wald und Prärie geprägten Naturnähe der untergehenden Welt der Indianer und einer korrumpierenden urbanen Existenz, für deren Verderbtheit die Chiffre „Chicago" steht. Hier nähern sich - bedrohlich und Zerstörung bringend - „Zivilisation", „Fortschritt" und „Zukunft" im anwachsenden „Donnern der Räder" des Zuges, mit dem das Hörspiel abschließt.
Das wichtigste Sprachrohr dieser Strömungen, ebenfalls mit einer starken anti-urbanen und anti-neusachlichen Stoßrichtung, war Wilhelm Stapels „Monatsschrift für das deutsche Geistesleben" Deutsches Volksstum, die vor allem in Amerika und in einem als deutsches Chicago empfundenen Berlin eine Gefahr für die deutsche Kultur sah. Zwar teilt Eich nicht die deutschtümelnden und antisemitischen Tendenzen dieser Zeitschrift, aber es mag mehr als ein Zufall sein, daß in dem 1927 von ihm gewählten Pseudonym „Erich Günter" - obwohl durch den Namen „Günter Eich" nahegelegt - auch der Name des Mitherausgebers von Deutsches Volkstum, nämlich Albrecht Erich Günther anklingt. Kein Zufall war es, daß der Kreis der Mitarbeiter an der Kolonne ab 1933 in engster Zusammenarbeit mit Dr. Werner Pleister stand, dem Leiter der Literarischen Abteilung des Deutschland-Senders. Pleister hatte seine Wurzeln in eben jenem Kreis um Wilhelm Stapel gehabt und selbst Beiträge für dessen Zeitschrift Deutsches Volkstum geschrieben. Von Pleister aber ging wohl, wie Eichs Briefe zeigen, die Idee zu jenem Deutschen Kalender, Monatsbilder vom Königswusterhäuser Landboten aus, den Eich und Raschke sich dann in über 70 Sendungen bis 1940 teilten. Hier war der von Stapel propagierte „Aufstand der Landschaft gegen die Urbs", wie Stapel es im September 1931 in einem Aufsatz in Die Neue Literatur ausgedrückt hatte, gewissermaßen vollzogen, nämlich in der Gestalt jenes pensionierten Landbriefträgers, der fern aller Moderne und Urbanität in einem Giebelstübchen in Spitzwegscher Idylle zu Hause ist und, in Wanderungen über die deutschen Dörfer und Lande, in jeder Sendung eine je andere deutsche Landschaft mit ihrem Volks- und Brauchtum vorstellt. Betont wird auch hier jener Gedanke einer ewigen Wiederkehr im Lebens- und Jahreszyklus wie Armin Mohler ihn als als zentral für die Konservative Revolution herausgearbeitet hatte. So leitet in der Weihnachtssendung vom Jahr 1937 ein Chor zur Sonnenwende den letzten Abschnitt ein:
Steht Pferde steht! Der Jahrkreis ist geendet,
Des
Nordlands Völker senken tief ihr Haupt
voll Hoffnung, daß
die Zeit sich endlich wendet,
Die sie der Sonne Blick so lang
beraubt.
Der Alpen Kämme schon, die holde Ferne,
Das
Band der Flüsse - Pferde greift nur aus! -
Nah ist die
Weltenzeit, wo Sommersterne
erhellen froh der Erde grünes
Haus.
In Eis und Schnee begraben alle Zonen,
Gefroren
blickt der blaue See herauf.
Du, schönes Land, in dem die
Deutschen wohnen,
Mach wieder deine blauen Augen auf!
Eilt, Sonnenpferde, eilt! Die goldnen Lanzen
werf
ich mit Macht durchs dunstende Gezelt.
Die Nebelfahnen flattern,
doch wir pflanzen
des Lichtes Zeichen in die Winterwelt.
(GW
11, 96-97)8
Eich war sich nach dem Kriege sehr wohl bewußt, wie nahe er jener „Konservativen Revolution" stand; dies zeigt ein Dankesbrief an Armin Mohler vom November 1950, in dem er schreibt: „Ich habe die ,Konservative Revolution' schon vor längerem gelesen und zwar mit höchstem Interesse, hängen doch an diesem Thema für mich mannigfache Jugenderinnerungen". Mohler gegenüber faßte er dann auch - in demselben Brief - sein poetologisches Bekenntnis noch einmal zusammen: „Offenbar werden in der Dichtung Seinsformen aufbewahrt, die mit der Entstehung der Geschichte aus dem Bewußtsein verschwunden sind. Alle Dichtung ist eigentlich prähistorisch und die Historie die Widersacherin der Poesie". - Das ist fraglos eine deutliche Absage an alle littérature engagée, so daß es völlig verfehlt ist, schon für den Eich von - oder gar vor - 1950 das erst später (1953) hinzugefügte Eingangsgedicht der Träume („Alles, was geschieht, geht dich an") verbindlich zu machen.
Was dieser Überblick über Eichs Grundeinstellungen in den zwanziger und dreißiger Jahren nahelegt, ist folgendes: Eich hatte, da er mit zahlreichen Aspekten der konservativen Strömungen konform ging, von denen auch der Nationalsozialismus hochgeschwemmt wurde, keine innere Resistenz entwickelt, die ihn 1933 davon hätte abhalten können, sich dem gleichgeschalteten Rundfunk zur Verfügung zu stellen. Zu Recht wies er daher einmal die Gültigkeit des Begriffes „innere Emigration", zu der man ihn nach dem Krieg gern gezählt hätte, für seine Person zurück, als er am 1.11.1947 an seinen früheren Weggefährten Willi Fehse schrieb, der ihn um biographische Auskünfte für einen Artikel über die „innere Emigration" gebeten hatte: „In den Aufsatz ,Das heimliche Deutschland' passe ich nicht recht herein. Ich habe dem Nationalsozialismus keinen aktiven Widerstand entgegengesetzt. Jetzt so zu tun als ob, liegt mir nicht".
Zunächst die äußeren Fakten: Mit Sicherheit belegen die Dokumente, daß Eich am 1. Mai 1933 den Antrag auf Mitgliedschaft in der NSDAP stellte. Er machte daraus kein Hehl, vielmehr schrieb er am 2.5.1933 an seinen Freund, Kollegen und Mitherausgeber der - inzwischen eingestellten - Kolonne, „Addi" Kuhnert: „Sonst nichts Neues, außer daß ich in die NSDAP eingetreten bin. Heil Hitler! Günter". Das im früheren Berlin Document Centre aufbewahrte Antragsformular trägt die Mitgliedsnummer 2634901. Die Aufnahme in die Partei wurde allerdings nie vollzogen. Mitgliedsnummer und Beitrittsdatum sind durchgestrichen, und das Dokument trägt den Stempelaufdruck: „Aufn. nicht ausg. Schein zck." sowie den handschriftlichen Zusatz: „lt. Brf. Berlin v. 20.11.33". Die Gründe für die Nichtaufnahme sind allerdings ungewiß. Schon am 18. Juli 1933, also nur elf Wochen nach dem ursprünglichen Antrag, beantwortete Eich auf einem Fragebogen des „Reichsverbandes Deutscher Schriftsteller" die Frage „Mitglied der NSDAP oder Untergliederungen?" mit „nein". Der Grund für die Nichtaufnahme mag schlicht ein äußerer gewesen sein: die NSDAP verhängte, nach dem gewaltigen Zustrom neuer Mitglieder als Folge der Reichstagswahlen vom 5. März 1933, den spöttisch „Märzgefallene" genannten, eine rigorose Aufnahmesperre, die bis 1937 anhielt. Möglich ist aber auch, daß ihn die negative Reaktion seiner Freunde dazu bewegte, den Antrag zurückzuziehen. Sie ist in einem Brief von Horst Lange belegt, der schon von Anfang an eine dezidiert antinationalsozialistische Haltung bezogen hatte und am 4. April 1934 an Raschke schreibt:
„Ich müßte Dir ja nun wohl eigentlich auch noch zu unseren [d.i. Langes und Oda Schaefers] Auseinandersetzungen mit Günter Eich einige Worte sagen. Es war nicht, wie Du annahmst, ein zänkisches Vergrößern kleiner Anlässe, um des bloßen Streitens und Rechthabens willen - denn eigentlich ging es ja um ganz andere Dinge als um das usurpierende Hörspielthema. Wir hatten uns auseinander gelebt und waren in verschiedene Richtungen so weit gegangen, daß keine Kraft der Erde uns wieder hätte zusammenbringen können".
