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Autor: Zeitter, Ernst.

Titel: Medienerziehung für Grundschüler - Heidelberger Grundschulmaterialien.

Quelle: Ernst Zeitter (Hrsg.): Medienerziehung für Grundschüler. Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur medienpädagogischen Aus- und Weiterbildung/Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern der Primarstufe. Frankfurt am Main 1995. S. 47-266.

Verlag: Institut für Medienentwicklung und Kommunikation IMK.

Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Autors.



Ernst Zeitter



Medienerziehung für Grundschüler – Heidelberger Grundschulmaterialien

4. Heidelberger Grundschulmaterialien 2

4.1. Entwicklungspsychologische Grundlagen der medienpädagogischen Arbeit in der Grundschule 2

4.2. Medienpädagogische Schwerpunktmaterialien 12

4.2.1. Materialien "Farben - Formen - Klänge. Ein Interaktionsmodell zur kreativen Medienerziehung in der Grundschule" (Grundschule 1) 12

4.2.2. Themenschwerpunkt "Hörfunk" 80

4.2.3. Themenschwerpunkt "Tageszeitung" 107

4.2.4. Themenschwerpunkt "Fernsehen/Film" 133

4.2.5. Themenschwerpunkt "Werbung" 214

4.2.5.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil 236

Zusätzliche Literaturangaben: 239

5. Zusammenarbeit mit der UNESCO 256

6. Ausblick 256

7. Literatur 256





4. Heidelberger Grundschulmaterialien

4.1. Entwicklungspsychologische Grundlagen der medienpädagogischen Arbeit in der Grundschule



Aspekte der Verarbeitung von Medienbotschaften: Sprechen

Der Schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget hat im Zeitabschnitt um das siebte Altersjahr einen einschneidenden Übergang sowohl in der Gefühlswelt wie auch im Denkvermögen von Kindern ermittelt: Die Entwicklungsphase der "vorlogischen Egozentrik" geht zu Ende. In ihr wechselten Ich- und Gegenstandswelt oft kaum geschieden ineinander über, ihre Grenzen waren fließend wie diejenigen von Wunsch-/Traumwelt und Wirklichkeit. Sprache und Denken waren von Vorstellungsbildern stärker geprägt als von den sich erst allmählich entwickelnden Begriffen (vgl. Piaget, 1966, S. 127f). Dabei gilt: "Egozentrik zeigt sich in Wahrnehmen, Denken (Vorstellen), Sprechen und Handeln gleichermaßen" (Oerter, 1987, S. 321).

Beim gesunden Kind setzt nun mit der beginnenden Trennung von Denken und Sprechen eine Phase sich entwickelnder begrifflicher Konsolidierung ein. Spracharbeit geht erst allmählich aus den vorkognitiv freien, fließenden Fügungen von Imagination und Artikulation über in die von Begriffen beherrschten, von Rationalität geprägten sprachlichen Verwendungsmuster des Bewußten.

Piaget hat in seinen ersten Veröffentlichungen zunächst angenommen, die außerordentlich kreative vorlogische Sprachform der kindersprachlichen Egozentrik verschwinde, sozialer Entwicklung unfähig, mit der Phase der begrifflichen Konsolidierung. Nach Piaget entsteht kindliches Gespräch aus dem kollektiven Monolog, einer Kommunikationsform, "bei der jedes (Kind) für sich selbst redet, ohne dem anderen zuzuhören". Piaget ordnet diesen kollektiven Monolog der "egozentrischen Sprache" zu (Piaget & Inhelder 1980, S. 90).

Aber ist tatsächlich ein Sprechen, das ein Sprechen anderer nicht vollbewußt aufnimmt, ihm nicht antwortet, eine von vornherein sozial defizitäre Kommunikationsform? Oder ist dieses "Nicht-Hinhören" in Wirklichkeit nicht vielmehr ein "Nebenbei-Hören", das im Gesprächsakt dem eigenen Sprechen zwar Vorrang einräumt, Neben-bei-Gehörtes aber durchaus auch "nebenbei" mitverarbeitet? Wer von uns kennt aus der Erwachsenenwelt nicht solche Gespräche, etwa auf Parties?

War Jean Piaget hier in seiner negativen Analyse des kollektiven Monologs nicht durch einen Rationalismus negativ gebunden, der meint, nur konzentriertes Sprechen und Hören sei "richtiges Sprechen und Hören"? Wird dabei nicht die spielerisch probierende, durch spontanes Sprechen und Hören, durch Ge- und Mißlingen gekennzeichnete Art kindlicher "Sprachspiele" verkannt? Verwirklicht sich sprachliche Sozialisation bei Kindern nicht auf weiten Strecken im Nebenbei-Hören, auch von Erwachsenenrede, im ahnenden Speichern von Halb-Verstandenem, in dessen Begriffe man allmählich hineinwächst? Wenn das stimmt, dann wird man etwa das Nebenbei-Hören von Radio-sendungen anders beurteilen müssen.

Aus kollektiven Monologen entstehen übrigens auch für Piaget durch "spontanes Antworten" (auf wohl doch Nebenbei-Gehörtes) "keimhafte Gespräche". Kinder, die zunächst im kollektiven Monolog befangen bleiben, bekommen nach den Beobachtungen Piagets doch von anderen manchmal spontan Antwort. Die egozentrisch ich-verfangene Kommunikation wird allmählich zum Du hin aufgebrochen.



Piaget beobachtet eine Entwicklung in Stadien. Auf den kollektiven Monolog (Stadium I) folgt ein Entwicklungsabschnitt beginnender partnerbezogener Sprechakte und Handlungen (Stadium II). Auf dieser Stufe stellt Piaget jedoch unterschiedliche Phasenfolgen fest. Phasenfolge des Typus A entspringt übereinstimmendem Handeln und übereinstimmender Meinung der sich Begegnenden; Phasenreihe B ist Folge gerade fehlender Übereinstimmung, die dennoch zur Kommunikation führt. Zwischen den Verhaltensformen A und B herrscht aber keine strenge Trennung: Sie können Verbindungen miteinander eingehen. Stadium II siedelt Piaget zwischen dem fünften und dem siebten Altersjahr an: In diesem Alter scheinen sich Kinder nicht 'verpflichtet' zu fühlen, über einen Gegenstand oder über ein Ereignis eine konstante Ansicht zu bewahren, so daß eine echte Diskussion und eine Zusammenarbeit im abstrakten Denken, die diese Konstanz voraussetzen, nicht zustandekommen" (Kegel, 1987, S. 104).

Eine sprachliche Entwicklung, wie sie Piaget hier beschreibt, strebt sehr ausgeprägt auf "Zusammenarbeit im abstrakten Denken" auf das "Aufeinandertreffen von begründeten Behauptungen" im Stadium III, also auf die Ablösung einer nur teilweise wortsprachlichen, vorstellungsgesättigten kindlichen Sprache durch ein von Begriffen dominiertes Sprechen hin - ein hoher Preis für eine Angleichung an die Sprech- und Denkformen der Erwachsenen.

Der russische Psychologe und Philologe Wygotski hat Piaget widersprochen. Für ihn ist egozentrische Kindersprache, obwohl in den frühen Phasen noch nicht rational, von Anfang an auch partnerbezogen, sozial. Sie wird deshalb bei einer begrifflichen Konsolidierung des Denkens und Sprechens nicht funktionslos: sie stirbt nicht ab (Wygotski, 1986, S. 20; vgl. Siegrist, 1986, S. 76f.).

Für Wygotski differenzieren sich kindliches Sprechen und Denken, wenn die Entwicklung gelingt, in eine "Sprache für die anderen", die mehr und mehr zur Sprache der Erwachsenen wird, und in eine Sprache für den Sprechenden selbst - in die "innere Sprache", "Die Entwicklung des kindlichen Denkens verläuft vom Sozialen zum Individuellen und nicht vom Individuellen zum Sozialisierten" (Kegel, 1987, S. 106).

Die innere Sprache entwickelt sich zur "stummen Sprache", sie kann weglassen, was einem äußeren Partner mitgeteilt werden müßte, was in der Intimität der Innenkommunikation aber "wortarm" - nicht unstrukturiert - vorausgesetzt werden kann. Innere Sprache wird so zur Sprache der "syntaktischen Vereinfachung", der "absoluten Verdichtung des Gedankens", der "Hegemonie des Sinns über die Bedeutung, des Satzes über das Wort, des ganzen Kontextes über den Satz" (Wygotski, 1986, S. 345).

Dieses innere Sprechen hat Gestattcharakter, es ist imstande, die imaginativen Kräfte kindlicher Egozentrik in sich aufzunehmen und weiterzuentwickeln.



Miteinander sprechen

Für Piaget entwickelt sich etwa vom 8. Altersjahr ab die Fähigkeit zur Zusammenarbeit im abstrakten Denken und zur "wirklichen" Diskussion. Diese Fähigkeiten sind von entscheidender Bedeutung für das Verarbeiten von Hörfunksendungen, die ja oft dialogische Formen haben. Wichtig ist in diesem Zusammenhang die Beobachtung Piagets, Kinder sozialisierten sich in der Begegnung mit Erwachsenen und anderen Kindern in sehr gegensätzlichen emotionalen und kommunikativen Grundsituationen. Die Erwachsenen, vor allem Mutter und Vater, aber auch Verwandte, Lehrerinnen und Lehrer, sind dem Kind in seiner Lebenssituation einerseits sehr nahe, andererseits sehr fern, sehr überlegen. Kinder schwanken zwischen Gefühlen der Identität und der Diversität. Begegnen Kinder einander, erleben sie Ähnlichkeit und individuelle Verschiedenheit: Wieder zwei Pole, zwischen denen die werdende kindliche Persönlichkeit vermitteln lernen muß.

Kinder schwanken dann auch in ihrem verbalen Verhalten: Sie bevorzugen, konfrontiert mit der Überlegenheit der Erwachsenen ebenso wie mit der Gleichartigkeit der Spielkameraden, den "kollektiven Monolog": In beiden Fällen scheint ein Dialog nicht sehr aussichtsreich. Die Nähe des Erwachsenen und die Perspektive auf die Andersartigkeit der Gleichaltrigen fördern dagegen die Diskussion: "Während die Überlegenheit des Erwachsenen die Diskussion und die Zusammenarbeit stört, gibt der Spielkamerad Gelegenheit zu jenen sozialen Verhaltensweisen, die eine echte Sozialisation der Intelligenz bewirken. Umgekehrt, wo die Gleichheit der Spielkameraden das Kind daran hindert, Fragen zu stellen, steht der Erwachsene zur Verfügung und gibt Antwort" (Piaget, 1972, S. 72).

Im Stadium III der kindersprachlichen Entwicklung bilden sich für Kinder etwa nach dem achten Altersjahr also die entscheidenden Fähigkeiten allmählich heraus, Nähe zu nutzen, ohne ihr zu verfallen, Anderssein zu ertragen und zu verarbeiten. Sprache ist das Medium all dieser Reifeprozesse, dieselbe gesprochene und gehörte Sprache, die in den auditiven und in den audiovisuellen Medien mit allen Situationen der Nähe und des Andersseins auf das Kind zukommt.



Bildsehen

Psychologie und Medienforschung haben darauf hingewiesen, daß strukturelle Übereinstimmungen in der vorkausalen Logik zwischen kindlicher Egozentrik, dem Schlaf/ Wachtraum und den Aussagesystemen des Fernsehens und des Films bestehen (vgl. Siegrist, 1986, S. 74f). Diese Übereinstimmungen lassen sich zunächst in der Bilddominanz, in assoziativen anstatt logischen Verknüpfungen und im Gestaltcharakter der Aussage, in der Hegemonie des Sinnes über die Bedeutung, summarisch erfassen.

Kindliche Wahrnehmung erfaßt dabei an den Medienbotschaften von Fernsehen und Film zunächst die in ikonischer Repräsentation gegebenen eher auffälligen Eindrücke der optischen Oberfläche. Auf diesen Eindrücken bauen vor allem Zeichentrickfilme mit Comic-Charakter auf, die Kinder außerordentlich anziehen.

Die tieferliegenden stabilen Merkmale von Laufbild-Botschaften, vor allem deren strukturelle Invarianten, die imaginativ gespeichert werden können, erfahren Kinder in steter Wiederholung während ihres Medienkonsums. Diese stabilen Merkmale führen hin zum korrespondierenden Begriff, zur ausarbeitend entwickelnden, elaborativen Sicherung im Gedächtnis.

Weil erst die begriffliche Verarbeitung es erlaubt, kompliziert Vereinzeltes auf die übergreifende Struktur zurückzuführen und diese formale Erfahrung im Gedächtnis zu speichern, erscheint kindliche Wahrnehmung redundanter, weniger ökonomisch als die des Jugendlichen und des Erwachsenen. Erst allmählich vermindert sich in den Altersjahren von sechs bis acht "die Zentrierung der Aufmerksamkeit auf das Merkmal eines Gegenstandes und das Außerachtlassen anderer" (Oerter & Montada, 1987, S. 422). Dasselbe gilt für die "Zentrierung auf Zustände und die Vernachlässigung der Transformationen, die zu diesen Zuständen geführt haben" (Oerter et al., 1987, S. 424). Ein Verständnis komplexer Interferenzen von Laufbild, Text und Musik erscheint erst in Ansätzen möglich, wenn schrittweise die Zeichensysteme der Fernseh- und Bildbotschaften in ihrem ganzheitlichen Zusammenhang erfaßt werden können.

So führt ikonische Repräsentation bei normaler kindlicher Entwicklung erst allmählich zur Fähigkeit der symbolischen Repräsentation: "Symbolisch wird ein Objekt dann gebildet, wenn man von der Fülle von Einzelkriterien absieht und nur wenige Kriterien speichert, die das Objekt symbolisieren. Ein hervorragendes Mittel der Symbolisierung ist die Sprache" (Oerter, 1980, S. 21), Damit ist von Oerter die dritte Stufe der Bildverarbeitung unseres Leistungskatalogs "Bildsehen" (vgl. S. 21) umschrieben.

Betrachtet man das Problem der Interferenz von Text, Laufbild und Musik bei Fernsehsendungen und Filmen (siehe S. 203f) unter Gesichtspunkten der Denk- und Entwicklungspsychologie, dann scheint es, daß erst in einem verhältnismäßig späten Zeitabschnitt der Kindheit die Fähigkeiten entwickelt werden, Bild-Sprach-Kombinationen angemessen zu verarbeiten.

Versuche der Kombination von Wortreihen mit Bildmaterial bei Kindern und Jugendlichen zwischen dem sechsten und dem neunzehnten Lebensjahr (Oerter, 1980, S. 22f) zeigen deutlich einen Übergang (er muß nicht unter allen Aspekten ein "Fortschritt" sein) von Wahrnehmungskriterien (der sichtbaren "Oberfläche") zu Funktionskriterien (der unsichtbaren begrifflichen Ordnung). Eine "Schwelle" etwa um das neunte Lebensjahr ist zu beobachten. Sie deutet auf die großen Schwierigkeiten dieses Übergangs hin, Etwa vom 13. Lebensjahr ab scheint mit hoher Wahrscheinlichkeit ein in etwa gleichbleibendes Leistungsniveau erreicht, das auch die volle Bewältigung von komplizierteren Bild-Musik-Text-Interferenzen allmählich möglich macht (Oerter, 1980, S. 20f).

Untersuchungen von Karl Hörmann haben gezeigt, daß auch Farbvorstellung und Musikwahrnehmung bei Kindern zwischen dem 7. und dem 10. Altersjahr durch beträchtliche Transformationen gehen. Das gilt für Farbvorlieben, ebenso für die Zuordnung von Farben zu Musikstücken und zu korrespondierenden Emotionen (Hörmann, 1982, S. 156, S. 171, S. 230).

Die Annahme einer "Verarbeitungsschwelle" bei Medienbotschaften etwa um das achte Lebensjahr läßt sich also auf alle den Hörfunk, das Fernsehen wie den Film begründenden Zeichensysteme auf Sprechsprache, Musik und Laufbild erweitern.

Deutlich zeigt sich so in allen Untersuchungen ein Übergang, den man mit der von Piaget und Wygotski beobachteten Transformation kindlich-vorlogischer Egozentrik in eine "Sprache für die anderen" und in eine "innere Sprache" zusammensehen kann, in eine Bewältigung der Polarität von Diversität und Identität.

Es fragt sich allerdings, ob es, vor allem unter dem Einfluß des Fernsehens, bei diesen Transformationen nicht mittlerweile zu beträchtlichen zeitlichen Verschiebungen (Verfrühungen) gekommen ist.

Peter Strittmatter schließt aus einer Zusammenschau neuerer Forschungsergebnisse v.a. aus dem nordamerikanischen Raum, daß ein Bewußtsein formaler Fernseh- und Filmstrukturen (struktureller Invarianten) "normalerweise spätestens mit sieben bis zehn Jahren" (Strittmatter, 1994, S. 183) gegeben ist.

Schulpraktische Erfahrungen, die auch der Herausgeber immer wieder gemacht hat, sprechen dafür, daß Laufbild-Montagen ebenso wie Montagen aus Laufbild, Text und Musik von Kindern und Jugendlichen heute sehr viel früher verstanden werden können, wenn die Schule in ihrem Unterricht geeignete Hilfen und vor allem lust- und interessenbetonte Lernmotivationen anbietet (vgl. Rydin, 1984).

Ein Prozeßschema von Bernd Weidenmann (1988, S. 96) läßt sich auch unter entwicklungspsychologischen Gesichtspunkten interpretieren. Bringt die Darstellung "Bildsehen" (S. 21) Fähigkeiten und Tätigkeiten des Bildverstehens im Sinne eines Wenn-dann-Katalogs in eine geordnete prozessuale Reihenfolge, zeigt Weidenmann, wie in dieser Reihenfolge kognitive und emotionale Energien sinnvoll beansprucht werden (Ökonomie) und gleichzeitig in einer fein differenzierten Inanspruchnahme als psychische Ressourcen geschont bzw. weiterentwickelt werden können (Ökologie).

In dieses Zusammenspiel psychischer Kräfte kann eine recht verstandene Fernseh-/ Film-Erziehung eingreifen, indem sie sich bemüht, benötigte Fähigkeiten der Beobachtung, der Auswahl und des bildlichen Vorstellens zu entwickeln und zu erhalten. Nut Hilfe dieser Fähigkeiten kann Medienerziehung in der Grundschule versuchen, in einem beweglichen, hochentwickelten Bewußtseinssystem kognitive und emotionale Energien in Auswahl und Strukturierung von Medienbotschaften (durch Antizipation und Organisation) so zu Funktionen zu verbinden, daß Stabilität und Anpassungsfähigkeit des Systems auch in späteren Entwicklungskrisen gesichert werden können.

Für alle Schemata des Bildverstehens gilt allerdings ein Einwand. Sie sind in der Regel aus dem Betrachten des stehenden Bildes, nicht für die Verarbeitung des Laufbilds und seiner Dynamik entwickelt. Das unbewegte Bild steht dem Betrachter statisch, zeitlich unbegrenzt zur Verfügung, solange er sich ihm zuwendet. Das Laufbild erscheint dem Zuschauer dynamisch. Es erscheint, eröffnet sich ihm und verschwindet, verweigert sich ihm in demselben zeitlich eng begrenzten Prozeß. Der Betrachter kann nicht "zurückblicken", eine Wiederholung optischer Eindrücke ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Gegen alterstypische Gruppierungen medienanalytischen und medienpraktischen Vermögens bei Kindern und Jugendlichen hat man nicht zu unrecht eingewendet, diese Phasensysteme berücksichtigten nicht oder doch nur unzureichend den Einfluß situativ-individueller Gegebenheiten, etwa des familiären Milieus. Jérôme S. Bruner hat schon vor nahezu zwei Jahrzehnten die Altersentwicklung als Vorbedingung sachgerechten Lehrens und Lernens in Zweifel gezogen: "Wir setzen die Hypothese, daß jeder Stoff jedem Kind in jedem Stadium der Entwicklung in intellektuell redlicher Weise wirksam vermittelt werden kann" (Bruner, 1974, S. 105). Franz Weinert kommt zu dem Schluß, "daß nicht nur das Lernen eine Funktion des Entwicklungsstandes ist, sondern umgekehrt auch der Entwicklungsstand innerhalb bestimmter Grenzwerte eine Funktion des Lernens darstellt" (Weinert, 1974, S. 19).

Weil soziale Bedingungen je individuell einwirken, entstehen gemessen an den Lebensaltersgruppierungen von allgemeinen Entwicklungsstadien in erheblicher Anzahl Verfrühungen und Verspätungen, wenn sich Denkstrukturen, Emotionen, Haltungen und Fähigkeiten herausbilden. Diese Verfrühungen oder Verspätungen relativieren die Aussagen der jeweiligen Stufen- bzw. Phasensysteme so stark, daß eine dogmatische Übertragung auf die Praxis der Medienerziehung fragwürdig wird. Stufenkonzepte sind darüber hinaus für die Unterrichtsplanung zu undifferenziert. Schülerinnen und Schüler, die etwa Piagets Stufe der Zusammenarbeit im abstrakten Denken erreicht haben, unterscheiden sich oft in den stoffspezifischen Voraussetzungen, die für den Unterrichtserfolg mitentscheidend sind (vgl. Krieger, 1988, S. 152).

Entwertet das nun die Stufenmodelle Piagets für die Medienerziehung in der Grundschule? - Keineswegs. Lehrerinnen und Lehrer sollten allerdings in den Fähigkeitsankündigungen der medienpädagogisch relevanten Stufenmodelle Bedingungen sehen, die im Unterricht mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten sind, nicht aber dogmatisch als die alle Schülerinnen und Schüler mit Sicherheit betreffenden Grundlagen vorausgesetzt werden können.



4.2. Medienpädagogische Schwerpunktmaterialien

4.2.1. Materialien "Farben - Formen - Klänge. Ein Interaktionsmodell zur kreativen Medienerziehung in der Grundschule" (Grundschule 1)

4.2.1.1. Zu den theoretischen Grundlagen



Soll Medienerziehung schon in der Grundschule einsetzen? Von Lehrern, auch von Eltern hört man Gegengründe: In Familie und Umwelt wirkten eine Überfülle von Eindrücken auf das Kind ein. Die Medien unserer von der Technik bestimmten Gesellschaft - besonders das Fernsehen - seien an dieser Reizüberflutung mitbeteiligt. Vor allem optische Reize, Botschaften des bewegten Bildes, sehr oft nicht altersgemäß ausgeformt, könnten Unruhe, Konzentrationsschwäche, Lern- und Verhaltensstörungen bewirken. Sollte da die Grundschule nicht ein Schonraum sein, in dem Schülerinnen und Schüler in kindgemäßer Umgebung, abgeschirmt von den störenden Einflüssen vor allem der Massenmedien, dauerhafte Lernhaltungen entwickeln, Kreativität fördern können (vgl. geschichtliche Darstellung bei Tulodziecki, 1989, S. 36f)?



Die Notwehrthese

Ein erster Einwand gegen diese durchaus verlockende Vision einer "kindgerechten" Schule: Die Medien, vor allem die Massenmedien, prägen unsere Gesellschaft in all ihren Bereichen mit. Die Schule kann nicht hoffen, dem Einfluß dieser "Miterzieher" zu entgehen, indem sie diese Medien aussperrt.

In den meisten Familien bestimmen Massenmedien, vor allem das Fernsehen, z.T. Rhythmus und auch Inhalte des Alltags. Eine Schule, die sich dieser Realität verschließt, bewahrt ihre Schülerinnen und Schüler nicht etwa vor dem Einfluß der Massenmedien, sie verwickelt sie nur in Loyalitätskonflikte zwischen Verhaltensnormen der Lehrerin, des Lehrers und dem dazu im Gegensatz stehenden Medienalltag der Familie.

Die Schule muß sich also in einem Akt der Gegenwehr, vielleicht sogar der Notwehr, der Einwirkung dieser Medien stellen.



Nicht Medien der Gesellschaft - die Medien unserer Gesellschaft

Man wird sich diesen Argumenten kaum entziehen können. Trotzdem bleibt unbefriedigt, wer seinen Unterricht nicht ausschließlich auf einen Negativ-Effekt, auf eine Haltung purer Abwehr begründen will. Wer näher zusieht, erkennt im übrigen rasch, daß die Notwehrthese, wo sie Medienerziehung in der Grundschule rechtfertigen will, genau wie die Theorie einer heilen Schulwelt auf fragwürdigen Verallgemeinerungen und auf durch Forschungsergebnisse nicht zu stützenden negativen Kennzeichnungen aufbaut, sobald sie sich den Medien unserer Gesellschaft zuwendet.



Massenkommunikation - nur negativ zu bewerten?

Zunächst ist eine grundsätzlich negative Bewertung der Massenkommunikation - entgegen einem weitverbreiteten Vorurteil - aus den Ergebnissen der Kommunikationsforschung nicht zu belegen. Deutlich wirkt in diesen Negativ-Urteilen noch die Dämonisierung des Begriffes "Masse" nach. Die Forschung hat auf eine Doppelgesichtigkeit im auch heute noch populären Massenverständnis hingewiesen: Einerseits soll "Masse" eine emotionalisierte, bis zum Chaotischen desorganisierte Anhäufung durch Vernunft nicht mehr gesteuerter Individuen sein. Andererseits sieht man den "Massenmenschen" bis hin zur Entpersönlichung den Ordnungszwängen einer bürokratisierten, von Technik beherrschten Massengesellschaft unterworfen. Gemeinsam ist beiden Annahmen nur, daß Wer Individuen in der Anonymität der Masse untergehen (Zeitter, 1987, S. 87f).

Vor beiden Zuständen von Masse hat der Zeitgenosse mit Recht Angst. Diese Angst projiziert er auf die "Massenmedien", denen er folgerichtig eine doppelte Wirkung zuschreibt: Sie stellen Masse als Anhäufung zusammenhangloser, emotionalisierter, durch Vernunft nicht mehr gesteuerter Individuen her, gleichzeitig unterwerfen die Massenmedien ihre Konsumenten indirekt den Zwängen einer bürokratischen Leistungs- und Konsumgesellschaft, indem sie ihnen durch den Sog ihrer Programme Zeit und Überlegung stehlen, die diese Konsumenten besser auf die Änderung ihrer inhumanen Lebensbedingungen verwendet hätten. Massenmedien helfen so angeblich den "Massenmenschen" zu schaffen.

Ein weiteres Argument der Medienkritiker kommt dazu. Elitärer Individualismus kann an Programmen, die in millionenfacher Vervielfältigung, also "massenhaft" angeboten werden, nichts Gutes finden, So etwas muß "uniformieren". "Außenlenkung" bedroht den Menschen. In einer Gesellschaft, die hohen Lebensstandard nur durch Massenprodukte möglich machen konnte, in der Massenprodukte und ihre Konsumenten verwechselbar zu werden drohen, werden Ängste auf Medien übertragen, welche die Gefährdungen dieser Gesellschaft wie Spiegel reflektieren.

Massenkommunikation aber bedeutet aus wertneutraler Sicht zunächst nur, daß eine Großgruppe von Konsumenten im Sinne eines wechselnden Publikums Botschaften eines Massenmediums entgegennimmt.

Setzt man die Grenze von Massenkommunikation - ziemlich willkürlich - bei 200.000 Adressaten an, die ein Medium mit seinen Botschaften mindestens erreichen muß, dann sind viele Taschenbücher Botschaften von Massenmedien, viele Minderheitenprogramme unserer Rundfunkanstalten dagegen nicht. Die Grenze zwischen Massen- und Gruppenkommunikation ist also fließend. Der Wert einer Medienbotschaft kann nicht von der Frage abhängig gemacht werden, wie vielen anderen Adressaten dieselbe Botschaft auch zur Verfügung steht.

Schon einige einfache Grundüberlegungen zeigen, daß Ziel einer Medienerziehung in der Grundschule nicht die Abwehr eines vermeintlich unausweichlichen, vermeintlich grundsätzlich negativen Einflusses der Massenmedien sein kann, eine Abwehr, die dann sehr oft auf entwicklungspsychologisch verfrühte, durch Erfahrung nicht begründbare "Medienkritik" aufbaut.

Ziel einer Medienerziehung in den ersten Klassen der Grundschule muß im Gegenteil die Sensibilisierung der Schülerinnen und Schüler für die Vielfalt medialer Angebote sein, die unsere Gesellschaft mitbestimmen. Aus wachsender Sensibilität heraus muß das Kind nach und nach Maßstäbe individuell wertender Auswahl entwickeln lernen.

Das Kind muß mit behutsamer Hilfe der Eltern- und Lehrerschaft allmählich beurteilen lernen, welche Medienbotschaften es braucht, was ihm im Angebot der Medien zuträglich ist. Eine solche Sensibilität kann nur aus dem konstruktiven Umgang mit den Medien erwachsen, aus praktischer, lustbetonter Erfahrung: Farbe, Form, gesprochene Sprache, Musik und Geräusch, die ja "Teilsprache" vor allem des Fernsehens und des Films sind, sollen in praktischer Tätigkeit, immer auf die Medien bezogen, aber durchaus nicht immer gestützt auf elektronische Medien, erlebt werden (vgl. Siegrist, 1986, s. 60f).

Dabei wird die Medienerziehung in den ersten Klassen der Grundschule Anregungen aus den Lehrplänen vor allem für die Unterrichtsfächer Deutsch, Bildende Kunst, Musik, Heimat- und Sachkunde gerne aufgreifen. In vielen Fällen wird aus diesen Lehrplänen nicht so ohne weiteres ]dar, daß zum Beispiel die Arbeit an gedruckten Texten, daß Bildbetrachtungen, Übungen in der freien Komposition kleiner Musikstücke Aufgaben einer fächerübergreifenden Medienerziehung sein können, weil sie auf die Zeichensysteme hinführen, die vor allem die elektronischen Medien konstituieren.

Ohne kopflastige Belehrung, noch weniger in der Atmosphäre einer säuerlich behütenwollenden Medienkritik - sie richtet sich in den meisten Fällen auch gegen die Konsumpraxis im Elternhaus -, sollen Auswahl und Kombination, die Grundprinzipien der Medienmontage, praktiziert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollen frühzeitig im Medienumgang erkennen: Medien werden gemacht - sie verändern die Wirklichkeit.

Gestaltete Aussage in einem Medienangebot kann uns als Gegenstand unserer Sinneswahrnehmung "anmuten". Vor jeder rationalen Durchdringung erweist sich ihre Erlebnisqualität: Bewußtsein und Vorbewußtsein sind betroffen wie die Gesamtheit der psychischen Funktionen. Dabei prägt sich die Gestalt des Ganzen ein, ehe Teileigenschaften erfaßt und benannt werden können. Wahrnehmungs- und Vorstellungsqualitäten werden erlebbar, die nicht auf einen einzigen Sinnesbereich begrenzt werden können: Die Wärme einer Farbe etwa weckt Vorstellungen der Wärme einer Stimme, das Layout einer Zeitung bestimmt unsere Vorerwartung, was die Qualität ihres Textes anbetrifft, die Dynamik einer Bildkomposition setzt sich unmittelbar um in die Rhythmik eines Melodiebogens: Farben und Formen verbinden sich in unserer Vorstellung mit Klängen (Klaus, 197 1, S. 230f).

Nur eine Medienerziehung, die Eigenart und Leistung aller gesellschaftlich bedeutenden Medien im Blick behält, die immer wieder produktive Verbindungen zwischen diesen Medien herstellt, kann in späteren Lebens- und Entwicklungsjahren bei Schülerinnen und Schülern der Grundschule die Trennung von "Kopf" und "Bauch", eine grundlos abwertende Trennung auch von Schriftlichkeit, Literalität und Mündlichkeit, Oralität überwinden und damit indirekt, aber sehr wirksam, politisch erziehen (vgl. Doelker, 1986, Salomon, 1987).

Medienkompetenz wäre dann, bereits für die Schülerinnen und Schüler der ersten Grundschulklassen, eine sich allmählich aufbauende Synthese von Sehen, Hören, Denken und Sprechen, in einen Wechselbezug von Auswahl und Zusammenfassung, von Analyse und Produktion eingebunden, eine ganzheitliche Fähigkeit, die verhindert, daß kognitive oder emotionale Bewußtseinskräfte im Umgang mit den Medien einseitig die Oberhand gewinnen oder daß ein individuell erst zu findendes Gleichgewicht zwischen Medienkonsum und Medienarbeit schon in der Entwicklung verfehlt wird (vgl. Hamm & Mooren, 1992).

Medienerziehung auf diesem Wege könnte dann schon in der Grundschule die Basis für medienanalytische wie medienkritische Denkprozesse schaffen. Medienkritik kann, wenn sie Medienbotschaften beurteilt und in den Bereich kindlicher Erfahrung einordnet, zur Kritik an den Gesellschaftsbereichen vorstoßen, die von diesen Medienbotschaften betroffen werden (Thema "Werbung"). Diese Bewußtseinsleistungen führen aber, ohne die Grundlage einer kreativen Synthese von Sehen, Hören, Denken und Sprechen, von kritischer Analyse und ihre Mittel reflektierender Medienproduktion schon in der Grundschule später allzu leicht hinein in praxisferne, gefühlsarme, intolerante Überheblichkeit (für den Fall ihres scheinbaren Gelingens) oder in dumpfe Schuldgefühle wegen eines ungesteuerten Medienkonsums (für den Fall ihres Scheiterns).

Experten sprechen in Anlehnung an das Epochendatum der Gutenbergzeit von unserer Gegenwart als von einer Epoche der zweiten informationellen Revolution. Unser Schulsystem steht, wenn es sich mit dieser Problematik auseinanderzusetzen hat, gleichzeitig unter dem Druck einer rapiden Wissensvermehrung. Wenn dieses System nicht rechtzeitig reformiert wird, verstärkt diese Wissensexplosion im Zusammenhang mit dem Angebot nicht mehr überschaubarer Wissensmassen durch neue elektronische Medien die Ungleichheit der Bildungschancen. Es käme nun darauf an, den Heranwachsenden anstatt eines Pakets sehr oft unstrukturierten Wissens, das auf keinen Fall angesichts der Dynamik des Wissenszuwachses je ausreichen kann, Fähigkeiten analytischer Wissensselektion und synthetisierender Wissensorganisation zu vermitteln.

Grundlagen für die Auswahl und Beurteilung von Medienbotschaften, für die ganzheitlich verarbeitende Organisation von Wissens- und Erlebnisangeboten müssen schon in den ersten Klassen der Grundschule geschaffen werden.

Neben eine fast ausschließliche Literalität des gedruckten Worts, so notwendig diese Leitkompetenz ist, hätte eine "audiovisual literacy" der neuen Prozeßmedien zu treten. Auch diese Medien könnten dann zu einem flankierenden, unvermeidbare Defizite der schulischen Wissens- und Lebensvermittlung ausgleichenden Systems werden.



4.2.1.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil



Die Übungen der vorbereitenden Phase setzen sich aus Unterrichtseinheiten der Projektstufe Farben - Formen - Klänge" zusammen. Alle Übungen wurden praktisch erprobt.

Diese Übungen bieten ein Angebot zur Auswahl, das in der nachstehenden Tabelle dokumentiert ist. Welche Fähigkeiten jeweils gefördert werden, zeigt die Spalte "Kreativitätsfaktor nach Guilford". Die nächste Spalte zeigt die Buchseite, auf der die jeweilige Übung in dieser Veröffentlichung zu finden ist.

Viele Unterrichtseinheiten bedürfen nicht einer ganzen Unterrichtsstunde, sondern können in 10 bis 15 Minuten durchgenommen werden. So ist auch eine Kombination mehrerer Unterrichtseinheiten in einer Stunde denkbar.

Kreativität in der Medienanalyse und in der Medienproduktion ist, auch bereits in den Altersjahren der Grundschule, nichts Seltenes oder Außerordentliches. Sie ist "bei jedem Menschen in verschiedenen Ausprägungsformen anzutreffen" (Oerter, 1980, S. 285). Der amerikanische Psychologe J. P. Guilford hat in einer mittlerweile nahezu klassischen Arbeit Kennzeichen für diese Kreativität benannt:

Wortgeläufigkeit (Fähigkeit, rasch viele Wörter zu bilden) Wortgel.

Assoziationsgeläufigkeit (Fähigkeit Synonyme zu bilden, Fähigkeit der Umsetzung in andere und/oder anderssinnige Zeichensysteme) Ass.gel.

Visuelles Gedächtnis Vis.Ged.

Auditives Gedächtnis Aud.Ged.

Ausdrucksfähigkeit (Fähigkeit, Ideen in Worte umzusetzen) Ausdr.f.

spontane Flexibilität (Fähigkeit, gegebenes Material umzufunktionieren) Spont.Fl.

adaptive Flexibilität (Fähigkeit, ein bestimmtes Problem durch ständigen Aspektwechsel zu lösen) Adapt.Fl.

Originalität (Fähigkeit zur Bildung ungewöhnlicher Sinnzusammenhänge) Original.

Visualisierung (Fähigkeit zur Umstrukturierung von gesehenem oder vorgestelltem Material und zur Übersetzung verbaler in optische Ideen) Visualis.

Evaluation (Fähigkeit Produkte realitätsgerecht und nach Maßgabe eigener Erfahrung beurteilen zu können) Evaluat.



Wer über visuelles und auditives Gedächtnis, über Wort- und Assoziationsgeläufigkeit verfügt, kann Medienbotschaften in innerer Kommunikation verarbeiten, die Ergebnisse dieser Arbeit aber auch anderen mitteilen und aus den Mitteilungen der anderen lernen. Adaptive Flexibilität und Originalität verhindern, daß man starren Programmschemata und klischeehaften Sendeinhalten zum Opfer fällt: Wer ichstark und beweglich ist, kann durch mediale Inhalte nicht uniformiert werden. Visualisierung und Evaluation schließlich müssen die zuvor genannten Eigenschaften ergänzen, damit Schülerinnen und Schüler mit Medieninhalten aktiv und selbstbestimmt umgehen können. Diese Anforderungen an Kreativität gehen abgekürzt in die Planungsschemata der folgenden Unterrichtseinheiten ein.

In den Schemadarstellungen der Unterrichtseinheiten werden außerdem folgende Abkürzungen verwendet:



BK Bildende Kunst

D Deutsch

FF Themenschwerpunkt "Fernsehen/Film"

FFK Farben - Formen - Klänge"

FZ Feinziel

GZ Grobziel

HF Themenschwerpunkt "Hörfunk"

HUS Heimat- und Sachunterricht

L Lehrerin, Lehrer

M Musik

n.G. nach Guilford

Sch. Schülerinnen und Schüler

SP Sport

TZ Themenschwerpunkt "Tageszeitung"

UE Unterrichtseinheit

ÜZ Übergreifendes Lernziel

WB Themenschwerpunkt "Werbung"

(Schultz & Zeitter, 1989, S. 29)





Liste der Unterrichtseinheiten aus „Farben – Formen – Klänge“:



Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n. G.

Seite

FFK 02

D/BK


"Wieviele Farben sind in unserem Ranzen?"


Wortgel.


63

FFK 03

D/BK

"Wieviele Farben sind auf dem Bild?“


Wortgel., Original.


64

FFK 04

D/BK

"Welche Farbe paßt zu welchem Wort?"

Vis.Ged.


65

FFK 05

BK

"Immer die gleiche Farbe?“


Wortgel.


66

FFK 06

BK/D

"Ein Bild nur mit schönen Farben?“

"Ein Bild nur mit häßlichen Farben“

Ausdr.f., Visualis.


67


FFK 07

BK/D

"Blumensträuße"


Ass.gel. Wortgel., Ass.gel., Ausdr.f, Visualis.,

69

FFK 08


BK/D

"Abstrakte Bilder"


Vis.Ged. Wortgel., Ass.gel., Ausdr.f, Original., Visualis.

70

FFK 09

BK/D

"Bilder aus dem Gedächtnis beschreiben“


Vis.Ged., Wortgel., Ausdr.f.

71

FFK 10


BK/D

"Trockener und kühler Garten“


Ausdr.f. Wortgel., Ass.gel., Vis.Ged., Ausdr.f,

72

FFK 11

BK/D

"Was soll das sein?"

Spont.Fl., Original. Ass.gel., Ausdr.f,

74

FFK 12

BK/D

"Falsche Farben?"


Spont.Fl., Original. Original., Ass.gel.,

76

FFK 13

BK

„Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen"


Spont.Fl. Ass.gel., Spont.Fl.,

77

FFK 14

BK/D

„Farbstimmungsbilder zu einer Geschichte"


Visualis.


79

FFK 15

BK/D/HUS

"Verkehrszeichen"


Spont.Fl., Ausdr.f Visualis.

80

FFK 16

BK

"Das sieht ja ganz anders aus!"



81

FFK 17

D

"Was passiert da?"


Evaluat. Ass.gel., Ausdr.f.,

82

FFK 18

BK

“Wenn die Farbe fehlt”

Spont.Fl.


83

FFK 19

BK/D

"Stummfilm"


Vis.Ged., Visualis., Wortgel., Spont.Fl.,

84

FFK 20

BK/D

"Wir malen eine Kulisse"


Original. Ass.gel., Spont.Fl.,

85

FFK 21

BK/D

"Verkleiden"

Visualis. Ass.gel., Vis.Ged., Spont.Fl., Original., Visualis.

86




Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

FFK 22

BK

"Wir verändern einen Raum mit Licht"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Original.,

Visualis.

87

FFK 23

SP/M

"Wörter durch Körperbewegung darstellen“

Spont.Fl., Visualis.

88

FFK 24

M/D/

SP

"Wörter auf Musikinstrumenten spielen"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Spont.Fl., Evaluat.

89

FFK 25

BK/D

"Wörter mit Farbstiften malen"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Visualis.,

Evaluat.

90

FFK 26

D/M

"Mein Lieblingsspielzeug"

Ausdr.f

91

FFK 27

D/HUS

„Fernsehansage“

Ausdr.f, Vis.Ged.,

Visualis.

92

FFK 28

M/D

"Klänge zu Gefühlen“

Adapt.Fl., Original-,

Aud.Ged., Spont.Fl.

93

FFK 29

M/D

"Musik erraten"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Wortgel.

94

FFK 30

M/D

"Ein Lied mit Löchern!“

Aud.Ged.

96

FFK 31

D/M

Mit Musikinstrumenten erzählen"

Aud.Ged., Original.,

Spont.Fl., Ausdr.f,

Evaluat.

97

FFK 32

D

"Musiken für verschiedene Filmtypen“

Evaluat., Adapt.Fl.,

Aud.Ged.

98

FFK 33

D/M

"Geräusche erraten"

Aud.Ged.

99

FFK 34

M/BK/D

"Geräusche malen“

Ass.gel.

100

FFK 35

D/M

"Geräusche im Klassenzimmer produzieren"

Original., Aud.Ged.

101

FFK 36

D/M

"Wir produzieren Geräusche"

Spont.Fl., Original.

103

FFK 37

M

"Hör-Orte"

Aud.Ged.

104

FFK 38

D/SP/

M/BK

"Mini-Multi-Media-Show“

Spont.Fl., Visualis.,

Ass.gel., Ausdr.f,

Aud.Ged., Original.,

Evaluat.

106

FFK 39

BK/D/

M

"Videofilm zu einer Geschichte"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

visualis,

107

FFK 40

D/BK/M

"Wir produzieren einen Videofilm"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Visualis.

110



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 01

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Wieviele Farben sind in unserem Ranzen?"

Farbbegriffe aus der Realität.

Wortgel


ÜZ:

Observation, Reflexion.



GZ:

Farbqualitäten der Lebenswirklichkeit benennen können.



FZ-

Farbqualitäten an gewohnten Gegenständen kennen und benennen können.



Beschreibung:

L. läßt alle Farbstifte und Kreiden, ggf auch Wasserfarbkästen, aus dem Ranzen holen. An der Tafel ist ein großer weißer Karton befestigt. Die Kinder nennen die Farben und schreiben den Farbbegriff auf den Karton, und zwar mit der entsprechenden Farbe. Die Klasse achtet darauf, daß keine Farbe doppelt angeschrieben wird.

Zum Schluß wird die Anzahl der Farben ermittelt.



Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch

.



Materialien und Medien:

Als Hausaufgabe die Kinder daran erinnern, Farbstifte, Kreiden und Wasserfarben mitzubringen.




Rückgriff auf vorherige UE:

-



Weiterführung:

FFK 02: "Wieviele Farben sind auf diesem Bild?"

FFK 03: "Welche Farbe paßt zu welchem Wort?“




Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 02

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Wieviele Farben sind auf dem Bild?"

Farbbegriffe im Medium.

Wortgel.

Original.


ÜZ:

Observation, Reflexion.



GZ:

Farbbegriffe der Medienwirklichkeit bestimmen können.



FZ:

Farbqualitäten in Medienwirklichkeiten differenziert und schöpferisch benennen können.



Beschreibung:

Ein geeignetes Dia oder Poster wird an die Wand projiziert/geheftet. Die Kinder benennen die Farben und bezeichnen sie mit Farbgrundbegriffen. In einem zweiten Durchgang werden die Farben genauer bestimmt, z.B. "flaschengrün". Nun werden die Kinder angehalten, neue Farbbegriffe selbst zu erfinden; auch wenn sie unkonventionell sind, z.B.: "panther-rosa..." Vgl. Fernsehserie "Der rosarote Panther".



Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien:

Dia oder Poster oder großes Kalender-Kunstblatt, am geeignetsten dürfte ein modernes, abstraktes Bild sein.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 01: "Wieviele Farben sind in unserem Ranzen?"




Weiterführung:

FFK 03: "Welche Farbe paßt zu welchem Wort?"

FFK 04: "Immer die gleiche Farbe und doch anders"

FFK 07: "Blumensträuße"

FFK 08: "Abstrakte Bilder"









Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 03

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Welche Farbe paßt zu welchem Wort?"

Vis. Ged.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Mediale Artikulation.



GZ:

Zusammenhang von Farbe, Farbbegriff und Schriftwort erkennen.



FZ:

Farben und Farbbegriffe zuordnen können.



Beschreibung:

1. Lernschritt mit der ganzen Klasse: Den Kindern werden jeweils Farbkärtchen gezeigt, sie bezeichnen die Farbe; der Farbbegriff wird an die Tafel geschrieben.

2. Paar- oder Gruppenarbeit: Je ein Paar, eine Gruppe erhält einen Satz Farb- und Wortkärtchen. Sie sortieren Farben und Farbbegriffe nach ihrer Zusammengehörigkeit.



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit.




Materialien und Medien:

Mehrere Sätze Farb-Wort-Kärtchen (von L. herzustellen).




Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 01: "Welche Farben sind in unserem Ranzen?"

FFK 02: "Wieviele Farben sind auf diesem Bild?"




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 04

Kreativitätsfaktor n. G.

BK

Thema


"Immer die gleiche Farbe?"

Wortgel.


ÜZ:

Observation, Medienproduktion.



GZ:

Erkennen, daß Beleuchtung Farbeindrücke

Verändert



FZ:

Farbqualitäten durch Beleuchtung verändern

können.



Beschreibung:

Farbkarten werden mit Taschenlampen beleuchtet. Die Kinder beschreiben den Hell-Dunkel-Effekt.

Die Kinder bemalen ein Zeichenblatt mit derselben, frei gewählten Farbe, die sie in Hell-Dunkel-Abstufungen mischen, Auf dem Zeichenpapier setzen sie die Farb-Abstufungen in Streifen nebeneinander, Am besten eignet sich die Farbe Grün, denn da können besonders viele Erfahrungen beim Mischen gemacht werden.



Variation:

-




Arbeitsformen


Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.



Materialien und Medien:

Taschenlampen, Farbkarten, Zeichenpapier,

Wasserfarben, mittlerer Pinsel.



Rückgriff auf Vorherige UE:

FFK 01: "Wieviele Farben sind in unserem Ranzen?"

FFK 01 "Wieviele Farben sind auf dem Bild?"




Weiterführung:

FFK 05: "Ein Bild mit nur schönen Farben"

FFK 06: "Ein Bild mit nur häßlichen Farben"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 05

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Ein Bild nur mit schönen Farben"

Farben, die positive Gefühlslagen ausdrücken.


Ausdr.f.

Visualis.


ÜZ:

Observation, Mediensensibilisierung, Medien-

produktion.




GZ:

Sinnqualität von Farben erleben und ausdrük-

ken können.




FZ:

Positive Stimmungen in Farben ausdrücken

können.




Beschreibung:

L.: "Wir malen heute ein Bild, auf dem nur

schöne Farben zu sehen sind."

Hier müssen die Kinder völlige Entschei-

Dungsfreiheit haben, subjektive Farbwahlen

sind immer zu akzeptieren. In Hinsicht auf

diese Farbwahlen gibt es im Unterrichtsge-

spräch kein "richtig" und "falsch".

Diese Aufgabe baut auf den Farbpyramiden-

test von Heiß & Halder (1975) auf




Variation:

-




Arbeitsformen:

Stillarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Zeichenblätter DIN A 3, Wasserfarben, breite

Pinsel.




Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

FFK 06: "Ein Bild nur mit häßlichen Farben"

FFK 10: "Trockener und kühler Garten"

FFK 13: Farbkärtchen zu Stimmungssätzen

Legen"

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"






Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 06

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Ein Bild nur mit häßlichen Farben" - Farben, die negative Gefühlslagen ausdrücken.

Ausdr.f

Visualis.

Ass.gel.


ÜZ:

Observation, Mediensensibilisierung, Medienproduktion.



GZ:

Sinnqualität und Bedeutung von Farben erleben und ausdrücken können.



FZ:

Negative Stimmungen in Farben ausdrücken können.



Beschreibung:

L.: "Wir malen heute ein Bild, auf dem nur häßliche Farben zu sehen sind."

Hier muß sich L. jeder Manipulation enthalten; es gibt im Unterrichtsgespräch nur subjektiv richtige Lösungen.

Diese Aufgabe baut auf dem Fartpyramidentest von Heiß & Halder (1975) auf




Variation:

-




Arbeitsformen:

Stillarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien:

Zeichenblätter DIN A 3, Wasserfarben, breite Pinsel.




Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 05: "Ein Bild mit nur schönen Farben"



Weiterführung:

FFK 10: "Trockener und kühler Garten"

FFK 13: Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 07

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Blumensträuße"


Wortgel.

Ass.gel.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Artikulation.


Ausdr.f

Visualis.


GZ:

Gegenstände im Medium (Bild) nach Farbe und Form beschreiben können.

Vis.Ged.


FZ:

Gegenstände der gleichen Kategorie (hier: Blumen und Vasen) vor allem nach Farbtönen und Formen unterscheiden können.



Beschreibung:

Eine Reihe von Bildern gleicher Thematik (Blumensträuße) wird an die Tafel geheftet und numeriert. Jedes Kind nimmt sich ein Bild zur Beschreibung vor und beschreibt es der Klasse, die das Bild errät. Das heißt, mehrere Kinder beschreiben dasselbe Bild. Im Vergleich kommt es zu Ergänzungen und Korrekturen.



Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien:

Bilder von Blumensträußen, groß genug, um an der Tafel gezeigt zu werden.




Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 02: "Wieviele Farben sind auf diesem Bild



Weiterführung:

FFK 08: "Abstrakte Bilder"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 08

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:


"Abstrakte Bilder"

Wortgel.

Ass.gel.


ÜZ:


Observation, Reflexion, Artikulation.

Ausdr.f.

Original.


GZ:

Optische Eindrücke differenziert nach Farbe

und Form beschreiben können.


Visualis.


FZ:




Abstrakte Bilder nach Farbe und Form be-

schreiben können.



Beschreibung:

Etwa sechs abstrakte Bilder (Kalenderblätter, Poster) werden an der Tafel befestigt und numeriert. L. beginnt damit, ein Bild zu beschreiben, vor allem nach Farbe und Form.

Die Kinder sollen das betreffende Bild erraten. Der "Gewinner" darf weiter beschreiben usw.



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Bildbetrachtung.




Materialien und Medien:

Abstrakte Bilder, groß genug, um an der Tafel gezeigt zu werden.




Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 02: "Wieviele Farben sind auf dem Bild"



Weiterführung:

-







Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 09

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Bilder aus dem Gedächtnis beschreiben"

Vis.Ged..

Wortgel.


ÜZ:


Observation, Imagination, Artikulation.

Ausdr.f


GZ:

Sich Bildinhalte einprägen und sie sprachlich

wiedergeben können.



FZ:

Bilder genau betrachten, erinnern und be-

schreiben können.



Beschreibung:

L. verteilt beliebige Kunst-Reproduktionen.

Jedes Kind schreibt auf der jeweiligen Rückseite seinen Namen.

Die Kinder prägen sich die optischen Inhalte der Bilder ein. Darin werden die Bilder eingesammelt.

Die Bilder werden gemischt und diesmal an Gruppen verteilt. Nacheinander beschreiben die Kinder das Bild, das sie sich eingeprägt haben. Die Gruppen überprüfen, ob die beschriebenen Bildinhalte in den ihnen vorliegenden Bildern aufzufinden sind.

Sehr gut geeignet sind Kunstpostkarten, da sich die Kinder dann nicht am Format o.ä. Orientieren können.



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Stillarbeit, Gruppenarbeit, Einzelvortrag vor der Klasse.



Materialien und Medien

Eine Kunst-Reproduktion je Kind.



Rückgriff auf vorherige UE:

-




Weiterführung:

-




Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 10

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Trockener und kühler Garten" - Bilderleben Klee. Vom Bild auf den Begriff übertragen.

Wortgel.

Ass.gel.

Vis.Ged.


ÜZ:

Observation, Imagination, Interpretation.

Ausdr.f

Spont.Fl.


