re:learn 2010
"Können die Neuen Medien trojanische Pferde zur Entwicklung einer neuen Lernkultur sein?" Unter dieser Fragestellung fand am 15. April 2010 im Rahmen der re:publica die Subkonferenz re:learn statt. Lehrerinnen und Lehrer verschiedener Schularten berichteten dort von ihren Erfahrungen mit Smartphones, Laptops, Smartboards, Blogs und Wikis und davon, wie sich der Unterricht durch diese Lernwerkzeuge verändert hat. Drei der Vorträge haben wir für Sie mitgeschnitten. Die Präsentationsfolien finden Sie bei joeran.de.
Die iPhone-Klasse

- Christian Neff ist Lehrer an der Projektschule Goldau.
"Die Geräte aus dem Schulalltag zu verbannen, wäre für mich eine pädagogische Bankrotterklärung der Lehrpersonen."
Im Rahmen eines Pilotprojekts wurden 2009 an der Projektschule Goldau in der Schweiz die Schülerinnen und Schüler einer 5. Klasse mit Smartphones ausgestattet. So haben alle Kinder jederzeit ein Gerät zur Verfügung, mit dem sie kommunizieren, lesen, schreiben, rechnen, zeichnen, fotografieren, Töne hören und aufzeichnen sowie im Internet surfen können. Christian Neff berichtet aus dem Schulalltag, bei dem sich durch den Einsatz der iPhones einiges verändert hat und trotzdem alles immer noch gleich läuft. Denn es steht nicht der Umgang mit der Technik im Vordergrund, sondern die jeweiligen Lerninhalte. Vorteile sieht er zum Beispiel in den Möglichkeiten zum individualisierten Lernen und in der schnelleren Kommunikation zwischen Lehrer und SchülerInnen.
Die iPhone-Klasse (mp3, 9 MB, 24 min)
Die Laptop-Klasse

- Sandra Anusiewicz-Baer ist Bildungsreferentin der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Martina Godesa ist Lehrerin an der Heinz-Galinski-Schule.
"Damit erhalten die Schüler die Möglichkeit, sich schneller und aktueller zu informieren, als das je ein Schulbuch vermag."
Von ihren Erfahrungen mit einem digitalen Klassenzimmer an einer Berliner Grundschule berichten Sandra Anusiewicz-Baer und Martina Godesa. Dort wurden zwei Klassen mit so genannten classmate-Laptops ausgestattet, die über W-Lan mit einem Smartboard verbunden sind. Die Lehrkraft kann dabei jedes einzelne Kind beobachten oder auch geschriebene Seiten am Smartboard sichtbar machen. Vorteile bei der Nutzung dieser Medien sehen sie zum Beispiel darin, dass kooperative Lernmethoden gefördert werden und der Lehrer eher die Rolle eines Moderators oder Begleiters übernimmt.
Die Laptop-Klasse (mp3, 8 MB, 20 min)
Die Blog-Schule

- Roman Deeken und André J. Spang sind Lehrer an der Kaiserin-Augusta-Schule in Köln.
"Ich bereite Input vor und die Schüler arbeiten selbst, sind kreativ und haben Ideen …"
André Spang und Roman Deeken stellen die Web-2.0-Aktivitäten an ihrem Kölner Gymnasium vor, das seit 2009 mit Blogs und einem Wiki arbeitet. 16 Blogs sind an der Schule entstanden, die auf unterschiedliche Weise genutzt werden: Die Steuergruppe zur Schulentwicklung macht damit ihre Arbeit transparent, ein Stufenblog informiert die Schülerinnen und Schüler eines Abiturjahrjangs und es werden verschiedene Blogs für den Unterricht eingesetzt.
Die Blog-Schule (mp3, 9 MB, 23 min)










