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Autor: Volmert, Johannes.
Titel: Die Kriegsbotschaft als Justification Speech. Argumentation und Benennungsstrategien in Bushs Fernsehrede vom 16.1.1991.
Quelle: Paul Goetsch/Gerd Hurm (Hrsg.): Die Rhetorik amerikanischer Präsidenten seit F.D. Roosevelt. Tübingen 1993. S. 329-352.
Verlag: Gunter Narr Verlag.
Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Johannes Volmert
Die Kriegsbotschaft als Justification Speech. Argumentation und Benennungsstrategien in Bushs Fernsehrede vom 16.1.1991
The paper explores some exemplary rhetorical devices and techniques in presidential speech in the context of a war message. First of all the structure of the text, i.e. the order of paragraphs and thematic sequences, is examined and shown to be the basis of an overall rhetorical strategy. This approach reveals insights into the persuasive aims and objectives. The greater part of the analysis looks at the calculated so-called strategies of naming political objects employed by the speaker. Three different aspects of this naming are singled out for more extensive analysis: 1. the naming of relevant groups and persons; 2. naming the conflict itself; 3. naming of the actions of the involved opponents. Especially important for persuasive goals are the connotations attached to the use of particular names.
Die Bushrede in der Nacht vom 16. auf 17. Jan. 1991 war eine der meistbeachteten amerikanischen Fernsehreden der letzten Jahre – auch in Europa und besonders in der Bundesrepublik. Es gab ein breites publizistisches Echo in Fernseh- und Rundfunkkommentaren, in Berichten und Diskussionsrunden. Manche Analysen blieben allerdings an der Oberfläche: Wer Bush zustimmte, war beeindruckt, wer seiner Botschaft kritisch oder ablehnend gegenüberstand, bei dem hinterließ sie häufig Unbehagen und Ratlosigkeit.
Wenn man sich zunächst mit dem Redetext beschäftigt, dann die audiovisuelle Präsentation (z.B. auf einem Videomitschnitt 1) untersucht, kann man eine seltsame Diskrepanz zwischen sprachlichen Inhalten und szenischer Präsentation feststellen: Die ganz unpathetische, ernst und besonnen wirkende oratorische Realisierung kontrastiert auf eigenartige Weise mit den stark moralisch getönten, an vielen Stellen auf religiöse Motive rekurrierenden Redepositionen. Die individual-ethische Reflexion einerseits, die politisch-völkerrechtliche Argumentation andererseits verlegen die persuasiven Akte in einen Diskursraum, der nur wenig thematische Berührungspunkte mit den Vorkriegs-Diskursen der amerikanischen und europäischen Öffentlichkeit aufweist.
Das auffälligste Merkmal im Präsidenten-Diskurs ist die Ausblendung fast aller strittigen Fragen und Befürchtungen, die bis dahin die Debatte bestimmten: daß der Krieg vielleicht Hunderttausende von Menschenleben kosten würde; daß ein schneller Sieg der Alliierten keineswegs sicher sei und die kriegerische Entwicklung alle Nachbarländer miterfassen könnte; daß die gesamte Region für Jahrzehnte unter den ökonomischen Folgen und den ökologischen Verheerungen zu leiden haben würde; wie hoch die materiellen und die menschlichen ‘Kosten’ eines solchen Krieges sein könnten und wer sie tragen würde; daß der Krieg letztendlich rein wirtschaftlichen Interessen diene u.v.a.m.
Das alles wird in der Rede höchstens am Rande berührt. Die Erklärung für einen solch restriktiven Zuschnitt komplexer Probleme für eine (notwendige) politische Entscheidung ergibt sich natürlich zunächst aus den persuasiven Intentionen, ‘Faktenlage’ und Problemkonstellation zugunsten der getroffenen Entscheidung zuzurichten. Sie ergibt sich zweitens aus den inhaltlichen, motivlichen und topischen Konventionen, die eine Präsidentenrede in der Funktion der war message zu erfüllen hat.
Im übrigen unterliegt dieser Typus von presidential rhetoric zuvörderst der Verpflichtung, umfassende Begründungen und Rechtfertigungen, die bestimmten Mustern entsprechen müssen, für eine getroffene schwerwiegende Entscheidung zu präsentieren. Unter den notwendigen und hinreichenden Gründen, die ein kriegerisches Handeln der USA rechtfertigen, muß nach traditionellen Normen mindestens einer der drei folgenden sein: 2
Der nationale Notstand, der ‘Verteidigungsfall’ ist eingetreten (so im Ersten und Zweiten Weltkrieg);
das Leben amerikanischer Bürger in feindlichen Staaten ist bedroht; das gilt für viele Anlässe militärischen Eingreifens, wenn andere Begründungen schwer anzuführen sind;
es handelt sich um eine Bedrohung ‘vitaler’ bzw. ‘nationaler’ Interessen ‘Amerikas’; das gilt, mehr oder weniger, für alle Kriegsbotschaften, ist oft aber ein Problem plausibler Beweisführung. 3
Es kann hier nicht weiter auf die vielfältigen Funktionen eingegangen werden, die eine solche Rede für den Präsidenten selbst, für die (symbolische) Legitimation seines Handelns gegenüber Senat und Repräsentantenhaus und gegenüber der amerikanischen Offentlichkeit hat. 4 Dem ist hinzuzufügen, daß die Drohungen oder Handlungen eines ‘Aggressors’ immer auch als Angriff auf die unveräußerlichen Menschenrechte interpretiert werden, als deren legitimer Verteidiger sich ‘Amerika’ seit der Declaration of Independence sieht.
Das erwartbare, obligatorische Ritual, das der commander in chief zu vollziehen hat, ist immer noch mehr als ein leerer Demonstrationsakt, hat weiterhin einen – im Einzelfall schwer abzuschätzenden – Stellenwert für die Erhaltung von Massenloyalität in einer Krisensituation. Dies scheint um so mehr für das Zeitalter der sogen. ‘Fernsehdemokratie’ zu gelten, 5 wo der Präsident seine Adressaten nicht nur mit schriftsprachlich formulierten Argumenten zu überzeugen hat, sondern alle Mittel der oratorischen, gestisch-mimischen und szenischen Politinszenierung für seine persuasiven Intentionen nutzen kann.
Für die Konstruktion der Rede selbst gibt es nach wie vor Spielräume, die der Rhetor kreativ auszufüllen hat (genauer: die Expertenteams und Agenturen, die die Inszenierung des Medienereignisses sprachlich und technisch-organisatorisch vorbereiten). Die erwartbare Rollenkonstellation erfordert
eine Profilierung des Präsidenten als Repräsentant der ‘Nation’;
ein einfach konturiertes, im allgemeinen krass negativ gezeichnetes Bild des ‘Gegners’;
eine Rollenzuweisung für ‘Amerika’ als Vertreterin der gerechten Sache und Führungsnation der freien Welt;
eine Charakterisierung des Parts, den die Alliierten und ‘Freunde Amerikas’ spielen werden, und schließlich
eine Bestimmung der Rolle, die die Unentschlossenen oder mit dem Feind Sympathisierenden in dem ‘Drama’ übernehmen.
Im Vergleich zu früheren ‘Kriegsbotschaften’ bis hin zu Nixon und Johnson fällt an dieser Rede auf, daß sie ein relativ schlichtes stilistisches Erscheinungsbild aufweist, daß sie in Wortschatz, Syntax und Metaphorik weitgehend gelehrte oder intellektuelle Attitüden vermeidet, daß selbst ihre sprachlich-persuasiven Mittel – so scheint es – eher einer ‘Alltagsrhetorik’ entlehnt sind. Die Rede ist, so kann man folgern, konstruiert als eine Botschaft an jedermann, die bis in den letzten Winkel Amerikas für jeden Adressaten verständlich und überzeugend sein soll.