Wie dem auch sei: Eich hat im ersten Fall der Partei überhaupt nicht, im zweiten Fall aber nur einige Wochen angehört. Eichs eigene, 1946 dem Verleger von Abgelegene Gehöfte, Kurt Schauer, gegenüber abgegebene eidesstattliche Versicherung, er habe „nie" der NSDAP angehört, scheint zu stimmen.
Eine andere Frage ist die nach den Gründen, die Eich zunächst bewogen hatten, überhaupt eine Aufnahme zu beantragen. Man geht wohl nicht fehl, wenn man diese Gründe in Verbindung mit der Tatsache sieht, daß Eichs Rundfunkkarriere mit dem Dritten Reich auf fatale Weise zusammenfällt. Vor dem 30. Januar 1933, in den ersten drei Jahren seiner Rundfunkarbeit, waren von ihm insgesamt nur drei Beiträge gesendet worden. Allein für die Zeit nach dem 30. Januar 1933 bis zum Jahresende 1933 sind es jedoch schon dreizehn Titel mit insgesamt zwanzig Sendungen. So günstig ist die Auftragslage schon Ende 1932, daß Eich sich am 7. Januar 1933, also drei Wochen vor der Machtergreifung, ein Haus in Poberow an der Ostseeküste auf Kredit kauft. „Wenn alles klappt, saniert mich die Funkstunde für das ganze Jahr", schreibt er im Dezember 1932 an Ursula und „Addi" Kuhnert. Daß aber alles klappt, wird für ihn zur absoluten Priorität, denn er ist durch den Hauskauf finanziell auf eine Weise gebunden, die er schon wenig später verfluchen wird. Zunächst jedoch, im ersten Halbjahr 1933, ist er in ausgesprochener Hochstimmung - wobei die politischen Ereignisse in keiner Weise registriert, geschweige denn reflektiert werden, es sei denn, sie berührten seine Arbeitschancen.
Am 24. April 1933 hatte Gottfried Benn, den Eich ohnehin in jenen Tagen aufgesucht hat, um sich, wie es scheint, politischen Rat zu holen, in eben jener „Berliner Funkstunde", von der Eich sich die Sanierung seiner Finanzen erhoffte, seine berüchtigte Ansprache „Der neue Staat und die Intellektuellen" gehalten, in der er die Intellektuellen verhöhnte und sie aufforderte, ihre „Geistesfreiheit" für den Staat aufzugeben. Diese Aufforderung, besonders aber Benns Betonung des Instinktiven gegenüber der auch von Eich abgelehnten „Ratio", muß Eichs letzte Bedenken ausgeräumt haben. Denn noch am selben Tag schlägt Eich Raschke vor, sie sollten ihren „Feldzug gegen den Rundfunk fortsetzen", d.h. sich intensiv um Aufträge bemühen. Entsprechend geht er schon am nächsten Tag, am 25. April, zu dem zum Hauptpropagandainstrument gleichgeschalteten Deutschlandsender - denn „jetzt wird der Deutschlandsender immer wichtiger" (an Raschke 24.4.1933) - und bietet dort seine Mitarbeit an. Sein Gesprächspartner ist der Oberspielleiter Gerd Fricke, seit 1932 Mitglied der NSDAP. Fricke scheint von Eich einen in seinem Sinne so positiven Eindruck gewonnen zu haben, daß Eich schon einen Tag später, am 26.4., selbstironisch an Kuhnert schreiben kann: „Wenn all die Aussichten, die ich jetzt habe, sich realisieren, kaufe ich mir im Sommer einen Mercedes". Fünf Tage später stellt er seinen Antrag auf Aufnahme in die NSDAP.
Auch mit der Mitgliedschaft in der Reichsschrifttumskammer zögerte Eich nicht. Er bekam die Nummer 59 (zum Vergleich: Horst Lange 2037, Peter Huchel 9489). Als einen der Bürgen, die „erschöpfende" Auskunft geben können über die politische Zuverlässigkeit, nannte er Gottfried Benn, den er wohl auch zu diesem Zweck aufgesucht hatte. Nun kann man Eich weder einen Vorwurf daraus machen, daß er, um überhaupt schriftstellerisch tätig sein zu können, der Reichsschrifttumskammer beitrat, noch daß er Benn als Bürgen angibt. Lothar Baier hat also Recht mit seinem Einwand, daß auch Franz Werfel, obwohl er als Jude den Nationalsozialismus verabscheute, seine Mitgliedschaft beantragte, um in Deutschland nicht seinen Markt zu verlieren, und daß er als Bürgen ausgerechnet jenen Hanns Martin Elster in Anspruch nahm, „der als enragierter Nazi 1934 Gottfried Benn ins Visier zu nehmen begann".9 Der wesentliche Unterschied ist jedoch der, daß es bei Eich, anders als bei Werfel, zumindest anfangs eine innere Übereinstimmung gab und daß er, solange es möglich war, d.h. bis Mai 1940, zahlreiche Arbeiten lieferte, die systemkonform waren, wenn nicht sogar, wie im Falle der Rebellion in der Goldstadt, ausgesprochene Propaganda darstellten. Auch verschleierte Eich nach dem Krieg den tatsächlichen Hergang Peter Horst Neumann gegenüber mit der Behauptung,10 er habe sich schon 1933 von Benn distanziert: Die Distanzierung erfolgte nicht, wie Eich es verstanden haben wollte, weil Benn ihm zu regimetreu war, sondern, im Gegenteil, weil Benn beim Regime in Ungnade gefallen war und Eich nicht das gleiche Schicksal erleiden wollte.