GZ:

Zusammenhang zwischen Bildtitel und optischer Bildaussage erkennen können.

Original.


FZ:

Einen Bildinhalt beschreiben und auf den Bildtitel beziehen können.



Beschreibung:

Das Bild von Klee wird den Kindern an der Tafel gezeigt bzw. an die Leinwand projiziert.

L. läßt die Sch. zunächst Vorschläge machen, was das Bild darstellen soll.

L.: "Der Maler hat dem Bild selbst einen Titel gegeben, vielleicht könnt ihr ihn erraten?"

Wenn keine Kommentare mehr angeboten werden, nennt L. den Titel.

Die Sch. nehmen Stellung. "Warum hat der Künstler wohl diesen Titel gewählt? Wie könnte er ihn gemeint haben? Woran kann man das 'Trockene' und das 'Kühle' erkennen?"

Es geht bei dieser Aufgabe darum, der Subjektivität der Schüler in der Diskussion möglichst viel Raum zu gewähren.



Variation:

Das Bild mit Hilfe eines semantischen Profils beschreiben lassen:

L. verteilt jedem Kind die Wortliste und sagt: "Das sind verschiedene Wörter, immer ein Gegensatzpaar in einer Reihe (Beispiele vorlesen). Einige dieser Wörter passen zu dem Bild, einige überhaupt nicht. Unterstreicht bitte die Wörter, die zu dem Bild passen, immer nur eines bei einem Wortpaar."

Mit dieser kleinen Übung kann man prüfen, wieweit die Sch. sich verbal und optisch in die Wirkung von Farben einfühlen können.



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 10

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien:

Reproduktion/Dia des genannten Werkes.




Rückgriff auf vorherige UE:

-



Weiterführung:

Mit Wasserfarben malen lassen:

Ein Bild, auf dem es "naß" und "warm" ist.

Nach Möglichkeit nicht die Technik oder das nähere Thema vorschreiben. Bei Fragen als Hilfestellung vorschlagen: Vorstellung von Hitze, eines nassen Platzes, eines feuchten Gartens.

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 11

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Was soll das sein?"- Bilderleben Hundertwasser.

Ass.gel.

Spont.Fl.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Interpretation.


Ausdr.f

Original.


GZ:

Auf Farben und Formen im künstlerischen Bild sprachlich reagieren können.



FZ:

Assoziationen und Interpretationen zu Farben und Formen auf dem künstlerischen Bild artikulieren können.



Beschreibung:

L. zeigt der Klasse ein Bild von Hundertwasser.

Die Kinder fragen dann erfahrungsgemäß: "Was soll das sein?" L. gibt die Frage zurück: "Was könnte das sein?" Nun kommt es einzig darauf an, möglichst viele Assoziationen anzuregen, sowohl in Form von Begriffen wie in kleinen Geschichten. Subjektive Interpretationen, unkonventionelle Vorschläge werden besonders gelobt. Die Betrachtung von Hundertwasser-Bildern hat sich bei unserer Projektarbeit besonders bewährt, vor allem das Bild "Der große Weg" hat die Schülerinnen und Schüler beeindruckt. Nach dem Urteil der Lehrerinnen wurde diese Bildbetrachtung sogar zu einem Schlüsselerlebnis für die Kinder. Noch nach mehr als einem Jahr verlangten sie immer wieder nach "solchen Bildern".



Variation:

Die Reproduktion wird entfernt, die Kinder werden angeregt, nun selbst "ein Bild in dieser Art" zu versuchen.

Die Kinder werden angeregt, Musik zu dem Bild zu machen.



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien

Dia, Poster, Kalenderblatt eines möglichst abstrakten Bildes von Hundertwasser, vorzugsweise "Der große Weg" (1955)



Rückgriff auf vorherige UE:

-




Weiterführung:

-







Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 12

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Falsche Farben?" - Bildbetrachtung-

Original

Ass.gel.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Interpretation.


Spont.Fl.


GZ:

Farbunterschiede in ihrer Legitimation verstehen.




FZ:

Farbunterschiede in Bildern feststellen, sie benennen, interpretieren, und solche, die von der Realität abweichen, in ihrer Legitimation verstehen können.



Beschreibung:

Ein geeignetes Dia, Poster, Kalenderblatt wird an die Wand projiziert/geheftet, etwa ein Bild von Klee, Chagall, Kandinsky, Macke. Es sollen Bilder sein, auf denen ansprechende Farben zu sehen sind, die aber nicht der Realität entsprechend eingesetzt sind.

Gespräch: Abweichungen von der Realität sollen nicht als lächerlich, falsch oder "unmöglich" beurteilt werden, sondern im Gegenteil als positiv, z.B. originell, ausgefallen, passend, treffend. Die Kinder sollen erkennen, daß es Bereiche gibt, in denen Kreativität und Originalität sich über das Realitätsprinzip hinwegsetzen dürfen.

Picasso: "Ich verwende in meinen Bildern alle Dinge, die ich gern habe. Wie es den Dingen dabei ergeht, ist mir einerlei - sie müssen sich eben damit abfinden" (Walther, 1986, S. 58).



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien und Medien:

Dia oder Poster oder Kalenderblatt.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 11: "Was soll das sein?"




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 13

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen" -

Assoziation von Farbe und Stimmung.

Ass.gel.

Spont.Fl.

Visualis.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Artikulation, Transformation.



GZ:

Bedeutung und Aussage der Farben erkennen und erleben können.



FZ:

Farben mit Stimmungen assoziieren, eigene Stimmungen empfinden, ausdrücken und mitteilen können.



Beschreibung:

Jedes Kind erhält einen Briefumschlag mit Farbkärtchen, die es vor sich ausbreitet. L. liest langsam Stimmungssätze vor (z.B.: "Ich bin so furchtbar neidisch."). Die Kinder legen zu jedem Satz das Farbkärtchen, das ihrem Eindruck nach stimmungsmäßig dazu paßt. Im Unterrichtsgespräch wird die Wahl begründet.



Variation:

A. Die Kinder erfinden selbst Stimmungssätze und tragen sie vor. Die Farbkärtchen können für die Art des Vortrags sensibilisieren. Aufnahme auf Tonband oder Video.

B. Farbkärtchen zu einer Geschichte. Eine Geschichte wird vorgelesen, möglichst von Tonkassette abgespielt. Die Stimme des Sprechers vermittelt die Stimmung der Geschichte. Die Kinder legen Farbkärtchen zu der Stimmung, die sie den handelnden Personen unterstellen.

Bei mehreren Stimmungen mehrere Karten aneinanderreihen. Die Sch. können dann anhand der Reihenfolge der Karten die Geschichte nacherzählen. Die Konzentration auf die Gefühle der handelnden Person fördert die Entwicklung von Empathie, einem leider weithin vernachlässigten Ziel sozialen Lernens.

Die Zuordnung der Farbkärtchen ist auch zu Musikstücken möglich.



Arbeitsformen:

Stillarbeit.




Materialien und Medien:

Farbkärtchen, Stimmungssätze.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 10: "Trockener und kühler Garten"






Weiterführung:

FFK 15: "Verkehrszeichen"

FFK 17: "Was passiert da?"







Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 14

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Farbstimmungsbilder zu einer Geschichte"

Spont.Fl.

Ausdr.f


ÜZ:

Audition, Transformation.



GZ:

Sinnqualität der Farben erleben und sie ausdrücken können.



FZ:

Sich in die Menschen einer Geschichte oder einer Szene einfühlen und ihre Stimmung in Farben ausdrücken können.



Beschreibung:

Von einer Tonkassette wird eine Geschichte vorgespielt.

L.: "Wir malen heute ein Bild zu der Geschichte, die ihr gleich hören werdet. Auf diesem Bild sollen keine Menschen, keine Häuser, keine Bäume vorkommen, nichts Erkennbares, sondern nur Farben. Und diese Farben sollen ein Bild zur Geschichte sein. An ihnen wollen wir erkennen können, wie sich die Personen in dieser Szene fühlen."



Variation:

-



Arbeitsformen:

Stillarbeit.




Materialien und Medien:

Zeichenblöcke, Wasserfarben, breite Pinsel.

Tonkassette mit einer Geschichte, mit der die Kinder eigene Erlebnisse assoziieren können.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 05: "Ein Bild mit nur schönen Farben"

FFK 06: "Ein Bild nur mit häßlichen Farben"

FFK 13: "Farbkärtchen zu Stimmungssätzen"




Weiterführung:

-




Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 15

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/Hus

Thema:

"Verkehrszeichen" – Verkehrszeichen als

Medien.

Visualis.


ÜZ:

Mediensensibilisierung.



GZ:

Signalwirkung der Farben erfassen.



FL

Farbsignale bei Verkehrsschildern erkennen können.



Beschreibung:

L. malt Ampel mit "falschen" Farben an die Tafel, um den Protest der Kinder herauszufordern.

Die "falschen" Farben der Ampel werden ausgewischt und die "richtigen" eingefügt. Im Unterrichtsgespräch wird geklärt: "Warum ist Rot ausgerechnet die Farbe für Stop?"

Andere Verkehrszeichen mit der Farbe Rot werden gesucht, an die Tafel gemalt und einige wenige von den Kindern ins Heft übernommen, z.B.: "Stop" und "Vorfahrt gewähren", die für Kinder dieser Altersstufe wichtig sind (Radfahrer).



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Stillarbeit.




Materialien und Medien:

Farbige Kreiden: rot, grün, gelb, blau, weiß.



Rückgriff auf vorherige UE:

-






Weiterführung:

Verkehrserziehung.




Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 16

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

"Das sieht ja ganz anders aus!" – Kinderzeichnungen im Medium.

Evaluat.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Artikulation.



GZ:

Die Darstellung von Realität in verschiedenen Medien vergleichen können.



FZ:

Kinderzeichnungen durch Fotografie und Projektion verändern können.




Beschreibung:

L. fotografiert Zeichnungen der Kinder als Dias, Farbfotos oder nimmt sie als Videofilm auf (keine Schwarzweißaufnahmen!). Wenn irgend möglich, sollten die Kinder am Fotografieren und Filmen beteiligt sein. Später werden die Aufnahmen vorgeführt. Gespräch über unterschiedliche Wirkungen. Durch diese Erfahrung können die Kinder zum ersten Mal erleben, wie stark ein Medium die Wirklichkeit verändert, verfremdet, hier: optimiert. Denn: Eine Kinderzeichnung, als Dia projiziert, gewinnt. Die Gegenüberstellung von Originalen und Medienaufnahmen eignet sich auch für die Gestaltung eines Elternabends zum Thema.



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit, Gruppenarbeit.




Materialien und Medien:

Fotoapparat(e), Diafilm, Farbumkehrfilm, Videokamera und Videokassette.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 05: "Ein Bild mit nur schönen Farben"

FFK 06: "Ein Bild mit nur häßlichen Farben"

FFK 14: "Farbstimmungsbilder zu einer Ge-

schichte"




Weiterführung:

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"

FFK 38: "Mini-Multi-Media-Show"

FFK 39: "Videofilm zu einer Geschichte"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 17

Kreativitäts-

faktor n. G.

D

Thema:

"Was passiert da?" - Vom Bildkanal auf den Tonkanal übertragen

Ass.gel.

Ausdr.f

Spont.Fl.


ÜZ:

Transformation.



GZ:

Sensibilität entwickeln für das Verhältnis von Bildfolgen und Worttext.



FZ:

Einen entsprechenden Text zu einer Bildergeschichte erfinden können.



Beschreibung:

Zu einer textlosen Bildergeschichte aus dem Sprachlehrbuch der Klassenstufe erfinden die Schülerinnen und Schüler einen entsprechenden Text.



Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Stillarbeit.



Materialien und Medien:

Bildvorlage: Bildergeschichte ohne Text

zur Weiterführung: Video-/Tonkassettenrekorder, Video-/ Ton- kassette, Mikrophon.



Rückgriff auf vorherige UE:

-



Weiterführung:

Die Geschichte spielen.

Aufnahme auf Tonkassette bzw. Videokassette.

Diese Kassette könnte der Parallelklasse vorgeführt werden, die die dazugehörige Bildfolge im Buch erraten soll.



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 18

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

"Wenn die Farbe fehlt" - Ein Farbfilm schwarzweiß gezeigt.

Vis.Ged.

Visualis.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Artikulation.



GZ:

Sensibilisierung für Farben und Schwarzweiß- Wirkungen in den Medien.



FZ:

Die Unterschiede von Farb- und Schwarz-weiß-Wirkungen im Film erfassen und möglichst genau beschreiben können.



Beschreibung:

L. führt einen kurzen Farbfilm vor. Das Abspielgerät wird so eingestellt, daß die Farbe verschwindet, der Film also schwarzweiß zu sehen ist. Die Klasse beschreibt ihre Eindrücke.

Danach wird der Film in seiner ursprünglichen Version mit Farbe gezeigt. Im Unterrichtsgespräch werden die unterschiedlichen Wirkungen der beiden Versionen herausgearbeitet.



Variation:

Die Kinder fertigen nach einer schwarzweißen Bildvorlage eine farbige Zeichnung an.



Arbeitsformen:

Filmvorführung, Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.




Materialien und Medien:

Videogerät, Kurzfilm oder Filmausschnitt Für Erweiterung: Schwarzweißes Bild/Poster, das sich zur farbigen Umgestaltung durch die Schüler eignet.




Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 15: "Verkehrszeichen"

FFK 16: "Das sieht ja ganz anders aus!"



Weiterführung:

FFK 22: "Wir verändern einen Raum mit Licht"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 19

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Stummfilm" – Text dazu verfassen.

Wortgel.

Spont.Fl.


ÜZ:

Mediendramaturgie.

Original.


GZ:

Bei einem Film den Zusammenhang zwischen Laufbildangebot und Text erfassen.



FZ:

Einen Text möglichst genau zu einem Laufbildangebot entwerfen können.



Beschreibung:

L. zeigt einen Kurzfilm, gegebenenfalls Trickfilm, mit spannender Handlung, aber ohne Ton. Die Sch. versuchen, den Begleittext zu formulieren, zunächst den erzählenden Umriß, dann auch Monologe und Dialoge. Es folgen Vergleich mit dem Original und Diskussion, welche Textfassung besser zu den Bildfolgen paßt.



Variation:

Der von der Klasse entworfene Text wird im Rollenspiel von mehreren Sch. auf Band gesprochen. Das Band wird zum Stummfilm als Tonspur abgespielt.



Arbeitsformen:

Filmvorführung, Unterrichtsgespräch, Rollenspiel, Sprechen auf Tonkassette, Tonproduktion zum Film.



Materialien und Medien:

Kurzer (Stumm-)Film, Videorekorder, Filmprojektor.

Für Erweiterung: Kassettenrekorder, Tonkassette und Mikrophon.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 17: "Was passiert da?"




Weiterführung-

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 20

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Wir malen eine Kulisse" - Eine Geschichte auf optischen Hintergrund setzen.

Ass.gel.

Spont.Fl.

Visualis.


Ü.Z:

Medienproduktion, Mediendramaturgie.



GZ:

Den Zusammenhang zwischen medialer Handlung und deren optischer Kulisse durch Eigentätigkeit erfahren.



FZ:

Zu einer Geschichte eine Kulisse malen können.



Beschreibung:

Zu einer Geschichte malen die Kinder in Gemeinschaftsarbeit eine Kulisse auf unbedrucktes Zeitungspapier. Auf Großflächigkeit achten.



Variation:

Die Geschichte vor der Kulisse spielen lassen, möglichst mit geladenem Publikum (Parallelklassen, Eltern usw.).



Arbeitsformen:

Gemeinschaftsarbeit der Klasse.




Materialien und Medien:

Eine Rolle unbedrucktes Zeitungspapier, Wasserfarben, breite Pinsel.




Rückgriff auf vorherige UE:

-



Weiterführung:

FFK40:"WirproduziereneinenVideofilm"




Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 21

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Verkleiden"

Ass.gel.

Vis.Ged.


ÜZ:

Medienproduktion, Mediendramaturgie.

Spont.Fl.

Original.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen der Charakteristik eines Personentyps und dem Anmutungscharakter von Farben und Formen erkennen.

Visualis.


FZ:

Bestimmte Personentypen durch charakteristische Farben kennzeichnen können.



Beschreibung:

Eine Geschichte, in der charakterlich vereinfachte, überzeichnete Personen vorkommen (z.B. Märchen) lesen, besprechen und als Rollenspiel darstellen. L. schlägt vor, daß sich die Spielerinnen und Spieler verkleiden und die Klasse die Kostüme selbst herstellt. Aufgabe: Farben und Formen der Kleider sollen den Charaktertyp der Personen unterstreichen, Die Klasse stellt die Kostüme her.



Variation:

-



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Rollenspiel, Einzelarbeit,

Gruppenarbeit.




Materialien und Medien:

Kreppapier, Stoffreste, Plastiktüten usw. in verschiedenen Farben.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 12: "Falsche Farben?"

FFK 18: "Wenn die Farbe fehlt"




Weiterführung:

FFK 22: "Wir verändern einen Raum mit Licht"

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"

FFK 40: "Wir produzieren einen Videofilm"



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 22

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

"Wir verändern einen Raum mit Licht"

Ass.gel.

Vis.Ged.


ÜZ:

Medienproduktion, Mediendramaturgie.

Spont.Fl.

Original.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen Effekten farbigen Lichts und Stimmungen erfassen.

Visualis.


TZ:

Farbige Lichteffekte zu einer Geschichte herstellen können.



Beschreibung:

Die Sch. bemalen Glühbirnen in verschiedenen Farbtönen. Mit einer Stehlampe im Klassenzimmer wird die Wirkung der unterschiedlichen Beleuchtung des Raums ausprobiert und in ihrer emotionalen Wirkung diskutiert.



Variation:

L. liest eine möglichst spannende Geschichte vor (Gespenstergeschichte, Krimi): "Wir wollen diese Geschichte jetzt in einem Raum mit der richtigen Stimmung lesen. Dazu bemalen wir Glühbirnen (oder wählen aus den bereits bemalten die geeigneten aus), die die Stimmung der Geschichte unterstreichen."

Mit mehreren Lampen wird dann eine Beleuchtungsdramaturgie entworfen und zur Geschichte eingesetzt, (Aufgabe nach Doelker, 1986).



Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit, Vortrag.




Materialien und Medien:

Glühbirnen, (Steh-, Nachttisch-)Lampen.



Rückgriff auf vorherige UE:

FFK 05: "Ein Bild nur mit schönen Farben"

FFK 06: "Ein Bild nur mit häßlichen Farben"

FFK 10: "Trockener und kühler Garten"

FFK 16: "Das sieht ja ganz anders aus!"

FFK 18: "Wenn die Farbe fehlt"




Weiterführung:

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 23

Kreativitäts-

faktor n. G.

SPM

Thema:

"Wörter durch Körperbewegung darstellen" - Akustische Einzelphänomene in Bewegung umsetzen.

Spont.Fl.

Visualis.


ÜZ:

Transformation.



GZ:

Zusammenhänge zwischen Sprache und Körperbewegung erkennen können.



FZ:

Einzelwörter durch Körperbewegung darstellen können.



Beschreibung:

L.: "Heute wollen wir in der Turnhalle schreiben! Aber ohne Tinte, sondern mit unseren Körpern. Ich nenne euch gleich ein paar Wörter, ihr sollt dazu Bewegungen erfinden, die genau zu ihnen passen: 'kalt' - 'spritzig' - 'schwabbelig' - 'bedrückt'."

L gibt an, ob alle Schülerinnen und Schüler das gleiche oder je ein Wort ihrer Wahl darstellen. Auch können kleine Gruppen gemeinsam die Gestaltung eines Wortes übernehmen.



Variation:

Haben alle Schülerinnen und Schüler dasselbe Wort darzustellen, soll beobachtet werden, wie unterschiedlich die Umsetzungen ausfallen. Welche Bewegungen charakterisieren den Begriff am besten?



Arbeitsformen:

Einzelübung, Gruppenübung, Aufzeichnung mit einer Kamera, Diskussion.



Materialien und Medien:

Video-, Fotokamera.



Rückgriff auf vorherige UE

-



Weiterführung:

FFK25: "Wörter mit Farbstiften malen"

FFK 38: "Mini-Multia-Media-Show"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 24

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/D/

SP

Thema:

"Wörter auf Musikinstrumenten spielen"

Von einem Repertoire des Tonkanals in ein anderes übertragen.


Ass.gel.

Aud.Ged.

Spont.Fl.

Evaluat.


ÜZ:

Transformation.




GZ:

Den Zusammenhang von Sprache und Musik

erkennen können.




FZ:

Einzelwörter musikalisch ausdrücken können.




Beschreibung:

Im Klassenzimmer sind möglichst viele Musikinstrumente bereitgestellt. L.: "Ich nenne euch heute ein paar Wörter, die sollt ihr nicht mit einem Stift, sondern mit einem Musikinstrument 'schreiben'. Die Klänge sollen genau zu dem Wort passen. 'schwindelig' - 'müde' - ,verrückt' - 'hopsassa'." L. bespricht mit den Sch., worin die auditiven Unterschiede dieser Wörter bestehen (Tempo, Tonhöhe usw.).

Jedes Kind wählt ein Instrument und bietet eine Musik an.



Variation:

Wenn die Kinder ihre Musikproduktion vorführen, geben sie das Wort, auf das sich die Musik bezieht, nicht an, sondern lassen es erraten (Meinung begründen lassen). Dadurch wird die Fähigkeit, musikalische Merkmale verbal zu beschreiben, entwickelt. Nach Möglichkeit vorher UE 12.




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.




Materialien und Medien:

Musikinstrumente, Gegenstände, die zur Geräuschproduktion geeignet sind.




Rückgriff auf Vorherige UE:

FFK 23: "Wörter durch Körperbewegung darstellen"




Weiterführung:

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"

FFK 3 8: "Mni-Multia-Media-Show"






Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 25

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Wörter mit Farbstiften malen" - Vom Ton-

Kanal auf den Bild-Kanal übertragen.

Ass.gel.

Vis.Ged.

Spont.Fl.


üz:

Transformation.

Visualis.

Evaluat.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen Farbe und Sprache erkennen können.




FZ:

Einzelwörter in Farben darstellen können.




Beschreibung:

L.: "Heute wollen wir auf unser Zeichenpapier Wörter schreiben, aber ohne Buchstaben, sondern nur mit Farben. Ich werde euch ein paar Wörter nennen, und ihr versucht, diese mit solchen Linien und in solchen Farben zu malen, die zu dem Wort, das ihr darstellen wollt, passen. Nützt dabei das ganze Format aus!"

"langweilig“, "quicklebendig“, „trampelig“, "mollig". L. entscheidet, ob die Sch. das Wort ihrer Wahl oder alle vorgeschlagenen Wörter malen sollen.

Die Bilder werden gezeigt und diskutiert.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Stillarbeit.




Materialien

und Medien:

Zeichenblöcke DIN A 4 und DIN A 3, Farbstifte.






Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 23. "Wörter durch Körperbewegung darstellen"




Weiterführung:

Die Bilder fotografieren oder auf Video aufnehmen und die Veränderung durch das Medium diskutieren.

FFK 38: "Mini-Multi-Media-Show"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 26

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

„Mein Lieblingsspielzeug"


Ausdr.f


ÜZ:

Artikulation.




GZ:

Erkennen, daß Medien die Wirklichkeit verfremden können.




FZ-

Den Verfremdungseffekt der eigenen Stimme

Auf einer Tonkassette beurteilen können.




Beschreibung:

Die Kinder bringen ihr Lieblingsspielzeug in die Schule mit. Sie stellen es der Klasse vor und erklären, warum sie es so gern haben. Diese Aussage wird auf Tonkassette aufgenommen und später vorgeführt. Das Erlebnis des Verfremdungseffektes bedeutet für manche Kinder geradezu einen Schock wie auch das Sprechen in das Mikrophon Überwindung kostet. Die Kinder kommen aber nur über diese Erfahrung zum distanzierten Erlebnis der eigenen Sprechpersönlichkeit. Das Thema "Lieblingsspielzeug" soll für Entspannung in dieser schmierigen Situation sorgen.



Variation:

Andere Thematiken, aber immer emotional stark positiv besetzt, z.B. das Erlebnis von Festen, Ferien usw.

Kinder spielen auf ihren Musikinstrumenten, nehmen die Musik auf und erleben hier den Verfremdungseffekt durch ein Tonmedium.

Videoaufzeichnung analog.




Arbeitsformen:

Einzelvortrag vor der Klasse, Unterrichtsgespräch, Tonaufnahme und -wiedergabe.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder mit Mikrophon, Tonkassetten.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 27

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/HUS

Thema:

"Fernsehansage" - Unterschiedliches Sprechen in unterschiedlichen Sendesituationen.

Ausdr.f.

Vis.Ged.

Visualis.


üZ:

Medienproduktion, Mediendramaturgie.




GZ:

Erfassen, daß unterschiedliche Sendesituationen unterschiedliches Sprechen erfordern.




FZ:

Erfassen, inwiefern sich das Sprechen des Fernsehnachrichtensprechers von unserem normalen Sprechen unterscheidet.




Beschreibung:

Aus einem Karton wird an einer Seite ein Viereck ausgeschnitten, das nun den "Bildschirm“ darstellt. Jetzt können die Kinder durch diesen "Bildschirm" ihre Texte sprechen. Zunächst gestalten die Schüler Ansagen nach Belieben. Dann sollen sie Themen ihrer Lebenswelt als Nachrichten einer "Tagesschau" vortragen.

Die Klasse entscheidet, wer es am besten gemacht hat und begründet ihre Entscheidung. Kriterien sind u.a.: sachliche Diktion, neutraler Gesichtsausdruck, neutrale Stimme, distanzierte, eingeschränkte Bewegung usw.




Variation:

Entsprechend können auch andere Aussagetypen (aus Fernsehwerbung, -unterhaltung, Sportschau usw.) sprecherisch umgesetzt werden.




Arbeitsformen:

Schülervortrag als Rollenspiel, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Ein Karton als Schablone eines Fernsehapparates.






Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 26: "Mein Lieblingsspielzeug“






Weiterführung:

FFK 39: "Videofilm zu einer Geschichte“



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 28

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/D

Thema:

"Klänge zu Gefühlen"

Adapt.Fl.

Original.


üZ:

Transformation.

Aud.Ged.

Spont.Fl.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen Gefühlen und Klängen erkennen können.




FZ:

Klänge zu den Gefühlen handelnder Personen in einer Geschichte erzeugen können.




Beschreibung:

Eine Geschichte, möglichst dramatisch und aus dem Erfahrungsbereich der Kinder, wird vorgelesen oder frei erzählt. Die Sch. Versuchen, sich in die Personen der Geschichte hineinzuversetzen, spielen kleine Szenen vor, erinnern sich an eigene ähnliche Erlebnisse und Gefühle. Orff-Instru-mentarium ist bereitgestellt. L. fordert die Kinder (am besten in Kleingruppen oder Paaren) auf, alles, was sie mit Worten erklärt und erzählt haben, nun auf Instrumenten auszudrücken.

Vorüberlegungen: Welche Instrumente passen zu welchen Gefühlen? Wie könnte man musizieren, wenn eine Person gleichzeitig zwei Gefühle empfindet? Nehmen wir Instrumente mit hohen oder tiefen Tonlagen, mit lautem oder leisem Klang, spielen wir sie langsam oder schnell?




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, Musizieren auf Instrumenten.




Materialien

und Medien:

Orff-Instrumentarium, Flöten.





Rückgriff auf

vorherige UE:

-





Weiterführung:

FFK 39: "Videofilm zu einer Geschichte"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 29

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/D

Thema:

"Musik erraten“

Ass.gel.

Aud.Ged.


ÜZ:

Transformation.

Ausdr.f

Evaluat.


GZ:

Akustische Anmutungen aus einem Tonmedium sprachlich umsetzen können.

Original.

Spont.Fl.

Wortgel.


FZ:

Charakteristiken einer durch ein Medium dargebotenen Musik möglichst genau begrifflich beschreiben können.




Beschreibung:

L. hat ca. 4 - 5 kurze Musiken verschiedenen Typs ausgewählt und auf einer Kassette zusammengestellt. Z.B. eine Trauennusik, Marschmusik, Seience-fiction-Musik, einen Orgelchoral. L. beschreibt nun eine dieser Musiken, z.B. als "feierlich". Dann werden alle Ausschnitte der Klasse vorgespielt, und die Kinder erraten, welche Musik L. beschrieben hat.




Variation:

Die Kinder sollen (als Hausaufgabe) selbst Musiken suchen, mitbringen und vor der Klasse beschreiben. Die Klasse beurteilt, ob die Beschreibung auf die Musik zutrifft oder ob die Beschreibung verbessert werden kann. Umgekehrt können einer Auswahl von verschiedenen Beschreibungen die jeweils passenden Musiken zugeordnet werden.




Arbeitsformen:

Zuhören, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Kassette mit Ausschnitten von verschiedenen Musiktypen.




Fächer


Unterrichtseinheit FFK 29

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 24: "Wörter auf Musikinstrumenten spielen“

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"




Weiterführung:

FFK 31: "Mit Musikinstrumenten Geschichten erzählen"

FFK 32: "Musiken für verschiedene Filmtypen“

FFK 33: "Geräusche erraten"

FFK 34: "Geräusche malen"

FFK 3 5: "Geräusche im Klassenzimmer produzieren“

FFK 36: "Wir produzieren Geräusche zu einer Geschichte"

FFK 37: "Hör-Orte"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 30

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/D

Thema:

"Ein Lied mit Löchern“


Aud.Ged.


üz:

Mediendramaturgie.




GZ:

Ein Gefühl für Musik- und Textganzheiten entwickeln.




FZ:

Liedtexte und Liedmelodien ergänzen können.




Beschreibung:

Eine Gruppe hat ein bekanntes Lied gesungen und aufgenommen. Eine zweite Gruppe erhält die Aufgabe, diese Aufnahme so zu überarbeiten, daß einige Motive oder Teile des Liedes ausgelassen werden, z.B. Aufnahmeregler dabei auf Null ziehen. Diese Aufnahme des Liedes "mit Löchern" wird der Klasse vorgespielt, die nun die fehlenden Teile singend auszufüllen hat (Aufgabe nach Meyer-Denkmann, 1984).




Variation-

Das Ratespiel mit Sätzen, Gedichten usw. durchführen.

Das Lied auf der Kassette wird nicht gesungen, sondern geklatscht. Die Kinder erraten und klatschen den Rhythmus der "Löcher“ mit.




Arbeitsformen:

Gruppenarbeit, Gesangsaufnahrne, Tonband-/

Tonkassettenwiedergabe.

Falls die Klasse noch nicht an Gruppenarbeit gewöhnt ist, bereitet L. die Kassetten vor und führt die UE als Unterrichtsgespräch statt in Gruppenarbeit durch.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Kassetten mit Liedaufnahmen, die technisch entsprechend verändert sind.



Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 26: "Mein Lieblingsspielzeug"






Weiterführung.

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 31

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

"Mit Musikinstrumenten Geschichten erzählen" - Kleine Szenen auf Orff-Instrumenten darstellen.

Aud.Ged.

Original.

Spont.Fl.


üz:

Transformation.

Ausdr.f Evaluat.


GZ:

Ereignisse in Klangqualität umsetzen können.




FZ:

Musikinstrumente als Ausdrucksmittel benutzen können.



Beschreibung:

Die Kinder bilden Paare oder Dreiergruppen. Möglichst viele Musikinstrumente sind als Angebot im Klassenzimmer. Die Gruppen wählen jeweils Instrumente aus. Sie üben eine "ganz kleine Geschichte" ein, die sie dann der Klasse vorspielen. Die Klasse errät die Geschichte.

Beispiele: Ein Bach fließt, jemand wirft Steine hinein. - Ein Einbrecher schleicht in eine fremde Wohnung, stolpert, löst die Alarmanlage aus, die Polizei kommt mit Martinshorn usw.




Variation:

Man kann das Instrumentenangebot durch Töpfe und anderes Material erweitern. Ein derartiger Verfremdungseffekt fördert den kreativen, d.h. nicht vorprogrammierten Umgang mit den Instrumenten.




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit.




Materialien

und Medien:

Musikinstrumente, Gegenstände, die zur Geräuschproduktion geeignet sind.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"






Weiterführung:

FFK 39: "Videofilm zu einer Geschichte"








Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 32

Kreativitäts-

faktor n. G.

D

Thema:

"Musiken für verschiedene Filmtypen“

Musiken zu Filmtypen auswählen.

Evaluat.

Adapt.Fl.

Aud.Ged.


üZ:

Audition, Mediendramaturgie.




GZ:

Zusammenhang zwischen Filmtypen und Filmmusiken erfassen.




FZ:

Zu unterschiedlichen Filmtypen aus einem Angebot die passende Musik auswählen können.




Beschreibung:

L.: "Wir spielen heute Filmproduktion! Wir suchen Musiken zu Filmen oder Fernsehsendungen aus. Wir brauchen Musiken für:

1. eine ganz traurige Geschichte

2. einen Krimi

3. eine Kindersendung

4. einen Western.

Wir haben natürlich viele Tonkonserven im Produktions-Archiv. Ich habe eine Auswahl mitgebracht. Wir hören uns verschiedene Musiken an, und ihr entscheidet, welche Musik zu welchem Film paßt."




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-/Tonkassettenwiedergabe, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Tonkassetten mit typischen Musikausschnitten für obengenannte Filmtypen.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 24: "Wörter auf Musikinstrumenten

spielen"




Weiterführung:

-








Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 33

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

"Geräusche erraten"


Aud.Ged.


üZ:

Audition, Reflexion, Transformation.




GZ:

Hörsituationen akustisch differenzieren können.




FZ:

Charakteristische Geräusche wiedererkennen und bestimmten Hörsituationen zuordnen können.




Beschreibung:

Der Klasse wird eine Schallplatte mit Geräuschen für Amateurfilmer vorgespielt. Die Klasse errät jeweils den situativen Kontext.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Plattenspieler, Schallplatte mit Begleitmusik für Amateurfilmer.




Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

FFK 35: "Geräusche im Klassenzimmer produzieren“



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 34

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/BK/

D

Thema:

"Geräusche malen“ - Vom Ton- auf den Bildkanal übertragen.


Ass.gel.


üZ:

Audition, Reflexion, Transformation.




GZ:

Wechselverhältnis von Geräusch und dessen bildlicher Darstellung praktisch bewältigen.




FZ:

Vom Medium gehörte Geräusche in Zeichnen und Malen umsetzen können.



Beschreibung.

L. "Heute wollen wir etwas Merkwürdiges versuchen, wir wollen Geräusche malen!" L. erklärt, daß Geräusche in Farben umgesetzt werden sollen. Unterrichtsgespräch darüber, wie das zu verstehen ist, worauf es ankommt. Erster Versuch mit Farbstiften, dann ein zweiter mit Wasserfarben, L. sollte dabei nur soviel erklären, daß den Kindern die geforderte Entsprechung von Farbe (Bild) und Geräusch klar ist; jedoch sollte zu Anfang so wenig wie möglich gesprochen werden, um die Spontaneität nicht einzuengen. Nach Fertigstellung der Bilder beurteilen die Kinder, auf welchen Zeichnungen die Geräusche besonders treffend umgesetzt wurden und begründen ihre Aussagen.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Stillarbeit.




Materialien

und Medien:

Schallplatte (Tonkassette) mit Geräuschen, Zeichenblöcke, Farbstifte und Kreiden, Wasserfarben und Pinsel in unterschiedlichen

Stärken.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen"

FFK 33: "Geräusche erraten“




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 35

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

"Geräusche im Klassenzimmer produzieren“ -

Reales in ein Medium aufnehmen.


Original.

Aud.Ged.


üz:

Audition, Medienproduktion.




GZ:

Sensibilität für Alltagssituationen und für die Vielfalt der zu ihnen gehörenden Geräusche entwickeln.




FZ:

Spezifische Geräusche erzeugen und auf Kassettenrekorder aufnehmen können.




Beschreibung:

L. erinnert die Klasse an die UE "Geräusche erraten" und schlägt vor, daß die Kinder auch ein solches Tonband gestalten. Da man sich aber auf das Klassenzimmer zu beschränken habe, sollen nur Geräusche produziert werden, die in der Klassensituation dieses Raumes denkbar sind. Die Kinder machen Vorschläge, probieren sie aus und notieren sie an der Tafel. Wenn genügend Themen gesammelt sind, können die Geräusche von Einzelnen, Gruppen oder der ganzen Klasse produziert und auf Kassette aufgenommen werden.

Beispiele:

Fenstertüren öffnen und schließen; mit Papier rascheln, Reißverschlüsse öffnen; Wasserhahn öffnen, Wasser herauslaufen lassen; mit den Füßen trampeln; mit Bleistift auf Papier kratzen; mit Kreide an der Tafel schreiben; Getränkedosen öffnen; in Äpfel beißen; Schulmappen schließen; mit den Fingern auf Tische trommeln; Tüten aufblasen und knallen lassen usw.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, Tonkassettenaufnahme, Wiedergabe anhören.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder mit Mikrophon, Tonkassette.



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 35

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Rückgriff auf

vorherige UE:


FFK 33: "Geräusche erraten“



Weiterführung:

FFK 36: "Wir produzieren Geräusche zu einer Geschichte"

FFK 37: "Hör-Orte"


i






Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 36

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

"Wir produzieren Geräusche zu einer Geschichte"

Spont.Fl.

Original.


üZ:

Transformation, Medienproduktion.




GZ:

Für den Zusammenhang von Lesetext und Geräuschen sensibilisieren.




FZ:

Einen Lesetext mit Geräuschen untermalen können.




Beschreibung:

Eine spannende, möglichst dramatische Geschichte wird vorgelesen. Auf Orff-Instrumentarium und mit unkonventionellen Musikinstrumenten aus entfremdeten Materialien, z.B. Schachteln, werden passende Geräusche zu den Vorgängen in der Geschichte produziert.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit.




Materialien

und Medien:

Orff-Instrumente, andere Musikinstrumente, Gegenstände, die sich zur Geräusch- und Klangerzeugung eignen.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 33: "Geräusche erraten“

FFK 35: "Geräusch im Klassenzimmer produzieren"




Weiterführung:

Geschichte lesen, mit Geräuschuntermalung auf Tonkassette aufnehmen, anhören.



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 37

Kreativitäts-

faktor n. G.

M

Thema:

"Hör-Orte“


Aud.Ged.


üZ:

Audition, Reflexion.




GZ:

Erkennen: Situationen unterscheiden sich durch bestimmte Klangereignisse.




FZ:

Typische Klangereignisse erkennen, aufnehmen und erraten können.




Beschreibung:

Aufnahmen von Klangereignissen, die typisch sind für einen bestimmten Ort, für ein Zimmer, für ein Umfeld nahe der Schule, z.B. den Pausenhof, die Toilette (von Kindern mit Vorliebe gewählt), das Treppenhaus, das Sekretariat, das Lehrerzimmer, auf der Straße vor der Schule u.a.

Jede Gruppe wählt ihren Hörort selbst - Aufstellung eines Zeitplans - Vorführung der Aufnahmen jeder Gruppe mit Fragen an die Klasse: Wo haben wir dies aufgenommen?

Was ist das, was ihr hört? An welchen Geräuschen (Klangeigenschaften) habt ihr das erkannt?

Hausaufgaben könnten die Kinder auffordern, selber andere Hörorte aufzunehmen, um sie dann der Klasse vorzuführen (Aufgabe nach Meyer-Denkmann, 1984).




Variation:

Falls diese UE, wie wir vorschlagen, im 1. Schuljahr durchgeführt wird, so ist Gruppenarbeit verfrüht und der Unterricht besser im Klassenverband zu erteilen.




Arbeitsformen:

Gruppenarbeit, kurze Unterrichtsgänge, Tonkassettenaufnahme, Unterrichtsgespräch. Ggf nur mit einem Kassettenrekorder beginnen.




Materialien

und Medien:

Mehrere Kassettenrekorder mit Mikrophonen, leere Tonkassetten.




Fächer


Unterrichtseinheit FFK 37

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Rückgriff auf

Vorherige UE:

FFK 26: "Mein Lieblingsspielzeug"

FFK 33:"Geräuscheerraten“

FFK 36: "Wir produzieren Geräusche“




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 38

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/SP/

M/BK

Thema:

"Mini-Multi-Media-Show“ – Fächerübergreifendes Projekt.

Spont.Fl.

Visualis.

Ass.gel.


üZ:

Medienproduktion.

Ausdr.f

Aud.Ged.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen Einzelwörtern, Musik und Körpersprache erfassen.


Original.

Evaluat.


FZ:

Den Zusammenhang zwischen Einzelwörtern, Musik und Körpersprache gestalten, das Gestaltete aufnehmen und montieren können.




Beschreibung:

Dieses Thema hat die Unterrichtseinheiten FFK 23 und 25 zur Voraussetzung.

  1. Von den Zeichnungen zum Thema "Wörter mit Farbstiften malen“ werden Fotos/Dias hergestellt.

  2. Auch von den Übungen zum Thema "Wörter mit Körperbewegung darstellen" werden Fotos/Dias gemacht.

  3. Nun werden die Schüler dazu angeregt, die gestalteten Wörter so ausdrucksvoll wie möglich zu sprechen. Die besten Sprecher werden auf Tonkassette aufgenommen.

  4. Aus diesem Material wird eine möglichst lebendige Ton-Dia-Serie hergestellt.




Variation:

Die Sch. suchen eine Musik aus, die eingefügt wird und die Teile verbindet.




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Tonkassettenaufnahme, Fotografieren, Gruppenarbeit




Materialien

und Medien:

Diaprojektor, Kassettenrekorder, Tonkassette, Fotokamera, Tonkonserven




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 23: "Wörter durch Körperbewegungen darstellen“

FFK 25: "Wörter mit Farbstiften malen“



Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 39a

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D/

M

Thema:

"Videofilm zu einer Geschichte" – Fächerübergreifendes Projekt.

Ass.gel.

Aud.Ged.

Ausdr.f


ÜZ:

Medienproduktion.

Evaluat.

Original.


GZ:

Erfassen, daß Filme nicht die Wirklichkeit sind.

Spont.Fl.

Visualis.


FZ:

Sich die grundlegenden Techniken und Manipulationen bei der Herstellung eines Videofilms durch eigene Medienproduktion erschließen.




Beschreibung:

Der erste Abschnitt des Projekts ist in FFK 39a, der zweite in FFK 39b beschrieben.



  1. Eine Geschichte wird ausgewählt, besprochen, das Lesen geübt. Die Klasse bestimmt die besten Leser. Diese Schüler lesen die Geschichte in Abschnitten auf Tonkassette.

  2. Zu den Inhalten der Geschichte werden figürliche Bilder gemalt (Umkehrung von FFK 09 und 17).

  3. Die handelnden Figuren der Geschichte haben Gefühle. Zu diesen werden nicht-figürliche, "abstrakte", Farbstimmungsbilder hergestellt (FFK 05, 06, 10, 13).

  4. L. fertigt aus figürlichen und nicht-figürlichen Bildern eine Dia-Reihe, besser einen Videostummfilm.

  5. Vorführung des Stummfilms (FFK 19).




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelvortrag der Schüler, Tonkassetten- und Videoaufzeichnungen.



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 39a

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D/

M

Materialien

und Medien:

siehe FFK 05, 06, 10 und 13; Kassettenrekorder, Tonkassetten, Videokamera, Videokassetten.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 05: "Ein Bild nur mit schönen Farben“

FFK 06: "Ein Bild nur mit häßlichen Farben"

FFK 09: "Bilder aus dem Gedächtnis beschreiben"

FFK 10: "Trockener und kühler Garten"

FFK 13: „Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen"

FFK 17: "Was passiert da?"

FFK 19: "Stummfilm“




Weiterführung:

FFK39b:"Videofilm zu einer Geschichte"

FFK 40: "Wir produzieren einen Videofilm“



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 39b

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D/

M

Thema:

"Videofilm zu einer Geschichte" – Fächerübergreifendes Projekt.

Ass.gel.

Aud.Ged.

Ausdr.f


üZ:

Medienproduktion.

Evaluat.

Original.


GZ:

Erfassen, daß Filme nicht die Wirklichkeit sind.

Spont.Fl.

Visualis.


FZ:

Die grundlegenden Techniken und Manipulationen bei der Herstellung eines Videofilms durch eigene Medienproduktion erkennen und das eigene Produkt beurteilen können.




Beschreibung:

Diese UE ist die Weiterführung von FFK 39a, die damit zum Abschluß kommt.

  1. Vorführung des Stummfilms in der Klasse. Diskussion, Beurteilung.

  2. Zum Stummfilm wird auf Instrumenten eine "Filmmusik" "komponiert" und gespielt (FFK 29, 32, 33).

  3. Aufnahme der Musik. Durch Mischung von Schülerlesung, "Filmmusik“ und ggf Elementen professioneller Musik entsteht eine "Tonpiste" zum Stummfilm oder zur Dia-Reihe.

  4. Die Sch. diskutieren das fertige Medien-Produkt und verändern es ggf. mit L.




Variation:

-




Arbeitsformen:

siehe FFK 39a.




Materialien

und Medien:

siehe FFK 39a.






Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"

FFK 31: „Mit Musikinstrumenten Geschichten erzählen"

FFK 32: "Musiken für verschiedene Filmtypen"

FFK 39a: "Videofilm zu einer Geschichte"




Weiterführung:

FFK 40: "Wir produzieren einen Videofilm"



Fächer


Unterrichtseinheit

FFK 40

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

M

Thema:

"Wir produzieren einen Videofilm"

Ass.gel.

Aud.Ged.


ÜZ:

Medienproduktion.

Ausdr.f

Evaluat.


GZ:

Den Zusammenhang zwischen dem Inhalt eines Textes und seiner sprachlichen, ästhetischen und dramaturgischen Gestaltung erkennen und begründen können.


Original.

Spont.Fl.

Visualis.


FZ:

Einen Text im darstellenden Spiel gestalten können, unter begründetem Einsatz von Kulissen, Musik und Beleuchtung.




Beschreibung:

  1. Eine Geschichte wird gespielt und geübt. Es sollen möglichst alle Kinder beteiligt sein.

  2. Eine Kulisse wird gemalt (vgl. FFK 20).

  3. Aus einem Angebot an Tonkonserven wird eine Auswahl für die Tonpiste des Films getroffen (vgl. FFK 32).

  4. Die Kinder spielen die Geschichte vor der Kulisse und filmen ihre Aktion.

  5. Die Musik aus der Tonkonserve wird unterlegt oder zusätzlich von einer Tonkassette abgespielt.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelvortrag, darstellendes Spiel, Gruppenarbeit, Anhören von Tonkonserven, Auswahl von Musiken als Tonkonserven, Videoaufzeichnung, Musiken aufnehmen und technisch verändern.




Materialien

und Medien:

Eine Rolle unbedrucktes Zeitungspapier, Wasserfarben und breite Pinsel, Geschichte als Vorlage, Tonkonserven mit unterschiedlichen Musiken, Videokamera, Videoleerkassette, Kassettenrekorder, leere Tonkassette.



Fächer


Unterrichtseinheit FFK 40

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 20: "Wir malen eine Kulisse"

FFK 21: "Verkleiden"

FFK 22: "Wir verändern einen Raum mit Licht"

FFK 36: "Wir produzieren Geräusche zu einer Geschichte"

FFK 32: "Musiken für verschiedene Filmtypen"




Weiterführung:

-



4.2.2. Themenschwerpunkt "Hörfunk"

4.2.2.1. Zu den theoretischen Grundlagen



Nachrichten im Hörfunk

Hauptsächliches Medium der Nachricht im Hörfunk ist die gesprochene Sprache; ge-nauer gesagt die nach strikten Regeln artikulierte deutsche Hochsprache, eine Natio-nalsprache, entstanden aus einem lokalen Verwaltungsidiom.

Diese Hochsprache ist das Idiom der Bürokratie und dominiert das kulturelle Leben. Sie allein wird in den Schulen gelehrt, ermöglicht die Aussagen der Wissenschaft und hat eine den nationalen Raum übergreifende Literatur geschaffen. Von der Sprache der Alltagswelt und den Menschen, deren Leben diese "Alltagssprache" bestimmt, ist die Hochsprache in vielen ihrer Ausdruckssituationen weit entfernt.

Ehe man allerdings Verbindungen und Spannungen zwischen Hochsprache und All-tagssprache und deren Auswirkungen auf die Nachrichten im Hörfunk genauer bedenkt (siehe Idiolekt, Soziolekt), ist es nützlich, nach den gesellschaftlichen Funktionen der Sprache im allgemeinen zu fragen, denn die Verbindungen und Spannungen zwischen Alltagssprache und Hochsprache sind ein Teilbereich dieser Funktionen.

Diese Darstellung wendet sich also zunächst der Sprache als einer Funktion von Gesellschaft zu und bedenkt im Prozeß der Kommunikation das Wechselverhältnis von Sprache und Wahrnehmung. Sie verengt dann unter dem Gesichtspunkt des Gedächtnisses auf die Speicherung von Kommunikationsinhalten durch Medien, verengt wiederum auf auditive Medien und deren Teildimension, die gesprochene Sprache, und behandelt innerhalb dieser Teildimension die auditiven publizistischen Nachrichtenformen.



Die gesellschaftliche Funktion der Sprache

Der Mensch muß - anders als das von Signalen gesteuerte, in ererbtem, artspezifisch instinktivem Verhalten verharrende Tier - die sprachliche Bedeutungswelt als Medium seines Erkennens und Handelns erst aufbauen (Gehlen, 1950, S. 38f). Gleichzeitig aber sind Strukturen dieser Bedeutungswelt als Leistung einer Sprachgemeinschaft für den Menschen immer schon vorhanden: Er wird im Prozeß der Sozialisation in Aus-einandersetzung zwischen sprachlicher Eigenwelt und der Sprache der anderen zur Persönlichkeit (vgl. Baacke, 1980, Kap. 8).

In diesen Entwicklungsprozeß geht der Heranwachsende als Einheit von körperlichen Funktionen und intellektuellen/emotionalen Prozessen: "Die Innenwelt eines lautlosen Denkens und Vorstellens sondert sich erst dem Menschen, der schon sprechen kann, von der Außenwelt ab... Die Sprache, die die Bedingung für das Entstehen einer besonderen seelischen Innenwelt ist, entsteht selbst im leiblichen Umgang des Menschen mit seiner Umgebung“ (Pannenberg, 1981, S. 35f ).

Doch der Mensch wächst, indem er zunächst seine Muttersprache erlernt, nicht nur in eine bestimmte sprachliche Form der Weltdeutung und in eine dieser Weltdeutung mehr oder minder entsprechende soziale Verfassung hinein. Der Mensch kann lernen, die "Sprachspiele" (Wittgenstein, 1970, S. 12f) seiner sozialen Gruppe zu bedenken und zu hinterfragen, sich in die Sprachspiele anderer Gruppen und Völker hineinzuversetzen und damit Sprache als Widerspiegelung sozialer Strukturen zu begreifen.

"Die menschliche Erfahrungswelt besteht zum großen Teil aus Objekten und Ereignissen, die eine symbolische Bedeutung haben... Die symbolischen Bedeutungssysteme der menschlichen Lebenswelt sind äußerst komplex, sie reichen von der Aufforderung zur Benutzung alltäglicher Gegenstände ... bis hin zu umfassenden Weltinterpretationen ... Die Symbole, mit denen der Mensch konfrontiert wird, stehen in vielfältiger Beziehung zueinander. Sie bilden zusammenhängende Systeme, sind miteinander durch Verwendungsregeln verbunden oder verweisen in anderer Form aufeinander" (Hunziker, 1988, S.49).

Sprache hat ohne Zweifel Gestaltcharakter. Gerade in ihrem alltäglichen Vollzug, etwa in der mündlichen Kommunikation, kann sie als Gebilde nicht aus der Summe ihrer Bauteile, weder der Phoneme noch der Wörter, erklärt werden. Signale der Sprache gehen ständig in Zeichen über; Symbole der verschiedensten historischen und sozialen Bedeutungsschichten werden transportiert (Zeitter, 1987, S. 60f). Was der Heranwachsende zunächst als Signal empfängt, als Zeichen dann assoziativ erlernt, was er schließlich an Symbolen sich erschließt, ist energeia, lebendiges, aktuelles Sprachhandeln ebenso wie ergon, Sprachwerk, das die Daseinserfahrung von Generationen in den unterschiedlichsten Artikulationsebenen in sich aufgenommen hat, das "Welterfahrung" mitenthält, soziale Verfassung in grammatischen Strukturen abbildet (vgl. Gadamer, 1990, S. 432f).

Sprache "vermißt, vergittert" soziale Wirklichkeit. Was ihr zum "Ereignis" wird, objektiviert sie, "bringt es auf den Begriff'. Sprache faßt das Konkrete, Materiale, Bewegte in ihr Repertoire und macht es damit mitteilbar, kommunikabel: "Das menschliche Ausdrucksvermögen besitzt die Kraft der Objektivation, das heißt, es manifestiert sich in Erzeugnissen menschlicher Tätigkeit, welche sowohl dem Erzeuger als auch anderen Menschen als Elemente ihrer gemeinsamen Welt 'begreiflich' sind... Die Wirklichkeit der Alltagswelt ist nicht nur voll von Objektivationen, sie ist vielmehr nur wegen dieser Objektivationen wirklich" (Berger & Luckmann, 1980, S. 36f.).