Gleichwohl kann eine genauere Analyse zeigen, daß die thematische und argumentative Konstruktion alles andere als simpel oder improvisiert ist. Sowohl das, was in einer zehnminütigen Rede enthalten sein kann und muß, als auch, wie dies gesagt werden muß, ist bis ins kleinste Detail durchkonstruiert und stilistisch ausgefeilt. Fast alle aufgeführten thematischen Positionen sind notwendige Bestandteile, die dem topologischen Repertoire der presidential rhetoric, wie es in der zweihundertjährigen Geschichte der USA entwickelt worden ist, 6 entnommen sind. Das Arrangement der Topoi und Argumente zeigt allerdings in Bushs Rede eine Stringenz und Perfektion, die in früheren Kriegsbotschaften kaum so anzutreffen ist.
Die Beschreibung der redestrategischen Struktur setzt eine genaue Bestandsaufnahme der inhaltlichen und argumentativen Positionen voraus. In dem Gesamt des Redetextes identifiziere ich 27 Paragraphen (i.S. von thematischen Einzelpositionen), die – wenn auch von unterschiedlicher Komplexität – jeweils in sich inhaltlich geschlossen sind. (In der Abschrift der Pressemeldung von USIS, die im Anhang beigefügt ist, sind diese Paragraphen durch römische Zahlen markiert.) Sie wurden – z.T. in Anlehnung an die Formulierungen der Rede – durch folgende Stichworte charakterisiert:
|
Paragr. |
Thematischer Aspekt / Argument |
|
I |
Redeanlaß: Ankündigung des Luftkrieges |
|
II |
Chronik I: Beginn des Kriegs durch S.H.: Überfall auf Kuwait |
|
III |
Chronik II: Vorkriegsgeschichte; Versuche, den Frieden zu retten |
|
IV |
Militärische Ziele unserer Operationen |
|
V |
Definition der eigentlichen Kriegsziele |
|
VI |
Weiterreichende, ethische Zielsetzung für den Krieg |
|
VII |
Begründung für sofortiges Handeln: ‘Sanktionen waren wirkungslos’ |
|
VIII |
Grausamkeiten des Gegners; Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen |
|
IX |
Weitere Gründe: ‘Gegner beharrt auf Aggression u. Annexion’; Schaden für die Wirtschaft vieler Länder, inkl. des eigenen |
|
X |
Vergeblichkeit aller Friedensbemühungen; ‘die Zeit arbeitete für S.H.’ |
|
XI |
Fazit: Während die Welt wartete, hoffte, betete, traf S.H. Vorbereitungen für den Krieg’ |
|
XII |
‘Beschlüsse d. Kongresses haben S.H. nicht zum Rückzug veranlaßt’ |
|
XIII |
Wiederholte Warnungen – und die unnachgiebige Haltung S.H.s |
|
XIV |
‘Heute stehen Streitkräfte aus 28 Ländern bereit, S.H. zu vertreiben’ |
|
XV |
‘Meine Befehle an die Truppenführer: Schnellstens zum Erfolg zu kommen, bei höchstmöglichem Schutz für die eigenen Truppen’ |
|
XVI |
‘Ich hoffe auf einen kurzen Kampf mit minimalen Verlusten’ |
|
XVII |
Historische Perspektiven für militär. Handeln: Wendepunkt der Geschichte, Chance auf Errichtung einer "new world order" |
|
XVIII |
Unterscheidung von verbrecher. Diktator und schuldlosem Volk |
|
XIX |
‘Dies ist die Stunde der Versuchung, der moralischen Entscheidung’ |
|
XX |
Betonung der Verantwortung für "our sons and daughters"; Bewußtsein und moralische Verfassung der amerikanischen Truppen |
|
XXI |
Zitation und Kommentierung d. Äußerung v. "Hollywood" Huddleston |
|
XXII |
Zitation der Äußerung v. General W. Boomer |
|
XXIII |
Zitation der Äußerung v. J.P. Kendall |
|
XXIV |
Zitation der Äußerung v. Jackie Jones |
|
XXV |
Persönl. Botschaft an die zitierten Soldaten; Dank der Nation |
|
XXVI |
Feierliches Versprechen: ‘Die Truppen kehren zurück, sobald sie ihre Arbeit beendet haben’ |
|
XXVII |
Aufruf zum Gebet für die Soldaten – und für ganz Amerika. |
Ich möchte den thematisch-argumentativen Verlauf und einige der darin enthaltenen Spannungsmomente in groben Zügen nachzeichnen.
Die Rede beginnt mit einer Art Paukenschlag. Die Verkündung der bereits laufenden Luftoperationen führt unmittelbar zum Kern der Kriegsbotschaft, welche lautet: Die Entscheidung für einen militärischen Überraschungsschlag ist gefallen.
Die beiden nächsten Abschnitte bringen allerdings entspannende, beruhigende Momente: Zunächst wird statuiert, daß der Krieg ‘eigentlich’ bereits vor 5 Monaten begonnen habe; die ‘Chronik’(§ III) berichtet von vielen Kontakten und Versuchen, die militärische Auseinandersetzung mit Saddam Hussein zu vermeiden ("month of constant and virtually endless diplomatic activity", Z. 12f) – eine suggestive Ereignis-Montage als Vorkriegsgeschichte.
Zum nächsten rhetorischen Höhepunkt führen die §§ III-VI, und zwar in Form einer dreistufigen Klimax. Auf die Definition der militärischen Nahziele folgt die Explikation der politischen Zielsetzungen (§ V); diese werden überhöht durch die ethischen Fernziele eines neuen Friedens am Golf. Die Dreiheit dieser Positionen enthält zugleich eine Antiklimax: Von der blutigen Dramatik der militärischen Vernichtungsaktionen über die Deklaration von – sehr moderat erscheinenden – Kriegszielen zu den weitreichenden Perspektiven eines friedlichen Zusammenlebens der Völker in der Region.
Die §§ VII bis XI bringen ein breiter angelegtes Plädoyer zur Begründung und Rechtfertigung der Kriegs-Entscheidung des Präsidenten; dieses ist durchsetzt mit (entsprechend präparierten) chronikalischen Elementen, in einer geschickten Mischung politisch-ethischer, ökonomischer und militärischer Argumente. Zentrum und Höhepunkt dieser Sequenz bilden zweifellos die Schilderungen der Grausamkeiten des Feindes und der Verweis auf die Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen des Irak: "He [Saddam Hussein] subjected the people of Kuwait to unspeakable atrocities, and among those maimed and murdered--innocent children" (Z. 51-53).
Rhetorisch und stilistisch gibt es auch hier eine kontrapunktische Struktur. Mit der fünffachen Anapher "While the world waited..." die noch durch andere Verben variiert wird und in dem Halbsatz "While the world prayed for peace ..." ihren rhetorischen Gipfel findet, entwickelt die oratorische Figuration eine gegenläufige Spannungskurve; Bush hat in seinem Vortrag allerdings auf jegliche Emphase bei der verbalen Realisierung dieser pathetischen Figur verzichtet.
Die §§ XII bis XIV leiten thematisch und rhetorisch wieder eine spannungsärmere Phase ein; sie enthalten weitere Explikationen und, als wichtigen und obligatorischen Topos von war messages, den Verweis auf die vielen Warnungen an den ‘Rechtsbrecher’, sich aus dem okkupierten Land zurückzuziehen.
Auch die §§ XV und XVI bringen retardierende, beruhigende Momente, und zwar durch eine Relativierung der Risiken und Gefahren für ‘die Nation’: Der Präsident beteuert seine Sorge um die Soldaten und äußert Zuversicht, daß die Kämpfe nicht lange dauern werden.
§ XVII repräsentiert – im Rahmen der rhetorischen Topologie – zweifellos den Bedeutungsgipfel der Botschaft: Die ethische Rechtfertigung aus einer höheren, überzeitlichen Perspektive, die Vision, daß dieser Krieg nur Übergangsphase zu einer ‘neuen Weltordnung’ sein wird, "an order in which a credible United Nations can use its peacekeeping role to fulfill the promise and vision of the U. N.’s founders" (Z. 104f.).
Dieser Topos ist nicht nur das wichtigste Motiv für die Selbstdeutung ‘Amerikas’ und seiner historischen ‘Mission’ für den Frieden der Welt; er liefert auch eine nicht mehr hinterfragbare, quasi-theologische Rechtfertigung der Kriegshandlung selbst – unbeschadet der Opfer, der Kosten und des möglichen ökonomischen Nutzens für ‘Amerika’.