An Aufträgen hatte Eich nun keinen Mangel. Die zur besten Sendezeit laufende Reihe des genannten Königswusterhäuser Landboten begann mit einer ersten Sendung am 3. Oktober 1933. Regisseur und Sprecher für die Hauptfigur, den Landboten selbst, war der Mitarbeiter der Spielleitung des Deutschlandsenders Helmut Hansen, ein überzeugter Nationalsozialist der „alten Garde", der auch der SA angehörte. Bedenken hatte Eich anfangs wohl nicht. Denn der Königswusterhäuser Landbote schien zunächst den zwar zeittypischen, aber doch eher harmlosen Charakter eines „Zurück zur Ländlichkeit" zu haben, der mit dem Programm von Raschkes und Kuhnerts kurzlebiger Zeitschrift Die Kolonne durchaus in Einklang gebracht werden konnte. Außerdem schien der genannte Werner Pleister, der schon 1932 aus der Volksbildungsarbeit der Christlichen Gewerkschaften zum Rundfunk gekommen, also nicht von den Nationalsozialisten eingesetzt worden war, eine Garantie für die Kontinuität einer im guten Sinne konservativen Rundfunkarbeit zu geben. Schließlich arbeiteten auch Oda Schaefer, Horst Lange, Martin Raschke, A A. Kuhnert und manche andere aus Eichs Bekanntenkreis, die zu den nichtnationalsozialistischen Autoren gehörten, mit Pleister zusammen. Nicht vergessen werden darf auch der ungeheuere Einfluß, den damals Knut Hamsun mit seinem Lob der „Erde" und des Bäuerlichen hatte. Mit seiner Zivilisationkritik, seinem anti-westlichen und speziell anti-amerikanischen Affekt war er Teil jener Antimoderne, der auch Eich sich verpflichtet fühlte: „,Pan' ist immer noch mein Lieblingsbuch, seit sieben Jahren, da las ich es zum erstenmal", schreibt er am 26.4.1931 an Kuhnert. Und wie durch die Brille Hamsuns gesehen, beschreibt Eich einmal voller Zustimmung - auch für die Regierung - von einem Besuch im Moselländischen: „Ein abgelegenes ursprüngliches Land ist es, mit Bauern, die noch ganze Bauern sind und gar keine Sehnsucht nach der Stadt haben. Sie leben kärglich aber zufrieden, [...] Der Regierung scheinen sie nicht abgeneigt, sie nimmt sich ihrer offenbar recht an" (18.6.1936 an Kuhnert).
Mit dem Deutschen Kalender schien Eich also im Rundfunk eine Nische gefunden zu haben, die seiner eigenen Gemütslage entsprach und in der er sich einrichten konnte. Diese Nische erwies sich jedoch zunehmend als Falle. Denn, entsprechend unter Druck gesetzt, sollte sich die Sendereihe, als längste und beliebteste Funkserie des Deutschen Reiches, bald zu einem für Propagandazwecke höchst geeignetem Medium entwickeln, mit dem die nationalsozialistische Ideologie, in der Form leichter Unterhaltung, den Hörern unaufdringlich nahegebracht werden konnte. Wie kaum eine andere Unterhaltungssendung war sie geeignet, für die Bildung einer deutschen Volksgemeinschaft zu wirken, wie Goebbels sie in seiner Grundsatzrede vom 23.3.1933 als Ziel formuliert hatte: „Damit ist der Rundfunk wirklicher Diener am Volk, ein Mittel zum Zweck, und zwar einem sehr hohen und idealen Zweck, ein Mittel zur Vereinheitlichung des deutschen Volkes in Nord und West, in Süd und Ost, zwischen Katholiken und Protestanten, zwischen Proletariern und Bürgern und Bauern".
Das Thema findet sich z.B. in einem Brief vom 17.4.1935, der auch zeigt, wie sehr Eich und Raschke nach den Direktiven der Rundfunkverantwortlichen zu arbeiten hatten: „Pleister ist sehr angetan vom April-Kalender, nur bittet er uns, den Landboten jetzt nicht mehr schlafen und im Bett liegen zu lassen. Vom Oktober ab, mit Beginn des dritten Jahrganges, soll der Landbote in anderer Form auftreten; wie können wir uns überlegen. Hansen wiederholte den alten Plan,Der Landbote reist durch Deutschland' mit je einer Landschaft im Monat". Das Ziel der Bildung einer Volksgemeinschaft, speziell einer Aussöhnung im „Gegensatz Stadt-Land", ist deutlich impliziert im folgenden Refrain, mit dem variierend jede Sendung des Deutschen Kalenders abschloß:
Verachtet, liebe Freunde, nicht
Des Bauern Herz
und Hand!
Er nährt, was Euer Stolz auch spricht,
Euch und
das ganze Land.11
Ebenso diente die Sendefolge, als umfangreichste und weitreichendste Idyllenproduktion der nationalsozialistischen Zeit, der Schaffung einer Scheinharmonie in dem Sinne Hermann Glasers, daß „man den Schlaf des Gerechten schläft, während das Unheil sich ungehindert ausbreitet. [...] Totalitäre Massenmörder umgeben sich gern mit der Aura idyllischer Lebenshaltung".12 Dazu gehören Rückkehr zur Häuslichkeit und Innerlichkeit, als Mittel zur Stärkung der Familienbande, doch letztlich zur Entmündigung und Entbindung des Untertanen von politischer Verantwortung. Auch dies war als Thema vorgeschrieben: „Braun will so etwas wie ,Im Kreis der Lampe' machen (ungefähr das wie für Roßkopf mit dem Akzent: Rückkehr zur Häuslichkeit oder zur intimeren Geselligkeit als allgemeines Zeitphänomen). [...] Ich muß übrigens dasselbe Thema im Novemberlandboten behandeln" (An Kuhnert 19.10.1935).
Ganz deutlich werden Einflußnahme und detaillierte Vorgaben der Partei - speziell auch im Sinne der zitierten Grundsatzrede von Goebbels zur Volksgemeinschaft - in einem Brief vom 17.4.1939 an Martin Raschke, aus dem nachfolgend zitiert wird:
„Also: Der Landbote soll im Mai einer
KdF-Wandertruppe begegnen. Da an der Besprechung auch zwei Herren vom
Amt für Reisen, Wandern und Urlaub teilnehmen, vermute ich, daß
es sich um einen Wunsch von höherer Stelle handelt. Folgende
Hinweise wurden mir gegeben: Das Wandern wird durch KdF schon seit
langem gepflegt, soll aber im Mai, am 7., durch einen Wandertag
besonders propagiert werden. Wanderungen sollen teils als
Sonntagswanderungen, teils als Ferienwanderungen von 8-14 Tagen Dauer
durchgeführt werden, sei es nun von Leuten aus dem gleichen
Betrieb, von Teilnehmern an KdF-Kursen oder sei es, daß sich
die Teilnehmer erst durch Aufruf oder Bekanntmachnung zusammenfinden.
15-20 Teilnehmer, männlichen und weiblichen Geschlechts unter
Führung eines Wanderwarts (mit Armbinde ,KdF-Wanderwart'). Falls
Betriebswanderung: Zellenbildung soll vermieden werden.
Übernachtungen auch in Jugendherbergen. Wanderungen sowohl in
der engeren Heimat wie auch in ganz Deutschland.
Es gibt in
Deutschland jetzt 15.000 Wanderwarte, die in den letzten Jahren
herangebildet worden sind. Ein Wanderwart muß in seiner
Vielfältigkeit ein kleiner Landbote sein. [...] Die
Wanderbewegung soll keine besondere Lebenshaltung propagieren, wie es
durch den Wandervogel geschah. Kein Einzel-, aber auch kein
Herdenwandern. Folgende Punkte wären besonders zu
berücksichtigen:
1. Der Gegensatz Stadt-Land soll durch die
KdF-Wanderung gemildert werden.
2. Diszipliniertes Wandern im
Gegensatz zum ,Horden-Wandervogel'.
3. Gemeinschaftsbildende Kraft
der KdF-Wanderbewegung.
4. Vielseitigkeit des Wanderns und des
KdF-Wanderwartes: Heimatkunde, Naturkunde, Geschichte, Kunst,
Brauchtum usw. usw. ".
Eich setzt dann
hinzu: „So. Das wäre es. Ich fürchte, Du wirst nicht
sehr vergnügt darüber sein. Ich bin es auch nicht".