In Konsequenz dieser Erkenntnis ist eine Unterscheidung von "primärer" (durch unsere Sinne unvermittelt aufgenommener) und "sekundärer" (etwa durch Menschen oder technische Medien vermittelter) Außenwirklichkeit schon im Ansatz fragwürdig. Sie taugt nicht als Basis einer besonders unter Pädagogen beliebten "Medienkritik“. Uneingeschränkt gilt, vor allem für die soziale Wirklichkeit des Menschen, der Merksatz von Niklas Luhmann: "Die Gesellschaft besteht nicht aus Menschen, sie besteht aus Kommunikationen zwischen Menschen. Es ist wichtig, diesen Ausgangspunkt festzuhalten“ (Luhmann, 1981, S20).

Verengt man den Kommunikationsbegriff der Informationstheorie - Kommunikation als Austausch von Informationen zwischen dynamischen Systemen - auf Kommunikation zwischen Menschen und bedenkt man, wie Karl Jaspers das getan hat, den existentiellen Grund aller menschlichen Kommunikation, dann wird klar, daß sie nicht einfach Austausch von Informationen innerhalb gemeinsamer Codesysteme ist, sondern für Sender wie Empfänger, für Sprecher wie Hörer, Risiko mit sich bringt, daß sie notwendig Selbstpreisgabe bedeutet. Diese Selbstpreisgabe, das Sich-Einlassen auf Lebenswirklichkeit und in dieser besonders auf den Kommunikationspartner, eingebunden in die Dialektik von kommunikativer Partnerschaft und je persönlicher Distanz und Einsamkeit, begründet gerade in intellektbetonten Techno-Zivilisationen die Basis humanen Zusammenlebens (Jaspers, 1963, S. 120).

Im Rahmen einer so verstandenen sprachlichen Sozialisation, die zur sprachlichen Kompetenz, zur gefühlsstarken, ausdrucks- und reflexionsfähigen Sprachpersönlichkeit führen soll, gewinnen gerade in komplexen modernen Gesellschaften neben der Beherrschung der Schriftsprache die Grundfähigkeiten des Sprechens und Hörens wieder gesteigerte Bedeutung. Alle Formen demokratischer Willensbildung, ob im politischen, im beruflichen (Teamwork) oder im privatfamiliären Raum (Dialog der Generationen), verlangen nach dem artikulations- und hörfähigen Menschen. Sprachbarrieren sind so zugleich soziale Barrieren und gefährden damit die innere Stabilität einer Gesellschaft. Auch die sinnvolle Nutzung des Informationsangebotes der Massenmedien setzt Erziehung zum Sprechen und Hören voraus. Diese wird um so wichtiger, als eine unbezweifelbare optische Reizüberflutung die Lebenswelt der gegenwärtigen Techno-Zivilisation prägt und dringend nach einer gegenläufigen Höherentwicklung der auditiven Vermögen verlangt. Hinzu kommt, daß wichtige Kommunikationstechniken (etwa die fernmündliche Verständigung) sich schriftfrei nur im Sprechen und Hören abwickeln.



Sprache und Wahrnehmung



Kommunikation ist in vielfältiger Weise mit Wahrnehmung verkettet. Sie vermittelt Ergebnisse von Wahrnehmung, sie stützt sich als Leistung der Mitteilung im Akt ihrer Verwirklichung auf Wahrnehmung und läßt sich von Ergebnissen dieser Wahrnehmung steuern. Wahrnehmung liegt ihr also voraus, begleitet und bestimmt sie (Watzlawick, Beavin & Jackson, 1990). Der Mensch kann sich seiner selbst und seiner Umwelt nur vergewissern, indem er sich in seiner Umwelt "wahr-nimmt" (Waldenfels, 1974, S. 1669f).

Was ich selbst bin - ebenso das Nicht-Ich, das "andere“; ist für mich da, indem es mir Empfindungen erregt die wahrnehmend von mir auf Bewußtseinsfelder bezogen werden, die mein Ich mit ausmachen: auf Vorstellung, auf Erinnerung, auf Erwartung, auf Wissen. Was ich wahrnehme, ist für mich zunächst durch meine Sinne da: Es ist sichtbar, hörbar, zu tasten, zu schmecken, zu riechen (Doelker, 1979, S. 23 f ).

Sinnesempfindungen beginnen und hören auf Etwas Sichtbares wird unsichtbar, Hörbares unhörbar. Man könnte auch sagen: Ein Anblick entschwindet, ein Ton verklingt. Aber ich kann, was ich gesehen oder gehört habe, im Gedächtnis behalten. Jedoch: Das Gedächtnis ist unzuverlässig gegenüber Wahrnehmung, die es aufbewahren soll.

Es verändert ihre Qualitäten, schmilzt andere Eindrücke mit ein, wenn Neues wahrgenommen wird. Grundsätzlich aber ist Wahrgenommenes vom Vergessen bedroht.

Wieder ist es die Leistung der Sprache, in der Kommunikation mit anderen die "Sedimente" wahrnehmungsgesättigter Erfahrung zu aktivieren, intersubjektiv wirksam zu machen und sie damit dem Vergessen zu entziehen. Sprache wird so zum Medium eines kollektiven Gedächtnisses: "Sprache vergegenständlicht gemeinsame Erfahrung und macht sie allen zugänglich, die der Sprachgemeinschaft angehören. Sie wird so zugleich Fundament und Instrument eines kollektiven Wissensbestandes. Darüber hinaus stellt sie Mittel der Vergegenständlichung neuer Erfahrungen zur Verfügung und ermöglicht deren Eingliederung in den bereits vorhanden Wissens- (und Gefühls-, d. Hrsg.) bestand. Außerdem ist sie das wichtigste Medium, durch das die vergegenständlichten und zu Objekten gewordenen Sedimente als Tradition der jeweiligen Gesellschaft überliefert werden" (Berger & Luckmann, 1980, S 72f



Hören

Wahrnehmung geschieht bei der Entgegennahme von gesprochener Mitteilung, etwa in der Hörfunknachricht, ausschließlich durch die Sinnesleistung des Hörens. Diese Sinnestätigkeit setzt Aufmerksamkeit voraus. Die Gehirnforschung hat Modelle zur Erklärung dieser Aufmerksamkeitsprozesse entwickelt: Die im Bewußtsein einlaufenden auditiven Reize werden von ihm auf ihre Neuartigkeit überprüft. Neuartigkeit bedeutet hier: Die einlaufenden Reize müssen sich von der Information vorhergehender Reize unterscheiden, die unser Bewußtsein als inneres Modell von Außenwelt gespeichert hat, Ist die Diskrepanz zu den neueingelaufenen Reizen groß, werden Aktivierungssysteme des Organismus erregt, die dann Orientierungsreaktionen auslösen. Alle diese Prozesse unterliegen zunächst nicht der bewußten Steuerung (Sokolow, 1975, Pribram & McGuiness, 1975, verständlich dargestellt bei Kegel, Arnhold & Dahlmeier, 1985, S. 42f).

Hier nun eine schematische Darstellung der Bewußtseinsleistung beim Hören von gesprochener Sprache:




Hören

Verarbeitungsebenen und -prozesse bei auditiver Informtionspräsentation



Verarbeitungsebenen

Verarbeitungsprozesse

I. Basisprozesse der Entschlüsselung

(Dekodierung)

Erkennen von Wörtern

  • Entziffern von Lauten (Phonemen) und Lautfolgen (Phonemfolgen)

  • Aktivierung von Begriffen im Gedächtnis

II. Gliederungs- und bedeutungserkennende Prozesse

(syntaktisch-semantische Prozesse)

Herstellung inhaltlicher Beziehungen zwischen den Deutungsentwürfen (Konzepten) mit Hilfe der Satzlehre (Syntax):

  • Aufteilung in syntaktische Einheiten

  • Herstellung inhaltlicher Zusammenhänge

  • (Kohärenz) in Sätzen = Satzverstehen

  • Herstellung satzübergreifender inhaltlicher Zusammenhänge (Kohärenzen)

III. Schlußfolgerung auf der Basis vorausgehender Verarbeitungsprozesse

(inferentielle Prozesse)

Ganzheitlich einbeziehende (integrative) Verknüpfung mit dem Vorwissen:

  • ausarbeitend-entwickelnde (elaborative) Prozesse: Vorstellung des Gehörten (Imagination), Vorstellungsverknüpfungen (Assoziationen), Bewertungen

  • Rückführung des Kompliziert-Vereinzelten auf die übergreifende Struktur und ihre Bewahrung (reduktive Prozesse): Konstruktion von Zusammenfassungen, Behalten des Wesentlichen



Von entscheidender Bedeutung für die Bewußtseinsleistung des Hörens sind die Schlußfolgerungen auf der Basis vorhergehender Verarbeitungsprozesse. Sie entscheiden über Bewußtseinstiefe und intellektuellen bzw. emotionalen Wert der aufgenommenen Information, ebenso über die Chancen imaginativer und assoziativer Transformation. Hier erst wird die Sinnesleistung des Hörens zur Kulturtechnik (Zeitter, 1987, S.45f, vgl. Ballstaedt, Molitor & Mandl, 1989).

Wahrgenommenes durch (akustische) Medien speichern

Medien können im Prozeß kollektiver Gedächtnisleistungen zu Speichern von Erfahrungssedimenten werden. Sie sind dann dem menschlichen Bewußtsein als einem inneren Modell von Außenwelt als externe Speicher zugeordnet. Ihre Zeichensysteme, vor allem die Sprache, ermöglichen im Akt der Medienkommunikation soziales Lernen. Die technischen Kommunikationsmedien repräsentieren dabei in einer von der Technik geprägten Gesellschaft mit langer verbaler und bildlicher Tradition den gesamten, durch Speicherung verfügbaren Vorrat an Daseinserfahrung, an Lebens- und Welt-interpretation, der durch technisch vermittelte Kommunikation in individuelle Erfahrung umgewandelt, der gelernt werden kann (Zeitter, 1987, S. 105).

Die Zeichensysteme, die sich im Laufe der menschlichen Kulturgeschichte im Bereich unseres Gehörsinns herausgebildet haben: Sprechsprache, Musik, Geräusch konnten als Gehörsempfindungen zunächst nicht so unmittelbar wie optische Erscheinungen, Bild und Schrift, dem Vergessen entzogen werden.

Erst die Erfindung von Schallplatte und Tonband schien - wie im optischen Bereich Fotografie und Film - nun die identische Speicherung von Sprache, Musik und Geräusch in allen Bereichen ihrer akustischen Erscheinung zu ermöglichen. Die akustische Erscheinung schien nun als identische technisch wiederholbar.

Man erkannte aber bald, daß in der Art und Weise, in der jemand etwa ein Mikrophon einsetzt, mit diesem technischen Apparat aus der akustischen Gesamtwirklichkeit auswählt, eine verändernde Interpretation dieser Wirklichkeit mitgegeben ist.

Schallplatten und Tonbandaufnahmen haben, wie die Laufbildfolge des optischen Films, von vornherein Prozeßcharakter. Sie können Sprechsprache, Musik, Geräusch als Erscheinungen im zeitlichen Ablauf speichern, ohne ihnen Gewalt anzutun, ohne sie, wie Bild, Plastik, Fotografie ihre optischen Objekte, erst einzufrieren, zum Stehen bringen zu müssen.

Aber in diesem "Vorteil" ist zugleich eine Begrenzung der beiden Medien mitgegeben. Anders als der Film beim einzelnen Bild, können Tonband und Schallplatte nicht beim einzelnen Wort, beim einzelnen Ton angehalten werden.



Didaktische Funktionen von Tonbandgerät und Tonband für den probierend-lernenden Umgang mit gesprochener Sprache, Musik und Geräusch

Im Kontext des lernenden Umgangs mit akustischen Zeichensystemen sind Tonbandgerät/Kassettenrekorder im Unterricht meist zunächst Abspielgeräte. Bespielte Tonbänder/-kassetten können als Tonkonserve beliebig oft hörbar gemacht werden.

Wichtiger als diese Abspielfunktion ist aber die Möglichkeit, mit Hilfe des Tonbandgerätes oder des Kassettenrekorders Sprechsprache, Musik und Geräusch aufzunehmen, also technisch zu speichern, und die Aufnahmen (beim Tonbandgerät) gegebenenfalls durch Schnitt und Montage technisch und dramaturgisch zu bearbeiten und als akustische Gestalten damit zu verändern.

Tonbandgerät und selbst bespielte und bearbeitete Tonbänder haben also ihre Bedeutung im gesamten Entscheidungsfeld „Medien". Besonders Überlegungen zu den didaktischen Reflexionsbereichen "Lernziele" und „Methoden“ werden hier wichtig:



MEDIUM

METHODEN

LERNZIELE

Das Tonbandgerät

Tätigkeit des Unterweisenden (Lehrenden)


Tätigkeit des Lernenden


... als technische Apparatur

Unterweisung in den Technischen Funktionen.

Probierend-hantierender technischer Umgang.


Beherrschung der Apparatur.

... als technischer Mittler

Vermittlung von Hör-Strategien als Grundlage der Abspiel-, Aufnahme- und Montagetätigkeiten. Training akustischer Selektion und Kombination.

Abspielen, Aussteuern, Aufnahme, Mikrophonwahl und -positionierung, Verfremden durch Hall und Verzerren, Tonmischung, Schnitt, Blende, Montage.

Fähigkeit zu genauem, vermitteltem Hören, zu Speicherung akustischer Wirklichkeit durch Auswahl, zu kreativer Veränderung des Aufgenommenen. Fähigkeit zur Produktion neuer akustischer Wirklichkeit als Auseinandersetzung mit erlebter und vorgestellter Welt.




MEDIUM

METHODEN

LERNZIELE

Das bespielte Tonband

Tätigkeit des Unterweisenden (Lehrenden)


Tätigkeit des Lernenden


als Medium

Vermittlung von Hör-Techniken und -hilfen, von Methoden, Gehörtes festzuhalten, zu untersuchen, zu verstehen, im sozialen Kontext zu beurteilen. Strategien der Umsetzung von akustischer Wahrnehmung in optische Zeichen und der Kombination akustischer mit optischen Medien.


Unterscheidendes, Klanggestalten auffassendes, sinner-schließendes Hören.

Kritisches Hinterfragen des Gehörten, besonders in seinem kommunikativen und gesellschaftlichen Kontext. Das Vernommene aufschreiben, zeichnen, mit optischen Medien kombinieren.

Fähigkeit zu situations- und gestaltgerechtem Hören, zu analytischem Umsetzen des Gehörten, zur Übertragung akustischer Wahrnehmung in optische Zeichen-Systeme.



Die rein akustische Sprache

Für die Schulung des Sprechens und Hörens mit Hilfe des Tonbandgeräts und des Kassettenrekorders werden Strukturen einer Sprech- und Hörsituation wichtig, wie sie vor allem für den Hörfunk beschrieben worden sind, Strukturen einer Sprache, deren Träger im Sprechen und Hören, aber auch in ganz ausgezeichneter Weise das Tonband (die Tonkassette) sein kann (Zeitter, 1972).

Medium dieses Sprechens und Hörens ist die rein akustische, schriftlose Sprache. Sie ist nicht von visuellen Eindrücken begleitet. Jeden Sprechenden erleben wir ja sonst optisch und akustisch. Wir hören sein Sprechen und sehen seine Mimik und Gestik. Dazu haben wir einen visuellen Eindruck seiner Persönlichkeit, etwa des Geschmacks, der sich in seiner Kleidung verrät. Ein System korrespondierender, mit Bewußtsein aufgenommener, unser Sprechen und Hören beeinflussender, aber auch sehr oft unbewußt unterströmender visueller Signale (Anmutung), ein Komplex ästhetischer und sozialer Urteile und Vorurteile werden in Bewegung gesetzt und ergänzen die akustische Mitteilung.

Diese optische Komponente unserer Kommunikationswirklichkeit, von uns ganz selbstverständlich vorausgesetzt, fehlt uns, wenn wir eine menschliche Stimme im Hörfunk oder vom Tonband hören. Das bedeutet eine unausgesetzte Anforderung an uns als Hörende, das Fehlende zu kompensieren. Diese Kompensation geht in zwei Richtungen:

Von dieser Erfahrung profitiert jeder Hörfunkmoderator, jeder Talkmaster, aber auch jeder Werbesprecher und Politiker, der sich als "akustische Persönlichkeit" mit unverkennbaren Merkmalen planmäßig aufbaut. Aus der Einsicht in die Funktion der nur akustischen Sprache resultiert mit Sicherheit auch der Trend in den Hörfunkanstalten, bei Interviews, Diskussionen, Moderationen, "Sprechunarten" als Sprechcharakteristiken zu belassen, Versprecher nicht mehr herauszuschneiden, Dialektanklänge nicht mehr zu unterdrücken.

Die Konzentration auf die Kräfte der Vorstellung beim Hörer wird verstärkt durch die Tatsache, daß wir als Hörende nach außen zunächst nicht antworten können. Hörfunksendungen (Tonband-/Kassettenaufzeichnungen) bewirken Einwegkommunikation: Der Sprecher, den wir hören, steht uns als realer Partner nicht zur Verfügung. Aber es gibt den "inneren Dialog". Unsere Antwort ist zunächst die innere Vergegenwärtigung des Gehörten, eine gedankliche, deshalb aber keineswegs sprachlose Auseinandersetzung mit ihm.

Gesprochene Sprache, durch technische Medien transportiert, ist also, ähnlich wie die gedruckte Schrift, ein verhältnismäßig "abstraktes“, einsinniges Mitteilungssystem, dessen Botschaften der Verlebendigung aus den Sedimenten früherer Sinneserfahrungen bedürfen.

Will man sich mit Hilfe dieses Systems verständigen, sollte man Strukturen der analogen und der digitalen Kommunikation erfahren und durchschaut haben (Watzlawick et al., 1990, S. 61f).

Analoge Kommunikation verfügt über Zeichen, die etwas "besonders Dinghaftes", etwas von der sinnhaften Anmutung des bezeichneten Objekts bewahrt haben. (Das Wortzeichen "Wau-Wau" für das Objekt "Hund".) Digitale Kommunikation dagegen bezeichnet nach "willkürlicher" semantischer Verarbeitung ihre Objekte (die Buchstabenfolge h, u, n, d für den Vierbeiner).

Analoge wie digitale Zeichen werden je nach den Erfahrungsbeständen der aufnehmenden Person, je nach Inhalten und Strukturen ihres inneren Modells von Außenwelt, ganzheitlich gedeutet. Watzlawick hat dafür ein schönes Beispiel, das sich unmittelbar auch auf die durch Medien transportierte gesprochene Sprache übertragen läßt: Ein junger Europäer nimmt in Peking bei einem chinesischen Gelehrten Unterricht in der chinesischen Sprache. Dabei soll er einen aus drei Schriftzeichen bestehenden Satz übersetzen. Er erkennt die Bedeutung der Zeichen richtig als "Rundung", "sitzen“ und "Wasser" und kombiniert diese drei Begriffe schließlich zu der Aussage: „Jemand nimmt ein Sitzbad." Der Lehrer ist entsetzt, denn der Satz ist eine besonders poetische Beschreibung eines Sonnenunterganges am Meer (Watzlawick et al., 1990, S. 96).

Für den Sprachforscher - und für den Medienpädagogen - ist jede der beiden sich in ihrem Sinn ausschließenden subjektiven Deutungen zunächst möglich, "richtig" und legitim. Die Diskrepanz der Interpretationen weist auf den Lückentext-Charakter vieler medialer Aussagen hin. Zwar sind wir bei der Kommunikation durch auditive Medien auf Verständigung durch "Denotation", durch einen harten Kern verläßlicher Mindestbedeutung, angewiesen, trotzdem sollten wir uns aller Möglichkeiten der "Konnotation", der durch persönliche Erfahrung, schicht- und kulturspezifische Prägung entstandenen assoziativen Struktur, bewußt bleiben, sie in kommunikativer Toleranz voraussetzen. Konnotation ist hier auch ein Medium von Kreativität. Digitale Strukturen der auditiven Kommunikation - in der Schriftsprache wären das etwa die Zeichen der Interpunktion - setzen sich in der gesprochenen Sprache in Elemente des Rhythmus und der Betonung um. (Zweimal ein Satz aus Friedrich Schillers Wilhelm Tell: "Der brave Mann denkt an sich selbst zuletzt." "Der brave Mann denkt an sich, selbst zuletzt.")

Analoges Material auditiver Kommunikation wären in der durch Medien transportierten gesprochenen Sprache alle Möglichkeiten sinnlicher Anmutung: Stimmcharakteristiken, Rhythmik, Sprachmelodie usw. Ein Text kann gegen den denotativen Sinn seiner Aussage durch die Stimmcharakteristik seines Sprechers "fehlbesetzt" sein. Das erzeugt dann beim Hörer entweder Momente des Mißbehagens oder, womöglich gegen die Absicht des Produzenten, Erlebnisse ironischen Vergnügens.

Wer etwa eine Hörfunknachricht mit nüchternsachlichern Inhalt mit einer erotisch-vibrierenden Frauenstimme besetzt, verfehlt nicht nur eine schlüssige Beziehung zwischen digitaler und analoger Kommunikation: Er verfehlt auch die in Annäherung immer wieder anzustrebende Einheit von Inhalts- und Beziehungsaspekt von Kommunikation. Analoge Kommunikation übermittelt vorwiegend Aspekte menschlicher Beziehungen, digitale Kommunikation Aspekte subjektübergreifender Inhalte.

Es zeigt sich nun, daß der Konflikt zwischen dem Chinesischlehrer und seinem Schüler bei Watzlawick ein Konflikt zunächst auf der Beziehungsebene war: Zwei unterschiedliche Kulturen geraten mit ihren unterschiedlichen Weltdeutungen zueinander in Kontrast, denn Weltdeutungen sind - zunächst kaum reflektierbares - Moment des unmittelbaren Sprachverstehens. Das gilt nicht nur für interkulturelle Beziehungen: Das markiert auch Beziehungen und Konflikte zwischen den Generationen, den sozialen Schichten, im allgemeinen zwischen den gesellschaftlichen Gruppen.

Idiolekt und Soziolekt, wo sie etwa im Dialekt, in der Schichtsprache, im Jargon Ausformungen analoger Kommunikation werden, also Anmutungsgestalten, bestimmen wie Filter über die kommunikativen Chancen sprech-sprachlich mitgeteilter Inhalte: generell in jeder Hörfunksendung, speziell in den Hörfunknachrichten, wo etwa die kühle, emotionsarme Stimme des Nachrichtensprechers beim Hörer geradezu automatisch den Eindruck gruppenbedingter Fremdheit, dazu aber auch die Urteile "objektiv" -"seriös" -"offiziell" erzeugt.

Menschen treten in den Vorgang der Kommunikation nicht voraussetzungslos (als tabula rasa) ein. Sie bringen als Individuen die Bedingungen ihrer Individual- und Sozialgeschichte in den Kommunikationsvorgang ein.

Aus ihrer Individual- und Sozialgeschichte erwachsen den Sprechern wie den Hörern Idiolekt und Soziolekt. Den als Menge im mathematischen Sinne aufgefaßten persönlichen Besitz eines Individuums an paradigmatischen und syntagmatischen Zeichen (Zeichen im Ähnlichkeitsbezug und im Bezug der zeitlichen Fügung innerhalb einer Redeeinheit) nebst den zugeordneten Inhalten nennen wir seinen Idiolekt. Wir unterscheiden einen aktiven, der Kommunikation jederzeit zur Verfügung stehenden, und einen passiven, durch äußere Signale mobilisierbaren Idiolekt.

Jeder Idiolekt ist ebenso Ergebnis der Individual- wie der Sozialgeschichte eines Individuums. Jeder von uns ist in seiner Sprache von Jugend an durch Gruppen und ihre Sprache geprägt (durch Frauen, Männer, durch Familie, Kirchen, Vereine, Dialektgruppen, Berufsgruppen usw.). Man spricht unter diesem Aspekt vom Soziolekt eines Individuums.

Idiolekt und Soziolekt, aber auch Vorwissen, Vorurteile und Vorwertungen des Senders haben Signalcharakter für den Adressaten (Anmutung). Aus dieser Signalwirkung sind spontane Sympathien und Antipathien zu erklären, die kommunikationsverstärkend oder kommunikationsverhindernd wirken können. Wir haben eine "sprachliche Erinnerung“, die unbewußt analog wirkt (der spricht wie einer, mit dem ich gute/schlechte Erfahrungen gemacht habe).



Das Erlebnis der akustisch gespeicherten Eigenstimme

Sprachliche Kompetenz setzt nicht nur die Fähigkeit voraus, andere Stimmen genau zu hören, für die sprecherische Persönlichkeit des Kommunikationspartners sensibel zu werden. Wer beim Hörfunk als Sprecher, als Reporter, Diskussionsleiter oder als Redakteur am Mikrophon gearbeitet hat, wird sich des Schocks erinnern, den er beim ersten Hören der eigenen Stimme empfand: Das bin nicht ich - so kann meine Stimme nicht klingen!

Der Schock, der in uns entsteht, wenn unsere Stimme auf diese Weise "objektiviert" wird, ist eine Chance für die Ausbildung der sprachlichen Persönlichkeit. Er wird zu einer wichtigen Hilfe sprecherischer Ich- und Sozialkontrolle.

Zunächst gibt es für dieses Schockerlebnis eine physiologische Erklärung. Wir hören, wenn wir sprechen, unsere eigene Stimme mit Schädelresonanz. Das Knochengefüge unseres Schädels schwingt, ähnlich wie das Gehäuse eines Lautsprechers, mit, wenn wir sprechen. Die anderen hören unsere Stimme ohne Schädelresonanz. Nach einer Tonbandaufzeichnung hören wir nun unsere Stimme wie die eines anderen, gewissermaßen außerhalb unser selbst.

Wichtiger aber ist die psychische Komponente desselben Vorgangs. Denn: Nicht nur die fehlende Schädelresonanz "objektiviert" die Begegnung mit unserer eigenen Stimme. Auch die Gleichzeitigkeit des Sprechens und des kontrollierenden Hörens ist nun ja aufgehoben. An diese Gleichzeitigkeit jedoch sind wir als Sprechende gewöhnt, seit wir Bewußtsein unserer selbst haben.

Vom Tonband hören wir uns jetzt gewissermaßen im nachhinein, und damit hören wir uns als einen anderen. Das naive, unkritische Bewußtsein der Identität mit der eigenen Stimme ist aufgehoben. Dazu kann sich die Aufmerksamkeit, die wir sonst dem gleichzeitig sich vollziehenden Sprechakt zuwenden müßten, ganz auf das kritische Hören konzentrieren.



Die auditiven publizistischen Nachrichtenformen

Die publizistischen Nachrichtenformen vorwiegend sprechsprachlicher Kommunikation - in manche von ihnen gehen Musik und Geräusch mit ein - sind als exemplarische Typen menschlichen Sprachhandelns auch für den Unterricht an Schulen interessant (mediales akustisches Design).

So ist es kein Zufall, daß das Wort "Nachricht“ in seiner niederdeutschen Form "Nachrichtung“ noch die normierende Anweisung markiert, "das, wonach man sich zu richten hat", im gleichbedeutenden Begriff "Mitteilung" aber auf Risiko hinweist, auf das teilende Sich-Aussetzen im Gespräch, dessen Gefährdungen Jaspers beschrieben hat (Jaspers, 1963, S. 120).

Nachrichten prägen das politische, gesellschaftliche, berufliche und kulturelle Leben mit Referat, Bericht, Statement, Diskussion, Disput. Alle sind die Ausformungen einer neuen, auswahlgesteuerten, mediengestützten mündlichen Kultur, die für den einzelnen zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Wer diese Formen kennt, einige von ihnen aktiv beherrscht, nimmt mit erweiterten Chancen am gesellschaftlichen Leben, an der gesellschaftlichen Konstruktion von Wirklichkeit teil. Letztlich ruhen auf diesen Formen mündlicher Kommunikation demokratische Freiheit ebenso wie soziale Verantwortung.



Publizistische Form:

Sprachliche

Form:

Zeichensystem/Kommunikative Funktion:

Erzählung

monologisch

Sprechsprache:



eine Handlung in geordnetem Nacheinander erschließend

Bericht

monologisch

Sprechsprache:



einen Prozeß durch Zuordnen sachbezogen erklärend

Referat

monologisch

Sprechsprache:

Einen Problemzusammenhang durch logische Zergliederung darlegend



Reportage

monologisch

Sprechsprache/Originalgeräusch:



ein wichtiges Ereignis hörer- und medienbezogen mit erklärenden Rückgriffen bildhaft gegenwärtig machend



Statement

monologisch

Sprechsprache:



den eigenen Standpunkt in einer Sache adressatenbezogen entwickelnd, begründend



Interview

dialogisch

Sprechsprache:



in Frage und Antwort logisch entwickelnd, dabei den Befragten als Gesprächspartner indirekt porträtierend



Diskussion

Dialogisch/

Sprechsprache:


Mehrpersonengespräch

in vorwiegend rationaler Auseinandersetzung entwickelnd, begründend


Disput

Dialogisch/

Sprechsprache:


Mehrpersonengespräch

In kämpferischer Auseinandersetzung rational und emotional argumentierend, beweisend


Round-table-

Dialogisch/

Sprechsprache:

Gespräch

Mehrpersonengespräch

Zwischen Gleichberechtigten in betont kooperativer Form entwickelnd, begründend, auf Zuhörer außerhalb der Gesprächsrunde mitbezogen








Hörwelt und Hörgewohnheiten von Kindern des 7. bis 10. Lebensjahres

Was bisher zur gesellschaftlichen Funktion von Sprache im allgemeinen, zum Wech-selverhältnis von Sprache und Wahrnehmung, zur Speicherung von Kommunikationsinhalten durch Medien, zur rein auditiven Sprache und ihren publizistischen Formen gesagt wurde, hat jeweils unbestritten unter verschiedenen Aspekten Auswirkungen auf die Sozialisation von Kindern bis zum 11. Lebensjahr, genauer: auf die Ausformung ihrer kommunikativen Kompetenz (vgl. Böhme-Dürr, 1985).

Ein Projekt, das diese Kompetenz sichern, ja steigern möchte, hat jedoch nach den besonderen Bedingungen zu fragen, unter denen, die rein auditive Sprache des Hörfunks, hier besonders die Sprache der Hörfunknachrichten, dem Kind begegnet- Dabei ist es zunächst notwendig, den engen Nachrichtenbegriff der Publizistikwissenschaft zu verlassen und stattdessen den weiteren Begriff der Informationstheorie zugrundezulegen. Nachrichten sollen begriffen werden als Zusammenstellung von Zeichen eines Repertoires, die nach Regeln erfolgt, um einem anderen etwas mitzuteilen.

Die Wald des erweiterten Nachrichtenbegriffs läßt sich aus der Lebenswirklichkeit der Kinder bis zum 11. Lebensjahr doppelt begründen:



Zusammenfassung

Die entwicklungspsychologischen Aspekte kindlichen Sprechens und Hörens wurden in Kapitel 4.1. dargestellt. Sie prägen auch Hörwelt und Hörgewohnheiten. Für die didaktische Feinplanung des Teilprojekts "Hörfunk-Nachrichten im Hörfunk“ bedeutet das: Die Schülerinnen und Schüler sollen in praktischen Übungen aus einer zunächst durchaus zugelassenen Wirklichkeit des Nebenbei-Hörens ( des "kollektiven Monologs") an die für sie schwierigen Anforderungen der rein auditiven, durch Medien transportierten Sprache herangeführt werden. Konzentriertes Zuhören bei Radiosendungen schult die Fähigkeit, auch in der Alltagswelt dem Partner zuzuhören. Publizistische Formen der auditiven medialen Kommunikation sind beispielhafte kommunikative Ausprägungen auch für die alltägliche sprecherische Kommunikation.



Für die Konstruktion von Lernzielen hat das zur Konsequenz:

Die Methoden, mit deren Hilfe diese Lernziele erreicht werden sollen, müssen flexibel auf die unterschiedlichen Stadien des Spracherwerbs und der Hörfähigkeit eingehen, die sich gleichzeitig in den beiden letzten Klassen der Grundschule finden lassen.


4.2.2.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil



Vorbereitende Unterrichtseinheiten zum Themenschwerpunkt

Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

FFK 03

D/BK

"Welche Farbe paßt zu welchem Wort?"


Vis.Ged.

65

FFK 23

SP/M

"Wörter durch Körperbewegung darstellen“


Spont.Fl., Visualis.

88

FFK 24

M/D/SP

"Wörter auf Musikinstrumenten spielen"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Spont.Fl., Evaluat.

89

FFK 25

BK/D

"Wörter mit Farbstiften malen“


Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Visualis.,

Evaluat.

90

FFK 26

D/M

"Mein Lieblingsspielzeug"


Ausdr.f

91

FFK 28

M/D

"Klänge zu Gefühlen“


Adapt.Fl., Original.,

Aud.Ged., Spont.Fl.

93

FFK 29

M/D

„Musik erraten"


Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont-Fl.,

Wortgel.

94

FFK 31

D/M

"Mit Musikinstrumenten erzählen“


Aud.Ged. Original.,

Spont.Fl., Ausdr.f,

Evaluat.

97

FFK 32

D

„Musiken für verschiedene Filmtypen"


Evaluat., Adapt.Fl.,

Aud.Ged.

98

FFK 33

D/M

"Geräusche erraten“


Aud.Ged.

99

FFK 34

M/BK/D

"Geräusche malen“


Ass.gel.

100

FFK 35

D/M

"Geräusche im Klassenzimmer produzieren"


Original., Aud.Ged.

101

FFK 36

D/M

"Wir produzieren Geräusche"


Spont.Fl., Original.

103

FFK 37

M

"Hör-Orte"


Aud.Ged.

104

FFK 39

BK/D/M

"Videofilm zu einer Geschichte"


Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Visualis.

107

Spezifische Unterrichtseinheiten zum Themenschwerpunkt:


Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

HF 01

M/D

"Weitersagen!"

Wortgel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Adapt.Fl.,

Evaluat.

128

HF 02

D

„Hinter dem Vorhang“

Aud.Ged., Adapt.Fl.,

Evaluat.

129

HF 03

D

"Worüber wird da gesprochen?"

Wortgel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Spont.Fl.,

Original., Evaluat.

130

HF 04

M

"Was gehört zusammen?"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Spontfl., Adaptfl.

131


Fächer


Unterrichtseinheit

HF 01

Kreativitäts-

faktor n. G.

M/D

Thema:

"weitersagen!"

Wortgel.

Aud.Ged.


üz:

Auditives Vermögen, Mediale Artikulation.

Ausdr.f.

Adapt.Fl.


GZ:

Soziolekt erkennen können.


Evaluat.


FZ:

Kommunikationsmuster in verschiedenen sozialen Kontexten einordnen und anwenden können.




Beschreibung:

  1. L. schreibt eine möglichst sachlich gehaltene Information aus Politik, Kultur, Ökologie an die Tafel.

  2. Im Rollenspiel wird die Nachricht in verschiedenen fiktiven Situationen weitergesagt (den Eltern in der Küche, dem Klassennachbarn, der Lehrerin bzw. dem Lehrer in einem Aufsatz, im Radio). Dabei auf unterschiedliche Verbindlichkeitsgrade eingehen (Radio- und Aufsatztexte werden geschrieben!).

  3. Die für das Radio konzipierte Nachricht soll hinter einer Leinwand gesprochen und später aufgenommen werden.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, Rollenspiel, Rollenspiel als Hörspiel, Tonband-/ Tonkassettenaufnahme.




Materialien

und Medien:

Kasettenrekorder, Tonkassette, Papier, eine ausgewählte Nachricht.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 33: "Geräusche erraten"






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

HF 02

Kreativitäts-

faktor n. G.

D

Thema:

Hinter dem Vorhang!" – Rollenspiel als Hörspiel.

Aud.Ged.

Adapt.Fl.


üz:

Mediale Artikulation.


Evaluat.


GZ:

Unterschiedliche Chancen und Grenzen der optischen und akustischen Medien kennen.




FZ:

Im Hörspiel visuelle Stimuli durch akustische ersetzen können.




Beschreibung:

In zwei oder drei Gruppen bereitet die Klasse ein Rollenspiel vor, entweder nach einer gerade gelesenen Geschichte, nach Vorgabe einiger Begriffe oder nach gezielter Themenstellung.

Jede Gruppe führt ihr Stück hinter einer undurchsichtigen Wand vor. Das Publikum versucht, das Spiel ohne mimische und gestische Hilfen, also nur aufgrund der akustischen Reize zu verstehen.

Unklarheiten werden besprochen und in konstruktive Lösungsvorschläge für die Darstellungsmöglichkeiten im Ton-Kanal überführt.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, Rollenspiel, Hörspiel.




Materialien

und Medien:

Trennwand.






Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 33: "Geräusche erraten"

FFK 24: "Wörter mit Musikinstrumenten darstellen“




Weiterführung:

FFK 27: "Fernsehansage"



Fächer


Unterrichtseinheit

HF 03

Kreativitäts-

Faktor n. G.

D

Thema:

"Worüber wird da gesprochen?"

Wortgel.

Aud.Ged.


üz:

Auditives Vermögen, Mediale Artikulation.

Ausdr.f

Spont.Fl.


GZ:

Sprechsituationen, Soziolekt erkennen können.


Original.

Evaluat.


FZ:

Kommunikationsformen in unterschiedlichen Sendungstypen erkennen können.




Beschreibung:

Die Masse hört Mitschnitte aus fremdsprachlichen Hörfunksendungen, die unterschiedlichen Gattungen angehören (Nachricht, Werbung, Liebesszene, Verfolgungsjagd im Krimi, Sportreportage usw.). Keines der Kinder sollte die Sprache verstehen können. Gespräch über die Kennzeichen der Sendegat-

tungen.

Die Kinder gestalten in Kleingruppen entsprechende Hörsequenzen in deutscher Sprache hinter einer Trennwand, Aufnahme auf Tonband/-kassette und Gespräch über die Ergebnisse.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Anhören von akustischen Konserven, Gruppenarbeit, Hörspiel, Tonband-/ Tonkassettenaufnahme.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Tonkassette mit vorbereiteten Mitschnitten, leere Tonkassetten.




Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 33: "Geräusche erraten"

FFK 24: "Wörter mit Musikinstrumenten darstellen"

FFK 38: "Mini-Multi-Media-Show“




Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

HF 04

Kreativitäts-

faktor n. G.

M

Thema:

"Was gehört zusammen?" - Akustisches Design.

Ass.gel.

Aud.Ged.


üZ:

Auditives Vermögen, Mediale Artikulation.

Spont.Fl. Adapt.Fl.


GZ:

Nachrichten im Zusammenhang mit Zeichen des Hörfunkrepertoires begreifen.




FZ:

Signale des Hörfunks kennen und einsetzen können.




Beschreibung:

L. spielt ein Tonband mit Sprechtexten aus Hörfunknachrichten ab. Dabei fehlen die typischen Erkennungsmerkmale, auf die sich der Sprechtext bezieht, z.B. Zeitansage, Verkehrsdurchsage, Pausenzeichen der verschiedenen Sender usw.

Die Klasse bekommt ein Tonband, auf dem unterschiedliche akustische Signale festgehalten sind, z.B. Martinshorn, Autohupe, Pausenläuten, Telefonklingeln, aber auch o.g. Zeichen der Hörfunksender. Die Klasse soll nun den Worttexten die richtigen akustischen Signale zuordnen und damit ein Repertoire aus Wörtern und Zeichen herstellen.

Erstellen eines Hörfunkmanuskripts, das die Sequenzfolge von Sprechtexten und akustischen Zeichen angibt.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-/Tonkassettenwiedergabe, Unterrichtsgespräch, Selbsttätigkeit.






Materialien

Zwei Kassettenrekorder, Tonkassette mit Sprechtexten aus dem Hörfunk, Tonkassette Mit Tonsignalen, evtl. vorbereitete Sequenzliste der Tonzeichen und Sprechtexte.




und Medien:









Rückgriff auf

FFK 26: "Mein Lieblingsspielzeug"



vorherige UE:

FFK 36: "Wir produzieren Geräusche"




Weiterführung:

-



4.2.3. Themenschwerpunkt "Tageszeitung"1

4.2.3.1. Zu den theoretischen Grundlagen



Zugang zum Inhalt von Druckerzeugnissen, von Zeitungen, Zeitschriften, Büchern, verschafft uns die Fähigkeit des Lesens. Beherrschung der Codes der Druckschrift (Alphabetisierung) und der Kulturtechnik des Lesens (Literalität) machen es möglich, sich mit den Inhalten von Druckerzeugnissen zu konfrontieren, die in diesen Codes gespeichert werden können: mit Wissensbeständen, mit Mitteilung, Deutung, Wertung von Lebenswirklichkeit (vgl. Zeitter, 1995, S. 9ff.).

Ohne Zweifel ist die Tageszeitung zunächst und überwiegend ein Medium des gedruckten Textes. Das macht es schwer, schon in der Grundschule an sie heranzuführen. Aber Zeitungen haben auch ihr "Gesicht", sie sind Produkte eines optischen Planungsprozesses, der ihnen Individualität verleihen soll: des Layouts. Gelungenes Layout sollte für den Zeitungsleser Leseanreiz und Rezeptionshilfe zugleich sein, eine Art optisches Ordnungs- und Führungssystem. Es legt die Plazierung von Texteinheiten, Farbe und Größe von Überschriften, die Position von Bildern und Karikaturen fest. Es bestimmt die "Anmutungsqualität" einer Zeitung (vgl. Zeitter, 1995, S. 33ff.).

An diese Anmutungsqualität als optischen Reiz, als Augenerlebnis wie als Orientierungshilfe, kann man Acht- bis Zehnjährige heranführen. Man kann sie für die Signale sensibilisieren, die vom Layout einer Zeitung ausgehen, man kann sie erleben lassen, daß Layout ein Programm ist wie Inhalt und Qualität der gedruckten Texte.

Für die Planung der Unterrichtseinheiten hatte das die folgende Konsequenz:



Zeitung und Jugend

In den Zusammenhang von Wissen und Macht, aber auch von Literalität, Vertrauen und Stabilität des Lebensgefühls führt für jugendliche Zeitungskonsumenten, mittelbar vielleicht schon für ältere Kinder, ein Leitartikel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ein. Kurt Reumann berichtet darin auf der Grundlage von Umfragen über politische Ängste, die Jugendliche verunsichern, über Ängste, die von geringem Vertrauen in Politik und Politiker begleitet sind (in diesem geringen Vertrauen ihre Ursache haben?). Jugendliche, so ein Experte, näherten sich politischen Themen eher aus dem Gefühl als mit dem Kopf "Sie beurteilen Politik aus dem Bauch“ (Reumann, 1991).

Zu den Ursachen solcher Ängste und Defizite - Reumann nennt u.a. Golfkrieg und Umweltzerstörung als Auslöser - zwei Parabeln: Ein Lemmingforscher verbringt viele Monate im Staate der Wühlmäuse. Ein Lemming dient ihm als Dolmetscher, wird schließlich sein Freund. Als die Feldforschung abgeschlossen ist, kommt es zu einem letzten Gespräch. Der Forscher: "Nun weiß ich nahezu alles über Lemminge - nur eines verstehe ich nicht: Warum in aller Weit stürzt ihr euch immer wieder kollektiv von den Klippen?" Der Lemming: "Genau dasselbe wollte ich dich fragen: Warum in aller Welt tut ihr Menschen das nicht?" - Nach den Freiheitsrechten in einer Demokratie darf zunächst jeder Mensch oder Lemming sein.

Eine zweite Parabel zeichnet den Prozeß Jesu als ein Gleichnis für Demokratie. Pilatus, Vertreter der Exekutive, weiß nicht, "was Wahrheit ist". Er läßt die Mehrheit entscheiden. Das Ergebnis ist ein Justizmord.

Wie läßt sich in einer Demokratie verhindern, daß die Lemminge, zur Mehrheit gelangt, den kollektiven Selbstmord, vielleicht nach einigen "Justizmorden", zum Gesetz erheben? Wie läßt sich die dumpfe Angst einer Jugend auffangen, die mehr wittert als weiß, daß die Exekutive zuweilen "die Wahrheit nicht kennt"?

Hat da eine gediegen redigierte überregionale Tageszeitung nicht die Chance, mit solider Information, durchaus interessant, Vertrauen herzustellen, Ängste aufzulösen, dem "Kopf“ zur Herrschaft über den "Bauch" zu verhelfen?

Die Ängste könnten auch schwinden im Blick auf schriftlich fixierte Normen (Menschenrechte, Grundgesetz). Unsere Gesellschaft hat sie sich gegeben, damit die Herrschaft der Lemminge von vornherein ausgeschlossen bleibt. Medien legen diese Normen - wie es auch die Judikative tut - ständig aus. Medien stellen Normverletzungen an den Pranger, insofern sind sie die "vierte Gewalt" in einer freien Gesellschaft.

Schriftlichkeit, u.U. Kodifizierung, garantiert dabei zweifellos gegenüber audiovisuellen Botschaften "eine immens gesteigerte Wiedergabetreue des Inhalts“ (Merten, 1977, S. 140), sie bewahrt zudem die Botschaften unverändert für nahezu unbegrenzte Zeit.

Medien der Schriftlichkeit stehen dem Konsumenten flexibler zur Verfügung als Programmedien. Die Alltagswelt wird zunehmend zu einem Chaos unvermittelter Einzelanforderungen und -erfahrungen, ... die Auswahl aus immer zahlreicher werdenden potentiellen Handlungsalternativen zufällig, eine gesellschaftliche Integration unmöglich. Handeln wird dann aber sehr leicht durch gesellschaftliche Kräfte manipulierbar, die vorgeben, Lösungen zur Hand zu haben" (Meyer, 1975, S.197). Diesen Gefahren verfällt eine Gesellschaft von Lemmingen, ihnen entgeht eine Gesellschaft von Lesern.

Aber kodifizierte gesellschaftliche Normen, gedruckte Nachrichten als Spiegel der Realität, auf die Normen zu beziehen sind, interpretierende, kritisierende Zeitungskommentare, Sachbücher usw. versteht nur, wer literalisiert ist. Es bleibt also das Problem des Politikverständnisses "aus dem Bauch", das den notdürftig Alphabetisierten von der Auseinandersetzung mit dem Gedruckten abhält. Dabei zeigt die Bildungskluftforschung, daß ungenügend Literalisierte auch die Botschaften der visuellen, der auditiven und der audiovisuellen Medien schlechter auswerten. Die Gefahr einer Zweiklassengesellschaft wird sichtbar, in der Demagogen bei den Lemmingen u,U. leichtes Spiel hätten (vgl. Bonfadelli, 1992)

Sieht man genauer zu, begründet die fragwürdige Trennung von "Kopf“ und "Bauch" -Intellekt und Emotion sind ja Funktionen des einen, ungeteilten personalen Bewußtseins - u.U. Therapien, die die Krankheit sind, welche sie zu heilen beanspruchen: Was man "im Bauch hat", kann man bei bestehender Entfremdung von Kopf und Bauch mit dem Kopf ohne Schaden für die Person nicht so einfach ändern.

Gerade die Trennung von Intellekt und Emotion - auch gekennzeichnet durch die Trennung von "Geistigkeit“ und "Sinnlichkeit“ - schafft in einer Gesellschaft das dumpfe Mißtrauen, die rational nicht mehr aufzulösenden Ängste derer "da unten". Bei ihnen war es, soweit sie Medienkonsumenten sind, schon in der Schule nicht möglich, eine persönlichkeitsfestigende, medienfähig machende Einheit von Intellekt und Gefühl, von Geistigkeit und Sinnlichkeit zu entwickeln, u.a. auch, weil die führenden aktuellen Druckmedien unserer Gesellschaft diese Einheit z.T. selbst nicht hinlänglich repräsentieren.



Die Tageszeitung in der Alltagswelt der Jugendlichen

Wie begegnet denn das Medium "Tageszeitung“, Resultat seiner Geschichte wie seiner gesellschaftlichen Einordnung, jungen Menschen in ihrer Alltagswelt?

Wenn die Familien, in denen junge Menschen aufwachsen, ein Zeitungsabonnement haben, wenn auch Bücher, Zeitschriften, Illustrierte gelesen werden, erschließt sich Heranwachsenden die Welt der Druckmedien ganz spontan. Literalität und Oralität, "Kopf“ und „Bauch", kommen zu einem vernünftigen, durch den Lebensstil der Familie geprägten Ausgleich (Saxer et al., 1989, S. 169f).

Wie wichtig diese ganz spontane literarische Sozialisation für eine sich aufbauende Bildungskarriere ist, leuchtet unmittelbar ein - auch wenn mit Sicherheit nicht jeder junge Mensch aus solchen Familien zum "Leser" wird.

Die optische Anmutung, die "Sinnlichkeit" eines Druckerzeugnisses, etwa eines Buches oder einer Tageszeitung, hat auch in einem solchen, unmerklich führenden Familienmilieu ihre Bedeutung. Aber die Tatsache, daß Eltern, ältere Geschwister Lesemedien regelmäßig und offensichtlich mit Gewinn und Vergnügen nutzen, über Medieninhalte sprechen, hilft, Widerstände gegen "unsinnliche“ Medien überwinden (Baacke, Sander & Vollbrecht, 1990, S. 334f).

Freilich ist auch hier mit Generationskonflikten, mit Trotzreaktionen zu rechnen. Wie in der Gesellschaft können sich ganz unterschiedliche Typen von Oralität und Literalität entwickeln. Dabei werden wichtige Momente der Zeitungsgeschichte, daß Zeitungen Massenmedien sein können, Märkte brauchen, der Konkurrenz des Warenwettbewerbs unterliegen, zunächst von jungen Menschen gar nicht bewußt erlebt.

Stellen wir uns im Kontrast dazu einen jungen Menschen vor, der aus einer Familie kommt, in der Radio und Fernsehen als Nachrichtenquellen dominieren, Druckmedien kaum oder gar nicht benutzt werden. Dieser junge Mensch steht vor einem Zeitungskiosk. Er hat den unbestimmten Wunsch, es einmal mit dem Lesen zu probieren. Das heißt, er steht vor einer kaum überschaubaren Fülle bedruckten Materials, vor einer Fülle, die sich ihm zunächst in den optischen Signalen der Titelseiten erschließt. Da gibt es Schwarz-Weiß-Strenges, Knallig-Buntes mit unterschiedlichen Schrifttypen, mit unterschiedlichen Unterstreichungen, mit unterschiedlicher räumlicher Struktur der bedruckten Massen.

Im ganzen wirkt die Überfülle dieses Angebots wohl eher desorientierend, abschreckend, als daß sie zum Kauf, zu einem Leseabenteuer einlüde. Verständlich wird eine erste Reaktion, wenn dennoch gekauft werden soll: Sich den auffälligsten Signalen wie den Farben einer Verkehrsampel zu überlassen. Man folgt diesen Signalen um so lieber, wenn Bilder, sinnlich, emotionell, sie verstärken.

In dieser Welt verwirrender Angebote gibt es nichts umsonst. Markt und Warencharakter der Druckmedien offenbaren sich nun ganz unmittelbar. Elitärer Anspruch wird in der Strenge der Form empfunden. Erlebnisse der Oralität, in der Schule gegenüber der Qualifikation "Literalität" abgewertet, werden erinnert. Es gibt offenbar Medien für Eliten, denen man nicht angehört. Diese Einsicht kann man sicher nicht strikt formulieren, aber es bleibt das dumpfe Gefühl: "Ihr da oben - wir da unten" (Claußen, 1983, S. MM). Will man sich da von Medien informieren, vielleicht sogar führen lassen, die einem die Begründung ihrer optisch abweisenden Strenge, ihrer visuellen Exklusivität, verweigern? Da scheint es dann tröstlich, daß Buntes, vordergründig Attraktives sehr oft auch das Preiswertere ist (vgl. Saxer, 1989, S. 126f).



Zeitungsdesign - für die Schule eine medienpädagogische Funktion

Aus einer Analyse der Sinnesintensität der gesellschaftlich bedeutenden Kommunikationsfunktionen "Lesen“ und "Hören“, aus einem die Mediengegenwart bedenkenden Rückblick in die Mediengeschichte, aus der Besinnung auf Grundbedingungen der Mediensozialisation junger Menschen ergibt sich, wenn Lesen eine unverzichtbare gesellschaftliche Kompetenz begründen soll, die Frage nach der "Anmutung“, nach dem präkognitiven Erst- bzw. Dauereindruck von Zeitungen.

Die Schule als Institution, die sich um Alphabetisierung und Literalisierung zu kümmern hat, muß sich in ihrem Unterricht also Problemen des Zeitungsdesigns zuwenden. Zeitungsdesign wird für sie zu einer medienpädagogischen Funktion.

Liest man sich in die Literatur über Zeitungsdesign, im besonderen über Typographie, ein, dann erweckt die "wissenschaftliche Erforschung der Lesbarkeit" (Küpper, 1986) nicht den Eindruck, als könne sie auf ihrem augenblicklichen Stand die verläßliche Basis für ein lesergerechtes Zeitungsdesign, eine „funktionelle Typographie" (Rehe, 1981) abgeben. Gespräche mit Praktikern verstärken den Eindruck, es seien die wenigen Untersuchungen mit mangelnder Repräsentativität (völlig ungenügende Anzahl und Streuung der Probanden) mehr der Versuch, einer durchaus vorhandenen „handwerklichen" Tradition, die auf langer Erfahrung beruht, in einer Zeit rapiden technischen Wandels mit wissenschaftlichen Formulierungen aufzuhelfen.

In einer Publikation von Rolf Rehe füllt die Darstellung der wissenschaftlichen Forschung zu Problemen des Zeitungsdesigns gerade eine Druckseite. Auch eine Arbeit von Bettina Wind über „Farbe in der Zeitung“ kommt im Kapitel "Thesen zur Farbgestaltung“ mit zwei, allerdings überdimensionalen Druckseiten aus (Wind, 1988).