Weitere Gesichtspunkte (§§ XVIII u. XIX) runden die moralisch-ethische Argumentation ab, und schließlich bildet der Gedanke ‘väterlicher Verantwortung’ für die Söhne und Töchter der Nation (§ XX) die Überleitung zu einer neuen Sequenz von Rechtfertigungs-patterns: die moralische Berechtigung und Unumgänglichkeit des kriegerischen Handelns aus der Sicht und in den Worten der betroffenen Soldaten. Ein in europäischer Rhetorik traditionell kaum verwendetes Moment hat für die angelsächsische Tradition öffentlicher Rede (und Wahrheitsfindung) beträchtlichen Stellenwert: das feste Vertrauen in die Fähigkeiten des common sense (durch ‘gesunder Menschenverstand’ nur unzureichend übersetzt), in gesellschaftlichen Streitfragen die Wahrheit zu erkennen und in Notlagen die richtige Entscheidung zu treffen.
Der Redner kann hier – sicher persuasiv erfolgreich – einfache oder auch prominente Soldaten ‘zu Wort kommen lassen’; ‘Menschen wie du und ich’ können als Autoritäten zitiert werden, wenn es um ‘Lebensfragen der Nation’ geht. Es scheint, als genössen ihre Ansichten beim ‘einfachen Mann’ höhere Glaubwürdigkeit als die Erklärungen von Experten oder politischen Eliten.
Den Abschluß des Redeereignisses bilden drei rhetorische Gesten, die fast obligatorische Elemente der meisten Präsidentenreden sind. Was in unserer Rezeption als säkularisierter Ritus erscheint, wirkt auf amerikanische Zuhörer und Zuschauer weder befremdlich noch aufgesetzt: Nach einer persönlichen Grußbotschaft an die Soldaten und ihre Familien gibt der Präsident ein feierliches Versprechen ab und beschließt die Rede durch eine – bei vielen Rhetoren beliebte – Gebetsformel. Unter Aspekten emotionaler Tiefenwirkung setzt dieses Ritual den persuasiven Schlußpunkt unter den gesamten Redeakt.
Werfen wir noch einen kurzen Blick auf das redestrategische Gesamtkonzept, wie es sich meiner Ansicht nach sehr klar in der Gruppierung und Sequenzierung der verschiedenen thematischen Positionen und in den ‘Clustern’ der Argumente spiegelt. (In der folgenden Übersicht stehen die Großbuchstaben für die einzelnen Sequenzen, die durch Titulierungen inhaltlich und funktional charakterisiert wurden.)
|
|
|
Redestrategisches Konzept |
|
SEQ |
Paragraphen |
Position |
|
A |
(§§ I-III) |
Anlaß; Berechtigung für den Beginn militärischer Operationen |
|
B |
(§§ IV-VI) |
Kriegsziele, -zwecke |
|
C |
(§§ Vll-Xl) |
Moralische Begründung und Rechtfertigung für militärische Aktionen |
|
D |
(§§ XII-XIV) |
Sachrationale Begründung und notwendige Konklusion |
|
E |
(§§ XV-XVI) |
Leitendes Prinzip der Kriegführung; Erfolgsprognose |
|
F |
(§§ XVII-XX) |
Weltgeschichtliche Dimension des
Krieges; Moralische Prinzipien des ‘commander-in-chief’: |
|
G |
(§§ XXI-XXIV) |
Bestätigung der Berechtigung und Notwendigkeit des Krieges durch glaubwürdige Zeugen |
|
H |
(§§ XXV-XXVII) |
Ritueller Abschluß: |
Die Textgestalt als ganze läßt zwei große Blöcke erkennen, die den Eindruck erwecken, als seien hier zwei verschiedene Redeentwürfe kaum modifiziert – miteinander verknüpft worden. Denn bei näherer Betrachtung zeigt sich, daß den beiden relativ geschlossenen Textstücken offenbar eine ähnliche redestrategische Konzeption zugrundeliegt (vielleicht der Auftragsrahmen mit den zentralen patterns an die Ghostwriter?). Der erste Teil folgt einem Rechtfertigungsmodell, das die Begründungen in der Sequenz C (§§ VII-XI) konzentriert; dieses tranformiert die politischen Interessen zum Handeln in eine ethische ‘Vepflichtung zum Handeln’, indem es die Prinzipien für die moralische Legitimation expliziert. Von da führt eine absteigende Linie über die Sequenz D (‘sachrationale Begründung’) zu Sequenz E, die wie ein traditionelles Schlußelement Resümee zieht und Ausblicke eröffnet. Sie nennt das leitende Prinzip der Kriegsführung, verbindet dieses mit Beteuerungen bzw. Versprechen und schließt mit einer – beruhigenden Prognose für die Risiken und die Dauer der Kampfhandlungen.
Hier fehlen eigentlich nur Grußwort und Gebetsformel, um den Redeakt nach erwartbarem Muster zu vollenden. Jedoch setzt die Argumentation im nächsten Paragraphen noch einmal ganz neu ein, d.h. die Eingangssätze könnten der Beginn einer eigenen Rede sein. Wie im ersten Teil führt die Rede auch hier unmittelbar zum Kern des Problems: Nach einem Verweis auf die erfolgreiche Politik des letzten Jahres wird die aktuelle Situation zu einem Wendepunkt der Geschichte stilisiert, der die – einmalige – Chance böte, durch entschlossenes Handeln die Vision von einer besseren, gerechteren, friedlicheren Welt zu erfüllen.
Dieser Topos enthält sehr starke persuasive Mittel, die normalerweise nicht ohne Vorbereitung verwendet werden können: Der Rhetor kann das Selbstbewußtsein der Adressaten kaum stärker aufwerten, er kann kaum wirksamer Identifikationsakte initiieren, als wenn er sich und den Angesprochenen eine so bedeutsame Rolle zuweist und ihrem Handeln eine solche Geschichtsmächtigkeit zuschreibt.
Ansonsten zeigt der Aufbau von Teil II (d.h. die Sequenzen F bis H) eine auffallende Parallelität zu Teil 1: Während den Sequenzen B und C stilistisch-rhetorisch und in thematischer Hinsicht die Sequenz F entspricht, korrespondiert der Sequenz D (‘Sachrationale Begründung und notwendige Konklusion’) in redestrategischer Hinsicht die Sequenz G (‘Bestätigung der Berechtigung und Notwendigkeit des Krieges durch glaubwürdige Zeugen’); schließlich bieten die Sequenzen E und H – mit je eigenen rhetorischen Mitteln – zwei Muster eines rituellen Redeabschlusses.
Ehe einige Beobachtungen zu Etiketts und Etikettierungsstrategien 7 in Bushs Rede vorgestellt werden, soll der mehrdeutige Begriff Etikett für die Zwecke politisch-rhetorischer Textanalyse anhand linguistischer und sozialpsychologischer Merkmale genauer bestimmt werden.
Zunächst wird der Terminus linguistisch definiert: Etiketts sind (potentiell alle) Substantive, die zur lexikalischen Gruppe der Appellativa (oder Gattungsnamen) gehören; ausgeschlossen sind also Eigennamen personaler, lokaler, temporaler und institutionaler Art. 8 Syntaktisch finden sich Etiketts in allen Positionen, in denen Nomina vorkommen können; in bestimmten (idiomatisierten) Adverbialphrasen verlieren sie allerdings oft sowohl ihre lexikalische Vollbedeutung als auch ihre konnotativen, persuasiv relevanten Merkmale und verblassen zu Funktionswörtern (‘zu Hilfe kommen’; ‘auf Kosten von’; ‘auf Grund von’). In diesen Verbindungen sind sie für Etikettierungsstrategien ungeeignet und können bei der Analyse im allgemeinen ignoriert werden. Für eine konnotative Analyse ohne Bedeutung sind auch Maßund Mengenbegriffe, Zahlen und bestimmte einfache Konkreta.