Kommentare
Lisa Rosa hat im Anschluss an die re:learn festgestellt, dass alle Vortragenden ihre Projekte vorsichtig und einer latenten "Entschuldigungshaltung" vorgestellt haben. Dies kommt aus der Erfahrung heraus, dass Kritiker wie der Kommentarschreiber Römmler einem Vorreiter das Leben schwer machen können. Es sind Leute, die nicht wahrhaben wollen, dass sich etwas bewegt und sich die Schule (endlich) auch bewegen will und muss. Etwas mehr Mut täte uns gut! Denn: Was kümmert es den Mond, wenn ihn auf der Erde ein Köter ankläfft?
Ich verteidige mich eigentlich selten gegen Kläffer, aber wenn mir einer fehlendes oder gar nicht vorhandenes Verständnis von Pädagogik vorwirft, bräuchte es schon eine Reaktion. Ich lasse es aber, denn beruhigend ist, dass dieser Herr noch in der Vergangenheit lebt und nicht gemerkt hat, dass sich zu lesen, schreiben und rechnen einen weitere wichtige Kulturtechnik gesellt hat: ICT
Natürlich geht es auch ohne Medien. Aber Römmlers Position führt gerade zu nicht Medienkompetenten Kindern und Jugendlichen. Und mit Medienkompetenz meine ich nicht nur Excel, Word und Co zu nutzen, sondern auch mit Öffentlichkeit umgehen zu lernen, mit Informationsüberfülle umgehen zu lernen. Regeln zu erlernen, die arbeitsfähig machen. Weder unsere Kinden, noch wie selbst leben in einer Welt ohne Computer, sie bestimmen das Leben unserer Kindern wahrscheinlich stärker als unser eigenes, aber daraus können wir in jedem Fall ableiten, dass der Computer, die Algorithmen das Leben eines Schülers und zukünftigen Wissensarbeiters stärker vereinnahmen wird als wir es für möglich halten. @Jöran: Sicherlich kann man sagen, es handelt sich hierbei um unterschiedliche Welten und Erfahrungshintergründe. Die Frage ist allerdings, wollen wir Kinder und Jugendliche für die Arbeitswelt vorbereiten oder nicht? Und dazu gehört wesentlich mehr als Kopfrechnen und Lesen und Schreiben!!
i-phone, Smartboard, Blog ... so ein Schmarren .. Das Smartboard erfüllt im genannte Beispiel dengleichen Zweck wie ein Beamer, ist aber sündhaft teurer. Wie lernen die Grundschüler denn handschriftlich sauber und vor allem richtig zu schreiben - an der Tastatur doch nicht!
Blogs ... sehen sich Lehrer und Schüler in der Schule denn nicht? Können die nicht dort besprechen und diskutieren? Dabei muss man dem anderen ins Gesicht sehen, ihn ansprechen und vor allem auch den Ton im wahrsten Sinne des Wortes wahren.
Ich habe Lesen, Schreiben und Rechnen gelernt. Ich kann Kopfrechnen und kann abschätzen, ob ein Ergebnis richtig sein kann. Was ich in der Schule nicht gelernt habe ist, was man bei Verträgen beachten sollte, wie ich gegenüber Behören auftreten sollte, wie man richtig telefoniert, sich bewirbt, ...usw. -- Man solle den Schülern die wichtigen Kulturtechniken richtig beibringen.
i-phone, Smartboard, Blog und ähnliche zweifelhafte Errungenschaften nicht im Unterricht zu verwenden als "pädagogische Bankrotterklärung" zu bezeichnen .. welches Verständnis hat der Mann denn von Pädagogik - ganz offensichtlich keins.
Die Lehrer sollen erst mal den richtigen Umgang mit den technischen Hilfmitteln der IT erlernen und für ihre Unterrichtsvorbereitung nutzbar machen.
Und: Menschen müssen das Recht haben, ihr Leben ohne i-phone, Blogs ... zu verbringen. Diese Dinge sind nicht notwendig, um ein anständiger Mensch zu werden, einen guten Beruf zu ergreifen. Sie als "pädagogisch" als erforderlich zu betrachten, ist für viele Familien finanziell und/oder ideell eine völlig unnötige Belastung. Wenn als Alternative Schulen das Equipement allen zur Verfügung stellen sollten, hielte ich das für eine masslose Verschwendung von Geldern.
Computer als Lernmittel ist zweifelsfrei sinnvoll. Da nämlich, wo Arbeiten effizienter, fehlerloser, schneller erledigt werden können. Der Umgang mit dem Computer und das Verständnis für computerunterstützte Tätigkeiten kann über den Einsatz des Computers im Unterricht erlernt werden. Nicht sinnvoll aber ist es, Lerninhalte dazu zu verwenden, Schülern die Weiten der IT nahezubringen. Ein gewaltiger Unterschied im Ansatz.
Römmlers Kommentar gibt möglicherweise die Mehrheitsmeinung der Pädagogenwelt wieder, oder?
Ich denke, man kann sich auf der Argumentationsebene gar nicht sinnvoll streiten, weil die Grundannahmen so ganz unterschiedlich sind.
-> Die Römmlersche Position sieht "Computer als Lernmittel", die Technik als ein effizientes Werkzeug, glaubt es gehe um "IT".
-> Die #relearn-Interessierten sehen in Computer und (viel wichtiger) Internet stattdessen (bzw. zusätzlich) *Lebenswelt und Kuturraum der Menschen*.
Das können Römmler & Co nicht nachvollziehen, weil sie es nicht aus eigener Erfahrung kennen. Und was der Mensch nicht kennt und als fremd empfindet, lehnt er gerne prinzipiell ab.
Danke für die Zusammenstellung und den mp3-Mitschnitt.
zu unserem Bericht geht es unter: steuergruppe.wordpress.com/2010/04/15/live-aus-berlin-kas-die-blog-schule/
Die Folien und weitere Informationen zum Vortrag jetzt hier: www.joeran.de/relearn-ergebnisse/
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