Ausführlicher, auch mit eigenen Forschungsansätzen, die allerdings unter dem obenbeschriebenen Defizit leiden, geht Norbert Küpper, gestützt auf langjährige Praxis, auf "Zeitungsdesign und Leseverhalten" ein (Küpper, 1986). Küpper stellt die entscheidenden Fragen:

Gibt es auf einer Zeitungsseite bestimmte Einstiegspunkte für den Leser, z.B. Fotos, Farben, Überschriften, Einstiegspunkte, die dann das Design der Seite, das Layout, beeinflussen müßten?

In den Blick kommt hier eine wichtige Teilfunktion des Zeitungsdesigns, das Layout, die Gestaltung der einzelnen Zeitungsseite:

LAYOUT: Entwurf einer für den Druck bestimmten Zeitungsseite mit Texteinheiten, Überschriften, Farben, Fotobildern, Karikaturen. Gelungenes Layout sollte für den Zeitungsleser Leseanreiz und Rezeptionshilfe zugleich sein: eine Ast von optischem Ordnungs- und Führungssystem. In Einzelfällen (Zeitschriften, Werbung) kann Layout künstlerische Qualität erreichen. Im Alltagsbetrieb der Tageszeitung bleibt es Routine, aber dennoch solides, differenziertes Handwerk. Layout schafft den "Anmutungscharakter" einer Zeitung. Der Leser entwickelt aus dieser optischen Anmutung eine Vorerwartung des Zeitungsinhalts.

Die Antworten, die vor allem Küpper auf Fragen des Zeitungsdesigns, insbesondere aber auf Probleme des Layouts gibt, kann man bis zu einer Widerlegung durch umfangreichere Studien als Ergebnisse vor allem auch ausgedehnter persönlicher Praxis medienpädagogisch und -praktisch verwerten, zumal eigene Beobachtungen sich auf sie beziehen lassen und sie ergänzen. Wir haben in Gesprächen mit Praktikern die Antworten von Küpper bestätigt gefunden:



Grundsätzliche Überlegungen zur handwerklichen Dimension des Zeitungsdesigns, vor allem des Layouts. Lesen heißt arbeiten. Durch die "Gestalt“ einer Zeitung muß für den Leser zunächst ein Anreiz geschaffen werden (Anmutung), sich auf diese Arbeit einzulassen. Dann muß dem Leser diese Arbeit durch optische Führung erleichtert werden.

Die Wahl der Schriften entscheidet mit über den Anmutungscharakter einer Zeitung und damit über die inhaltliche Vorerwartung des Lesers. Präkognitiv/emotionale Anziehungskraft führt dann zu kognitiv/textlicher Attraktivität.

Schriften mit einem dynamischen Gestaltungsprinzip (Antiqua-Charaktere) verraten ihre Herkunft aus der Handschrift. Ihre Dynamik wirkt positiv auf den Lesefluß.

Schriften mit statischem Grundprinzip (endstrichlose Charaktere) wirken ruhig und ausgeglichen, manchmal allerdings bis zur Monotonie, Gleichmäßige Flächenstrukturen schaffen dabei ein strenges Ordnungsgefüge. Sehr oft werden solche Schriften in Zeitungen eingesetzt, die sich Traditionen besonders verbunden fühlen und optisch bereits Ordnung, Übersichtlichkeit und Ruhe ausstrahlen möchten.

Wenn eine Zeitung nur eine Schrifttype verwendet, entsteht ein sehr strenges, konservatives Erscheinungsbild.

Gerade die Wahl der Schrifttype bei Überschriften prägt mit den Anmutungscharakter von Zeitungen für Gelegenheitskäufer, die ja erst Zeitungsleser werden sollen.

Überschriften sollten klar und eindeutig formuliert sein. Lieber eine verhältnismäßig lange Überschrift als eine kurze, aber nichtssagende. Zwischenüberschriften gliedern die Grundtexte längerer Artikel, sie machen diese optisch anziehender, steigern ihre Verständlichkeit und lassen die Zeitungsseite durchdacht, sorgfältig geplant erscheinen. Wieder ist auf die Verbindung von Form-Urteil und Inhaltserwartung hinzuweisen, die der Leser unwillkürlich vollzieht.



Bilder in ihrem Verhältnis zu Texten haben mehrfache Funktionen:

Auf den einzelnen Zeitungsseiten sollten die Fotoformate variieren. Personen, die auf diesen Bildern abgebildet sind, sollten nicht zum Seitenrand, sondern "in die Zeitung hinein" sehen (gegebenenfalls die Fotos "kontern“).

Farben wirken unmittelbar auf die Emotionalität des Lesers. Dabei sind physiologische und psychologische Komponenten der Farbwirkung eng verbunden, in ihrem Zusammenhang aber bisher nicht verläßlich erforscht. Farbe verleiht zunächst Schriften und bildlichen Objekten den Charakter der "Wärme" oder der "Kälte". Farbwirkungen auf das vegetative Nervensystem sind bekannt. So wirkt die Farbe Rot auf den nervus sympathicus, der das Erregungssystem des Körpers steuert (Streßphänomen). Blau wirkt auf den Parasympathicus, der dämpft und damit unserem Körper Ruhe und Erholung ermöglicht. Früh sind Verbindungen zwischen diesen physiologischen Farbwirkungen und den symbolischen Deutungen von Farben erkannt worden (Rot als Symbolfarbe der Liebe, Blau der Treue, vgl. Kap. 4.2.4. 1., S. 184ff.).

Ein Zusammenhang zwischen der Vorliebe für Farbintensität und der Schicht-(Bildungsschicht-)zugehörigkeit von Zeitungsleserinnen und -lesern (Angehörige "gehobener" Schichten bevorzugen Pastellfarben) wird behauptet, ist aber statistisch nicht überzeugend nachgewiesen.

Entscheidend für Farbwirkungen ist die Zeit, in der das Auge des Sehers auf Farbflächen ruht. Unter diesem Gesichtspunkt sind Farbwirkungen in Büchern, Zeitungen und Zeitschriften eindeutiger zu ermitteln als etwa im Film oder im Fernsehen.

Für die Verwendung von Farbe im Zeitungsdesign und im Layout formuliert Bettina Wind im einzelnen folgende Regeln:

Aus dem äußeren Erscheinungsbild einer Zeitung schließt der Käufer unwillkürlich auf Inhalt und Tendenz. Eine Zeitung kann ihm konservativ, altmodisch, modern, aktuell, boulevardhaft, aber auch zeitlos erscheinen.



4.2.3.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil



Zu diesem Themenschwerpunkt liegen keine vorbereitenden Unterrichtseinheiten aus „Farben - Formen - Klänge" vor.


Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

TZ 01

BK/D

„Zeitungen aus dem ganzen Land“

Wortgel., Vis.Ged.,

Evaluat.

142

TZ 02

BK/D

"Zeitungen ans aller Welt“

Wortgel., Vis.Ged.,

Evaluat.

143

TZ 03

BK

"Malen auf der Schreibmaschine"

Vis.Ged., Spont.Fl.,

Evaluat.

144

TZ 04

BK

"Die Großen und die Kleinen, die Fetten und die Schlanken"

Wortgel., Vis.Ged.,

Evaluat.

145

TZ 05

BK

"Buchstabencollage"

Vis.Ged., Visualis.,

Adapt.F., Evaluat.

146

TZ 06

D/M

"Nachrichten singen“

Ass.gel., Original.,

Evaluat.

147

TZ 07

D/BK

"Optische Struktur als Anmutung“

Spont.Fl., Visualis-,

Evaluat.

148

TZ 08

D/BK

"Ein Bild sagt so viel wie tausend Worte"

Vis.Ged., Spont.Fl.,

Visualis., Evaluat.

150

TZ 09

D/BK

"Wir stellen eine Sportseite her"

Vis.Ged., Spont.Fl.,

Visualis., Evaluat.

152


Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 01

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Zeitungen aus dem ganzen Land"

Wortgel.

Vis.Ged.


ÜZ:

Observation, Reflexion.


Evaluat.


GZ:

Den Anmutungscharakter von Zeitungen erkennen können.




FZ:

Die Schüler sollen Wirkungen des Layouts auf ihre Gefühle erkennen und artikulieren können.




Beschreibung:

L. bringt einen Stapel deutschsprachiger Zeitungen mit und breitet die Titelseiten vor der Klasse aus.

L.: "Welche Zeitung würdet ihr kaufen?" Im Unterrichtsgespräch beschreiben die Sch., wie die einzelnen Seiten auf sie wirken. Dabei geht es um ganz elementare Eindrücke wie: „Diese gefällt mir besser ... die ist zu voll", "die hat schöne Bilder", "die hat eine altmodische Schrift" usw. Es soll deutlich werden, daß die Aufmachung einer Zeitung (das Layout), ihr äußeres Erscheinungbild, emotionale und rationale Assoziationen in Wechselwirkung auslöst, die wiederum zu Mutmaßungen über den Inhalt einer Zeitung führen.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Verschiedene deutsche Zeitungen.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 02

Kreativitäts-

faktor n. G.


Thema:

"Zeitungen aus aller Welt"

Wortgel.

Vis.Ged.


ÜZ:

Observation, Reflexion.


Evaluat.


GZ:

Die Bedeutung des Layouts von Zeitungen erkennen können.




FZ:

Das Layout einer Zeitung differenziert wahrnehmen können.




Beschreibung:

L. breitet vor der Klasse verschiedene fremdsprachliche und fremdschriftliche Zeitungen aus (z.B. russische, hebräische, arabische).

L.: "Ihr könnt diese Zeitungen natürlich nicht lesen. Aber ich weiß, daß ihr trotzdem einiges aus diesen Zeitungen verstehen könnt. Zum Beispiel: 'Wo steht die wichtigste Nachricht?' - 'Was werden die Leser zuerst lesen?‘“

Die Sch. sollen aus der Plazierung eines Artikels, der Größe der Überschrift, der Drucktype auf die Wichtigkeit von Beiträgen schließen lernen.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Fremdsprachliche und fremdschriftliche Zeitungen.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 03

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

"Malen auf der Schreibmaschine"

Vis.Ged.

Spont.Fl.


ÜZ:

Observation, Reflexion, Kombination

(Montage).


Evaluat.


GZ:

Texte als Buchstabenkombination wahrnehmen können.




FZ:

Die Sch. sollen in eigener praktischer Tätigkeit die Vielfalt und das spielerische Moment von gedruckter Schrift erfahren.




Beschreibung:

L. läßt die Sch. auf einer Schreibmaschine Buchstabenmuster tippen, bis das Blatt "schön voll" ist.

Da nur jeweils so viele Sch. beschäftigt werden können, wie Schreibmaschinen vorhanden sind, empfiehlt sich für die restlichen Schüler eine Einzelarbeit: "Ihr könnt schon einmal einige Übungen auf einem Blatt Papier machen. Da ihr noch nicht an die Maschine könnt, entwerft ihr ein Muster in Druckschrift mit der Hand."

L. kann die Aufgabe auch mit einem Beispiel an der Tafel verdeutlichen:

ABCDZIH ABDCHDSM

ABCDZ ABDCHDSM

ABC ABDCHDSM

A ABDCHDSM




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.




Materialien

und Medien:

Schreibmaschine(n) und Papier.






Rückgriff auf

vorherige UE

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 04

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK

Thema:

"Die Großen und die Kleinen, die Fetten und die Schlanken"

Wortgel.

Vis.Ged.

Evaluat.


ÜZ:

Observation, Reflexion.




GZ:

Schriftgestaltung differenziert wahrnehmen können.




FZ:

Die Sch. sollen in eigener praktischer Tätigkeit die Gestaltungs- und Wirkungsmöglichkeiten von Schrift erfahren.




Beschreibung:

L. teilt Titelseiten von Zeitungen an die Schülerinnen und Schüler aus.

L. gibt einen Denkanstoß: "Auf jeder der Seiten, die vor euch liegen, gibt es Große und Kleine, Fette und Dünne." Die Sch. Sollen darauf kommen, daß damit die unterschiedlichen Schriftgrößen und Schriftstärken gemeint sind.

Im Unterrichtsgespräch und in der Einzelarbeit finden die Sch. dafür in ihren Zeitungen Belege. Dann wird darüber gesprochen, ob diese Gestaltungsunterschiede zufällig sind oder etwas mit den Texten zu tun haben.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.




Materialien

und Medien

Titelseiten von Tageszeitungen.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 05

Kreativitäts-

faktor n.G.

BK

Thema:

„Buchstabencollage“

Vis.Ged.

Visualis.


ÜZ:

Observation, Kombination (Montage).

Adapt.Fl.

Evaluat.


GZ:

Schriftgestaltung differenziert wahrnehmen können.




FZ:

In eigener praktischer Tätigkeit mit den Gestaltungs- und Einwirkungsmöglichkeiten von Schriften umgehen können.




Beschreibung:

Die Schülerinnen und Schüler schneiden aus Zeitungen Buchstaben aus. Auf ein Blatt Papier kleben sie mit diesen Buchstaben einen Text auf (optische Gestaltung).




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit.




Materialien

und Medien:

Zeitungen, Scheren, Klebstoff






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 06

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/M

Thema:

"Nachrichten singen"

Ass.gel.

Original.


üz:

Observation, Audition, Artikulation.


Evaluat.


GZ:

Musikalische und rhythmische Anmutung von Zeitungen wahrnehmen können.




FZ:

Die Sch. sollen Nachrichtentexte singen können.




Beschreibung:

L.: "Heute singen wir die Zeitung!"

Die Schülerinnen und Schüler sollen Nachrichtentexte zunächst wie Gedichte (allein oder in der Gruppe) rhythmisch sprechen, dann mit versetzten Rhythmen. Schließlich sollen sie sie singen und mit dem Orff-Instrumentarium begleiten.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Einzelarbeit, Gruppenarbeit.




Materialien

und Medien:

Zeitungsseiten, Orff-Instrumentarium.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 07

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Optische Struktur als Anmutung“

Spont.Fl.

Visualis.


üZ:

Observation, Reflexion, Kombination (Montage).


Evaluat.


GZ:

Die Sch. sollen erkennen, daß unterschiedliche Formen des Layouts den Anmutungscharakter einer Zeitung mitbestimmen.




FZ:

Die Schülerinnen und Schüler sollen in praktischer Tätigkeit erkennen, daß das Layout (z.B. Struktur und Farbverwendung) von Titelseiten Orientierungshilfe und Kaufsignal für Konsumenten sein kann.



Beschreibung:

Die Sch. bekommen die Titelseiten je einer Tageszeitung. L. demonstriert und bespricht das Übermalen einer Zeitungsseite, Beim Übermalen müssen die Layout-Strukturen zum Vorschein kommen: Spalten, Überschriften, Farbbalken, Bilder usw. Es dürfen dabei nur die Farben verwendet werden, die auf den jeweiligen Titelseiten vorhanden sind, z.B. schwarz und rot.

Die Sch. gestalten die Zeitungsseiten entsprechend den einführenden Erklärungen. (Die Titelseiten müssen nicht vollständig übermalt werden, sondern nur solange, bis die Sch. erkennen lassen, daß sie die Aufgabe verstanden haben und die Tätigkeit ihnen Spaß macht.)

Die übermalten Seiten werden an der Tafel befestigt und besprochen. Dabei soll deutlich werden, daß es "unruhige" und "ruhige", "aufregende" und „langweiligere" Gestaltungen gibt und daß damit das Layout für den Käufer Signalcharakter hat und einen Zeitungstyp kennzeichnet.




Variation:

-



Fächer


Unterrichtseinheit TZ 07

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Arbeitsformen:

Gruppenarbeit, Einzelarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Titelseiten verschiedener Zeitungen, Wachsmalstifte.




Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

TZ 08

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Ein Bild sagt so viel wie tausend Worte"

Vis.Ged.

Spont.Fl.


ÜZ:

Observation, Imagination, Reflexion.

Visualis.

Evaluat.


GZ:

Aussagequalitäten von Bild und gedrucktem Text kritisch vergleichen können.




FZ:

Anhand eines gedruckten Textes wesentliche Anforderungen an das korrespondierende Bild herausarbeiten können.




Beschreibung:

In Kleingruppen erhalten die Kinder einen gedruckten Text. L.: „Jede Gruppe schickt einen Bildreporter aus. Er darf nur ein einziges Bild schießen. Die Gruppe soll nun festlegen, was auf diesem Bild zu sehen sein soll.“

Im Unterrichtsgespräch begründen die Gruppen ihre Entscheidung. L. arbeitet dabei folgende Merkmale der Bildfunktion heraus:

  • Der gedruckte Bericht kann eine Handlung als Prozeß darstellen, das Bild aber ist darauf angewiesen, den "fruchtbaren Augenblick“ festzuhalten, d.h. den entscheidenden Moment, aus dem das Vorhergehende und das Folgende begriffen werden kann.

  • Handlungen erzeugen Emotionen, Gerade Bilder sind in der Lage, diese Emotionen unmittelbar einleuchtend darzustellen und damit den beigegebenen Text emotional zu „unterströmen“.

  • Bilder sind besonders geeignet, Sensationelles unmittelbar beeindruckend darzustellen.

Ebenso können Bilder Teile der optischen Realität vermitteln, die Berichte entweder gar nicht oder nur sehr umständlich erschließen können.



Fächer


Unterrichtseinheit TZ 08

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

Faktor n.G.


Beschreibung

(Fortsetzung)











Variation:

L. heftet Bildbeispiele an die Tafel und läßt die Sch. bestimmen, welches Bild welche Funktion erfüllt.

L.: Jetzt ist jeder ein Bildreporter. Da wir jetzt nicht auf Fotojagd gehen können, versucht, ein solches treffendes Bild zu eurem Text zu zeichnen."



-




Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit, Einzelarbeit.




Materialien

und Medien:

Gedruckte Texte, Musterbilder „Bildfunktion", Stifte, Din-A4-Blätter.




Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

Kreativitäts-



TZ 09

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Wir stellen eine Sportseite her"

Vis.Ged.

Spont.Fl,


üZ:

Observation, Reflexion, Kombination (Montage).

Visualis.

Evaluat.


GZ:

Die wesentlichen Bild-Text-Beziehungen einer Zeitungseite erkennen können.




FZ:

Das Layout einer Sportseite nach dem Verhältnis von Bild und Text gestalten können.




Beschreibung:

L. teilt verschiedene Sportseiten derselben Tageszeitung aus. Brainstorming: "Woran erkennt man eine Sportseite?" "Was ist an ihr typisch?" Das Unterrichtsgespräch soll herausarbeiten, daß eine Sportseite verschiedene Merkmale und Funktionen hat (Tafelanschrieb).

Die Kinder zerlegen die Sportseiten in Einzelbilder und -texte. Bilder und Texte werden getrennt nach Funktionen und Merkmalen geordnet (mit Hilfe des Tafelanschriebs).

L. heftet Sportseite an die Tafel. "Worauf schaut ihr zuerst?" "In welcher Reihenfolge lesen die Leser eine solche Seite?":

  • Die Informationsaufnahme beginnt in der Regel bei einem großflächigen Bild, gefolgt von einer großen Überschrift.

  • Eine gute Zeitungsseite sollte einen Schwerpunkt haben, der den Einstieg erleichtert (z.B. durch ein Bild).

  • Bilder sollten nie nur als Füllmaterial dienen, der Leser orientiert sich emotional an ihnen.

  • Zu viele Bilder machen eine Zeitungsseite zu unruhig.

  • Die Fotoformate sollten auf der Zeitungsseite variieren.

  • Personen, die auf den Bildern abgebildet sind, sollten nicht zum Außenrand einer Zeitungsseite, sondern in die Zeitung hineinschauen.




Fächer


Unterrichtseinheit TZ 09

Kreativitäts-




(Fortsetzung)

faktor n. G.



Variation:

-





Arbeitsformen:

Unterrichtsgespräch, Gruppenarbeit.





Materialien

und Medien:

Musterbilder, Sportseiten derselben Zeitung (wegen der Spaltigkeit), Scheren, Klebstoff





Rückgriff auf

vorherige UE:

-







Weiterführung:

"Entwerft selbst eine gute Sportseite, orientiert euch dabei an der Tafel und denkt an das, was wir eben besprochen haben."

Die Resultate werden begründet und in einem Unterrichtsgespräch diskutiert.



4.2.4. Themenschwerpunkt "Fernsehen/Film"

4.2.4.1. Zu den theoretischen Grundlagen



Die Wirklichkeit und die Realität der Medien

Der Quizmaster Hans Joachim Kulenkampff hat vor kurzem im Fernsehen ein Erlebnis mitgeteilt: Er sei während einer Tournee von der Bühne gekommen und dort von einer alten Dame angesprochen worden: „Herr Kulenkampff, das muß ich Ihnen doch sagen: Sie sehen im Leben ganz anders aus als in Wirklichkeit!" - Der lebendige Kulenkampff also ein Surrogat seiner Teleperson? Oder - um es mit zwei Begriffen zu sagen, die auch in der wissenschaftlichen Diskussion oft zu Unrecht synonym gesetzt werden - der "reale" Kulenkampff ein Schatten des "wirklichen"?

Mit dem Wort "Wirklichkeit hat zum ersten Mal in der deutschen Philosophiegeschichte Meister Eckart den scholastischen Begriff "actualitas" übersetzt (Lotz, 1973, S. 28ff.). Wir würden heute "Wirksamkeit sagen: Das lateinische "actus" heißt "Tätigkeit“. Wie sehr dieses Tätigwerden zunächst motorisch gemeint war, zeigt die ursprüngliche Bedeutung von "actus": "Viehtrieb" meinte das Wort, und auch wir pflegen im Deutschen nach einem, der "agiert“, zu fragen: Was treibt er denn wieder?

Wirklichkeit ist also der Teil der Realität, der, indem er auf unser Bewußtsein einwirkt, uns "treibt ... angeht", im wörtlichen Sinne für uns "aktuell" wird. Die Umgangssprache gibt dieses besonders Realitätshaltige, uns als Person Betreffende, wieder, wenn wir etwa versichern, etwas sei "wirklich“ schön, groß, traurig: In dieser Eigenschaft hat es auf uns gewirkt.

Die Wirklichkeit auch der Medien ist also, in diesem Verständnis, deren Wirkung, mag ihre Realität beschaffen sein wie immer. Für den Konsumenten sind sie zunächst nur wirklich, soweit er spontan ihre Wirkung verspürt. Die Gesamtrealität etwa eines Massenmediums kann nur in einem abstrakten Denkakt kritisch erfaßt werden. Medienwirkung, an der wir uns als Adressaten ganz spontan abarbeiten, indem wir Medienbotschaften in unserem Bewußtsein selektieren und montieren, bekommt damit als die uns gegebene Medien-Wirklichkeit etwas unaufgebbar Persönliches, Subjektives (vgl. Bentele, 1993, S. 170f).



Die Nähe des Fernen und die Distanz des Nahen

Wirklichkeit im Fernsehen, die für uns aktuell werden soll, muß uns "nahekommen". Diese Nähe stellt das Medium Fernsehen in einer ganz spezifischen Weise her.

Der Begriff "Fernsehen" bezeichnet ein Medium, das uns in die Ferne sehen läßt. Es tut dies in der Weise, daß die Ferne zur Nähe wird. Wir sind - scheinbar - bei den Astronauten in ihrem Weltraumlaboratorium. Die Kamera sieht - scheinbar mit unseren Augen - die Demonstration auf dem Roten Platz in Moskau. Der Nachrichtensprecher ist - scheinbar - bei uns, eine lebendige Person in unserer unmittelbaren Umgebung. Transportierte Nähe, scheinbar folgenlos, mit einem Knopfdruck abschaltbar, ohne die Belastung, die die Nähe von Dingen und vor allem die von Menschen sehr oft mit sich bringt. Die Frage ist: Sind wir noch bei uns, wenn uns die Nähe des Entfernten distanzlos überkommt?

Das Wort "Entfernung" scheint in seinem Sinn zunächst gegen eine Regel zu verstoßen, unter der unsere Sprache in den meisten Fällen die Vorsilbe "ent" mit einem Eigenschaftswort verbindet. Die Vorsilbe "ent“ nimmt im üblichen Sprachgebrauch die Eigenschaft zurück, mit der sie gekoppelt ist, sie hebt sie auf Entmachtet ist der, der nun nicht mehr mächtig ist; enteignet ist einer, dem nichts mehr zu eigen ist; entmannt hat man einen, dem dann eine wichtige Eigenschaft seiner Männlichkeit fehlt; enttäuscht ist einer, der die Täuschung abgeschüttelt hat.

"Enffernt“ ist zunächst rächt etwas, dessen Ferne zu uns aufgehoben wäre. Wir sagen "entfernt“ gerade, um Ferne zu konstatieren. Und doch scheint der Begriff "Fernsehen" nicht die Entfernung dessen im üblichen Sinne zu konstatieren, was wir in dem Medium sehen, sondern die Entfernung als Aufhebung der Ferne, distanzlose Nähe.

Das Wort "Aufhebung" lädt ein, im Zusammenhang mit dem Fernsehen die dreifache Bedeutung zu bedenken, die dieser Begriff "Aufhebung“ seit Hegel (1905-1925, S.79) hat. Das Medium Fernsehen hebt Ferne auf Es steht in Antithese zu ihr: Aufheben meint hier Liquidieren.

Aber im Erlebnis der aufgehobenen Ferne, der medialen Nähe, müßte dem Bewußtsein die räumliche oder zeitliche Entfernung der transportierten Inhalte gegenwärtig bleiben. Dann wäre Ferne in dieser medialen Nähe "aufgehoben", aufbewahrt: Ein Erlebnis, das Distanz behält, der Eigenartigkeit, Unverfügbarkeit dessen eingedenk, was uns zum Objekt wird (uns im Wortsinne "entgegengeschleudert" ist), was nun Gegenstand ist, uns also wieder in unaufhebbarer Distanz entgegensteht. Auch die Leistung des "Be-greifens" setzt diese Distanz voraus: Ich greife immer ein anderes, dem ich mich erst nähern muß. Wenn ich mich aber selbst zu begreifen versuche, taste ich mich an einen anderen heran, zu dem ich Abstand zu halten habe.

Der literarische Schlüsselbegriff der "Verfremdung" (Brecht, 1963) meint das Stutzen, ein Erstaunen, wenn uns das scheinbar so Nahe, Gewohnte, plötzlich in Distanz erscheint, fremd wird. Im Fernseherlebnis der distanzierten Nähe wäre mit der Verfremdung des allzu Gewohnten Entfernung nun aufgehoben im Sinne höheren Begreifens. Über die Antithese der Liquidation von Ferne kämen wir zur Bewahrung der kritischen Distanz und damit zur erhöhten Bedeutung der "aufgehobenen“ Ferne gerade der Dinge, die uns im Fernsehen gefährlich nahekommen.

Im englischen "television" steckt "Vision" noch als Sehen und Schauen. Im Wortbestandteil "tele" das Ferne, aber im "telos" (griechisch = Ziel) dieses Ferne auch als sinnvoller Anlaß, sich von nicht verfügbar anderem bewegen, mitnehmen zu lassen.



Form und Inhalt

Was für uns im Fernsehen aktuell wird, weil es uns nahekommt, kann diese Nähe zu uns nur bewirken, wenn es uns von anderen mitgeteilt wird. Andere müssen es als Inhalt ihres Bewußtseins schon haben, ehe sie Bewußtseinsinhalte in der Kommunikation mit uns teilen können. Mitteilen kann man nur etwas, zu dem Kommunikator wie Kommunikant gleichermaßen Zugang haben: Der mitzuteilende Bewußtseinsinhalt muß für die Mitteilung in eine zweckdienliche Form gebracht werden.

Die Frage nach dem Verhältnis von Form und Inhalt reicht weit in die europäische Philosophiegeschichte zurück. Sie hat sehr unterschiedliche Antworten erfahren (vgl. Wiehl, 1973; Jacobs, 1973). Trotzdem gibt es Momente, in denen sich diese Antworten bündeln lassen (vgl. Wiehl, 1973, S. 447f; Jacobs, 1973, S. 458f; Cassirer, 1953, S. 32: "wenn 'Inhalt' und 'Form' ... von Anfang an so gefaßt werden, daß beide ... als miteinander gegeben und in wechselseitiger Determination gedacht erscheinen"). Diese Momente sind von großer Bedeutung für eine Analyse der Form-Inhalt-Korrelation in der "Sprache" von Fernsehen und Film:

Allerdings ist es sehr schwierig, je nach den situativen Kontexten solcher Prozeßphasen jeweils festzulegen, was in ihnen Materie, Stoff, Inhalt und was Methode, Form ist. Ein Beispiel: Ein Möbeltischler stellt einen Stuhl aus Kirschholz her. Auf den ersten Blick ist Kirschholz hier die Materie. Der Stuhl, die Sitzgelegenheit mit Bodenstützen für eine Sitzfläche, gegebenenfalls mit einer Rückenlehne, bestimmt dem Kirschholz, der Materie, dem "Inhalt" die Form. Diese Form entspricht mehr oder minder genau einer Funktion: Man soll auf einem solchen Möbel möglichst bequem sitzen. Die Form, die dieser Funktion entspricht, soll also adäquat sein. In dieser Entsprechung kann sie nach den Regeln des Designs auch "schön" sein.

Im phasengegliederten Prozeß der Herstellung entsteht zunächst aus dem Kirschbaum Stammholz. Der Kirschbaum auf der Wiese ist hier Materie, das Stammholz die Form. Aus dem Stammholz sägt man Bretter. Nun wird das Stammholz zur Materie, das Brett gibt die Form vor. Aus den Brettern baut man den Stuhl. Sie werden zur Materie für die Endform des Sitzmöbels. Alle Produktionsschritte geschehen regelgeleitet, d.h. methodisch professionell unter dem Funktionsziel, ein Möbel herzustellen, auf dem man bequem sitzt und dessen Form, indem sie der Funktion adäquat wird, schön ist. Es gibt hier eine Entsprechung zwischen Material, Inhalt, Endform und Funktionsziel, der „Idee" des Möbels. Der Tischler könnte einem Kunden sagen, Kirschholz sei "ideal" für Stühle schlechthin oder für einen bestimmten Typus von Stuhl.

Professionalität heißt hier also, daß der Produzent formale Regeln, die dem Material, dem Stoff, dem Inhalt angemessen sind, aus Erfahrung so kombiniert, daß im Endprodukt die Spannung zwischen Endform und Funktionsziel als Problem gelöst ist. Indem der Tischler das Holz sachgemäß, nach bewährten Regeln zurichtet, "handhabt er es im Hinblick auf Endform und Funktionsziel: Er "manipuliert" aus Erfahrung Material/Inhalt und Methode/Form. Es ist nicht denkbar, daß ein Laie auf diesem Wege auf Anhieb einen brauchbaren Stuhl zustande brächte. Gelänge es ihm nach einer Phase des Probierens, des "trial and error", hätte er in dieser Zeit eine Tradition nachgeholt und wäre nun selbst ein "Profi", möglicherweise auf einem bisher nicht beschrittenen Weg, der nun für andere zur Tradition würde.

Der Möbeltischler, wenn er den Stuhl entwirft, hat aus langer praktischer Erfahrung diesen Produktionsprozeß und sein Funktionsziel vor Augen. Das Bild des Prozesses in Phasen, ebenso sein Ziel sind der jeweiligen Praxis zeitlich und als Idee vorangestellt. Sie sind Inhalt einer vorauseilenden Vorstellung, die in ihrer Regelhaftigkeit auch dann bestünde, wenn der Stuhl schließlich nicht produziert würde.

Der Möbeltischler hat im Hinblick auf die Endfunktion einer dauerhaft schönen Sitzgelegenheit aber schon eine andere, dem Produktionsprozeß insgesamt vorauseilende Entscheidung getroffen: Er hätte als Material des Stuhls auch Eschen- oder Eichenholz wählen können. Ein Möbeldesigner wiederum könnte einen solchen Stuhl aus Metall herstellen lassen: Der Herstellungsprozeß stünde dann bei identischer Funktion unter einem anderen formalen, methodischen Kategoriensystem.

Im phasengegliederten Produktionsprozeß wird das jeweils vorhergehende Element durch das neu geformte vernichtet (der Baum durch das Stammholz, das Stammholz durch das Brett, das Brett durch den Stuhl). Jedes Element wird in einem dreifachen Sinne "aufgehoben“: Es wird liquidiert, in eine funktionellere, "höhere“ Form überführt und damit in seiner Verwendbarkeit beschränkt, spezialisiert. In allen phasischen Teilformen bleibt am Ende die ursprüngliche Materie, das Kirschholz, in aller Verwandlung "aufgehoben', aufbewahrt; sie hält sich durch wie die endgültige Funktion:



Nachrichten im Fernsehen und im Film als Form-Inhalt-Problem

Beobachtet man nun, wie eine Nachricht für das Fernsehen entsteht, wie sie produziert und rezipiert wird, entdeckt man denselben durch Inhalt, Form/Methode und Funktionsziel bestimmten phasengegliederten Prozeß.

Dabei darf man den Begriff "Nachricht“ zunächst nicht so eng fassen, wie die Publizistikwissenschaft das für ihr Beobachtungsgebiet - zu Recht - tut. Legt man den weiteren Begriff der Informationstheorie zugrunde, dann sollten Nachrichten begriffen werden als Zusammenstellung von Zeichen eines Repertoires, die nach Regeln erfolgt, um einem anderen etwas mitzuteilen.

Unter diese zunächst recht abstrakte Definition lassen sich Form und Inhalt jeder Sendung des Fernsehens stellen. Mitteilung ist das Funktionsziel, nach dem alle Sendeinhalte des Fernsehens aus unterschiedlichen optischen und akustischen Repertoires ausgeformt werden.

Besonders deutlich lassen sich freilich Funktionsziel und phasengegliederter Produktionsprozeß an der Fernsehnachricht im engeren publizistischen Sinne darstellen.

Fernsehnachrichten prägen mit unser "Bild" von Welt, mit einem belasteten Begriff. unsere Weltanschauung. Wir sind mehr oder minder bereit, uns "nach" dem durch das Medium Mitgeteilten zu "richten". Damit Nachrichten uns ausrichten, den unverzichtbaren sozialen Konsens mitbewirken können, müssen sie zunächst Eigenschaften haben, mit denen sie etwas in uns ausrichten, für uns wirksam werden können. Wir müssen die Distanz zu dem, was da an uns herangebracht wird, wenigstens zum Teil aufgeben wollen. Wir müssen uns bewegen lassen, aus uns "herausgehen". Gerade das meint das lateinische "interesse", das ein "zwischen" zu unserem Bewußtsein und den Bildern und Fakten einer mehr oder minder entfernten Welt markiert, die da an uns herantransportiert wird.

Interesse zu wecken gelingt unter Umständen einem Medium, das selbst ein „Mittleres" zwischen der Welt der Objekte und den Inhalten und Strukturen unseres Bewußtseins ist.

Damit Fernsehnachrichten interessieren können, müssen sie nach einer alten journalistischen Handwerksregel ausgezeichnet sein durch Eindeutigkeit, Unmittelbarkeit, Erwartbar- und Wünschbarkeit, Nähe zum Empfänger und Aktualität.

Unschwer erkennt man schon hier, daß diese Eigenschaften Qualitäten der Form sind, die einen freilich geeigneten Inhalt interessant machen.

Ein weltweit agierendes Nachrichtensystem öffnet sich uns in den Fernsehnachrichten. Sein Material holt dieses System - wenigstens in der Möglichkeit - aus dem politischen und sozialen Leben aller Kontinente. Methodische Auswahl verleiht diesem Material Aktualität, Bedeutsamkeit, Interesse und damit die dem Funktionsziel "Mitteilung“ adäquate Endform.

In der chaotischen Fülle weltweit für die Mitteilung verfügbarer individueller und sozialer Realität muß von Korrespondenten und Kameraleuten etwas entdeckt werden, was für diese - schon unter dem Funktionsziel der medialen Mitteilung, also aus beruf-lich-professioneller Routine - bedeutsam, interessant wird. Aus beliebiger Realität wird in einem ersten Auswahlprozeß individuelle Wirklichkeit, aus der Fülle beliebiger Vorkommnisse schließen sich Fakten zu Ereignissen zusammen. Der Inhalt einer Welt tritt als Stoff ein in einen regelgeleiteten, durch professionelle Routine bestimmten, Auswahl treffenden Herstellungs-, also Formungsprozeß (Bentele, 1993, S. 167f ).

Professionelle Routine bestimmt auch die Wahl des Mediums. Nicht jedes Ereignis ist optimal für die Darstellung im Fernsehen, im Bild-Ton-Medium. Das zeigen etwa sehr klar die gequälten Gelegenheitsbilder einer Anfahrt nobler Karossen, wenn es sich um das Ereignis schwieriger Verhandlungen in der Regierungskoalition in Bonn handelt.

Für das schließlich gewählte Ereignis muß mit den Zeichensystemen des Fernsehens, mit bewegtem Bild, gesprochener Sprache, Musik und Geräusch (manchmal auch mit Zeichnung und Schrift) eine optimale Kombination gefunden werden, die das Ereignis aktuell, eindeutig, unmittelbar, bedeutsam, wirksam, mit einem Wort: interessant macht (optisch-akustisches Design).

Ist dieser Prozeß von Auswählen und Zusammenfügen, von Selektion und Montage gelungen, entsteht eine sendefähige Fernsehnachricht.

Das Gedächtnis des Adressaten speichert diese Nachricht, indem es sie in seine Strukturen überführt Nicht alles, was wahrgenommen worden ist, wird auch gespeichert: Es darf Inhalt und Strukturen unseres Bewußtseins nicht unterschiedslos bestätigen. Wenn wir uns oft mit einigen Schuldgefühlen an Inhalte und Formen einer Nachrichtensendung nicht mehr erinnern können, dann deshalb, weil sie unser Bewußtsein inhaltlich und formal zu sehr bestätigten, weil sie ihm nicht "ungewöhnlich" genug waren. Wieder sind es Prozesse der Auswahl und Umformung, die darüber entscheiden, was unser Bewußtsein endgültig in geeigneter Struktur speichert.

Soll nun das, was unser Bewußtsein in spezifischer Form gespeichert hat, anderen mitgeteilt werden, müssen für die Bewußtseinsinhalte geeignete Zeichensysteme und innerhalb dieser Systeme optimale Kommunikationsstrukturen gefunden werden. Der Prozeß beginnt von neuem, wenn geformte Mitteilung Interesse weckt, im Bewußtsein der anderen die ihr adäquaten Speicherungsstrukturen findet.

Abb. 11: Prozeß der Nachrichtenauswahl, -produktion und -verarbeitung (formal vereinfacht)

Tatsächlich ist der Prozeß der Nachrichtenauswahl, der Nachrichtenproduktion und der Nachrichtenverarbeitung viel komplizierter, wie eine Darstellung nach Ruhrmann (1989) weiter unten verdeutlichen soll.

Ein individuelles oder soziales Ereignis wird in Aussage und/oder Kommentar zur Nachricht ausgeformt. Der Empfänger der Nachricht rekonstruiert in seinem Bewußtsein Erfahrungsbestände der sozialen Wirklichkeit, von der die Nachricht handelt. Er läßt bestimmte Teilinhalte der Nachricht dabei aus, selektiert also je nach dem Widerstand, den der Nachrichteninhalt in seinem Bewußtsein hervorruft, und ergänzt das Aussortierte durch Inhalte und Formen des eigenen Bewußtseins, er montiert, ohne daß ihm dieser Prozeß bewußt werden müßte, eine "neue", individuelle Nachricht. Gibt der Empfänger schließlich Nachrichteninhalte (und formen) als Inhalte und Formen seines Gedächtnisses im Gespräch wieder, werden auch diese Inhalte je nach Kommunikationssituation, nach vorausgesehener oder tatsächlicher Reaktion des Kommunikationspartners, nochmals umgeformt, "überarbeitet" (vgl. Ruhrmann, 1989, S.24f).

Unser Bild von der primären Kommunikation (Massenkommunikation) durch das Medium Fernsehen, von der individuellen Verarbeitung der Kommunikationsinhalte durch den Adressaten und ihrer Weitergabe in sekundärer Kommunikation muß also differenziert werden.

Bei so vielen und differenzierten Umformungsprozessen, denen die Fernsehnachricht im Bewußtsein ihrer Adressaten ausgesetzt ist, kann nur eine simple Reiz-Reaktionstheorie annehmen, Sendeinhalte des Fernsehens uniformierten "die Massen", bloß weil diese Nachrichten Großgruppen erreichen. Professionell, bewußt aus Erfahrung regelgeleitet, bleibt der Prozeß des Nachrichtenangebots und der jeweiligen subjektiven Verarbeitung und kommunikativen Weitergabe (in den meisten Fällen) allerdings nur solange, bis die Nachricht "über den Sender geht". Individuelle Verarbeitung und die Weitergabe in sekundärer Kommunikation sind zwar ebenfalls Selektions- und Transformationsprozesse. Aber sie sind dem kritischen Bewußtsein weitgehend entzogen. Es leuchtet ein, daß hier Manipulation als die unmerkliche Beeinflussung etwa durch das Medium Fernsehen einsetzen kann, wenn diese Prozesse (vor allem im Unterricht der Schule) nicht beizeiten altersspezifisch bewußt gemacht und damit in Ansätzen "professionalisiert" worden sind.

Was bisher am Beispiel der Nachricht im Fernsehen entwickelt wurde, gilt grundsätzlich für jede Mitteilung im Programm des Mediums Fernsehen. Wieder beobachten wir die Dialektik, die auf unterschiedlichen regelgeleiteten Stufen eines professionellen Herstellungsprozesses Inhalte in Formen und Formen in Inhalte wechseln läßt. Diese Dialektik steuert so auf ein kommunikatives Endprodukt zu, in dein die Spannung zwischen medienbedingter Endform und dem Funktionsziel der gelungenen Mitteilung praktisch aufgehoben ist (kommunikatives Design).



Medienkommunikation - Wahrnehmung - Interesse

Was für uns im Fernsehen und im Film aktuell wird, weil es uns in einem gemäßen Verhältnis von Inhalt und Form nahekommt, steht unter einer Grundvoraussetzung: Es kann nichts mitgeteilt werden, was nicht zu irgendeinem Zeitpunkt wahrgenommen worden wäre.

Ohne auf die heute kaum mehr überschaubare Anzahl von Wahrnehmungstheorien im einzelnen einzugehen, kann man Wahrgenommenes als etwas beschreiben, was aus der Fülle der lebensweltlich gegen uns andringenden Reize und Reizkonfigurationen unsere Aufmerksamkeit erregt hat (Waldenfels, 1974, S. 1669f). Was uns aufmerksam macht, weckt unser Interesse: Es ereignet sich (Esser, 1973, S. 738ff). Dabei meint Interesse nach einer der möglichen Grundbedeutungen des lateinischen Wortes zunächst, daß wir in ihm "zwischen" unserem Ich und dem sind, was als Nicht-Ich, als Gegenstand unsere Aufmerksamkeit erregt, was wir uns aneignen möchten, ja aneignen müssen, sobald wir aufmerksam geworden sind. Mit "Gegenstand" ist dabei nicht notwendig ein Objekt gemeint, dem ein Subjekt sich zuwendet: Etwas, das erst angeeignet werden muß, unterscheidet sich zunächst eben darin von den Beständen unseres Bewußtseins als eines inneren Modells von Außenwelt. Dieses so "Interessante" hat dabei einen schillernden Charakter: Wir nehmen Anteil an ihm, gleichzeitig ist es als etwas Anzueignendes auch etwas, was verwertet werden kann und soll.

Im Dazwischensein übersetzen wir das Anzueignende in die Strukturen unseres inneren Modells von Außenwelt: Das Anzueignende wird in diese Strukturen transformiert, transformiert aber auch die Strukturen, durch die es angeeignet wird. Mit anderen Worten: Was unsere Aufmerksamkeit erregt, was sich für uns ereignet, weil es unser Interesse findet, wird in das Konstrukt unseres inneren Modells von Außenwelt hineinkonstruiert, indem es strukturiert wird. Die Form ist also nicht etwas, was zum Bewußtseinsinhalt hinzuträte; sie macht diesen Inhalt erst bewußtseinsfähig und damit auch, hin zu einem anderen Bewußtsein, kommunikabel (Oerter, 1980, S. 131).

Eine zweite Transformation findet statt, wenn das Angeeignete, nun strukturierter Inhalt unseres Bewußtseins, tatsächlich mitgeteilt werden soll. Wir suchen dann unter den Zeichenrepertoires, die uns zur Verfügung stehen, nach Zeichen und Zeichenstrukturen, in die wir transformieren können, weil sie auch dem fremden Bewußtsein zur Verfügung stehen. Das heißt, wir transformieren gleichzeitig in eine Form, von der wir hoffen, daß sie dem anderen den Inhalt interessant macht.

Fremdes Bewußtsein faßt dann das Mitgeteilte auf als etwas, was angeeignet werden soll: Die Bewegung beginnt von Neuem. Dabei ist zu beobachten, daß wir aus strukturierter Wahrnehmung unmittelbar ebenso lernen können wie aus der Mitteilung von strukturierter fremder Wahrnehmung. Weil Wahrnehmung notwendig den Strukturen unseres inneren Modells von Außenwelt einkonstruiert wird, gibt es - das ist für jede Medientheorie grundsätzlich wichtig - für unser Bewußtsein auch keine "erste" und keine "zweite" Wirklichkeit, die man als mediales Surrogat polemisch gegen ein vermeintlich Originales absetzen könnte (Zeitter, 1987, S. 103).

Nun erst wird es möglich, formale Bewußtseinsstrukturen, die wechselnde Wahrnehmungsinhalte erst bewußtseinsfähig machen, allgemein zu definieren als strukturelle Invarianten, als grundsätzlich veränderbare formale Gegebenheiten in einem System, die angesichts auf sie einwirkender und durch sie angewandter Transformationen über eine längere Zeit unverändert bleiben (Oerter, 1980, S. 349). Begriffe etwa sind solche Invarianten, sie machen Kommunikation als intersubjektive Bekräftigung subjektiver Bewußtseinsinhalte erst möglich. Sie strukturieren also in einer Doppelfunktion Speicherung (Gedächtnis) ebenso wie Anwendung (Sprache).

Auch in Fernsehsendungen als medialen Mitteilungen sind, wie im System unseres Bewußtseins, die formalen Einzelstrukturen wie ihre Kombination in der Montage, gemessen an den wechselnden einwirkenden Inhalten, invariant. Sie halten sich, indem sie Wahrgenommenes in die Strukturen des Mediums transformieren, als Möglichkeiten medialer Aussage, als Klischees, durch - Klischees, die so lange sinnvoll bleiben, wie sie bei den Adressaten Interesse und damit die Möglichkeit der Aneignung der Inhalte bewirken können. Mediale Inhalte werden schon in der Wahrnehmung von Kindern und Jugendlichen durch formale Invarianten zu medialer Wirklichkeit konstruiert, die interessieren kann und soll (Anderson & Field, 1984, S. 81).



Der Vorwurf der Passivität

Wir haben versucht, im Wirklichkeitserlebnis der Medien Fernsehen und Film, die Medien der distanzierten Nähe sein sollten, kommunikative Strukturen der Verständigung zu vergegenwärtigen, Strukturen, die Bedingungen eines regelgeleiteten professionellen Produktionsprozesses sind, durch den alle Inhalte des Fernsehens und des Films entstehen. Wir haben bisher nur in Ansätzen zu begründen vermocht, daß ein Verständnis dieses Prozesses möglich und notwendig ist und daß dieses Verständnis in unseren Schulen möglichst früh grundgelegt und dann weiter ausgebaut werden sollte.

Wer so argumentiert (vgl. Salomon, 1979: "literate viewing“), stößt in der Praxis bei Eltern und Lehrerinnen/Lehrern sehr oft auf grundsätzliche Vorbehalte. Kritisiert werden - zu Recht - nicht nur viele Sendeinhalte gerade des Fernsehens. Behauptet wird, mit einer Praxis der probierenden Annäherung an das Medium verfehle man verharmlosend Wesen und Wirkung des Fernsehens. Eine aktive Auseinandersetzung mit ihm scheitere nämlich schon an der Tatsache, daß das Fernsehen seine Konsumenten ("aller Erfahrung nach“) in die Passivität führe. Unter Passivität können wir - die wir fernsehen, also doch aktiv sein wollen - sehr Verschiedenes verstehen:

Zum ersten Vorwurf. Unser Leben sollte u.a. eine sinnvolle Abfolge von körperlicher Aktivität und körperlicher Ruhe sein. Fernsehen gehört in die Ruhezeit als ein Teil unserer Freizeit. In dieser freien Zeit müssen wir ggf. auch den Mangel an Bewegung ausgleichen, den für viele von uns der Beruf mit sich bringt. Diesen Ausgleich kann das Fernsehen verständlicherweise nicht bieten. Fernsehen bedarf, wie das Lesen eines Buches, der körperlichen Ruhe. Sie zu ermöglichen und Aktivität nicht zu vernachlässigen, ist Sache einer den Fernsehkonsum weit übergreifenden Lebensplanung.

Unser Problem verschiebt sich aus einer simplen Alternative auf eine andere Ebene der Argumentation. Wir erkennen leicht, daß auch die folgenden Bedenken auf einer anderen Ebene zu erwägen sind:

Wir begreifen: Fernsehen ist kein Problem simpler, unausweichlicher, situationsunabhängiger Alternativen. Es ist das Problem eines komplizierten, persönlichen Ausgleichs zwischen Aktivität und einem "Nicht-nach-außen-Tätigwerden". Es ist das Problem einer immer neu zu erringenden individuellen Balance.

Welcher Kritiker des Fernsehens würde die Zuhörer einer Predigt tadeln, weil sie nicht mitreden, das Publikum eines Symphoniekonzertes, weil es nicht mitmusiziert, die Besucher einer Ausstellung, weil sie nicht nach Skizzenblock und Staffelei rufen? Würden diese Kritiker dem Leser eines Romans vorwerfen, er dringe ohne Berechtigung und Betroffenheit in das Leben anderer ein, dem Leser eines Sachbuchs, er habe da billig das Wissen und die Urteile des Autors gekauft? -"Aber das ist doch etwas ganz anderes", antworten die Kritiker des Fernsehens. An der Predigt, am Symphoniekonzert, an der Ausstellung nehmen wir unmittelbar teil, kein technisches Medium schiebt sich zwischen uns und den Gegenstand unserer Anteilnahme. Und deshalb ist unser Erlebnis eben unmittelbar, wird uns nicht von anderen kanalisiert als Surrogat angeboten.

Wenn wir aber nun die Predigt in einem Buch lesen? Das Symphoniekonzert von der Schallplatte hören, die Bilder der Ausstellung in einem Bildband betrachten? - Auch das wäre etwas anderes, meinen die Kritiker des Fernsehens. Was wir da über die Medien des Buches oder der Schallplatte entgegennehmen, erfordert unsere Anteilnahme, unsere Konzentration, auch wenn die Inhalte vermittelt sind. Der Fernsehzuschauer aber verharrt in der Haltung des bloßen Konsumenten, er läßt sich "berieseln“!

Spätestens hier stoßen wir auf einen Kern von Vorurteilen, der sich mit vernünftigen Überlegungen nicht mehr auflösen läßt. Alle Formen von "Passivität", die dem Fernsehen angelastet werden, sind in anderen Kommunikationssituationen nicht nur zugelassen: Dort werden sie - mit gutem Grund - gefordert. Von Büchern, Schallplatten, neuerdings auch vom Film, dürfen wir uns belehren, gefangennehmen, bewegen lassen. Diese Medien dulden wir auch in der Rolle des Experten.

Ein schönes Beispiel dieser Voreingenommenheit bietet ein Vortrag, den Günther Grass gehalten hat, als ihm die Bayerische Akademie der Schönen Künste ihren Großen Literaturpreis verlieh. In einem Rundumschlag statuierte Grass in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland die "Vorherrschaft der zweiten Hand", soll heißen, die Diktatur des Surrogats. Die sei besonders beim Medienkonsum zu beklagen: Wer lese, lasse sich auf ein primäres Erlebnis ohnegleichen ein. In einer Welt der Surrogate verhalte sich der Leser einzigartig. Nichts dränge sich telegen schwatzhaft zwischen ihn und das Buch. Der Leser sei mit dem Buch allein, und daß Bücher auch zum Heilungsprozeß beitragen können, sei ihm, Grass, in Leserbriefen aus Krankenhäusern bestätigt worden. So hätten sich Menschen lesend über langwierige Heilungsprozesse hinweggebracht (Rhein-Neckar-Zeitung, 1994, S. 2).



Zur Geschichte und zur Wirkung eines Vorurteils

In der deutschen Mediengeschichte hat sich kritische Aufmerksamkeit von echten und vermeintlichen Experten häufig dem Medium zugewendet, das, technisch meist noch nicht voll entwickelt, sich anschickte, herausgehobene gesellschaftliche Bedeutung zu erlangen. Kritik traf im späten Mittelalter das Buch, nach dem Dreißigjährigen Krieg das aufkommende Zeitungswesen, zu Beginn des 20. Jahrhunderts (zum erstenmal fast gleichzeitig) zwei Medien, die Massenpresse und den Film, später den Hörfunk und schließlich, in der zweiten Jahrhunderthälfte, das Fernsehen. Gegenwärtig beginnt sich die Kritik dem Medium Video und der vielschichtigen Wirklichkeit der Neuen Medien, vor allem den Computern, zuzuwenden. Trotzdem zieht das Fernsehen im gesellschaftlichen Diskurs noch immer massive Kritik auf sich. Fernsehen berieselt, amüsiert, illusioniert, desorientiert. Es verschüttet mit seinem Bildermüll schon die Chancen unserer Kindheit, auch, indem es uns vom Lesen, folglich - zumindest für diese Kritik - ebenso vom Nachdenken abhält.