Trotzdem erfüllte Eich den Auftrag. Der mutmaßliche
Begründer der Reihe, Werner Pleister, hatte inzwischen schon die
Konsequenzen gezogen und den Rundfunk verlassen, weil ihm „das
Klima im Berliner Funkhaus unerträglich" geworden
war.13
Dergestalt
gelenkt, entsprach Eichs und Raschkes Deutscher Kalender den
offiziellen Erwartungen der Partei so sehr, daß der Völkische
Beobachter, am 23.2.1935, die ersten 18 Monate der Funkreihe,
wiederum vor allem unter dem Gesichtspunkt der Volksgemeinschaft, wie
folgt loben konnte:
„Vor etwa eineinhalb Jahren tauchte auf der
Bühne des Deutschlandsenders zum erstenmal eine Gestalt auf, von
der wir nicht wußten, woher sie kam, und von der wir damals
auch noch nicht ahnten, wohin sie gehen sollte. [...] Nur soviel: Die
unter dem Namen des Königswusterhäuser Landboten im
weitesten Sinne bekannt gewordene Erscheinung wuchs auf bäurischem
Boden, lebte dann lange ahre in den Steinhäusern der Städte,
um in der Abgeklärtheit des sinkenden Lebens den Kreis zu
schließen und in den heimatlichen Urgrund zurückzukehren.
Irgendwo im Lande haust er mit seinem Hunde, in einem kleinen
idyllischen Giebelstübchen. Irgendwo, von wo ihm die Aussicht
auf den unermeßlichen Bestirnten Himmel auftut. Ein Freund des
Bauern, der seine Erfahrungen und sein gereiftes Wissen über
bäuerliches Leben und bäuerliches Brauchtum zu schätzen
weiß, ist er überall dort zu finden, wo sich dörfliches
Wesen in seiner Arbeit und in seinen Festen am unmittelbarsten
widerspiegelt. Ein Wanderer wohl, aber heimatlich zutiefst verhaftet
der Erde. [...]
Heute, nach anderthalb Jahren, sind wir nicht mehr
allein auf Vermutungen angewiesen, wie die Erscheinung von der
Bevölkerung aufgenommen worden ist. Der
Königswusterhäuser Landbote hat
den Weg ins Volk gefunden, er ist eine Volkstumsgestalt geworden.
[Hervorhebung Völk. Beob.]
Das ist der Eindruck den wir aus den rührenden Zeichen der
Anerkennung und Dankbarkeit herauslesen, die in der Zwischenzeit
eingegangen sind. Nicht Pressestimmen aus dem Inland und dem
deutschsprachigen Ausland allein, nicht nur Hörerbriefe bezeugen
das. Da hat z.B. ein alter Mann, ein Kupferschmied, ein vergilbtes
Büchlein eingeschickt, das er selbst in jungen Jahren in der
Form eines Tagebuchs geführt hat. Mit klaren, liebevollen
Schriftzügen steht dort aufgezeichnet, was er auf der Walze
durch die deutschen Gaue noch selbst an altem Handwerkervolksgut
lebendig angetroffen hat. Eine Fundgrube für den Landboten. Kann
es ein ein schöneres Echo geben als aktive Mitarbeit?"
Ein ähnliches Lob erschien gleichzeitig in dem von Goebbels persönlich herausgegebenen NSDAP-Hetzblatt Der Angriff. Der Deutsche Kalender hatte also den im Sinne der Machthaber rechten Ton getroffen: Volksgemeinschaft, Idylle, Heimat. Das Lob im Völkischen Beobachter und das dort beschriebene Hörerecho belegen noch einmal, daß zweierlei nicht zutrifft: daß Eichs Hörspiele „damals kaum beachtet" wurden und daß Eich „mit keiner Zeile Zugeständnisse an die herrschende Ideologie" gemacht habe, wie ihm das Wulf Segebrecht14 noch beim Erscheinen der neuen Eich-Ausgabe 1991 attestieren wollte: „Bäuerliches Brauchtum", die Bindung an den „bäurischen Boden", der Volkstumsgedanke und das Verlogene des idyllischen Giebelstübchens, das Technik- und Zivilisationsfeindlichkeit impliziert, sind die immer wiederkehrenden Versatzstücke des Königswusterhäuser Landboten. Sie verbinden sich in zahlreichen Sendungen mit anderen, ebenfalls vorgegebenen Ideologemen zu exemplarischen Illustrationen einer rückwärtsgewandten Ideologie. Als Beispiel ist jetzt die in Band II der Eich-Ausgabe von 1991 abgedruckte Sendung zum 50. Jubiläum der Reihe (Dezember 1937) nachzulesen, ein Musterstück nationalsozialistischer Erbauungsliteratur, ganz im Sinne jenes Diktums des Reichssendeleiters Eugen Hadamovski: „Was das Gebäude der Kirche für die Religion, das wird der Rundfunk für den Kult des neuen Staates sein".15 Diesem Kult gemäß wird hier die säkularisierte Parabel vom Verlorenen Sohn inszeniert, der nach langem Amerika-Aufenthalt in die erzgebirgische Heimat zurückkehrt, wo er der amerikanischen Lebensweise und der westlichen Zivilisation abschwört. Implicite ist nun das Deutsche Reich an die Stelle des Reiches Gottes getreten, und das Christliche des Weihnachtsfestes tritt ganz in den Hintergrund. Auch das einzige noch an Weihnachten erinnernde Requisit, die geschnitzte Weihnachtspyramide, erscheint zuallererst als Zeichen deutschen Brauchtums und, mit der stufenförmigen Anordnung der Figuren, als Abbild einer hierarchisch strukturierten Volksgemeinschaft. Kein Weihnachtschor erschallt, der Christi Geburt zum Thema hätte, sondern der schon zitierte Sonnenwendchor mit völkisch-nordischem Bewußtsein („Des Nordlands Völker senken tief ihr Haupt / [...] Du schönes Land, in dem die Deutschen wohnen, / mach wieder deine blauen Augen auf!"). Und der „Götterkönig", der „aus irgendeiner Schicht unseres Herzens" emporsteigt, ist nicht der christliche, sondern der Wotan der nationalsozialistischen Germanenverehrung.