Zweitens ist Etikettierung – als Benennungshandlung – immer auch ein politisch-ideologischer Akt, ganz gleich, ob die Benennung im situativen Sprachhandeln völlig unbewußt, routiniert, kontrolliert oder wohlkalkuliert vollzogen wird. Die eminente Bedeutung von Etiketts für den öffentlichen Diskurs ergibt sich daraus, daß die Ausdrücke immer zugleich Erkennungsmarken für den Sprecher einerseits, für das Besprochene andererseits mitliefern. Sie sind (oft) Indizes für die Gruppenzugehörigkeit von Sprecher und benanntem Objekt; sie steuern die Einordnung des Wahrgenommenen in ein bestehendes kognitives System; wichtiger aber: sie stellen dem Rezipienten Kriterien zur Verfügung, wie die so etikettierten Objekte in die Werthierarchien eines bestehenden – oder neu zu strukturierenden – Weltbildes einzuordnen sind.
Von entscheidender Bedeutung für die Orientierungs-, Zuordnungs- und Bewertungsfunktion von Etiketts sind die mitgeführten konnotativen Merkmale. 9 Darunter verstehe ich mehr oder minder latente, mehr oder minder stabile Assoziationen, die durch den Gebrauch in typischen Situationen eine Verbindung mit der ‘denotativen Bedeutung’, der Kernbedeutung, eingegangen sind. Politische (und andere) Werbung in öffentlicher Kommunikation verwendet – auf kalkulierte Art – bevorzugt Assoziationen, die ihre Wirkung unterhalb der Bewußtseinsschwelle entfalten; damit sind sie wichtige (und zugleich problematische) Instrumente des persuasiven Erfolgs.
Den weiteren, oft strapazierten Begriff der ‘Schlüsselworts’ möchte ich – im Hinblick auf politisch-ideologisch relevantes Benennungshandeln durch den des ‘Etiketts’ ersetzen. Auf eine kurze Formel gebracht, läßt sich definieren: Etiketts fungieren als operative Sprachzeichen öffentlich-persuasiver Rede, welche die Wahrnehmung von Objekten, die Perzeption von Botschaften, die Handlungsdispositionen der Adressaten und schließlich – unter gewissen Bedingungen – das Handeln selbst steuern.
Die mehr als einmal belegten politischen Etiketts, die aus dem Text der Bush-Rede exzerpiert wurden, sollen zunächst, nach Häufigkeit geordnet, tabellarisch vorgestellt werden. Sie werden einer Liste von Etiketts gegenübergestellt, die aus der Rede Präsident Nixons vom 30.4.1970 ("The Cambodian Invasion") 10 zusammengestellt worden sind: (Text d. Bush-Rede: 1.500 Wörter; Text d. Nixon-Rede: 2.400 Wörter).
|
Pos. |
Hfkt. |
ET der Bush-Rede |
Pos. |
Hfkt. |
ET der Nixon-Rede |
|
1. |
15 |
world |
1. |
16 |
decision, -s |
|
2. |
12 |
forces |
2. |
16 |
action, -s |
|
3. |
8 |
nation, -s (ohne UN) |
3. |
15 |
war |
|
4. |
8 |
peace |
4. |
14 |
forces |
|
5. |
7 |
people |
5. |
12 |
nation, -s |
|
6. |
4 |
country, -ies |
6. |
12 |
sanctuaries |
|
7. |
4 |
family, -ies |
7. |
11 |
people |
|
8. |
4 |
force |
8. |
11 |
attacks |
|
9. |
4 |
resolution, -s |
9. |
10 |
men |
|
10. |
4 |
war |
10. |
8 |
area, -s |
|
11. |
4 |
weapon. -s |
11. |
8 |
peace |
|
12. |
3 |
attack, -s |
12. |
7 |
country |
|
13. |
3 |
conflict |
13. |
7 |
lives |
|
14. |
3 |
effort, -s |
14. |
6 |
purpose |
|
15. |
3 |
member |
15. |
6 |
world |
|
16. |
3 |
sanctions |
16. |
5 |
enemy |
|
17. |
3 |
troops |
17. |
5 |
neutrality |
|
18. |
2 |
action |
18. |
5 |
operation, -s |
|
19. |
2 |
arsenal |
19. |
5 |
withdrawal |
|
20. |
2 |
battle |
20. |
4 |
assistance |
|
21. |
2 |
coalition |
21. |
4 |
conference table |
|
22. |
2 |
dictator |
22. |
4 |
difference, -s |
|
23. |
2 |
economy, -ies |
23. |
4 |
effort |
|
24. |
2 |
hope |
24. |
4 |
majority |
|
25. |
2 |
targets |
25. |
4 |
power |
|
26. |
2 |
time, -s |
26. |
4 |
territory, -ies |
|
27. |
2 |
law |
27. |
3 |
aggression |
|
28. |
2 |
neighbor |
28. |
3 |
agreement |
|
29. |
2 |
new world order |
29. |
3 |
capital |
|
30. |
2 |
objectives |
30. |
3 |
defeat |
|
31. |
2 |
operations |
31. |
3 |
freedom |
|
32. |
2 |
president |
32. |
3 |
negotiation, -s |
|
33. |
2 |
progress |
33. |
3 |
one-term President |
|
|
|
|
34. |
3 |
Responsibility |
|
(alle anderen Etiketts sind nur je 1mal belegt) |
35. |
3 |
situation |
|||
|
36. |
3 |
support |
||||
|
|
|
|
(auf den Pos. 37 bis 71. folgen 35 je 2mal belegte Etiketts) |
|||
|
Etiketts – Tokens insges.11 |
228 |
Etiketts – Tokens insges. |
417 |
|||
|
Tokens in Mehrf. Nennungen 12 |
124 |
Tokens in Mehrf. Nennungen |
307 |
|||
|
Types in Mehrf. Nennungen |
33 |
Types in Mehrf. Nennungen |
71 |
|||
|
Tok. in Einf. Nenn. (=Types) |
104 |
Tok. in Einf. Nenn. (=Types) |
110 |
|||
|
Types der Bush-Rede insges. |
137 |
Types der Nixon-Rede insges. |
181 |
|||
Ich möchte aus der Liste der Etiketts, welche im Hinblick auf die persuasive Effizienz der Elemente noch wenig aussagekräftig ist und die bezüglich deren konnotativer Besetzung keinerlei Schlüsse zuläßt, drei Gruppen von Bezeichnungen herausgreifen, die für das Benennungshandeln in der Bush-Rede von Bedeutung sein können. Die erste Gruppe enthält die Etiketts für politische Gruppen und Personen, unterteilt nach Bezeichnungen für die politische Ingroup (‘Amerika’), Bezeichnungen für Bezugsgruppen oder größere Einheiten, denen der Sprecher die Eigengruppe zurechnet, und schließlich Bezeichnungen für die Feindgruppe und ihre Repräsentanten. Die Bestandsaufnahme ergibt folgendes Bild:
|
ET f. die Ingroup |
ET f. Bezugsgruppen |
ET f. die Feindgruppe |
|
nation |
the world (15 Bel.) |
Iraqi People |
|
American people |
nations |
dictator |
|
president |
countries |
this guy |
|
commanders |
neighbor(s) |
henchmen |
|
officers |
allies |
|
|
force, (our) forces |
coalition forces |
|
|
troops |
(Arab) leaders |
|
|
men, servicemen |
government (of Kuwait) |
|
|
comrades in arms |
family of nations |
|
|
sons, daughters |
family of peace-loving nations |
|
Im Vergleich zu vielen anderen Reden findet sich hier eine auffallende Zurückhaltung bei der Etikettierung der Ingroup, des ‘Feindes’ und der Bezugsgruppen. Die Rede enthält nur wenige, überwiegend konnotativ blasse Elemente, und diese erscheinen für eine Markierung der verschiedenen ‘Lager’, im Sinne einer persuasiven Strategie, weitgehend ungeeignet. Die (personalen) Repräsentanten der Ingroup werden lediglich durch Funktionsbezeichnungen angesprochen, die praktisch keine Profilierung durch Hochwert-Konnotate erkennen lassen. Bei der Benennung der Soldaten gibt es zwar eine geringe Variation; aber nur in einem Falle ist das Etikett in einen pathetischen, formelhaften Ausdruck eingebunden ("courageous comrades in arms", § XXV).