Diese Vorurteile haben eine lange Geschichte, Der Psychologe und Philosoph Robert Heiß hat, pikanterweise für den Film, das Fundament einer Wertpyramide freigelegt, das bis auf die Philosophie Immanuel Kants zurückgeht: “Für Kant gibt es zwei Quellen der Erkenntnis: die Anschauung und den Verstand. Dieser, der Verstand ..., ist spontan, alle Anschauung aber, welche auf der Sinnlichkeit beruht, ist rezeptiv. Es heißt: 'Begriffe gründen sich ... auf der Spontaneität des Denkens wie sinnliche Anschauungen auf der Rezeptivität der Eindrücke.' Noch schärfer wird die Gegenüberstellung, wenn ... (Kant) sagt, daß alle Anschauungen auf Affektionen beruhen, die Begriffe dagegen auf Funktionen ... Die Anschauung ... ist passiv, sinnlich und rezeptiv, Begriff und Verstand sind Funktion, sind aktiv und spontan" (Heiß, 1963, S. 13).

Kant hat mit diesen Zuordnungen die Anschauung nicht abwerten wollen. Sie ermöglicht nicht nur begriffliches Denken, sondern ist ihm gleichrangig: "Anschauungen ohne Begriffe sind blind, Gedanken ohne Inhalt sind leer" (Kant, 1956, S. 98).

"Anschauung“ als der "Inhalt“ unserer Gedanken heißt in diesem Verständnis: Gegenstände werden nicht nur sinnlich wahrgenommen - wohlgemerkt über alle fünf Sinne - Gegenstände können vorgestellt werden, dann sind sie Imagination.

Um bildliches Sehen gegenüber begrifflichem Denken abzuwerten, mußte man zunächst Anschauung auf sinnliche Wahrnehmung beschränken, sie in ihrer Passivität von der Vorstellung, der Imagination, trennen, und man mußte sie für eine ausschließliche Leistung unseres Gesichtssinnes erklären: "Anschauung“ über den Tastsinn etwa, wie sie der Begriff Kants durchaus mitenthält, gibt es dann nicht mehr.

Kritiker, die beklagen, das Medium Fernsehen verschütte mit seiner Bilderfülle das kreative, imaginative Innenbild, verkennen, daß das reale Fernseh-/Filmbild und das beim Lesen erzeugte imaginative Bild ganz verschiedene Funktionen für die Wirklichkeitsbewältigung gerade von Kindern und Jugendlichen hat.

Bei der Verarbeitung von (un-)bewegten Realbildern kommt es darauf an, daß der Betrachter ihre Anmutung auf den Begriff bringt. Begriffe "vermessen auf neuartige Weise neuartige revolutionäre Bildprozesse" (Heimann, 1963, S. 83). Sie fassen das Materiale, Konkrete, Bewegte in die verläßliche Statik ihrer Abstraktion. Der Konsument muß mit ihrer Hilfe seine Bilder deuten, sich ihren Sinn erschließen. Wenn er die Botschaft der Bilder versteht, kann er diese Botschaft, wieder auf der Basis von Begrifflichkeit, in sekundärer Kommunikation zur Botschaft für andere machen.

Begriffe, die das bewegte Bild so "zum Stehen bringen", produzieren als Inhalte der gesprochenen und geschriebenen Sprache aber auch imaginative Bilder, allerdings nur dann, wenn die gelungene Verarbeitung realer Bilder vorher ein korrespondierendes Repertoire bildlicher Erinnerung geschaffen hat. Der Weg geht im Fall der Verarbeitung realer Bilder von der Anschauung zum Begriff, im Fall des imaginären Innenbildes vom Begriff zur recht verstandenen Anschauung.

Objektivieren dabei Worttexte mit Hilfe sprachlicher Symbole und syntaktischer Regeln das Wissen ihrer Autoren über einen Realitätsbereich, so repräsentieren Bilder dagegen unmittelbar Realität. Sie konstituieren als Abbildungen auf einer Oberfläche eine optische Anordnung, die in ihren entscheidenden Aspekten der unmittelbaren Wahrnehmung eines Realitätsbereichs entspricht (z.B. Zeichnungen, Fotos). Wenn Bilder visualisieren, veranschaulichen sie Zusammenhänge in der Realität, die unter normalen Sehbedingungen nicht wahrgenommen werden können (z.B. Flußdiagramme, Organisationsschemata) (vgl. Ballstaedt et al., 1989).

Diese Unterscheidung läßt sich verläßlich allerdings nur für einen Teil der unbewegten Bilder treffen. Bilder in Filmen und auf Videobändern haben zunächst im Schwerpunkt sicher die Funktion, Realität abzubilden. Gleichzeitig aber veranschaulichen sie auch Zusammenhänge, die der alltäglichen Beobachtung unter normalen Sehbedingungen entzogen sind. Man denke etwa an die Beschleunigung oder Verlangsamung der "normalen“ Bewegung (Zeitraffer, Zeitlupe), an die Manipulation von Licht und Farbe, schließlich an Elemente der optischen Montage.

Die Forschung hat unterschiedliche Modelle der Text-Bild-Verarbeitung, summarisch: des Verhältnisses von Begriff und Anschauung, entworfen (vgl. Ballstaedt et al., 1989, S. 108ff.; Strittmatter, 1994, S. 178ff.). Alle Modelle nehmen zunächst bei der Informationsaufnahme, der "peripheren Verarbeitung“, eine je medienspezifische Aufarbeitung von Text und Bild im Bewußtsein an. In der Stufe der "zentralen Verarbeitung“ werden in verschiedenen Modellen doppelte Kodierungen (I + II) oder eine einheitliche Kodierung von Text und Bild (III) denkbar.

Bei getrennter Kodierung von Text und Bild könnte man an die Möglichkeit eines "Bildwissens" ("visual literacy") denken. Für die Lernwirkung einer Text-Bild-Kombination wären dann Strukturen der Gleichzeitigkeit (der simultanen Information) oder einer durchdachten Zeitverschiebung (alternative Information) wie auch das Verhältnis der Interferenz (Text-Bild-Überlappung) von entscheidender Bedeutung.

Stimmt man dagegen der Hypothese einer einheitlichen, nicht medienspezifischen Verarbeitung von Text und Bild im Bewußtsein zu, hätte die dramaturgisch-didaktische Struktur einer Fernsehsendung, eines Films nur eine geringe Bedeutung für deren kognitive und emotionale Wirkung (vgl. Strittmatter, 1994, S. 178ff.).



Observation, Reflexion und Imagination – Die Leistungen des Beldsehens

Spezifische Fähigkeiten der Bild-Testkombination beim Fernseh- und Filmkonsum



Bildsehen

Berarbeitungsebenen und –prozesse bei visuell-ikonischer Informationspräsentation

Verarbeitungsebenen

Verarbeitungsprozesse

  1. Basisprozesse der Entschlüsselung (Dekodierung)

Identifikation von Wahrnehmungsobjekten:

  • Zerlegung des Wahrnehmungsfeldes in visuelle Figuren: Linien, Winkel, Bögen usw., Prozesse, die „vor“ der begrifflich gerichteten Aufmerksamkeit liegen (präattentive Prozesse)

  • Konstruktion von Wahrnehmungsobjekten (figurale Synthese, Farbwahrnehmung, Anmutung)

  • Aktivierung von Begriffen

  1. Zusammenfassende (kohärenzstiftende) Prozesse (syntaktisch-semantische Prozesse)

Herstellung inhaltlicher Beziehungen zwischen Wahrnehmungsobjekten:

  • Konstruktion von räumlichen oder zeitlichen Beziehungen, Aufbau von Szenen oder Sequenzen

  • Versuch der Verbalisierung, Umkodierung in sprachliche Einheiten

  1. Schlußfolgerung auf der Basis vorausgehender Verarbeitungsprozesse (inferentielle Prozesse)




Ganzheitlich einbeziehende (integrative) Verknüpfung mit dem Vorwissen:

  • Ausarbeitend-entwickelnde (elaborative) Prozesse: Imagination und verbal-begriffliche Verarbeitung, Wort- und Bildverknüpfungen (Assoziationen, Interferenzen), Bewertungen

  • Rückführung des Kompliziert-Vereinzelten auf die übergreifende Struktur und ihre Bewahrung (reduktive Prozesse): Auswahl des unter Begriffordnungen optisch Wesentlichen. Suche nach begrifflich faßbaren, sich durchhaltenden optischen Gestalten (visuellen Invarianten) = Einschränkung des optischen Informationsstroms (perzeptive Abstraktion)

  • Symbolische Deutung optischer Gestalten, emotionale Reaktion, Interpretation, Interesse

(Zeitter, 1987, S. 45; vgl. Ballstaedt et al., 1989)

Modelle der Neurophysiologie und -psychologie zeigen, wie eng bereits in der elementaren Verarbeitung visueller Reize Wahrnehmung und Sprache, aber auch Observation und Imagination verbunden sind. Selektive Aufmerksamkeit steuert die Wahrnehmung optischer Gegenstände. Neuronale Protokolle visueller Wahrnehmung bestimmen nach einem Modell von Sokolow (1975) grundsätzlich über die Verarbeitung visueller Information. Die nervengeleitete Eingabe visueller Reize wird in der Hirnrinde (Kortex) analysiert. Ein „Modell" wird gebildet. Jede neue Reizeingabe wird mit diesem Modell, einer Kombination früherer neuronaler Protokolle, "verglichen". Wird der Reiz als "neuartig“, als "nicht passend" analysiert, löst das Orientierungsreaktionen im Kortex, aber auch im Körper aus. Der "passende", nicht als neuartig analysierte Reiz löst Impulse aus, die diese Reaktionen hemmen. Neuere Forschungen der Neurophysiologie und -psychologie legen den Schluß nahe, das Vorstellen eines Gegenstandes aktiviere dieselben Gehirnregionen wie seine reale Wahrnehmung. Observation und Imagination sind also sehr wahrscheinlich bereits physiologisch eng verbunden. Auch psychologisch wirken sie eng zusammen.





Beim visuellen Vorstellen, der Imagination, werden nach einem plausiblen Modell von Damasio & Damasio (1994) im Gedächtnis nicht die "Abbilder" von Objekten oder Personen abgerufen, die dort gespeichert wären. Eine Art von abstraktem Begriff aktiviert Erregungsmuster (neuronale Protokolle), die real wahrgenommene Gegenstände ausgelöst haben: "Vom Sprachzentrum verläuft die Gedächtnisspur rückwärts zum Ursprung" (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 06.04.1994, S. 4).

Visuelles Erinnern ist also offenbar eng mit Sprachverfügung verkettet. Bilder realer Wahrnehmung werden "gedacht", wenn sie gespeichert oder erinnert werden sollen. Im Protokoll der durch sie ausgelösten Nerventätigkeit werden sie ganz basal "auf den Begriff' gebracht.

Es leuchtet unmittelbar ein, wie wichtig frühes verbindendes Training von Bildwahrnehmung und zunächst einfachster Artikulation der erlebten visuellen Reize für eine persönliche Synthese von Schrift- und Bildkultur ist. Gleichzeitig zeigt sich, welche Bedeutung zumindest sprachnahe optische Erinnerungsbestände für das Verarbeiten visueller Information gewinnen (zusammenfassend: Winterhoff-Spurk, 1986, S. 96f ).

Gespeicherte Anschauung als optisches Repertoire prägt die Verarbeitung weiterer realer Bilder: Der Vorwurf nur optischer, leerer Berieselung durch das Fernsehen wird sinnlos wie der, wir seien beim Fernsehen "passiv". Experimente haben gezeigt, daß wir unwillkürlich Bilder begrifflich einordnen, deuten. Wollten wir uns, gegen diese Funktion unseres Bewußtseins, allein dem Reizcharakter bewegter Bilder überlassen, brauchten wir für diese Askese von den verstehenden Bewußtseinsleistungen mehr Kraft als nötig ist, dieses "Verstehen" gegebenenfalls wie einen Motor im Leerlauf „mitlaufen“ zu lassen.



Die Magie des Bildes

Wird Anschauung auf das passive Sehen von Außenbildern eingeengt, wird korrespondierende Imagination blockiert, dann versagt das für eine vernünftige Fernseh- und Kinopraxis unabdingbare Wechselverhältnis von Observation, Imagination und Begriff. Das Entfernte kommt uns dann in flachen Bildern ohne Tiefe distanzlos nahe. Der Zuschauer verfällt, weil die Kontrolle der Reflexion wie der optischen Innenwelt fehlt, allzu leicht dem Sog nun wirklich rein äußerlicher Bilderfolgen, in dem sich magische Anziehung und eine dem Magischen ebenso verhaftete Urangst vor dem Bildlichen eigentümlich mischen.

Denn Bilder können uns auf magische Weise in Besitz nehmen, können unser waches Bewußtsein täuschen, ausschalten. Die Begriffe "Schema" = Entwurf, Form, Plan und "Schemen" = Schattenbild, Maske entstammen derselben griechischen Wurzel. Das lateinische Wort "imago" kann sowohl Abbild wie Trugbild, auch Traumbild bedeuten.

Die Traumforschung hat gezeigt, daß Traumbilder in Wirklichkeit Assoziationsketten sind, daß sie also filmähnliche Gestalt haben: Was uns als Botschaft unverfügbarer Bewußtseinsregionen in Besitz nimmt, unser waches Denken "lähmt", hat Ähnlichkeit mit der Mitteilungsform der Medien Fernsehen und Film, denen sich ein banalisiertes, gleichwohl aus uralten Angstquellen gespeistes Bildverständnis besonders zugewandt hat. Manch rationale Kritik, die bei Film und Fernsehen verächtlich von "Traumfabrik" und "Eskapismus" (Flucht in unverbindliche Wunsch- und Traumwelten) spricht, hat hier ihre irrationale Wurzel. Auch eine hysterische Angst vor „Passivität" meint wohl oft präziser die Angst vor einem magischen Hingenommensein durch das Trugbild, das Vernunft ausschaltet, weil es als passiv akzeptiertes Außenbild Realität nunmehr scheinhaft vertritt, unser begriffliches Vermögen in Wirklichkeit nicht mehr erreicht.

Mit den Traumbildern, wir sagen besser, mit den Archetypen, mit Urbildern, Urvorstellungen, Inhalten des kollektiven Unbewußten, sind wir auf dem Wege zurück in prähistorische Epochen, zurück hinter die Trennung von Bild und Schrift, von Anschauung und Begriff.

Es ist die Epoche des Präneolithikums, die Epoche der Jäger und Sammler. "Ein mythisches Bewußtsein erlebt Gegenwart als etwas, in das Erinnerung an Erlebtes ununterscheidbar eingewoben ist wie auch die Zukunft dessen, was heute getan und erwartet werden kann ... Sinn des Menschseins ist, daß es selbst und seine Zeit mythischen Ursprungs und Wesens ist. So kann das Jagdtier mit dem tödlichen Pfeil des Jägers im Körper abgebildet werden und dem Jäger als Beute schon gehören, immer wieder gehören, wenn er sich in die mythische Botschaft des Bildes hineinbegibt. Das Bild verkörpert so den ewigen fruchtbaren Augenblick, das mythische Jetzt einer nicht zahlbaren Zeit, eines durch Magie aufgehobenen Raumes. Die australischen Ureinwohner haben von 'Traum-Zeit' gesprochen: der Traum, ein Leben - das Leben, ein Traum"(Dupré, 1974, S. 1789f).

Es ist merkwürdig, daß Theodor Adorno in seiner "Ästhetischen Theorie" dem Bildkunstwerk ganz ähnliche Eigenschaften zuschreibt: Jedes Kunstwerk ist ein Augenblick, jedes gelungene ein Einstand, momentanes Innehalten des Prozesses, als der es dem beharrlichen Auge sich offenbart". Das Bild, daß Kunstwerke plötzlich "ihre Augen aufschlagen", übernimmt Adorno von Walter Benjamin - etwas Totes erscheint plötzlich, wie durch Magie, lebendig. "Das Kunstwerk hat es noch mit der Zauberei gemeinsam, einen eigenen, in sich abgeschlossenen Bereich zu setzen, der dem Zusammenhang profanen Daseins entrückt ist" (Adorno, 1977, S. 17, vgl. Benjamin, 1961, S. 234, Henckmann, 1984).



Beschwörung durch Schriftlichkeit

Wir Kinder einer profanen Welt mißtrauen dem Mythos des Bildlichen, wir fürchten das Übermächtige, das gerade aus dem Bildkunstwerk hervorbrechen kann, wenn wir uns seiner Magie überlassen. Fürchten gelernt haben wir ebenso den Sog des Optisch-Banalen, platt Äußerlichen, den gedankenlose Kulturkritik dann mit dem Mythisch-Übermächtigen zu einer diffusen Gefährdung verkocht. So wird beharrliches Betrachten, das im Begriff die mythisch-unzählbare Zeit wie den banalen Zeitvertreib ordnend zum Stehen bringen könnte, eher zu einer Geste der Angst als zu einer der kreativen Bändigung, die Macht erhofft, das Übermächtige herbeizuzitieren, ohne daß es seine Übermacht ausüben kann.

Zeit als gewußter Prozeß im Raum und intellektuelle Geste der beschwörenden Bändigung sind Produkte einer Epoche, die jene der Jäger und Sammler ablöst. Man erlernt Techniken des Ackerbaus. Nun wird gesät und geerntet. Zeit wird allmählich begriffen als die Folge in ihrer Dauer identischer Augenblicke.

Seither verwirklicht sich menschliches Dasein in gewußter, zählbarer Zeit. Wir haben Zeitbewußtsein, erleben Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in bewußter Konstruktion des "Früher" und "Später". Wir beurteilen ein "Zu-früh" oder ein "Zu-spät". Wir haben gelernt, aus unserer Erfahrung heraus Zeiträume abzuschätzen. Aus einer unendlichen Kette von Augenblicken, in denen Zukunft in Vergangenheit umschlägt, formt sich in unserem Bewußtsein "unsere Zeit", die "ihre" Zukunft und "ihre" Vergangenheit hat und kennt (vgl. Dupré, 1974, S. 1802).

Dieses Bewußtsein aber erinnert sich noch immer an die mythische Zeit, in der das Göttliche wohnt. Dieses Göttliche greift nun ein in die Erdenzeit der Menschen, es erscheint in ihr, im irdischen Raum, in der zählbaren, kontrollierbaren Zeit.

Die Schrift erlaubt es jetzt, das Göttliche im heiligen, zum Ritus gewordenen Bericht zu beschwören. Sie kann das Bild nun herbeizitieren. Ein vermitteltes, im Grunde also beherrschbares Abbild gelangt auf die Altäre, nicht das mythische Urbild: Apollon - nicht Dionysos. Jetzt erst können Bilder auf den Begriff gebracht werden, können Begriffe Imagination erzeugen.



Faszination und Kontrolle

Ganz jedoch wird dem Bild seine mythische Faszinationskraft nicht genommen. Mit der Entwicklung des Christentums gewinnt es, auf den Fundamenten der griechischen Philosophie, freilich auf Nebenwegen, wenig beachtet, immer wieder unterdrückt, Dimensionen einer Bildtheologie, einer Metaphysik des Optischen, freilich am Ende mit den erschreckenden Zügen einer allumfassenden optischen Kontrolle (vgl. Stock, 1984).

"Herr, du siehst und hast Augen. Du bist also Auge, weil dein Haben dein Sein ist. Da aber dein Blick Auge ist, sieht er in alles", heißt es in der Schrift "De visione Dei sive de icona liber" des Nikolaus von Cues (o.J., S. 77). Der Titel ist - bewußt? - doppeldeutig. "De visione Dei" kann meinen: "Vom Anschauen Gottes" - also von den Möglichkeiten menschlicher Gottesschau -, man kann aber auch übersetzen: "Vom Schauen Gottes" also: Wie Gott seine Schöpfung mit ewigen Augen ansieht. "Sive de icona liber“ heißt der zweite Teil der Buchüberschrift, "und/oder" würden wir wohl modern übersetzen, "ein Buch über das Bild, über das Bildliche" .

Nikolaus betet: "Unser Auge wendet sich jeweils einem Gegenstand zu, weil unser Blickvermögen nur in einem Winkel von begrenzter Größe sieht. Der Sehwinkel deines Auges aber, Gott, ist ... unendlich; ist er doch auch Kreis, ja unendliche Kugel, weil dein Blick das gleichsam sphärische und das unendlich vollkommene Auge ist. Es erblickt alles." Wenn wir Gott zu schauen versuchen, sind wir immer schon von ihm erblickt -coincidentia oppositorum.

In diesem Blick aber kommt die Abfolge der immergleichen Augenblicke zum Stehen, sie erweist sich als die Illusion endlicher Wesen: Gott ist der ewige Augenblick, das Aufhören irdischer Zeit, die sein Blick gleichwohl mit umfaßt. "Wir ergreifen ihn“, sagt Thomas von Aquin, "apprehendimus nunc stans", als das, "was jetzt feststeht (Thomas v. A., zit. nach Stock, 1984, S. 211). Augustinus schreibt: "Nunc aeternum präsens", die jetzt gegebene, im Jetzt zu ergreifende ewige Gegenwart (Augustinus, zit. nach Stock, 1984, S. 211). Nahezu zwei Jahrhunderte nach Nikolaus von Cues lesen wir bei dem Mystiker Jakob Böhme (1942, S. 201): "Dann wann ich Grunde vom Anfang des Wesens, so finde ich das Auge, das ist Gott."

In einem Gebet heißt es: "Das unwiderstehliche Licht deiner Augen, oh Herr, das auf dem Grund der Dinge strahlt. Theologie der visio dei, des Gottes, der Auge ist und mit Augen - wenn auch mit den inneren Augen der Seele - geschaut werden kann. Eine Theologie, in der für den Menschen, der da geschaut wird und anschaut, in der Kontemplation Außenbild und Innenbild in merkwürdiger Weise verschmelzen.

In einer rationalistischen Sündentheorie hat sich diese Sicht verhängnisvoll verengt: "Cave, cave, Deus videt" steht als Inschrift auf einem augenförmigen Rundbild des Hieronimus Bosch im Museo del Prado: güte dich, hüte dich, Gott sieht!" Eine Schreckensvision, alttestamentarisch noch mit der Wucht der Klage im Buch Hob:

"Was ist der Mensch, daß du ihn groß achtest

und deinen Sinn auf ihn richtest,

daß du ihn musterst jeden Morgen und jeden Augenblick prüfst?

Wann endlich blickst du weg von mir und

lässest auch in Ruhe einen Augenblick nur. Habe ich gesündigt, was schadet es dir,

du Menschenbeobachter."

Der christliche Katechismus hat das dann vereinfachend, kindlich gesagt:

"Wo ich bin und was ich tu',

sieht mir Gott, mein Vater, zu."


Oder:

"Ein Auge ist, das alles sieht,

auch, was in finst'rer Nacht geschieht."

Der schreckliche Menschenbeobachter ist einer verängstigten Menschheit auch in der Säkularisierung durch eine nun glaubenslose Welt erhalten geblieben. "Big brother is watching you" (Orwell, 1976) - wir haben ihn zeitlich schon eingeholt, ja überholt. Die Ikone des allgegenwärtigen Überwachungsstaates ist, zumindest in der Möglichkeit, schon aufgerichtet.

Orwell wäre noch Außenwelt, die von der Angst verinnerlicht wird. Aber man kann auch an das Modell der Psyche denken, wie Sigmund Freud (1940) es entworfen hat - Freud, der aus einer jüdischen Familie stammt, wie vor ihm Karl Marx, nur seit wenigen Generationen Jahwe, dem rächenden Menschenbeobachter, entronnen.

Die Freudsche Trias: Das Ich, die Insel der Bewußtheit, umspült vom Es, dem dumpf-unbewußten Chaos der Triebe, der blinden Zeugungs- und Zerstörungswünsche. Über dieser schrecklichen Landschaft wacht das Auge des Überich: "Cave, cave!" Aber wer sieht da? Der säkularisierte Gott, die Gesellschaft?

Die Theologie des Optischen hatte auch ihren Satanismus. Eitlen Mädchen und Frauen riet man im Mittelalter, nicht so oft in den Spiegel zu sehen: Satan könnte sonst aus dem Spiegel zurückblicken.

Nun in diesem Zusammenhang zu den Medien dieser Gesellschaft - vor allem zu den optisch-elektronischen Massenmedien. Enzensberger hat von der "Bewußtseins-industrie" gesprochen (Enzensberger, 1964, 1970). Wer sieht uns denn aus der "Glotze" an, wenn wir zu oft in sie hineinstarren? Das Es? Unsere vom Überich mühsam zensierten Triebe: Sex and crime?

Wieder hat Freud die Terminologie geliefert: Identifikation und Projektion, zwei im Grunde optische Vermögen. Wir wechseln - das erinnert an die alten, magischen Rituale - das Ich. Wir wechseln hinein in Mediengestalten, projizieren auf sie unsere versagten Wünsche, unsere gesellschaftlich verwehrten Triebe, unsere Ängste und Aggressionen. Schließlich sind wir besessen von dem, was wir besetzen. Ein uraltes magisches Symbol.



Ich - Es - Überich und eine Vielseher-Theorie

An der mittlerweile durch empirische Forschung weitgehend fragwürdig gewordenen Vielseher-Theorie der Amerikaner Gerbner und Gross (1976; vgl. Bortz, 1993, S. 249) hat bisher noch niemand festgestellt, daß sie unter anderem auch Ausdruck jener magischen Bildangst der Intellektuellen ist, daß sie ein Szenario entworfen hat, das sich mit der Freudschen Trias von Ich - Es - Überich ausgezeichnet interpretieren läßt. Vielseher fassen nach dieser Theorie allmählich ihre Wirklichkeit so auf, wie das Fernsehen sie ihnen - angeblich - zeigt: als eine düstere Welt der Triebbefriedigung und Gewalt - eine Welt des Es. Aber es gibt in dieser Weit auch Instanzen des Überich: Das Gute siegt im Knallen der Polizeipistolen, notfalls durch den Strick des Henkers, durch den elektrischen Stuhl. Vielseher neigen daher nach Gerbner und Gross zu Ängstlichkeit ebenso wie zu Law-and-order-Denken.

"Es" blickt uns also aus dem Bildschirm an - aber wir sind es letztlich, deren Triebe und Wünsche, deren kontrollierende Normen auf dem Schirm Gestalt annehmen: Von außen kommt nun auf uns zu, was uns in unserem Innern ängstigt und quält: vor dem furchtbaren Auge der rächenden Kontrolle gibt es kein Entrinnen.

Die großen Bilderstürme unserer christlichen Geschichte waren von Bucheinsichten, von Schriftlichkeit ebenso geprägt wie von der Angst vor der Magie des Bildes, vor dem, was aus den Bildern auf uns zukommt, wenn wir meinen, uns ihrer bedienen zu können, um das Übermächtige herbeizurufen, es im Abbild so zu beschwören, daß uns seine Übermacht nicht gefährlich wird, daß wir es in unseren Besitz bringen.

Warum sollten die säkularisierten Bilderstürmer unserer Gegenwart von dieser Angst frei sein? Angst, daß die Geste der Beschwörung mißlingt, der intellektuelle Schutz versagt, daß wir das Übermächtige nicht mehr so in den optischen Kanälen unserer Medien herbeizitieren können, daß seine Macht eingedämmt bleibt? Das Modewort unserer Gegenwart ist "Manipulation" - man hört es in Diskussionen oft gleichbedeutend mit medialer Magie.

Gewiß, Fernsehen und Film können Es und Überich heraufbeschwören. Sie können Zeit als Abfolge zahlbarer Augenblicke im Bewußtsein des Zuschauers aufheben.

In Wahlnächten verkürzen die simultan gesendeten Hochrechnungen des Fernsehens die reale, "politische“ Zeit des Stimmenzählens ebenso wie die reale Zeit der den Hochrechnungen folgenden koalitionspolitischen Entscheidungen, die wieder, sehr oft nahezu simultan, vom Fernsehen verarbeitet werden.

Fernsehen und Film können mit dem Mittel der Montage blitzschnell zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft wechseln. Diese Bildmedien können Zeiträume unserer Wirklichkeitserfahrung verkürzen, können das "Zu-früh" oder "Zu-spät" unmittelbar, realitätsübergreifend dramatisch oder episch erlebbar machen. Die Spanne eines Menschenlebens schrumpft in die Eineinhalbstunden einer durchschnittlichen Filmlaufzeit. Fernsehzeit ist Zeit innerer Vorstellung, sie wird nach dem Maße der Vorstellungskraft, nach der inneren Zeiterfahrung des einzelnen Zuschauers erlebt. Film- und Fernsehzeit kann also mythische Zeit werden.

Kehrt damit die Magie des Bildes zurück - erliegen wir beim Fernsehen dem Sog eines Flucht-Mediums, das uns aus unserer realen Zeit und damit aus unserer Verantwortung wegzulocken versucht?

Magie wirkt nur auf ein Bewußtsein, das, mit Kant zu sprechen, "blind", d.h. ohne personen- und situationsgerechte Denkstrukturen, ohne "Begriffe", aber auch ohne eine Kultur der Imagination ist: ohne Begriffe und ohne im Begriff zu eigen gewordene Innenbilder, die fähig wären, das Übermächtige zu fassen, ohne daß es seine Übermacht zerstörend ausübt, die Insel des bewußten Ich zu vergrößern und zu befestigen.

In diesem Zusammenhang: Man kann der Macht der Bilder nicht nur blind ausgeliefert sein, weil man keine schützenden Begriffe, kein eigenständiges Repertoire von Innenbildem erworben hat. Man kann sich dieser Macht auch blind unterwerfen, indem man auf den Schutz der Ratio verzichtet, sich dem Sog der Medien überläßt.

In beiden Fällen entstünde jene Massensituation, die Gustave Le Bon (1982) am Modell des Mobs der französischen Revolution in unzulässiger Verallgemeinerung so mißverständlich beschrieben hat. Erst wenn unser Bewußtsein seine individuellen Verarbeitungsstrukturen einbüßt, können Medien uniformieren.



Literalität und Optikalität - eine wertorientierte Alternative?

Eine aus sehr alten Quellen gespeiste Bildangst wird in der Gegenwart schließlich Mitursache einer vermeintlich zwingenden Höherbewertung von Literalität (der kompetenten Nutzung von Medien der Schriftlichkeit) gegenüber der Optikalität, einer Nutzung vor allem des "flüchtigen“ Sendemediums Fernsehen. Diese Bewertung findet - freilich historisch fragwürdig - Modelle schon in den überlegenen Bücherlesern der Jahrzehnte nach der Erfindung der Buchdruckerkunst (Postman, 1983, S. 39).

Was hier in eine unbegründete Antithese gebracht wird, verfehlt Systemstrukturen moderner Technozivilisationen, wie Soziologie und Systemtheorie sie uns vor Augen stellen (vgl. Parsons, 1964; Luhmann, 1975, S. 193-203). Von der Technik beherrschte Gesellschaften, die sich in ihren sozialen Funktionen immer stärker spezialisieren, stehen in der Spannung zweier gegenläufiger Prozesse: Zunehmende Spezialisierung erzwingt sich steigernde Differenzierung. Soll dabei die Gesellschaft als Ganzes ihren Zusammenhalt bewahren, muß dieser Aufsplitterung soziale Kommunikation antworten: Aus Differenzierungszwang entsteht gesteigerter Integrationsbedarf. Der kann unter Umständen ein "communication gap", eine Verständigungskluft, öffnen, die nur die Massenmedien schließen könnten, wenn ihre Botschaften von der überwiegenden Anzahl der Bürger sinnvoll genutzt würden.

Forschung, vor allem in den Vereinigten Staaten, in Schweden und in der Schweiz, (Überblick bei Bonfadelli, 1985, S. 65-86) hat allerdings in Frage gestellt, ob sich dieses Problem allein dadurch lösen läßt, daß man die Anzahl der gesellschaftlich verfügbaren Medien und damit die Quantität der verfügbaren Informationen einfach nur steigert (Saxer, 1989, S. 124).

Untersuchungen weisen darauf hin, daß gesteigerte Medieninformation von unterschiedlichen gesellschaftlichen Schichten mit unterschiedlichem Bildungshorizont unterschiedlich wirksam verarbeitet wird (Saxer, Langenbucher & Fritz, 1989, S. 75£). Massenkommunikation kann dann, wenn sie ihr Angebot steigert, bei den Bevorzugten differenzieren und, weil sie verstanden wird; sie kann mit hoher Motivation gleichzeitig Pluralität und Toleranz und damit Integration ermöglichen.

Bei den Benachteiligten dagegen kann ein gesteigertes massenkommunikatives Angebot gesellschaftliche Fragmentierung und Isolation bewirken. Wird Massenkommunikation nur zum Teil verstanden, manipuliert sie und erzeugt Gefühle der Desorientierung; sie motiviert nicht zur Suche nach Information und Sinn. Es entstehen Stereotypen, auf deren Boden Ideologien, schließlich Intoleranz und Gewalt (Bonfadelli, 1985; Saxer, 1989, S. 124).

Ergebnisse der Wissenskluftforschung legen den Schluß nahe, daß bei den Benachteiligten Literalität nicht ausgebildet wurde, optische Zeichensysteme aber - weil die Schule nicht in sie einführt - auch recht oberflächlich verstanden werden (Saxer et al., 1989, S. 210f.).

Der Bevorzugte dagegen kommt aus einem Grundbestand von Literalität, weil er Kompetenz für die Medien der Schriftlichkeit erworben hat, auch sehr viel leichter zu einer vertieften Auswertung der optischen Zeichensysteme. Es besteht die Gefahr, daß sich zwischen Bevorzugten und Benachteiligten eine "Wissenskluft" öffnet, daß sich ein neues, verhängnisvolles Zweiklassensystem etabliert (Saxer, 1989, S. 120).

Nach Erkenntnissen der allgemeinen Systemtheorie lassen sich gesellschaftliche Systeme auch unter dem Gesichtspunkt ihrer Flüchtigkeit in eine Rangordnung bringen, wobei das flüchtigere System das weniger flüchtige, stabilere durch Impulse steuert (Luhmann, 1975, S. 193-203).



Ein Beispiel:

Großgruppe der Wähler

Impuls/Steuerung

Parlament

Impuls/Steuerung

Regierung

Impuls/Steuerung

Verwaltung



Für das Kommunikationssystem einer Technozivilisation würde das bedeuten, daß ein verhältnismäßig stabiles System der schriftlichen Medien (vor allem des Buches) flexibel genug sein müßte, um auf die flüchtigen Steuerungsimpulse, besonders der elektronischen Medien, angemessen zu reagieren. Dieses System könnte dann für den einzelnen die solide, interaktionsgeeignete Grundlage einer sich den gesellschaftlichen Wandlungen beweglich anpassenden persönlichen Bildung sein.

Die Schule muß also nach wie vor zu den schriftlichen Medien erziehen, wobei diese freilich mehr und mehr aus Speichern rein additiv angehäuften Sachwissens zu Magazinen präzise einsetzbaren Verfügungswissens werden müßten. Gleichzeitig muß die Schule in den kompetenten Umgang mit optischen und sprechsprachlichen Verständigungssystemen einführen, damit eine dauerhafte Verbindung zwischen Impuls und Steuerung, zwischen Aktualität und Stabilität sich herausbilden kann. Der Wertgegensatz zwischen Literalität und Optikalität ist also auch unter diesen Anforderungen eine gesellschaftliche Scheinalternative (vgl. Doelker, 1987, S. 149f).



Informationsübertragung - Die "Sprache" des Fernsehens und des Films. Eine "Sprache"?

Das Medium, in dem Wirklichkeit mit Hilfe eines komplizierten Inhalt-Form-Prozesses sich so mitteilen läßt, daß diese Mitteilung unser Interesse weckt, daß sie die Distanz des real Gegebenen für uns aufhebt, ist die Sprache.

Eine "Sprache" muß vier Forderungen erfüllen:

  1. Sie muß ein System sein, in dem Zeichen in ihren Beziehungen zueinander und in ihren Verwendungsregeln (Syntax) in logisch einsehbaren Verhältnissen geordnet sind.

  2. Ihre Zeichen müssen eine allgemeine, für eine Sprachgemeinschaft definierbare (nähere oder weitere) Bedeutung (Semantik) haben (Sprache als "Konvention").

  3. In ihrem System muß man über das System (und über andere Verständigungssysteme) kommunizieren können (Metakommunikation). Sprache muß zu ihrem eigenen System sekundär werden können, d.h. zu ihrer eigentlichen Sinnebene kann eine zweite, nicht jedem Sprachteilnehmer zugängliche treten (siehe etwa das Problem Ironie).

  4. Es muß möglich sein, Zeichen oder Zeichenstrukturierungen aus einem verständlichen Kontext heraus in neuer Bedeutung zu verwenden (vgl. Savigny, 1983).

Systeme, die nur über die Qualität der Systematik verfügen, werden als Codes bezeichnet. So sind im Code des Morsealphabets Striche und Punkte nach Verwendungsregeln untereinander systematisch geordnet. Diese Zeichen transportieren Bedeutung, deuten aber auf nichts, was außerhalb des Systems läge.

Systeme, die über Systematik Zeichenbedeutung und Erweiterungspotentiale, nicht aber über Sekundarität verfügen, sind Zeichensysteme (einfaches Beispiel: das Farbsystem der Verkehrsampel). Die optischen Zeichensysteme im Bildkanal des Fernsehens sind Mischsysteme: Sie sind Codes, Zeichensysteme, aber sie verfügen nicht gleichzeitig über alle vier Qualitätsmerkmale von Sprache. Von "Bildsprache" zu reden, meint also eine im letzten nicht überzeugende Analogie.

Für sprachliche Konventionen in einer Gesellschaft gilt als Grundbedingung, was H.L.A. Hart (1961, S. 54ff., S. 87f, S. 96ff) als Regeln überhaupt formuliert hat:

Ein solches System gesellschaftlicher Regeln gerät in die Krise, wenn eine erhebliche Zahl von Gesellschaftsmitgliedern diese Regeln nur aus Furcht vor Sanktionen oder nur in der Hoffnung auf persönlichen Nutzen befolgt. Sollen Mitglieder einer Gruppe oder Gesellschaft sprachlichen Regeln folgen, dann



Mehrdeutigkeit der "F-Sprachen"

Überträgt man diese Forderungen auf Kommunikationsformen und -inhalte des Fernsehens und des Films, dann wird man rasch feststellen, daß diese Medien weder in ihren Aussagestrukturen noch in ihrer gesellschaftlichen Verfaßtheit die an die Sprache gestellten Forderungen erfüllen, auch wenn gesprochene Sprache in ihre Aussagegestalten mit wechselndem Schwergewicht einbezogen ist.

Für das Fernsehen und Film beherrschende bewegte Bild und seine Verbindungen mit Sprechsprache und Musik gilt: Es ist nicht möglich, analog zum Phonem oder Morphem in der Sprech- oder Schreibsprache in den optischen Codes der Fernseh-/Film-"Sprachen", der sogenannten "F-Sprachen", allgemein überzeugende strukturelle Glie-derungen vorzunehmen.

Zunächst stellt sich die Frage, ob das Einzelbild, das der Adressat als einzelnes gar nicht wahrnimmt, oder die Einstellung - der nicht unterbrochene Kameralauf - als kleinste Einheit anzusehen ist.

Es gibt also keine regelgeleitete Konvention vor allem des Zeichensystems der bewegten Bilder, die allgemein zugänglich wäre (vgl. Siegrist, 1986, S. 47f).

Noch weniger gibt es Sanktionen, wenn Medienproduzenten im Fernsehen gegen Handwerksregeln verstoßen, die nur dem "Profi" bekannt sind, die das Publikum aber keineswegs als für alle verpflichtend, als kommunikationsnotwendig, verinnerlicht hat.

Es kann, wo es keine allgemein bekannten und anerkannten Konventionen gibt, auch keine "Krise" eines nicht allgemein verpflichtenden Ordnungssystems geben. Dafür gibt es um so mehr die Gefahr der Manipulation durch Zeichen und Zeichenstrukturen, deren Bedeutung und Systematik man nicht durchschaut.

Die "Krise" des Systems der bewegten Bilder besteht also in der Tatsache, daß die Systematik seiner Inhalte und Strukturen - obwohl leicht zu konsumieren - rational den meisten Zuschauern unzugänglich bleibt.



Strukturelle Invarianten der Fernseh- und der Film-"Sprache"



Die Kameraoperationen und die Manipulationen des Schnitts sowie das Supersystem der Montage können in diesem Zusammenhang als strukturelle Invarianten einer Film- bzw. einer Fernseh-"Sprache" aufgefaßt werden, die Bewußtseinsinhalte mit ihren spezifischen Mitteln in Kommunikation transformiert.

Strukturelle Invarianten sind in diesen "Sprachen" informationstheoretisch betrachtet zunächst Mittel zur Ordnung und Einschränkung des optisch-akustischen Informationsstroms. Dabei ist Information im publizistischen Sinne ihrerseits bereits ein Ergebnis von Selektion, also von Einschränkung. Informationsgehalt ist unter diesem Gesichtspunkt das Maß der Wahrscheinlichkeit, mit der ein tatsächliches Ereignis sich aus der Menge der möglichen Ereignisse eines Wahrscheinlichkeitsfeldes hervorhebt. Der Informationsgehalt ist um so größer, je größer die Unbestimmtheit vor dem tatsächlichen Ereignis war, das sich nun aus der Menge der möglichen Ereignisse abhebt.

Strukturelle Invarianten bewirken die Einordnung vor allem von optischen Reizen, die Mitträger von Information sind, in die Wahrnehmungskategorien von Raum und Zeit. Diese Invarianten sind als Faktoren einer orientierenden Adaption an Realität (als Faktoren von Abstraktion) inhaltsrelational, aber nicht streng inhaltsabhängig (z.B. eine als Konvention etablierte Reihe von Einstellungsgrößen der Kamera: Weit / Total / Halbtotal / Halbnah / Nah / Groß / Detail als Beginn einer filmischen Narration; die Blende als Instrument räumlicher oder zeitlicher Zuordnung usw.) (vgl. Zeitter, 1987, S. 28; Kandorfer, 1990, S. 75ff.).

In die Sprache der Wissenschaft übersetzt, bedeutet das für unseren Fernsehkonsum: Strukturelle Information, bei der im Gegensatz zur semantischen Information nicht der Inhalt, aber sehr wohl Elemente der Bedeutung erfaßt werden, wird nach Theorien der informationellen Akkommodation vom Adressaten durch Wahrscheinlichkeitslernen erschlossen und in ihren Elementen angeeignet (Oerter, 1980, S.67ff). Wahrscheinlichkeitslernen wäre hier die Einprägung der objektiven Häufigkeitsverteilungen struktureller Elemente und ihrer narrativen Funktionen (Verbindung zum Schemabegriff der kognitiven Psychologie). Diese nun subjektiv erfaßten Häufigkeiten bewirken eine Erwartungshaltung, stehen allerdings den Bewußtseinsprozessen nicht unmittelbar zur Verfügung; sie sind vor allen Dingen zunächst nicht spontan artikulierbar (vgl. Strittmatter, 1994, S. 187).

Was der Rezipient über strukturelle Invarianten der Fernseh- bzw. Film-"Sprache" weiß, was er beim Empfang der Medienbotschaften aktuell aktivieren kann, wird in Anklang an den Begriff der Literalität beim Medium des gedruckten Wortes "viewing literacy" genannt (Greenfield, 1987, S. 9). "Viewing literacy" ist mitbestimmend für die Zuwendung von Aufmerksamkeit und damit auch für die Qualität, mit der Fernseh- bzw. Filmbotschaften verstanden werden (vgl. Strittmatter, 1994, S. 181ff).



Also doch eine "Sprache" des Fernsehens und des Films?

Es gibt (noch?) keine "Grammatik" des Fernseh- und Filmaussagesystems (vgl. Möller-Naß, 1988, 349f). Die je wechselnde Selektion und Kombination unterschiedlicher Zeichensysteme mit unterschiedlicher konventionaler Prägnanz machen trotz Eco (1968, 1977) und Metz (1973) Ordnungssysteme auf semiotischer Basis zumindest für die medienpädagogische Praxis problematisch (vgl. Siegrist, 1986, S. 47f, S. 84£).

Aber es gibt einen flexiblen, regelgeleiteten professionellen Herstellungsprozeß (also eine "Sprache"). Man kann diesen Prozeß beschreiben und sich vor allem am praktischen Beispiel probierend und auf diesem Wege verstehend in ihn einarbeiten (vgl. Opl, 1990).

Fernsehen und Film sind Medien im Prozeß, Medien des bewegten Bildes. Aber das Bild bleibt nicht stumm. Fernsehen und Film sind Bild-Ton-Medien. Ihre Botschaften wirken auf den Seh- und den Hörsinn. Fernsehen und Film verfügen über einen optischen und über einen akustischen Kanal. Kanal meint hier das materielle Medium, das in einer Kommunikationskette den "Sender" (Kommunikator), den, der etwas mittzuteilen beabsichtigt, mit dem "Empfänger" (Rezipient), dem, der etwas entgegennehmen soll, verbindet.

Der optische Kanal transportiert vom Sender zum Empfänger unbewegtes und bewegtes fotografiertes Bild, unbewegte und bewegte Zeichnung, Schrift.

Der akustische Kanal transportiert Sprechsprache, Musik, Geräusch.



Wahrscheinlichkeitslernen - Strukturelle Invarianten

Fassen wir zusammen: Es gibt (noch?) keine "Grammatik", nicht einmal eine "Syntax" der optisch-akustischen Aussagesysteme Fernsehen und Film, auf die alle beteiligten Wissenschaften sich einigen könnten.

Die Schule steht also zunächst vor der befremdenden Tatsache, daß die beherrschenden Medien unserer von Technik beherrschten Zivilisation Inhalte in einer Konfiguration von optischen und akustischen Zeichensystemen aussenden, die in ihren - erst zu erschließenden - Formgesetzen weder von den Produzenten noch von den Adressaten in allgemeiner, rational begründeter Regelhaftigkeit verstanden und angenommen werden. Es gibt zur Zeit noch nicht einmal die gesellschaftlich-allgemeine Übereinstimmung; alle Mitglieder der Gesellschaft wären gezwungen, Regeln der "F-Sprache" zu lernen, falls die Wissenschaft sie umfassend definieren und bekanntmachen könnte. Bei der Einführung in Aussageinhalte und Aussageformen des Fernsehens und des Films, die unsere Gesellschaft tief beeinflussen, kann die Schule deshalb nicht nach dem Modell eines regelgestützten, optisch-akustischen "Sprachunterrichts" vorgehen.

Aber es gibt eine breite Tradition regelgeleiteter, professioneller Produktionsprozesse im Fernsehen und Film, in deren einfachste Grundlagen man sich probierend, im praktischen Versuch das Medium erkundend, schon in frühem Alter einarbeiten kann.

Das Argument, gerade das Fernsehen lasse, weil sein Gebrauch unausweichlich passiviert, diese aktive Medienarbeit gar nicht zu, kann, weil es zu simpel pauschaliert, als widerlegt gelten. Bildangst darf in einer Gesellschaft, die Bildmedien braucht, aber nicht von ihnen beherrscht werden soll, nicht rational unbegründete Sperren errichten.

Basis eines probierend verstehenden Einführungsprozesses in die Aussagesysteme des Fernsehens und des Films muß die allmählich praktisch (und dann auch in Ansätzen theoretisch) sich festigende Einsicht in strukturelle Invarianten sein, die den Prozeß der Fernsehproduktion wie des Fernsehkonsums steuern (vgl. Salomon, 1979). Diese strukturellen Invarianten werden vom Produzenten wie vom Adressaten durch Wahrscheinlichkeitslernen angeeignet.

Was heißt nun "Wahrscheinlichkeitslernen"? Ein Beispiel aus unserer alltäglichen Lebenspraxis: Wir wollen mit einem Partner essen gehen. Mehrere Restaurants stehen zur Auswahl. Da sagt der Partner: "Nicht zum Chinesen, da war der Reis so pappig." Vielleicht bringt schon diese Behauptung die endgültige Wahl.

Eigentlich hätten wir unseren Partner ja fragen müssen: "Woher weißt du denn, daß der Reis auch diesmal wieder pappig sein wird?" Vielleicht würden wir zur Antwort bekommen: "Das war doch das letzte Mal schon so!" Spätestens jetzt dürften wir überzeugt sein. Wovon eigentlich? Im Grunde haben wir doch nur aus einer Wiederholung von Tatsachen, besser wohl von subjektiven Tatsachenurteilen, in der Vergangenheit geschlossen, diese Tatsachen würden sich auch in Zukunft ergeben. Aus dem wiederholten Erlebnis einer sinnlichen Qualität, wir könnten auch sagen einer Form, haben wir aus der Vergangenheit auf die Wahrscheinlichkeit geschlossen, diese Qualität, diese Form werde sich unter gleichen oder ähnlichen Umständen auch in Zukunft einstellen, also invariant werden: Wir haben mit einer sehr groben statistischen Methode eine Vorerwartung entwickelt. Diese Vorerwartung prägt unsere Erlebnisfähigkeit unter Umständen so sehr, daß unserem Partner der Reis auf jeden Fall pappig vorkommen wird, wenn wir darauf bestehen, "beim Chinesen" zu essen.

Hoffentlich kann uns der Partner seine "strukturellen Vor-Urteile", die aus wahr-scheinlichkeitsbedingten Vor-Erwartungen entstanden, wenigstens einleuchtend erklä-ren, ehe es zum Konflikt kommt. Im Konflikt gibt es dann möglicherweise ganz andere Fragen: "Was heißt bei dir schon pappig? Und warum sollte nicht gerade 'pappiger Reis' ganz gut schmecken? Denk doch bloß mal an italienisches Risotto. Ich zum Beispiel ..."

Eine invariante Form, mehrmals angetroffen, hat Vorerwartungen geweckt. Zunächst sind diese Vorerwartungen vorbewußt, auch wenn sie Entscheidungen steuern. Bewußt werden sie, wenn eine Anfrage, also Kommunikation, uns zwingt, sie "auf den Begriff zu bringen".

Auch strukturelle Invarianten der Film- bzw. Fernseh-"Sprache" als Formen der Vorerwartung bündeln optische Reize zu "Wahrnehmungsgestalten", die innerhalb einer durchaus gegebenen Variationsbreite spezifisch und damit erkennbar bleiben. Auch diesen Reizkonfigurationen muß etwas Unverwechselbares ("Typisches") anhaften, wenn sie von anderen unterschieden werden sollen. Dieses Unverwechselbare jedoch ist nicht immer durch die Analyse seiner Einzelqualitäten (der einzelnen Reize), so gut wie immer aber aus seinem synthetischen Gesamteindruck heraus zu beschreiben. Dabei bleibt zunächst oft ungewiß, ob dieser Gesamteindruck Ergebnis eines markanten Einzelreizes auf dem Hintergrund korrespondierender Reize oder ob er durch das Zusammentreten gleichwertiger Reize zustande kommt. Observation, Artikulation und Kommunikation sollten es auf dem Gebiet der strukturellen Invarianten der Film bzw. Fernseh-"Sprache" dem Lernenden aber ermöglichen, unterschiedliche Reaktionen auf unterschiedliche Reizkonfigurationen bewußt zu vollziehen (vgl. Rice, Huston & Wright, 1984).

Strukturelle Invarianten sind Produkte einer Reduktion der möglichen optischen Reizmenge einer Botschaft (Klaus, 1971, S. 90f, S. 230f). Mit Hilfe dieser Reduktion adaptiert der "Macher", der Produzent, Inhalte seiner Wahrnehmung an die Kommunikationsbedingungen eines optisch-akustischen Massenmediums. Der Macher findet strukturelle Invarianten bereits als Konventionen vor (Sprache nach Humboldt als "ergon") und transformiert sie im Prozeß der medialen Kommunikation in neue Aktualität: Strukturelle Invarianten werden so "energeia" und verändern damit, wenigstens in der Möglichkeit, den gesamtem Möglichkeitsbestand ihrer Anwendungen das Gesamtsystem des "ergon"(Humboldt, 1963, S. 418).

Wahrscheinlichkeitslernen, gerichtet auf strukturelle Invarianten der Film- bzw. Fernseh-"Sprache", kann man sich geschichtet vorstellen. Eine erste Lernmatrix erfaßt dann einfache Formen von Kameraoperationen und Schnitt, eine zweite Matrix überformt sie auf höherer Komplexions- und Verständnisebene (Formen der Montage).

Strukturelle Invarianten der Film- bzw. Fernseh-"Sprache" können durch Wahrscheinlichkeitslernen angeeignet werden. Erschlossen sind sie erst, wenn sie bewußt unterschieden, benannt und in ihren Wirkungen beschrieben werden können. Der junge Lernende muß, auch im produktionspraktischen Experimentieren, strukturelle Invarianten als Reizkonfigurationen in Klassen ordnen, also begreifen. Er muß schließlich diesen komplexen Lernvorgang über den je konkreten Fall hinaus auf andere konkrete Fälle anwenden können (Lerntransfer) (vgl. Meyer, 1984).

Strukturelle Invarianten der Film- bzw. Fernseh-"Sprache" werden in der Montage nach einer Lernmatrix höherer Ordnung kombiniert, d.h., sie sind einem System von Gestaltungsregeln unterworfen (vgl. Siegrist, 1986, S. 64ff.).