Anderes kommt hinzu: das Ausspielen einer hart und „tapfer" machenden deutschen Kultur gegen eine verweichlichende fremde, hier vor allem amerikanische Zivilisation. Als Allegorie dafür steht der langsam wachsende, aber desto härter werdende „tapfere" deutsche Wald im Vergleich zum schnellwüchsigen, aber dafür weicheren amerikanischen. Gehuldigt wird dem einfachen, von Volkslied, Handarbeit und geduldigem Ausharren an dem vom Schicksal zugewiesenen Platz geprägten Leben in der bäuerlichen Gemeinschaft, die den einzelnen kraft Blut und Tradition einbindet, gegenüber einer westlichen Konsumgesellschaft mit ihrer wurzellosen Mobilität und ihrem selbstbezogenen Individualismus. Hierarchie steht gegen Gleichheit, Sinngebung durch Pflichterfüllung steht gegen die Sinnleere einer trügerischen Freiheit des Einzelinteresses, ertüchtigender Lebenskampf gegen verweichlichendes Genießen im Zeichen von „Schaukelstuhl" und „Ananas": ein erhellendes Beispiel auch dafür, daß die Ideologeme eines deutschen Sonderwegs, wie er sich vor allem gegen die westlichen „Ideen von 1789" wendet, braune Blüten auf der Rechten treiben konnte, die den roten auf der Linken peinlich ähnlich sehen. Man mache nur wenige Abstriche und ersetze die „Ananas" durch die Symbolfrucht von 1989, die Banane, und man erhält das antiwestliche Ressentiment der Nachwende-Intellektuellen im vereinten Deutschland.16
Wie sehr diese Parallelen das Urteil trüben können, sollte sich bei dem Streit um die Bewertung von Eichs letztem Hörspiel aus der nationalsozialistischen Zeit, der genannten Rebellion in der Goldstadt, erweisen. Als die im Sommer 1993 in Prag aufgefundene Tonaufnahme im Herbst desselben Jahres über die deutschen Sender ging, geschah das innerhalb einer von Karl Karst geleiteten und mit, von Eichs Sohn Clemens gelesenen, Zitaten aus Eichs Briefen versetzten Rahmensendung. Die Sendung wollte nahelegen, daß Eich die Intentionen von Goebbels, der die anti-englische Rundfunkkampagne angeordnet hatte, so geschickt unterlaufen habe, daß er in Wirklichkeit ein subversives, anti-nationalsozialistisches Hörspiel geschrieben habe. Man berief sich dabei vor allem auf Eichs eigenes briefliches Bemerken (an Kuhnert 13.3.1940), es sei „ein Thema, das ich mit entsetzt gerungenen Händen ablehnte, wäre ich Propagandaministerium". Man kann diesen Satz aber auch anders verstehen: daß Eich sich selbst und dem Adressaten etwas vormachen wollte, um sein eigenes schlechtes Gewissen zu beruhigen. Er hatte nämlich die Vorgaben von Goebbels nur allzu getreu befolgt, so daß der Kommentar der Nationalsozialistischen Rundfunk-Korrespondenz schreiben konnte: „So wächst aus den einzelnen Szenen das Bild einer Welt, wie sie unter der Herrschaft der Londoner Plutokraten geworden ist. Eich hat es verstanden, diesen Sinn des Hörspiels herauszuarbeiten". Die Botschaft, die Goebbels vermittelt sehen wollte, war die, die er in den Frühjahrsmonaten 1940, in denen die Rundfunkkampagne anlief und Eich sich an die Arbeit machte, zu wiederholten Malen in seinen Reden lauthals propagierte:
„Die Plutokratie ist jene Art der politischen
und wirtschaftlichen Führung, in der ein paar hundert Familien,
die alles andere, nur keine sittliche Berechtigung dazu mitbringen,
die Welt beherrschen. Sie beurteilen und behandeln die großen
Völkerprobleme nicht nach den Interessen der Völker,
sondern ausschließlich nach ihren eigenen Geldsackinteressen.
Ihr ganzes Bestreben läuft darauf hinaus, die Völker diesen
Interessen dienstbar zu machen. Sie sind damit eine europäische,
ja, eine Weltgefahr geworden. Diese Art von Plutokratie sehen wir
heute vor allem in England am Werke. Ihr ist unser neuer sozialer
Volksstaat schon auf Grund ihres durchaus kapitalistischen Charakters
ein Dorn im Auge" (28.2.1940).
„Unser Sozialismus [...]
ist sozusagen das diametralste Gegenteil der Staatsund
Wirtschaftsauffassung, wie sie heute noch unter der Herrschaft dieser
Plutokratenschicht in England und Frankreich vorherrschend ist.
Deshalb auch betrachtet diese Plutokratenschicht den
Nationalsozialismus nicht ganz mit Unrecht als einen geistigen und
materiellen Angriff auf ihr System" (17.4.1940).17
Dies ist gewiß Kapitalismuskritik - aber von einer extrem rechten Seite her. Hier bei Eich eine linke, einen auch in Hitlerdeutschland bestehenden Kapitalismus „subversiv" kritisierende Haltung sehen zu wollen, ist ein naives und gefährliches Verkennen der Tatsache, daß sich der Nationalsozialismus, zumal der eines Goebbels, eben auch als „Sozialismus" verstand. Diesen Goebbels'schen Sozialismus propagiert auch die Rebellion. In den Rundfunkzeitschriften der Zeit wird denn auch Eichs Hörspiel wie folgt vorgestellt:
„Unter englischen Plutokraten gilt ein Mensch nur als solcher, wenn er ein Bankkonto von sehr erheblicher Mindesthöhe in Verbindung mit politischem Einfluß aufweisen kann. Wie er dazu kam, ist gänzlich gleichgültig, und sei es auf die schmutzigste Art und Weise gewesen. Hauptsache, der Erfolg ist da. Gleichgültig ist ferner auch, ob an dem Wege zu Reichtum, Macht und Einfluß die Toten zu hunderten liegen. Wer den englischen Plutokraten irgendwie im Wege steht, muß beseitigt werden und wird beseitigt. Welche furchtbaren Methoden britische Plutokraten anwendeten, um aus den südafrikanischen Goldminen noch höhere Erträge zu erpressen, das schildert Günter Eich in seinem großangelegten Hörspiel, das der Deutschlandsender am Mittwoch dem 8. Mai um 21 Uhr sendet. Einen feinen Plan haben sich Mr. Pambroke und Konsorten zur Erreichnung dieses Ziels ersonnen. Da wird man zunächst einmal das Gerücht verbreiten, die Goldbergwerke müßten wegen vollkommener Unrentabilität des Betriebes stillgelegt werden. Die Arbeiter werden dann in große Sorge um ihre Existenz geraten, und dankbar sein, wenn - ,natürlich nur aus Mitleid mit ihrem Los' - die Herren in London das ,Opfer' bringen und die Betriebe aufrecht erhalten. Natürlich geht das nur, wenn man die Löhne der weißen Arbeiter erheblich herabsetzt und sie denen der schwarzen Arbeiter angleicht. Die südafrikanische Regierung ist schnell für die sauberen Pläne gewonnen, denn das Land ist finanziell ruiniert, wenn die Londoner Größen tatsächlich die Betriebe schließen, und ihnen ist alles zuzutrauen. Die betrogenen Arbeiter, die das Schwindelmanöver durchschauen, rebellieren. Man läßt sie erst in Johannesburg alle wichtigen Gebäude besetzen, hat sie nun alle schön im Netz, und läßt sie auf Befehl von Ministerpräsident Smuts durch Militär zusammenschießen. Dreihundert Tote sind das Ergebnis dieser Aktion, aber großzügig, wie die Engländer immer sind, wenn sie ihr Ziel erreicht haben und die mißbrauchte und betrogene Arbeiterschaft wieder brauchen, sind sie gern bereit, die Hand zum Frieden zu bieten. Wer für den nun durchgesetzten Hungerlohn weiterarbeiten will, braucht sich nur zu melden. Trotz des Friedensschlusses werden aber noch unzählige Arbeiterführer aus ihren Wohnungen geholt und auf offener Straße erschossen".18
In einem Experiment sah Karl Karst seine These bewiesen, Eich habe hier ein Stück linker Kapitalismuskritik - und damit eine Kritik an der den nationalsozialistischen Staat unterstützenden deutschen Großindustrie - geschrieben: Er spielte das Hörspiel einer Gruppe von zwölf Personen vor, denen weder der Name des Verfassers noch die Entstehungszeit mitgeteilt worden war. Alle zwölf meinten, es müsse sich bei der Rebellion in der Goldstadt um ein Hörspiel aus DDR-Produktion oder aus linker westdeutscher Feder handeln. Bewiesen sind damit aber eher die genannten heiklen geistesgeschichtlichen Kontinuitäten, die es möglich machten, daß der antiwestliche, antimoderne und anti"kapitalistische" Affekt eine das Links-Rechts-Schema bis zur Ununterscheidbarkeit übergreifende Konstante in den Diskussionen um den deutschen Sonderweg bildet. Dies erlaubte es zahlreichen ehemals Rechtskonservativen, sich nach dem Krieg unter den Linken wiederzufinden. Zu ihnen gehört Günter Eich.