Eine ähnliche Abstinenz gibt es bei der Etikettierung der Bezugsgruppen; "nations", "countries" und "allies" verweisen auf diffuse Kollektive, die als Freunde ‘Amerikas’ fungieren; gleichwohl agieren diese abstrakten Größen als anthropomorphe Subjekte: sie ‘hoffen’ auf ein Nachgeben von Hussein, ‘sie warnen’ und ‘fassen’ schließlich ‘den Entschluß zum militärischen Handeln’.
Auffallend ist hier nur die hohe Frequenz von "world" (15 Vorkommen), ein Etikett, das in allen Kontexten ein verantwortungsbewußt handelndes Subjekt bezeichnet: die ‘freie Welt’, die Welt der friedliebenden Nationen mit Amerika als Führungsmacht. In zwei Fällen erlaubt sich der Rhetor auch hier ein traditionales, an Harmonie und Einheit appellierendes Pathos: "family of nations" (§ VI) und "family of peace-loving nations" (§ XVIII).
Noch größere Beschränkung erlegt sich der Rhetor bei der Etikettierung des Gegners auf: people (in: The Iraqi people) kann als wertneutral bzw. höchstens schwach positiv besetzt eingestuft werden, und henchmen (‘Gefolgsleute’ – nicht ‘Henkersknechte’, wie in einer Übersetzung gedeutet wird) scheint mir überwiegend ambivalente Konnotate mitzuführen. Nur das zweimal belegte dictator enthält deutlich negative Wertungen, die allerdings eher auf einer politisch-rechtlichen als auf einer menschlich-moralischen Wertskala angesiedelt sind.
Diese Rede verwendet ein einfaches taktisches Konzept, um der ‘Benennungsnot’ bei der thematisch-argumentativen Behandlung des ‘Gegners’ zu entgehen: Der Repräsentant des feindlichen Staates wird fast ausschließlich mit Namen, in der Mehrheit der Fälle sogar mit seinem ‘Vornamen’, 14 angesprochen. Diese Technik ist eines der wichtigsten Mittel der gesamten Redestrategie. Zusammen mit den übrigen, restriktiven Formen der Etikettierung von politischen Gruppen und Personen gehört sie in das Konzept einer extremen Personalisierung politischer Verhältnisse und des Konfliktgeschehens selbst.
Ein zweiter wichtiger Grund für die starke Zurückhaltung bei der Etikettierung der politischen Kontrahenten ist offenbar in den ethischen Normen zu suchen, denen eine Präsidentenrede in der Funktion der war message unterliegt: Die Tradition verpflichtet den Präsidenten-Redner zu Besonnenheit und Selbstbeherrschung; Hetztiraden gegen den ‘Gegner’ sind verpönt, Verunglimpfungen und Beleidigungen feindlicher Staatsführer sind tunlichst zu unterlassen 15. In der Kennzeichnung der eigenen Rolle muß deutlich werden, daß der Entschluß zum kriegerischen Handeln auf sorgfältigen Überlegungen und Abwägungen beruht. In diesem Kontext haben aggressive Gesten und ein überzogenes Selbstbewußtsein keinen Platz.
Als zweite Gruppe möchte ich das Repertoire der Etiketts herausgreifen, die die Konfliktsituation und die kriegerische Auseinandersetzung selbst näher beschreiben. Auch hier ergibt sich nur eine kurze Liste der verwendeten Bezeichnungen:
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Etiketts für die Konfliktsituation |
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battle (III, XV) |
dispute (XIII) |
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combat (XIX) |
crisis (X) |
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fighting (XVI) |
conflict (II, XVII, XVIII) |
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war (III, XI, XIX, XX) |
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argument (XVIII) |
Zahl und Art der Etiketts ergeben ein – für eine Kriegsbotschaft – untypisches Erscheinungsbild: Lediglich 14 Nennungen (von 228 tokens vorkommender Etiketts) bezeichnen den Sachverhalt, der hier verhandelt und expliziert wird und zu dem Entscheidungen getroffen werden sollen. (Zum Vergleich: gegenüber 4 Belegen in dieser Rede gibt es in der war message Nixons allein 15 Belege von war, dazu eine größere Anzahl anderer konfliktbeschreibender Etiketts.) Dennoch lohnt es sich, kurz einen Blick darauf zu werfen, für welche Denotate und in welcher konnotativen Bewertung diese Etiketts verwendet werden.
Die auf der rechten Seite der Tabelle aufgeführte Gruppe enthält außer war selbst – vier Begriffe, die im Vergleich zu dem erwartbaren blutigen Geschehen als Euphemismen gelten können: dispute, als ‘Streifall’ zwischen zwei Kontrahenten, verlegt das Geschehen – konnotativ – auf eine verbal-argumentative Ebene; die gleiche Strategie gilt für die Benennung durch argument; Benennungen wie ‘Streit/Zwist/Rechtsstreit’ sind metaphorische Entlehnungen aus der Sphäre der Nahkommunikation, der Interaktion in der Kleingruppe. Diese Etiketts verdrängen Vorstellungen von der riesigen Kriegsmaschinerie mit ihren verheerenden Waffen, die soeben in Gang gesetzt worden ist.
Die konnotativen Besetzungen von crisis bewerten das Geschehen als ‘politisch-diplomatische Verwicklungen’, als ‘ökonomisches’ oder ‘allgemeines politisches Sachproblem’. Ahnliche Bewertungen vermittelt das Etikett conflict, wenn hier auch das Moment der ‘Konfrontation zwischen Staaten’ stärker akzentuiert wird. Das Etikett war schließlich, als die allgemeinste und umfassendste Bezeichnung für längere kriegerische Auseinandersetzungen, verbindet mit den Bedeutungsmomenten von crisis und conflict auch starke Assoziationen an Vernichtungswaffen und Bombardierung, an den Tod vieler Menschen, an Massenflucht, Hunger und Zerstörung.
Indessen wird das Etikett nur distanziert oder in der Negation verwendet: einmal als Handlungsvoraussetzung ("Saddam Hussein started this cruel war"; § III) und als Handlungsergebnis, das der dictator Saddam Hussein intendiert ("Saddam prepared for war"; § XI); zum anderen als drohende Gefahr, die die Ingroup erkennt und der sie sich soweit wie möglich entziehen möchte (XIX, XX).
Den vier globalen, euphemisierenden und wertverschiebenden Etiketts stehen drei Bezeichnungen gegenüber, die das Kampfgeschehen selbst konkret benennen: battle, combat und fighting. Alle drei evozieren archaische Assoziationen an einen Kampf ‘Mann gegen Mann’, an Heldenmut, Entschlossenheit und physische Stärke. Sie entwerfen images of war, 16 in denen die amerikanischen Truppen, our troops, men, our sons and daughters, comrades in arms als tapfere Streiter erscheinen, magnificently trained and highly motivated (§ XX). Diese Images des Krieges führen weitab von der Realität der gerade stattfindenden Bombardements, von der anonymen Brutalität der Massenvernichtungswaffen und eines computerisierten, über Satellitenbeobachtung gesteuerten Krieges.
Fazit: Die wenigen vom Rhetor ausgewählten und sparsam verwendeten Etiketts für das Konfliktgeschehen zeigen nach konnotativer Analyse zwei komplementäre Etikettierungsstrategien: auf der einen Seite die Strategie der Euphemisierung und Tabuisierung, auf der anderen Seite ein Heroisierungskonzept, das offensichtlich große persuasive Effizienz besitzt – und nur dem kritischen Beobachter als anachronistisch und rhetorisch überzogen erscheinen mag.