In der Sprache der Lerntheorie: Auf Klassen von Reizkonfigurationen muß der Lernende mit Klassen von Ordnungsleistungen im Sinne der Systemorganisation reagieren können (Gagn6, 1975, S. 170ff Zeitter, 1987, S. 128ff.). Der Lernende sollte dabei vor allem in praktischer Produktionstätigkeit erfahren, daß Regeln der Montage nicht strenge ästhetische Gesetze, sondern Konventionen des gesellschaftlichen Diskurses unter den Bedingungen eines optisch-akustischen Massenmediums sind, eines Diskurses, in den freilich ästhetische Momente, auch im Sinne von Tradition, jeweils eingehen.

Wir organisieren gerade auch unseren Fernsehkonsum sehr oft nach formalen Wahrscheinlichkeitskalkulationen. Wir wissen, wenn wir blind einschalten, u.U. innerhalb weniger Sekunden, daß wir mitten in einem Krimi sind, weil wir dessen formale Strukturen längst verinnerlicht haben - einen Krimi aber mögen wir im Augenblick sehr oder gar nicht. Wissen wir auch warum? Wissen wir, was die Familienmitglieder mögen und können wir über unsere Vorerwartungen, über unsere Vorlieben miteinander sprechen, können wir Konsens herstellen oder im Dissens sachlich bleiben?

Im Zeitalter des "Zapping", wenn man mit der Fernbedienung von Programm zu Programm hüpft, spielen solche Wahrscheinlichkeitsurteile eine große Rolle. Sie prägen aber darüber hinaus jede Art des Fernsehempfangs und des Filmkonsums. Sie bestimmen unsere Interessen gerade deshalb mit, weil sie den meisten von uns in ihrer Wirkung nicht bewußt sind. Wie wichtig wäre aber in der Begegnung mit so faszinierenden Medien wie dem Fernsehen und dem Film, daß wir ein Bewußtsein unserer formalen Wahrscheinlichkeitserwartungen und damit der durch diese vorgeprägten Vorlieben und Geschmacksurteile hätten. Wie wichtig wäre es, wenn wir mit anderen sachlich darüber sprechen könnten. Wir wären dann mit Sicherheit weniger manipulierbar.

Ziel der Medienerziehung müßte es sein, Häufigkeiten dieser invarianten Strukturen, die deren Einprägungswert bestimmen, dem Bewußtsein des Adressaten, vor allem auch dem Bewußtseinsprozeß der Artikulation verfügbar zu machen. Dies kann besonders dadurch geschehen, daß der Lernende mit solchen Strukturen als Mittel kreativer Aussage experimentieren, daß er durch sie sich ausdrücken lernt. Lerntheoretisch gesagt: Anstatt eine formale Konvention als subjektive Häufigkeitserwartung nur zu perzipieren, sollte man einen optischen Code der Reflexion, der Artikulation und damit der kreativen Produktion als den Medien der Selbsterfahrung erschließen.

Da diese Regeln aber, wie die Entwicklung der Gesellschaft, offenbleiben, entsteht immer wieder das gestalterische Problem, bekannte Regeln unter den beschreibbaren gesellschaftlichen Grundbedingungen so zu kombinieren, daß bei Veränderung dieser Bedingungen in Zusammenhang mit ihnen neue Leistungsmöglichkeiten entstehen: Diese Leistungsmöglichkeiten können unter Umständen zu Regeln höherer Ordnung werden. (Das schließt nicht aus, daß Kunst ihre Werke "intuitiv- instinktiv" hervorbringen kann.)

Strukturelle Invarianten sind, auf die Ganzheit eines Films oder einer Fernsehsendung gesehen, gemessen an den wechselnden Inhalten des gesellschaftlichen Diskurses die stabileren Elemente. Betrachtet man die Inhalt-Form-Beziehung als Wechselwirkung, in der sich ein Inhalt die passende Form sucht, die Form ihrerseits den Inhalt erst kommunikabel macht, dann können alte Formen als die stabileren Elemente einer Inhalt-Form-Korrelation weiter bestehen, obwohl die korrespondierenden Inhalte schon lange verschwunden sind. Schließlich sprengen neue Inhalte die alten Formen.

Dialektisch gesehen entsteht im Sinne des Problemlösens eine neue Inhalt-Form-Korrelation. Ob man diese für eine Einheit "höherer Ordnung" halten muß, hängt von der Frage ab, ob man "Fortschritt' in der Kunst, allgemeiner gesagt im gesellschaftlichen Diskurs, für möglich, sogar für notwendig hält.

Auf jeden Fall sollte der Lernende für die Beziehung zwischen Inhalt-Form-Korrelation und sozialer Situation im praktischen Erproben des medialen Diskurses sensibel gemacht werden (Tulodziecki, 1989, S. 141 f).



Die "Sprache" des Fernsehens und des Films: Der optische Kanal

Damit auf dem Fernsehbildschirm und auf der Kinoleinwand Bewegung dargestellt werden kann, mußten die Bilder "laufen lernen". Die Fernseh-/Filmkamera hält Bewegung mit 24 bzw. 25 Bildern pro Sekunde fest. Mit derselben Geschwindigkeit läuft das Abspielband in der Sendezentrale. Beim Zuschauer entsteht so im Blick auf den zweidimensionalen Schirm die Illusion der Bewegung im dreidimensionalen Raum.



Kameraperspektiven

Auf den Fernseh- und Filmbildern sehen wir, was die Kamera uns sehen läßt. Anders als im Theater, wo wir jeden Teilbereich der Bühne eher nach freier Entscheidung beobachten können, sehen wir im Fernsehen und im Film immer nur durch die "Augen" der Kamera, d.h. mit unseren Augen, bezogen auf die Augenhöhe einer Person, die im Bild gegeben ist oder gedacht werden kann (vgl. Siegrist, 1986, S. 60).

Mit der Augenhöhe treten wir gleichsam als handelnde Person in normaler Sehposition in das Bild ein. Sie ist so das "Normale", voraussetzungslos Gegebene. In der Untersicht, der sogenannten Froschperspektive, befindet sich die Kamera auf einer Ebene unterhalb der Augenhöhe. Sie ist nach oben gewinkelt. Aus dieser Perspektive wirkt das Bild-Objekt überdimensioniert, geradezu drohend: Es ist uns "überlegen". Zeigt die Kamera ein Objekt in der Draufsicht, der sogenannten Vogelperspektive, befindet sie sich auf einer Ebene oberhalb der Augenhöhe und ist nach unten geneigt. Das Objekt wirkt klein, unbedeutend. Nun sind wir diejenigen, die auf das Objekt "herabsehen", die es, wollten wir nur, auch leicht "übersehen" könnten (Abb. 15).





Einstellungsgrößen

Der Kameramann entscheidet über die Größe, in der die Objekte schließlich auf dem Fernsehbildschirm oder auf der Kinoleinwand erscheinen. Im Fernsehen muß er also - und das ist für Kameraleute, die vom Film kommen, nicht leicht - eine Vorstellung von den Größenverhältnissen durchschnittlicher Fernsehbildschirme haben. Mit der Größe der Darstellung bestimmt der Kameramann (wenn nicht vor ihm schon der Drehbuch-autor) gleichzeitig die Nähe oder Distanz, in der wir als Zuschauer diese Objekte erle-ben (vgl. Siegrist, 1986. S. 152ff.).

Die Kamera entscheidet mit ihrer Nähe zum Objekt aber nicht nur über Intimität oder Distanz unseres Erlebens, mit Nähe oder Ferne setzt sie auch das Maß an Übersicht, mit dem wir das Objekt in seine Umgebung, in eine optische Szenerie, einordnen können: Wir haben "Überblick" oder wir verlieren ihn - wie die Kamera das will.

Versuchen wir nun mit Hilfe einer Bildreihe, uns die verschiedenen Einstellungsgrößen und die unterschiedlichen optischen Aussagen, die mit ihnen möglich sind, vor Augen zu führen.

Wir beginnen mit der Weiteinstellung, dem noch völlig ungegliederten Überblick, den die Kamera gibt: Alles, was die Kamera in einer Perspektive fassen kann - Vermittlung eines optischen Gesamteindrucks (Abb. 16).

Hier ist die Zahl möglicher Deutungsgesichtspunkte am größten. Wir haben "Überblick". Der Stacheldraht, der das Vergnügungsgelände absperrt, das Verbotsschild, die uniforme Reihe von Wohnburgen, der Badende, der eine Frau auf dem Arm trägt, bilden ein Ensemble, das vielfältige Deutung zuläßt. Wer wird hier vom Strand ausgesperrt? Gehören Mann und Frau zu den Privilegierten, vielleicht zu den Bewohnern der uniformierten Betonburgen im Hintergrund?

Die Totale führt, immer noch als Überblick, mit dem Beginn der optischen Verengung in eine Handlung ein. Der (die) Handlungsträger erscheint(en), noch Bestandteil seiner (ihrer) Umgebung, im Bild (Abb. 17).

Mit der ersten Verengung des Blickwinkels schneidet die Totale die soziale Problematik weitgehend ab. Hinweis- und Verbotsschilder sind nicht mehr sichtbar, der Stacheldraht nur noch in Andeutung.

Dafür erkennt man nun mehr Details an den Fassaden der Bettenburgen; der Mann, der eine Frau in den Armen trägt, wird bedeutender. Wir merken, daß er wichtig für die Bildaussage ist.

In der Halblotale gibt die Kamera die Sicht des distanzierten Beobachters auf Sie konzentriert sich auf den (auf die) Handlungsträger. Gestik und Mimik als nicht sprechsprachliche Verständigung beginnen, wichtig zu werden (Abb. 18).

Hinweisschilder und Stacheldraht sind nun völlig verschwunden. Nun steht der Mann mit der Frau im Arm an einem Badestrand vor Wohn- oder Hotelbauten. Er gehört ganz problemlos in seine Umgebung. Wir erkennen Einzelheiten der Kleidung beider Gestalten. Die Gestalten dominieren innerhalb einer noch gut erfaßbaren Umgebung. Der Körper des Mannes ist nur noch zum Teil im Bild.

Die Halbnaheinstellung zeigt den (die) Handlungsträger mit der Hälfte oder mit dem Drittel seiner (ihrer) Körpergröße. Die Kamera tastet sich an ihr(e) Objekt(e) heran. Sie interpretiert es (sie): erste Möglichkeiten für Gestik und Mimik (Abb. 19).

Das Paar beherrscht das Bild in einer körperlichen Intensität, die Emotionen weckt, aber die situative Kulisse beläßt.

In der Naheinstellung wendet die Kamera sich einem Objekt (etwa dem Gesicht eines Handlungsträgers) zu (Abb. 20).

im Fernsehen ist Naheinstellung die Perspektive des Fernsehansagers. Mimik wird jetzt wichtig. Nun tritt auch der Mann im Bild zurück. Dekolleté und Schmuck der Frau werden zum Blickfang. Das Gesicht bleibt durch die Sonnenbrille anonym. Wir begreifen: Es geht um die Frau. Um eine attraktive Frau, die sich schmückt.

Die Großaufnahme läßt den Zuschauer am Objekt nicht mehr vorbeisehen. Es füllt das ganze Bild, beschlagnahmt Aufmerksamkeit, ist aus seiner Umgebung, aus seinem optischen Kontext gelöst: "vereinzelt". Ein Gesicht wird sprechend, aber auch "einsam" (Abb. 21).

Nur das Gesicht der Frau ist noch zu sehen, die Umgebung existiert nicht mehr. Wir können nicht mehr wahrnehmen, daß diese Frau in den Armen eines Mannes liegt. Die Brille gewinnt gesteigerte Bedeutung. Warum macht sich diese Frau anonym?

In der Detailaufnahme erreicht die Kamera die größte Nähe zum Objekt: Optische Intimität, suggestive Wirkung, aber völlige Aufhebung der räumlichen Orientierung, bis zur Beziehungslosigkeit reichende Vereinzelung. Solche optische Vereinzelung kann einem Detail symbolischen Charakter verleihen (Abb. 22).

Gezeigt wird schließlich nur noch die Geometrie eines Gesichts, das von einer unförmig wirkenden Sonnenbrille beherrscht wird. Lichtreflexe erscheinen nun überdeutlich sichtbar im Glas, das dadurch etwas Abweisendes bekommt: Es spiegelt Außenwelt und verwehrt den Blick auf die Augen.



Kamerabewegung

Wir haben die Einstellungsgrößen der Kamera von der Weiteinstellung bis zur Detailperspektive als Einzelbilder betrachtet und gedeutet. Ohne Schwierigkeit könnte man sich nun vorstellen, daß die Kamera sie nacheinander aufnimmt, indem sie auf das Paar hinter dem Stacheldraht zufährt. Aus einer Folge von Einzelbildern wird dann optische, wortfreie "Erzählung", der Anfang eines Fernsehspiels oder eines Spielfilms. Die Kamera hat in ihrer Bewegung die verschiedenen Einstellungen dynamisiert: Kameraeinstellungen und Kamerabewegung als optische Aussagefunktionen gehören also eng zusammen, sind voneinander nicht zu trennen (vgl. Siegrist, 1986, S. 160ff ).

So wie die Kamera uns die Sehperspektive vorschreibt, ersetzen ihre Bewegungen auch die Bewegungen unserer Augen, gegebenenfalls, wenn die Kamera fährt, unseres ganzen Körpers.

Durch den Schwenk, d.h. durch die Bewegung der feststehenden Kamera um ihre Horizontal- oder Vertikalachse, wird der Blick des Zuschauers geführt. Langsame Schwenks - z.B. über eine Landschaft - sind geeignet, Stimmungen zu vermitteln; schnelle Schwenks tragen eher dazu bei, eine Handlung zu dramatisieren.

Im Horizontalschwenk ahmt die Kamera die horizontale Bewegung unserer Augen oder unseres Kopfes nach. Sie ist fest postiert und bewegt sich auf gleicher Höhe nach rechts oder nach links.

Beim Vertikalschwenk imitiert die Kamera Neigen oder Heben unseres Kopfes. Sie ist fest postiert und wird von einer feststehenden horizontalen Ebene aus nach unten oder nach oben bewegt.

Aufschwenk

Linksschwenk K Rechtsschwenk

Abschwenk



Im Unterschied zum Schwenk wird die Kamera bei der Kamerafahrt in Bewegung gesetzt. Der Zuschauer gewinnt so den Eindruck, er sei selbst in Bewegung.

Dabei kann die Kamera sich auf ein feststehendes Objekt zubewegen oder sich von ihm entfernen. Sie kann auf einem sich bewegenden Objekt montiert sein und Bilder bewegter Objekte einfangen. So entstehen dramatische kinetische Kombinationen.

Bei der "Zoomfahrt" bleibt die Kamera ortsfest. Lediglich die Brennweite des Objektivs wird verändert. Gegenstände rücken somit - für den Zuschauer - näher oder in die Ferne. Es entsteht eine Art "Pseudofahreffekt".

Bei genauem Hinsehen unterscheidet sich der Zoom von der echten Kamerafahrt dadurch, daß sich bei "Heranfahrten" der Bildhintergrund in demselben Maße vergrößert und damit näherkommt wie der Bildvorder- und -mittelgrund. Bei echten Kamerafahr-ten nähert sich der Hintergrund - vor allem, wenn er weiter entfernt ist - langsamer. Zoom kann eine Heranfahrt der Kamera zusätzlich dynamisieren.

Kameraperspektive, Einstellungsgröße und Kamerabewegung sind grundlegende Aussageordnungen der optischen Zeichensysteme und rücken als solche in die Nähe der Funktion einer optischen Syntax (vgl. Salomon, 1979).



Tiefenschärfe

Tiefenscharf nennt man den Bereich in der Tiefe des Bildes, der noch scharf konturiert ist. Bei zunehmender Tiefenschärfe werden mehr und mehr Teile des Vorder und Hintergrunds scharf abgebildet, bei geringer werdender Tiefenschärfe zerfließt mehr und mehr vom Vorder- zum Hintergrund (bzw. umgekehrt) in Unschärfe.

Tiefenschärfe ist ein Mittel fotografischer Objektcharakterisierung. Sie trennt für unser aufnehmendes Auge bedeutendes, scharf konturiertes Einzelnes von summarisch-kulissenhaft abgebildetem Vielem.



Licht

Fernsehsendungen sind, wie Kinofilme, Ergebnisse komplizierter fotogenetischer Hell-Dunkel-Verbindungen. Aus diesen Verbindungen entstehen die Konturen und damit die Inhalte und Formen des Video- und Filmeinzelbildes (vgl. Siegrist, 1986, S. 197f ).

Licht ist im Fernsehen und im Film fast nie das Naturlicht der Sonne. Technische Lichtquellen verstärken das Sonnenlicht im Freien, im Studio ersetzen sie es oder schaffen jede Art von Innenlicht. Sie schaffen dann Kunstlicht.

Die Lichtintensität eines Fernsehbildes auf dem Bildschirm kann wechseln, unterschiedlich helle an unterschiedlichen Stellen im Raum postierte Lichtquellen können an den beleuchteten Objekten harte und weiche Kontraste bewirken.

Aus der Praxis des Films, des ältesten optisch-akustischen Mediums, hat das Fernsehen die Erfahrung übernommen, daß Licht ein optisches Ausdrucksmittel ist, daß Lichtregie mehr kann, als in der Außenwirklichkeit vorhandene Lichtquellen zu ersetzen.

Lichtführung kennzeichnet die Objekte wie die Wahl der Kameraperspektiven, der Kamerabewegungen. Deshalb ist enge Zusammenarbeit zwischen Kamerafrauen/-männern und Beleuchterinnen/Beleuchtern Grundforderung für die Fernseh- und Filmproduktion. Die Lichtführung ist dabei nicht nur ein dramaturgisches Mittel in spielfilmähnlichen Fernsehsendungen, wo sie mit ihren Hell-Dunkel-Effekten (Kontrasten) charakterisiert und Atmosphäre schafft; auch erfahrene Politiker kümmern sich längst um die Ausleuchtung eines Aufnahmestudios, in dem etwa eine Fernsehdiskussion stattfinden soll. Licht kann ein Gesicht sympathisch machen - und kann es denunzieren.

Atmosphärisch wirkt "hartes" und "weiches" Licht. Objekte werden charakterisiert durch gebündeltes oder diffuses Licht, auch durch die Position der Lichtquellen: durch Mitlicht (Rückenlicht) und Gegenlicht, durch Oberlicht, Unterlicht, Seitenlicht. Einzelobjekte werden aus anderen durch "Führungslicht " herausgehoben.



Farbe

Farbe im Fernsehen entsteht aus der "additiven Farbmischung". Sie läßt sich am besten mit den Grundfarbenlichtern Orange, Grünblau und Blauviolett darstellen. Ihr Endergebnis bei der Mischung aller drei Farben: die "Nichtfarbe" Weiß.

Farbe im Fernsehen und im Film verleiht zunächst den Objekten den Anmutungscharakter der Wärme (die Farben Orange/Rot) oder der Kühle/Kälte (die Farben Grün/Blau). Farbe kann der Fernsehaufnahme eigene Tiefenwirkung geben: Rot wirkt vorder-, Blau hintergründig: Es entsteht eine Scheinplastizität des Fernsehbildes. Farben können in unterschiedlicher Intensität (Buntkraft) auf unser Auge wirken, als Vollfarben oder gebrochen. Unter Fernsehprofis kursiert der böse Satz, die meisten Sendungen seien Buntfilme, keine Farbfilme.

Farbwahrnehmen ist immer mehr als nur aufnehmendes Sehen: Wir deuten aus vorgängiger Erfahrung Farben und Farbkombinationen. Eine rotbraune Farbfläche etwa in grüner Umgebung werden wir als Dach deuten. Eine Landschaft in unnatürlichen Farben erschwert uns die Deutung, schafft unter Umständen ein beengendes Gefühl der Fremdheit. Zu unseren Erwartungen von Räumen gehört es, daß wir uns deren Böden dunkler als die Decken vorstellen. Wird diese Ordnung, die das Verhältnis von Landschaft und Himmel nachbildet, verlassen, "pervertiert", fühlen wir Unbehagen.

Daß Farben unmittelbar Gefühle hervorrufen, weiß der Mensch schon seit den frühen Epochen seiner Geschichte. Emotionale Wirkung (Anmutung) und symbolische Deutung der Farbe sind früh verbunden worden; vorgegebene Deutung kann dabei Farbwirkungen verstärken, indem sie diese auf einen Verstehenssektor bündelt ('Blau ist die Farbe der Treue'), sie kann Wirkungen verändern, schließlich die Wirkung der einen Farbe zugunsten einer anderen abschwächen, verschieben.

Die Farbwirkungstheorie hat sich, seit Ansätzen in Goethes Farbenlehre, in Untersuchungen unterschiedlichster Systematik mit der Wirkung von Farben befaßt. Das Bild ist uneinheitlich: Es gibt keine allgemein anerkannte, systematische Theorie. Ein Schema versucht auf neuerem Stand einen Überblick der Aussagen, die sich z.T. zwar gegenseitig bestätigen, empirisch aber nicht zweifelsfrei begründet sind. Hypothesen allerdings lassen sich aus dieser Synopse entwickeln, die Wirkungen der Farben im Fernsehen und im Film besser verstehen helfen.

Farbwirkungen auf das vegetative Nervensystem sind der Forschung bekannt. So wirkt die Farbe Rot auf den nervus sympathicus, der den Körper zu Höchstleistungen veranlassen kann (Streßphänomen). Blau wirkt auf den Parasympathicus, der unserem Körper Ruhe und Erholung ermöglicht. Die Verbindung mit den Farbeffekten der "Warme" (Rot/Orange) und der "Kühle" (Grün/Blau) ist dabei offensichtlich.

Grün ist die Farbe der Vegetation, ohne die wir nicht existieren können. Lange ehe der Mensch Häuser bezog, lebte er "im Grünen". Grüne Farbe, auch im Fernsehen und im Film, ist das "Altgewohnte", "Vertraute", "Bergende". Die Forschung stellt sie in ihrer Wirksamkeit zwischen Erregung und Beruhigung. Im Grünen bleibt man ohne Streß agil. Grüne Farbe hält wachbeweglich, ohne anzustrengen. Grün wirkt behütend, natürlich, entspannend. Es ist die Farbe der Hoffnung, die Regelfarbe des Kirchenjahres.

Farbwirkung beschränkt sich jedoch nicht auf die menschliche Physiologie und auf eine letztlich vordergründige Reizpsychologie. Farben sind immer schon - sehr oft aus ihrer physiologischen und reizpsychologischen Wirkung heraus - gedeutet und umgedeutet worden.

So ist Rot, das auf unser Nervensystem alarmierend und aktivierend wirkt, in der symbolischen Deutung die Farbe der Liebe ebenso wie die Farbe kämpferischen Muts, der Revolution. Blut ist rot wie die Glut des Feuers. So wird die Kirchenfarbe Rot zur Farbe mutiger Märtyrer ebenso wie zum Symbol des glutvoll aktivierenden Heiligen Geistes.

Farbsymbolik und damit auch Farbwirkungen können sich im Laufe der Geschichte ändern. Man wird sich etwa fragen, warum die Farbe Blau, die kühlt und beruhigt, auf Beherrschtheit und Rationalität bei dem hinweist, der sie bevorzugt, Blau, die Farbe der Treue, keine Kirchenfarbe, dafür aber eine Madonnenfarbe geworden ist.

Blau war die Farbe des Himmels, seiner kühlen Beständigkeit. Der Schutzmantel der Madonna wölbt sich wie Gottes Firmament über die gefährdete Menschheit. Aber es kann lästig sein, immer nur "angehimmelt" zu werden. Solch fade, kühle Treue wird zur Konvention, die blaue Farbe zur Farce, schließlich zur Farbe des betrogenen Ehemanns: Auch Ehebrecherinnen tragen nun blaue Gewänder. Am Ende ist die Farbe Blau die Farbe der Schande, eine Straffarbe. Kirchenfarbe konnte es nun nicht mehr werden. Aber der Mantel der Madonna wie das Sprichwort haben seine ursprüngliche Bedeutung bewahrt.

Im späten Mittelalter veränderte sich, vor allem in Westeuropa, die Deutung der "Farben der Liebe" Rot, Grün, Blau im Sinne einer Wertverschiebung, ja der ironischen Wertumkehr. Rot wird dabei vom Symbol glühender Verehrung zum Zeichen frecher Triebhaftigkeit (die rote Laterne vor gewissen Etablissements), Grün vom Symbol zarter aufkeimender Liebe zum Zeichen der Suche nach neuer, saftiger geschlechtlicher Lust, in den Protokollen der Hexenjäger erschienen nun die Buhlteufel, die es mit den unglücklichen Frauen getrieben haben sollten, grün gekleidet.

Obwohl Reiz- und Symbolwirkungen der Farben bekannt sind, in der Fernsehwerbung auch durchweg berücksichtigt werden, ist es dennoch nicht leicht, Farbwirkungen im Fernsehen und im Film verläßlich zu setzen. Nur große Flächen wirken eindeutig (dominant). Farbkombinationen (Kontraste) können die Wirkung der Einzelfarbe ebenso steigern wie schwächen (das Weiß eines Autoscheinwerfers wirkt gegen einen purpurnen Himmel schmutzig-gelbgrünlich). Farbsymbolik, die Farbwirkung verändern kann, muß dem Zuschauer zugänglich sein, soll sie Effekte erzielen. Farbwirkung verstärkt oder schwächt zudem konkurrierend die Wirkung von optischen Formen und akustischen Erscheinungen, von Sprache, Musik, Geräusch. Sie kann im Fernsehen und im Film nie allein gesetzt werden. Sie bedarf der Einwirkzeit, soll sie den Zuschauer beeindrucken. Die Flüchtigkeit der Montage steht dann gegen die Wirkungsmöglichkeiten von Licht und Farbe. Beide sind Einzelreizketten in einer optisch-akustischen Gesamt-Reizgestalt, in einer Reizpartitur (vgl. Siegrist, 1986, S. 198f).



Die "Sprache" des Fernsehens und des Films: Der akustische Kanal

Wie im optischen Kanal der Gegensatz von hell-dunkel, so bestimmt im akustischen Kanal der Gegensatz von laut-still jede Information. Laut werden können aus der Stille drei ganz unterschiedliche Zeichensysteme: Sprechsprache, Musik und Geräusch.



Sprechsprache

Gesprochene Sprache erleben wir im Fernsehen in verschiedenen Erscheinungsformen: als Einzelwort hören wir sie in der Regel nur in Fernsehspielen oder Spielfilmen. In Sätzen oder Perioden bestimmt sie das gesamte Fernsehprogramm.

Sätze oder Satzperioden erleben wir als:

Sprache als ein System der Verständigung ist zunächst "konservativ". Wilhelm von Humboldt nennt diese Seinsform der Sprache ein "ergon", ein geprägtes, in sich logi-sches, in seinen Strukturen zuverlässig auffindbares Werk, ein System.

So "behauptet die Sprache gegenüber dem Einzelnen, der einer Sprachgemeinschaft angehört, eine Art selbständiges Dasein und führt ihn, wenn er in sie hineinwächst, zugleich in ein bestimmtes Weltverhältnis und Weltverhalten ein" (Gadamer, 1990, S. 447). Jedoch: "Nicht nur die Welt ist nur die Welt, sofern sie zur Sprache kommt - die Sprache hat ihr eigentliches Dasein nur darin, daß sich in ihr die Welt darstellt" (ebd.). Jeder Sprechakt, der das gesamtsprachliche System jeweils erst zur Wirkung bringt, aktualisiert und verändert das System auf die gemeinten Bedürfnisse der konkreten Kommunikationssituation hin. Gesprochen wird Sprache nach Humboldt zur "energeia", zur erlebnisformenden, mitteilungsbegründenden sozialen Energie.



Musik

Auch Musik begegnet uns in Fernsehen/Film in verschiedenen Tongestalten: als Einzel-ton, Motiv, Melodie. Sie können in unterschiedlichster Weise "komponiert" werden.

Musik kann in einer Fernsehsendung verschiedene Funktionen übernehmen:

Unproblematisch erscheint Musik, wo sie in Sendungen des Fernsehens und in Kino-filmen bildimmanent vermittelt wird, wo sie Anlaß der Sendung ist, etwa im elektro-nisch abgebildeten Konzert oder in der Show. Hier erleben wir sie als eine der Institutionen unseres kulturellen Lebens.

Musik ist, wie Sprechsprache und Geräusch, ein System von Signalen, Zeichen und Symbolen (Zeitter, 1987, S. 60f), das sich prozeßhaft, im Ablauf der Zeit, nach festen Regeln aktualisiert. Anders als gesprochene Sprache, die unter der intersubjektiven Deutbarkeit der Begriffe steht, bleibt Musik in der Deutung jedoch unbestimmt bei höchst bestimmter Artikulation. Für ihren "Anmutungscharakter" sind musikalische Vorbildung ebenso entscheidend wie Gewohnheiten des Musikkonsums. Konsonante Musik wird von den meisten als vertraut, anziehend, angenehm empfunden, dissonante als unvertraut, befremdend, quälend, "negativ". Allerdings haben gerade elektronische Filmmusiken, in denen die Grenze zu verfremdeter Sprechsprache und zum Geräusch fließend wird, Massengewohnheiten spürbar verändert.



Geräusch

Geräusche begegnen uns im Fernsehen als zeitlich umrissene akustische Einzelerscheinung oder als Geräuschkontinuum.

Die Grenze zwischen Musik und Geräusch wird durch die Periodizität der Schallschwingungen markiert. Regelmäßige Schwingungen erzeugen Töne, ungeregelte Geräusche. Aber diese Grenze ist heute im Bereich elektronischer Klänge fließend geworden.

Es gibt "Naturgeräusche" und solche, die der kulturellen und zivilisatorischen Veränderung der Natur durch den Menschen entstammen, etwa das Rauschen der Meereswogen, das Heulen des Sturms, das Rattern eines Preßlufthammers. Seit Erfindung der Damfmaschine und der Vervollkommnung der industriellen Maschinenwelt im 19. und 20. Jahrhundert wird Geräusch immer häufiger zu Lärm. Wir alle müssen mit der Belastung durch Lärm leben. Er ist Teil unserer zivilisatorischen Umwelt.



Die Verbindung des akustischen und des optischen Kanals

Nonverbale Kommunikation

Für visuelle, auditive und audiovisuelle Medienbotschaften haben Elemente der nonverbalen und der nicht streng bildzeichenhaften Kommunikation eine erhebliche Bedeutung.

Sprach- und sachlogisch müßte unter dem Begriff der "nonverbalen Kommunikation" eigentlich jede Kommunikation gefaßt werden, die sich außerhalb der Sprech- und Schriftsprache abspielt, also vor allem die Kommunikation in allen nichtverbalen optischen Zeichensystemen.

Verwendet wird der Begriff jedoch überwiegend für die sogenannte "Körpersprache", also vor allem für Mimik, Gestik aber auch für Intonation, Sprechstärke usw. in der verbalen Kommunikation, schließlich auch für Kommunikation über den Tastsinn. Am Rande beziehen Autoren vor allem aus dem erziehungswissenschaftlichen Bereich noch optische Botschaften ein, die etwa von der Kleidung einer Person ausgehen oder von ihrer Wohnumgebung, die man heute gerne als "zweite Haut" bezeichnet (soziale Signale).

Nonverbale Kommunikation geht so fließend in Verhalten und Milieu über. Die Frage, inwieweit nonverbale Kommunikationsakte jeweils adressatengerichtet sind, trägt wenig zur Abgrenzung bei. Ein gequälter Gesichtsausdruck kann verräterisch werden, also gerade dann nonverbale Kommunikation bewirken, wenn man die Stimmung nervösen Überdrusses nicht mitteilen will. Der Gesamteindruck einer Persönlichkeit, etwa ihr Vorbildcharakter, wird zur Botschaft, gerade weil sie in ihrem Auftreten beobachtbar nicht auf Wirkung aus ist.

Aufschlußreich ist für nonverbale Kommunikation, daß in ihr die Signalebene überwiegt. Sie hat enge Verbindung zur Gefühlswelt der Partner, sie markiert sehr oft mehr die Beziehung zwischen ihnen, als daß sie Inhalte vermittelt. Das Situationsgebundene eines Kommunikationsakts, seine jeweilige Kulturabhängigkeit, sein "Hier und Jetzt" als "Kontexthorizont" werden bestimmend für Verstehen und Verständigung.

Nonverbale Kommunikation, das wird deutlich, bleibt gebunden an Sprech- und Bild-sprache. Weil sie mehrdeutig ist, bedarf sie oft der Interpretation durch das Wort, das sie verstärken, wie in seiner Botschaft verändern kann (Zeitter, 1987, S. 71).

Mimik und Gestik haben vor allem in der frühen Theorie des Spielfilms - der Stummfilm war - hohen Stellenwert besessen. Beia Balázs erwartet in seinem Buch "Der sichtbare Mensch. Eine Filmdramaturgie" vom Film, daß er der menschlichen Kultur eine "erneute Wendung zum Visuellen" (Balázs, 1982, S. 24), besonders zur "vielfach verlernten Sprache der Mienen und Gebärden" (ebd.), gibt. Hier erscheine unmittelbar das irrationale Selbst des Menschen: "Was sich auf seinem Gesicht und in seinen Bewegungen ausdrückt, kommt von einer Schicht der Seele, die Worte niemals ans Licht fördern können. Hier wird der Geist unmittelbar zum Körper, wortelos, sichtbar" (ebd.), "Das Mienenspiel drückt Empfindungen aus, es ist also Lyrik. Es ist eine Lyrik, die in ihren Ausdrucksmitteln unvergleichlich reicher und differenzierter ist als jede Literatur. Um wieviel mehr Mienen gibt es als Worte! Um wieviel präziser kann ein Blick jede Schattierung eines Gefühls ausdrücken als eine Beschreibung! Um wieviel persönlicher ist ein Gesichtsausdruck als das Wort, welches auch andere gebrauchen! Um wieviel konkreter und eindeutiger ist die Physiognomie als der immer abstrakte und allgemeine Begriff." (Balázs, 1982, S. 65).

Allgemein gilt: "In der Welt der sprechenden Menschen sind die stummen Dinge viel lebloser und unbedeutender als der Mensch. Sie bekommen nur ein Leben zweiten und dritten Grades und das auch nur in den seltenen Momenten besonders hellsichtiger Empfindlichkeit der Menschen, die sie betrachten ... Im Film ... sind die Dinge nicht so zurückgesetzt und degradiert. In der gemeinsamen Stummheit werden sie mit dem Menschen fast homogen und gewinnen dadurch an Lebendigkeit und Bedeutung. Weil sie nicht weniger sprechen als die Menschen, darum sagen sie gerade so viel. Das ist das Rätsel jener besonderen Filmatmosphäre, die jenseits jeder literarischen Möglichkeit liegt" (Balázs, 1982, S. 47f).

Boris Ejchenbaum sieht früh die Verbindungen zwischen mimisch-gestischem Ausdruck und filmischer Struktur: "Wir sehen die Dinge neu, wir 'spielen' mit ihnen. Als 'Ausdruck' verwendet, verwandelt sich das Fotogene in die 'Sprache' der Mimik, der Gesten, der perspektivischen Verkürzung, der Einstellungen usw. Der Schnitt macht das Fotogene zur 'Filmsprache' (1926, zit. nach Ejchenbaum, 1965, S. 73f ).

Ejchenbaum warnt allerdings vor der Mehrdeutigkeit mimisch-gestischen Ausdrucks: "Eine Geste oder ein Gesichtsausdruck sind, isoliert genommen, genauso wie ein isoliert genommenes 'Wörterbuch'-Wort vieldeutig und unbestimmt" (ebd., S. 36).

Erst die Bedeutung im Kontext der filmischen Handlung, ebenso aber auch ihr Ort im Ablauf filmischer Strukturen erlauben es, Mimik und Gestik als Ausdrucksmittel eines Mediums, nicht der platten Wirklichkeit, zu verstehen. "Das klassische 'Bitte lächeln!', womit manche Fotografen die Aufnahme ankündigen, ist diktiert durch das Fehlen eines semantischen Auftrags, durch das Fehlen eines 'Kontextes'. Der Schaukasten eines Fotografen ist ein 'Wörterbuch'" (ebd., S. 36f.).

Mit der Erfindung des Tonfilms verloren Mimik und Gestik zunächst viel von ihrer herausragenden Bedeutung. Berühmte Schauspieler des Stummfilms fanden keinen Anschluß an das neue audiovisuelle Medium des Tonfilms.

Heute noch kann man in der nordamerikanischen Regietechnik des "over-acting", wie sie vor allem Fernsehserien prägen noch Reste einer Stummfilmdramaturgie entdecken. Mimik und Gestik wirken hier manchmal wie der (hilflose) Versuch, Adressaten, die gesprochene Sprache nicht verstehen, den Sinn filmischen Geschehens auf einem anderen Wege zu vermitteln. Auf europäische Zuschauer wirkt das, sind sie erst einmal für diese Techniken sensibilisiert, in vielen Fällen komisch.

Nonverbale Kommunikation, besonders Mimik und Gestik, werden in medienpädagogischen Workshops nur dann sinnvoll behandelt, wenn sie streng auf Medien und ihre Ausdrucksformen bezogen bleiben: Das hat schon die frühe Filmtheorie erkannt. Zu warnen ist vor laienhaften Versuchen, bestimmte mimische Erscheinungsformen als Ausdruck bestimmter Emotionen verbindlich festzulegen. Der Umgang mit wissenschaftlich seriösen Interpretationssystemen wie dem Facial Action Coding System von Ekman & Friesen (1978) zeigt, daß selbst geschulte Kodierer hier Hypothesen nur begründen, nicht aber beweisen können.

Sensibilisierung für mimischen und gestischen Ausdruck ist trotzdem möglich und notwendig. Wichtig ist, daß man zunächst eigene Gefühle zu beobachten und zu benennen lernt und Techniken vermittelt bekommt, mit anderen darüber zu sprechen, wie sich Emotionen in Mimik und Gestik umsetzen lassen, ohne daß man dabei in starre Zuordnungsregeln gerät. Man kann dann zum Beispiel bei Spielfilmen, in denen Emotionen auch sprachlich ausgedrückt werden, den Tonteil bis zur Unverständlichkeit dämpfen und so Mimik und Gestik zu entschlüsseln versuchen. Dabei müssen die Wechselbeziehungen zum szenischen Kontext und zur formalen Struktur unbedingt berücksichtigt werden, ebenso das Verhältnis von erlaubtem oder tabuisiertem Ausdruck von Emotionen, das von Gesellschaft zu Gesellschaft unterschiedlich ist.

Entscheidend ist nicht so sehr, wie Mimik und Gestik im Fernsehen und im Film Gefühle ausdrücken. Herausgearbeitet werden sollte, was der Film oder die Fernsehsendung situativ und dramaturgisch will, wenn sie Mimik und Gestik in einer umrissenen Situation oder in einer bestimmten formalen Struktur zeigt.



Interferenz - Zur Wechselwirkung von Laufbild und Sprechsprache

Wie verhält sich nun das gesprochene Wort zum bewegten Bild? Sprechsprache "organisiert das Bild durch das Wort", sagt der Philosoph und Psychologe Robert Heiß (1963, S. 31). Sie "vermißt, vergittert mit ihren Begriffen auf neuartige Weise neuartig revolutionäre Bildprozesse", schreibt der Erziehungswissenschaftler und Medienpädagoge Paul Heimann (1963, S. 95f). Man könnte auch sagen, Sprechsprache "begreift" den Bildprozeß, faßt das Materiale, Konkrete, Bewegte, Fließende in die ordnende Abstraktion des Begriffs.

Aber die bewegten Bilder haben doch ihre eigene optische Ordnung in den Strukturen der Montage? Hier baut sich eine Konfrontation ganz unterschiedlicher Ordnungssysteme auf Diese Systeme können sich ergänzen, verstärken, sie können aber auch in Gegensatz geraten, Aufmerksamkeit von der Botschaft abziehen.

Dazu kommt: Auch die Sprache hat Bilder. Dafür ein Beispiel: Wir hören den Satz einer Erzählung: "Als er ihr Zimmer betrat, sah er am Fenster die Rose." Ein sehr bildhafter Satz. Wir meinen zu sehen, was die handelnde Person sieht. Wenn wir diese Szene aber verfilmen sollen, entdecken wir, daß wir sie uns seltsam allgemein, "begrifflich" vorgestellt haben. Der Drehbuchautor müßte festlegen: Was ist das für eine Art von Rose? In welchem Raumverhältnis steht die Vase zum Fenster? Und was ist das für ein Fenster? Welche Art von Licht fällt durch das Fenster in den Raum? Welche Aussicht bietet uns dieses Fenster?

Haben wir uns das alles beim Lesen des Satzes bis in die letzte Einzelheit wirklich vorgestellt?

Anschauung, die wir aus dem Hören oder aus dem Lesen gewinnen, ist offensichtlich allgemeiner, dem Begriff näher, auch in der Gewichtung des Vorgestellten unserer Erfahrung verhafteter als die optische Anschauung, in die der Film oder das Fernsehen das geschriebene oder gedruckte Wort "übersetzen" müßte (Transformation). Das ist auch das Problem vieler Literaturverfilmungen.

Sprache faßt das konkrete, materiale, komplex-situative, fließende Fernsehbild, indem sie es auf den Begriff bringt. Aber auch sie ist, wie das bewegte Bild, Prozeß in der Zeit, Mitteilungsenergie. Auch sie fließt, auch sie erzeugt Bilder. Ihr Verhältnis zum bewegten Bild muß also näher bestimmt werden.

In der Terminologie der Fernseh- und Filmwissenschaft haben Laufbild und Sprechsprache zueinander das Verhältnis der Interferenz. Interferenz ist ein Begriff der Physik und der Lernpsychologie. In der Physik meint Interferenz, daß Wellenbewegungen einander überlagern. Die Lernpsychologie kennt Interferenz vor allem als eine Erscheinung der Speicherung im Gedächtnis. In einer zu merkenden sprachlichen Kette etwa kann ein später hinzugelerntes Wort früher gelernte Wörter überlagern. Diese Wörter sind dann schwerer zu erinnern. Das später hinzugelernte Wort verdrängt die früheren aus der Erinnerung.

Interferenz als Begriff der Medienpsychologie nimmt zunächst die physikalische Grundbedeutung auf Zeichensysteme überlagern einander - das bewegte fotografierte Filmbild oder das elektronisch erzeugte Video-/Fernsehbild und die Sprechsprache. Dabei kann Sprechsprache die Bildfolge ebenso überlagern wie bewegtes Bild die Sprechsprache. Ein Aussagesystem kann aber ebenso das andere stören, im Extremfall verdrängen.

Es gibt auch Formen der Einlagerung von Sprachelementen in Bildfolgen, ebenso von Einzelbildern und Bildstreifen in sprechsprachliche (natürlich auch drucksprachliche) Sequenzen. Das "aktiv" überlagernde Medium wie das einlagernde können wechseln. Man hat für dieses Wechselverhältnis das Gleichnisbild von Kette und Schuß gebraucht. Kette ist in einem Webstuhl das feststehende System vertikaler Fäden. Die Kette stellt eine Struktur dar, ein Ordnungs- und Orientierungssystem, zwischen dessen Fäden das Weberschiffchen, der Schuß, horizontal hin- und herfährt. Es überlagert, "interferiert" die Kette mit einer anderen Struktur.



Bildimmanenz und Bildtranszendenz

Wenn Sprechsprache das Laufbild interferiert, wie das in der Mehrzahl der Sendeformen des Fernsehens der Fall ist, kann man Überlagerung oder Einlagerung am Verhältnis der Sprechsprache zu den Bildfolgen erkennen: Sprechsprache hat entweder ein "Im-Bild-Verhältnis" (sie ist bildimmanent) oder ein "Außer-Bild-Verhältnis" (sie wird bildtranszendent).

Bildimmanent etwa sind Stimmen, die in der Fernsehsendung bzw. im Kinofilm zu sichtbaren Personen gehören. Sprache lagert sich in die bewegten Abbilder dieser Personen ein, wohnt ihnen inne und wird vom Zuschauer allenfalls dann von diesen Abbildern unterschieden, wenn sie nach seiner Lebenserfahrung nicht zu diesen Abbildern paßt - das ist ein Problem der Synchronisation fremdsprachlicher Filme, Die Fernsehregie nennt diese Situation der Bildimmanenz von Sprechsprache "Sprache im 'on'".

Es gibt auch die Immanenz der Laufbilder in der Sprechsprache. Wir hören etwa einen Politiker in einer Fernsehdiskussion. Wir sehen sein Gesicht, sehen, wie er beim Sprechen die Lippen bewegt. Nun schwenkt die Kamera nach unten. Die Sprechsprache bleibt. Sie ist das Forflaufende, das sich durchhaltende Ordnungssystem, das Kontinuum. Die Kamera schwenkt auf die unruhigen Hände des Sprechenden. Das Laufbild ist nun der Sprechsprache eingelagert, bis die Kamera wieder zum Gesicht des Sprechenden zurückschwenkt und damit die ursprüngliche Einlagerung der Sprechsprache in das Laufbild, in den übergreifenden optischen, mimischen Prozeß des Sprechens wieder herstellt.

Ganz anders die Sprechsprache im "off", außerhalb des Bildes. Sie ist bildjenseitig, bildtranszendent. Sie kann das Bild erzählen, kann es kommentieren, analysieren, ergänzen; sie kann sich ironisch, kontrapunktisch zu ihm verhalten.

Wir sehen, daß der Satz von Heiß nicht meinen kann, die Sprache bringe das Bild zum Stehen. Beide Mitteilungssysteme, Laufbild und Sprechsprache, sind Systeme in der Aktualisierung, Der Begriff im Prozeß des Sprechens verhält sich kontrapunktisch zur bildimmanenten Bedeutung auch da, wo er das Gleiche zu sagen versucht; er setzt zusammen mit der optischen Bedeutung eine Sinnpartitur für die Wahrnehmung des Zuschauers (vgl. Doelker, 1979, S. 5 lf.). Man hat von einer "oszillierende" Aufmerksamkeit gesprochen, die uns die "Doppelkodierung" jeder Nachrichtensendung, jedes Interviews, jeder Dokumentarsendung abverlangt,



Montage

Leben in seinem weitesten Sinne, anorganisch oder organisch, bewußtlos oder mit Bewußtsein begabt, ereignet sich im Prozeß, in einem zeitlichen Nacheinander, in einer Entwicklung. Wo dieser Prozeß sich in personalem Bewußtsein, zielgerichtet und in Freiheit, vollzieht, spricht man von menschlichem Handeln.

Fernsehen und Film als Prozeßmedien können sowohl Entwicklung wie menschliches Handeln im zeitlichen Nacheinander wiedergeben, indem sie erzählen, berichten, dokumentieren. Fernsehen und Film sind narrative Medien (vgl. Siegrist, 1986, S. 60).

Prozesse der Entwicklung und des Handelns ereignen sich in der Zeit. Zeitbewußtsein, als einen Begriff von gelebter Zeit, hat unter allen Lebewesen nur der Mensch. Zeit ist eine Erscheinung unseres alltäglichen Lebensvollzugs. Ganz unbefangen sprechen wir von heute, gestern und morgen, daß ein Ereignis zu früh, ein anderes zu spät eingetreten sei, daß wir (noch)"Zeit haben", daß "eine Frist abgelaufen sei".

Schon Augustinus hat in seinen "Confessiones" über dieses Zeitbewußtsein des Menschen nachgedacht, darüber, daß der Mensch Gewißheit seiner Gegenwart, eines jeweiligen "Jetzt" hat, die jeder von uns ganz naiv empfindet (Augustinus, 1955, S. 642ff ).

Augustinus hat diese Gewißheit des Jetzt, unserer jeweiligen Gegenwart, die "complicatio temporis" genannt: ein "präsens de präsentibus", eine Präsenz aller gleichzeitig anwesenden Bewußtseinsinhalte, wäre nicht denkbar, nicht lebbar, ohne eine Gegenwart auch des Vergangenen (präsens de präteritis) - wir nennen sie Erinnerung - und eine Erwartung des zukünftig Kommenden (präsens de futuris).

Gegenwart wäre dem abstrakten Denken, das sich nicht der Praxis des alltäglichen Zeiterlebens zuwendet, jeweils nur der Moment, in dem Zukunft in Vergangenheit umschlägt. Menschliches Leben wäre dann eine Kette solcher Augenblicke technisch-organisierter Zeit. Sie könnte in ihrer blitzschnellen, identisch monotonen Abfolge nicht gelebt werden, weil diese Gegenwart ihre Zukunft unaufhaltsam an die Vergangenheit verlöre, ohne sich ihres Selbstwerts je gewärtig zu werden.

Menschliche Gegenwart aber als "psychische Präsenzzeit" ist im Gegensatz zur sturen Abfolge identischer Momente "complicatio temporis". Sie hat in sich die Art und Weise der Tatsächlichkeit (als ihrer Gegenwart), der Notwendigkeit (als ihrer Vergangenheit) und aus beiden die der Möglichkeit (als ihrer Zukunft).

Zeitlichkeit ist im Erleben des jeweiligen Jetzt Synthese des "Nicht-Mehr" und des "Noch-Nicht": In dieser Zeitlichkeit kann erinnert und gehofft werden. In den nicht mehr revidierbaren Erfahrungen der Vergangenheit spiegeln sich Möglichkeiten der Zukunft. Aus einer Antwort auf die Frage, wie entstanden sein kann, was gegenwärtig ist (Anamnese), läßt sich eine Klärung der Zukunftsaussichten (Prognose) entwickeln.

Fernsehen und Film müssen in der Regel Prozesse der Entwicklung und des menschlichen Handelns, die sich in realer Zeit abspielen, kürzen, wenn sie diese wiedergeben wollen. Damit geraten die von der Technik bestimmten Medien in ein Spannungsfeld zwischen technisch ermittelter, rein prozessual gegenwärtig vermessener Zeit und dem Zeiterleben des Menschen, das jeweils Vergangenheit und Zukunft in sein Gegenwartsverständnis einschließt.

Die Medien können zunächst Sende- oder Vorführzeit verkürzen, indem sie die Ablaufgeschwindigkeit ihrer Bildfolgen erhöhen (Zeitraffer). Aber das ist ein vordergründiges Mittel, das man zudem nicht in vielen Fällen anwenden kann.

Ein sehr viel wirksameres Mittel ist der Schnitt. Teile der ursprünglichen Aufnahmebänder (Filmabschnitte) werden herausgenommen: Man verzichtet auf sie, ihre Inhalte sind damit für diese Sendung, diese filmische Erzählung, diesen Bericht, diese Dokumentation liquidiert (aufgehoben). Schnitt als zeitliche Verkürzung ist ohne Auswahl, ohne Selektion nicht zu denken. Sie ist ebenso gegeben, wenn nicht zeitliche Länge, sondern inhaltlicher Umfang gekürzt werden muß (wobei in einem Prozeßmedium inhaltlicher Umfang sich in zeitlicher Länge ausdrückt und umgekehrt). Diese Selektion ist im Grunde aber nicht nur die Liquidation dessen, was ausgesondert wurde, sondern die Bewahrung ("Aufhebung", Konservierung) dessen, was erhaltenswert war. Damit bildet Schnitt als die Selektion von realer Zeit hin zur narrativen Zeit einen intellektuellen Prozeß ab (vgl. Ejchenbaum, 1965, S. 76).

Das durch Auswahl gewonnene Medienmaterial, dessen zeitlich-prozessuale Struktur durch den Schnitt ja nun zerstört ist, braucht eine neue Struktur, in die es "aufgehoben" wird, gegebenenfalls auch Ergänzungen. Selektion, auswählender Schnitt, ist im Fernsehen und im Film nicht ohne Konfiguration, ohne das professionelle Herstellen eines neues Zusammenhangs zu denken: Aus Selektion und Konfiguration entsteht Montage.

Schon die Klassiker der Filmanalyse haben das so gesehen. Für den russischen Filmregisseur Pudowkin ist Montage "die vollkommene Vereinigung von Schnitt und Zusammenfügung". Sie "transponiert die Manifestationen des wirklichen Lebens in die Idee" (Pudowkin, 1961, S.72f.).

Montage kann Entwicklung und menschliches Handeln in der Reihenfolge der Phasen wiedergeben, wie sie sich in der Realität oder Fiktionalität abspielen, dann ist sie chronologisch.

Montage kann aber auch Entwicklungs- und Handlungsprozesse aufbrechen. Sie kann wie das menschliche Bewußtsein zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft wechseln, sie kann die Verknüpfung zeitlicher Dimensionen als Mittel gegenseitiger Interpretation gebrauchen. Montage ist dann achronologisch. Sie tritt aus der in der Realität erfahrbaren Zeit heraus.

Als Parallelmontage kann sie mehrere getrennte Handlungsstränge, aber auch einzelne Bilder als "fruchtbare Augenblicke" zu einer überpersonalen (u.U. kollektiven) Entwicklung verknüpfen und damit gesellschaftliche Prozesse mehr oder minder genau, realistisch oder symbolisch überhöht, nachbilden.

Gerade wenn Handlungsstränge parallel (zeitlich simultan) gesetzt werden, eröffnet sich die Möglichkeit des Vergleichs: Was da parallel gesetzt ist, kann analog oder kontrastiv erscheinen (die Analogie- oder die Kontrastmontage).

Entwicklung und menschliches Handeln kann man unter den Kategorien des Raumes oder der Zeit betrachten und darstellen.