Die von Goebbels angeordnete Anti-England Kampagne, zu der Eich mit der Rebellion beitrug, galt nun spezifisch der Verächtlichmachung jener aus der „Vernunft" geborenen westlichen Werte, in deren Namen England in den Krieg gegen Deutschland getreten war: Demokratie, Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es sollte gezeigt werden, daß das „perfide Albion" diese Begriffe nur zur zynischen Bemäntelung seiner Macht- und Wirtschaftsinteressen im Munde führte, daß sie also hohl waren. Genau das aber tut auch das Hörspiel: Durchweg geht es um die Unterdrückung und Ausbeutung einer vorwiegend irisch-burischen Unterschicht - das heißt zweier in Deutschland wegen ihrer anti-englischen Haltung mit besonderer Sympathie begleiteten Gruppen - durch eine englische Herrenklasse, die es auch noch belustigt, wenn sie ihre mörderische Gewinnsucht ethisch begründen kann: „In der Tat, so hat England immer gehandelt, Indien, Irland, die Buren [...]", ruft der burische Arbeiterführer Pieter hohnvoll aus, als die Regierung Milde, Frieden und Brüderlichkeit zynischerweise exakt in dem Augenblick verkündet, wo sie das Feuer auf die Arbeiter eröffnet. „Und jetzt sind die Deutschen als nächste im Visier", soll der Hörer ergänzen und eine nach einem englischen Sieg drohende Knechtung Deutschlands durch das Empire assoziieren - und nicht etwa die Knechtung der Arbeiterklasse durch deutsche Kapitalisten unter dem nationalsozialistischen Regime, wie man es Eich - zu seiner Exkulpierung - als subversive Intention unterstellen wollte.
Mit der Rebellion war Eichs Rundfunkarbeit im Dritten Reich beendet. Wegen der Umstellung der Rundfunksender auf ein einheitliches Kriegsprogramm war der Hörspielarbeit der Boden entzogen. Für Eich bedeutete das eine große Erleichterung. Denn trotz seiner Affinität, wie sie aufgezeigt wurde, zu manchen Aspekten etwa des Königswusterhäuser Landboten, und trotz der anfänglichen Akzeptanz des Regimes, wurde es ihm schon bald deutlich, daß er nicht ohne innere Beschädigung davonkommen würde. Es soll daher abschließend gezeigt werden, wie jener spätere Eich, der in den fünfziger Jahren wie kein zweiter im Hörspiel zu einer moralischen Instanz werden konnte, allmählich sichtbar wird hinter dem, was bisher als seine Verstrickung beschrieben wurde.
Was Eich in dem eingangs zitierten Brief an Raschke vom 11./14.2. als Möglichkeit entworfen hatte, der Karriere und des Geldes wegen den Regeln der „zweckhaften" Welt zu folgen und doch die eigene Wirklichkeit des innersten Selbst zu bewahren, sollte ihm schon bald zur schmerzhaften Selbstentfremdung geraten. Es beginnt mit der Klage, daß die Rundfunkarbeit ihn davon abhalte, dem zu folgen, was er als seine eigentliche Berufung empfinde: dem Schreiben von Lyrik. Schon am 25.11.1933 heißt es in einem Brief an Kuhnert, der seine finanzielle Zwangslage wegen des Hauskaufes in Poberow verdeutlicht: „Ich habe es restlos satt und will für mich arbeiten. 0 diese verfluchte Villa an der Ostsee!" Aber es ist nicht nur der Zeitmangel, der ihm Mißvergnügen bereitet. Politisches kommt hinzu. Denn am 1. Mai 1934 schreibt er aus Poberow an Ursula und „Addi" Kuhnert: „Ich sitze immer noch über den Gespenstern. Das ist der dümmste Auftrag, den ich je bekommen habe. [...] Wenn man doch von Gedichten leben könnte! Dieser elende Funk, bis hierher verfolgt er einen". Doch dann nimmt der Brief eine seltsame Wendung:
„Nein davon wollen wir nicht weiter reden
[...]. Manchmal interessiert es mich ja auch schon mehr, ob der Ofen
angeht oder nicht (es ist ein gutes und treues Stück) und daß
ich mir morgen Minutenfleisch schmoren will und daß der wilde
Wein von Späth noch nicht gekommen ist und ob ich mir einen
Schuppen bauen lasse und ob das Brunnenbohren Erfolg hat und wie ich
den Jelängerjelieber ausrotte.
Eigentlich sollte ich ja nun
heute mit dem RDS marschieren. Tja...
Heil Hitler und viele
Grüße
Liebe Ursula, nun traue ich mich schon gar nicht
an den Don Quichote heran. Aber kannst Du mir mal schreiben, wie man
Jogurt [sic!] macht?"
Der Witz des Briefes ist das Datum: am 1. Mai, einem hohen nationalsozialistischen Feiertag, hätte Eich eigentlich, wie er schreibt, mit dem Reichsverband Deutscher Schriftsteller (in Berlin) marschieren müssen. Die intensive Beschäftigung stattdessen mit Häuschen und Garten, mit Minutenfleisch und Joghurt - und dazwischen das „Heil Hitler" - das allerdings hat nun doch etwas hintergründig Subversives. „Ein Gauchheil euch allen", schließt ein Brief vom 25.11.1936 mit fast schon „maulwürfischer" Verschmitztheit. Was hier letzten Endes sichtbar wird, ist die ganze Ambivalenz seiner Existenz im Dritten Reich: das Grundstück in Poberow, das er nur bezahlen kann, in dem er sich an den ungeliebten Rundfunk verkauft, wird gleichzeitig zum Refugium vor dessen Zumutungen, einschließlich der politischen. Eichs zeitund weltabgewandte Position, die in der öffentlichen Sphäre, in der systemkonformen Idyllenproduktion des Königswusterhäuser Landboten dem Nationalsozialismus zuarbeitete, schuf sich hier, in der privaten Sphäre, eine politikfreie Nische.
Schon ein Jahr nach Beginn der Reihe, am 9.8.1934, heißt es sarkastisch an Kuhnert: „Meine abgelehnten Manuskripte schicke ich jetzt immer an Baldur von Schirach als Thingspiele". Wieviel Verbitterung sich zu diesem Zeitpunkt schon in ihm angesammelt hatte, erhellt im selben Brief seiner Reaktion auf Kuhnerts „erfolgreich" abgeschlossene Verhandlungen mit dem Rundfunk und damit auf eine Tätigkeit, die Eich ja selbst dort ausübte:
„Ziehe nun ein in die Kochstraße, ein südlicher Fallada [Kuhnert kam aus Franken; A.V.], ziehe mit Pauken und Trompeten bei denen ein, die für Dich keinen Finger gerührt hätten, wenn wir noch in der alten Republik lebten, ziehe ein und sei versichert, daß es nicht Deine Qualität ist sondern ihr Gewinst, ziehe nochmals ein, begrabe Deinen Ehrgeiz und widme Dich der Sparte Gehobene Unterhaltungsliteratur. Dies ganz als Stimme aus der Wüste [...] Bleibe also wirsch, salve, cave canem und nichts für ungut".
Vor welchem „Hund" Eich hier warnt, läßt sich nur ahnen. „Behüte Gott solange!" endet ein Brief an Raschke, in dem Eich gefragt hatte: „was hat der Rundfunk bloß mit uns vor?" - so als wollte er nur halb im Scherz ein Unheil abwehren, das er zu erahnen schien.
Zur Krise, die dann wenige Monate später Werner Pleister vertreiben sollte, kam es 1936. Wegen des zunehmenden politischen Drucks war Eich nicht länger in der Lage, das sorgsam austarierte Gleichgewicht zwischen der „Welt der anderen" und der eigenen, inneren Welt aufrechtzuerhalten; die Selbstentfremdung wird ihm schmerzlichst bewußt.