Die Etiketts der dritten Gruppe, die ich für die nähere Betrachtung ausgewählt habe, lassen sich unter der Kategorie ‘Bezeichnungen für Handlungen und Handlungsweisen politischer Kontrahenten’ zusammenfassen. Die Exzerpierung der zugehörigen Ausdrücke und ihre Einordnung nach bezeichnetem Objekt, d.h. ihre Anwendung auf die politisch relevanten ‘Lager’, auf das Handeln der Ingroup, das Handeln der Bezugsgruppen (Alliierten) und das des Gegners, ergibt folgendes Bild:
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H. der Ingroup |
H. der Bezugsgruppe |
H. des Gegners |
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resolute action (III) |
activity (III) |
affront (XXI) |
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attack, -s (I, IV) |
Arab solution (III) |
atrocities (VIII) |
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conquest (XVIII)* |
ditch effort (III) |
brutality (XXII) |
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debate (XII) |
efforts (111, 2x) |
challenge (XXI) |
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liberation (XVIII) |
mission (III) |
contempt (XI) |
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military action (XII) |
progress (III) |
crimes (X) |
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operation (IV, 2x) |
resolutions (III, VI, XII) |
damage (IX) |
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overture of peace (XI) |
sanctions (VII, 3x) |
withdrawal (IX)* |
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meeting (III) |
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prayers (XXVII) |
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progress (XVII) |
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protection (XV) |
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resolution (III) |
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support (XV) |
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use of force (XIV) |
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warnings (XIII) |
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work (XXVI) |
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vision (XVII) |
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promise (XVII) |
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Die mit einem * versehenen Elemente erscheinen nur in negierten Sachverhalten; vision und promise gehören ebensogut zur Ingroup wie zu den Bezugsgruppen. |
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Das Feld der Handlungen und Handlungsweisen politischer Kontrahenten ist lexikalisch und semantisch breiter entfaltet als die zuvor behandelten. Nur das zweimal belegte attack / attacks spricht die Kampfhandlungen direkt an; drei weitere beschreiben – stark abstrahierend und im Hinblick auf das Geschehen euphemisierend – die kriegerische Konfrontation: military action und operation / operations. Die Konnotate dieser beiden Etiketts akzentuieren die technisch-organisatorischen Aspekte der ‘Operationen’. (Als negativ besetztes Element für das Handeln der Ingroup findet sich ein Beleg von conquest; das Ziel einer ‘Eroberung’ wird jedoch bestritten, die unterstellte Absicht deutlich zurückgewiesen.)
Das Wortgruppen-Lexem use by force ist einem anderen Repertoire entlehnt und enthält, so allgemein die denotative Bedeutung gefaßt ist, doch einige Konnotate, die die persuasiven Intentionen des Benennungshandelns erkennen lassen: use of force ist assoziiert mit Momenten wie ‘administrativer Akt’, Handeln der Exekutive, gewaltsame Durchsetzung eines legitimen Anspruchs – mit einer klaren Rollenverteilung: der Vertreter des Rechts, der zur Anwendung von Gewalt gezwungen ist, und der Rechtsbrecher, der keine andere Handlungsalternative zuläßt.
Alle anderen Etiketts bezeichnen Aktivitäten, die die Vertreter der Ingroup im Vorfeld oder Umfeld der kriegerischen Konfrontation durchgeführt haben: debate und resolute action beschreiben demokratische, verantwortungsbewußte Tätigkeiten des Kongresses; overture of peace, resolution, meeting, wamings, (no) progress beschreiben aspektreich die vergeblichen Anstrengungen zur Vermeidung des Krieges; protection und support schließlich benennen ‘Maßnahmen’, welche die Exponenten der Ingroup möglichst vor den Risiken und Gefahren des Krieges schützen sollen.
Daneben finden sich ein Etikett für ein ethisch-motiviertes Handlungsziel liberation (of Kuwait) und – für uns befremdlich im Kontext einer Ankündigung des Luftkrieges – eine Benennung für religiös-rituelles Handeln: our prayers benennt Akte zur Anrufung einer höheren Macht, welche die Akteure der Ingroup und ihr (gerechtes) Tun unter ihre Obhut nehmen soll.
Erwähnenswert ist schließlich noch das Etikett work am Schluß der Rede, das die direkten Kampftätigkeiten resümierend als ‘Arbeit’ bezeichnet. Work evoziert Assoziationen wie: ‘Tätigkeit mit klarem Auftrag’, ‘eine Pflicht, die korrekt und pünktlich zu erfüllen ist’; ‘ein professionelles Tun, das zeitlich und institutionell abgesichert ist’. Work ist wie kaum ein anderes Etikett geeignet, ein Image des Krieges zu entwerfen, das beruhigt, versachlicht und das suggeriert, daß dieses ‘Handwerk’ kein blutiges ist, sondern ein ganz normales, alltägliches. Work ist ein Mittel, das allein durch den Benennungsakt die umfassende Rechtfertigung einer – mit menschlichen Begriffen kaum zu fassenden – Vernichtung menschlicher und materieller Ressourcen liefert.
Auf die Bezeichnungen der Aktivitäten von Bezugsgruppen brauche ich hier nicht weiter einzugehen; sie beschreiben allesamt Bemühungen und Anstrengungen, die von Allierten, von Freunden, von der ‘Welt’ zur Verhinderung des Krieges unternommen wurden.
Von Interesse für jede Analyse der Etikettierungsstrategien ist jedoch, wie der Rhetor die Handlungen des Gegners benennt. Die oben vorgestellte Liste zeigt, daß sich hier ausschließlich negativ besetzte Elemente finden. Bereits die denotative Bedeutung dieser Ausdrücke enthält stark abwertende Merkmale, d.h. der Rhetor setzt hier mehr auf die offenen Formen politisch-moralischer Qualifizierung als auf die subtilen Wirkungen diskriminierender Konnotate. Die durchsichtigen, rational kontrollierbaren Benennungsstrategien machen diese Etikettierung eher zum Instrument einer auf Uberzeugung und Konsens setzenden ‘Beweisführung’.
Allerdings ist einzuräumen, daß sich im Rahmen der Argumentation immer nur punktuelle ‘Verteufelungen’ 17 des Gegners – alle bezogen auf die Person S. Husseins – finden; es gibt lediglich 8 Benennungen für ‘Feindaktivitäten’ (gegenüber 21 für die Handlungen der Ingroup). Schon dieser restriktive Gebrauch indiziert, daß die Etiketts dieser Gruppe nicht Mittel ausgedehnter Tiraden, sondern gezielt verwendete Elemente zur Stigmatisierung des Gegners darstellen.
Im Hinblick auf die methodischen Grundlagen bleibt nachzutragen, daß die Analyse politischer Etiketts nicht in allen Situationen, in allen Textsorten und in allen Sprachen von den gleichen Voraussetzungen augehen kann – auch wenn es sich überall um öffentlich-persuasive Rede handelt. Der Entwurf eines solchen Untersuchungsinstruments ist zugegebenermaßen – von den Beobachtungen an deutscher Politiksprache geprägt. Öffentliche Kommunikation, vor allem Kommunikation in persuasiven Zusammenhängen, geriert sich im deutschen Sprachgebiet seit eh und je als eine quasi-Fachsprache. Es finden sich ausgedehnte Felder terminologischer oder pseudoterminologischer Begriffe, welche häufig mit dem Anspruch einer politischen, philosophischen, ökonomischen oder anderen Fachsprache auftreten. Auch mit diesen Traditionen mag es zusammenhängen, daß politische Rede in Deutschland geprägt ist durch einen gelehrten (und belehrenden) Nominalstil. Die argumentative Struktur dieser Texte beruht oft auf einem Netz von Etiketts, von denen ein großer Teil mehr durch ideologische Konnotationen als durch semantische Eindeutigkeit, d.h. Beschreibungsgenauigkeit, charakterisiert ist. Politikerreden in Deutschland bieten also ein sehr lohnendes Feld, um Etikettierungshandeln und Etikettierungsstrategien zu untersuchen – u.a. zu dem Zweck, die Grundzüge des Weltbildes eines Sprechers bzw. einer Sprechergruppe zu entschlüsseln und seine offenen und vor allem verdeckten persuasiven Absichten zu enthüllen.
Erst in jüngster Zeit gibt es Ansätze zu einer ‘volksnahen’, schlichteren Rhetorik, die immer mehr alltagssprachliche Phraseologismen, Metaphern und Topoi verwendet und dabei passagenweise auf jenen Nominalstil verzichtet, der Politiksprache – in der Wahrnehmung vieler Rezipienten – ihren gespreizten, unverständlichen und kommunikationsfeindlichen Charakter gegeben hat.