Im Theater repräsentiert der Einakter die klassisch-aristotelische Forderung nach der Einheit von Handlung (die nicht unterbrochen wird), von Ort (der nicht gewechselt wird) und Zeit (die in ihrem "natürlichen" Ablauf unverkürzt chronologisch erscheint).

Montage kann im Fernsehen und im Film diese Einheit aller drei Kategorien aufheben: Sie kann Handlungen unterbrechen, Orte wechseln, Zeitabläufe umstrukturieren, so zwischen Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft pendeln oder mehrere Handlungsstränge, die in sich chronologisch bleiben können, im Vergleich parallel setzen. Montage im Fernsehen und im Film ermöglicht der Handlung, sich in Raum und Zeit frei zu bewegen. Sie bildet Funktionen unseres Bewußtseins ab und ist exemplarisch für die Inhalte professionell ausformende, regelgeleitete, kreative Produktion.

Man kann unter diesen Gesichtspunkten auch ganze Fernsehprogramme als räumliche und zeitliche Montagen betrachten, die sich erst im Bewußtsein des Adressaten je nach dessen Interessen und Auswahl entschlüsseln und zu neuen Konfigurationen verbinden.



Die Mittel und Strukturen der Montage:
Schnitt und Blende, Einstellung und Sequenz

Obwohl uns der Fernsehschirm eine Abfolge bewegter Bilder zeigt, kommt das fotografierte oder gezeichnete Einzelbild in unserer Wahrnehmung nicht zur Geltung. Wir sehen Bildfolgen, wie sie die Fernseh-/Filmkamera aufnimmt.

Filme aus der Frühzeit des Kinos, aber auch Amateurfilme, bestehen oft nur aus einer einzigen Bildfolge, aus einer einzelnen, ununterbrochenen Kameraaufnahme: aus einer Einstellung. Dabei kann sich die Kamera während dieser Aufnahme uneingeschränkt bewegen. Kamerabewegung sowie Wechsel der Kameraperspektive sind also Bestandteil der Einstellung, wenn es sich um ein Stück fortlaufend aufgenommenen Films handelt.

Begrenzt wird die einzelne Einstellung durch den Schnitt. Mehrere Einstellungen werden zu einer Sequenz zusammengefügt (vgl. Möller-Naß, 1988, S. 256f).

Werden gegensätzliche Einstellungen aneinandergefügt, so daß die Übergänge von Einstellung zu Einstellung deutlich sichtbar, womöglich wie ein Ruck erlebt werden, das eine Bild abbricht und ein anderes übergangslos einsetzt, spricht man von hartem Schnitt.

Bei unmerklichen Übergängen haben wir es mit einem weichen Schnitt zu tun. Bewegungszusammenhänge werden betont.

Aber auch die Dauer der Einstellungen spielt eine Rolle. Langandauernde Einstellungen ergeben einen ruhigen, kurze einen rasanten Schnitt, wenn man sie aneinanderreiht. Längere Bildausschnitte verlangsamen dabei den Rhythmus, wirken beruhigend; die Aneinanderreihung zahlreicher kurzer Einstellungen erzeugt dagegen die Dynamik zeitlicher Beschleunigung.

Erscheinen Bilder einer Einstellung aus dem Dunkel oder verschwinden in ihm, spricht man von Aufblende beziehungsweise Abblende. Läßt man verschiedene Einstellungen ineinander übergehen, so hat der Zuschauer den Eindruck, die Bilder einer Einstellung wüchsen aus den Bildern der vorangegangenen Einstellung heraus, die gleichzeitig verschwindet. In diesem Fall haben wir es mit einer Kreuzblende zu tun. Die Bilder überschneiden, überkreuzen sich sozusagen.

Blenden sind ein dramaturgisches Signal für das Erscheinen eines Wirklichkeitsraums (Auf-, Abblende) oder für den Übergang von einem Raum in den anderen (Kreuzblende). Die Kreuzblende als Rückblende kann z.B. die Freiheit des Fernsehens und des Films markieren, Zeiträume beliebig zu wechseln.

Dazu ein Beispiel: In einem Fernsehspiel wird eine Szene gezeigt, in der mehrere Personen am Kamin sitzen und sich unterhalten. In Nahaufnahme erscheint das Gesicht des alten Mannes, der zu erzählen beginnt: "Vor vierzig Jahren in ..." - In der Kreuzblende tritt das Gesicht des jungen Mannes allmählich aus dem des alten. Wir wissen: Es handelt sich um eine Rückblende in die Vergangenheit.

Schnitt und Blende erlauben dem Fernsehen, Einstellungen so aneinander zu fügen, daß ihre Kombination zur durch Zeit- und Raumstruktur bedingten Sinnaussage wird.



Tonmontage

Im Tonbereich wird nach ähnlichen Prinzipien wie im Bereich des bewegten Bildes montiert. In der Aufblende wird ein Wort, ein Satz, eine Melodie oder ein Geräusch-kontinuum laut. Im Gegensatz zur Bildblende entsteht der Eindruck, die akustische Erscheinung nähere sich. Bei der Abblende scheint sie sich zu entfernen und verklingt in der Stille, Die Kreuzblende ermöglicht, wie im Bild, den weichen Wechsel akustischer Gestalten. Während die erste verklingt, scheint die andere sie zu verdrängen, aus ihr herauszuwachsen.

Grundsätzlich sind chronologische wie achronologische Montagen ebenso möglich wie Analogie- und Kontrastmontagen.

Schafft man durch Montagetechnik komplexe Kombinationen aus Sprechsprache, Musik und Geräusch (in einer Hörspieltechnik) und mit diesen differenzierten Aussagegeweben Vorstellungsräume für das aufnehmende Bewußtsein, dann können Assoziationsketten, die so entstehen, die Botschaft des bewegten, ebenfalls montierten Bildes in vertikaler, einer der Akkordstruktur vergleichbaren Montage ebenso verstärken wie ihr entgegenlaufen. Das kann Störungseffekte, Gefühle des Mißbehagens, möglicherweise auch der Überforderung schaffen und die Bild-Ton-Botschaft insgesamt schwächen.

Optisch-akustische Gesamtinterferenz - vertikale Montage

Das Fernsehen kennt nicht nur, wie in den meisten Sendungen seiner gesellschaftlichen Berichterstattung, die Interferenz zwischen Laufbild und Sprechsprache. Es bietet auch Magazine, Shows, Fernsehspiele und Fernsehfilme, in denen der akustische Kanal des Mediums, wie die Tonspur des Films, außer Sprechsprache auch Musik und Geräusch transportiert.

Musik ist im Fernsehen und im Film, wo sie nicht, wie in Konzerten und Shows, bildimmanent wird, ein Medium der Anmutung, der Stimmung, der leitmotivischen Montage, in der sie kennzeichnet, Strukturen setzt und da, wo ihre Formen und Traditionen gewußt werden, symbolisch überhöht. Mit ihr kann in das Fernsehspiel und in den Film ein kultur- und traditionsgesättigtes Aussagesystem eingebracht werden, das zu Bildfolgen und Texten kontrapunktisch wird. Buñuels Film "Viridiana" etwa, um nur ein Beispiel zu nennen, beginnt mit dem "Halleluja" aus Händels Messias. Der ganze Film scheint nur darauf angelegt, dieses "Halleluja" zu widerlegen, aufzuheben. Das berühmte Zithersolo aus dem "Dritten Mann" sagt eine Dimension der gefährlichen Wiener "Gemütlichkeit" aus, die dem Bild und der Sprechsprache eine neue Aussageebene hinzufügt (Kontrast).

Das Geräusch verharrt in den meisten Fällen auf der Ebene des Signals. Es kann zum Zeichen werden, wenn es, wie etwa das Geräusch des Preßlufthammers, Tätigkeiten markiert oder Umgebungen festlegen hilft. Eine zufallende Tür in einem Fernsehspiel wird zum Symbol der Trennung (vgl. Heimann, 1963, S. 74f ).

Paul Heimann hat diese komplizierten Verbindungen einmal mit einem Gewebe verglichen. Man kann sich ein solches Gewebe vorstellen - etwa einen englischen Stoff für ein sportliches Sakko -, das aus blauen, gelben und braunen Fäden besteht. Blau wäre dann die Farbe der Bildbotschaft, gelb die der Sprechsprache, braun die der Musik.

Der Eindruck aber, den das Gewebe aus einiger Entfernung macht, ist grün. Aus den sich überlagernden Einzelfarben ist eine neue entstanden, die in den ursprünglichen Fadenfarben nicht enthalten war. Das Ganze hat Gestaltcharakter: Es ist nicht aus der Summe seiner Einzelwirkungen zu erklären.

Die Gestalt "Grün" zeichnet sich durch ein Neues gegenüber gelben, braunen, blauen Fäden aus, die in sie eingegangen sind. Sie "leuchtet" als Farbeindruck unmittelbar "ein": Sie hat "Prägnanz".

So erhellend das Bild des Gewebes für die Struktur von Fernsehsendungen auch ist: Es hat einen Nachteil, den der Statik. Sendungen im Fernsehen, Kinofilme haben Prozeßcharakter, sie laufen in einer bestimmten Zeit ab, sie sind dynamisch. Man müßte sich das Gewebe also filmisch bewegt vorstellen, wobei die Einzelfarben Blau, Gelb und Braun dauernd ihre Position und damit ihren Stellenwert in dem Gewebe ändern (Transformation).

Diese "dynamischen" Gestalten bilden Grundstrukturen in den Botschaften sowohl des Fernsehens wie des Films. Sie sind Ganzheiten, deren Teilelemente in der Analyse nicht aus dem Strukturzusammenhang der jeweiligen komplexen Kombinationen herausgelöst werden dürfen, in der Erwartung, sie seien an jedem beliebigen Ort der Vereinzelung immer in der gleichen Weise interpretierbar. Bei allen Unterschieden in Art und Kombination der Teilelemente werden diese Gestalten im Umgang mit dem jeweiligen Medium wiedererkannt und gelernt. Sie bestimmen dessen Produktion und Konsum: Sie sind trotz aller dramaturgischen und medientechnischen Entwicklung invariant (Ein sehr einfaches Beispiel für Invarianz: Die trotz des "mediendramaturgischen" und "medientechnischen" Wandels in den unterschiedlichsten Strichkombinationen verschiedener Schriften immer wiedererkannte, invariante "Gestalt" des Buchstaben "e".) (vgl. Maus, 1971, S. 90f, S. 230f).

"Wahrnehmungsphantasie" als Ergebnis unmittelbaren Angemutetseins wird vor allem durch ein Reizmaterial angeregt, das in seiner Bedeutung "offen" bleibt, das eine Vielzahl von Beziehungen und Auffassungen zuläßt. Die Kombination von bewegtem Bild und Musik bietet hier hervorragende Voraussetzungen: sie führt gleichzeitig ein in Grundstrukturen der Fernseh- und Film-"Sprache" (vgl. Sturm, 1987).



4.2.4.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil



Fernsehen und Film, vor allem aber das Fernsehen, sind Massenkommunikationsmittel, die ganz erheblich in den Tagesablauf der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland eingreifen. Fernsehen ist in den Familien das mit Abstand am meisten genutzte Medium (Klingler & Windgasse, 1994, S. 3ff; Darschin & Frank, 1995, S. 154ff.).

Auf diese Fernsehpraxis der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen sechs und dreizehn Jahren, wie sie uns die Medienforschung wenigstens in Umrissen sichtbar macht, muß man projizieren, was wir als Gefährdungen eines persönlichkeitsentwickelnden Medienkonsums beschreiben. Weitgehendes Versagen vieler Familien, die in einer dumpfen Mischung von oberflächlicher optischer Faszination und unterschwelliger Bildangst verharren. In den Schulen: Mangelndes medienbezogenes Training von Observation und Imagination, Defizite im Deutschunterricht und im Fach Bildende Kunst, die optische und sprachliche Zeichensysteme nicht überzeugend praktikabel verbinden, weil Bildangst und unreflektierte Vorurteile das auch bei vielen Lehrerinnen und Lehrern verhindern.

Fernsehen und Bildverstehen stehen mit den Medien der Schriftlichkeit in der Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland in einem für die kommunikative Entwicklung entscheidenden Wechselverhältnis. Kritiker des Mediums Fernsehen haben oft verkannt, daß das reale Fernseh- oder Filmbild und das durch Lesen erzeugte imaginative Innenbild ganz verschiedene Funktionen für die Wirklichkeitsbewältigung gerade bei Kindern und Jugendlichen haben. Kommt es bei der Verarbeitung realer bewegter oder unbewegter Bilder darauf an, daß der Konsument ihre Anmutung auf den Begriff bringt, sie, indem er sie deutet und ihren Sinn versteht, zur Botschaft macht, die in sekundärer Kommunikation auch anderen mitgeteilt werden kann, produzieren gerade die Begriffe der gelesenen oder gesprochenen Sprache imaginative Bilder, allerdings nur dann, wenn die Verarbeitung realer Außenbilder vorher ein Repertoire bildlicher Vorstellungen geschaffen hat. Andererseits prägt dieses Repertoire die Verarbeitung weiterer realer Bildangebote in einer durch Vorerfahrung bewirkten Kategorisierung.

Um es mit den Begriffen Kants zu sagen: Bei der Verarbeitung realer Bilder führt der Weg des Bewußtseins von der Anschauung zum Begriff Bei der Produktion imaginativer Bilder vom Begriff zur Anschauung. Observation und Imagination müssen also beim Fernseh- und Filmkonsum, wenn er produktiv sein soll, ein enges Wechselverhältnis eingehen.

Unterrichtseinheiten zur Fernseh- und Filmerziehung haben deshalb eine doppelte Funktion: Sie müssen in der Grundschule Strategien begründen helfen, mit denen reale Bildangebote begriffen und artikuliert werden können. Mit anderen Worten: Sie müssen den Nachrichtencharakter dieser Bildangebote durch praktische Tätigkeit erschließen helfen, aber auch Hilfen bereitstellen, unterhaltende, vor allem fiktionale Sendungen als Momente einer sich entwickelnden individuellen Lebenswelt angemessen zu verarbeiten. Unterrichtseinheiten müssen jedoch ebenso die Umwandlung von Begrifflichkeit in Imagination begründen und ausbauen helfen. Ein früh einsetzendes Training von Bildwahrnehmung und zunächst einfachster Artikulation der erlebten visuellen Reize soll eine persönliche Synthese von Bild- und Schriftkultur auch für Schülerinnen und Schüler möglich machen, die schon mit dem 14. Lebensjahr aus den allgemeinbildenden Schulen ausscheiden.



Für die Planung der Unterrichtseinheiten bedeutet das: Die Unterrichtseinheiten müssen - gestützt auf die Erkenntnisse der Entwicklungs- und Wahrnehmungspsychologie (vgl. Kap. 4. 1.) - im praktischen Experiment

In einem Unterrichtsprojekt sollten Schülerinnen und Schüler schließlich die wichtigsten Entstehungsstufen einer Fernsehsendung planen und nach Möglichkeit in einfachen medientechnischen Vollzügen praktisch verwirklichen.



Vorbereitende Unterrichtseinheiten zum Themenschwerpunkt:

Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

FFK 05

BK/D

"Ein Bild nur mit schönen Farben"




Ausdr.f, Visualis.

67

FFK 06

BK/D

"Ein Bild nur mit häßlichen Farben"




Ausdr.f, Visualis.,

Ass-gel.

68

FFK 09

BK/D

"Bilder aus dem Gedächtnis beschreiben"




Vis.Ged., Wortgel.,

Ausdr.f.

71

FFK 13

BK

"Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen"




Ass.gel., Spont.Fl.,

Visualis.

77

FFK 16

BK

"Das sieht ja ganz anders aus!"




Evaluat.

81

FFK 17

D

"Was passiert da?"




Ass.gel., Ausdr.f,

Spont.Fl.

82

FFK 18

BK

"Wenn die Farbe fehlt"




Vis.Ged., Visualis.

83

FFK 19

BK/D

"Stummfilm"




Wortgel., Spont.Fl.,

Original.

84

FFK 20

BK/D

"Wir malen eine Kulisse"




Ass.gel., Spont.Fl.,

Visualis.

85

FFK 21

BK/D

"Verkleiden"




Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Original.,

Visualis.

86

FFK 22

BK

"Wir verändern einen Raum mit Licht




Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Original.,

Visualis.

87

FFK 23

SP/M

"Wörter durch Körperbewegung darstellen"

Spont.Fl., Visualis.

88


Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

FFK 24

M/D/

SP

"Wörter auf Musikinstrumenten spielen"


Ass.gel., Aud.Ged.,

Spont.Fl., Evaluat.

89

FFK 25

BK/D

"Wörter mit Farbstiften malen"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Visualis.,

Evaluat.

90

FFK 26

D/M

"Mein Lieblingsspielzeug"


Ausdr.f.

91

FFK 27

D/HUS

"Fernsehansage"

Ausdr.f, Vis.Ged.,

Visualis.

92

FFK 28

M/D

"Klänge zu Gefühlen"

Adapt.Fl., Original.,

Aud.Ged., Spont.Fl.

93

FFK 31

D/M

"Mit Musikinstrumenten erzählen"

Aud.Ged., Original.,

Spont.Fl., Ausdr.f,

Evaluat.

97

FFK 32

D

"Musiken für verschiedene Filmtypen"

Evaluat., Adapt.Fl.,

Aud.Ged.

98


Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G

Seite

FF 01

BK/D

"Einstellungsgrößen"

Vis.Ged., Ausdr.f.

Visualis.

215

FF 02

D/BK

"Kameraperspekiven"


Vis.Ged., Ausdr.f,

Visualis.

216

FF 03

D/BK

"Kamerabewegung"


Vis.Ged., Ausdr.f,

Visualis.

217

FF 04

D/BK

"Nachrichten selbst produzieren"


Wortgel., Vis.Ged.,

Ausdr.f. Visualis.

218

FFK 38

D/SP/

NVBK

"Mini-Multi-Media-Show"

Spont.Fl., Visualis.,

Ass.gel., Ausdr.f,

Aud.Ged., Original.,

Evaluat.

106

FFK 39

BK/D/

M

"Videofilm zu einer Geschichte"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Visualis.

107

FFK 40

D/BK/

M

"Wir produzieren einen Videofilm"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Visualis.

110


Fächer


Unterrichtseinheit

FF 01

Kreativitäts-

faktor n. G.

BK/D

Thema:

"Einstellungsgrößen"

Vis.Ged.

Ausdr.f


ÜZ:

Strukturierung formaler Invarianten.


Visualis.


GZ:

Grundlegende Prozesse der visuellen Medienkommunikation erfassen.




FZ:

Erfassen, daß Film-/Fernsehaufhahmen alles andere als "realistisch" sind.




Beschreibung:

L. legt einen Gegenstand für alle sichtbar auf das Pult. Es wird sehr schnell deutlich, daß die Sch. ganz unterschiedliche Sichten auf denselben Gegenstand haben. In den ersten Bankreihen lassen sich Details ausmachen bei einem begrenzten Überblick über den gesamten Klassenraum. In den letzten Bankreihen sind Details kaum mehr erkennbar, dafür ist der Überblick gegeben.

Aufnahme des Gegenstandes aus unterschiedlicher Entfernung mit der Kamera. Die unterschiedlichen Wirkungen der Einstellungsgrößen werden diskutiert.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Videoaufnahme, Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Video-, Fotokamera.

Abbildungen zu den Einstellungsgrößen in:

Zeitter (1987): S. 26-29.



Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FF 02

Kreativitäts-

faktor n.G.

D/BK

Thema:

"Kameraperspektiven"

Vis.Ged.

Ausdr.f


üZ:

Strukturierung formaler Invarianten.


Visualis.


GZ:

Grundlegende Prozesse der Medienkommunikation bestimmen können.




FZ:

Zu jemandem mit der Kamera "aufsehen", auf ihn "herabsehen" - die Wirkung erfassen können.




Beschreibung:

L. fordert Kinder auf, zueinander unterschiedliche Positionen einzunehmen, sich auf einen Tisch zu stellen und auf die anderen herabzusehen, sich auf den Boden zu legen und zu anderen aufzusehen. Diese Positionen werden nun mit der Kamera aufgenommen. Vogel- und Froschperspektive werden gezeigt und besprochen. Ihre medienpsychologischen Wirkungen müssen herausgearbeitet werden, wobei die Sprache uns mit ihren Bildern schon die Richtung angibt: zu jemandem "aufsehen", auf jemanden "herabsehen" usw. Filmische Demonstration.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Videoaufnahme, Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Video-, Fotokamera.

Zeichen in: Zeitter (1987): S. 25.




Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FF 03

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK

Thema:

"Kamerabewegung"

Vis.Ged,

Ausdr. f


üZ:

Strukturierung formaler Invarianten.


Visualis.


GZ:

Grundlegende Prozesse der visuellen Medienkommunikation erfassen.




FZ:

Die Wirkungen der Kamerabewegungen erkennen können.




Beschreibung:

Wechselnde Kameragruppen erproben zunächst Schwenks, dann Kamerafahrten. Kameraschwenks verschaffen Überblick. Sie lenken den Blick des Zuschauers. Langsame Schwenks z.B. über Teile eines Raumes, (in der Totale) über eine Landschaft vermitteln Stimmungen. Deshalb stehen sie sehr oft an Spielfilmanfängen. Schnelle Schwenks dramatisieren, verschaffen einer Handlung "drive", unter Umständen Hektik. Kamerafahrten zwingen den Zuschauer, sich mit der Bewegung der Kamera, die sich einem Gegenstand nähert oder sich von ihm entfernt, zu identifizieren. Wieder schafft die Geschwindigkeit dieser Bewegungen unterschiedliche Eindrücke. Die Wirkungen der Kamerabewegungen werden diskutiert.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Videoaufnahme, Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Zeitter (1987): S. 28-29.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

FF 04

Kreativitäts-

faktor n.G.

D/BK

Thema:

"Nachrichten selbst produzieren"

Wortgel.

Vis.Ged.


üz:

Mediendramaturgie - optisch-akustisches Design.

Ausdr.f

Visualis.


GZ:

Grundlegende Prozesse der Medienkommunikation erfassen.




FZ:

Eine Fernsehnachricht produzieren können.




Beschreibung:

Folgende Arbeitsfunktionen sind zu vergeben:

  • Texter/in

  • Kamerafrau/mann

  • Nachrichtensprecher/in

  • Regisseur/in

Die Klasse bildet nach freier Wahl Produktionsgruppen. Aus dem unmittelbaren situativen Kontext der Schülerinnen und Schüler wird eine Nachricht ausgewählt und von den Textern formuliert. Die Kameraleute wählen die entsprechende Einstellungsgröße und Beleuchtung. Die Sprecher proben den Text; man kann ihn durch den aus Pappe ausgeschnittenen Rahmen eines Fernsehgeräts sprechen. Dann folgt die Aufnahme.

Die Klasse diskutiert die Produktion. Vergleich mit einer aus dem Fernsehprogramm mitgeschnittenen professionellen Nachricht

.



Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-, Tonkassettenaufnahme, Videoaufzeichnung, Gruppenarbeit, Untenichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Zeitter (1987): S. 78; 84-86.; 180-183.






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-


4.2.5. Themenschwerpunkt "Werbung"

4.2.5.1. Zu den theoretischen Grundlagen



Kaufen - Verkaufen - Werbung
Markt- und Kommunikationsprozesse
Idealvorstellung eines Marktes

Es mag noch so idealistisch scheinen: Unser Bild am Anfang sei der Markt, der öffent-liche Platz, die Agora. Hier versammeln sich gleiche Menschen jeglichen Alters, Ge-schlechtes, Herkommens und handeln miteinander zum wechselseitigen Nutzen. Man-che sprechen, manche verhandeln, manche schenken sich etwas. Dieser Austausch ist so elementar wie der ihrer Lungen, ihrer Mägen, ihrer Glieder und erfolgt in einer Umwelt, die ihnen entspricht. Die Grundbedürfnisse dieser Menschen sind kulturell geprägt2. Es gibt Menschen, die heutzutage sagen, daß nichts von alledem stimmt, vielleicht nie gestimmt hat und auf keinen Fall einmal stimmen wird. Um zu lehren, bedarf es jedoch eines gewissen Glaubens - und sei es auch an eine Utopie. Fest steht, daß das Ausmaß der Realisierung von Utopien von eben diesem Glauben abhängt, der Berge versetzen kann, Gesellschaften schafft und die Gleichheit der Menschen fördert. Die wichtigste Utopie hierbei ist die aufklärerische, humanistische, die Idee von der möglichen Mündigkeit. Will man das Verhältnis von Kaufen und Verkaufen, Werben und Erwerben, Handeln und Verhandeln jungen Menschen vermitteln, dann bedarf es eines starken Glaubens, daß "Bildung und Ausbildung" wichtige Komponenten sind, um einen bestimmten Zustand zu verbessern oder zumindest dafür zu sorgen, daß er nicht schlechter wird. Wenn die "Schule der Nation" die Schule und nicht das Fernsehen sein soll, dann muß diese Institution als Teil einer Wertegemeinschaft immer wieder am kollektiven Gedächtnis arbeiten, und zwar so, daß das gesellschaftliche Leben die Chance des Einzelnen zumindest bewahrt, wenn nicht gar verbessert3.

Zurück zum Bild des Marktes: Dies ist eine Metapher für Prozesse, die über den reinen Güteraustausch hinausgehen. Ein Handwerker tauscht nicht einfach sein Produkt di-rekt oder indirekt über Geld mit dem Erzeugnis eines Bauern oder der Dienstleistung eines Lehrers, sondern der Markt ist der Ort, an dem sich diese Personen über die grundlegenden Werte verständigen und die Motivation schöpfen, ihre Vermögen ent-sprechend einzusetzen. Wieder eine vieldeutige Metapher, die nicht auf Besitzvermögen basiert, sondern auf Leistungsvermögen, welches Besitzvermögen schafft. So sollte von Anfang an klar sein, daß der Austausch von Gütern und Leistungen eine Erscheinungsform der vielschichtigen Wirklichkeit ist und als Zeichen für diese gelesen werden muß. Wir kaufen nämlich Kulturgüter, und das heißt immer: Ausdrucksformen von historisch gewordenen Wertesystemen, von historisch entwickelten Leistungsmöglichkeiten und von historisch unterschiedlicher Prägung der instinktunsicheren menschlichen Natur durch Kultur. Ein Beispiel: Den eigenartig geformten Apfel, der gerade nicht den EG-Normen entspricht, erwerben wir teurer, weil wir dem Argument des werbenden Bauern zustimmen und tatsächlich glauben und schmecken, daß wir endlich wieder ein wirkliches Stück Natur bekommen. Ob etwas überhaupt ein Gut ist, hängt also vom Konsens über Güte ab, dem man sich nicht anschließen muß, selbst wenn diese Güte mit einem Siegel ausgezeichnet wird. Somit ist von Anfang an klar: Jedes Gut ist als Kulturgut Teil eines Kommunikationsprozesses, Ergebnis einer expliziten oder impliziten Verhandlung. Weil die Grundlagen dieses Verhandelns sich gerade heutzutage rasch wandeln oder gar im Widerstreit der Meinungen und der Glaubenssysteme stehen, ist die Aufgabe der Lehrenden, im Gegenüber das allem zugrundeliegende Vermögen der Kritikfähigkeit zu entwickeln, so daß SchülerInnen oder StudentInnen die Mühe auf sich nehmen können, mit Lust selbständig und selbstverantwortlich zu werden.4

Wir wissen, daß alles Kulturelle vermittelt ist. Der Biß in den Apfel kann zum Beispiel lediglich als Indikator für gesunde Zähne dienen oder aber auch die Probe aufs Exempel eines mündigen jungen Menschen sein, der auf dem Markt selbst probieren will, ob der Apfel so schmeckt, wie behauptet wird. Bis zum Wunsch, bis zur Entscheidung, eine Probe zu erwerben, bis zum Biß, gibt es eine Fülle von Möglichkeiten der Media-tisierung. Muß unser Marktbesucher wissen, über welche Geschichten es zu seinen Wünschen und er zu diesem - sagen wir australischen - Apfel gekommen ist? Im Prinzip ja, denn er muß zumindest befähigt sein, bei Bedarf entsprechende Fragen stellen zu können. Noch radikaler: Er muß wissen, daß sich das Fragen lohnt. Kurz: Er muß unseren Optimismus teilen. Wenn wir nun das Marktgeschehen als kommunikativen Austausch über - beispielsweise politische - Werte und als möglichen Ort des Austausches von Gütern parallelisieren, dann unter einer Reihe von optimistischen Annahmen, die wir ausdrücklich an den Anfang stellen.

Daß dies alles nur mehr oder weniger realisiert werden kann, also relativ bleibt, zeigt sich am raschen Verfall von Wertesystemen und anderen Systemen. Dennoch können wir eine weitere These als konsensfähig annehmen: Ein System ist nur so gut, wie seine Teile wandelbar und in sich autonom sind - und dies heißt gleichzeitig: insoweit seine inneren Beziehungen leben.

Nehmen wir als Beispiel die Familie, eine soziale Institution, die es nicht mehr gibt, wenn man die alten Definitionen ansetzt, die aber Fortsetzung gefunden hat in neuen familienähnlichen und sozial anerkannten Strukturen5.

Der Zwei-Personen-Haushalt einer "eheähnlichen Gemeinschaf" ist für den Gesetzge-ber, die Industrie, die Medien eine wichtige Tatsache. Die in dieser Form des Zusam-menlebens vermuteten Verhaltens- und Denkmuster motivieren die neue Form der Produktion von Möbeln, die - wie bei IKEA - für eine bestimmte Zeit, für einen bestimmten Geldbeutel, für eine bestimmte Nutzung konzipiert, produziert, öffentlich bekanntgemacht, aber auch angesehen, probiert, imitiert, gekauft und genutzt werden. Alle Marktpartner in einem mitteleuropäischen Staat wie Deutschland zeigen eine un-glaubliche Kraft zum Wandel: Die Flexibilität der Produzenten von Gütern oder Kommunikationsformen geht einher mit der Beweglichkeit der Nachfrager dieser Lei-stungen.



Gesellschaft und Kommunikation

Ein Blick über den Ozean oder (schwieriger) in den exotischen Osten Europas oder (für den normalen Deutschen kaum möglich) in ein Land Afrikas, Asiens oder Latein-amerikas lehrt uns, daß die unbefragte Normalität etwas Außerordentliches ist.

Die Werbung in den USA beispielsweise verhält sich gegenüber dem Konsumenten so, als wäre er ungebildet, austauschbar, interessenarm6. Wenn dies so ist, dann als Ergebnis einer Politik, die leider nicht auf Bildung und Ausbildung setzte und damit die Wettbewerbsfähigkeit der USA unterhöhlte. An diesem "ungebildeten Amerikaner" leiden die Vereinigten Staaten - und die Welt. Dies schafft Fakten, nämlich den künstlichen Erhalt einer überholten gesellschaftlichen Vorstellung. Somit liegen der Wirtschafts- und Sozialpolitik in Nordamerika ein anderes Gesellschaftsmodell zugrunde als in Mitteleuropa.

Gehen wir einige wenige Jahrzehnte in der Zeit zurück, dann wird deutlich, wie rasch sich ein gesellschaftliches System wandelt - zum Beispiel vom Modell einer Nach-kriegswirtschaft, die vom Mangel geprägt ist, hin zur Überflußgesellschaft - und wieder zurück. Es bedarf nur eines kleinen Knicks in der Entwicklung des Bruttosozial-produkts oder eines klaren Blicks in den Osten des neuen großen Deutschlands, und die bis vor kurzem noch gültige Vorstellung von der Überflußgesellschaft zeigt sich als gänzlich überholt.

Der Blick in das historisch oder räumlich andere zeigt, wie eng die Bilder vom Men-schen als einem ökonomischen bzw. kommunizierenden Wesen miteinander verbunden sind. Der Mensch - im USA-Modell ein im Grunde primitives und daher manipulierbares Wesen, woran auch in Europa noch einige selbsternannte Werbepäpste und deren Schüler glauben - wurde in der Nachkriegszeit abgelöst vom Modell des Homo Oeconomicus, der - immer ausreichend informiert - gänzlich zweckorientiert und rational nur das tut und kauft, was ihm kritisch und klar gesehen nützlich erscheint. Dieses Konstrukt findet neuerdings Ersatz im Homo Ludens, einem spielerischen Menschen, der relativ frei über das verfügt, was er zur Genüge zu haben scheint: freie Zeit, freie Bahn seiner Mobilität, freien Fluß der Information usw.

Natürlich fällt sofort auf, daß diese Bilder immer nur bestimmte Gruppen der Gesell-schaft betreffen und große Bereiche der Wirklichkeit ausblenden - so zum Beispiel die Masse der Menschen, die froh sind, wenn sie nach Arbeitsende die Zeit haben und das Geld, sich bei ALDI mit dem Nötigsten zu versorgen. Und gibt es bei uns nicht auch "türkische Verhältnisse", das heißt gesellschaftliche Subsysteme, die relativ autonom, aber recht gut mit dem Rest verbunden sind? Warum geht der geschmacksbewußte, mit Lust kochende Mann zum "Türken" und kauft dort die Hammelkeule ein? Wieso läßt sich seine Freundin bei einem anderen "ausländischen" Laden das Kostüm ändern, das sie beim "Franzosen" oder "Itatiener" erworben hat? Oder warum schließlich freut sich die begeisterungsfähige Oma, daß sie jemanden kennt, der aus der Gegend kommt, aus der die schönsten Bilder des Reisekatalogs stammen?

Diese Beispiele beinhalten eine versteckte Hypothese: Man muß sich der Komplexität eines Systems nicht bewußt sein, es nicht reflexiv thematisieren können, um das den-noch vorhandene alltägliche Wissen nach dem eigenen Wertesystem zu nutzen. Deshalb dürfen wir an dieser Stelle ruhig zugeben, daß auch die Wissenschaften recht wenig von den komplexen Systemen Ökonomie, Gesellschaft oder Kommunikation wissen, selbst wenn sie für diese - als Fachleute oder "Weise" - einflußreiche oder zumindest gutbezahlte Gutachten erstellen! Es gibt unendlich viel Unbekanntes im Kontext von Erwerben und Werben. Gleichzeitig gibt es jedoch offenbar ebensoviel unbewußtes Wissen, so daß das System funktioniert: Dies ist das Selbstverständliche.

Schon eine kurze Reise nach Frankreich zeigt, daß dort der Alltag offenbar ein wenig anders ist. Woher kommt es, daß das kulturell Selbstverständliche sich entwickelt und in die nächste Generation weitergegeben wird? Wie ist die allmähliche Ausbildung einer Europa-Kultur zu erklären? Die Antwort hatten wir eigentlich schon eingangs gegeben. Alle Güter und Leistungen sind lebendige Zeichenkörper eines Kommunikationsprozesses, der um so besser funktioniert, je gebannter mir auf ihre scheinbar primäre Funktion - in Form technischer oder ästhetischer Aspekte - schauen. Und doch kann auch das hinter dem Selbstverständlichen stehende latente Wissen leicht gehoben werden.

-"Warum kaufst du diesen teuren französischen Wein?"

- "Weil auch dein neuer Freund etwas Besonderes ist!" - und deshalb decken wir den Tisch mit den anderen Gläsern und machen das Licht stimmig!

Das Beispiel zeigt den Menschen als zeichenhaftes Wesen, dessen Fähigkeit, etwas zu einem Zeichen für etwas anderes werden zu lassen, verblüffend groß ist. Dies gilt ins-besondere für die wichtigsten Zeichen: die Indikatoren von Wert. Viele historische Beispiele belegen, daß die größten Werbekampagnen, die schlimmsten Formen dikta-torischer Propaganda oder extensive religiöse Missionsarbeit erfolglos sind, wenn sie den grundlegenden Werten der Menschen nicht entsprechen.

Jetzt befinden wir uns jedoch in einem schlimmen Zirkel der Argumentation. Wenn es die alltäglichen, selbstverständlichen Dinge, also die selbstverständliche Art der Nutzung unseres Raumes und die ebenso selbstverständlichen grundlegenden Nutzungen unserer Zeit sind, welche den Menschen bedingen und bilden, was kann dann die Schule leisten, die doch - dezidiert außerhalb dieser Bedingungen - junge Menschen in einen gesonderten Raum stellt? Auch hier ist die Antwort durch das Gesagte tendenziell vorgegeben. "Klasse" hieß in der Antike vor allem "Steuerklasse"; mit dem Ende des Bildungsmonopols für die Privilegierten wurde die Schulklasse zum Begegnungsraum von jungen Menschen unterschiedlichster Steuerklassen und damit zu einem freien Raum der Begegnung aller latenten Widersprüche und Spannungen unserer Gesellschaft. Mag der Alltag der Schule auch ganz anders aussehen - sie geht von dem Anspruch aus, daß dort in einer von der Mühe und dem Zwang des Alltags befreiten Weise Werte zur Disposition gestellt werden, die dem Schüler dienlich sein können.

Wieso vermag die Schule die Jugendlichen dann nicht von jenen Zwängen zu befreien, die ihnen und ihren Eltern das Geld aus dem Portemonnaie locken? Jugendliche sind eine der dominanten Zielgruppen der Werbung; ihr Geldbeutel sitzt relativ locker. Ein Grund hierfür liegt in der Tatsache, daß Anlaß und Voraussetzungen solchen Verhaltens bislang nicht ausreichend Eingang in die Lehre der Schule gefunden haben. Hieran will die Sendereihe "Praxis Medienerziehung" und der von uns vorgelegte Kommentar etwas ändern.



Kaufen und Verkaufen im kommunikativen Wechselspiel
Werbung. Wer hat die Macht?

Es gibt das Gewerbe der Werbetreibenden, der Werbeagenturen. Sie sitzen scheinbar an der Schaltstelle erfolgsorientierter Kommunikation, doch zeigt der alltägliche Gebrauch unserer Sprache, daß eigentlich jedermann und jede Frau werben: Man umwirbt einen Menschen; man wirbt jemanden an. Dieser erwirbt einen Posten genauso wie ein Gut. Werben als Bezeichnung für gerichtetes kommunikatives Handeln läßt offen, ob es hierbei um einen Menschen (Frau, Freund, Anhänger) geht oder um die langfristige bzw. zeitweise Zustimmung zu einer Wertschätzung, einer Meinung, einem Glaube7.

"Werbung" hat als Begriff das gleiche Schicksal erlitten wie "Propaganda" oder "Reklame" - jede dieser Bezeichnungen geriet im Laufe der Jahrzehnte oder Jahrhunderte in Mißkredit. Dies ist wohl auf die Art und Weise zurückzuführen, wie die Propaganda für den Glauben (Jesuiten) oder für die Politik (Parteischulung der Bolschewisten oder der Nazis) oder schließlich die Reklame für Bücher und Seife von den jeweiligen "Spezialisten" konzipiert und durchgeführt wurde.

Versteht man Werbung als den sichtbaren Teil der zugrundeliegenden Eisberge Religi-on oder Politik oder Wirtschaft, dann wird klar, daß sie als Teil des Marketing Indikator von etwas ganz Neuem wird: Es geht nicht um ein simples Auf-den-Markt-Bringen, ein erneutes Publik-machen, Als-Wert-Reklamieren oder Propagieren von etwas Vorgegebenem, sondern das Gut selbst ist bereits Ergebnis eines komplexen Prozesses, zum Beispiel der (Er-)Findung von Bedürfnissen, der Entdeckung neuer Wertschätzung, neuer Verhaltensweisen und Lebensformen. Also nicht erst die Werbung schreibt einem Gut eine positive Bedeutung zu, sondern eine marktentsprechende Wertschätzung wird zur Grundlage der Produktion eines Gutes. Volkswagen hat - wie wahrscheinlich auch andere Unternehmen der Branche - ein funktionstüchtiges Auto konstruiert, das bei vernünftigen Fahreigenschaften nur dreieinhalb Liter Benzin pro 100 km benötigt. Dieser Prototyp wird jedoch nicht zur Produktionsreife entwickelt, weil die Menschen offenbar eine aggressive Mobilität der umweltfreundlichen vorziehen. Das Produkt ist demnach nicht einfach eine neutrale Sache, sondern das Ergebnis eines langen Prozesses, der mit der Produktkonzeption beginnt. Diese "Empfängnis" ist - so wird behauptet - der vorweggenommene Wunsch dessen, der letztendlich den Markt beherrscht: der einzelne Mensch als Teil einer marketingrelevanten Gruppe8.

Der Marketing-Gedanke eröffnet neue Dimensionen, weil er historisch gewachsene Differenzierungen aufzulösen scheint: Marketing erstreckt sich auf Produkte, Dienst-leistungen, Personen, gesellschaftliche Gruppen und Nationen, gleichgültig ob diese als sportliches, künstlerisches, politisches, religiöses oder ökonomisches Gut marktent-sprechend gestaltet und vermittelt werden9. Heraus ergeben sich drei Problemkreise:

  1. Ist es lediglich ein Lippenbekenntnis, oder darf man tatsächlich davon ausgehen, daß nur ein gutes, d.h. ein den Wünschen der Menschen entsprechendes Gut über gezielte Kommunikation auf dem Markt gewinnen kann?

  2. Wer kann eigentlich feststellen, was welchen Wert hat?

  3. Gibt es überhaupt einen funktionierenden Markt, der eine freie Wahl ermöglicht, so daß sich ein Wertesystem gegenüber anderen durchsetzen kann?

Diese drei Fragen nach der Verführbarkeit, der Relativität der Werte und dem Funk-tionieren der Institutionen sind miteinander verbunden. Wir werden uns hüten, die ent-sprechenden Problembereiche hier zu diskutieren, wollen aber darauf hinweisen, daß es dazu bereits in der Antike mindestens zwei Standpunkte gab: Die ersten Aufklärer, die Sophisten, gingen davon aus, daß es notwendig und legitim ist, öffentlich oder in klei-nem Kreis nicht nur die eigene Wertschätzung zu verbreiten, sondern Menschen auch zu lehren, wie man öffentliche und private Wertschätzung durch Kommunikation er-werben kann. Relativität von Werten, Konventionalität von Institutionen, Skepsis ge-genüber dem Denken selbst und die Überzeugung, daß eine grundlegende Gleichheit der Menschen im Prinzip jedem die Möglichkeit gibt, Entscheidungen selbst (mit-) zu treffen, zum Beispiel im Hinblick auf deren Zweckmäßigkeit - dies alles machte sie zu problematischen Neuerern.

Vergessen wir nicht: Jeder Mensch wirbt in jeder Altersstufe für die unterschiedlichsten Zwecke. Wie die Tochter mit drei Jahren erfolgreich den Vater umwirbt, so die Gattin die Schwiegermutter und diese den Metzger in der Einzelhandelskette und dieser seinen Chef Die Kette endet nicht dort, denn der Chef als Absolvent einer Wirt-schaftsfachschule hat etwas von "Corporate Identity" gehört und weiß, daß er das Er-gebnis seiner Filiale wesentlich verbessern kann, wenn er das Vertrauen seiner Mitar-beiter erwirbt. Identifizieren sich diese mit gemeinsamen Zielen, dann gibt es weniger Schlendrian - und die Kunden werden so freundlich angelächelt, daß auch die übrige Werbung funktionieren kann. Schon diese ist Antwort auf Werbung - beispielsweise auf die Eigenwerbung der Jugendlichen, die einen für gut befundenen Lebensstil plakativ vorführen, indem sie ihre Haare, ihre Kleidung, ihre Sprache entsprechend gestalten und ihn durch die Art ihrer Fortbewegung und der von ihnen bevorzugten Orte belegen.

Es ist deshalb besonders wichtig, den verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen möglichst früh Antwort auf die Frage zu geben: "Wer ist die Macht?"10. Wenn sich Jugendliche beispielsweise für ihr Jugendzentrum einsetzen, werben sie oft sehr erfolgreich für ihre Ideen. Die Schule könnte ein Ort sein, wo ihnen gezeigt wird, welche Macht sie eigentlich darstellen, wenn sie sich nur zu artikulieren wissen. Jugendliche sollten den Umgang mit Texten einerseits an beispielhaften Vorbildern leinen, deren Verstehen schwierig sein darf. Sie sollten umgekehrt aber auch praktisch erfahren, daß nicht alles "Bibel" ist, sondern daß - ganz im Gegenteil - viele Texte unbedingt aktiv verarbeitet werden müssen. Dies gilt insbesondere für Werbung, gleichgültig ob sie sich wie früher mehr auf die Mächte "Kirche" und "Staat" bezieht oder wie heute eher auf Politik und Wirtschaft. Jahrzehntelang haben scheinbar progressive Universitätsabsolventen das große hermeneutische Wehklagen in die Gesellschaft getragen und die Lehre von der notwendigen Passivität der (nicht zufällig so genannten) "Rezipienten" verbreitet. Entsprechend mußte das Bild des bösen "Systems" der Wirtschafts-, Religions- und Politwerber als Alibi für die eigene Passivität herhalten11. Jugendliche merken aber wohl, wie Eltern für ihre Wertewelt werben, beispielsweise wenn sie stundenlang über das neue Auto reden. Der Pfarrer oder der Gewerkschaftsfunktionär laden wie der Politiker zu Frühschoppen mit durchaus vergleichbaren Zielen ein - und alle wollen etwas "rüberbringen". In den genannten Kommunikationssituationen liegen lediglich unterschiedliche Rollenverteilungen und unterschiedliche Kompetenzen vor: Eltern wirken, Jugendliche verweigern sich; der Pfarrer ist rhetorisch geschult, der jugendliche Öko-Utopist stammelt von seinem Krötenteich.

Die Frage, ob jemand für werbende Kommunikation bezahlt oder nicht, ist durchaus sekundär. Der Sponsor wirkt gerade deshalb so erfolgreich, weil er kein kurzfristiges Werbeziel zu haben scheint - wie ein Mäzen, der einer Wertewelt, die ihm wichtig ist, "uneigennützig" Mittel zur Verfügung stellt. Wie Jugendliche für gute Ideen ihrer Lehrer gerne Freizeit opfern, investieren auch Stiftungen der Zigaretten- oder der Auto-mobilindustrie die Gewinne ihrer "Mütter" in gemeinnützige Einrichtungen - und werden dafür hoch geachtet. All dies basiert auf interessegeleitetem Handeln, das als solches nicht verteufelt werden darf. Warum sollen sich nur gewisse Gruppen dazu bekennen, daß sie all ihre Kräfte für bestimmte Ziele einsetzen? Jugendliche, die früher in links- und nun in rechtsradikale oder in pseudoreligiöse "Szenen" abdriften, bewundern gerade, daß es dort Menschen gibt, "die zu ihrer Sache Stehen".

Bevor wir diesen Gedanken der Relation von Kommunikation und Wertesystem wei-terverfolgen, müssen zwei schon mehrfach angedeutete Fragenbereiche vertieft werden: 1. Weshalb gibt es nur wenige Personen oder Institutionen, die professionell kommunizieren? 2. Wo in der modernen Gesellschaft findet diese professionelle Kommunikation statt?



Marketing als professionelle Kommunikation

Die griechischen Sophisten, die römischen Rhetoriker, die Absolventen der Septem Artes Liberales im mittelalterlichen Europa waren für öffentliche Angelegenheiten ausgebildete Menschen. Bildung bedeutete bis ins 19. Jahrhundert vor allem die Entwicklung aktiver Kommunikationsfähigkeiten. Noch im vergangenen Jahrhundert - in manchen Ländern bis ins zwanzigste hinein - war Rhetorik eine fächerübergreifende Schuldisziplin. Ist es ein Zufall, daß mit der Einführung der allgemeinen Schulpflicht eine Wende erfolgte und die Ausbildung aktiver Kommunikationskräfte - also diejenigen des Machens (poein) - ersetzt wurde durch die Lehre eines Verstehens, das die Autorität des Textmachers zu akzeptieren hatte (Hermeneutik)? Ist dies eine Entwicklung von der ehemaligen Mündigkeit weniger zur neuen Hörigkeit aller?

Wenn wirkungsorientierte Kommunikation auf allen Ebenen gesellschaftlichen Lebens nachweisbar ist und wenn Demokratie voraussetzt, daß die Bevölkerung sich zu arti-kulieren lernt, dann ist es wichtig, daß man sich die Dimensionen dieser zielgerichteten Kommunikation klarmacht. Nichts anderes tut nämlich jener Teil der Wirtschaftswis-senschaften, der nicht zufällig "Marketing" heißt. Der Markt als Ort des Aus-tauschprozesses bestimmter Leistungen zwischen Anbietern und Nachfragenden defi-niert Absatz und Beschaffung als sich ergänzende Funktionen. Damit wird die einseiti-ge Perspektive der früheren "Absatzwirtschaft" - die überwiegend an Unternehmens- und damit Anbieterbedürfnissen ausgerichtet war - verlassen zugunsten der modernen Sicht, dem Marketing, welches nicht nur die Absatzstrategie, sondern die gesamte Unternehmensführung vom Nachfrager her konzipiert. So taucht implizit der Gedanke eines wirtschaftlichen Kommunikationsprozesses wieder auf Marketing wurde von Kotler 1972 als "alle Arten zielorientierter sozialer Austauschprozesse" definiert12. Der Objektbereich der alten Absatzwirtschaftslehre erfährt unter diesem Gesichtspunkt eine mehrdimensionale Ausweitung.

Zunächst werden als Marketingsubjekte nicht mehr nur kommerzielle Anbieter be-rücksichtigt, sondern auch öffentliche Unternehmen oder sonstige nicht-kommerzielle Organisationen wie soziale Körperschaften, Kulturinstitutionen, Parteien oder private Haushalte, die alle als Anbietet und Nachfrager von Marktleistungen Marketing be-treiben. In Form des Beschaffungsmarketings erhält somit auch die Nachfragerseite eine aktivere Rolle zugeteilt und wird hierdurch zum Partner des jeweiligen Anbieters.

Diese Auffächerung der Marketingsubjekte ist eng verbunden mit einer Erweiterung der Menge der Objekte von Marketingprozessen. So sind heute nicht mehr nur Verbrauchs- und Gebrauchsgüter Gegenstand des Marketings, sondern auch höherwertige und gleichzeitig meist längerfristig und deshalb seltener beschaffte Investitionsgüter bis hin zu Images von Unternehmen oder Spitzenpolitikern. Auch Ideen wie die der Ökologen zählen hierzu: In Form des Soziomarketings können alle Mitglieder einer sozialen Gemeinschaft beispielsweise dazu aufgefordert werden, sich durch Besinnung auf die gemeinsame ökologische Verantwortung Zukunft zu schaffen.

Der Bereich, den Marketing abdeckt, wird nicht nur durch die handelnden Subjekte und die materiellen oder immateriellen Objekte des Marketings bestimmt, sondern auch durch dessen räumliche Ausdehnung. Auf lokaler Ebene kann Werbung als Instrument des Marketings in Form persönlicher Kommunikation oder - um beim obigen Beispiel zu bleiben - in Form von Rundfunkspots der Metzgerinnung auftreten. Im Rahmen eines "Global Marketing" erstreckt sich Werbung auf den weltweiten Einsatz eines vielsprachigen, vielmedialen, vielfach kodierten Werbermittelmixes.

Wenn Marketing alle Arten zielorientierter sozialer Austauschprozesse umfaßt, dann ist es ein wirtschafts-, rechtsform- und staatssystemneutrales Konzept. Es fußt auf der Annahme, daß öffentliches kommunikatives Handeln erfaßbar und vor allem steuerbar ist, auch bei der Propagierung von Werten. Marketing wird zur Kommunikationsökonomie. Der Marketingspezialist als erweiterte Form des Werbers handelt mit Kommu-nikationsstrategien, die er anbietet, um die Wertvorstellungen der Menschen erfolgreich zur Artikulation und zur Erfüllung zu bringen.

Dies vor allem ist das Neue: Das Ziel, das Gut, der Anbietet, der Adressat, Sprache und Wege der Kommunikation und vor allem die Systeme, in denen diese Konstituenten des Austausches stehen und aus denen heraus sie funktionieren, müssen für künftige Handlungen gefunden, wenn nicht gar erfunden werden. Man analysiert beispielsweise ein Unternehmen, eine Branche, eine Nation im Hinblick auf deren Möglichkeiten im Markt. Dieser umfaßt neben der Absatz- auch die Beschaffungsseite und das weitere Umfeld des Unternehmens. Wo bilden sich durch neue Motivationen und Werte lohnende Zielgruppen? Wie läßt sich dafür ein Produkt konzipieren, das als verbindender Wertträger funktionieren kann? Wo sind die Lieferanten und wie können sie motiviert werden, auf gemeinsame Ziele hinzuarbeiten? Dies alles bedarf großer kommunikativer Leistung, innerhalb derer beispielsweise Fernsehwerbung als poly-funktionales Element eingesetzt werden kann.

Etwas, dem Funktionen und Werte zu Recht oder zumindest erfolgreich zugeschrieben werden können (Marketingobjekt), wird von jemandem, der sich im Hinblick auf eine mögliche Identität entwirft und entwickelt (Marketingsubjekt), im Rahmen einer Palet-te von kommunikativen Aktivitäten (Marketing-Programm) für jemanden so produziert, daß dessen prognostizierten Wert- und Motivationsmöglichkeiten - zur Verbesserung der gemeinsam gewünschten Welt - entsprochen werden kann.

Diese überspitzte Formulierung soll deutlich machen, wieviel Fiktionalität in einem solchen Konzept steckt. Sie beginnt nicht in der Werbung, wo sich in Traumwelten die Zeiten mischen, die Medien durchdringen, alles Denkbare möglich erscheint, sondern bereits in der "Konzeption" aller am kommunikativen Austausch beteiligten Konstitu-enten.