„Ich sehe ein, daß meine Bemühungen, ein Schriftsteller zu sein, d.h. ein brauchbares Glied der menschlichen Gemeinschaft, vergeblich sind. Ich meine nicht des Geldes oder des Erfolges wegen, - das habe ich ja beides bis zu einem gewissen Grad gehabt und kann es weiter haben. Aber ich werde nie und nimmer glücklich sein in dieser Rolle, das Verbogene in diesem Lebenszustand hält mich ewig in schlechtem Gewissen [Hervorhebung A.V.], jegliche undichterische Betätigung nehme ich mehr oder weniger nicht ernst. Also werde ich mit blauem Augenaufschlag und leicht flatternden Haar auf den Parnaß meiner Jugend zurückkehren. Und meine Gefährten dort werden mir verzeihen, daß ich so lange fort war und daß ich manches Böse über sie gedacht und gesagt habe" (An Kuhnert 18.6.1936).
Eichs Wunsch, „auf den Parnaß meiner Jugend zurückzukehren", d.h. sich ganz der Lyrik zu widmen, verfestigt sich im August zu der kategorischen Mitteilung an Raschke (17.8.): „Ich will mich nun an den Landboten-Sendungen nicht weiter beteiligen". Das blieb jedoch ohnmächtiger Vorsatz, denn schon kurze Zeit später geht er wiederum finanzielle Verpflichtungen ein, die ihn zum Rundfunk zurückzwingen. Am 24.1. erklärt er in einem Brief an Kuhnert:
„Mein alter Wunsch, eine eigene Wohnung, ließ sich bei der Gelegenheit auch verwirklichen und ich bin sehr froh darüber. Ich habe nun zwei Zimmer mit Küche, mit Zentralheizung und warmem Wasser, im alten Westen, nahe dem Lützowplatz, ein paar Schritte von meinem innig geliebten Landwehrkanal. Leider Gottes hat mich die ganze Sache völlig bankerott gemacht und obwohl ich schon horrende Schulden habe, fehlen mir immer noch einige Möbel, die Vorhänge und viele Kleinigkeiten, die zusammen eine Menge Geld kosten. So werde ich mich die nächsten Monate intensiv dem Rundfunk widmen müssen".
Er hatte sich also, der „horrenden Schulden" wegen, in die alte Abhängigkeit zurückbegeben. Sie mußte ihm nun doppelt drückend erscheinen, da er den Bruch seiner Vorsätze als moralische Niederlage empfand. Der Schlüsselsatz zu einem Verständnis des Dilemmas, in dem er sich befand, ist doch wohl das Bekenntnis: „ich werde nie und nimmer glücklich sein in dieser Rolle, das Verbogene in diesem Lebenszustand hält mich ewig in schlechtem Gewissen". Denn was er sich hier zum erstenmal eingestehen muß, nämlich schuldig geworden zu sein, weil er sich verkauft hat, ist schon die Situation des Studienrates Martin Wolburg in Die gekaufte Prüfung. Hier also, 1936, erlebt Eich schon eine jener Grundsituationen, in denen der Mensch über sich selbst zu Gericht sitzt, wie es dann in der Vorbemerkung zu dem späteren Hörspiel heißen wird.
Von entscheidender Bedeutung für sein Werk und damit für den späteren Eich, ist es, daß das „schlechte Gewissen", dessen wahre Ursachen er 1936 ebensowenig öffentlich machen konnte wie 1949, zur eigentlichen Triebfeder seiner literarisch gültigen Produktion wird. Denn Eich projiziert nun, wie er es dann wieder in Die gekaufte Prüfung tun wird, sein Dilemma auf eine Kunstfigur. Vorlage ist Rudolf Brunngrabers Roman Radium, aus dem Jahr 1936, das für Eich zum Krisenjahr wurde. Der Name dieser Figur und die Konstellation, die Eich dann in dem ebenfalls Radium genannten Hörspiel entwickelt, erklärt ein Brief an Kuhnert vom 13. Juli 1936: „Der Parnass, den ich halb ironisch zitierte und den Du mir nun so emsig an den Kopf wirfst, ist ja, lieber Addi, ein merkwürdiges und imaginäres Gebilde. Er kann in meinem bilderlosen Dachzimmer gegenwärtig sein und auf dem Potsdamer Platz, vor der Olympiaschanze wie im Chabanais." Das Chabanais war ein berühmtes Bordell im Paris der zwanziger und dreißiger Jahre, und „Chabanais", also ein sich Prostituierender, heißt nun auch der Lyriker - von Eich zu Brunngrabers Roman dazuerfunden -, der sich in dem Hörspiel (Ursendung 22.9.1937) aus finanzieller Notwendigkeit einer verbrecherischen Großindustrie andient, wider bessere Einsicht Werbetexte für sie verfaßt, bis er, von sich selbst angeekelt, in den Urwald entflieht. Das aber war exakt die Situation Elchs gegenüber dem nationalsozialistischen Regime - nur in den Urwald entfliehen konnte er nicht. Deutlich reflektiert Eich in Chabanais die eigene unglückliche Spaltung in den Lyriker, der er eigentlich sein wollte, und den Regimediener, der er geworden war. Erst wenn er das Unglück der Verstrahlung durch Radium, zu dessen Verbreitung er durch seine Reklameverse beigetragen hatte, zum Thema seiner Dichtung machen kann, schließt sich für Chabanais der Spalt; nur indem er sich zum Propheten von Gottes Zorn macht, kann er sein Vergehen abbüßen:
„Nichts Sinnvolleres gibt es, als die
strahlenden Mädchen zu preisen, dies ist jetzt die Aufgabe des
Dichters. Zünde Kerzen an und überdenke die Strophen. Sei
reinen Herzens und erleuchteter Sinne! Denn es ist die Stunde, da du,
Dichter Julien Chabanais, und du, Reklamemann Julien Chabanais,
endlich zu einer Person euch vereinigt, die Stunde, wo Propagaganda
zur Religion wird. Musik beginnt.
[...]
2. SPRECHER:
Schlecht verwalten wir, was die Erde
uns gab,
und geringe ist, denke ich, die Frist vor dem
Untergang.
Schon gewahre ich den gleichen apokalyptischen Glanz in
vielen Gesichtern
und werde des himmlischen Zorns inne aus
mancherlei Zeichen.
Denkt an die siebzehn leuchtenden
Mädchen!
MEHRERE STIMMEN
Denkt an sie, damit keiner
vergißt,
Wie die Welt voll Sünde und Bosheit ist!
Musik
zu Ende".
(GW II, 183-184)
Die Flucht in den Urwald blieb Eich verwehrt, die Hoffnung, den Reklamemann Eich und den Dichter Eich so zu einer Person zu versöhnen, wie er es sich mit dem Reklamemann Julien Chabanais und dem Dichter Julien Chabanais vorspielt, blieb vorläufig Wunschtraum. Am krassesten sollten beide noch einmal da auseinandertreten, wo Eich am stärksten Reklame macht - für das Regime: in Die Rebellion in der Goldstadt: „Es ist ein jammervolles Werk", heißt es am 20.4.1940 an Kuhnert. „Dennoch hoffe ich stark auf eine baldige Sendung honoraris causa. Mit Anschluß an die Sender sämtlicher inzwischen eroberter Gebiete". Daß er damit wissentlich seiner Ehre als Dichter verlustig ging, macht sein Wortspiel deutlich: honoris causa hatte er sein Hörspiel nicht geschrieben.