Das Englische bietet zunächst vom Sprachsystem her, von der Syntax und der Vielzahl formelhafter Routinen, andere Voraussetzungen. Das betrifft, soweit ich sehe, nicht nur den politischen und forensischen Diskurs, sondern auch andere funktionale Varietäten wie Fach- und Wissenschaftssprachen. Kommerzielle und politische Werbung haben heute – nicht nur in ags. Ländern – weitgehend Abschied genommen von den Vorbildern einer ‘klassischen Rhetorik’. Das gilt besonders für den Nominalstil, der u.a. durch ornamentale Formen und kunstvolle syntaktische Figuren bestimmt ist. Die Bushrede vom 16./17.1.1991 repräsentiert m.E. ein Musterbeispiel der ‘neuen Rhetorik’. In diesem Typ politischer Werbung dominiert der Verbalstil in überwiegend kurzen, einprägsamen Sätzen. Auch zahlreiche syntaktische Routinen dienen der Suggestion einer leicht verständlichen, schnörkellos direkten und plausiblen Beweisführung.
Die vergleichsweise geringe Entfaltung der Bezeichnungsfelder, die zurückhaltende Verwendung von Etikettierungsstrategien sind m.E. die Folge dieses konsequent durchgehaltenen Verbalstils. Gleichwohl liefern die wenigen Types und ihre wohlkalkulierte Verwendung genügend Indizien, um nicht nur die (z.T. verdeckten) Absichten klar herauszuarbeiten, sondern auch das moderne Konzept einer justification speech in Umrissen nachzuzeichnen.18
[Following is a transcript of the president’s statement as delivered:]
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Just two hours ago, allied air forces began an attack on military targets in Iraq and Kuwait. These attacks continue as I speak. Ground forces are not engaged. |
I |
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This conflict started August 2nd when the dictator of Iraq invaded a small and helpless neighbor. Kuwait, a member of the Arab League and a member of the United Nations was crushed, its people brutalized. |
II |
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Five months ago, Saddam Hussein started this cruel war against Kuwait; tonight the battle has been joined. This military action, taken in accord with United Nations resolutions and with the consent of the United States Congress, follows months of constant and virtually endless diplomatic activity on the part of the United Nations, the United States and many, many other countries. Arab leaders sought what became known as an Arab solution, only to conclude that Saddam Hussein was unwilling to leave Kuwait. Others traveled to Baghdad in a variety of efforts to restore peace and justice. Our Secretary of State James Baker held an historic meeting in Geneva only to be totally rebuffed. This past weekend, in a last ditch effort, the Secretary General of the United Nations went to the Middle East with peace in his heart – his second such mission and he came back from Baghdad with no progress at all in getting Saddam Hussein to withdraw from Kuwait. Now, the countries with forces in the Gulf area have exhausted all reasonable efforts to reach a peaceful resolution, have no choice but to drive Saddam from Kuwait by force. We will not fail. |
III |
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As I report to you, air attacks are underway against military targets in Iraq. We are determined to knock out Saddam Hussein’s nuclear bomb potential. We will also destroy his chemical weapons facilities. Much of Saddam’s artillery and tanks will be destroyed. Our operations are designed to best protect the lives of all the coalition forces by targeting Saddam’s vast military arsenal. Initial reports from General Schwarzkopf are that our operations are proceeding according to plan |
IV |
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Our objectives are clear. Saddam Hussein’s forces will leave Kuwait. The legitimate government of Kuwait will be restored to its rightful place and Kuwait will once again be free. |
V |
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Iraq will eventually comply with all relevant United Nations resolutions and then when peace is restored, it is our hope that Iraq will live as a peaceful and cooperative member of the family of nations, thus enhancing the security and stability of the Gulf |
VI |
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Some may ask, Why act now? Why not wait? The answer is clear: The world could wait no longer. Sanctions, though having some effect, showed no signs of accomplishing their objective. Sanctions were tried for well over five months and we and our allies concluded that sanctions alone would not force Saddam from Kuwait. |
VII |
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While the world waited, Saddam Hussein systematically raped, pillaged and plundered a tiny nation – no threat to his own. He subjected the people of Kuwait to unspeakable atrocities, and among those maimed and murdered – innocent children. While the world waited Saddam sought to add to the chemical weapons arsenal he now possesses an infinitely more dangerous weapon of mass destruction, a nuclear weapon. |
XIII |
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While the world waited, while the world talked peace and withdrawal Saddam Hussein dug in and moved massive forces into Kuwait. While the world waited, while Saddam stalled, more damage was being done to the fragile economies of the Third World, the emerging democracies of Eastern Europe, to the entire world, including to our own economy. |
IX |
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The United States, together with the United Nations, exhausted every means at our disposal to bring this crisis to a peaceful end. However, Saddam clearly felt that by stalling and threatening and defying the United Nations he could weaken the forces arrayed against him. |
X |
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While the world waited, Saddam Hussein met every overture of peace with open contempt. While the world prayed for peace Saddam prepared for war. |
XI |
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I had hoped that when the United States Congress, in historic debate, took its absolute action Saddam would realize he could not prevail and would move out of Kuwait in accord with the United Nations resolutions. He did not do that. Instead, he remained intransigent, certain that time was on his side. |
XII |
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Saddam was warned over and over again to comply with the will of the United Nations –leave Kuwait or be driven out. Saddam has arrogantly rejected all warnings. Instead, he tried to make this a dispute between Iraq and the United States of America. |
XIII |
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Well, he failed. Tonight, 28 nations, countries from five continents – Europe and Asia, Africa and the Arab League have forces in the Gulf area standing shoulder-to-shoulder against Saddam Hussein. These countries had hoped the use of force could be avoided. Regrettably, we now believe that only force will make him leave. |
XIV |
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Prior to ordering our forces into battle, I instructed our military commanders to take every necessary step to prevail as quickly as possible and with the greatest degree of protection possible for American and allied servicemen and women. I‘ve told the American people before that this will not be another Vietnam. And I repeat this here tonight. Our troops will have the best possible support in the entire world. And they will not be asked to fight with one hand tied behind their back |
XV |
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I’m hopeful that this fighting will not go on for long and that casualties will be held to an absolute minimum. |
XVI |
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This is an historic moment. We have in this past year made great progress in ending the long era of conflict and Cold War. We have before us the opportunity to forge for ourselves and for future generations a new world order, a world where the rule of law, not the law of the jungle, governs the conduct of nations. When we are successful, and we will be, we have a real chance at this new world order, an order in which a credible United Nations can use its peacekeeping role to fulfill the promise and vision of the U.N.’s founders. |
XVII |
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We have no argument with the people of Iraq. Indeed, for the innocents caught in this conflict, I pray for their safety. Our goal is not the conquest of Iraq. It is the liberation of Kuwait. It is my hope that somehow the Iraqi people can even now convince their dictator that he must lay down his arms, leave Kuwait and let Iraq itself rejoin the family of peace-loving nations. |
XVIII |
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Thomas Paine wrote many years ago- "These are the times that try men’s souls." Those well-known words are so very true today. But even as planes of the multinational forces attack Iraq, I prefer to think of peace not war. I am convinced not only that we will prevail, but that out of the horror of combat will come the recognition that no nation can stand against a world united, no nation will be permitted to brutally assault its neighbor. |
XIX |
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No president can easily commit our sons and daughters to war. They are the nation’s finest. Ours is an all-volunteer force, magnificently trained, highly motivated. The troops know why they’re there. And listen to what they say, for they‘ve said it better than any president or prime minister ever could. |
XX |
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Listen to „Hollywood“ Huddleston, Marine Lance Corporal. He says, "Let free these people so we can go home and be free again." He’s right. The terrible crimes and tortures committed by Saddam’s henchmen against the innocent people of Kuwait are an affront to mankind and a challenge to the freedom of all. |
XXI |
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Listen to one of our great officers out there, Marine Lieutenant General Walter Boomer. He said, „There are things worth fighting for. A world in which brutality and lawlessness are allowed to go unchecked isn’t the kind of world we’re going to want to live in.“ |
XXII |
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Listen to Master Sergeant J.P. Kendall of the 82nd Airborne: "We’re here for more than just the price of a gallon of gas. What we’re doing is going to chart the future of the world for the next 100 years. It’s better to deal with this guy now than five years from now." |
XXIII |
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And finally, we should all sit up and listen to Jackie Jones, an Army Lieutenant, when she says, "If we let him get away with this, who knows what’s going to be next?" |
XXIV |
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I‘ve called upon "Hollywood" and Walter and J.P. and Jackie and an their courageous comrades in arms to do what must be done. Tonight America and the world are deeply grateful to them and to their families. |
XXV |
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And let me say to everyone listening or watching tonight: When the troops we’ve sent in finish their work, I am determined to bring them home as soon as possible. |
XXVI |
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Tonight, as our forces fight, they and their families are in our prayers. May God bless each and every one of them and the coalition forces at our side in the Gulf – and may He continue to bless our nation, the United States of America. |
XXVII |
Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.