Verkaufen und Kaufen steht demnach im großen Zusammenhang von Produzieren und Konsumieren, und dies wird umfaßt vom kommunikativen Wechselspiel der Gruppen und einzelnen in der Gesellschaft. Sehen wir uns dies vereinfacht in einem Kommunikationsmodell an, in dem keine Unterscheidung zwischen Gütern und Zeichenträgern gemacht wird (vgl. Abb. 25).

Jemand (in Abb. 25 als "Sender" bezeichnet) produziert etwas - ein Produkt, eine Dienstleistung oder eine neue Sicht von Gütern - im Hinblick auf einen Adressaten, den Empfänger seiner Waren oder Botschaften. Das Bild dieses Gegenübers prägt bereits die Sicht des Produzenten. Ist sein Bild von den Zielen und Möglichkeiten des Empfängers richtig, hat er dessen Bedürfnisse oder Nöte erkannt, dann bedarf es eines geringen Aufwandes, um den Gegenstand bzw. die Botschaft auf angemessene Weise zu vermitteln. Die Vorstellung jedoch, daß der mächtige Kommunikator dem Empfänger alles mögliche manipulativ, suggestiv oder gar subliminal "unterjubeln" könne13, hat sich als grundlegend falsch erwiesen. Mag der große Kommunikator die vielen Kanäle der Kommunikation auf Papier, Plakat oder Fernsehschirm noch so aufwendig nutzen, mag er die spezifischen Codes noch so sophistisch gebrauchen, wenn es kein latentes Interesse gibt, wird seine teure Botschaft wirkungslos verhallen.

Dieser optimistischen Sicht entgegen steht die Vision, daß immer weniger Menschen einen immer umfangreicheren Zugriff auf die zur Verfügung stehenden Kommunikati-onskanäle haben werden, so daß die Vielfalt möglicher Botschaften unterzugehen droht und es deshalb zunehmend schwieriger werden könnte, Kenntnis von möglichen Produkt-, Meinungs- oder Werte-Alternativen zu erlangen.

Stellen wir uns zur Illustration erst amerikanische und dann japanische Verhältnisse vor, so wird deutlich, wieviel wir in der medialen Kommunikation noch zu verlieren haben: Wenn man in den USA Fernseh- oder Radiokanäle, die es dort in ungeheurer Fülle gibt, ausprobiert, dann merkt man sofort, daß sie im Grunde alle lediglich Variationen ein und desselben Programms sind, mit derselben Struktur - nämlich als Werbeträger fungibel - und dem gleichen Image vom Empfänger. In weiten Regionen der "mächtigsten Demokratie der Welt" besteht keine Wahl, ja nicht einmal bei größter Anstrengung die Möglichkeit, sich jenseits der herrschenden Informationsströme zu informieren. Und blicken wir gen Osten, dann sehen wir eine Gesellschaft, in der wenige multinationale Giganten Apparate produzieren, die zur Herstellung oder zum Empfang von Informationen dienen, die wiederum in Anstalten bearbeitet und gesendet werden, die eben diesen Giganten gehören, welche aber auch die Objekte, von denen die Rede ist oder für die geworben wird, produzieren, besitzen oder beeinflussen.



Produktion und Konsum der Werbebotschaft
Umsetzung der Marketingziele

Was könnte den Verband der deutschen Tierzüchter e.V. veranlassen, die durch viel-fältige EG-Regelungen angefachte "Überproduktion" von Schweinefleisch zu drosseln und für "naturerzeugtes Fleisch von glücklichen Schweinen" zu plädieren? Nun, zu-nächst einmal das eigene Interesse, den durch die Überproduktion ausgelösten Preis-verfall zu bremsen; dann aber sicher auch die Überlegung, daß eine explizite Berück-sichtigung des wachsenden ökologischen Bewußtseins der (Schweinefleisch-) Konsu-menten auch in anderen Bereichen den eigenen Zielen dienen könnte. Selbstverständ-lich darf Schweinefleisch dann nicht mehr in Plastik verpackt angeboten werden, viel-mehr müssen die Verkäufer vor Ort dazu angehalten werden, die Ware in mitgebrachte Behältnisse der Käufer oder aber - gegen Pfand - in vielfach wiederverwendbare Glas-schalen zu geben. Ein solches Verpackungsverhalten würde den ökologie-orientierten Charakter des Produktes noch unterstreichen. Vielleicht sollte man das "naturerzeugte" Fleisch auch nur im Fachhandel oder in Bio-Läden bzw. in "Reform-und Bio"-Ecken der Fleischabteilungen von Supermärkten anbieten? Auf jeden Fall ist die Metzgerinnung zu kontaktieren und das weitere - eventuell gemeinsame - Vorgehen zu koordinieren- Die Berücksichtigung des Bedürfnisses der Konsumenten nach Fleisch von "glücklichen" Schweinen lohnt, da eine große Bereitschaft besteht, für naturnah erzeugte Waren mehr - und oft sogar sehr viel mehr - zu bezahlen als für industriell gefertigte Massenprodukte. Außerdem hebt ein solches Angebot das Image der jeweiligen Verkäufer und Produzenten.

Das Beispiel soll zeigen, wie eng die verschiedenen absatzpolitischen Maßnahmenbün-del zusammenhängen. Vereinfacht kann das Problem ihrer optimalen Kombination folgendermaßen dargestellt werden:

Die vermuteten, eventuell durch Marktforschung erfaßten Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen der Zielgruppe sind Vorgaben für produktpolitische Entscheidungen der Anbieter: Soll das "naturerzeugte Schweinefleisch" nur von bestimmten alternativen Betrieben bezogen werden? Welche Auflagen müssen gemacht werden, um den Schweinen ein möglichst stress- und chemiearmes Leben zu garantieren? Soll dieses Fleisch mit einem besonderen Markennamen, zum Beispiel als "Naturana", gekennzeichnet werden? Welche Assoziationen löst diese Marke aus? Ist es sinnvoll zu diversifizieren, indem die Innereien "glücklicher" Schweine beispielsweise zu einer hochwertigen Katzennahrung verarbeitet werden? Welche Gefahren birgt eine solche Maßnahme, wenn bekannt werden sollte, daß Menschen- und Katzennahrung aus denselben Quellen stammen? Soll ein besonderer Service geboten werden - etwa eine extensive Aufklärung über den Nährwert von Schweinefleisch, Lieferung frei Haus nach Bestellung oder einiges mehr?

Wie im Beispiel schon angeklungen, stellen all diese produktpolitischen Maßnahmen Orientierungsgrößen der Preis- und Vertriebspolitik dar; deren Ausgestaltung muß wiederum beim Entwurf der Kommunikationspolitik, zu welcher auch Werbung zählt, berücksichtigt werden. Hier gilt es nicht nur zu entscheiden, wie hoch der Werbeetat sein darf oder wie dieser auf verschiedene Werbemittel - also Plakate, Zeitschriftenanzeigen, Radio- und Fernsehspots usw. - zu verteilen ist, sondern auch, wann geworben werden soll, welche "Botschaft" man verkünden will und für welche Aufgaben Werbeagenturen einzuschalten sind.

Eine Beratung durch diese professionellen Werber kann zu einer Neukonzeption des Marketing-Mixes führen - wichtig sind sie aber vor allem in ihrer Funktion als "Kreative", denen man gerne die technische und künstlerische Umsetzung der Marketingideen überläßt. Handelt es sich hierbei etwa um die Produktion eines Fernsehwerbespots, so sollte zunächst das Werbeziel besprochen werden, an dem dann Art und Inhalt des Appells an die Empfänger der "Botschaft" und die mediale Gestaltung des Spots ausgerichtet werden. Möglicherweise muß noch Marktforschung betrieben werden, zum Beispiel um festzustellen, wer in welchen Situationen "naturerzeugtes Fleisch" kauft bzw. zu sich nimmt. Ferner kann getestet werden, ob die Einschätzung der Qualität des Fleisches besser wird, wenn man es als "Fleisch glücklicher Schweine" kennzeichnet und vieles mehr.

Hat man sich schließlich entschieden, das Produkt als Beitrag zu einer Erhöhung der Lebensqualität zu offerieren und will diese höhere Lebensqualität im häuslichen Be-reich darstellen, dann könnte der Fernsehspot eine harmonische Familie zeigen, in der der Vater mit seinen Kindern musiziert. In den Handlungsablauf der Story bettet man positive Emotionen wie Freude, Entspannung und Sicherheit, was die Zufriedenheit der Familienmitglieder mit ihrer Lebenssituation - zu der auch der Genuß von "naturerzeugtem Schweinefleisch" gehört - widerspiegeln soll.

Es ist schwer, diese Botschaft in Worte zu kleiden. Deshalb könnte man den Anregungen der Wissenschaftlerin Bekmeier folgen und versuchen, sie nonverbal abzubilden14. Neben dem üblichen Drehbuch wäre somit auch ein Kriterienkatalog zu entwerfen, der den charakteristischen nonverbalen Ausdruck jeder darzustellenden Emotion enthält. Gute Schauspieler werden sich nicht an diesem Katalog orientieren müssen, er mag aber für die Kontrolle der Filmaufnahmen und für Werbewirkungsanalysen wichtig sein. Und so flimmert über die deutschen Bildschirme eine Geschichte, deren Kurzfassung vielleicht in Illustrierten bunt gedruckt erscheint und deren Wirkung auf die Adressaten nicht nur vom Verband der deutschen Tierzüchter e.V. oder von der beauftragten Werbeagentur, sondern auch von Medienwissenschaftlern untersucht wird.



Zur Wirkung der Werbung

Kommunikation ist ein Tun besonderer Art. Es kann dem Menschen Zeit und Raum für primäre Erfahrungen entziehen, d.h. für jene Lebensvollzüge, die man Praxis nennt. Alle Vermögen des Menschen - die sensomotorischen, emotionalen und kognitiven -bedürfen einer spezifischen Art von Verwirklichung, um sich auszubilden und zu wachsen. Seit der Renaissance jedoch transformiert unsere Art der Zivilisation das unmittelbare praktische Handeln zunehmend in ein dominant symbolisches Handeln15. Wird diese Transformation noch durch eine Vielzahl technischer Mittel und Mittler gefördert, so muß im Kommunikationsprozeß selbst ein Ersatz für unmittelbare Wahrnehmungen, Erfahrungen, psychische Anstrengungen und Erlebnisse geschaffen werden. Das durch Kommunikationsprozesse ausgelöste komplexe innere Handeln nennen wir Sympraxis. Dieses Konzept wurde in den letzten zehn Jahren in der Literaturästhetik entwickelt16. Als einer von drei Zeichenaspekten steht Sympraxis nicht im Gegensatz zur darstellenden, referentiellen Funktion von Zeichen, die wir, der aristotelischen Tradition folgend, Mimesis nennen; beide Aspekte entfalten sich erst durch eine spezifische Strukturierung des Zeichenprozesses, den Diskurs. Schon lange ist bekannt, daß unsere zeichenvermittelte Vorstellung der Welt, die Mimesis, und deren Ordnung durch Diskursstrukturen unsere Wirklichkeitserfassung und -auffassung prägen17; der Einfluß von Sympraxis auf unser Handeln wurde bislang jedoch nicht systematisch untersucht.

Die dominanten Werte der Gegenwart entwickeln sich in kommunikativen Praxen, und eine davon ist Werbung. Daß diese zunehmend ästhetischer gestaltet wird, ist kein Zufall: Werbung ist teuer. Sie will in knapper Zeit viel und viele erreichen. ihre Wirkung kann gesteigert werden, wenn man die Adressaten veranlaßt, selbst etwas zum jeweiligen Kommunikationsprozeß beizutragen. Wenn die "Rezipienten" mitdenken und -fühlen, Schlüsse ziehen, sich etwas vorstellen oder sich erinnern, dann braucht all dies nicht in Sprache, Bild oder Ton ausgeführt zu werden. Gleichzeitig ist die Wirkung der Werbung um so höher, je länger, intensiver und bewegender die Botschaft im Adressaten lebendig ist und bleibt.

Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, daß das Ästhetische, das aus dem Spannungsverhältnis von Mimesis, Diskursstruktur und Sympraxis erwächst, ein Wirkstoff ist, der - neben anderen Verwendungsmöglichkeiten - auch zur Erhöhung der Werbeeffizienz eingesetzt werden kann. Worin zeigt sich eigentlich die zunehmende Ästhetisierung der Werbung? In der Übernahme erfolgreicher ästhetischer Modelle aus den Bereichen der Literatur, der Bildenden Kunst, des Films und der Musik? Ästhetisch ist zunächst alles, was als bekannte Kunstform wiedererkannt werden kann; ästhetisch ist auch, was gefällt, was Augenweide und Ohrenschmaus sein kann, was das Wasser im Mund zusammenlaufen oder das Herz schneller schlagen läßt. Im Kontext des Prager Strukturalismus beschrieb Bühler die entsprechende anthropologische Grundlage als Funktionverlust18 und nahm insofern eine Position gegen Freud ein. Das Gehör beispielsweise entwickelt sich mit Geräuschen, Klängen und ihren Nuancen. Wenn die Technik es nun ermöglicht, jede Feinheit des gutturalen Schmelzes einer Stimme oder eines Tones zu verfolgen, so erfahren wir uns als aufnahmefähig für diese Musik, als jemanden, der so etwas Schönes zu vernehmen imstande ist - und erahnen noch ganz andere Vermögen, die wir uns über unsere Sinnlichkeit erschließen könnten.

Ästhetisch ist, was solche Vermögen aufbaut und entwickelt. Grundlage der Ästhetik ist das Wahr-Nehmen (aisthesis). Dies ist wörtlich zu verstehen: Wenn etwas, bei-spielsweise ein Fernsehwerbespot, intensiv auf die Sinne wirkt, dann wird die Stärke dieses Eindrucks leicht als Garant für die Wirklichkeit der im Spot dargestellten Welt genommen. Die ästhetische Gestaltung kann also auch dazu beitragen, die Botschaft glaubhafter und verständlicher zu machen19, wobei dieser Effekt noch dadurch ver-stärkt wird, daß der Adressat mittels seiner sympraktischen Leistungen selbst aktiv zum Kommunikationsprozeß beiträgt.

Werbung ist immer mit einem Appell des Senders an den Empfänger verbunden. In Abhängigkeit vom Inhalt und von der Art des Appells unterscheiden wir vier Typen von Werbung (vgl. Abb. 27).

Dem Idealtyp 1 liegt ein recht einfach strukturiertes Bild vom Adressaten zugrunde, der, zur Behebung eines Mangels, auf den ihn der seriöse Anbieter aufmerksam macht, dieser Notwendigkeit folgt. Entsprechend simpel ist auch die mediale Gestaltung der Botschaft. Wenn der Empfänger aber als erfahrene, intelligente und mündige Person gesehen wird, dann muß auch der Appell des Senders anspruchsvoller umgesetzt werden und Sympraxen bieten. Während der Werbetyp 1 also platt und direkt zum Kauf auffordert, offeriert Idealtyp 4 dem Empfänger als gleichberechtigtem Partner im Kommunikationsprozeß den Genuß eines Spiels, die Entfaltung eigener Vermögen und kann hierbei sogar den Werbeprozeß selbst thematisieren und stilisieren oder parodieren: Der Held des Fernsehwerbespots preßt das Gesicht gegen die Mattscheibe und bittet die Zuschauer um einen Teller voll "naturerzeugten Schweinefleisches".

Die kommunikative Kooperation zwischen Sender und Empfänger läßt ein immer hö-heres Niveau wechselseitiger Übereinstimmung entstehen, da die Voraussetzungen einer kompetenten Rezeption der Werbebotschaft während des Kommunikationspro-zesses gelernt und immer wieder verfestigt werden. Medien wirken autodidaktisch. Man kann deshalb die These aufstellen, daß zum Beispiel das Fernsehen die Bedingungen selbst lehrt, unter denen es zu betrachten ist, ferner: daß auch die Werbung lehrt, wie sie zu sehen ist. Der ästhetische Genuß von Werbung beinhaltet eine Schulung der Sinne an den Produkten der medialen Welt. Besonders leicht fällt dies bei jenen preisgekrönten Werbespots, die man sich, beispielsweise als "Cannes-Rolle", gesammelt im Kino ansehen kann.


Typen von Werbung

1

2

3

4

Appell des Senders:

  • Anspruch des Senders



  • Aufgabe des Empfängers

Aufforderung zum Kauf

Gehorsam:



einer Notwendigkeit folgen

Aufdeckung von Wünschen





Einsicht:

eine Vorstellung

realisieren

Sozialisation von

Verhalten





Integration: mit Nachahmenwertem identifizieren

Entwicklung von Kompetenz





Leistung: eigene Vermögen entfalten

Art des Appells:

  • Beziehung zum Empfänger



  • Sender als

Autorität unterweist Bedürftige





seriöse Stimme

Fachkompetenz instruiert Lernwillige



technischer Mittler

Vorbild initiiert Nachwuchs





künstlerischer

Intendant

Partner unterstützt Partner



kreativer Kom-

munikator

Inhalt des Appells:

  • bezüglich Werbeobjekt







  • bezüglich Adressat

technische, ästhetische, Qualität







Behebung von Mangel

Bezug der Gütereigenschaften zu körperlichen und emotionalen Bedürfnissen



Lösung eines

Problems

Gut als Teil der Wertekonfiguration eines Lebensstils





Deutung eines Erfahrungsraums

Einbindung des Gutes in das Selbstwertgefühl des Adressaten





Genuß eines Spiels

Mediale Gestaltung:

  • dominante Codes



  • Art der Verknüpfung

Sprache (in Ton und Text)



bebilderte Radiosendung

Sprache, Bilder, Musik



illustrierende bewegte Bilder; Integration anderer Werbegenres

Bilder, Musik





Komposition verschiedener Genres; Raffung, Stilisierung, Parodie

(Computer-) Bilder



Thematisierung der Genreinnovation



Deshalb darf es nicht verwundern, wenn Kinder und Jugendliche, die von klein auf mit Medien umgehen, eine höhere Medienkompetenz aufweisen als beispielsweise Sechzigjährige. Ein deutscher Jugendlicher hat im Laufe seines Fernsehlebens etwa dreihunderttausend Werbespots gesehen. Als Prototyp der meisten audiovisuellen Genres werden Fernsehspots immer aufwendiger und anspruchsvoller gestaltet; sie entwickeln sich zu kurzweiligen Miniaturerzählungen, die auch in anderen Medien öfters ausschnitthaft wiederholt werden. So lernt man in der Fernsehschule der Nation in immer kürzerer Zeit immer mehr wahrzunehmen, wobei sich niemand daran zu stören scheint, daß die ästhetischen Gestaltungsmittel für beliebige Themen - also für Schweinewürstchen genauso wie für Politik - eingesetzt werden können. Die Medienkompetenz Jugendlicher zeigt sich etwa darin, daß sie schon feine ironische Anspielungen verstehen - was immer eine Metakompetenz voraussetzt. Sie entsteht, wenn sich der Adressat der Botschaft frei zum großzügigen Einsatz seiner Fähigkeiten und Erfahrungen entschließt und sich zum Co-Autor machen läßt - wie dies schon Sartre in den ersten beiden Kapiteln seines Buches "Was ist Literatur?"20 ausführt.

Entscheidend an der Werbung ist folglich nicht nur das, was sie nach Vermittlung der Botschaft noch bewirken soll, nämlich den Kauf eines Gutes oder die Veränderung von Einstellungen; wichtig ist auch die Art und Weise, wie sie das mediale Leben und die Kommunikationsprozesse prägt: Insbesondere audiovisuelle Werbung entwickelt lustvoll das Bedürfnis nach einer immer ästhetischeren Kommunikationskultur. Das ist ihr autopoetischer Effekt.

Die Erfassung der ökonomischen Werbewirkung, zum Beispiel in Form einer Steigerung des Umsatzes des beworbenen Gutes, ist schwierig, da Werbung nur ein Faktor unter vielen ist, der auf den Umsatz wirkt. Lediglich in abgeschlossenen Testmärkten, wie beispielsweise Berlin früher einer war, können zeitliche und sachliche Zusammenhänge zwischen bestimmten Marketingaktionen und nachfolgenden Umsatzänderungen postuliert und gemessen werden. Deshalb beschränkt man sich auch in der Marketing-forschung vielfach auf die Erfassung der außerökonomischen Wirkungen von Werbung und versucht, über Experimente und Befragungen festzustellen, wie bekannt die beworbene Marke ist, an welche Elemente der Werbebotschaft sich die Adressaten erin-nern können, was und wieviel sie über das Gut wissen, ob Kaufinteresse besteht u.v.m.



4.2.5.2. Medienpädagogisch-praktischer Teil


Werbung als Lehr- und Lernmittel

Wenn die These richtig ist, daß Werbung immer raffinierter wird, immer höhere An-sprüche an die Empfänger stellt und somit - zum Beispiel als Fernsehwerbung - die Fernsehkompetenz der Zuschauer hebt, dann ist es nicht schwer, diesen die Instrumen-tarien der Gestaltung und die Austauschbarkeit der Werbebotschaften deutlich zu machen. Die zeichengeleitete Kooperation bei der "Rezeption" von Fernsehwerbespots - die Sympraxis - kann zu einer neuen, alternativen Praxis führen, wenn man an die Funktionslust der Menschen glaubt und ihre Verwirklichung fördert.

Ermöglicht wird dies gerade durch jene Apparate, deren sich die Kreativen ununter-brochen bedienen. Hätten die Dadaisten oder Surrealisten Kopierer gehabt, so hätten ihre Phantasien noch mehr Purzelbäume schlagen können! Wir Schüler, Studenten oder scholares verfügen aber über solche Apparate und Techniken. Wie alle künstlichen Gedächtnisse laden mehrspurige Recorder zur Aufnahme von Musik und Videobildern - über die Sechzehnjährige oftmals schon in ihrer Rockgruppe verfügen - zum manipulativen Umgang ein. Wie in den asiatischen Kriegskünsten - also zum Beispiel im Judo oder Aikido - könnten wir die Heftigkeit, mit der die werbenden Botschaften auf uns einstürmen, durch lustvolle kleine Veränderungen dazu benutzen, daß sie sich selbst entlarven, "aufs Kreuz legen", ad absurdum führen oder daß sie umgekehrt zeigen, was wirklich an Positivem in ihnen steckt. Bereits 1970 diagnostizierte Enzensberger21, daß jedes hochtechnologische Werkzeug bereits seine subversive Nutzung in sich birgt - dies wußte auch schon Luther. Nutzen wir die Respektlosigkeit, die oft in der jungen Generation beklagt wird, und münzen diese Schwäche in eine Stärke um: Sie ist eine Folge der Sozialisation durch das Fernsehen und kann dazu benutzt werden, die Verfahren und Mittel des Mediums aufzudecken.

Dem ganzheitlichen Anspruch von Werbung und dem dahinterstehenden Marketing kann nur entsprochen werden, wenn der schulische Umgang damit ebenso ganzheitlich ist. Über Werbespots lernen Schüler klassische Musik kennen, sie haben Erfahrungen in der Manipulation von Geräuschen oder Stimmen und sie spielen gerne mit Apparaten. Ansätze des Musikunterrichts lassen sich projektiv verbinden mit entsprechendem Vorwissen aus dem Kunst-, dem Sach- oder dem Deutschunterricht. Die Fähigkeit zu unterscheiden, zu differenzieren, zu analysieren, sich zu distanzieren etc. wird der Gefahr zunehmender Passivierung entzogen, wenn die komplementären Fähigkeiten des Zusammenfügens, der Synthese und des Engagements gefordert werden. Und genau dies entspricht der obenzitierten Funktionslust. Wenn ein wunderschöner Fernsehspot der Kfz-Werbung augenfällig macht, daß pro Auto 30 % weniger Kraftstoff verbraucht und 30 % weniger Schadstoffe ausgestoßen werden, dann kann eine kleine Gegenfrage zur Aktion einladen: "Was bedeutet das, wenn gleichzeitig 30 % mehr Autos im Verkehr sind?"

Jugendliche sind vom Marketing schon lange als lohnende Zielgruppe entdeckt worden - wegen ihres zunehmend größeren finanziellen Potentials und weil man weiß, daß sich eine Investition in diese Zielgruppe später immer wieder auszahlt. Die Bedürfnisstruktur Jugendlicher kann noch beeinflußt werden. Genau dies ist aber auch die Chance der Schule, wenn sie der spielerischen Artikulation von Bedürfnissen Raum gibt und wenn auch sie sich technologischer Kommunikationsmittel bedient, um die verschiedensten Motive sichtbar werden zu lassen. Nicht die Leugnung eines gesellschaftlichen Wertes, sondern seine selbständige Durchdringung macht Spaß.

Dies wollen wir am Beispiel der "Mobilität" zeigen: Eine gute Reisevorbereitung gehört bereits ebenso zur Lust der Reise wie ihre Erinnerung. Man macht Fotos oder Filme - um sich nicht ohne Unterstützung erinnern zu müssen, um vergessen zu dürfen - und löscht damit das Gedächtnis aus! Reiselust kann dagegen aber auch als Mittel des Erinnerns entfaltet werden, indem Schüler sich Kataloge, Spots oder Filme zu allen möglichen eigenen "Reisen" montieren. Hierbei wird klar, daß Bedürfnisse ihre Geschichte haben. Die Produkte der Werbung sind instrumentalisierbar, verwendbar für den Entwurf eigener Geschichten. Werbung enthält bereits - en miniature und deshalb besonders konzentriert - alle möglichen differenzierbaren Haltungen der Menschen: die märchenhaften Genüsse der Trauminseln, die sagenhaften großen Familiendynastien oder die legendären Lebensformen der Stars, deren eine nicht zufällig "Madonna" heißt. Genauso können Fernsehwerbespots Elemente und Struktur von Kriminalgeschichten oder Science Fiction aufweisen.

Diese Formen des Umgangs mit der Wirklichkeit lehrt Werbung, wobei ihre qualitative Verdichtung und quantitative Massierung in allen Medien nicht nur zu Überladung, Karikatur und Satire führt (was aufgegriffen, analysiert und für eigene Zwecke geübt werden kann), sondern auch einen ungeheuren Anspruch auf Raum und Zeit beinhaltet. Man denke nur an die Vielzahl der Werbespots in den "freien", d.h. nicht öffentlich-rechtlichen Beschränkungen unterliegenden, Fernsehsendern. Jene "große Freiheit" entlarvt sich für jeden als Illusion, der die Wirklichkeit der Zeit-, Raum- und Ausdrucksnot junger Menschen kennt.

Dies sei an einem letzten Beispiel verdeutlicht: Hat man, zum Beispiel über Werbung, verstanden, daß Reisen und das Einrichten einer Wohnung und Parties mit dem schönen anderen Geschlecht und Auto, Essen, Schlankheit, Einsamkeit verwirklicht werden wollen, dann drängt sich die Not dieser fiktionalen Freiheit auf: Man muß wählen und Präferenzen setzen! Selbst wenn man beispielsweise weiß, was gekauft werden soll, muß noch abgewägt werden, ob der Preis oder die Qualität dieses Gutes wichtiger ist. Qualität hat ihren Preis, und schon die Vielzahl und Vielartigkeit der Verkaufsstätten macht es notwendig, eigene Entscheidungskriterien für das Einkaufsverhalten zu entwickeln. Präferiert man den Einzelhandel, etwa die "Tante-Emma"-Läden, wegen des dort noch möglichen persönlichen Gesprächs und der besseren Beratung, oder kauft man lieber im billigeren, schnelleren Kaufhaus ein? Will man sich noch weiter vom direkten, durch persönliche Kontakte und vielfältige Kommunikationsmöglichkeiten geprägten Marktgeschehen entfernen und anhand eines Versandhauskataloges und Telefon, Fax oder BTX jederzeit Waren anfordern?

Es ist bekannt, daß junge Leute immer mehr Freizeit vor dem Fernseher, mit dem Ra-dio oder dem Walkman verbringen. Sie werden später zum großen Teil mit Computern arbeiten. Diese Medienwirklichkeit zu leugnen wäre töricht. In der ersten Medienkritik des Abendlandes fragt sich Sokrates in Platons Phaidros, ob man die Erfindung der Schrift verdammen sollte, weil sie für viele Menschen die Praxis des Erinnerns zerstört. Während der alte Platon in seinem autoritären Entwurf des Staates für das Verbieten der Künste (und Medien) eintritt oder zumindest die schärfste Kontrolle vorsieht, hatte sein großer Lehrer eine andere Antwort: Wie wäre es, wenn man die Texte so schreiben würde, daß sie im Empfänger nur wie Samen wirken können und von diesen selber befruchtet und zum Wachstum gebracht werden müssen? Wenn wir umgekehrt in der Situation stehen, wo gleichsam die Kommunikationslandschaft überdüngt ist und alles Mögliche und Unmögliche ins Kraut schießt, könnte man dann nicht mit sokratischer List ebenso fragen: Wie wäre es, wenn man die Überangebote so zu bearbeiten lehrte, daß die Empfänger die Energien für ihre eigenen Ziele nutzen und damit ihre Selbständigkeit und Selbstverantwortlichkeit entwickeln?



Zusätzliche Literaturangaben:

Kloepfer, R. & Landheck, H. (1991): Ästhetik der Werbung. Der Fernsehspot in Europa als Symptom neuer Macht. Frankfurt am Main: Fischer.

Arbeitswelt Werbung:

Weeser-Krell, L. M. (1987). Das Arbeitsfeld Werbung. Berufe - Ausbildung - Einsatz. Franfurt am Main.

Kommunikationstheorie:

Habermas, J. (1981).Theorie des kommunikativen Handelns (2 Bd.). Frankfurt am Main.

Kontexte der Werbung:

Nerdinger, F. (1990), Lebenswelt "Werbung". Eine sozialpsychologische Studie über Macht und Identität. Frankfurt am Main.

Lebensstil:

Banning, T. E. (1987). Lebensstilorientierte Marketing-Theorie. Analyse und Weiterentwicklung modelltheoretischer und methodischer Ansätze der Lebensstilforschung im Marketing. Heidelberg.

Leicht veraltetes Nachschlagewerk:

Tietz, B. (Hrsg.). (1982). Die Werbung. Handbuch der Kommunikations- und Werbewirtschaft (Bd. 3). Landsberg.

Marketing:

Nieschlag, R., Dichtl, E. & Hoerschgen, H. (1985). Marketing (10. Aufl.). Berlin.

Massenkultur:

Eco, U. (1984). Apokalyptiker und Integrierte. Zur kritischen Kritik der Massenkultur. Frankfurt am Main.

Psychologische Fragen:

Beeskow, W., Dichtl, E., Finsk, G. & Midler, S. (1983). Die Bewertung von Marketing-Aktivitäten In M. Irle (Hrsg.), Methoden und Anwendungen in der Marktpsychologie, Enzymklopädie der Psychologie (DII 5, S. 483-674). Göttingen.

Systemtheoretische Kommunikationsforschung:

Luhmann, N. (1987). Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt am Main.

Werte:

Graumann, C.F. & Willig, R. (1983). Wert, Wertung, Werthaltung. In H. Thomae (Hrsg.), Theorie und Formen der Motivation. Enzyklopädie der Psychologie (C IV 1., S. 312-377). Göttingen.



Zur Planung der Unterrichtseinheiten

Werbung setzt planmäßig Menschen, Medien, Techniken ein, um die Empfänger ihrer Botschaften für ihre Objekte einzunehmen. Sie erschließt Märkte, indem sie Markt-transparenz schafft, also beim Käufer Kompetenz bewirkt. Märkte sind Orte, an denen sich Menschen über Bedürfnisse und deren Befriedigung, über Werte verständigen und damit motiviert werden, Vermögen einzusetzen (vgl. Kloepfer & Landbeck, 1991, S. 211f).

Aber Werbung informiert nicht nur über die Anbieter, Güter, Leistungen und Preise. Eine Ware, eine Leistung, denen ein Wert zu Recht oder zumindest mit Aussicht auf Erfolg zugeschrieben werden kann, werden durch Werbestrategien im Rahmen einer Palette kommunikativer Aktivitäten so dargestellt, daß sie dem Käufer praktischen Nutzen, Genuß, Lebensfreude, unter Umständen die Verbesserung seiner individuellen oder gesellschaftlichen Lebenschancen verheißen (Werbedesign). Werbung weckt Be-dürfnisse, die dem künftigen Konsumenten vorher nicht bewußt waren, sie begründet im Falle des Erfolgs unter Umständen gesellschaftliche Werte, prägt Verhalten, indem sie im Wechselverhältnis von Produzieren und Konsumieren platte Wirklichkeit traumhaft überhöht, ihre Objekte interessant macht, zuweilen ästhetisch verklärt (Schenk, Donnerstag & Höflich, 1990, S. 54f)-

Werbung "manipuliert" also, wenn man voraussetzt, daß gelungene Mitteilung beim Adressaten immer Veränderung bewirkt. Wo sie zu überzeugen, zu motivieren, zu überreden versucht, ist sie sehr nahe bei den Grundzielen von Kommunikation überhaupt (vgl. Schenk et al., 1990, S. 131f; Hunziker, 1988, S. 72ff.).

Gefährlich werden kann Werbung nur dem, der diese Funktionen, auch ihren hohen Spielcharakter, nicht durchschaut. Wer sich, wenn möglich durch Medienarbeit, kundig gemacht hat, kann Werbebotschaften zu kritikgeleiteter Orientierung benutzen, er kann sie, wo sie es verdienen, als ästhetische Aussagen genießen, sich durch Spielmomente amüsieren lassen - viele dieser Botschaften kann er übergehen oder gleich wieder vergessen. Dem kritischen Konsumenten schleifen sich monotone Wiederholungen, die konditionieren sollen, kaum ein: Sie wecken im Gegenteil Skepsis und erzeugen Widerstand (vgl. Schenk et al., 1990, S. 99-129).

Wenn es richtig ist, daß Werbebotschaften nur sachgemäß verarbeiten kann, wer sich durch eigene Medienarbeit kundig gemacht hat, dann waren die Unterrichtseinheiten zum Themenschwerpunkt "Werbung" nach folgenden Zielvorstellungen zu planen: Sie müssen Schülerinnen und Schillern - gestützt auf die Erkenntnisse der Wahrnehmungs- und Entwicklungspsychologie (s. Kap. 4. 1.) - in praktischer Medienarbeit erschließen,

Auf keinen Fall dürfen Unterrichtseinheiten zum Thema "Werbung" unter einen engen medien-fundamentalistischen bzw. zivilisationskritischen Aspekt gestellt werden, etwa unter das Schlagwort "Werbung lügt!". Diese Tendenz ist bei Lehrerinnen und Lehrern leider immer wieder zu beobachten.

Auch der Umgang mit Werbebotschaften soll bei Schülerinnen und Schülern im lustbe-tonten medienpraktischen Experiment kreative Kräfte erschließen.

Vorbereitende Unterrichtseinheiten zum Themenschwerpunkt:

Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

FFK 03

D/BK

"Welche Farbe paßt zu welchem Wort?"


Vis.Ged.

65

FFK 05

BK/D

"Ein Bild nur mit schönen Farben"


Ausdr.f, Visualis.

67

FFK 09

BK/D

"Bilder aus dem Gedächtnis beschreiben"

Vis.Ged., Wortgel.,

Ausdr.f

71

FFK 10

BK/D

"Trockener und kühler Garten"

Wortgel., Ass.gel.,

Vis.Ged., Ausdr.f,

Spont.Fl., Original.

72

FFK 13

BK

"Farbkärtchen zu Stimmungssätzen legen"

Ass.gel., Spont.Fl.,

Visualis.

77

FFK 15

D/BK/

HUS

"Verkehrszeichen"

Visualis.

80

FFK 18

BK

"Wenn die Farbe fehlt"


Vis.Ged., Visualis.

83

FFK 21

BK/D

"Verkleiden"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.FI., Original.,

Visualis.

86

FFK 22

BK

"Wir verändern einen Raum mit Licht"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.FI., Original.,

Visualis.

87

FFK 23

SP/M

"Wörter durch Körperbewegung darstellen"


Spont.M., Visualis.

88

FFK 25

BK/D

"Wörter mit Farbstiften malen"

Ass.gel., Vis.Ged.,

Spont.Fl., Visualis.,

Evaluat.

90

FFK 26

D/M

"Mein Lieblingsspielzeug"


Ausdr.f

91

FFK 28

M/D

"Klänge zu Gefühlen"

Adapt.Fl., Original.,

Aud.Ged., Spont.Fl.

93

FFK 32

D

"Musiken für verschiedene Filmtypen"

Evaluat., Adapt.Fl.,

Aud.Ged.

98

FFK 34

M/BK/D

"Geräusche malen"

Ass.gel.

100

FFK 39

BK/D/

M

"Videofilm zu einer Geschichte"

Ass.gel., Aud.Ged.,

Ausdr.f, Evaluat.,

Original., Spont.Fl.,

Visualis.

107


Nr.

Fächer

Titel

Kreativitätsfaktor n.G.

Seite

WB 01

D/BK/

HUS

"Was fällt euch beim Wort 'Werbung' ein?"

Ausdr.f, Wortgel.,

Ass.gel., Ausdr.f,

Evaluat.


245

WB 02

D/BK/

HUS

"Wer wirbt wie?"

Vis.Ged., Aud.Ged.,

Evaluat., Ausdr.f


246

WB 03

D/BK/

HUS

"Wie man auf Werbung reagiert"

Vis.Ged., Aud.Ged.,

Ausdr.f


247

WB 04

D/BK/

HUS

"Wir machen Werbung I"

Wortgel., Ass.gel,

Adapt.Fl., Original.,

Evaluat.


248

WB 05

D/BK/

HUS

"Wir machen Werbung II"

Wortgel., Ass.gel,

Adapt.Fl., Original.,

Evaluat.


250

WB 06

D/BK/

HUS

"Wir machen Werbung III"

Wortgel., Ass.gel,

Adapt.Fl., Original.,

Evaluat.


251

WB 07

D/BK/

HUS

"Wir machen Werbung IV"

Wortgel., Ass.gel,

Adapt.Fl., Original.,

Evaluat.

252


Fächer


Unterrichtseinheit

WB 01

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Was fällt euch beim Wort 'Werbung' ein?" -

Funktion von Werbung.


Ausdr.f


üz:

Reflexion, Artikulation.




GZ:

Kette "Werbeträger - Produkt - Käufer"

erkennen können.




FZ:

Persönliche Reaktionen auf Werbespots reflektieren und verbalisieren können.




Beschreibung:

Brainstorming zum Thema "Werbung". Die Sch. zeichnen, was ihnen zu "Werbung" einfällt. Besprechung der Zeichnungen: Was wurde gezeichnet? Warum gerade diese Assoziation? Welche Gedanken und Gefühle löst das aus?

Während des Gesprächs ordnet L. die Aussagen der Kinder an der Tafel in drei Rubriken: Werbeträger - Produkt - Käufer(Ziel-)gruppe. Das Ordnungsprinzip sollen die Kinder selbst erkennen und angeben, an welche Stelle ihre Antworten gehören. Die Begriffe werden schließlich offengelegt und im Gespräch geklärt. Die Zeichnungen bieten eine gute Möglichkeit, den aktuellen Stand der Werbungsrezeption und die speziellen Verhaltens- und Reaktionsweisen der Klasse kennenzulernen.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Einzelarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

-






Rückgriff auf

vorherige UE:

-






Weiterführung:

-



Fächer


Unterrichtseinheit

WB 02

Kreativitäts-faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Wer wirbt wie?" - Werbedesign.

Vis.Ged.

Aud.Ged.


üZ:

Audition, Observation, Reflexion, Artikulation.

Evaluat.

Ausdr.f


GZ:

Die drei unterschiedlichen Werbeträger, ihre Zielrichtungen und Wirkungsmöglichkeiten erkennen können.




FZ:

Die Besonderheiten von visuellen, auditiven und audiovisuellen Werbeträgern unterscheiden können.




Beschreibung:

Die Sch. stellen mitgebrachtes Werbematerial vor. Dabei werden an der Tafel Stichworte entsprechend den drei Gliedern der Werbekette notiert (vgl. WB 01). Die Rubrik "Werbeträger" wird nun nach den Medienkanälen in drei Rubriken unterteilt:

Hören: Radio, Lautsprecher, Marktschreier, Straßenspieler.

Sehen: Zeitung, Zeitschrift, Plakat, Prospekt.

Hören und Sehen: Fernsehen, Film, Theater.

Dazu werden die Fachausdrücke eingeführt: auditiv (akustisch), visuell (optisch), audiovisuell (optisch-akustisch).

In drei Gruppen wählt und interpretiert die Klasse einen Werbespot für eines der drei Medien.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-, Tonkassetten-, Videowiedergabe, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Werbematerial.




Rückgriff auf

vorherige UE:

WB 01: "Was fällt Euch beim Wort 'Werbung' ein?"




Weiterführung:

Dieser Unterrichtsteil ist eine Vorübung für die spätere Gestaltung eines Werbespots.


Fächer


Unterrichtseinheit

WB 03

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Wie man auf Werbung reagiert"

Vis.Ged.

Aud.Ged.


üZ:

Audition, Observation, Reflexion, Artikulation.


Ausdr.f.


GZ:

Den Zweck von Werbung erkennen können.




FZ:

Eigene Reaktionen auf Werbung durchschauen und artikulieren können.




Beschreibung:

Aufforderung an die Masse, ein "besonders gutes" Beispiel von Werbung aus dem mitgebrachten Material herauszusuchen.

Gespräch: Was ist das Gute, das Besondere, an dieser Werbung? Was spricht uns besonders an? Was wird über das Produkt ausgesagt? Brauchen wir es? Haben wir den Wunsch, es zu kaufen?

Die Analyse wird an der Tafel festgehalten.

Um den Kindern ihre Reaktionen wirklich bewußt werden und sie reflektieren zu lassen, ist es wichtig, den Spaß am Sehen und Hören der Werbung zuzugeben und von der Aufforderung zum Kauf zu trennen, die immer gesondert reflektiert werden muß.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-, Tonkassetten, Videowiedergabe, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Werbespots aus Funk und Fernsehen, Material aus Zeitungen und Zeitschriften.




Rückgriff auf

vorherige UE:

WB 02: "Wer wirbt wie?"






Weiterführung:

Dieser Unterrichtsteil ist eine Vorübung für die spätere ausführliche Gestaltung eines Werbespots.




Fächer


Unterrichtseinheit

WB 04

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

RUS

Thema:

"Wir machen Werbung I"

Wortgel.

Ass.gel.


üZ:

Medienproduktion.

Adapt.Fl.

Original.


GZ:

Kenntnisse über medienspezifische Werbung und Werbewirkung umsetzen können.


Evaluat.


FZ:

Werbespots gestalten können.




Beschreibung:

L. diskutiert mit der Klasse Thema und Werbeziel/Adressaten eines zu produzierenden Werbespots.

Produktionsgruppen: Texter/Drehbuchautor, Komponisten, Schauspieler, Kameraleute, Beleuchter, Maskenbildner, Ausstattet, Tontechniker.

L. erklärt die Funktion der einzelnen Arbeitsgruppen- Die Kinder finden sich zu den Aufgabenbereichen zusammen.

Die Drehbuchgruppe bekommt den Auftrag, ein Rohdrehbuch (Storyboard) zu entwerfen.

Die Komponisten sollen im Zusammenhang von Werbethema, Werbeziel und Adressaten entweder Melodien auf eigenen Instrumenten entwerfen oder passende Musikkassetten, CDs auswählen (FFK 28, FFK 32). Kameraleute, Beleuchtet, Maskenbildner, Ausstatter entwerfen Rohkonzepte der Hintergründe, Masken, Kostüme, Lichteffekte, Kameraperspektiven (FFK 13, FFK 27). Die Tontechniker diskutieren Raumcharakteristiken bei den Sprachaufnahmen, Halleffekte und Geräusche.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Einzelarbeit, Gruppenarbeit.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Tonkassetten.




Fächer


Unterrichtseinheit WB 04

(Fortsetzung)

Kreativitäts-

faktor n. G.


Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 13: "Farbkärtchen zu Stimmungssätzen"

FFK 27: "Fernsehansage"

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"

FFK 32: "Musiken für verschiedene Filmtypen"




Weiterführung:

WBO5:"WirmachenWerbungII"

WB 06: "Wir machen Werbung III"

WB 07: "Wir machen Werbung IV"



Fächer


Unterrichtseinheit

WB 05

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Wir machen Werbung II"

Wortgel.

Ass.gel.


üz:

Medienproduktion.

Adapt.Fl.

Original.


GZ:

Kenntnisse über medienspezifische Werbung und Werbewirkung umsetzen können.


Evaluat.


FZ:

Werbespots gestalten können.




Beschreibung:

In einem ersten Brainstorming wird das Drehbuch diskutiert: Festlegung von Slogans, Catchwords (Stichworten).

Anschließende Feinarbeit in Arbeitsgruppen und Plenum.

Auf Drehbuch und Slogans sind die "Aktionen" der Schauspieltruppe abzustimmen (Bewegung, Choreographie). Anschließend Kamerapositionen und Beleuchtung bestimmen.

Feinkonzept von Ausstattung und Maske (FFK 21).

Einbau der Musik(en) (FFK 28, FFK 32).

Festlegung von Raumcharakteristiken, Halleffekten, Geräuschen usw.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Tonkassetten.






Rückgriff auf

vorherige UE:

FFK 21: "Verkleiden"

FFK 23: "Wörter mit Körperbewegung darstellen"

FFK 28: "Klänge zu Gefühlen"

FFK 32: "Musiken zu verschiedenen Filmtypen"




Weiterführung:

WB 06: "Wir machen Werbung III"

WB 07: "Wir machen Werbung IV"




Fächer


Unterrichtseinheit

Kreativitäts-



WB 06

faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Wir machen Werbung III"

Wortgel.

Ass.gel.


üz:

Medienproduktion.

Adapt.Fl.

Original.


GZ:

Kenntnisse über medienspezifische Werbung und Werbewirkung umsetzen können.


Evaluat.


FZ:

Werbespots gestalten können.




Beschreibung:

Je nach technischer Ausstattung der Schule und je nach Zeitbudget des Stundenplans wird die endgültige Aufnahme des Werbespots durchgeführt. Für das Ergebnis ist nicht das perfekte Endprodukt, sondern die Einsicht der Schülerinnen und Schüler in die Methoden und Probleme von professionellen Produktionsprozessen entscheidend (Wenn möglich, Profis zur Mitarbeit gewinnen.).




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-, Tonkassetten, Videoaufnahme, Einzelarbeit, Gruppenarbeit.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Tonkassetten, Videokamera, Videobänder.




Rückgriff auf

vorherige UE:

WB 04: "Wir machen Werbung I"

WB 05: "Wir machen Werbung II"




Weiterführung:

WB 07:" Wir machen Werbung IV"



Fächer


Unterrichtseinheit

WB 07

Kreativitäts-

faktor n. G.

D/BK/

HUS

Thema:

"Wir machen Werbung IV"

Wortgel.

Ass.gel.


üz:

Medienproduktion.

Adapt.Fl.

Original.


GZ:

Kenntnisse über medienspezifische Werbung und Werbewirkung umsetzen können.


Evaluat.


FZ:

Werbespots gestalten können.




Beschreibung:

Am Beispiel professioneller Werbespots, am besten im Verfahren der Einzelbildanalyse, diskutieren die Produktionsgruppen Texte, Slogans, Jingles, Licht-/Farb-/Musikeffekte, Mimik, Gestik, Aktionen, Ausstattung usw. und versuchen, Produktionsverfahren und -probleme zu erschließen.




Variation:

-




Arbeitsformen:

Tonband-, Tonkassetten-, Videowiedergabe,

Gruppenarbeit, Unterrichtsgespräch.




Materialien

und Medien:

Kassettenrekorder, Tonkassetten, Videorekorder, Videobänder.




Rückgriff auf

vorherige UE:

WB 04: "Wir machen Werbung I"

WS 05: "Wir machen Werbung II"

WB 06: "Wir machen Werbung III"




Weiterführung:

-





5. Zusammenarbeit mit der UNESCO



Materialien des Forschungs- und Entwicklungsprojekts zur medienpädagogischen Aus- und Weiterbildung/Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern der Primarstufe an der Universität Potsdam sind Beitrag der Deutschen UNESCO-Kommission zur Ge-meinsamen Europäischen Bildungsstudie der UNESCO: "Interaction between the school and the cultural enviroriment for education of the pupils" (Zeitter, 1992 und 1993).



6. Ausblick



Das Projekt zur medienpädagogischen Aus- und Weiterbildung/Fortbildung von Leh-rerinnen und Lehrern der Primarstufe an der Universität Potsdam könnte nach seinem Abschluß als Pilotstudie den Anfang für eine weitere Verbesserung medienpädagogi-scher Curricula für die Lehrerbildung an Universitäten und Pädagogischen Hochschu-len setzen. Eine Überprüfung der Lehr- und Lernmaterialen auf hochschuldidaktische Brauchbarkeit an den Universitäten anderer neuer Bundesländer wäre dringend zu wünschen, ebenso die Auswertung der Materialien für die Fortbildung von Grund-schullehrerinnen und -lehrern, Kindergärtnerinnen und Kindergärtnern, Bibliothekarin-nen und Bibliothekaren.



7. Literatur



Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne Zustimmung des Rechteinhabers unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Speicherung und Verarbeitung in elektronischen Systemen.

1 Zum Themenschwerpunkt "Tageszeitung“ ist im Verlag des Instituts für Medienentwicklung und Kommunikation GmbH in der Verlagsgruppe Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH eine Veröffentlichung unter dem Titel erschienen: "Von der Anschauung zum Begriff. Die Tageszeitung in einer vierten Grundschulklasse" (1995). Dieser Publikation sind die nachfolgenden curricularen Materialien entnommen.

2 Vgl. Malinowski, B. (1985). Eine wissenschaftliche Theorie der Kultur. Frankfurt am Main. Gehlen, A. (1950). Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt. Bonn. Plessner, H. (1982). Gesammelte Schriften VE (Lachen und Weinen). Frankfurt am Main.

3 Siehe Assmann, J. & Hölscher, T. (Hrsg.) (1988). Kultur und Gedächtnis. Frankfurt am Main.

4 Vgl. Kloepfer, R. & Landbeck, H. (1991). Ästhetik der Werbung. Der Fernsehspot in Europa als Symptom neuer Macht. Frankfurt am Main. S. 211-238.

5 Siehe Lorenz, G (1991). Lebensverhältinsse privater Haushalte in Europa. Sechs Länder im Zahlenvergleich. Frankfurt am Main. S. 53-67.

6 Vgl. Kloepfer, R. & Landbeck, H. (1991). a.a.O., S. 170ff.

7 Vgl. Kloepfer, R. & Landbeck, H. (1991), a.a.O., S. 55.

8 Vgl. Kotler, P, (1987). Semiotics of Person and Nation Marketing. In J. Umiker-Sebeok (Hrsg.), Marketing an Semiotics: New Directions in the Study of Signs for Sale Berlin. S. 3-12, hier: S. 3.

9 Vgl. Kotler, P. (1987). a.a.O., S. 3ff.

10 Vgl. Kloepfer, R. &Landbeck, H. (1991). a.a.O., S. 235ff.

11 Siehe Enzensberger, H.M. (1970): Baukasten zu einer Theorie der Medien, Kursbuch 20, S. 159-186.

12 Kotler, P. (1972). A Generic Concept of Marketing, Journal of Marketing, S. 46-54.

13 Bekannte Vertreter der Manipulationsthese sind z.B. Packard, V. (1957). Die geheimen Verführer. Der Griff nach dem Unbewußten in jedermann. Düsseldorf. Und: Dichter, E.(1960).The Strategy of Desire. New York.

Zur Gegenposition vgl. Brand, R. W. (1978). Die Legende von den geheimen "Verführern"- Kritische Analysen zur unterschwelligen Wahrnehmung und Beeinflussung. Wertheim. Und: Heller, E. (1984), Wie Werbung wirkt: Theorien und Tatsachen, Frankfurt am Main.

14 Vgl. Bekmeier, S. (1 989a). Nonverbale Kommunikation in der Fernsehwerbun . Heidelberg. Sowie Bekmeier, S. (1989b). Nonverbale Kommunikation in der Fernsehwerbung. Marketing ZfP, S.93-102.

15 Siehe Elias, N. (1976). Über den Prozeß der Zivilisation (2 Bd.). Frankfurt am Main.

16 Vgl. Kloepfer, R. (1985). Mimesis und Sympraxis: Zeichengelenktes Mitmachen im erzählenden Werbespot. In R. Kloepfer & Karl-Dietinar Möller (Hrsg.), Narrativität in den Medien MANA/MAKS 4, S. 141-181 und die dort angeführten weiteren Quellen.

17 Vico, G. (1710) De Antiquissima Italorum Sapentia. Neapel 1858; Kant, I. (1783). Prolegomena zu jeder künftigen Metaphysik. Werke Bd. IV. Berlin 1911. Zur Einführung vgl. die Aufsätze von Ernst von Glasersfeld (Einführung in den radikalen Konstruktivismus) und Heinz von Foerster (Das Konstruieren einer Wirklichkeit). In P. Watzlawick (Hrsg.) (1984). Die erfundene Wirklichkeit. München (S. 16-38; S. 39-60).

18 Siehe Bühler, K. (1978). Die Krise der Psychologie (2. Aufl.). Frankfurt am Main.

19 Vgl. hierzu ausführlicher Kloepfer, R. & Landbeck, H. (1991). a.a.O., S. 78-89.

20 Sartre, J.-P. (1975). Was ist Literatur? Ein Essay. Reinbek.

21 Vgl. Enzensberger, H. M. (1970). a.a.O.

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