„Das Verbogene an diesem Lebenszustand hält mich ewig in schlechtem Gewissen". Wieviel stärker muß dieses Gefühl gewesen sein, als ihm nach Zusammenbruch des Regimes das volle Ausmaß seiner Verbrechen und die Tragweite seiner eigenen Mitläuferschaft bewußt wurden! Es scheint, als habe es für Eich nach dem Krieg nur eine Möglichkeit gegeben, seine Selbstachtung und seine Ehre als Schriftsteller wiederzugewinnen: in dem Versuch, den Spalt zwischen dem Reklamemann und dem Dichter in der Weise zu schließen, wie Chabanais es vorweggenommen hatte, indem er sich nämlich zum Sprecher der Opfer machte, um den Gedanken an sie wachzuhalten, und seine Verfehlung zu büßen. So werden nun Verführbarkeit und Schuldigwerden, oder - spiegelbildlich - Schuld und Leiden anderer auf sich nehmen, um sie zu teilen oder zu mildern, Sühnen und Dienen, die immer wieder variierten Themen seiner Hörspiele nach dem Krieg. Sei es der Persönlichkeitstausch der reichen Ellen mit der armen Camilla in Die Andere und ich (1951), sei es, daß in Zinngeschrei (1955) dem Idealisten, der wie in Radium den Verlockungen des Geldes erliegt, eine Spiegelfigur ersteht, die die Schuld auf sich nimmt, sei es das Dienen an den Leprösen in Das Jahr Lazertis (1953), oder das Teilen der Leiden der Verdammten in Festianus Märtyrer (1958), der in die Hölle steigt: Was in Radium sein Vorspiel hatte, steht mit Die gekaufte Prüfung am Beginn einer exemplarischen Trauerarbeit (Justus Fetscher in bezug auf Günter Eich), wie sie kaum ein zweiter deutscher Autor mit dieser Intensität und Überzeugungskraft geleistet hat.
Eich selbst scheint dieses Bedingtsein seines Nachkriegswerks durch die ehemalige Verstrickung im Gedicht an die jüdische Dichterin Nelly Sachs zu reflektieren. Dort kontrastiert er das Eingeständnis einer zurückliegenden Mitläuferschaft mit seiner späteren Rebellenhaltung und ihrem typischen Aufkündigen allen Einverständnisses; Aufgabe des Dichters ist es nun - wie schon in Radium vorweggenommen -, der Toten zu gedenken und derer, die des Trostes bedürfen:
Schweigt still von den Jägern!
Ich habe an
ihren Feuern gesessen,
Ich verstand ihre Sprache.
[...]
Nein,
wir wollen fremd sein
und erstaunen über den Tod,
Die
ungetrösteten Atemzüge sammeln,
Quer durch die Fährten
gehen
und an die Läufe der Flinten rühren.19
So muß dann wohl gelten: Nicht, weil er sich „irgendwie und makellos" durch das Dritte Reich „gerettet" hätte, wie man es mit Joachim Kaiser gern sehen wollte, sondern weil er sich im Gegenteil verstrickt hatte und sich seiner eigenen Fehlbarkeit bewußt geworden war, konnte Eich zu einem bedeutenden Dichter und Moralisten werden. Nur weil er an sich selbst die „Grundsituation" erfahren hatte, „in der der Mensch über sich selbst zu Gericht sitzt", in der Reflexion über sein eigenes Schuldigwerden, konnte er jene Gestalten schaffen, die seinen Nachkriegsruf begründeten. Erst aus der Einsicht heraus, daß er sich mit seinen mehr als 160 Rundfunkarbeiten im Dritten Reich zum Öl im Getriebe gemacht hatte, gewann Elchs berühmte Forderung: „Seid Sand, nicht Öl im Getriebe der Welt!" ihre beschwörende Kraft. Sollte man nun den frühen Günter Eich für eine Verstrickung verurteilen, ohne die der spätere nicht zu haben gewesen wäre?
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Die Briefe Günter Eichs an Raschke liegen in der Sächsischen Landesbibliothek, die an Kuhnert sind im Besitz des Sohnes Thomas Kuhnert in Ulm, die Briefe an Fehse liegen im Deutschen Literaturarchiv in Marbach, der zitierte Brief an Krolow ist in Krolows Besitz, Darmstadt.
1Günter Eich: Gesammelte Werke. Hrsg. von Karl Karst und Axel Vieregg. Frankfurt a. M. 1991; im folgenden zitiert als GW.
2Glenn R. Cuomo: A Study of Günter Eich's Life and Work between 1933 and 1945. Phil. Diss. Ohio State University 1982; rev. und erw. Buchform: Career at the Cost of Compromise: Günter Eich's Life and Work in the years 1933-1945. Amsterdam, Atlanta 1989.
3Vgl. die dazu gesammelten Aufsätze und Rezensionen in: Axel Vieregg (Hrsg.): Unsere Sünden sind Maulwürfe. Die Günter-Eich-Debatte. Amsterdam, Atlanta 1996.
4Joachim Kaiser: Günter Eich, der Poet, ist gestorben. In: Siegfried Unseld (Hrsg.): Günter Eich zum Gedächtnis. Frankfurt a. M. 1973, S. 83.
5Brief an H. G. Funke vom 28.6.1961. Zit. nach: Wolfram Wessels: Hörspiele im Dritten Reich. Zur Institutionen-, Theorie- und Literaturgeschichte. Bonn 1985, S. 445.
6Hans Dieter Schäfer: Die nichtnationalsozialistische Literatur der jungen Generation im Dritten Reich. In: ders.: Das gespaltene Bewußtsein. Deutsche Kultur und Lebenswirklichkeit 1933-1945. München, Wien 1981, S. 9.
7 Stefan Breuer: Anatomie der konservativen Revolution. Darmstadt 1993.
8Dieser Chor paßt gut zu dem, was Gottfried Benn später in Doppelleben von einer nationalsozialistischen Weihnachtsfeier bei der Armee schreibt: „Weihnachtslieder sind verboten, Wintersonnenwendbetrachtungen dienstlich erwünscht mit Betonung der Erneuerung des Lichts aus dem Schoß der Allmutter Natur".
9Lothar Baier: Literaturpfaffen: Tote Dichter vor dem moralischen Exekutionskommando. In: Freibeuter 57 (Oktober 1993), S. 46.
10Peter Horst Neumann: Die Rettung der Poesie im Unsinn. Der Anarchist Günter Eich. Stuttgart 1981, S. 38.
11Zit. nach: Gerd Eckert: Deutscher Kalender. In: Die Literatur 41 (1938/39), S. 560 f., ohne Angabe des Autors.
12Hermann Glaser: Behagen in der Kultur. In: Universitas 46 (1991) H. 9, S. 834.
13Nachruf „Werner Pleister ist gestorben". In: Die NDR-Zeitung, Nr. 32, Jan./Feb. 1983.
14Wulf Segebrecht: Kann man noch mehr sein als Stein. Günter Eichs Gesammelte Werke' in revidierter Ausgabe. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8.10.1991, SL 20-21.
15E. Hadamovski: Im Rundfunk: Kult des neuen Staates. In: Rufer und Hörer 3 (1933/34) H. 11, S. 504.
16Auf diese Kontinuitäten haben jüngst auf eindringliche Weise Dan Diner (Verkehrte Welten. Antiamerikanismus in Deutschland. Frankfurt a. M. 1993) sowie Richard Herzinger und Hannes Stein (Endzeit-Propheten oder die Offensive der Antiwestler. Reinbek b. Hamburg 1995) hingewiesen.
17Zit. nach: Ulrich Höver: Joseph Goebbels. Ein nationaler Sozialist. Bonn, Berlin 1992, S. 435-436.
18Berlin hört und sieht, Nr. 19 (5.5.1940), S. 5.
19Günter Eich: Wildwechsel, „für Nelly Sachs" (1961). In: GW I, 120.