1Als Textgrundlage verwende ich das "transcript" von USIS (US-Information Service) Bonn vom 22.1.1991, 10.00 Uhr, das so an die Nachrichtenagenturen weitergegeben wurde. Unter dem Titel "Bush Announces Allied Air Strikes Against Irak, Kuwait" wird zunächst eine kurze, mit Redezitaten angereicherte Agenturmeldung formuliert. Dann folgt das eigentliche "transcript". Eine Abschrift dieses Textes ist im Anhang beigefügt, versehen mit einer Zeilenzählung (in arabischen) und einer Abschnittsnumerierung (in römischen Zahlen); die Abschnitte werden im folgenden – in Anlehnung an den ags. Sprachgebrauch – als Paragraphen bezeichnet. Als Materialgrundlage für die optisch-akustische Analyse dient ein Videomitschnitt der Originalübertragung, die der Sender RTL Plus in der Nacht vom 16. auf 17.1.91 direkt von CNN übernahm.
2Vgl. P. Goetsch, "Kriegsbotschaften amerikanischer Präsidenten seit F.D. Roosevelt", in diesem Band.
3Vgl. u.a. Robert L. Ivie, "Presidential Motives for War", QJS, 60, 1974, 337-345; Philip Wander, "The Rhetoric of American foreign Policy", QJS, 70, 1984, 339-361, hier S. 342f.
4Zahlreiche Studien beschäftigen sich hiermit. Verwiesen sei hier nur auf die Beiträge von Goetsch, "Kriegsbotschaften" und Dörner in diesem Band.
5Vgl. das kritische Fernseh-Feature " ‘Wer die Show hat, hat die Macht.’ Politik und Fernsehen. Teil 1: Amerika", ein Bericht von Klaus Harpprecht, STERN-TV, Sendung des Bayrischen Rundfunks 1983.
6 Vgl.Ivie,"PresidentialMotives";Goetsch",Kriegsbotschaften".
7Die Konzepte des "sprachlichen Etiketts" bzw. der "Etikettierungsstrategien" habe ich in zwei Arbeiten ausführlicher entwickelt und für Analysen öffentlich-persuasiver Rede verwendet. Vgl. L Volmert, Politischer Kommentar und Ideologie. Ein inhaltsanalytischer Versuch an vier frühen Nachkriegszeitungen, Stuttgart 1979; Politikerrede als kommunikatives Handlungsspiel. Ein integriertes Modell zur semantisch-pragmatischen Beschreibung öffentlicher Rede, München 1989.
8Unter Eigennamen temporaler Art verstehe ich Nennungen von Daten oder Zeitabschnitten, z.B. "16.1.91"; unter lokalen Eigennamen Bezeichnungen wie "Europa"; unter institutionellen Eigennamen Bezeichnungen wie "die Vereinten Nationen".
9Vgl.Volmert, Politischer Kommentar, Kap.3.3, 3.7u.3.8.
10Als Textgrundlage dient: Richard Milhous Nixon, "Address to the Nation on the Situation in Southeast Asia, April 30, 1970", Public Papers of the Presidents of the United States.- Richard Nixon. Washington, D.C. 1970, 405-410.
11Unter ‘tokens’ verstehe ich alle vorkommen von Etiketts im lfd. Text, unabhängig von ihrer jeweiligen Flexionsform.
12Als ‘type’ definiere ich die jeweilige Grundform eines im Text (evtl. in verschiedenen Flexionsformen) vorkommenden Etiketts; die Zahl für die types bezieht sich also auf das Vorkommen verschiedener Etiketts, unabhängig davon, wie oft diese im einzelnen belegt sind.
13Das Verfahren der konnotativen Analyse von Etiketts wird in meinen oben erwähnten Arbeiten theoretisch begründet und an Modellanalysen erprobt.
14Dieser Eindruck (Saddam als Vorname, Hussein als Nachname) wird beim amerikanischen und europäischen Durchschnittshörer evoziert, der mit der Namengebung arabischer Männer nicht vertraut ist. Vgl. Wolfgang Hochbruck, Sabine Kröger, “‘The world could wait no longer’: George Bushs Ankündigung des alliierten Luftkrieges auf Irak und Kuwait am 16.1.1991”, Krieg und Literatur / War and Literature (Universität Osnabrück), 4, 1992, H. 7,11-24; hier S. 14f.
15Vgl. Goetsch, “Kriegsbotschaften”.
16Vgl. Ivie, “Presidential Motives”, S. 335f.
17Vgl. die Begriffe ‘god terms’ und ‘devil terms’, die in der amerikanischen Sozialpsychologie geläufig sind. Siehe auch Ivie, ‘Presidential Motives", S. 340f.
18Außer den genannten Arbeiten wurden eingesehen: B. Baskerville, The People’s Voice. The Orator in American Society, Lexington 1979; W.E. Binkley, "The President as a National Symbol", Annals of the American Academy of Political and Social Science, 283, 1952, 86-93; Jane Blankenship, Marlene Fine, Leslie K- Davis; "The 1980 Republican Primary Debates: The Transformation from Actor to Scene", QJS, 69, 1983, 25-36; Karlyn Kohrs Campbell, Kathleen Hall Jamieson, Deeds Done in Words: Presidential Rhetonc and the Genres of Governance; Chicago, London 1990; Murray Edelman, Politik als Ritual. Die symbolische Funktion staatlicher Institutionen und politischen Handelns, Frankfurt 1976; J. Michael Hogan, "Opinion and American Foreign Policy. The Case of Illusory Support for the Panama Canal Treaties", QJS, 71, 1985, 302-317; Robert L. Ivie, "Metaphor and the Rhetorical Invention of Cold War ‘Idealists’ ", CM, 54, 1987, 165-182; Robert L. King, "Transforming Scandal into Tragedy: A Rhetoric of Political Apology", QJS, 71, 1985, 289-301; G. Krell, B.W. Kubbig, Hgg., Krieg und Frieden am Golf. Ursachen und Perspektiven, Frankfurt 1991; George Lakoff, "Krieg und Metapher. Die Rechtfertigung eines Krieges am Golf. Ein Metaphernsystem", Why Spezial (Zs. an der Universität Hannover), Mai 1991, 30-43; Frank Liedtke, Martin Wengeler, Karin Böke, Hgg., Begriffe besetzen. Strategien des Sprachgebrauchs in der Politik, Opladen 1991; Thomas Meyer, Die Inszenierung des Scheins. Voraussetzung und Folgen symbolischer Politik, Frankfurt 1992; DER SPIEGEL, Dokument 2. Der Golfkrieg. Fahrplan einer Weltkrise, Hamburg 1991; Johannes Volmert, " ‘While the world prayed for peace, Saddam prepared for war’. Bushs Fernsehrede zur Eröffnung des Bombenkrieges gegen den Irak", in A. Grewenig, Hg., Inszenierte Information. Politik und strategische Information in den Medien, Opladen 1993; Garry Wills, Under God Religion and American Politics, New York 1990; Theodore Windt, Hg., Presidential Rhetoric: The Imperial Age 1961-1974, Dubuque 1978.